Jacob Boehme über den dreifachen Geist in der Matrix und im Menschen

Übertragung ins Neuhochdeutsche: Lorenzo Ravagli.

Ein jeder Geist sieht nicht weiter als bis zu seiner Mutter, aus der er entsprungen ist und in der er wurzelt; denn es ist keinem Geist möglich, aus seiner natürlichen Kraft in ein anderes Prinzip zu sehen und es zu schauen, es sei denn, er werde in diesem wiedergeboren.

Der natürliche Mensch aber, den die Matrix dieser Welt bei seinem Fall eingefangen hat, ist seiner Substanz und seinem Wesen nach ein zweifacher Mensch. Denn seine Seele stammt aus dem ersten Prinzip, das von Ewigkeit her keinen Grund oder Anfang hat (dem Ungrund). Und diese Seele hat zur Zeit der Erschaffung des Menschen im Paradies oder Himmelreich durch das göttliche Schöpfungswort auf geistige Art Gestalt angenommen. Sie ist aber mit der ersten Kraft vom wallenden Geist Gottes in die Matrix des dritten Prinzips, in den siderischen und elementarischen Menschen hineingehaucht worden. Dieser Mensch versteht – sofern das Licht Gottes in ihm leuchtet – , den Grund des Himmels, der Elemente und der Hölle; denn wenn das Licht in ihm ist, dann ist er in allen drei Prinzipien geboren, ohne dass er auch nur einen Funken von ihnen in sich trüge, ganz zu schweigen von dem grundlosen Brunnen, welcher Gott selbst ist.

Denn der geschaffene Geist des Menschen, der aus der Matrix dieser Welt stammt, herrscht in der Kraft des Lichtes, das heißt, durch die Kraft des anderen Prinzips, mit der Vollmacht eines Eigentümers über die Kraft und in der Kraft des siderischen und elementarischen Geistes. Aber beim Fall Adams haben wir diese große Macht verloren, indem wir das Paradies geräumt haben und ins dritte Prinzip, in die Matrix dieser Welt, auswanderten, die uns alsbald im Zwang gefangen hielt: darum besitzen wir nur noch einen Abglanz der Erkenntnis und sehen die ewige Geburt wie durch einen dunklen Spiegel.

Da wir nun so ohnmächtig in allen drei Geburten schweben, dass uns die paradiesische Pforte so oft verdunkelt wird und der Teufel uns oft in die höllische Pforte zieht, die Elemente aber die siderische Pforte mit ihrem Gewölk verdecken, schweben wir oft in der ganzen Matrix, als wären wir taub, stumm oder halbtot. Wenn uns aber das paradiesische Licht leuchtet, sehen wir hindurch in die Mutter aller drei Prinzipien, denn die hindert uns nicht und so sieht der dreifache Geist des Menschen eine jede Gestalt und Qualität in seiner Mutter.

Darum darf sich kein Mensch darüber wundern, dass wir von der Schöpfung der Welt reden, als wären wir dabei gewesen und hätten sie mit unseren Augen gesehen, noch darf dies jemand für unmöglich halten. Denn der Geist, der in uns ist, der wurde aus der Ewigkeit in Adam gehaucht und wir haben ihn von diesem geerbt. Und dieser Geist hat alles gesehen und sieht alles im Licht Gottes und ist gar nichts Fernes oder Unerforschliches. Denn die ewige Geburt, die im menschlichen Zentrum vonstatten geht, vollbringt nichts Neues, sie erkennt, wirkt und vollbringt eben das, was sie von Ewigkeit her vollbracht hat, wirkt in Licht und Finsternis und bangt in großen Ängsten. Wenn aber das Licht in ihr scheint, dann ist in ihrem Gewirke eitel Freude und Erkenntnis.

Darum redet man nicht von fernen Dingen, die weit von uns weg sind, wenn man von der Geburt des Himmels und der Elemente spricht. Sondern wir reden von Dingen, die in unserem Leib und unserer Seele geschehen. Und es ist uns nichts näher als diese Geburt, denn wir leben und schweben darin, wie in unserer Mutter – wir reden also nur von unserem Mutterhaus. Und wenn wir vom Himmel reden, so sprechen wir von unserem Vaterland, das die erleuchtete Seele zu schauen vermag, auch wenn er für den Leib verborgen ist.

Denn ebenso wie die Seele des Menschen zwischen den Kräften der Sterne und Elemente schwebt und schwimmt, so schwebt auch der geschaffene Himmel zwischen Paradies und Höllenreich und schwimmt in der ewigen Matrix. Das Wesen dieses Himmels ist unfasslich und unbegreiflich, er ist reine Kraft aus der ewigen Matrix und reicht so weit, wie sich der Äther in die Schöpfung ausgegossen hat, so weit als auch Luzifers Königreich währte oder reichte, und sein Ende können wir nicht erkennen. Denn die göttliche Kraft ist ohne Ende: schon unser Auge reicht bis an den feurigen Himmel der Sterne, die eine Ausgeburt der fünften Gestalt der ewigen Mutter oder eine Quinta Essentia sind, eine Ausgeburt, die zur Zeit des dritten Prinzips oder des Anfangs dieser Welt von der Kraft der Matrix erzeugt wurde, und die seither als Abgeschiedene schwebend über uns steht. Und ein jedes Wesen in dieser Ausgeburt in den vielfältigen Zentren der Sterne empfindet ein sehnliches Begehren nach den jeweils anderen, einen unstillbaren Wunsch diese zu durchdringen, und eine jede Essenz und Kraft ist der anderen Speise und Trank, Kasten und Behälter.

Denn so wie im paradiesischen Prinzip der Heilige Geist in der Dreiheit der Gottheit immer ausgeht und wallt, ganz sanft, unbeweglich und der Kreatur nicht fühlbar, und dennoch alles in der paradiesischen Matrix formt und bildet: so wirkt auch das dritte Prinzip. Nachdem die Matrix sichtbar und materialisch geworden ist, empfindet jede Kraft in der Matrix ein großes Sehnen und Verlangen nach den anderen, und es ist in ihr ein immerwährendes Aufsteigen, Blühen und Wiederabsteigen, wie in einem Gewächs oder einer siedenden Materia, da die herbe, kalte und strenge Matrix ohne Unterlass sich immerzu regt und wehrt. So zwar, dass die herbe Matrix wegen der inneren höllischen oder ursprünglichen Matrix immerzu in Ängsten lebt, und ein großes Verlangen nach dem Licht empfindet, das sie in der Feuerwurzel erblickt und vor dem sie immer erschrickt, worauf sie mild, sanft und materialisch wird und das Element des Wassers gebiert.

So musst du dir den Grund der vier Elemente denken, die keine voneinander abgesonderten Wesen sind, sondern nur ein Wesen – und doch von unterschiedlicher Herkunft. Und ein jedes Element liegt im Kasten eines anderen, ist aber auch sein Behälter und Glied.

Versteh dies richtig, und zwar wie folgt. Die Herbigkeit ist Matrix und Ursache aller Dinge. Sie ist ihrer eigenen Natur nach ganz finster, kalt und wie ein Nichts. Wenn sich nun aber die ewige Gottheit in der Herbigkeit spiegelt, beginnt diese finstere Herbigkeit eine Begierde nach der göttlichen Kraft zu entwickeln und zieht sie an sich, obwohl doch in dieser Herbigkeit kein Leben und kein Verstand ist. Sondern der Urgrund der ersten Essenz und der unergründliche Ursprung ist es, der das Werden bewirkt. Den Grund der Gottheit können wir hier nicht weiter erforschen, weil uns dies nur verwirrt.

Nun zieht die Herbigkeit in ihrer Lust und ihrem großen Sehnen nach dem Licht dieses immer an sich und ist in ihrem Wesen nichts als ein heftiger Hunger, ganz dürr, wie Nichts, ein begehrender Wunsch der Finsternis nach dem Licht. Und ihr Hunger oder ihre Anziehungskraft erzeugt die Bitterkeit, das Wehe, denn sie kann nicht gesättigt oder besänftigt werden. Daraus entsteht die Ängstlichkeit, so dass sich der Wille oder der Stachel der Lust und des Begehrens an sich selbst reibt, nötigt und sich nicht dem finstern Nichts oder dem Tod ergeben will. Vielmehr setzt sie ihre Begierde und Ängstlichkeit und ihren starken Willen hart dem verborgenen Licht Gottes entgegen, von dem die Herbigkeit augenblicklich immer erfüllt und zugleich getötet wird, wovon der herbe Geist sanft, süß und zu materialischem Wasser wird.

Da aber die Bitterkeit so heftig vor dem Feuerblitz in der Herbigkeit erschrickt, erfasst sie seine Mutter, die Herbigkeit, die vom Schreck materialisch geworden ist, und fährt aus und ist von der materialischen Herbigkeit umwölkt, so als wäre sie auch materialisch und webt und stärkt sich immer in der Mutter. Und das ist das Element der Luft in dieser Welt, das seinen Ursprung in der wässrigen Mutter hat, und das Wasser wiederum in der Luft und das Feuer in der sehnlichen Ängstlichkeit. Und die Erde und Steine nehmen ihren Anfang im grimmen Anziehen beim Fall Luzifers, als die Herbigkeit so streng im erhebenden Anziehen begriffen war, dass dieses Anziehen das Licht im dritten Prinzip wieder zum Erlöschen brachte.

So versteht man nun erst richtig, auf welche Weise das Licht Gottes die eine Ursache aller Dinge ist und versteht darin alle drei Prinzipien. Denn wenn die göttliche Kraft und das göttliche Licht nicht wären, dann wäre auch in der finstern Ewigkeit kein Sehnen danach. Dann wäre auch das herbe Begehren (die Mutter der Ewigkeit) nichts weiter als ein Nichts. Und dann versteht man, wie die göttliche Kraft in allem erscheint, und doch nicht das Ding selber ist, in dem sie erscheint, sondern dass der Geist Gottes im andern Prinzip ist. Das Ding aber ist sein Abglanz, der aus dem sehnenden Willen hervorgegangen ist. Nun ist aber das Herz Gottes in dem Vater der erste Wille und der Vater das erste Begehren nach dem Sohn und der Sohn ist des Vaters Kraft und Licht, wonach die ewige Natur immerzu lüstern ist – und daher gebiert sie aus der Kraft des Herzens Gottes in der ewigen Matrix das dritte Prinzip. Allein dadurch wird Gott offenbar, sonst wäre er ewig verborgen.

Darum, du edler Mensch, lass dich durch den Teufel und den Antichrist nicht narren, der dir weismachen will, die Gottheit sei weit von dir entfernt und der dich in einen weit abgelegenen Himmel weist. In Wahrheit stehst du vor der Tür des Himmels und bist mit Adam aus dem Paradieseshimmel hinausgegangen in das dritte Prinzip, aber du stehst jetzt an der Pforte. Mach es nur, wie die ewige Mutter, die aus ihrer großen Sehnsucht und Begierde nach Gott zum Himmelreich wird, in dem Gott wohnt, in dem das Paradies aufgeht. Verhalte auch du dich so, richte all deine Begierde auf das Herz Gottes, so dringst du mit Gewalt ein, wie die ewige Mutter der Natur … Tust du dies, wirst du zu einem rechten Gleichnis, Bild und Eigentum Gottes. Denn in dir sind alle drei Prinzipien zusammen mit der Ewigkeit, und in dir wird das heilige Paradies wiedergeboren, in dem Gott wohnt. Wo willst du Gott denn suchen? Suche ihn nur in deiner Seele, die stammt aus der ewigen Natur, in der Gott sich ausgebiert.

Der rechte Himmel, in dem Gott wohnt, ist überall, an allen Orten, auch mitten in der Erde, er umfasst die Hölle, in der die Teufel wohnen und nichts ist außerhalb von Gott. Denn wo er vor der Schöpfung der Welt gewesen ist, da ist er noch: in sich selbst. Und er ist das Wesen aller Wesen, alles wird aus ihm geboren und entspringt aus ihm. Darum heißt er Gott, weil er allein das Gute, das Herz oder das Beste ist, das heißt, das Licht und die Kraft, aus der die Natur entspringt.

Wenn du nun über Gott nachsinnen willst, so betrachte die ewige Finsternis, die außerhalb Gottes ist. Denn Gott wohnt in sich selbst und nichts vermag ihn aus eigener Kraft zu fassen. Die Finsternis nun empfindet ein großes Sehnen nach dem Licht, weil sich das Licht in der Finsternis spiegelt und durch sie hindurch leuchtet. Und in diesem Sehnen und Begehren findest du die Quelle und die Quelle fängt des Lichtes Kraft und das Sehnen macht die Kraft materialisch. Und diese materialische Kraft ist der Vorhang vor Gott oder der Himmel. Denn in der Kraft findet sich das Paradies, in dem der Geist wirkt, der vom Vater und Sohn ausgeht. All dies ist der Kreatur unbegreiflich, dem Gemüt aber fühlbar, denn im Gemüt der heiligen Seelen steht das Paradies offen.

Also siehst Du, in welchem Sinn Gott alles aus Nichts geschaffen hat: aus sich nämlich hat er es geschaffen. Und doch ist dies alles nicht die Ausgeburt seines Wesens, sondern entspringt alles der Finsternis.

Die Qual der Finsternis ist das erste Prinzip und die Kraft des Lichtes ist das zweite Prinzip und die Ausgeburt aus der Finsternis durch die Kraft des Lichtes ist das dritte Prinzip. Und sie heißt nicht Gott. Denn allein Gott ist das Licht und des Lichtes Kraft – und der Ausgang aus dem Licht ist der Heilige Geist.

Nimm dich selbst als Gleichnis! Deine Seele in dir gibt dir (1) die Vernunft, auf dass zu nachzusinnen vermagst – sie bedeutet Gott den Vater; (2) das Licht, das in deiner Seele scheint, auf dass du die Kraft erkennst und dich leitest – dieses Licht bedeutet Gott, den Sohn oder das Herz, die ewige Kraft ; und (3) das Gemüt, das des Lichtes Kraft ist und der Ausgang aus dem Licht, damit du den Leib zu regieren vermagst – dieses Gemüt bedeutet den Heiligen Geist.

1. Die Finsternis in dir, die sich nach dem Licht sehnt, ist das erste Prinzip. 2. Des Lichtes Kraft in dir, dank dem du im Gemüt ohne Augen zu sehen vermagst, ist das zweite Prinzip. 3. Die sehnende Kraft, die vom Gemüt ausgeht und an sich zieht und sich füllt, durch die der materialische Leib wächst, ist das dritte Prinzip.

Nun siehe. Da sich Gott durch die materialische Welt offenbaren wollte und die Matrix sich in der ängstlichen Geburt befand und der Schöpfer das erste Prinzip zur Erschaffung der Engel bewegte, da war die Matrix in ihrem Wesen unzerteilt. Da gab es nichts Greifbares, sondern nur Geist und die Kraft des Geistes. Der Geist war Gott und die Kraft war der Himmel und der Geist wirkte in der Kraft, so dass die Kraft lüstern wurde vor Sehnsucht. Denn der Geist spiegelte sich in der Kraft, da schuf der Geist die Kraft und aus dieser geschaffenen Kraft entstanden die Engel. Auf diese Weise wurde die Kraft zur Wohnung der Engel und zum Paradies, in dem der Geist wirkte und die Kraft sehnte sich nach dem Licht und das Licht schien in die Kraft: so ist alles eine paradiesische Wonne und Gott darin offenbar als ein Liebesspiel.

Nun schwebt das ewige Licht und auch die Kraft des Lichtes oder das himmlische Paradies in der ewigen Finsternis und die Finsternis kann das Licht nicht ergreifen. Denn es sind zwei unterschiedliche Prinzipien und die Finsternis sehnt sich nach dem Licht. Der Grund ist, dass das Licht sich in der Finsternis spiegelt und die göttliche Kraft darin offenbar wird. Weil aber die Finsternis die göttliche Kraft und das Licht nicht ergriffen hat, hat sie sich mit großer Lust gegen sie erhoben, bis vom Abglanz des Lichtes Gottes in ihr die Feuerwurzel entzündet wurde, aus der das dritte Prinzip aufgegangen ist. Und es entsprang aus dem ersten, aus der finstern Matrix, durch die Spiegelung der göttlichen Kraft. Da aber die entzündete Kraft in diesem Aufgang in der Finsternis feurig war, hat Gott sein Schöpfungswort gesprochen und durch den wallenden Geist, der in der Kraft des Lichtes ausgeht, die feurige Quelle auf körperliche Art geschaffen und von der Matrix abgesondert. Und der Geist nannte die feurige geschaffene Art Sterne, wegen ihrer Beschaffenheit.

Da schwebt nun die ungreifbare Matrix und sehnt sich nach der feurigen Art und die feurige Art sehnt sich nach der Matrix. Denn der Geist Gottes, der Geist der Sanftmut, spiegelt sich in der wässrigen Matrix und die Matrix empfängt Kraft von ihm. Es herrscht ein unablässiger Wunsch, zu gebären und zu wirken und die ganze Natur bangt in großem Sehnen und Ängstigen und ist immer willens, die göttliche Kraft zu gebären, in der Gott und das Paradies verborgen sind; sie gebiert aber nach ihrer Art, nach ihrem Vermögen.

Als nun Gott die Matrix mit ihrer feurigen Gestalt abgeschieden hatte, um sich durch sie zu offenbaren, stellte er das Schöpfungswort in die Matrix und sprach: Es sprieße hervor Kraut, Gras, Bäume, Tiere, ein jedes nach seiner Art. Das Sprechen war das Herz oder die Kraft des ewigen Vaters, der Geist aber, in dem das Schöpfungswort ertönte, der ging vom Vater in der Kraft des Herzens Gottes zusammen mit dem Willen aus und der Wille war das Schöpfungswort und schuf die Kraft der Ausgeburt im dritten Prinzip materialisch, sichtbar und greifbar, ein jedes nach seinem Wesen. Wie die Kraft war, so wurde auch sein Leib. Denn da gab die feurige Matrix, das Gestirn, dem Schöpfungswort seine Kraft und die wässrige Matrix mit den Elementen empfing die Kraft und wurde schwanger und ein jedes Element gebar seine Kreaturen aus sich selbst. Und doch wurden sie nicht zu abgetrennten Wesen, allein die Geschöpfe haben sich abgetrennt, ein jedes nach seiner Art, nach der ewigen Kraft, die im Sehnen durch die Lust aufgegangen war. Und dies wurde zum dritten Prinzip, das vor den Zeiten nicht gewesen war.

Also herrscht nun der gestirnte Himmel in allen Kreaturen als wären sie sein Eigentum. Er ist der Mann und die Matrix oder wässrige Gestalt ist sein Weib, das er immerzu schwängert, die gebiert das Kind, das der Himmel erzeugt. Und dies ist der geschaffene Himmel im dritten Prinzip, aus dem die Elemente hervorgehen, die wässrige Matrix nämlich, aus der das sinnliche Wasser geboren ward und immerzu in der Sehnsucht geboren wird.

Denn eine jede Gestalt in der Matrix schafft für menschliche Augen sichtbare und unsichtbare Kreaturen, von denen einige im Vergleich zum Menschen nur im übertragenen Sinn geistig sind. Im Feuer leben Geister und Kreaturen, die unseren körperlichen Augen nicht sichtbar sind, die wir auch nicht sehen können. Auch in der Luft gibt es solche Geister, die wir nicht sehen, weil die Luft unmaterialisch ist, also auch ihre Geister. Im Wasser gibt es materialische Kreaturen, die wir aber nicht sehen können, denn weil sie nicht aus Feuer und Luft bestehen, haben sie eine andere Beschaffenheit und sind auch den luftigen und feurigen verborgen – es sei denn, sie wollten sich selber offenbaren.

Alle Dinge sind aus dem Nichts zu Etwas geworden und eine jede Kreatur trägt das Zentrum oder den Kreis der Lebens-Geburt in sich selbst. Und ebenso wie die Elemente ineinander in ihrer Mutter verborgen sind und keines das andere ergreift, obgleich das eine des andern Glied ist, so sind auch die geschaffenen Kreaturen einander verborgen und unsichtbar. Denn ein jedes Geschöpf sieht nur in seiner Mutter, die der Grund seines Wesens ist. Das Materialische sieht die materialischen Wesen, nicht aber die unmaterialischen: die Geister im Feuer und in der Luft; ebensowenig sieht der Leib die Seele, obwohl sie in ihm wohnt, ebensowenig erfasst oder ergreift das dritte Prinzip das zweite, in dem Gott wohnt, und auch wenn es in Gott ist, so steht doch eine Geburt zwischen ihnen, genauso wie beim Seelen-Geist des Menschen und seinem elementarischen Geist, trotzdem beide einander enthalten.

»De tribus Principiis oder Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens« 1619 | Auszug aus dem 7. Kapitel

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