Astralmagie und Astralmedizin oder dem Himmel gemäß leben

1489 veröffentlichte der Arzt und Esoteriker Marsilio Ficino »De vita libri tres«, drei Bücher über das Leben. Aus dem dritten Buch, »De vita coelitus comparanda«, folgen hier einige Auszüge.

Botticelli, Primavera

Botticelli, Primavera. Anthropologie der Wesensglieder in der Renaissance

Gäbe es im Kosmos nur den Geist und den Körper und fehlte die Seele, würde weder der Geist zum Körper hingezogen, noch der Körper zum Geist. Denn der Geist ist vollkommen bewegungslos und kennt kein Verlangen, welches das Prinzip der Bewegung ist. Und der Körper hat von sich aus keine Fähigkeit oder Kraft zur Bewegung und steht dem Geist zu fern. Aber wenn zwischen beiden eine Seele steht, die sich mit beiden verbinden kann, dann wird das eine das andere ganz leicht anziehen und von ihm angezogen werden. Denn erstens ist es die Seele, die sich von allen Wesen am leichtesten anziehen lässt, weil sie das erste Bewegte im Kosmos ist und sich selbsttätig aus eigener Kraft bewegt. Und zweitens enthält sie alles auf ihre Art in sich, weil sie die Mitte der Dinge ist und zu Geist und Körper den proportional gleichen Abstand hat. Deshalb vermag sie sich mit allem zu verbinden, auch mit Dingen, die voneinander entfernt sind, weil sie selbst von ihnen nicht entfernt ist. Denn die Seele schmiegt sich den göttlichen ebenso wie den vergänglichen Dingen an und neigt sich beiden zu. Zugleich ist sie ein Ganzes, das gleichzeitig überall ist.

Außerdem trägt die Weltseele (anima mundi) kraft göttlicher Einrichtung so viele Keimformen von Dingen in sich, wie es Ideen im göttlichen Geist gibt und bringt durch diese Keimformen ebenso viele Arten in der stofflichen Welt hervor. Wegen der Keimform, die ihr innewohnt, entspricht jede einzelne Art ihrer Idee. Und sie vermag durch ihre Keimform stets von neuem etwas von der Idee zu empfangen, denn durch jene ist sie von der Idee ja auch ins Leben gerufen worden. Deswegen vermag eine Art, wenn sie die einmal angenommene Form verliert, sich durch die Keimform, die ihr am nächsten steht, wieder neu zu bilden und wird durch deren Vermittlung aus der Idee heraus wieder hergestellt. Und wenn du eine bestimmte Art oder ein zu ihr gehörendes Individuum in richtiger Weise dem Einfluss vieler Dinge aussetzt, die derselben Idee entsprechen – mögen sie äußerlich auch nicht miteinander verbunden sein – dann wirst du in diesen entsprechend vorbereiteten Stoff sogleich eine besondere Gabe von der Idee herabziehen und zwar durch die Keimform in der Weltseele. Denn nicht der Geist ist es, der sich anziehen lässt, sondern die Seele. Und darum soll niemand meinen, dass es irgendwelche vollständig vom Stoff getrennten göttlichen Mächte sind, die von irdischen Stoffen angezogen werden, vielmehr sind es die Dämonen und die Gaben eines beseelten Kosmos und lebendiger Sterne, die auf die stoffliche Welt einwirken. Darüber, dass die Seele von stofflichen Formen angelockt werden kann, sollte sich niemand wundern, denn sie selbst hat ja solche Köder, die ihr ähnlich sind, geschaffen, von denen sie sich anlocken lässt und bei denen sie stets gerne weilt. In der ganzen belebten Welt findet sich nichts, das so vollständig der Form entbehrte, dass die Seele sich nicht mit ihm verbinden und in ihm nichts bewirken könnte. Deshalb hat Zoroaster solche Abbilder der Keimformen in den sinnlichen Gegenständen als »göttliche Lockvögel« bezeichnet, und Synesius fügte hinzu, dass sie »magische Köder« seien.

Sodann sollte niemand glauben, dass zu irgendeinem Zeitpunkt alle Gaben aus der Weltseele in eine einzelne Art hinüberfließen, sondern es sind immer nur die Gaben desjenigen Keimes, aus dem eine solche Art hervorsprießt, und jener Keime, die zu dieser passen. So wird ein Mensch, der nur menschliches vollbringt, nicht die Gaben für sich beanspruchen, die den Fischen und Vögeln zustehen, sondern nur menschliche und diesen verwandte Gaben. Verwendet aber der Mensch Dinge, die zu einem bestimmten Stern oder Dämon gehören, dann wird er den Einfluss dieses Sterns oder Dämons erfahren, ähnlich wie ein mit Schwefel behandeltes Holz die allgegenwärtige Flamme empfängt. Und er erfährt diesen Einfluss nicht nur durch die Strahlen des Sterns und durch den Dämon, sondern auch durch die Weltseele, die ja überall ausgebreitet ist und die Keimformen der Sterne und Dämonen in sich enthält. Für die Weltseele sind die Keimformen nämlich nicht nur ideenförmige Kräfte, durch die sie erzeugen kann, sondern auch ideelle Urbilder, durch die sie erkennen kann, also Seinsgründe und Erkenntnisgründe zugleich.

Denn wie die älteren Platoniker sagen, hat die Weltseele aus diesen ihren Keimformen nicht nur die Sterne geschaffen, sondern auch Bilder und solche Teile von Bildern am Himmel, die ihrerseits wieder bestimmte Bilder erschaffen. Und all diesen hat sie ihre Eigenschaften eingeprägt. Sie richtete 48 allumfassende Bilder ein: 12 im Tierkreis und 36 außerhalb des Tierkreises, desgleichen 36 weitere Bilder im Tierkreis, die der Anzahl seiner Antlitze (Dekane) entsprechen und 360 weitere Bilder, die der Anzahl seiner Grade entsprechen. In jedem einzelnen Grad gibt es nämlich mehrere Sterne, die sich dort zu Bildern zusammenfügen. Auf ähnliche Art teilte die Weltseele die Bilder außerhalb des Tierkreises entsprechend der Anzahl seiner Antlitze und Grade ein. Schließlich stellte sie zwischen den Bildern außerhalb des Tierkreises und jenen im Tierkreis gewisse Beziehungen und Proportionen her, die wiederum die Gestalt von Bildern haben. Solche Bilder stehen miteinander im Zusammenhang, weil die Sterne, aus denen sie bestehen, aufgrund gewisser Verwandtschaften ihre Strahlen aufeinander richten. Von diesen so außerordentlich wohlgeordneten Formen hängen wiederum die Formen der Dinge in der unteren Welt ab, denn sie werden von ihnen gelenkt. Aber auch jenen Bildern am Himmel, die räumlich voneinander getrennt sind, liegen gemeinsame Keimformen in der Weltseele zugrunde und weil ihre Veränderungen sich stets auf gleiche Art abspielen, zeugen sie von der Unveränderlichkeit ihrer Urbilder. Und weil es eine Vielzahl solcher Urbilder gibt, die alle voneinander getrennt sind, müssen sie auf andere Bilder zurückgeführt werden, die im Geist – in einem Lebensgeist oder einem noch höheren – existieren, in dem sie alle vereint sind. Und diese Urbilder wiederum müssen auf das vollkommen Eine und Gute zurückgeführt werden, das die Quelle der Vielheit ist, so wie die Bilder des Himmels alle auf den Pol ausgerichtet sind.

Aber lasst uns auf die Weltseele zurückkommen. Wenn sie die besonderen Formen und Kräfte der Dinge in der unteren Welt erzeugt, dann bringt sie diese mit Hilfe der Sterne und Bilder am Himmel hervor. Aber auch die Gaben der individuellen Dinge, mit denen einige ebenso prächtig ausgestattet sind, wie die Arten, denen sie angehören, lässt sie aus ihren Keimformen hervorgehen, allerdings weniger mit Hilfe der Himmelsbilder als durch die einzelnen Sterne und durch die Bewegungen und Aspekte der Planeten, die diese untereinander und zu den Sternen bilden, die über ihnen stehen. Auch unsere eigene Seele bringt ja nicht nur die Kräfte der einzelnen Körperglieder hervor, sondern auch die allgemeine Lebenskraft, hauptsächlich durch das Herz als die Quelle des Feuers, das ihr von den Elementen am ähnlichsten ist. Ebenso entfaltet auch die Weltseele, die überall ausgebreitet ist, ihre allumfassende Lebenskraft hauptsächlich durch die Sonne, den Quell des himmlischen Feuers. Entsprechend sagen manche, die Seele, sowohl die himmlische als auch die irdische, wohne als Ganze in jedem einzelnen Glied, am meisten aber im Herzen und in der Sonne.

Denke aber immer daran, dass sich die Kraft unserer Seele unseren Gliedern durch den Ätherleib mitteilt, ebenso wie sich die Kraft der Weltseele durch die Quintessenz – den Weltenäther im Innern des Weltkörpers – in alle Dinge verströmt, die von dieser Weltseele umfasst werden. Diese Kraft teilt sie vor allem solchen Wesen mit, die am meisten von diesem Weltenäther in sich aufgenommen haben. Wir können aber von dieser Quintessenz umso mehr in uns aufnehmen, je besser wir wissen, wie sie sich am geschicktesten aus den anderen Elementen, in die sie eingebunden ist, herauslösen lässt, oder wenn wir zumindest hauptsächlich solche Dinge gebrauchen, die sie reichlich und vor allem in reinerer Form enthalten. Solche Dinge sind erlesener Wein, Zucker, Balsam, Gold, Edelsteine, Behennüsse, Dinge, die sehr süß duften und glänzen und ganz besonders solche Dinge, deren feine Substanz sich durch eine warme, feuchte und klare Qualität auszeichnet; abgesehen vom Wein ist das sehr weißer Zucker, besonders wenn man ihm Gold oder Zimt- und Rosenduft beimischt. Und ebenso wie Lebensmittel, wenn wir sie auf die richtige Weise zu uns nehmen, sich durch unseren Ätherleib in die Form unseres lebendigen Organismus umwandeln, auch wenn sie selbst nicht lebendig sind, so schöpfen auch unsere Körper, wenn sie dem Weltkörper und dem Weltenäther auf richtige Weise angepasst sind – durch kosmische Dinge nämlich und durch unseren Ätherleib – so viel als möglich aus dem Leben der Welt.

Wenn du willst, dass dein Körper und dein Ätherleib die Kraft irgendeines Teils des Kosmos, zum Beispiel der Sonne, aufnehmen, so suche dir unter den Metallen und Steinen jene aus, welche die meisten solaren Eigenschaften besitzen, und mehr noch unter den Pflanzen, und noch mehr unter den Tieren, am meisten aber unter den Menschen – denn je ähnlicher dir etwas ist, desto mehr wird es dir zweifelsohne davon gewähren. Diese Dinge müssen sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden, besonders am Tag und zur Stunde der Sonne und wenn die Sonne in einem Tierkreisbild herrscht. Solare Dinge sind jene Edelsteine und Blumen, die heliotrop genannt werden, weil sie sich zur Sonne drehen, ebenso Gold, Goldpigment und goldene Farben, der Chrysolit, der Karfunkel, Myrrhe, Weihrauch, Moschus, Bernstein, Balsam, gelber Honig, Gewürzkalmus, Safran, Spicanarde, Zimt, Aloeholz und die übrigen Gewürze; der Schafbock, der Falke, der Hahn, der Schwan, der Löwe, der Skarabäus, das Krokodil und Menschen, die blond und lockig sind, zu Kahlköpfigkeit neigen und großherzig sind. Die genannten Dinge können teils Nahrungsmitteln, teils Salben und Räucheressenzen zugesetzt und teils durch gewohnheitsmäßigen Gebrauch anverwandelt werden. Du solltest sie oft mit deinen Sinnen wahrnehmen und über sie nachdenken, und vor allem sollst du sie lieben, und du solltest dich auch möglichst viel Licht aussetzen.

Wenn du das Gefühl hast, dass die Wärme der Leber nicht in deinen Bauch gelangt, dann ziehe die Kraft der Leber durch Massagen sowie durch wärmende Umschläge zum Bauch, und verwende dazu Dinge, die der Leber entsprechen, nämlich Chicoree, Endivie, Spodium, Eupatorium, Leberblümchen und Lebern. Und damit Jupiter deinem Körper nicht fehle, gehe ähnlich vor und bewege dich körperlich an den zu Jupiter gehörenden Tagen und Stunden und wenn er regiert, und verwende dabei zu Jupiter gehörende Dinge wie Silber, Hyazinth, Topas, Koralle, Kristall, Beryll, Spodium, Saphir, grüne und luftige Farben, Wein, weißen Zucker und Honig, und pflege Gedanken und Gefühle, die besonders zu Jupiter gehören, das heißt, die beständig, ausgeglichen, religiös und gesetzestreu sind, und suche die Gesellschaft von Menschen, die so beschaffen und sanguinisch sind, die gut aussehen und Achtung verdienen. Aber denke auch daran, die erstgenannten Dinge, weil sie kalt sind, mit Gold, Wein, Minze, Safran, Zimt und Gemswurz zu mischen, und vergiss nicht, dass das Lamm, der Pfau, der Adler und der Jungstier zu Jupiter gehörende Tiere sind.

Wie aber die Macht der Venus durch Turteltauben, Tauben, weiße Bachstelzen und das übrige angezogen wird, dies zu enthüllen, verbietet mir mein Schamgefühl.

Niemand darf in Frage stellen, dass wir uns – ebenso wie alle anderen Dinge, die es auf Erden gibt – durch besondere Vorbereitungen Dinge des Himmels aneignen können. Denn die Dinge hier auf Erden sind vom Himmel geschaffen worden und werden immerwährend von ihm gelenkt, und vor allem wurde die Empfänglichkeit für seine Gaben von ihm in sie hineinlegt. Und – was die Hauptsache ist – der Kosmos ist in einem viel höheren Sinn ein in sich zusammenhängendes Lebewesen als jedes beliebige andere Lebewesen – vorausgesetzt nämlich, dass er das vollkommenste Lebewesen ist, wie Plato sagt. Ebenso wie sich bei uns die Beschaffenheit und Bewegung eines Körpergliedes, besonders, wenn es sich um ein Hauptglied handelt, auf die anderen auswirkt, so bewegen auch im Kosmos die Handlungen seiner wichtigsten Glieder alles übrige und die unteren Glieder empfangen ohne Schwierigkeiten von den höchsten, die bereit sind, mehr als nötig zu spenden. Denn je mächtiger eine Ursache ist, desto mehr ist sie bereit zu wirken und ist folglich um so mehr geneigt, zu schenken. Von unserer Seite bedarf es daher nur eines geringen Aufwandes, um die Geschenke der Himmelswesen in Empfang zu nehmen, sofern nur ein jeder sich hauptsächlich an das anpasst, dessen Einfluss er von Geburt an besonders stark unterliegt

Um die besondere Regel für den einzelnen Menschen herauszufinden, muss man erforschen, welcher Stern einem jeden in seiner Geburtsstunde welches Gut versprochen hat und eher ihn, als andere um Gaben bitten, und man darf nicht von irgendeinem Stern eine beliebige Gabe oder eine solche, die zu anderen gehört erbitten, sondern nur eine solche, die zu ihm gehört – abgesehen davon natürlich, dass du zum einen viele Gaben von der Sonne – dem gemeinsamen Oberhaupt der Himmelswesen – und von Jupiter, zum anderen aber alle kosmischen Gaben von der Weltseele und vom Weltenäther erlangen kannst. Dass der Kosmos Leben besitzt, wie jedes andere Lebewesen, aber in einem viel höheren Maß, das bekräftigen nicht nur die Argumente der Platoniker, sondern auch die Zeugnisse arabischer Astrologen. Denn in ihren Schriften beweisen sie auch, dass dann, wenn wir unseren Geist mit dem Kosmos verbinden – was durch eine physische Kunst (natürliche Magie) und Willenskraft geschieht –, himmlische Gaben zu unserer Seele und unserem Körper herabgezogen werden. Von uns her geschieht dies durch unseren Ätherleib, der in uns als Vermittler wirkt und der durch den kosmischen Ätherleib unterstützt und gefestigt wird. Vom Himmel her aber geschieht es durch die Strahlen der Sterne, die zu unserem Wohl auf unseren Ätherleib einwirken, der nicht nur seiner Natur nach diesen Strahlen ähnelt, sondern sich in solchen Augenblicken auch den Himmelswesen angleicht.

Zweifellos ist der Körper des Kosmos durch und durch lebendig, wie man aus der Bewegung und Erzeugung ersehen kann, was die indischen Philosophen damit begründen, dass er überall Lebewesen aus sich selbst erzeugt. Er lebt also durch eine Seele, die ihn allseitig durchdringt und ihm vollkommen gemäß ist. Deshalb wohnt zwischen diesem Weltkörper, den wir sinnlich wahrnehmen und der zum Teil vergänglich ist und seiner Seele, die ihrem Wesen nach so sehr vom Körper verschieden ist, überall ein Ätherleib, genauso wie es bei uns zwischen Seele und Körper der Fall ist, wenn anders das Leben dem gröberen Körper immer und überall von einer Seele mitgeteilt wird. Denn ein solcher Ätherleib wird notwendigerweise als Medium benötigt, durch das die göttliche Seele auf den gröberen Körper einwirken und ihm ungehindert Leben schenken kann. Körper, die du ohne Schwierigkeit wahrnehmen kannst, weil sie gewissermaßen auf deine Sinne abgestimmt sind, sind natürlich gröber und stehen niedriger in der Hierarchie des Seins, als die Seele, die vollkommen göttlich ist. Deswegen bedarf die Seele des Beistands eines edleren Körpers, der gewissermaßen fast kein Körper ist. Wir wissen, dass alle Lebewesen – Pflanzen nicht anders als Tiere – durch einen ähnlichen Geist, eben den Ätherleib, erzeugt werden und leben. Es verhält sich mit ihnen wie bei den Elementen, wo das geistigste, nämlich das Feuer, am schnellsten entsteht und sich immerzu bewegt, als wäre es lebendig.

Hier magst du dich nun fragen, warum nicht auch Edelsteine und Metalle – als Mitteldinge zwischen den Elementen und Lebewesen –  zeugungsfähig sind, wo doch die Elemente und Lebewesen etwas, das ihnen ähnlich ist, durch ihren eigenen Ätherleib erzeugen. Das liegt offenbar daran, dass der Ätherleib in ihnen durch einen dichteren Stoff gebunden ist. Wird aber dieser Ätherleib auf rechte Art vom Stoff abgetrennt und in dieser Abtrennung erhalten, dann wird er wie ein Keim ein Ding, das ihm gleich ist, erzeugen können, wenn er in Stoff eingeführt wird, der für ihn empfänglich ist. Wenn Kenner der physischen Stoffe (Alchymisten) einen solchen Ätherleib durch Sublimation über Feuer vom Gold trennen, dann können sie ihn auf ein beliebiges Metall überragen und Gold herstellen. Diesen sublimierten Äther, der auf rechte Art aus dem Gold oder etwas anderem gewonnen und bewahrt wird, nennen die arabischen Astrologen ein Elixier.

Aber lasst uns auf den kosmischen Äther zurückkommen, durch den die Welt alles erzeugt, weil ja ein jedes Ding von seinem eigenen Ätherleib erzeugt wird. Ihn können wir als Himmel oder als Quintessenz bezeichnen. Dieser ist im Körper des Kosmos praktisch derselbe, wie in unserem menschlichen Körper, mit dem Unterschied allerdings, dass die Weltseele ihren Ätherleib nicht aus den vier Elementen herauszieht, so wie es unsere Seele mit unseren Körpersäften macht, sondern ihn unmittelbar – um es mit platonischen oder besser plotinischen Worten zu sagen – aus ihrer eigenen Zeugungskraft heraus gebiert, gleichsam als sei sie mit ihm schwanger. Zugleich mit diesem erzeugt sie die Sterne und gebiert durch ihn im selben Augenblick die Elemente, so als sei alles in der Macht jenes kosmischen Äthers enthalten. Dieser Ätherleib ist ein sehr feinstofflicher Körper, fast so, als ob er nicht Körper, sondern beinahe schon Seele wäre, oder umgekehrt, schon nicht mehr Seele und fast schon Körper. Er trägt nur eine Spur des Erdigen in sich, um so mehr Wässriges, noch mehr aber Luftiges, am meisten aber vom Feuer oder vom Stoff, aus dem die Sterne gewoben sind. Den Maßverhältnissen dieser Bestandteile entsprechend entstanden, wie Plato im Timaios sagt, die Sterne und Elemente. Dieser Äther ist in allem, was da ist, die unmittelbare Ursache seiner Erzeugung und Bewegung, daher auch der Ausspruch: »Innen webt der Geist (Äther).« Durch seine eigene Natur ist er vollkommen durchsichtig, heiß, feucht und lebensspendend, weil er diese Qualitäten von der ihm übergeordneten Weltseele erhalten hat. Der Inder Hiarchas bezeugte, dass Apollonius von Tyana reichlich von diesem Äther getrunken habe, als er sagte: »Keiner soll sich wundern, o Apollonius, dass du die Wissenschaft des Wahrsagens erworben hast, weil du so viel Äther in deiner Seele trägst.«

Du wirst nun deine Anstrengungen darauf richten, diesen kosmischen Äther in dich zu ziehen, denn durch ihn als Vermittler wirst du nicht nur vom physischen  Kosmos, sondern auch von der Weltseele, von den Sternen und Dämonen manche Wohltaten empfangen. Denn er selbst ist ein Mittler zwischen der Welt und ihrer Seele, und die Sterne und Dämonen existieren in ihm und durch ihn. Sei es, dass der Körper der Welt und die Dinge dieser Welt unmittelbar von der Weltseele erzeugt wurden, wie Plotin und Porphyrius annehmen, oder dass der Weltkörper ebenso wie die Weltseele unmittelbar von Gott geschaffen wurden, wie unsere Theologen und vielleicht auch Timaios der Pythagoräer glaubten: jedenfalls lebt und atmet die Welt überall, und uns ist es erlaubt, ihren Äther in uns aufzunehmen.

Der Mensch nimmt ihn aber insbesondere durch seinen eigenen Ätherleib auf, da er von gleichem Wesen ist und zwar am meisten dann, wenn er sich ihm durch kunstvolle Verrichtungen noch mehr anähnelt, denn so wird er selber im höchsten Maß himmlisch wirken. Zu einem himmlischen Wesen wird er aber, wenn er sich von Unrat und von allem reinigt, was in ihm im Gegensatz zum Himmel steht. Denn Verunreinigungen gibt es nicht nur in den Gedärmen, sondern auch im Ätherleib. Und wenn sie auf der Haut, auf der Kleidung, in der Wohnung und der Luft sind, können sie den Ätherleib häufig infizieren. Der Ätherleib wird aber schließlich himmlisch werden, wenn er sich der Kreisbewegung der Weltseele und des Weltkörpers gemäß selbst kreisförmig bewegt, wenn er oft den Anblick des Lichtes sucht und über das Licht nachdenkt und so selber zu leuchten beginnt, und wenn allgemein Dinge, die Ähnlichkeit mit dem Himmel haben, auf ihn mit der Sorgfalt angewandt werden, mit der Avicenna in seinem Buch »Von den Kräften des Herzens« den Ätherleib heilt, worum auch wir uns in unserem Buch »Gesundheitsvorsorge für Gelehrte« bemüht haben.

All diese Ausführungen dienen dazu, unseren mit natürlichen Mitteln gut vorbereiteten und gut gereinigten Ätherleib in die Lage zu versetzen, so viele Gaben als möglich vom kosmischen Äther in sich aufzunehmen, indem er die Strahlen der Gestirne auf die richtige Weise empfängt. Das Leben des Kosmos, das alles durchdringt, teilt sich unbestreitbar den Kräutern und Bäumen mit, die so etwas wie Haare und Locken des Weltkörpers sind. Das Leben sprießt auch in den lebendigen Muscheln, die sich an Erde und Steine heften. Denn diese Dinge leben nicht so sehr ihr eigenes Leben als das allgemeine Leben des gesamten Kosmos mit. Dieses allgemeine Leben gedeiht noch viel mehr in den feineren Körpern, die über der Erde und so gewissermaßen näher bei der Weltseele sind. Durch die ihnen innewohnende ätherische Kraft haben Wasser, Luft und Feuer ihr eigenes Leben und an der Bewegung teil. Dieses Leben ist in Luft und Feuer sogar noch stärker, als in Erde und Wasser und hält sie in ununterbrochener Bewegung. Schließlich belebt es im höchsten Maß die Himmelskörper, die wie das Haupt, das Herz oder die Augen des Kosmos sind. Von dort aus ergießt es, wie durch Augen, seine Strahlen, die nicht nur sichtbar, sondern selbst sehend sind. Wie ein Sperling betrachtet es die Dinge drunten und nährt sie durch seinen Blick und erzeugt sie sogar durch diese Art der Berührung und teilt ihnen ihre mannigfaltigen Formen und Bewegungen mit. Dank der Bewegung glänzenden Wassers, heiterer Luft, eines nicht zu nahen Feuers und des Himmels kannst du die Bewegung des kosmischen Lebens empfangen, zumal, wenn du auch dich selbst ein wenig auf ähnliche Art mitbewegst, indem du dich – aber ohne, dass dir schwindlig wird –  so viel du kannst, um deine Achse drehst, deine Blicke den Himmelskörpern folgen lässt und im Geiste mit ihnen ihre Kreise ziehst.

Ebenso kannst du durch häufigen Genuss von Pflanzen und anderen Lebewesen sehr viel vom kosmischen Äther in dich aufnehmen, besonders, wenn du dich von Dingen nährst, die noch leben, noch ganz frisch sind und gerade noch in oder auf der Erde waren, und wenn du so oft als möglich bei Pflanzen weilst, die einen Wohlgeruch oder zumindest keinen schlechten Geruch verströmen. Denn alle Kräuter, Blumen, Bäume und Früchte verströmen einen Duft, auch wenn du es oft nicht bemerkst. Mit diesem Duft, dem Atem und Geist des kosmischen Äthers, erfrischen und beleben sie dich überall. Ich sage, dass dein Ätherleib solchen Düften von Natur aus sehr ähnlich ist, und durch den Ätherleib als Vermittler zwischen Körper und Seele erfrischen die Düfte auch leicht den Körper und unterstützen die Seele auf wunderbare Weise. Bei ihnen solltest du tagsüber im Freien weilen, in hochgelegenen, klaren und gemäßigten Regionen, so viel es dir möglich und zuträglich ist. Denn so berühren die Strahlen der Sonne und der Sterne dich ungehindert und reiner von allen Seiten, und sie füllen deinen Ätherleib mit dem kosmischen Äther, der hier viel reichlicher durch ihre Strahlen strömt. Zudem kann dich die Luft selbst mit ihrer natürlichen Bewegung – denn sie bewegt sich immerfort im Kreis, auch wenn dies wegen ihrer Milde und der täglichen Gewohnheit kaum je von jemandem wahrgenommen wird – freier umspielen und reiner in dich eindringen, wenn du am Tage unter freiem Himmel spazieren gehst und an offenen und erhöhten Orten weilst, und deinem Ätherleib die Bewegung und Kraft des Kosmos auf wunderbare Weise mitteilen. Ich habe mit Bedacht gesagt »am Tage«, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass Nachtluft schlecht für den Ätherleib ist. Aber tagsüber ist die Luft wohltuend, insbesondere, wenn du bei deinen Spaziergängen im Freien darauf achtest, dich nicht zu stürmischer Luft auszusetzen.

Du solltest bei deinen Spaziergängen aber nicht nur auf die Klarheit und gesunde Temperatur der Luft, sondern auch darauf achten, welche Sternenkonstellation der menschlichen Gesundheit besonders zuträglich ist. Desgleichen solltest du Orte wählen, an denen es gute Düfte gibt, und dabei täglich andere Wege wählen, die du ruhig und leichten Schrittes durchwanderst. Ich rate dazu, immer wieder andere Orte und Wege aufzusuchen – was natürlich immer deinem Belieben anheimgestellt ist –, weil sich die Gaben des Himmels und der Mutter Natur bei uns teils auf diese, teils auf jene Dinge und Orte verteilen und wir schließlich alle genießen sollen. Nicht zu vergessen, dass Abwechslung Langeweile verhindert, die eine Feindin der Lebensgeister ist und zu Saturn gehört. Abwechslung macht Lust, wodurch Venus, die Freundin der Lust, in den Ätherleib gelangt, und sobald sie darinnen ist, diese Lust in ihm entfaltet. Um dies zusammenzufassen: Wenn jemand über das Paradies und die Rolle des Apfels vom Baum des Lebens bei Moses nachdenkt, und über die durchaus vergleichbare Ernährung, wie sie Platon im Phaidon beschrieb, und über das, was Plinius über Völker sagte, die von Düften leben, wird er verstehen, dass das, was wir sagen, wahr ist.

Aber kommen wir nun auf das Wesen des Ätherleibes zu sprechen. Seiner Qualität nach gehört er zweifelsohne zu Jupiter, der ihn uns (im zweiten Monat der Schwangerschaft) auch einflößt. Seine Qualität ist aber auch solar, da Jupiter uns auch diese einflößt, insofern er die überwältigende Macht der Sonne in gemilderter Form in sich trägt. Und auch aus einem weiteren Grund handelt es sich um eine Jupiterqualität, weil er nämlich heiß und feucht ist, wobei die Hitze größer ist als die Feuchtigkeit, und weil er aus dem Blut gebildet und eine Art »Blutdunst« genannt wird. Und da er so heiß und äußerst subtil und glänzend ist und im Herzen gebildet wird, kann man ihn zweifelsohne wiederum solar nennen. Er trägt aber auch eine Venuskraft in sich, denn es ist eine Venusbewegung, durch die er hervorströmt, fließt, übertragen wird und Nachwuchs zeugt, zur Lust aller Sinne anschwillt und Schmerz flieht.  Zusammenfassend kann man den Ätherleib, insofern er das ist, was den Körper belebt, bewegt und Nachwuchs zeugt, als ein Jupiter-, Venus- und Sonnenwesen bezeichnen. Insofern er den Geist bei der Wahrnehmung und Vorstellungsbildung unterstützt, gilt er als solar und merkurisch, und merkurisch ist er auf alle Fälle, weil er so beweglich und so leicht veränderbar und formbar ist.

Ein gesunder Ätherleib hat normalerweise nicht viel von Saturn, Mars oder Mond in sich, sonst wäre er, als Folge des ersten, oft dumm, als Folge des zweiten rasend und wegen des dritten dumpf und unempfindlich. Deshalb sind Monddinge, die ziemlich schwer und feucht sind, der sehr feinen und luftartigen Natur des Ätherleibes gänzlich fremd. Dinge, die starke Saturneigenschaften und übermäßige Marseigenschaften haben, sind für ihn wie Gifte und sind natürliche Feinde des Ätherleibes – ersteres wegen der extremen Kälte und Trockenheit Saturns, letzteres wegen der Trockenheit und vernichtenden Hitze des Mars. Deswegen wird der Ätherleib seinem Wesen nach als hauptsächlich jupiter- und sonnenhaft, in zweiter Linie als merkurisch und in mancher Hinsicht als venerisch betrachtet. Der Hauptunterschied ist der, dass jener Teil des Ätherleibes, der sich im Stoffwechselsystem (spiritus naturalis) befindet, hauptsächlich dem Jupiter, jener Teil, der sich im rhythmischen System (spiritus vitalis) befindet, der Sonne und jener, der sich im Nerven-Sinnes-System befindet (spiritus animalis), dem Merkur zugeordnet ist. Wenn es also aus irgendeinem Grund nötig ist, einen von den dreien besonders zu unterstützen, dann wird es nicht leicht für dich sein, diesem kleinen Patienten zu helfen, wenn sich sein Herrscher in einer ungünstigen oder schwachen Position befindet. Aber am schwierigsten wird es sein, jenen Teil des Ätherleibs zu unterstützen, der sich im Nerven-Sinnes-System befindet, wenn Merkur durch eine ungünstige Position beeinträchtigt ist, da er so große Autorität über diesen Teil des Ätherleibs besitzt, dass man sagt, er versetze mit seinem Caduceus den Geist in Schlaf oder wecke ihn auf, was heißt, dass er abhängig davon, wie sein Aspekt jeweils beschaffen ist, die Geisteskraft auf wunderbare Weise entweder abstumpfen oder schärfen, schwächen oder stärken, anregen oder abdämpfen kann. Sooft du dich besonders um einen dieser Teile des Ätherleibes bemühst, solltest du dich deshalb nicht nur vergewissern, dass sein Herrscher in einer günstigen und mächtigen Position steht, sondern auch eine Zeit wählen, zu der sich der Mond in einer günstigen Position zu diesem Herrscher befindet.

Durch den Einfluss Saturns allein wird die Substanz des Ätherleibes weder im eigentlichen Sinn je geschaffen noch wiederhergestellt, aber er ruft ihn immer von den äußeren Dingen und Betätigungen zu den inneren und oft von den gewöhnlichsten Dingen zu den höchsten Gegenständen zurück. So kommt es, dass er uns zur Betrachtung verborgenerer und erhabenerer Dinge führt. Nichtsdestoweniger kann die Kraft von Mars oder Saturn, auch wenn das nur selten vorkommt, dem Ätherleib als Medizin nutzen, entweder durch Erwärmen, Stimulieren und Ausdehnen oder aber im Gegenteil dadurch, dass ein Ätherleib, der zu flüchtig ist, zusammengezogen wird.

Am besten aber wird der Ätherleib durch jene Dinge erzeugt und wiederhergestellt, die sich in Übereinstimmung mit den oben besprochenen vier Planeten befinden. Aber wenn du dich intensiv und wahllos solaren Dingen aussetzt, wirst du ihn reizen und schließlich austrocknen und auflösen. Wenn du dich in ähnlicher Weise Venusdingen zuneigst, wirst du ihn nach und nach verdünnen und abstumpfen. Wenn du nur auf Merkurdinge setzt, wirst du nicht viel davon haben. Daher wird es am besten sein, so viele Jupiterdinge wie möglich zu benutzen und die anderen Arten von Dingen maßvoll mit ihnen zu mischen und recht häufigen Gebrauch von solchen Dingen zu machen, die entweder all diesen Planeten gemeinsam sind oder allein Jupiter gehören. Denn diese gehören auf gewisse Weise auch allen anderen gemeinsam. All diesen Planeten zusammen gehören jene Dinge, deren Substanz weder allzu feurig, noch völlig erdig, noch nur wässrig ist, die keine scharfen oder stumpf machenden, sondern ausgewogene Qualitäten haben, sich glatt und etwas weich oder zumindest nicht hart und rauh anfühlen, süß schmecken, angenehm riechen und schön anzusehen sind, lieblich und angenehm im Ohr klingen und an die zu denken Freude macht.

Eine gewisse Süße des Geschmacks und angenehme Qualitäten sind ihnen aber allen gemeinsam. Wenn die Süße gelichzeitig etwas wässrig und fett ist, gehört sie mehr zu Venus; ist sie ziemlich geschmacklos und herb, eher zu Merkur. Solche Dinge nutzen dem Ätherleib nicht viel, sind aber trotzdem manchmal zur Abmilderung nötig, wenn er zu scharf ist. Ist die Süße deutlich zu schmecken und fein und hat sie nur geringe adstringierende Wirkung und einen leicht bitteren Geschmack, so wird sie Jupiter zugeordnet. Der Substanz nach entsprechen ihm Süßmandeln, Pinienkerne, Haselnüsse, Pistazien, Emmermehl, Süßholz, Rosinen, Eidotter, das Fleisch von jungen Haushühnern, von Fasanen, Pfauen, Rebhühnern und ähnlichem Geflügel, ebenso die Wurzeln des Behennussbaumes und des Alant, zudem wohlriechende klare Weine, die etwas süßlich und adstringierend sind, schneeweißer Zucker und das weißeste Weizenmehl. Zu Jupiter gehört auch Manna, sofern es mit der Kraft von Behennüssen angereichert ist, andernfalls gehört es gleichermaßen zu Venus und Jupiter. In Wahrheit gehört diese süße Substanz, die mehr als alles andere dazu beiträgt, den Ätherleib zu erzeugen und ihm neue Kraft zu schenken, immer Jupiter. Auch der größte Teil der Dinge, von denen wir in unserem Buch »Vom langen Leben« gesagt haben, dass sie die Jugend bewahren und heilsam für alte Menschen sind, sind Jupiterdinge. Aber wenn im Gegensatz dazu die Süße nur sehr gering ist und sehr viel Schärfe enthält und adstringierend ist, oder wenn sie etwas bitter ist, rechnet man sie der Sonne zu.

Eine ähnliche Gliederung gibt es bei Gerüchen, die ja mit den Geschmackseindrücken verwandt sind. Vergleichbares gilt von den Farben. Farben, die wässrig, weiß, grün oder etwas gelblich sind und Ähnlichkeit mit den Farben von Veilchen, Rosen und Lilien haben, ebenso die entsprechenden Düfte, gehören zu Venus, Mond und Merkur. Aber die Farben von Saphiren, die man auch luftfarbig nennt, intensivere Purpurtöne, Gold-Silber-Mischungen und Immergrün gehören zu Jupiter. Flammendes Gelb, reines Gold und hellere Purpurfarben gehören zur Sonne. Alle Farben, die frisch und lebhaft oder zumindest seidig sind, haben stellaren Charakter. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Himmelsdingen entfalten sie in Metallen, Steinen und Gläsern große Kraft.

Um aber auf Jupiter zurückzukommen, so ähnelt sein Geschmack und Geruch in etwa dem eines goldenen Pfirsichs oder einer goldgelben Birne oder einer Orange, einem leichten Malvasier- oder leichten Vernacciawein, und er entspricht dem Geschmack und Geruch von grünem Ingwer oder Zimt, süßem Fenchel oder Gemswurz, wenn letztere vier Dinge mit sehr viel Zucker gewürzt genossen werden. Sind sie dagegen ungezuckert, so sind sie, wie auch frische Muskatnuss, stattdessen der Sonne zuzuordnen. Sowohl Gewürznelke als auch Moschus sind solar, aber nur dem Geruch, nicht dem Geschmack oder Aussehen nach. Bernstein ist in erster Linie solar und dem Jupiter zuzuordnen. Safran ist ganz und gar solar, obwohl seine Farbe und sein Geruch von Astrologen allen drei Grazien (Jupiter, Sonne und Venus) zugeordnet werden; sein Geschmack gehört aber ausschließlich zur Sonne. Und dann gehören alle Dinge, die duften und aromatisch sind, insofern sie ihren Wohlgeruch verströmen, ebenso zu Jupiter, Venus und Merkur wie zur Sonne, wobei diejenigen von ihnen, die schärfer riechen, mehr zur Sonne gehören, die dumpferen eher zu Venus und Merkur, und die, die dem Geruch, Geschmack, Klang, Aussehen und der Oberflächenbeschaffenheit nach ausgeglichen sind, für Jupiter charakteristisch sind. Überdies gehören wohltuende und angenehme Töne und Gesäge allen drei Grazien und Merkur zu, bedrohliche und zu Tränen rührende Klänge repräsentieren dagegen Mars und Saturn.

Du solltest auch keineswegs überrascht sein, dass wir Farben, Gerüchen und Klängen eine solche Bedeutung zumessen. Denn die Geschmacksempfindungen gehören vor allem zu jenem Teil des Ätherleibes, der im Stoffwechsel wirkt, Gerüche dagegen mehr zu jenem Teil, der im rhythmischen und Nerven-Sinnes-System, Farben, Formen und Töne zu jenem, der im Nerven-Sinnes-System wirkt. Auch eine Gemütsbewegung, sei sie glücklich, traurig oder ausgeglichen, wirkt sich stark auf den Ätherleib aus, so dass er sich ihr angleicht: zuerst auf den oberen, durch diesen auf den mittleren und durch diesen schließlich auf den unteren Teil des Ätherleibs. Weil aber jeder Ätherleib aufgrund seiner feurigen, vollkommen luftartigen, leuchtenden und beweglichen Natur Ähnlichkeit mit Lichtern hat und somit auch mit Farben und Tönen, die ja aus Luft bestehen, schließlich auch mit Gerüchen und Gemütsstimmungen, wird er von diesen Dingen augenblicklich in die eine oder andere Richtung gezogen und durch sie geformt. Und so wie er sich selbst verändert, wirkt sich dies umgekehrt in gewisser Weise auf den Zustand des Geistes und auf die Beschaffenheit des Körpers aus. Kurz, wenn er sich mittels solcher Dinge, die zu ihnen gehören, dem günstigen Einfluss der Grazien aussetzt, dann erhält er, zumal er ja von Natur aus mit ihnen im Einklang steht, durch ihre alles lebendig durchwirkenden, ihm selbst verwandten Strahlen augenblicklich ganz wunderbare Gaben.

Nun behaupten wir, dass unser Ätherleib genau genommen nicht nur durch die Qualitäten von Dingen, die wir mit unseren Sinnen sehen, sondern auch – in einem noch höheren Maß – durch bestimmte Eigenschaften auf die Berührung mit den Himmelswesen vorbereitet wird, die der Himmel den Dingen eingeprägt hat und die sich unserer sinnlichen Wahrnehmung entziehen, weshalb sie unser Verstand so schwer erkennt. Denn da solche Eigenschaften nicht durch eine elementarische Kraft entstehen können, folgt daraus, dass sie auf außerordentliche Weise durch ebendiese Strahlen der Sterne aus dem Leben und dem Äther des Kosmos hervorgehen, und dass unser Ätherleib durch sie äußerst stark und äußerst schnell affiziert und so diesen himmlischen Einflüssen im höchsten Maße ausgesetzt ist. Aus ebendiesem Grund sind der Smaragd, der Amethyst, der Saphir, der Topas, der Rubin, das Horn des Einhorns, und ganz besonders der Stein, den die Araber Bezoar nennen, mit den okkulten Eigenschaften der Spender-Grazien ausgestattet. Und deswegen geben sie ihre Kraft nicht nur ab, wenn sie innerlich eingenommen werden, sondern flößen auch  dann, wenn sie die Haut berühren und dadurch erwärmt werden, dem Ätherleib eine Himmelskraft ein, die ihn vor Pest und Giften schützt. Ein Beweis dafür, dass sie und vergleichbare Dinge durch die Kraft des Himmels dergleichen bewirken können, ist die Tatsache, dass auch nur eine kleine Menge, innerlich eingenommen, entscheidende Wirkungen hervorrufen kann. Was eine elementarische Kraft je ausrichten kann, kann das himmlische Feuer sehr wohl ausrichten. Denn um eine große Wirkung zu erzielen, bedarf eine physische Kraft einer großen Menge Stoffes, wohingegen eine geistige Kraft mit sehr wenig Stoff sehr viel bewirken kann.

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Marsilio Ficinos Anthropologie der menschlichen Wesensglieder

Wie wir aus Erfahrung wissen, verändern sich bei jemandem, der Nieswurz richtig einnimmt und stark genug ist, ihn auszuhalten, durch die herbeigeführte Reinigung und die okkulte Eigenschaft von Nieswurz die Qualität seines Ätherleibes und die Natur seines Körpers und zum Teil auch seine geistige Aktivität, so dass er sich gleichsam verjüngt und beinahe wiedergeboren zu sein scheint. Hier haben die Geschichten von Medea und den Magiern ihren Ursprung, die durch gewisse Kräuter ihre Jugend wiedergewonnen haben sollen, welche durch Behennüsse nicht so sehr erneuert, als vielmehr erhalten wird. Astrologen glauben, dass günstige Talismane eine ähnliche Macht besitzen, durch die sie auf bestimmte Weise die Natur und das Verhalten dessen, der sie trägt, verändern und seine Verfassung so verbessern, dass er schon fast ein neuer Mensch zu sein scheint, oder ihn zumindest für sehr lange Zeit bei guter Gesundheit erhalten. Im Gegensatz dazu sollen schädliche Talismane gegen ihren Träger eine Kraft wie Nieswurz entfalten, wenn er gegen die Vorschriften und im Widerspruch zu seiner Wirkungsweise eingenommen wird, d.h. eine giftige und tödliche Kraft. Und wenn sie gezielt zu dem Zweck fabriziert worden sind, irgendeinen anderen Menschen ins Unheil zu stürzen, entfalten sie dieselbe Kraft wie ein bronzener Hohlspiegel, der direkt auf diesen Menschen gerichtet ist, so dass die Strahlen, die sich in ihm sammeln und zurückgeworfen werden, ihn auf kurze Entfernung vollständig zu Asche verbrennen und ihn sogar auf große Entfernung hin noch erblinden lassen. Hieraus entstand die Geschichte oder der Glaube daran, dass durch die Machenschaften von Astrologen und durch die Zaubereien von Magiern Menschen, Tiere und Pflanzen von einem herunterstürzenden Stern getroffen werden und völlig dahinsiechen können.

Wie Talismane durch irgendwelche Kräfte auf entfernte Objekte einwirken können, verstehe ich nicht ganz, aber ich nehme an, dass sie auf den, der sie trägt, eine gewisse Macht ausüben. Allerdings glaube ich nicht, dass diese so beschaffen ist, wie viele sich einbilden, sondern denke, dass sie sich eher dem Material als den Zeichen auf dem Talisman verdankt. Wie gesagt, gebe ich Medikamenten bei weitem den Vorzug vor Talismanen, auch wenn die Araber und Ägypter Statuen und Bildern, die mit Hilfe astronomischer und magischer Kunst angefertigt werden, so viel zutrauen, dass sie glauben, die Geister der Sterne würden in sie eingeschlossen. Manche halten die Geister der Sterne für wunderbare himmlische Kräfte, andere dagegen für Dämonen im Dienst dieses oder jenes Sterns. Wie auch immer, sie glauben, dass die Geister dieser Sterne in Statuen und Bilder auf dieselbe Weise eintreten, wie Dämonen manchmal menschliche Körper in Besitz nehmen, durch die sie sprechen, mit denen sie sich oder anderes bewegen und Wunder vollbringen. Sie denken, dass die Geister der Sterne Ähnliches durch Talismane bewirken und dass Dämonen, die im kosmischen Feuer wohnen, durch feurige oder entzündete Säfte ebenso wie durch entzündete Ätherkräfte und entsprechende Emotionen in unsere Körper gelangen. Auf ähnliche Art sollen die Geister der Sterne durch Talismane wunderbare Wirkungen bei ihrem Träger oder Personen in der Nähe hervorrufen. Dann nämlich, wenn ihre Strahlen zur richtigen Zeit eingefangen und mit Hilfe von Räucherungen, Licht und wohlklingenden Tönen in die Stoffe geleitet werden, aus denen später die Talismane entstehen. Dass Dämonen dies bewirken können, glaube ich durchaus, aber sie tun dies nicht deshalb, weil sie in einen bestimmten Stoff eingesperrt sind, sondern weil sie sich über den Kultus freuen, der für sie zelebriert wird.

Die Araber sagen, dass unser Ätherleib sich bei der Herstellung von Talismanen mit dem Weltenäther und den Ausstrahlungen der Sterne, durch die der Äther wirkt, verbinden kann, und zwar dann, wenn wir unsere Imagination und unsere Gefühle ganz und gar auf die Arbeit und die Sterne konzentrieren. Und wenn unser Ätherleib so mit dem Weltenäther verbunden ist, wird er selbst zur Ursache dafür, dass vom Weltenäther herab der Geist eines Sterns, eine bestimmte Lebenskraft, in das Bild herabstrahlt, insbesondere, wenn diese Kraft mit dem Ätherleib des Menschen harmoniert, der die Arbeit vollbringt. Sie sagen, bei einer solchen Arbeit seien auf die Sterne abgestimmte Räucherungen hilfreich, weil dies Räucherwerk die Luft, die Lichtstrahlen, den Ätherleib des Menschen und das Material des Talismans unmittelbar beeinflusse. Ich dagegen denke, dass Düfte – die von Natur dem Äther und der Luft sehr ähnlich sind und wenn man sie entzündet, wie die Strahlen der Sterne zu leuchten beginnen – dass also Düfte, wenn sie zur Sonne und zum Jupiter gehören, die Luft und den Ätherleib befähigen, die Gaben der Sonne oder des Jupiter viel reichlicher zu empfangen, je nachdem, wer von beiden gerade dominiert und sofern dies zum rechten Zeitpunkt und unter der Einstrahlung des betreffenden Gestirns geschieht. Außerdem denke ich, dass ein Ätherleib, der sich in diesem Zustand befindet und diese Gaben erhalten hat, nicht nur auf den eigenen Körper, sondern auch auf den einer anderen Person in seiner Nähe eine wesentlich stärkere Macht ausüben und dieselben Wirkungen in diesem hervorrufen kann. Letzteres vor allem dann, wenn die Konstitution dieser Person der seinen ähnelt, auch wenn die Wirkung nicht so stark ausfallen mag, wie bei ihm selbst. Talismane aus härteren Stoffen können allerdings kaum etwas von den Düften oder von der Imagination dessen aufnehmen, der sie erzeugt, aber der Ätherleib selbst kann durch einen Duft so stark ergriffen werden, dass beide in eins verschmelzen. Dies geht klar aus der Tatsache hervor, dass ein Geruch nach einer gewissen Zeit nicht länger auf das Riechorgan wirkt. Wie jedes andere Sinnesorgan, nimmt nämlich auch das Riechorgan weder sich selbst wahr, noch Dinge, die ihm völlig gleich sind.

Und deshalb denke ich, dass die Imagination ihre Macht nicht so sehr bei der Herstellung von Talismanen oder Medikamenten, als vielmehr bei ihrer Verwendung und Einnahme entfaltet. Wenn also jemand einen richtig hergestellten Talisman an sich trägt oder ein richtig hergestelltes Medikament einnimmt und sich mit ganzem Herzen danach sehnt, dass sie ihm helfen, und wenn er ohne Vorbehalte daran glaubt und fest darauf vertraut, dann wird er mit Sicherheit um so mehr Hilfe erhalten. Denn wenn die Kraft des Talismans (wenn es denn eine solche gibt, zumindest aber die Kraft, die in dem Stoff steckt, in dem das Bild angebracht wurde) durch Berührung und Erwärmung geweckt wird und in den Träger eindringt, oder die Kraft eines innerlich eingenommenen Medikaments in die Venen und das Mark gelangt und eine zu Jupiter gehörende Eigenschaft mit sich führt, dann verwandelt sich der Ätherleib des Menschen durch ein Gefühl, die Liebe, in eine Art Jupiter-Geist. Denn die Liebe besitzt die Kraft, ein Wesen umzuwandeln, die Kraft der Transformation. Vertrauen und unerschütterliche Hoffnung aber geben dem so ganz von Jupiter durchdrungenen und von ihm in die Höhe gehobenen Ätherleib wieder Halt und Stärke.

Wenn aber, wie Hippokrates und Galen lehren, schon die Liebe und das Vertrauen des Kranken zum Arzt (dem eine geringere Bedeutung zukommt als den Sternen oder Jupiter und der von außen wirkt) für die Gesundheit sehr förderlich sind und wenn sogar, wie Avicenna sagt, dieses Vertrauen mehr bewirkt, als die Medizin selbst: Wie groß ist da erst die Hilfe, die wir uns von unserer Liebe und unserem Glauben an die Wirkung des himmlischen Einflusses, der ja in uns selbst und von innen her wirkt und unser innerstes Fleisch und Blut durchdringt, für den Gewinn himmlischen Gutes erwarten können? Die Liebe selbst aber und der Glaube an ein Geschenk vom Himmel  sind oft bereits die Ursache für himmlischen Beistand, und umgekehrt entstehen Liebe und Glaube manchmal dadurch, dass der Himmel in seiner Güte uns schon zum voraus die Gunst eines solchen Geschenkes gewährt.

Dass manche Worte eine bestimmte, zuweilen große Macht besitzen, behauptet Origenes in seiner Schrift »Contra Celsum«, ebenso Synesius und Al-Kindi in ihren Ausführungen über die Magie. Dieselbe Auffassung vertritt Zoroaster, wenn er verbietet, heilige Spruchformeln abzuwandeln, ähnlich auch Iamblichus. Schließlich die Pythagoräer, die durch Worte, Gesänge und Klänge in der apollinischen und orphischen Tradition Wunder zu vollbringen pflegten. Die hebräischen Ärzte des Altertums praktizierten dies mehr als irgendwer sonst, und alle Dichter singen davon, welch wunderbare Dinge durch Gesänge bewirkt werden. Und sogar der berühmte und ehrwürdige Cato benutzt in seiner Schrift »Vom Ackerbau« gelegentlich Zaubersprüche, um Tierkrankheiten zu heilen. Aber es ist besser, die Zaubersprüche nicht weiter zu behandeln (um nicht in den Verdacht zu geraten, schlechte Magie zu treiben). Die Musik jedoch, durch die der junge David Saul vom Wahnsinn heilte, dürfte man – hätte die Heilige Schrift nicht geboten, diese Heilung auf göttliches Handeln zurückzuführen – vielleicht als eine Wirkung der Natur betrachten.

Da es sieben Planeten gibt, sind es auch sieben Stufen, über die etwas aus den höheren Regionen zu den Dingen dieser Welt herabgezogen werden und zu diesen aufsteigen kann.

Härtere Stoffe, wie Steine und Metalle, stehen auf der untersten Stufe und scheinen damit dem Mond zu ähneln.

In aufsteigender Ordnung haben Dinge, die aus Pflanzen, Baumfrüchten, Harzen und Teilen von Tieren zusammengesetzt sind, die zweite Stufe inne und entsprechen Merkur, wenn wird der chaldäischen Himmelsordnung folgen.

An dritter Stelle stehen sehr feine Pulver samt ihren subtilen Dünsten, die aus den vorhin erwähnten Stoffen ausgewählt werden, sowie auch die Düfte von Kräutern, Blumen und Salbölen, die zu Venus gehören.

An vierter Stelle kommen Worte, Lieder und Melodien, die alle zu Recht dem Apoll geweiht sind, dessen größte Erfindung die Musik war.

An fünfter Stelle stehen machtvolle Vorstellungen, Formen, Bewegungen und Gemütsbewegungen, welche die Macht des Mars bezeugen.

Sechstens kommen die wohldurchdachten Argumente und Erwägungen des menschlichen Verstandes, die zu Jupiter gehören.

Auf der siebten Stufe stehen die verborgeneren, höheren Geistwesen, die sich beinahe schon jenseits der bewegten Welt befinden und mit dem Göttlichen verbunden sind. Diese werden Saturn zugeordnet, den die Hebräer zu Recht als Sabbath, das heißt als »Ruhe« bezeichnet haben.

Worauf wollen wir hinaus? Darauf, dass du verstehst, dass ebenso wie durch medizinische und astronomische Kunst aus einer bestimmten Zusammensetzung von Pflanzen und Dünsten eine bestimmte gemeinsame Form (des Medikaments) entsteht, oder so wie eine bestimmte Harmonie die Gaben der Gestirne in sich trägt, so auch aus Tönen, die erst nach dem Gesetz der Sterne ausgewählt, und dann gemäß der Harmonie der Sterne miteinander verbunden werden, eine bestimmte Form entsteht, durch die eine himmlische Kraft wirkt. Es ist zwar sehr schwierig, genau zu beurteilen, welche Töne am besten mit welchen Sternen und welche Kompositionen von Tönen mit welchen Gestirnen und Aspekten zusammenstimmen. Aber wir können dies teils durch eigenes Bemühen, teils durch eine Art göttlichen Beistands erkennen, auf dieselbe Weise, wie Andromachus sich über einen sehr langen Zeitraum hindurch bemühte, Theriak (eine Art universelles Gegengift) zusammenzustellen und endlich, nach langem Bemühen, durch göttliche Fügung ebendiesen Theriak entdeckt hat. Dass dies mit göttlicher Hilfe geschah, bestätigen Galen und Avicenna. Dass in Wahrheit alle Medizin ihren Ursprung in der Deutung göttlicher Zeichen hat, bezeugen Iamblichus und Apollonius von Tyana. Deswegen haben die Seher Apoll zu Recht zum Schutzherrn der Medizin ernannt.

Marsilio Ficino: De vita libri tres/Drei Bücher über das Leben. Herausgegeben, übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Michaela Boenke

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