Jacob Boehme: Von der himmlischen und der irdischen Liebe und ihrer beider Frucht

Übertragung ins Neuhochdeutsche: Lorenzo Ravagli.

Wenn wir uns auf den ewigen Willen Gottes, des Wesens aller Wesen besinnen, finden wir im Ursprung nur ein Wesen. Aus diesem Wesen wird von Ewigkeit her ein anderes Wesen geboren, das ebensosehr Gott ist. Und wir finden, dass beide Wesen allmächtig sind, aber nicht aus einer Quelle kommen und sich nicht vermischen und dass keines von ihnen je vergeht.

Nun tragen sie aber zweierlei Neigung in sich: ein jedes neigt dem Seinigen zu. Da aber das göttliche Wesen von Ewigkeit her aus sich selbst geboren wird, neigt es dem Schwachen zu, um ihm zu helfen und trägt deswegen den Namen »Barmherzigkeit«.

Da sich nun aber die Jungfrau der ewigen Weisheit – als die Finsternis in der scharfen Essenz zerbrochen wurde – in diesem ewigen Ursprung und in dem ewigen Gemüt erblickte und im Feuerblitz die Tiefe des göttlichen Ebenbildes und Gottes Gleichnis im ewigen Ursprung sah, da wurde sie lüstern nach diesem Gleichnis. Und diese Lust führte zur Anziehung im Willen und der Wille stellte sich dem Gleichnis gegenüber und das Schöpfungswort in der Anziehung des Willens schuf den Willen im Gleichnis: daraus sind alle Engel hervorgegangen. Nun waren aber im Gleichnis die ewigen Essenzen und die Weisheit erblickte sich in diesen Essenzen vieltausendfach, auf dass die ewigen Wunder Gottes offenbar würden. So gingen aus einer Quelle vieltausendfach die Essenzen hervor.

Von der Essenz der ersten und großen Quelle aber, die sich vieltausendfach im Blick der ewigen Weisheit Gottes spiegelt, kommt der Name der Throne und Fürsten. Ihre Zahl ist bestimmt, wenn auch nicht zählbar, während es im Zentrum Gottes keine Zahl gibt. So sind also aus einem jeden Zentrum Brunnen entsprungen: zuerst die Throne und aus den Thronen wiederum vieltausendfache Brunnen.

Dies alles hat das Schöpfungswort zu einem Gleichnis und Ebenbild Gottes geschaffen und es mit der überschwänglichen Kraft Gottes überschattet. Und der Wille Gottes hat sich dem Bild und Gleichnis gegenübergestellt. Die nun den Willen annahmen, wurden Engel, denn sie richteten ihre Imagination auf den Willen, ins Herz Gottes und aßen von Gottes Wort. Die aber ihre Imagination auf das finstere Gemüt richteten, um wie Luzifer über die Gottheit und ihre Sanftmut in der Feuermacht des Feuerblitzes hinauszufahren und allein Herr zu sein, die wurden Teufel. Und ihren Namen haben sie von ihrer Verstoßung aus dem Licht, denn als das Schöpfungswort sie schuf, da waren sie im Licht, denn das Schöpfungswort, das sie schuf, wirkte im Licht.

Also ist der Teufel schuld an seinem Fall, denn er ließ sich durch die Matrix der Grimmigkeit anziehen, obwohl er einen freien Willen hatte, mit dem er nach dem Licht oder der Finsternis greifen konnte. Und Luzifer war ein Thron, das heißt, die Quelle einer großen Essenz. Und aus dieser gingen alle seine Diener hervor, die ihm nachfolgten: also wurden sie zurück in die Finsternis gestoßen, denn das Licht Gottes dringt nicht in die Grimmigkeit.

Und da ist das Schöpfungswort von den Teufeln (die ihre Imagination in die Hoffnung setzten, über Gott und das Himmelreich zu herrschen) bei der Gestaltung des Gleichnisses infiziert worden. Und es hat das Element im Gleichnis (der Ausgeburt in der Spiegelung) entzündet, so dass die Essenz andere Essenzen geboren hat, von denen die vier Elemente dieser Welt des dritten Prinzips ausgehen. Und das scharfe Schöpfungswort Gottes, das in der Ausgeburt wirkte, hat die Ausgeburt geschaffen, aus der die Steine und die Erde entstanden.

Denn als das Schöpfungswort das Element in der Ausgeburt entzündete, da wurde die Materia sinnlich und greifbar: die konnte nicht länger im Paradies bleiben und wurde ausgeworfen. Damit aber das Element mit seiner Ausgeburt nicht noch mehr gebäre, schuf Gott aus dem Limbus (Lehm) den Himmel und ließ aus diesem Element das dritte Prinzip aufgehen. Da erblickte sich der Geist Gottes in der Jungfrau, der ewigen Weisheit, wieder und das Gleichnis fand sich in der Ausgeburt im zerbrechlichen (vergänglichen) Wesen. Und dieses Erblicken lebte in der scharfen Anziehung des Schöpfungswortes. Das Schöpfungswort aber schuf daraus ein Wesen, eine reine Quintessenz, einen Auszug des Schöpfungswortes aus dem Limbus Gottes, in dem das verborgene Element lebt.

Damit aber die scharfe und ernste Essenz mit der Anziehung aufhöre, gebar Gott die Sonne als Gleichnis des Brunnens des göttlichen Herzens, die alle Dinge in die Sanftheit und das Wohltun setzte; und mit ihr ging das dritte Prinzip dieser Welt auf.

Da sich aber die ewige Weisheit Gottes, die züchtige Jungfrau der göttlichen Kraft, im Prinzip dieser Welt erblickte, dort, wo der Großfürst Luzifer einst im Himmel des andern Prinzips gelebt hatte, war dieses Erblicken ewig. Und Gott wollte, dass Gleichnisse aus den Essenzen hervorgingen, welche das Schöpfungswort nach Art einer jeden Essenz schuf. Diese Essenzen sollten nach dem Zerbrechen des äußerlichen Wesens Gestalten und Bildnisse im Paradies sein und ein Schatten dieser Wesen.

Und dass nichts vergeblich aus der Weisheit Gottes hervorgehe, hat Gott aus allen Essenzen Tiere, Vögel, Fische, Bäume und Kräuter geschaffen, dazu Geister mit elementischen Leibern aus der Quintessenz, damit nach vollendeter Zeit, wenn die Ausgeburt wieder in den Äther eingeht, alles vor ihm erscheine und seine ewige Weisheit in seinen Wundertaten erkannt werde.

Da es aber sein Wille war, auf Luzifers verlassenem Thron im ewigen Element auch Kreaturen zu haben, die an die Stelle des gefallenen Teufels träten, und den Ort im Himmel des Paradieses verträten, schuf er den Menschen aus dem (himmlischen) Element.

Und da dieser Ort nun zweifach war und mit dem ewigen Ursprung sogar dreifach, nämlich als erstes Prinzip in der großen Ängstlichkeit und als zweites Prinzip in der göttlichen Wonne im Paradies und als drittes Prinzip im Sonnenlicht und in der Qualität der Sterne und Elemente, musste auch der Mensch aus allen dreien geschaffen werden. Er sollte aber ein Engel an diesem Ort sein und alle Erkenntnis und alles Verständnis empfangen, damit er auch an den Bildnissen und Gestalten ewige Freude habe, die nicht im ewigen Geist leben, sondern im ewigen Bild – und deswegen sind alle Dinge in dieser Welt entstanden.

Da erblickte sich also Gott nach seinem ewigen Willen in seiner ewigen Weisheit, der edlen Jungfrau, in dem Element, das im Paradies der Schärfe der göttlichen Kraft vorhanden ist. Und das Schöpfungswort schuf den Menschen aus diesem Element im Paradies. Denn es zog ihn aus der Quintessenz der Sonne, Sterne und Elemente im Paradies ins Element des Ursprungs, aus dem die vier Elemente hervorgehen und schuf den Menschen zum Bilde Gottes, das heißt, zu Gottes Gleichnis und hauchte ihm ins Element des Leibes, das doch nur paradiesische Kraft war, den Geist der ewigen Essenzen aus dem ewigen Ursprung: da wurde der Mensch eine lebendige Seele und ein Bild Gottes im Paradies.

Und die Weisheit Gottes, die holdselige Jungfrau, erblickte sich in ihm und enthüllte mit ihrem Blick in Adams Zentrum tausenderlei Gestalten, die sollten aus diesem Brunnen des Bildnisses hervorgehen. Und die edle Jungfrau der Weisheit und Kraft Gottes wurde ihm vermählt, auf dass er keusch und züchtig bei seiner Jungfrau lebe. Er sollte kein Verlangen danach empfinden, sich dem ersten oder dritten Prinzip anzugleichen oder in diesen zu leben, sondern seine Neigung sollte allein dem Herzen Gottes zugewandt sein und er sollte vom Wort Gottes essen und von allen Früchten in dieser Welt.

Denn auch die Früchte waren gut und ihre Anziehungskraft entsprang aus dem inneren Element im Paradies. Daher konnte Adam mit seinem Mund alle Früchte essen, nahm diese aber nicht in seinen Leib und die Zerbrechlichkeit auf, denn sein Leib sollte ewig bestehen und im Paradies bleiben und aus sich eine Jungfrau der Zucht gebären, so wie er selbst war, ohne Zerreißen seines Leibes, denn das war möglich, weil sein Leib aus dem himmlischen Element, aus der göttlichen Kraft, bestand.

Als sich aber die züchtige Jungfrau mit großer Weisheit, Sanftmut und Demut so in Adam sah, da wurden die äußeren Elemente lüstern nach dem Ewigen und wollten sich in die züchtige Jungfrau erheben und ihrem Wesen ähnlich werden. Und da Adam aus ihnen, aus der Quintessenz der Elemente ausgezogen war, begehrten sie das ihrige und wollten sich dem ihrigen in Adam angleichen. Aber genau das hatte Gott Adam verboten: er sollte nicht von der Erkenntnis des Guten und Bösen essen, sondern sich mit einem Leben im Paradies begnügen.

Aber der Geist der großen Welt überwand Adam und drängte sich mit Macht in die Quintessenz, in die fünfte Gestalt oder den Auszug aus den vier Elementen und Sternen. Da musste Gott dem Adam ein Weib aus seinen Essenzen schaffen, wenn er das Reich nach dem Erblicken der edlen Jungfrau erfüllen und erbauen sollte, und der Mensch wurde irdisch und die edle Jungfrau wich vor ihm ins Paradies zurück – da wartet sie auf ihn, auf dass er das Irdische ablegt, damit sie seine Braut und liebe Buhlin sei. Mit dem Menschen in dieser Welt jedoch verhält es sich anders: er muss aus der Kraft der äußeren Sterne und Elemente geboren werden und in ihr leben, bis das Irdische wieder zerfällt.

Nun ist Adam in diesem Leben dreifach und ihm hängt ein dreifacher Geist an, in dem er geboren wird, den er auch nicht verlieren kann, es sei denn, er zerbreche. Das Paradies kann er aber wohl verlieren, wenn sein Geist in die Grimmigkeit und Falschheit imaginiert und sich in sie ergibt, um wie Luzifer in Hoffart über die Sanftmut und Gerechtigkeit in ihm als Herr zu leben. Wenn er dies tut, dann fällt das Paradies und verschließt sich vor ihm und er verliert das erste Bildnis, das fortan im verborgenen Element im Paradies bleibt.

Gleichwohl kann der adamische Mensch nach seinem inneren Element im Paradies leben, das ihm im Gemüt offensteht, aber nur, wenn er der Bosheit widersteht und sich aus ganzem Vermögen ins Herz Gottes ergibt. Dann wohnt ihm die Jungfrau im inneren Element im Paradies bei und erleuchtet sein Gemüt, damit er seinen adamischen Leib zähmen kann.

Denn diese drei Geburten werden einem jeden im Mutterleib mitgegeben und keiner darf sagen, ich bin nicht erwählt. Das ist eine Lüge, die das Element, in dem der Mensch auch lebt, verleugnet. Und sie verleugnet die Jungfrau der Weisheit, welche Gott einem jeden gibt, der sie mit Ernst und Demut sucht. Die Möglichkeit zu suchen, hat ein jeder, sie ist ihm mit dem allvermögenden verborgenen Element angeboren. Und es gibt keine andere Ursache des Verderbens im Menschen als die, die sich auch bei Luzifer findet, der einen freien Willen besaß, der es ihm erlaubte, nach Gott, der Demut, Keuschheit und Sanftmut zu greifen oder ins finstere Gemüt, in die aufsteigende Bosheit und Grimmigkeit, die zwar in ihrem Quell sich nicht über Gott erheben will, aber über die Sanftmut im Feuerblitz in der strengen Wiedergeburt angeeignet wird. Allein die Teufel wollten als Kreaturen über alles und alleine Herr sein, und ebenso geht es dem Menschen hienieden.

Wohl eignet der Hochmut von Natur dem einen Menschen mehr als dem andern, sie zwingt aber keinen, hochmütig zu sein; doch obwohl es keinen Zwang gibt, lässt der Mensch mutwillig um zeitlicher Ehre und Wollust willen den Teufel in die ewigen Essenzen, und der sieht bald, wie der Mensch von dem Geist dieser Welt durchdrungen ist, also versucht er ihn auch. Wenn ihn der Mensch erst einmal hereingelassen hat, ist er ein Gast, den man nur schwer wieder los wird. Aber es ist möglich: wenn sich der Mensch nämlich ganz stark vornimmt, umzukehren und im Willen Gottes zu leben, dann ist die Jungfrau auch schon unterwegs, um ihm zu helfen.

Es geht wohl hart zu, wenn das edle Senfkörnlein gesät werden soll, denn der Teufel wehrt sich gewaltig; aber wer beharrt, der erfährt, was in diesem Buch steht. Und auch wenn er sich nicht von der Untugend der äußerlichen Elemente und ihres Triebes befreien kann, so bleibt ihm doch der edle Same im Limbus Gottes, der grünt und wächst und endlich zum Baum wird, der dem Teufel nicht schmeckt. Vielmehr schleicht er wie ein schmeichelnder Hund um ihn herum und pinkelt ihn an und schmeißt alles Unglück durch seine Diener an ihn oder reißt manchen durch seine Rotte hinaus aus seinem Haus, auf dass er ihm keinen Schaden mehr antue – aber einem solchen geschieht wohl und er kommt ins Land der Lebendigen.

So sagen wir nun aufgrund unserer hohen Erkenntnis, dass die Quelle aller drei Prinzipien sich bei der Menschwerdung eines Kindes im Mutterleibe in dieses einprägt. Denn nachdem der Mensch von den Sternen und Elementen durch das Schöpfungswort gestaltet worden ist, und die Elemente in Gestalt des Herzens, der Leber, der Lunge, der Blase und des Magens ihre Regionen eingenommen haben, muss alsdann der Meister aus allen Elementen in seiner zweifachen Gestalt aufgehen. Denn es steht nun da (1) das Bild Gottes, (2) das Bild dieser Welt und (3) des Teufels Bild. Nun hebt an das Ringen und Überwinden und der Schlangentreter tut auch im Mutterleibe Not.

Darum, ihr Väter und Mütter, seid gottesfürchtig und fromm, dass der Schlangentreter auch in eurer Frucht sei, denn Christus spricht (Matth. 7,18), ein guter Baum kann nicht arge Frucht tragen und ein fauler Baum nicht gute Früchte. Und obgleich sich dies Gleichnis auf das Gemüt des Menschen bezieht, das bereits einen Verstand besitzt und besagt, dass kein falsches Gemüt gute und kein gutes Gemüt böse Früchte bringt, so tut es auch dem Kinde Not, zumal das Kind aus der Essenz der Eltern geboren wird.

Obwohl die Sterne die Essenzen in jedem Menschen bei der äußerlichen Geburt verändern, ist doch das ursprüngliche Element noch da: dieses können sie mit ihrer Macht nicht verändern, nur der Mensch selbst kann das. Die Sterne herrschen nur über die äußere Region und der Teufel darf den Menschen vor dem Erwachen des Verstandes, mit dem er zwischen Gut und Böse wählen kann, auch nicht versuchen – aber pochen sollte niemand darauf. Sind die Eltern gottlos, so kann Gott wohl auch einen gottlosen Samen verlassen, denn er will nicht, dass man die Perlen vor die Säue werfe. Obgleich er geneigt ist, allen Menschen zu helfen, müssen wir uns ihm doch zuwenden. Und auch wenn das Kind unschuldig ist, muss es der Same nicht sein, daher bedarf es des Schlangentreters. Darum bedenkt ihr Eltern, was ihr tut, ihr Huren und Spitzbuben, ihr versteht die Sprache des Himmels schlecht und es ist kein Scherz, es soll euch an seinem Ort gezeigt werden, dass der Himmel kracht. Fürwahr, die Zeit der Rose bringt es mit sich und es ist höchste Zeit, aufzuwachen, denn der Schlaf ist zu Ende, es wird sich ein großer Riss vor der Lilie auftun, darum achte ein jeder auf seine Angelegenheiten.

Denn siehe, wenn die Pforte dieser Welt im Kind fertig und das Kind eine lebendige Seele aus den Essenzen geworden ist und im Sonnenlicht sieht, und nicht mehr im Licht Gottes, da kommt der rechte Meister gerade zur Stunde in dem Augenblick, wenn sich das Licht des Lebens entzündet und gestaltet das seine, denn das Zentrum bricht in jedem der drei Prinzipien auf. Als erstes die herben Essenzen im Schöpfungswort in der starken Macht Gottes, die das Eigentum des Kindes, sein Wurm der Seele, sind – diese leben im Haus der großen Ängstlichkeit wie im uranfänglichen Ursprung. Denn der Same wird im Willen gesät und der Wille empfängt das Schöpfungswort in der Tinktur und das Schöpfungswort zieht den Willen innerlich und den Samen äußerlich zu einem Mesch zusammen, denn es ist der innerliche und auch der äußerliche Meister da.

Und da nun der Wille an sich zieht, wird er innerlich und äußerlich schwanger und verdunkelt sich. Der Wille kann aber nicht dulden, dass er in die Finsternis gesetzt wird, und gerät in große Angst nach dem Licht. Denn die äußerliche Materia wird mit den Elementen gefüllt und das Geblüt erstickt, da die Tinktur zurückweicht und sich des Todes Abgrund auftut. Der innerliche Wille aber wird von den Essenzen der Kraft erfüllt, und in dem Innerlichen geht ein anderer Wille auf, um sich aus der strengen Kraft des Essenzen ins Licht der Sanftmut zu erheben, während in dem äußeren sich das Begehren regt, das Reine von dem Unreinen zu scheiden, denn das bewirkt das äußerliche Schöpfungswort.

Wir müssen uns durch die Kraft der Jungfrau daran erinnern, dass der Wille ein dreifacher ist und dass ein jeder in seinem Zentrum fest und rein steht. Im ersten Zentrum geht zwischen den Eltern des Kindes die Neigung und viehische Begierde auf, sich zu vermischen: das ist das äußere elementische Zentrum, das für sich selbst fest steht. Im zweiten Zentrum geht die Liebe zur Vermischung auf – und auch wenn sie einander gram wären, wenn sie sich erblickten, so geht doch in der Vermischung das Zentrum der Liebe allein in die Vermischung auf, denn eine reine Tinktur fängt die andere und in der Vermischung empfängt sie die Substanzen beider.

Nun gleicht sich die Liebe dem inneren Element an und das Element dem Paradies und das Paradies ist bei Gott. Und der äußerliche Same besitzt seine Essenzen, die gleichen sich zuerst den äußerlichen Elementen an und die äußerlichen Elemente gleichen sich den äußeren Sternen an und die äußerlichen Sterne der äußerlichen Grimmigkeit, dem Zorn und der Bosheit. Und der Zorn und die Bosheit im Grimm gleicht sich dem Ursprung der ernsten Grimmigkeit, der Hölle Abgrund an, der Abgrund aber gleicht sich den Teufeln an.

Darum, o Mensch, bedenke, was du mit dem tierischen Leib empfangen hast, zu essen und zu trinken von Böse und Gut, welches Gott doch verbot. Sieh hier in den Grund der Essenzen und sprich nicht mit der Vernunft, es sei bloß der Ungehorsam gewesen, der Gott so erzürnt habe, dass sein Zorn nicht gelöscht werden kann – du irrst! Wenn die klare Gottheit zürnte, so wäre sie nicht um deinetwillen Mensch geworden, um dir zu helfen; sieh nur auf den Zweck in der Ewigkeit und du findest alles.

Also wird mit der Vermischung das Reich der Finsternis, des Teufels, mit gesät und es geht auf das dritte Zentrum der großen Inbrunst, aus dem die Grimmigkeit und das Fleischhaus geboren wird. Denn die reine Liebe, die das himmlische Element und das Paradies erreicht, hat ein gar keusches, züchtiges Zentrum und ist in sich selber befestigt.

Dies gebe ich dir als ein rechtes Beispiel, das du fleißig und aufmerksam betrachten sollst: Betrachte zwei junge Menschen, die nunmehr die Blume der edlen Tinktur in der Matrix und im Limbo erreicht haben, die nun angezündet ist: wie gar herzliche Treue und reine Liebe sie füreinander hegen. Eines gönnt dem anderen sein Herz in Liebe und möchte es mit ihm teilen, wenn es sein könnte, ohne Not und Tod. Das ist nun die wahre paradiesische Blume und diese Blume erreicht das Element und den Himmel und wird ihnen ähnlich. Sobald sie einander aber nehmen und sich vermischen, infizieren sie einander mit ihrer Brunst, die aus den äußeren Elementen und Sternen geboren wird und den Abgrund erreicht – so werden sie einander manchmal spinnefeind. Und auch wenn ihr Wesen edel ist und noch eine Liebe bleibt, so ist sie doch nicht mehr so rein und treu, wie die erste vor der Vermischung, welche feurig ist, während jene in der Brunst irdisch und kalt ist. Denn die muss ja Treue halten, weil es nicht anders sein kann; wie sich’s bei manchen wohl zeigt, dass man hernach in der Ehe Huren und Spitzbuben nachläuft und den Zucker des Teufels sucht, den er in die edle Tinktur streut, wenn der Mensch es zulässt.

Daran kann man abermals ersehen, dass Gott die irdische Vermischung nicht gewollt hat, sondern dass der Mensch in der feurigen Liebe bleiben sollte, die im Paradies war und aus dieser gebären sollte. Aber die Frau war in dieser Welt, im äußeren elementischen Reich, in der Brunst der verbotenen Frucht, von der Adam nicht essen sollte. Und da er gegessen und uns verderbt hat, geht es ihm nun wie einem Dieb, der in einem Lustgarten gewesen ist und ihn verlassen hat, um zu stehlen, und der nun wieder in den Garten zurückwill, aber der Gärtner lässt ihn nicht hinein, so dass er mit einer Hand in den Garten nach der Frucht langen muss; da kommt der Gärtner und reißt ihm die Frucht aus der Hand und er muss in seiner Inbrunst und seinem Zorn von dannen ziehen und darf nicht wieder in den Garten und ihm bleibt nur seine sehnsüchtige Brunst nach der Frucht: die hat er statt der paradiesischen Frucht erhalten – davon müssen wir nun essen und leben in der Frau.

Dadurch gebe ich dir klar zu erkennen, was ein Mensch ist, und was er sät, und was im Samen in Gestalt dreier Reiche heranwächst. Und wenn nun die drei Reiche gesät werden, so stammen sie zuerst vom Baum der Versuchung, von dem Zank und großer Streit ausgeht: da stehen die drei Reiche ineinander und tragen große Lust und Sehnen nacheinander. Das Element im Paradies will das reine Gemüt und den Willen behalten, das in der Liebe in der Tinktur des Samens steht und die äußeren Elemente, die vom inneren Element ausgehen, die wollen dieses Element haben und sich mit ihm vermischen: da kommt der äußerliche Grimm der Sterne, zieht es zusammen mit dem äußerlichen Schöpfungswort und setzt sich hinein, da wird der innerliche Wille in der Liebe mit dem Element und dem Paradies verdunkelt und die Liebe im Paradies geht in ihren Äther und erlischt in der Tinktur des Samens und das himmlische Zentrum geht unter, denn es tritt in sein Prinzip.

So kommt alsdann die Frau mit ihrem erstickten Geblüt, den Sternen und Elementen und setzt sich hinein und dies ist der Tod des Paradieses, wo Adam im lebendigen Leib starb, das heißt, er starb für das Paradies und das heilige reine Element und begann für die Sonne, die Sterne und die äußerlichen Elemente zu leben, über die Gott sagte: An dem Tag, an dem du von Böse und Gut isst, wirst du des Todes sterben. Und dies ist die Pforte des ersten Todes im Paradies. Seither lebt der Mensch in der elementischen Frau dieser Welt in der Zerbrechlichkeit (Vergänglichkeit).

Für uns ist es wichtig, folgendes zu erkennen: Wenn der Same in die Matrix gesät ist, wird er vom Schöpfungswort zusammengezogen, die Sterne und äußeren Elemente begeben sich in ihn und die Liebe und Sanftmut erlischt. Denn es entsteht ein grimmiges Wesen, wenn die Tinktur erstickt wird, und vor der Entzündung des Lebenslichts ist keine himmlische Kreatur im Kind. Und auch wenn es mit allen Gliedern des Leibes ausgestattet ist, so ist doch das himmlische Bildnis nicht darin, sondern das tierische. Und wenn dieser Leib vor der Entzündung des Seelengeistes im Lebensaufgang zerbricht, dann erscheinen am Tage der Wiederbringung vor Gott von dieser Gestalt nur ihr Schatten und ihr Bild, denn sie hat noch keinen Geist in sich getragen.

Nicht das Bild fährt in den Abgrund, wie manche meinen, sondern so wie die Eltern sind, ist auch ihr Bild; denn dieses Bild entspricht bis zur Entzündung des Lebens dem der Eltern. Danach aber gehört es nicht mehr den Eltern, sondern sich selbst. Die Mutter ist dann nur noch Herberge und gibt ihm Nahrung und wenn sie es in ihrem Leib abtötet, ist sie eine Mörderin und das göttliche Gesetz verurteilt sie zum zeitlichen Tod.

So nehmen also die Sterne und Elemente das Haus der Tinktur nach dem Entweichen der Liebe in Besitz und füllen es während des ersten Mondmonats aus. Und im zweiten Monat lassen sie durch das herbe Schöpfungswort die Glieder entstehen. Und im dritten hebt der Streit um die Region der Sterne und Elemente an, der dazu führt, dass jedes Element sein eigenes Haus aufbaut und seine Region in Besitz nimmt, nämlich das Herz, die Leber, die Lunge, die Blase und den Magen. Das Haupt aber wird zum Haus der Sterne, in dem sie regieren und ihren fürstlichen Sitz errichten.

Nachdem nun die Sterne und Elemente ihre Region und ihr Haus zu ihrer Wohnung hergerichtet haben, beginnt der mächtige Streit in großen Ängsten um den König des Lebens, denn die Kammer des Gebäudes befindet sich in großen Ängsten. Und wir müssen uns an den Ursprung des Wesens aller Wesen erinnern, an die ewige Geburt und Wurzel aller Dinge, und daran, dass im Hause der Ängstlichkeit zuerst ein einheitliches Wesen ist und dass dieses Wesen die Quelle aller Wesen ist und zuerst den Willen hat, das Licht zu gebären und dass dieser Wille die Kraft der Anziehung ist.

Denn das Begehren zieht an, was der Wille begehrt. Dieser Wille ist zuerst rein, weder finster noch licht, denn er wohnt in sich selbst und ist die Pforte der göttlichen Kraft, die alle Dinge erfüllt. Nun erfüllt die Anziehung den Willen mit dem Ding, das der Wille begehrt und auch wenn er rein ist und nur das Licht begehrt, so gibt es doch kein Licht in der finsteren Ängstlichkeit, das er anziehen könnte, dafür zieht er den Geist in sich oder die Essenzen der Sterne und Elemente. Mit diesen wird der Wille der göttlichen Kraft angefüllt und es ist alles rau und finster. So wird der Wille in die Finsternis gesetzt und das geschieht im Herzen.

Und wenn sich nun der Wille in der finstern Ängstlichkeit befindet, fasst er einen andern, zweiten Willen, aus der Ängstlichkeit zu entfliehen und das Licht zu gebären. Und dieser andere Wille ist das Gemüt, aus dem die Sinne hervorgehen, die in dieser Ängstlichkeit nicht bleiben wollen. Und der Wille erblickt sich in den Essenzen der Herbigkeit, in der grimmen Härte des Todes, und der Blick bricht wie ein geschwinder Blitz durch die Essenzen der herben Härte und schärft sich in der herben Härte, und wird so scharf wie ein Feuerblitz und zerbricht die herbe Finsternis: da fängt die Härte und Herbigkeit des Todes an, sich mit dem aufspringenden Blitz so schnell zu drehen wie ein Gedanke. Der wiedergefasste Wille (das Gemüt), der sich so geschwind erblickt, kann aber nicht aus den Essenzen fliehen und muss sich in diesem Rad mitdrehen, und weil er nicht entweichen kann, zerbricht er die Finsternis. Und wenn er die Finsternis zerbricht, erblickt sich der scharfe Blick in der lieblichen Wonne außerhalb der Finsternis in der Schärfe des Willens, dem Gemüt, und empfindet sich darin ganz wonnig. Darob erschrickt der Blick oder Blitz und fährt mit starker Macht durch die zersprengten Essenzen aus dem Herzen und will zum Mund hinaus und dehnt sich weit vom Herzen weg und wird doch vom herben Schöpfungswort festgehalten. Daraus entsteht als eigene Region die Zunge, in welcher der Schrack (Schreck) der zersprengten Essenzen zurückbleibt. Und wenn er sich dann wieder im Herzen, seinem ersten Wohnhaus erblickt und sich da gar wonnig und licht erlebt, da die Tore der Finsternis aufgesprengt sind, entzündet er sich wegen der Sanftmut im Liebewillen und durchdringt alle Essenzen nicht mehr als grimmiger Blitz, sondern als Zittern der Freude. Und die Macht der Freude ist nun viele hundert Male stärker, als der ursprüngliche Blick, der sich durch die herben, harten Essenzen des Todes schwang und sie geht mit starker Macht aus dem Herzen in den Kopf, um die himmlische Region in Besitz zu nehmen.

Denn diese Freude ist das Paradies und sie hat ihre innerste Wurzel dort, wo Adam durch seine Sünde den ersten Tod starb, was Gott dazu veranlasste, zu sagen: Des Weibes Samen wird der Schlange den Kopf zertreten. Ebendieses Wort bildet sich im Zentrum des Lebensaufgangs in Adam, und bei der Erschaffung der Eva in ihrem Lebensaufgang, und so fort in allen Menschen, damit auch wir in unserem ernsten Gemüt durch das Wort und die Kraft Gottes im Schlangentreter, der Mensch wurde, den Kopf und den Willen des Teufels zertreten können. Und befände sich diese Macht nicht an ihrem Ort, wären wir eine Beute des ewigen Todes. Deswegen waltet das Gemüt durch den freien Willen über sich selbst und lebt in der Kraft Gottes und seiner Verheißung als freies Wesen.

Wenn nun also der Freudenschrack in der Kraft Gottes, welche die Tore der Finsternis zersprengt, im Herzen aufgeht, und mit dem Blick in den Kopf fährt, setzt sich die Kraft der Freude, die am stärksten ist, oben fest und der Blick, der schwächer ist, unten. Und wenn der Blick in den Kopf gelangt, fügt er dort zwei Pforten ein, denn er hat die Tore der tiefen Finsternis zersprengt. Darum bleibt er nicht mehr in der Finsternis, sondern muss als Siegesfürst frei sein und lässt sich nicht gefangen halten. Und er deutet uns die Auferstehung Christi vom Tode an: der ist ebenso frei und lässt sich durch nichts halten. Und jene Pforte, die der Blick offenhält, das sind die Augen, deren Wurzel der Freudengeist ist, der zuerst in der Anzündung des Lebens aufgeht.

Der starke wiedergefasste Wille aber, der im Herzen geboren wird und der Finsternis entfliehen will, um ins Licht zu gelangen, ist nichts anderes als die edle Jungfrau der Weisheit, die in solchen Freuden aufgeht und sich mit dem Seelen-Geist gleich zu Beginn vermählt und ihm zum Licht hinaufhilft. Und diese Jungfrau setzt sich nach dem Aufgang der Seele, nach der Entzündung der Sonnenkraft, in ihr Zentrum des Paradieses, und warnt fortan die Seele vor dem ungöttlichen Weg, der ihr von den Sternen und Elementen nahegelegt und in ihre Essenzen gebracht wird. Darum behält die Jungfrau ihren Thron im Herzen und auch im Kopf, als immerwährende Wehr und Steuer der Seele.

Erinnern wir uns an den Augenblick, als der Schrack durch die Tore der ängstlichen Finsternis brach und sein Wohnhaus in der Zunge errichtete, noch bevor der Schrack die Jungfrau erblickt hatte, als er sich wieder im Herzen in der nun geöffneten Finsternis erblickte und sie so wonnig fand und ihm die Freude, Wonne und Lieblichkeit aufging und daraus das Paradies entstand. Da wollte er nicht wieder in die Zunge, sondern in den Kopf, um da aus dem Quell des Herzens zu leben und zu herrschen. Darum darf man der Zunge nicht alles glauben, denn sie befindet sich nicht in der himmlischen Region, wie die wonnige liebliche Kraft, sondern im Schrack und Blitz. Und der Blitz ist der höllischen Region so nahe wie der Schrack, denn sie werden beide in der strengen Schärfe in den Essenzen geboren. Daher redet die Zunge Lüge und Wahrheit: je nachdem, womit der Geist sie wappnet, darin reitet sie. Auch bei den hohen Menschen redet sie oft Lügen, und wenn sie von den Essenzen gewappnet wird, dann reitet sie im Schrack als Reiter in seinem Hochmut.

Das Leben der Seele

Wenn nun Kraft und Geist des Lebens des zweiten Prinzips aus dem Urgrund des ersten Prinzips, aus den Toren der Finsternis, geboren sind, welche der Wille der Kraft der Jungfrau mit dem strengen ernsten Blick der strengen Macht Gottes gesprengt hat, um sich in die liebliche Wonne zu setzen, dann dringen die Essenzen der Sterne und Elemente mit dem Blick in den Aufgang des Lebens ein, aber erst nach der Erbauung der lieblichen Wonne.

Denn die Wonne ist das Element; und die Kraft des inneren Elementes ist die Liebe des Paradieses. Und diese Liebe wollen die äußeren Elemente, die aus dem inneren Element geboren sind, von ihrer Mutter haben. Und das scharfe Schöpfungswort bringt sie in die Wonne: da wird das Licht des Lebens so richtig angezündet und alle Essenzen leben in der Wonne und die Sonne der Sterne geht in dieser Wonne auf, denn im Anfang des Lebens fängt jedes Prinzip sein Licht.

Das erste Prinzip, die Finsternis, fängt den grimmen und geschwinden Feuerblitz: Wenn sich der wiedergefasste Wille im ersten Willen der angezogenen Herbigkeit erblickt und mit seinem Blick die Finsternis zersprengt, bleibt im ersten Willen der herben Finsternis der Feuerblitz zurück und wird zur Galle oberhalb des Herzens und zündet das Feuer in den Essenzen des Herzens an.

Und auch das zweite Prinzip behält sein Licht, die liebliche Wonne, für sich, jene Wonne, die dort erscheint, wo die Finsternis gesprengt wird, und in der die holdselige Kraft und Lieblichkeit erscheint. Und von dieser wird der Schrack in der starken Macht freudenreich und sein heftiges Zerren wird zu einem freudenreichen Zittern, weil ihm der Feuerblitz des ersten Prinzips anhaftet, der ihn zu einem Zittern macht, aber seine Quelle ist eine solche Lieblichkeit und Freude, die man gar nicht beschreiben kann. Wohl dem, der sie erfährt!

Und das dritte Prinzip behält sein Licht ganz für sich – jenes Prinzip, das in die Tinktur der Seele eindringt, wenn das Licht des Lebens aufgeht, und sich mit dem Element verbindet und nach ihm greift, aber nicht dieses, sondern nur das Licht der Sonne erhält, das aus der Quintessenz des Elementes hervorgegangen ist. So herrschen die Sterne und Elemente im Licht und der Kraft ihrer Sonne und verschmelzen mit der Seele, und bringen ihr vielerlei Untugenden, auch Krankheit in ihren Essenzen, von denen Stechen, Reißen, Geschwülste und Fallsucht entstehen – schließlich Zerfall und der Tod.

Und sobald das Licht in allen dreien Prinzipien leuchtet, geht auch die edle Tinktur in allen dreien auf. Man muss aber betonen, dass das mittlere Prinzip kein Licht von der Natur annimmt, sondern dass es in hoch freudenreicher Wonne erscheint, sobald die Finsternis zersprengt ist, und die edle Jungfrau in der Wonne, die in derselben Tinktur wohnt. So erscheint uns die Gottheit im Menschen gar hoch und klar, finden wir sie doch in keiner anderen Kreatur, welche wir auch immer betrachten.

Im ersten Prinzip ist der Feuerblitz. Seine Tinktur ist das schreckliche Licht der Sonne, das aus dem ewigen Urgrund, aus dem ersten Prinzip mit seiner Wurzel in der Quintessenz durch das Element in aller Schärfe entspringt, was an einem anderen Ort weiter ausgeführt wird, weil es hier zu lang ist und weil es auch verborgen bleiben will. Wer dies Geheimnis kennt, schweigt darüber, ebenso, wie über den Aufgang der Sterne und Planeten, denn das gekrönte Hütlein will in seiner Schule recht haben, auch wenn es im Licht der Natur das wenigste begreift: wenn die Zeit der Lilie anbricht, wird alles offenbar und die Tinktur ist das Licht der Welt.

Aber an diesem sieht man besonders gut, wie sich das dritte Prinzip mit dem ersten verbindet, wie sie fast zu einem Wollen verschmelzen, denn sie gehen auseinander hervor und wenn nicht das zweite Prinzip in der Mitte wäre, so wäre alles ein Ding. Und da wir hier von der Tinktur im Leben reden, wollen wir die drei Geburten aus dem Licht der Natur getreulich beschreiben.

Die edle Tinktur ist das Wohnhaus des Geistes und besitzt drei Gestalten: die erste ist ewig und unzerstörbar; die zweite ist veränderlich, bei den Heiligen ewig, bei den Gottlosen aber veränderlich und flieht in den Äther; die dritte zerstört der Tod.

Die erste Tinktur des ersten Prinzips ist eigentlich die Wonne im Feuerblitz, das heißt, die Quelle der Galle, sie schafft das Wohnhaus für den Schwefelgeist, den unauflöslichen Wurm der Seele, der mit seiner Kraft in den scharfen Essenzen herrscht und den Leib bewegt und trägt, wo das Gemüt im andern Zentrum hin will. Seine Tinktur lässt sich mit der strengen und scharfen Macht Gottes vergleichen; sie zündet den ganzen Leib an, damit er nicht erstarrt und erhält das Rad im Schrack in den Essenzen, aus dem das Gehör entsteht. Sie ist scharf und kostet den Geruch aller Dinge in den Essenzen; sie gestaltet das Gehör, obwohl sie nicht das Gehör und nicht der Geruch ist, sondern die Pforte, die Gutes und Böses einlässt, so wie die Zunge und das Ohr auch – was darin begründet ist, dass ihre Tinktur im ersten Prinzip entspringt. Und die Entzündung des Lebens vollzieht sich in der Schärfe, wenn die Pforte der ewigen Finsternis durchbrochen wird.

Darum werden die Essenzen des Seelen-Geistes scharf und feurig und darum geht aus den Essenzen eine so scharfe und feurige Tinktur hervor. Darin entstehen nun die fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Denn die grimmige Schärfe der Tinktur kostet in ihren eigenen seelischen Essenzen, den Essenzen des Seelen-Wurms, an diesem Ort der Sterne und Elemente, alles von dieser Ausgeburt aus dem ersten Prinzip; und was ihr bekömmlich ist, das nimmt sie in die Essenz des Seelen-Wurms auf. Dazu gehört alles, was herb, bitter, streng und feurig ist, alles, was sich im Grimm erhebt, alles, was den Essenzen als Eigenschaft anhaftet, was da im Feuerquell aufsteigt und sich bei der Sprengung der Tore der Finsternis erhebt und in die Sanftmut heraufquillt, alles also, was der scharfen und strengen Ewigkeit gleicht, und dem scharfen und grimmigen Zorn Gottes in Ewigkeit wesensverwandt ist, dem Zorn, in dem er das Reich der Teufel gefangen hält.

Und in dieser Tinktur des ersten Prinzip ficht der Teufel den Menschen an; denn es ist sein Quell, in dem auch er lebt; durch sie greift er ihm ins Herz, in seine Seelenessenz, und führt ihn von Gott weg in die Begierde, auf dass er in den scharfen Essenzen lebt und sich in der feurigen über die Demut und Sanftmut im Herzen Gottes erhebt und über die Liebe und Sanftmut aller Kreaturen. Und er gibt ihm den Wunsch ein, allein der schöne und glänzende Wurm im Feuerblitz zu sein und über das andere Prinzip zu herrschen. Und er macht den Menschen eitel und stolz, aller Sanftmut abgeneigt und all dem zugeneigt, was in derselben Qualität lebt.

In der bitteren Essenz aber macht der Teufel den Seelen-Wurm stachlig, feindselig, neidisch und missgünstig, denn die Bitterkeit verträgt sich mit nichts, sondern sticht und bricht, wütet und tobt wie der Abgrund der Hölle und ist das rechte Mordhaus des Liebelebens.

Und in der herben Essenz der Tinktur des Seelenwurms infiziert er die herbe Essenz, die dadurch scharf anziehend wird und ihren eigenen Willen entwickelt, alles an sich zu ziehen, obwohl sie es nicht mag. Denn der gefasste Wille lässt sich nicht gern füllen, sondern ist ein dürrer, höllischer, durstiger Hunger, alles zu haben – und wenn er alles bekäme, so wäre der Hunger doch nicht geringer. Es ist der ewige Hunger und Durst des Abgrundes, der Wille des höllischen Feuers und aller Teufel, die immerzu hungert und dürstet, und die doch nichts essen. Sondern ihre Sättigung besteht darin, dass sie den grimmigen Quell der Essenzen der herben, bitteren und feurigen Macht immerzu in sich saugen, darin besteht ihr Leben und ihre Genügsamkeit und so ist auch der Abgrund des Zorns und der Hölle beschaffen.

Und dies ist der Quell des ersten Prinzips, der außerhalb des göttlichen Lichtes auch nicht anders sein kann. Und er kann sich auch nicht verändern, denn er ist von Ewigkeit her so gewesen. Und aus dieser Quelle sind die Essenzen des Seelen-Wurms zur Zeit seiner Erschaffung durch das Schöpfungswort Gottes gezogen und im Paradies vor Gottes Licht geschaffen worden, das den Feuerblitz erblickt und in Sanftmut und Demut gesetzt hat.

Denn da der Mensch ewig sein sollte, musste er auch aus dem Ewigen hervorgehen. Aus dem Brunnen des göttlichen Herzens aber wird nichts geschaffen, denn er ist das Ende der Natur und besitzt keine solchen Essenzen, auch geht nichts Greifbares in ihn ein. Sonst würde es zur Fülle und Finsternis und das kann nicht sein; daher ist von Ewigkeit nichts gewesen, als diese Quelle, darüber die Gottheit in Ewigkeit steht.

Und diese Quelle des Seelen-Geistes ist ewig und seine Tinktur ist auch ewig. Und wie die Quelle in der Zeit dieser Welt ist, weil sie im irdischen Fleischhaus steckt, so ist auch die Tinktur und das Wohnhaus der Seele. Mit welcher Quelle sich das Gemüt verbindet, ob mit der göttlichen oder höllischen, in dieser lebt auch der Wurm und aus deren Prinzip ernährt er sich und ist entweder ein Engel oder ein Teufel. Sein Gericht aber findet nicht in dieser Zeit statt, denn er steht in beiden Pforten, so lange er im Fleisch lebt, es sei denn, er versinke ganz im Abgrund, wovon ich klar und deutlich schreiben werde, wenn ich von den Sünden der Menschen handle. Lies nach bei dem, was über Kain geschrieben steht.

Das Gemüt, das im Licht der Natur nichts erkennt, wird sich über meine Ausführungen wundern und meinen, es verhalte sich nicht so, Gott habe den Menschen nicht aus einer solchen Quelle gezogen und geschaffen. Nun sieh, du liebe Vernunft und teures Gemüt: recke deine fünf Sinne, ich will’s dir zeigen, ob’s wahr sei; ich will’s dir beweisen, dass du nicht den Funken eines Grundes hast, etwas anderes zu glauben, es sei denn, du wolltest den Teufel dein Herz durch die tierische Vernunft verbittern lassen und das Licht der Natur, das doch von Gott kommt, verachten. Und wenn du dich auf einem solchen viehischen Weg befindest, dann lies meine Schriften nicht, sie sind nicht für solche Säue geschrieben, sondern für die Kinder, die das Reich Gottes besitzen werden, denn ich habe sie für mich geschrieben und die Suchenden und nicht für die Klugen und Weisen dieser Welt.

Siehe, was sind deine fünf Sinne, aus welcher Kraft leben sie und gelangen sie in das Leben des Menschen? Wovon kommt dein Sehen, dass du im Licht der Sonne siehst und ohne es nichts? Denke gut darüber nach, wenn du ein Naturkundiger sein und dich des Lichtes der Natur rühmen willst! Du kannst nicht sagen, du sähest allein durch die Sonne, es muss auch etwas da sein, das der Sonne Licht einfängt und sich diesem angleicht, nämlich der Stern in deinem Auge. Der ist nun nicht Sonne, sondern steht im Feuer und Wasser, und sein Glanz, der das Licht der Sonne einfängt, ist ein Blitz, der aus der feurigen, bitteren und herben Galle entspringt und das Wasser macht ihn sanft. Nun vernimmst du hier zwar nur das äußere, das mit dem dritten Prinzip zu tun hat, in dem die Sonne, die Sterne und die Elemente sich befinden. So verhält es sich bei allen Kreaturen in dieser Welt.

Und wie macht es das Gehör, dass du hörst, was tönt und sich reget? Willst du behaupten, es kommt vom Schall der äußeren Dinge, die da schallen? Nein, es muss auch etwas da sein, das den Schall einfängt und sich diesem angleicht und den Ton unterscheidet, ob gepfiffen oder gesungen wird: das Äußere allein vermag das nicht, das Innere muss den Schall fangen und unterscheiden. Siehe! Hier findest du des Lebens Aufgang und Tinktur, in der das Leben lebt; denn die Tinktur des Schracks im Aufgang des Lebens bei der Zersprengung der finsteren Tore lebt im Schall und ihre Pforten stehen in der Nähe des Feuerblitzes neben den Augen offen und fangen allen Schall, der da tönt.

Denn das äußerliche Tönen gleicht sich dem inneren an und wird durch die Essenzen unterschieden und die Tinktur nimmt alles an, ob gut oder böse und bezeugt damit, dass sie zusammen mit ihren Essenzen, die sie gebären, nicht aus der Gottheit geboren ist, sonst ließe die Tinktur nicht das Böse und Falsche in die Essenzen der Seele.

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Schall in der Tinktur des Menschen höher steht als in den Tieren, denn er bezeugt und unterscheidet alle Dinge, die tönen, und weiß, wo sie herkommen und wie sie sich verhalten. Das vermag kein Tier zu tun, sondern es gafft nur alles an und weiß nicht, was es ist. Daraus versteht man, dass der Ursprung des Menschen das Ewige ist, weil er das Ding erkennen kann, das da in der Ausgeburt aus dem Ewigen geworden ist. Deswegen werden alle Dinge, die aus dem ewigen Nichts in ein greifbares Etwas gesetzt sind – aus jenem Nichts, das in Wahrheit nicht Nichts, sondern der Quell alles Seins ist –, nach dem Zerfall ihrer greifbaren Gestalt in einer ewigen leiblichen Gestalt fortbestehen und nicht im Geist, weil sie nicht aus dem ewigen Geist gemacht sind. Denn wären sie aus dem Geist, zeugten sie auch vom ewigen Anfang aller Dinge, so wie der Mensch, der in seinem Schall alle Dinge einfängt und unterscheidet.

Daher muss nun des Menschen Gehäuse des Schalls, in dem der Verstand wohnt, von Ewigkeit her sein, auch wenn es durch den Fall Adams vergänglich und unverständig geworden ist. So verhält es sich auch mit dem Geruch, denn wenn der Geist nicht im Schall lebte, dränge auch kein Geruch irgendeines Dinges in seine Essenzen, denn der Geist wäre ganz und in sich abgeschlossen. Da er aber in der Pforte der zersprengten Finsternis im Schrack und Schall lebt, dringen die Kräfte aller Dinge durch diese Pforte ein und er kostet sie; und was dem Essenzenleib des Geistes entspricht, das begehrt er und zieht es in die Tinktur, da greifen Mund und Hände zu und es sinkt in den Magen, in den Vorhof der vier Elemente, von denen die irdischen Essenzen der Sterne und Elemente sich ernähren.

Ebenso verhält es sich mit dem Geschmack: auch er kostet und zieht in die Tinktur, was dem Geiste entspricht; ebenso das Tasten. Lebte der Geist des Menschen mit seinen Essenzen nicht im Schall, gäbe es kein Tastempfinden. Denn wenn die herbe Essenz an sich zieht, erregt sie den bitteren Stachel im Feuerblitz, der sich regt, sei es mit Greifen, Stoßen oder Schlagen und so wird, bei jeder Berührung, der bittere Stachel im Feuerblitz erweckt und darin besteht die Regsamkeit der Tinktur.

»De tribus Principiis oder Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens« 1619 | Auszug aus dem 15. Kapitel.

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