Von den sieben Quellgeistern in Gott

Übertragung ins Neuhochdeutsche: Lorenzo Ravagli.

Erstlich ist in der göttlichen Kraft im Verborgenen die herbe Qualität. Das ist eine Qualität des Kernes oder verborgenen Wesens, eine Schärfe, Zusammenziehung oder Durchdringung in dem Salitter [der göttlichen Substanz] ganz scharf und herbe, die gebäret die Härte und auch die Kälte und – wenn sie entzündet wird – gebäret sie die Schärfe, gleich dem Salz …

Diese Qualität gebäret in der himmlischen Herrlichkeit die Schärfe des Geistes, daraus und dadurch das kreatürliche Wesen geformt wird, dass ein himmlischer Leib kann gebildet werden und allerlei Farben, Formen und Gewächse. Denn sie ist die Zusammenziehung oder Bildung eines Dinges. Darum ist sie die erste Qualität und ein Anfang der englischen Kreaturen und aller Bildnisse, die da sind im Himmel und in dieser Welt, und alles was genannt werden mag …

Die andere Qualität oder der andere Geist Gottes in dem göttlichen Salitter oder in der göttlichen Kraft ist die süße Qualität, die wirket in der herben und besänftigt die herbe, dass sie ganz lieblich und sanft wird. Denn sie ist eine Überwindung der herben Qualität und ist eben der Quell der Barmherzigkeit Gottes, welche den Zorn [die herbe Qualität] überwindet, dadurch der herbe Quell besänftigt wird und die Barmherzigkeit Gottes aufsteigt …

Die dritte Qualität oder der dritte Geist Gottes in des Vaters Kraft ist die bittere Qualität, die ist eine Durchdringung oder Zwingung der süßen und herben Qualität, die ist zitternd, durchdringend und aufsteigend.

Die herbe Qualität ist der Kern oder Stock oder Säure oder Zusammenziehung und die süße ist die lichte Linderung oder Besänftigung und die bittere ist die Durchdringung oder Triumphierung, die da in der herben und süßen aufsteigt und triumphiert. Das ist der Freudenquell oder die Ursache der lachenden, erhebenden Freuden, davon ein Ding vor Freuden zittert und jubiliert, davon die himmlische Freude entsteht. Dazu ist sie die Bildung allerlei roter Farben in ihrer eigenen Qualität, in der süßen bildet sie allerlei weiße und blaue, in der herben und sauren allerlei grüne und dunkle und vermengte Farben mit mancherlei Gestalt und Geruch …

Die vierte Qualität oder der vierte Quellgeist in der göttlichen Kraft Gottes des Vaters ist die Hitze. Die ist der rechte Anfang des Lebens und auch der rechte Geist des Lebens. Die herbe, saure und süße Qualität ist der Salitter, der zum Leib gehört, daraus der Leib gebildet wird. Denn es steht in der herben die Kälte und die Härte und ist die Zusammenziehung und Vertrocknung: und in der süßen steht das Wasser und das Licht oder der Glanz und die ganze Substanz des Leibes. Und die bittere ist die Scheidung oder Formung und die Hitze ist der Geist oder die Anzündung des Lebens, davon der Geist im Leib entsteht, der in dem ganzen Leib quillt und außer dem Leib leuchtet und macht die lebendige Bewegung in allen Qualitäten des Leibes …

Die fünfte Qualität oder der fünfte Geist Gottes unter den sieben Geistern Gottes in der göttlichen Kraft des Vaters ist die holdselige, freundliche und freudenreiche Liebe.

Nun merke, was da sei der Quellbrunn der holdseligen und freundlichen Liebe Gottes, merke hier gut auf, denn es ist der Kern.

Wenn die Hitze in der süßen Qualität aufgeht und zündet den süßen Quell an, so brennt dasselbe Feuer in der süßen Qualität: Dieweil denn nun die süße Qualität ein dünnes, liebliches, süßes Quellwasser ist, so besänftigt sie die Hitze und löschet das Feuer, so bleibt alsdann in dem süßen Quellbrunn des süßen Wassers nur das freudenreiche Licht und die Hitze ist nur ein sanftes Wärmen, gleich wie in einem Menschen, der sanguinischen Temperaments ist, da ist die Hitze auch nur ein freundlich Wärmen, so er sich nur recht maßvoll hält.

Dasselbe freundliche Liebe-Licht-Feuer geht in der süßen Qualität auf in die bittere und herbe Qualität und zündet die bittere und herbe Qualität an und speiset und tränket sie mit ihrem süßen Liebe-Saft und erquicket sie und erleuchtet sie und macht sie lebendig und freundlich.

Und wenn die süße lichte Liebe-Kraft zu ihnen kommt, dass sie davon kosten und ihr Leben kriegen, ach da ist ein freundlich Willkommen und Triumphieren, ein freundlich Willkommen und große Liebe, gar ein freundlich und holdselig Küssen und Wohlschmecken.

Da küsset der Bräutigam die Braut, o Holdseligkeit und große Liebe, wie süße bist Du, wie freundlich bist Du, wie lieblich ist doch Dein Geschmack, wie sanft riechst Du doch? Ach edles Licht und Klarheit, wer kann deine Schönheit ermessen? Wie zierlich ist deine Liebe, wie schön sind deine Farben? Ach und ewiglich, wer kann das aussprechen? Oder was schreibe ich doch, der ich doch nur stammle wie ein Kind, das da lernt reden …

Nun merke:
Gleich wie die Glieder des Menschen eines das andere liebet, also auch die Geister in der göttlichen Kraft. Da ist nichts denn eitel Sehnen, Begehren und Erfüllen, dazu einer in dem andern Triumphieren und sich Freuen, denn durch diese Geister kommt das Verstehen und die Unterscheidung in Gott, in Engel, Menschen, Tiere und Vögel und in alles, was lebt …

Wenn das Licht aufgeht, so sieht ein Geist den andern, und wenn das süße Quellwasser in dem Licht durch alle Geister geht, so schmeckt einer den andern, alsdann werden die Geister lebendig und dringt die Kraft des Lebens durch alles und in derselben Kraft riecht einer den andern, und durch dieses Quellen und Durchdringen fühlt einer den andern: und ist nichts als ein herzlich Lieben und freundlich Sehen, Wohlriechen, Wohlschmecken und Liebefühlen, ein holdselig Küssen, von einander Essen, Trinken und Liebespazieren …

Merke.
Die sieben Geister Gottes begreifen in ihrem Kreis oder Raum den Himmel und diese Welt und die Weite und Tiefe außer und über den Himmeln über der Welt und unter der Welt und in der Welt, ja den ganzen Vater, der weder Anfang noch Ende hat. Sie begreifen auch alle Kreaturen im Himmel und in dieser Welt in sich, und alle Kreaturen im Himmel und in dieser Welt sind aus diesen Geistern gebildet und leben darinnen als in ihrem Eigentum … Und aus demselben Leib der sieben Geister sind alle Dinge gemacht und hergekommen, alle Engel, alle Teufel, der Himmel, die Erde, die Sterne, die Elemente, die Menschen, die Tiere, die Vögel, die Fische, alle Würmer, das Holz und die Bäume, dazu Steine, Kraut und Gras und alles, was da ist …

Der sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, dass alles schallet und darinnen tönet, daraus die Sprache und die Unterscheidung aller Dinge erfolget. Dazu der Klang und Gesang der heiligen Engel und stehet darinnen die Formung aller Farben und Schönheit, dazu das himmlische Freudenreich …

Merke:
Er werden alle sieben Geister ineinander geboren, einer gebäret immer den andern, es ist keiner der erste und auch keiner der letzte, denn der letzte gebäret sowohl den ersten als der erste den andern, dritten, vierten, bis auf den letzten …

Denn, so etwas aus dem göttlichen Wesen geboren wird, so wird dasselbe nicht durch einen Geist allein geformt, sondern durch alle sieben …

Der Ton oder Marcurius nimmt seinen Ursprung in der ersten, das heißt, in der herben und harten Qualität …

Der siebente Geist Gottes in der göttlichen Kraft ist der Leib, der aus den andern sechs Geistern geboren wird, darinnen alle himmlischen Gestalten bestehen und darinnen alles bildet und formet und darinnen alle Schönheit und Freude aufgeht. Das ist der rechte Geist der Natur, ja die Natur selbst, darinnen die Begreiflichkeit steht, und darinnen alle Kreaturen gebildet sind im Himmel und auf Erden: ja, der Himmel selbst ist darin gebildet, und alle Natürlichkeit in dem ganzen Gott stehet in diesem Geist. So dieser Geist nicht wäre, so wäre auch kein Engel, noch Mensch, und wäre Gott ein unerforschliches Wesen, welches nur in unerforschlicher Kraft bestünde …

Bist du nun ein vernünftiger Marcurius-Geist, der durch alle sieben Geister Gottes dringet, und sie prüfet und schauet, wie sie sind, so wirst Du bei Erklärung dieses siebenten Geistes die Wirkung und das Wesen der ganzen Gottheit verstehen und im Sinne begreifen. Verstehest Du aber bei diesem Geiste nichts, so lass dies Buch zufrieden und richte weder vom Kalten noch Warmen darinnen, denn du bist im Saturno gefangen und bist kein Philosophus in dieser Welt …

Der erste Geist ist die herbe Qualität, die ist in Gott ein feines, liebliches Zusammenziehen, Vertrocknen und Kühlen und wird zu der Bildung gebraucht: Und obwohl sie in ihrer Tiefe etwas scharf ist, so temperiert sie sich doch mit dem süßen Wasser, sodass sie ganz sanft, lieblich und freudenreich wird.

Und wenn das Licht des süßen Wassers in sie kommt, dann gibt sie freundlich und freiwillig ihre Geburt dazu und macht es trocken und hellscheinend. Und wenn der Ton in dem Licht aufsteigt, so gibt sie ihren Ton oder Klang fein sanft und brüderlich dazu. Ebenso nimmt sie die Liebe von allen sieben Geistern an. Der Hitze gönnt sie auch, dass sie sich mag freundlich kühlen und ist mit allen Qualitäten ein freundlicher Wille. Sie hilft auch gern den Naturgeist und in demselben allerlei Formen, Gestalten, Früchte und Gewächse nach dem Willen aller sechs Geister bilden.

Sie ist ein gar demütiger Vater ihrer Kinder, der sie herzlich liebt und freundlich mit ihnen spielt, denn sie ist recht der andern sechs Geister Vater, die sich in ihr gebären …

Der andere Geist ist das Wasser. Ebenso, wie die herbe Qualität der andern sechs Geister Vater ist, der sie zusammen zeugt und hält, so ist das süße Wasser die Mutter, in der alle Geister empfangen, behalten und geboren werden. Und sie besänftigt und tränkt sie, wodurch sie ihr Leben bekommen. Und ebenso geht das Licht der (himmlischen) Freudenreiche darin auf …

Der dritte Geist in Gott ist der bittere Geist, der im Blitz des Lebens entsteht. Denn der Blitz des Lebens geht im süßen Wasser durch Reibung der herben und hitzigen Qualität auf. Der Leib des Blitzes aber bleibt im süßen Wasser als ein Licht oder Herz fein sanft bestehen und der Blitz ist ganz zitternd und vom Schreck und Feuer und Wasser und herben Geist wird er bitter aufgrund des Wassers, in dem er aufgeht.

Derselbe Blitz oder wütende Schreck oder bittere Geist wird in der herben Qualität gefangen und im klaren Licht in dem herben Geist glorifiziert und hoch freudenreich: das ist nun die Beweglichkeit oder die Wurzel des Lebens, die in der herben Qualität das Wort bildet oder abscheidet, dass im Leib ein Gedanke oder Wille entsteht.

Nun, derselbe hoch triumphierende Freudengeist wird in dem göttlichen Salitter (der Substanz des göttlichen Wesens) ganz löblich und wohl zur Bildung gebraucht. Denn er wallt vornehmlich im Ton und in der Liebe und ist dem Herzen Gottes in der Geburt am nächsten und mit ihm in der Freude verbunden, welcher denn auch selbst der Quell der Freude oder das Aufsteigen im Herzen Gottes ist.

Und hier ist kein Unterschied als der, der zwischen Leib und Seele im Menschen besteht. Der Leib bedeutet die sieben Quellgeister des Vaters und die Seele bedeutet den eingeborenen Sohn Gottes des Vaters.

Gleich, wie der Leib die Seele gebärt, also gebären auch die sieben Quellgeister Gottes den Sohn; und ebenso, wie die Seele etwas Besonderes ist, wenn sie geboren wird, und doch mit dem Leib verbunden ist und ohne den Leib nicht bestehen kann, ebenso ist auch der Sohn Gottes, wenn er geboren ist, etwas Besonderes und kann ohne den Vater nicht bestehen …

Der vierte Geist Gottes ist die Hitze. Sie wird zwischen der bitteren und der herben Qualität geboren und wird im süßen Wasser scheinend und leuchtend empfangen, und ist der rechte Brunnquell des Lebens. Denn im süßen Wasser wird sie ganz sanft – daraus entsteht die Liebe – und ist nur ein lieblich Wärmen und kein Feuer. Und ob es gleich im verborgenen Kern des Feuers Qualität oder Ursprung ist, so ist doch dasselbe Feuer nicht angezündet, denn es wird im süßen Wasser geboren. Wo nun Wasser ist, da ist nicht Feuer, sondern ein lieblich Wärmen und sanftes Qualifizieren. Wenn aber das Wasser vertrocknete, so würde daraus brennendes Feuer …

Der Seelengeist (Astralleib) ist gar viel subtiler und unbegreiflicher als der Leib oder die sieben Quellgeister, welche den Leib halten, denn er geht von den sieben Geistern aus, gleich wie Gott der Heilige Geist vom Vater und Sohn …

Der animalische oder Seelengeist aber gebärt sich im Herzen aus den sieben Quellgeistern so wie der Sohn geboren wird und behält im Herzen seinen Sitz und geht von demselben Sitz aus in die göttliche Kraft, wie der Heilige Geist vom Vater und Sohn. Denn er besitzt auch eine solche Subtilität, wie Gott der Heilige Geist und ist von gleicher Wesensart wie Gott, der Heilige Geist.

Wenn der animalische Geist aus dem Leib aufsteigt, so ist er mit der verborgenen Gottheit ein Ding und ist mit in der Bildung eines Dinges in der Natur, wie Gott der Heilige Geist selbst …

Denn die Seele begreift den höchsten Sinn. Sie sieht, was Gott ihr Vater macht und arbeitet mit bei der himmlischen Formung. Darum zirkelt sie den Naturgeistern ein Modell vor, wie sie sollen ein Ding bilden. Und nach dieser Vorbildung der Seele werden alle Dinge in dieser Welt gemacht …

Der fünfte Quellgeist in der göttlichen Kraft ist die holdselige Liebe. Sie ist der rechte Anblick der Sanftmut und Demut. Sie wird auch im Blitz des Lebens geboren. Wenn der Blitz als ein Schreck geschwind hindurchdringt und dadurch die Freude entsteht, so bleibt der Stock des angezündeten Lichtes im süßen Wasser bestehen und dringt fein sanft dem Blitz nach durch das Feuer bis in die herbe Qualität und besänftigt das Feuer und macht die herbe Qualität fein lind und weich, welches auch eine Geburt des Wassers ist …

Denn in den ersten vier Quellgeistern steht die göttliche Geburt, darum müssen sie auch ganz streng sein, wiewohl sie auch ihre sanfte Mutter, das Wasser, unter sich haben, und in dem fünften steht die holdselige Liebe und in dem sechsten die Freude und in dem siebenten die Formung oder Begreiflichkeit …

Der sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Marcurius oder Ton, darin der Unterschied und die himmlische Freude aufgeht. Dieser Geist nimmt seinen Ursprung im Feuerblitz, das heißt, in der bitteren Qualität und steigt im Blitz durch das süße Wasser, darin besänftigt er sich, so dass er hell wird und in der herben Qualität wird er gefangen, da reget er alle Geister an und von diesem Regen steht auf der Ton. Im Blitz steht sein aufsteigender Quell und im süßen Wasser in der Liebe sein Leib oder seine Wurzel.

Nun, dieser Ton ist das göttliche Freudenreich, das Triumphieren, darin das göttliche und sanfte Liebesspiel in Gott aufgeht, dazu die Formen, Bildungen und allerlei Gestalten.

Du sollst aber wissen, dass diese Qualität ganz sanft und lieblich mit ihrer Regsamkeit durch alle Geister dringt, auf dieselbe Art und Weise, wie in eines Menschen Herzen ein liebliches und sanftes Freudenfeuer aufgeht, darin der animalische Geist triumphiert, als wäre er im Himmel.

Nun, dieser Geist gehört auch nicht zur Bildung des Leibes, sondern zur Unterscheidung und zur Beweglichkeit, besonders aber zur Freude und zur Unterscheidung in der Bildung …

Wenn der Ton in der göttlichen Natur aufsteigt, so steigt er fein sanft aus allen sieben Quellgeistern zugleich auf und gebärt das Wort oder die Gestalten fein sanft …

Und alsdann sprechen ihn die andern sechs Geister im Ton aus Gottes animalischem Geist aus, verstehe: aus Gottes Herzen, aus dem Sohn Gottes, welcher im mittleren Zentrum als ein zusammengefasstes und leibliches Wort stehen bleibt …

Nun, die siebte Gestalt oder der siebte Geist in der göttlichen Kraft ist die Natur oder der Ausgang aus den andern sechs. Denn die herbe Qualität zieht den Salitter oder das Gewirke aller sechs Geister zusammen, gleich wie ein Magnet des Eisens Salitter (Substanz) an sich zieht: und wenn es nun zusammen gezogen ist, so ists eine Begreiflichkeit, in welche die sechs Geister Gottes unbegreiflicherweise qualifizieren.

Dieser siebente Geist hat eine Farbe und Art, wie alle Geister, denn er ist aller Geister Leib, in dem sie sich gebären, wie in einem Leib. Ebenso werden aus diesem Geist alle Gestalten und Formen gebildet, dazu sind auch die Engel daraus geschaffen und steht alle Natürlichkeit darin.

Und dieser Geist wird von allen sechsen immer geboren und besteht immerdar und vergeht kein Mal und gebäret hinwiederum immer wieder die sechs. Denn die anderen sechs sind in diesem siebenten wie von einer Mutter umschlossen und nehmen ihre Nahrung, Stärke und Kraft immer aus ihrer Mutter Leib.

Denn der siebente ist der Leib und die andern sechs sind das Leben. Und im mittleren Zentrum ist das Herz des Lichts, welches die sieben Geister als ein Licht des Lebens immerzu gebären. Und dasselbe Licht ist ihr Sohn; und die wallende Beweglichkeit oder Durchdringung durch alle Geister empört sich im Herzen im Aufgang des Lichts.

Und das ist der Geist aller sieben Geister, welcher aus dem Herzen Gottes geht, der da in dem siebenten alles formt und bildet und darin sich die Quellgeister mit ihrem Liebringen unendlich erzeigen …

Aber nach dem Bewegen der sieben Geister Gottes werden die Gestalten und Kreaturen der Vergänglichkeit geformt und nicht ebenso geboren: auch wenn sich die Geburt aller sieben Geister darin erzeigt, so steht ihre Qualität doch nur allein in dem siebenten Naturgeist, welchen die andern sechs nach ihrer Qualität und nach ihrem Ringen und Aufsteigen formen, bilden und verändern. Darum werden auch die Gestalten und vergänglichen Formen und Kreaturen verändert, nach Art des siebenten Naturgeistes, in welchem sie aufgehen …

Der Leib des Engels oder seine Begreiflichkeit ist aus dem siebenten Geist; die Geburt in demselben Leib sind die sechs Quellgeister und der Geist oder das Herz, den die sechs Geister im mittleren Zentrum des Leibes gebären, darin das Licht aufgeht und aus dem Licht der animalische Geist, welcher auch außerhalb des Leibes mit der Gottheit gleichen Wesens ist, das bedeutet, das Herz Gottes, aus welchem der Heilige Geist aufgeht …

Denn wenn der siebte Naturgeist geboren wird, so wird er von der herben Qualität getrocknet und wie vom Vater gehalten und kann nicht wieder zurück in die Tiefe, das heißt, in das Zentrum des Herzens, wo der Sohn geboren wird und woraus der Heilige Geist ausgeht, sondern er muss als ein geborener Leib still halten und die Quelladern, das heißt, die Geister in sich qualifizieren und nach ihrem Gefallen arbeiten lassen. Denn er ist der sechs Geister Haus oder Eigentum, das sie immer bauen nach ihrem Gefallen oder wie ein Lustgarten, in den der Hausvater allerlei Früchte sät nach seinem Gefallen und ihrer genießt.

Also bauen die anderen sechs Geister immer diesen Lustgarten und säen ihre Frucht hinein und genießen sie zur Stärkung ihrer Macht und Freude: und das ist der Garten, in dem die Engel wohnen und spazieren gehen und in dem die himmlische Frucht wächst.

Die wunderbare Proportion aber, die sich an Gewächsen und Gestalten in diesem Garten zeigt, die entsteht durch die Qualifizierung und durch das Lieberingen der anderen Geister. Denn welcher der erste wird in diesem Kampf, der bildet die Gewächse nach seiner Art; dazu helfen die anderen immerdar – bald ist einer an einem Ort, bald der andere, bald der dritte und so fort.

Jacob Boehme, Morgenröte im Aufgang, 1612. Auszüge aus dem 8. 9., 14. und 16. Kapitel

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