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Helmut Zander erklärt im schwedischen Fernsehen die Anthroposophie

Zander hat seine Steiner-Arie abgesungen. Warum dem schrillen Diskant dieses unmusikalischsten Sängers aller Zeiten noch einen weiteren Nachruf hinterher senden? Haben Kenner Rudolf Steiners und der Anthroposophie damit nicht schon genug getan? Sind heute nicht Karen Swassjans »Aufgearbeitete Anthroposophie«, des Verfassers kritische Analyse »Zanders Erzählungen« und das Werk »Anthroposophie in Geschichte und Gegenwart«, das Rahel Uhlenhoff herausgab, zugänglich und in allen wichtigen Bibliotheken vertreten? Gibt es nicht auch die Webseite »Zander zitiert«, welche die »Methode Zander« und Zander selbst einer kontextualisierenden Analyse unterzieht (wenn man bei einer so seichten Figur überhaupt von Kontext reden darf)?

Außerdem ist Zanders Steiner-Biographie schon 2011 erschienen, also vor nahezu drei Jahren – und wer interessiert sich in der Twitter-Ära noch für Ereignisse, die älter als ein paar Tage sind? Vielleicht sind manche auch ganz froh darüber, dass es um den katholischen Theologen und seinen Ausflug in die Welt der Belletristik ziemlich still geworden ist, – jenen Theologen, der sich nach eigenem Bekunden, seit er in Freiburg im Nüechtland einen Lehrstuhl erlangt hat, nur noch am Rande für Anthroposophie interessiert? Zum Beispiel sein Verlag, der dessen großspurig als »Die Biographie« betitelte Schmierenkomödie nur noch als E-book anbietet?

Immerhin, einzelne gibt es noch, deren Erinnerungsvermögen über den Tag hinausreicht und die sich für die Langzeitfolgen von Dichtung und Wahrheit interessieren. Einer von ihnen ist Holger Niederhausen, der als unabhängiger Geist keinerlei Rücksicht auf Verbandsinteressen oder Geldgeber nehmen muss, und sich der Mühe unterzieht, das Lügengestrüpp zu durchforsten, das Zander mit seiner angeblichen Biographie auf die Welt losgelassen hat.

Wie wenig dieses Machwerk als das erkannt wurde, was es ist, zeigen die Urteile, die von der »unabhängigen« Presse kurz nach seinem Erscheinen gefällt wurden. »Zander gelingt der Spagat, das Lebenswerk des berühmten Anthroposophen respektvoll zu würdigen, andererseits auch kritisch auf die Bruchstellen hinzuweisen«, konnte man lesen. Oder: »Zander urteilt kritisch und kompetent … Alles ist faktenreich und spannend.« Ein Leipziger Magazin meinte sogar: »Zanders Steiner-Biografie bietet der breiten Öffentlichkeit erstmals eine seriöse und gut lesbare Wissensgrundlage für eine sachliche Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie.« Und das Deutschlandradio meinte: »Das Buch liest sich ganz wunderbar, ist keine staubige Anhäufung von Jahreszahlen, sondern so faktenreich, dass es schon heute das Zeug zum Klassiker hat.« Eine Schweizer Zeitung bezeichnete Zanders erfindungsreiche Fiktion als »detailreich und quellengenau«.

Respekt? Faktenreichtum? Seriosität? Sachlichkeit? Quellentreue? Wenn man diese Worte liest, zweifelt man am Verstand der Urheber solcher Urteile. Besonders, wenn man den kritischen Leitfaden Niederhausens durchgearbeitet hat. Nun, wirkliche Kenner der Materie hätten dieses Leitfadens nicht bedurft, aber wer ist heute schon ein wirklicher Kenner? Vermutlich kann man die Leute, die sich in Steiners Lebensgang und Lebenswerk wirklich auskennen, inzwischen an einer Hand abzählen. Darum ist Niederhausens Leitfaden auch zu begrüßen, von dem man nun tatsächlich zu Recht behaupten kann, er sei respektvoll, faktenreich, seriös und sachlich.

Respektvoll gegenüber der Lebensleistung eines Menschen, über den Niederhausen an einer Stelle schreibt, er sei der »Meister des Abendlandes« und ein »Wunder« gewesen. Faktenreich im Hinblick auf all die Fiktionen, die durch ihn als solche entlarvt werden. Seriös, weil er den unzähligen falschen, ja verlogenen Behauptungen Zanders, die durchaus erkennbare und unzweifelhafte Wahrheit entgegenstellt. Schließlich auch sachlich, da es ihm mit seinem Buch gelingt, die Sache selbst zum Vorschein zu bringen, die unter einem Wust von Entstellungen und Verdrehungen begraben lag.

Hier nur ein kleiner Auszug aus dem Katalog der »Lügen«, die Niederhausen richtigstellt (von bloßen »Irrtümern« oder »Deutungen« zu sprechen, würde dem Sachverhalt wohl kaum gerecht): Steiner habe sein Geburtsdatum gefälscht, sich als Kind spirituelle Erfahrungen angedichtet, durch seine Kant-Lektüre den Kopf verloren, durch Schröer den Idealismus als Sinnangebot kennengelernt, seine »Philosophie der Freiheit« zwischen Tür und Angel fabriziert, dank Pauline Specht zum Materialismus gefunden und in der Adyar-Theosophie seinen Lebenssinn entdeckt. Er habe sich angemaßt, als Geisteslehrer zu wirken, ohne über meditative Erfahrungen zu verfügen, Kokain konsumiert, die Ergebnisse seiner angeblichen Geistesforschung aus der theosophischen Literatur geklaut, die literarische Figur des »Hüters der Schwelle« als reale Geistwesenheit missverstanden, gefährliche Psychotechniken propagiert und seine esoterischen Schüler unter seine autoritäre Knute gezwungen. Er habe sich aus einem Machtkalkül heraus von der Theosophischen Gesellschaft getrennt und weil seine Liebessehnsucht von der großen Mutter Annie Besant enttäuscht worden sei, außerdem seine Christologie aus rein taktischen Gründen und als Verhandlungsmasse gegen Besant in Stellung gebracht. Während des I. Weltkriegs sei sein Deutschnationalismus offen zutage getreten und er habe das Sterben für das Vaterland vollmundig verherrlicht. Nach dem Krieg habe Steiner eine Reihe von praktischen Reformbewegungen ins Leben gerufen, ohne von irgendeinem dieser Felder auch nur die geringste Ahnung zu haben. Er habe für Demokratie keinerlei Verständnis gehabt und eine Diktatur der Eingeweihten befürwortet. Schließlich sei er mehrmals inbrünstig verliebt gewesen und habe in seinen zwei Ehen Ehebruch begangen. Noch als 63-Jähriger sei er von der »Hitze des erotischen Feuers« umgetrieben worden.

Aber Niederhausen bleibt nicht bei der bloßen Richtigstellung absichtsvoller Verdrehungen und Verleumdungen stehen. Er analysiert auch die Bewusstseinsverfassung, aus der sie entspringen. Zander gehe von der grundlegenden Prämisse aus, »jeden Aspekt einer wirklichen Geistesforschung und einer geistigen Welt auszuschalten«. Dass Steiner kein Geistesforscher gewesen sei oder dass es keine geistige Wirklichkeit jenseits der sinnlichen gebe, sei nicht etwa ein Ergebnis von Zanders »Forschungen«, sondern die Grundlage all seiner Deutungen: weil er diese Prämisse beweisen wolle, richte er all seine Deutungen auf sie aus.

In Zander verbinde sich der Autoritätsanspruch der Wissenschaft zudem mit jenem der katholischen Kirche. In diesen doppelten Harnisch gekleidet, trete Zander gleichsam als Ritter der Orthodoxie dem Dissidenten entgegen, der sich sowohl gegen die Dogmen der Wissenschaft als auch jene des Glaubens versündige. Dabei verberge sich hinter diesem Harnisch eine erschütternde geistige Leere, denn Zander sei sowohl in wissenschaftlicher, wie auch in religiöser Hinsicht eigentlich standpunktlos. Ein hohler Autoritätsanspruch, geistige Überheblichkeit und eine tiefsitzende Furcht vor dem Geist schüfen eine für die Wissenschaft ebenso wie für eine denkbare spirituelle Erfahrung gleichermaßen prekäre Konstellation. Da aber diese Konstellation die unaufgeklärte Voraussetzung des Zanderschen Bewusstseins darstelle, sei die unausweichliche Folge Projektion.

»Autorität, Macht, Illusion und Täuschung – was Zander Rudolf Steiner vorwirft, sind exakt die Aspekte seines eigenen … Schmierentheaters. Es dient der Entstellung Rudolf Steiners und seiner Anthroposophie bis zur Unkenntlichkeit … Das Ganze wird dann in eine akademisierte Sprache gekleidet, um in dieser Verkleidung eine noch größere Autorität auszuüben. Unhaltbare Prämissen und Aussagen und massive, willkürliche Deutungen werden so auf das Podest scheinbarer Wissenschaftlichkeit gehoben.«

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Hinweis Niederhausens auf ein Interview, das Zander im Jahr 2008 Rüdiger Sünner gegeben hat, in dem jener davon sprach, wie das Singen Bachscher Kantaten in ihm eine »Angst vor Kontrollverlust« hervorrufe, davor, sein »auf logisch-begriffliche Arbeit dressiertes Ich zurückstellen zu müssen«. Diese Dressur des Ich – man könnte auch von »geistiger Selbstkonditionierung« sprechen – scheint in der Tat die individuelle Wurzel des Problems zu sein. Betrachtet man Zander jedoch als Symptom, hat man es nicht mehr nur mit einem individuellen Problem zu tun, sondern mit einem gesellschaftlichen. Die akademische Dressur erzeugt heute Heerscharen standpunktloser Individuen, die ihre Existenz in den sozialen Nischen der Universitäten fristen, indem sie die Techniken der wissenschaftlichen Mimikri virtuos nutzen, um Forschungsgelder zu akquirieren und am laufenden Band inhaltsleere Produkte zu erzeugen, die sie auf geölten Bahnen einer etablierten Publikationsmaschinerie einverleiben. Ist es einem erst einmal gelungen, Bestandteil dieses Apparats zu werden, kommt es kaum mehr auf die Inhalte oder Qualität der eigenen Hervorbringungen an, denn die Mechanismen dieses Apparats sorgen für eine reibungslose Verbreitung und Reproduktion. Allein so lassen sich die oben zitierten Urteile aus der »unabhängigen Presse« erklären.

Dies sind auch die Gesichtspunkte, die über den konkreten Anlass hinaus – Zander und seine angebliche Steiner-Biographie – Niederhausens Buch lesenswert machen. Denn man kann die Analysen, die letzterer durchführt, auch völlig losgelöst vom Gegenstand, an dem er sie entwickelt, lesen. Dann nehmen sie sich aus wie eine kritische Phänomenologie oder Typologie eines »dressierten Ich«, einer Geistesart, die heute geradezu epidemisch ist. Über solche erschütternden Selbstcharakterisierungen liest man heute wie über jedes andere Geschwätz hinweg, da man im Zeitalter der Geschwätzigkeit schon gar nichts anderes mehr erwartet als eben – Geschwätz. Aber unser gesamtes Bildungswesen, von der Vorschule bis zu den Universitäten, ist doch weitgehend so organisiert, dass es lauter dressierte Ichwesen hervorbringt, Menschen, die darauf dressiert worden sind, auf bestimmte Reize mit bestimmten Reflexen zu reagieren, die nie auch nur im Ansatz erlebt haben, was selbstständiges Denken bedeutet. Man verstehe dies nicht falsch: die genannte Typologie hat nichts mit einem Mangel an Intelligenz zu tun, im Gegenteil, was eindressiert wird, sind gerade die äußeren Erscheinungsformen der Intelligenz. Aber all diese Intelligenz ist so vollkommen lebens- und geistfremd, dass sie zu nichts anderem mehr taugt, als dazu, sich selbst zu reproduzieren – von den fatalen Konsequenzen, die sich aus der Anwendung dieser Intelligenz auf das Leben ergeben, einmal abgesehen, die sich in allen Bereichen unserer Gesellschaft, ja auf dem ganzen Globus zeigen. So betrachtet, ist Zander nicht nur eine Wissenschaftskatastrophe, sondern auch das Symptom einer Bildungskatastrophe. Darin besteht seine bleibende Bedeutung, mag sein Geschwätz heute auch schon wieder vergessen sein. Und das bleibende Verdienst Niederhausens besteht darin, die Gründe dieser Bildungskatastrophe analysiert und aufgezeigt zu haben, wie sie behoben werden könnte.

Holger Niederhausen: Unwahrheit und Wissenschaft: Helmut Zander und Rudolf Steiner, Occident Verlag 2013, 416 S, Euro 29,50.

14 Kommentare

  1. Herr Clement,

    wachen Sie auf, diese Automatenmenschen gibt es, und es gab sie schon zu Rudolf Steiners Zeit. Doch ein hochgespannter Intellekt kann und will das nicht wahrhaben. Und Ahriman, der Programmierer dieser Automaten, freut sich höllisch über die Masse der Menschen, die nicht nur schlafen, sondern in einem anderen Bewußtseinzustand sind, und diese Dinge um sich herum nicht wahrnehmen können. Doch so sicher wie es Ahriman gibt und er uns schon bald in Menschengestalt beehren wird, ohne Pferdefuß und Hörner und Schwefelgestank, sondern als extrem übernatürlich intelligentes Wesen. Groß, gutaussehend und mit einer Faszination, die ohnegleichen ist. Und wer wird ihn mit offenen Armen empfangen ? Die Intelligenzia dieser Welt. Also wach sein und bewußtseinsklar. Und bevor Sie jetzt in die Tasten (Computer) greifen, tief Luft holen, eine Nacht darüber schlafen und dann…

    Mit freundlichem Gruß

    Johann Silberbauer

  2. Friedrich Koplin (kein Pseudonym)

    Auch wenn es weh tut! Mehr Gelassenheit gegenüber verfehlten Publikationen von Herrn Zander. Bitte! Die römisch katholische Sicht über R. Steiner war doch immer klar und dürfte auch unter der jetzigen Führung nicht anders sein. Herr Zander hat eben weder die Ein-sicht in seine Religion, noch die Ein-sicht in die Anthroposophie. Warum sich aufregen?
    Herr Zander spornt mich an, mein Bewußtsein weiter an und mit den beiden Schriften Steiners, Philosophie der Freiheit, und Wahrheit und Wissenschaft, zu schulen.

  3. Defame other people Christian Clement? What for example about the pronounce: ‚Es ist leider so, das ein grosser Teil der Menschen, die sich mit Anthroposophie identifizieren, unter erheblichen Bildungsdefiziten leidet…‚, content of a contribution of Christian Gottlieb (Unwahrheit und Wissenschaft, 14. Oktober at 13:38)?

  4. Pingback:Unwahrheit und Wissenschaft | Anthroblog

  5. Das stimmt.
    Aber dennoch gibt es innerhalb der AAG eine kräftige Strömung die die Aussprachen von Rudolf Steiner über das Mysterium von Golgatha als historische Tatsache nicht akkeptiert.
    Wann haben wir zum letzten Mal im Wochenschrift etwas gutes über anthroposophsiche Christologie lesen können?
    Es ist leider eine politische Sache geworden, wobei man das Gespräch vermeidet.
    Die Lage von 1935 droht zich zu wiederholen.

  6. Lorenzo Ravagli, thank you for this interesting review on the internet in the public domain. Keep on the good work.

  7. Lieber Herr Ravagli,
    Wir sind darüber einverstanden, aber wie steht es in unserer AAG?
    Wenn haben Sie zum letzten Mal etwas über Rudolf Steiners Christologie im Wochenschrift gelesen?

  8. Herr Ravagli, es wäre schön wenn Sie Ihr Talent und ihre Kreativität in konstruktivere Bahnen lenken könnten. Lassen Sie Herrn Prof. Zander doch einfach in Ruhe seine Forschung betreiben, und zwar ohne Online-Tribunal und Online-Denunziation.

    Wenn Sie mit einzelnen Aspekten der Forschung unzufrieden sind, können Sie dazu in Fachmagazinen Fachartikel veröffentlichen. Tun Sie das doch bitte. Und dann ist’s auch gut.

    • Eine Publikation in einem Fachverlag zu Zanders »Anthroposophie in Deutschland« finden Sie unter dem Titel »Zanders Erzählungen« hier. Eine Webseite, die sich mit Zanders Forschungen befasst, finden Sie hier

  9. Herr Ravagli, Herr Niederhausen,

    Bei allem Respekt für vieles, was Sie veröffentlicht haben – dieser Artikel hat mich bestürzt! Während Sie bisher Herrn Zander nur die Kompetenz und die wissenschaftliche Strenge abgesprochen haben, gehen Sie jetzt so weit, seine Menschlichkeit in Frage zu stellen! Zander ist nach Ihrer Darstellung gar kein Mensch mehr, der abweichende Auffassungen vertritt oder Irrtümer begeht, sondern bloss ein geist- und individualitätsloser Automat in einer geistlosen akademischen Publikationsmaschine. Ganz der „seelenlose Mensch“, wie Steiner selbst ihn beschrieben und prophezeit hat. Schon so zu denken ist hoch problematisch, aber es öffentlich zu vertreten und gar einen konkreten Menschen dessen zu bezichtigen grenzt an Menschenverachtung, ist zutiefst beschämend und ein Bärendienst für die Geistesrichtung, die Sie vertreten. Werden Sie nun bald fordern, dass man solche „Hüllen ohne Inhalt“ mundtot machen sollte? Oder gar sie wegsperren oder anderweitig entsorgen, da sie, als ichlose Denkautomaten, schließlich auch keine Rechte und keine Würde haben können? Konsequent wäre das immerhin.

    • Lieber Herr Clement, ein wenig übertrieben ist dieses Fazit schon. Nirgends wird Zander das Menschsein abgesprochen. Es wird lediglich eine Konsequenz aus seiner Selbstcharakterisierung gezogen. Schließlich habe nicht ich vom »dressierten Ich« gesprochen, sondern er selbst. Und wer im Besitz eines dressierten Ich ist, ist immer noch im Besitz eines solchen – oder nicht? Und wenn von Menschenverachtung gesprochen werden soll, müsste man diese nicht eher Zander vorwerfen, der Rudolf Steiner und alle, die ihm folgen, ganz offensichtlich verachtet? Oder als was würden Sie es bezeichnen, wenn Zander sich auf den notorischen Menschenverächter Schwartz-Bostunitsch beruft, um Steiner zu unterstellen, er habe seine erste Frau mit Marie von Sivers betrogen?

      • Christian Clement

        Zugegeben, meine rhetorischen Fragen am Schluss sind etwas polemisch. Wahrscheinlich hätte ich nach dem Lesen Ihrer Rezension etwas länger warten sollen, um den Ton ihres Beitrags in mir abklingen zu lassen. Aber in der Sache bleibe ich dabei: Man kann doch mit dem Andersdenkenden nicht dadurch fertig werden, dass man ihn als geistig minderbemittelt diffamiert („nie auch nur im Ansatz erlebt … was selbstständiges Denken bedeutet“). Oder ihn zum blossen Produkt seiner akademischen Umwelt reduziert. Ihre trotz aller Polemik im Wesentlichen sachbezogene Kritik in „Zanders Erzählungen“ ist so viel effektiver als solche unappetitlichen Angriffe ad hominem.

  10. So sollen wir nicht mit diesem Thema umgehen. Zander spricht aus seiner theologischen Überzeugung. die er selber als „historisch kritisch“ umschreibt.
    Dabei kann das Mysterium von Golgatha nur als Symbol betrachtet werden und nicht als historische Tatsache.
    Zanders Kritik betrifft dann auch hauptsächlich Steiners Arbeit nach 1900.
    Es geht im Wesen um das gleiche Thema wie das auch jetzt innerhalb der AAG spielt.

    • Das Mysterium von Golgatha »nur ein Symbol«? Das Zentralereignis der Weltgeschichte, die Realität aller Realitäten – nur ein Symbol? Was hat diese Auffassung noch mit Steiners Christologie zu tun?

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