1934 | Die »Neigungen der Welt« und die »wahre Anthroposophie«

 

Owen Barfield, 1898-1997

Owen Barfield, 1898-1997

Ihr Vorspiel fand die Generalversammlung vom 27./28. März 1934 in einer Generalversammlung der englischen Landesgesellschaft am 10. und 11. Februar 1934. Diese verabschiedete eine von Owen Barfield vorbereitete Resolution, als Antwort auf die Gründung eines gesellschaftlichen Zusammenschlusses, der von Harry Collison geleitet und vom Dornacher Dreiervorstand (Albert Steffen, Marie Steiner, Guenther Wachsmuth) unterstützt wurde.

Bereits im Herbst 1933 war ohne Rücksprache mit dem Generalsekretär der englischen Landesgesellschaft, Daniel Dunlop (1868-1935), von Dornach aus ein englischsprachiges Nachrichtenblatt ins Leben gerufen worden. Bisher hatte das Mitteilungsblatt der englischen Landesgesellschaft das Recht besessen, Artikel und Vorträge Rudolf Steiners aus dem »Goetheanum« zu übersetzen und zu veröffentlichen. Das Dornacher Sekretariat forderte die Adressen der Mitglieder der englischen Gesellschaft an, – wohl um das neue Nachrichtenblatt an diese zu versenden. Dunlop weigerte sich, die Anschriften herauszurücken. Einige Zeit später wurde der englischen Gesellschaft das Recht entzogen, Vorträge Steiners zu veröffentlichen. Schließlich verweigerte der Dreiervorstand der englischen Gesellschaft das Recht weitere Mitglieder aufzunehmen. In der auf diese Vorgänge folgenden Resolution hieß es: »Wir wissen wohl, dass unter der gegenwärtigen Leitung des Goetheanums zwei Mitglieder des Vorstandes und zudem viele führende …, von Rudolf Steiner als solche anerkannte Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft von den Beratungen und von der führenden Tätigkeit in der Gesellschaft immer mehr ausgeschlossen worden sind. Wir bedauern, dass dies so ist … Wir bestätigen und unterstützen unseren Generalsekretär … in der entscheidenden Behauptung unserer autonomen Freiheit, jedwede Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in unsere Mitte aufzunehmen …«

Dieser Satz über die Autonomie der Mitgliederaufnahme, der den entsprechenden Paragraphen der »Prinzipien« der Weihnachtstagung wiedergab, bezog sich zwar auf alle denkbaren Mitglieder, auf eines aber ganz speziell: Walter Johannes Stein, der, wie erwähnt, im Anschluss an die Generalversammlung des Jahres 1932 nach England ausgewandert war und dort um Aufnahme in die Anthroposophische Gesellschaft nachgesucht hatte.

Als Reaktion auf diese Resolution verfassten einige Dornacher Mitglieder einen Antrag für die bevorstehende Generalversammlung, der das Recht zur Aufnahme von Mitgliedern neu regeln und ganz in die Hand des ersten Vorsitzenden legen sollte. Zwei Paragraphen der »handelsregisterlich eingetragenen Statuten« sollten eine neue Fassung erhalten.

Prinzipien und Statuten

Daniel Dunlop, 1868-1935

Daniel Dunlop, 1868-1935

Um das Folgende nachvollziehen zu können, muss man den Unterschied zwischen den »Prinzipien« der Weihnachtstagung und den »handelsregisterlich eingetragenen Statuten« verstehen. Die »Prinzipien« wurden in der Generalversammlung der Gesellschaft zu Weihnachten 1923 von den Mitgliedern dieser Gesellschaft diskutiert und verabschiedet. Die »handelsregisterlichen Statuten« wurden am 8. Februar 1925 auf einer außerordentlichen Generalversammlung des »Vereins des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft« verabschiedet, bei dem es sich um den ehemaligen »Bauverein« des Goetheanum handelte. Bereits am 29. Juni 1924 hatte eine außerordentliche Generalversammlung dieses Vereins stattgefunden, in welcher als Konsequenz der »Weihnachtstagung« dieser Verein aufgelöst und als »Unterabteilung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft« neu konstituiert wurde. Rudolf Steiner übernahm damals den Vorsitz auch dieses Vereins des Goetheanum. Zum Vorstand des Vereins wurde der gesamte Vorstand der Weihnachtstagung erklärt. Steiner führte am 29. Juni aus: »Es wird also notwendig sein, dass da bestehen werden die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als handelsregisterlich eingetragener Verein. Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft werden vier Unterabteilungen zu begründen sein.« Diese vier Unterabteilungen sollten laut Steiner sein: die »Anthroposophische Gesellschaft im engeren Sinn«, der »Philosophisch-Anthroposophische Verlag«, der »Verein des Goetheanum« und das »Klinisch-Therapeutische Institut«. Ein Statutenentwurf für das Handelsregister vom 3. August 1924 in der Handschrift Ita Wegmans hält genau diese Struktur fest: die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als Mantel mit den genannten vier Unterabteilungen. Die Beziehungen von Über- und Unterordnung waren klar.

Bei der Generalversammlung des ehemaligen Bauvereins am 8. Februar 1925 waren anwesend: Albert Steffen, Marie Steiner, Elisabeth Vreede, Guenther Wachsmuth, Otto Graf von Lerchenfeld, Felix Peipers, Rudolf Geering, Carl Unger und Emil Grosheintz. Rudolf Steiner und Ita Wegman waren abwesend. Diese neun Personen konstituierten einen neuen Verein unter dem Namen »Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft« »als Rechtsnachfolgerin des Vereins am Goetheanum«, der vier Unterabteilungen umfasste: die Administration der Anthroposophischen Gesellschaft, den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag, die Administration des Goetheanum-Baus und das Klinisch-Therapeutische Institut Arlesheim. Die »Anthroposophische Gesellschaft im engeren Sinn« war verschwunden bzw. zur »Administration der Anthroposophischen Gesellschaft« mutiert. Was in Wahrheit geschah, war, dass sich der ehemalige Bauverein zum Mantel »Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft« aufblähte, seine Statuten den Prinzipien der Weihnachtstagung überordnete und sich die »Anthroposophische Gesellschaft im engeren Sinn« einverleibte.

Die Statuten dieses Vereins also sollten durch den genannten Antrag für die Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft geändert werden. § 6 sollte in der neuen Fassung lauten: »Die Mitgliedschaft wird erworben gestützt auf eine schriftliche Anmeldung durch die Aufnahme seitens des Vorstandes durch Unterzeichnung der Mitgliedskarte durch den Vorsitzenden.« (Alte Fassung: »Die Mitgliedschaft wird erworben gestützt auf eine schriftliche Anmeldung durch die Aufnahme seitens des Vorstandes.«) Außerdem sollte § 13 geändert werden. Die frühere Fassung hatte den Vorstand als Vertretung des Vereins nach außen bezeichnet und rechtverbindliche Unterschriften dem ersten [Rudolf Steiner] und zweiten Vorsitzenden [Albert Steffen], dem Schriftführer [Ita Wegman], dem Sekretär-Schatzmeister [Guenther Wachsmuth], – jedem jeweils durch Einzelunterschrift zugebilligt. Die neue Fassung gewährte dem Vorsitzenden allein, dem Schriftführer sowie dem Sekretär-Schatzmeister je kollektiv mit dem Vorsitzenden die rechtsverbindliche Unterschrift. Der Vorsitzende sollte zusätzlich Vorstandsmitgliedern generell oder für bestimmte Arbeitsbereiche Handlungsvollmacht mit Einzelunterschrift erteilen dürfen.

In den »Prinzipien« der Gesellschaft von 1923/24 hatte es geheißen: »Mitglied kann jedermann ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen oder künstlerischen Überzeugung werden, der in dem Bestand einer solchen Institution, wie sie das Goetheanum in Dornach als freie Hochschule für Geisteswissenschaft ist, etwas Berechtigtes sieht.« (§ 4) Die Form der Aufnahme regelte § 11: »Die einzelnen Gruppen [die sich auf örtlichem oder sachlichem Felde selbst konstituieren] besorgen die Aufnahme der Mitglieder; doch sollen die Aufnahmebestätigungen dem Vorstand in Dornach vorgelegt und von diesem im Vertrauen zu den Gruppenfunktionären unterzeichnet werden.« Bereits die »handelsregisterlich eingetragenen Statuten« vom 8. Februar 1925 veränderten die Aufnahmemodalitäten. Nunmehr hieß es im vereinsrechtlich maßgeblichen Statut (wie bereits zitiert): »Die Mitgliedschaft wird erworben, gestützt auf eine schriftliche Anmeldung, durch die Aufnahme seitens des Vorstandes.« (§ 6) Außerdem fügten die vereinsrechtlichen Statuten einen Ausschlussparagraphen ein, der in den Prinzipien der Gesellschaft nicht enthalten war: »Durch Beschluss des Vorstandes kann ein Mitglied ohne Angabe von Gründen aus dem Verein ausgeschlossen werden.« (§ 7)

Ob Steiner an diesen Statuten vom 8. Februar mitgewirkt oder von ihrer Verabschiedung Kenntnis hatte, ist umstritten, jedenfalls stark zu bezweifeln, da sie sich zu zentralen Ideen der Konstitution der Weihnachtstagung – ebenso wie zu den von ihm ausgesprochenen Absichten vom 29. Juni 1924 und der damals verabschiedeten Satzung – in fundamentalem Widerspruch befinden. Er starb am 30. März 1925 und nahm an der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. Februar, bei welcher der »Verein des Goetheanum der freien Hochschule für Geisteswissenschaft« in »Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft« umbenannt und die Statuten verabschiedet wurden, nicht teil. Seither besteht Unklarheit darüber, ob für die Anthroposophische Gesellschaft eigentlich die »Prinzipien« der Weihnachtstagung oder die »Statuten« vom 8. Februar die Rechtsgrundlage bilden und welches Verhältnis zwischen beiden Satzungen und Gesellschaften (der »Gesellschaft der Weihnachtstagung« und dem in »Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft« umbenannten ehemaligen »Bauverein«) besteht. Die große Mehrheit der Mitglieder wusste bis zum Jahr 1934 nicht einmal etwas von der Existenz der »handelsregisterlichen Statuten«.

Elisabeth Vreede, zu deren Habitus die wissenschaftliche Exaktheit gehörte, legte sogleich den Finger in die Wunde und brachte das Problem in einem Schreiben an Albert Steffen auf den Punkt, in dem sie hellsichtig die sich anbahnenden Ereignisse als eine Spiegelung des Zeitgeschehens deutete: »Ich betrachte den Antrag als einen Versuch, die uns von Dr. Steiner gegebenen Statuten [Prinzipien] auf dem Umweg durch die legalen [vereinsrechtlichen] Statuten aufzuheben, dem Geiste und auch dem Wortlaut nach. (§ 11 Satz 5 der Prinzipien z.B.: ›Die einzelnen Gruppen besorgen die Aufnahme der Mitglieder; doch sollen die Aufnahmebestätigungen dem Dornacher Vorstand vorgelegt und von diesem im Vertrauen zu den Gruppenfunktionären unterzeichnet werden‹, sollte dasjenige, was als Abänderung des § 6 der legalen [vereinsrechtlichen] Statuten vorgeschlagen wird, eigentlich als sinnlos erscheinen lassen.

Ich finde es sehr verwerflich, dass auf diese Weise ein Antrag vor die Generalversammlung gebracht werden soll, über den die Mitglieder entscheiden sollen, die bis jetzt weder den Inhalt, – noch im allgemeinen – die gesetzlichen [vereinsrechtlichen] Statuten kennen, noch auch – was viel schwerer ins Gewicht fällt – das Verhältnis dieser für die eigentliche Gesellschaftsführung belanglosen Statuten zu den ›Prinzipien‹ durchschauen können. Offiziell abgeschafft waren die Prinzipien bis jetzt noch nicht, würden es aber durch diesen Antrag werden, da dann die legalen [vereinsrechtlichen] Statuten, die mit dem Geiste der Weihnachtstagung nichts zu tun haben, die nur eine Niederschrift für die Behörden bedeuten, über die von Dr. Steiner gegebenen Richtlinien erhoben würden. Ich kann nur unendliches weiteres Unheil für die Gesellschaft daraus erwarten.

Sie hat vor vier Jahren schon den ›Diktator-Vorschlag‹ [gemeint ist der nordische Antrag] über sich ergehen lassen müssen; im Grunde ist dieser Antrag, nur in ein juristisches Gewand gekleidet, dasselbe. Da der Vorschlag damals nicht angenommen wurde, könnte man erwarten, dass es auch jetzt nicht der Fall sein wird, wenn er nicht eben so viel undurchsichtiger wäre und er den Neigungen eines großen Teiles der Welt heute entsprechen würde.

Der Antrag ist überhaupt darauf gerichtet, einem im Sinne der Weihnachtstagung ungesetzlichen Zustand, der seit Jahren in der Gesellschaft, namentlich im Vorstand herrscht, gesetzliche Sanktion zu geben. Damit würde wohl der letzte Rest von Gewilltheit, die fürchterlichen Zustände, die bei uns eingetreten sind, länger zu ertragen, bei vielen Mitgliedern dahinschwinden.

Ich weiß nicht, ob Sie sich eine Vorstellung machen, sehr verehrter Herr Steffen, welchen Eindruck z.B. die Briefe erwecken, die von Ihnen und zwei anderen Vorstandsmitgliedern unterschrieben werden und auf die ich in verschiedenen Gesellschaftskreisen immer wieder stoße. Wenn man die betreffenden Verhältnisse und die Menschen, an die diese Briefe gerichtet sind, aus näherer Anschauung kennt, dann kann man nur mit Grauen sehen, wie hier einer Katastrophe entgegengearbeitet wird … Gegen den vorliegenden Antrag werde ich mich bis zuletzt … wehren.«

»Wenn er nicht den Neigungen eines großen Teiles der Welt heute entsprechen würde«: mit diesem Nebensatz spielte Elisabeth Vreede auf den Ungeist der Zeit an, der sich in Deutschland, aber auch in Russland und anderen Gegenden der Erde manifestierte, einen Geist der Exklusion, der Diktatur und der Ungesetzlichkeit, der sich den Mantel der Rechtlichkeit umhing, der bereits im »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums«  sichtbar geworden war und sich am 15. September 1935 in den »Nürnberger Gesetzen« auf dem »Reichsparteitag der Freiheit« [sic!] noch entschiedener manifestieren sollte. Hatten die Prinzipien der Weihnachtstagung noch formuliert, Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft könne jedermann »ohne Unterschied der Nation, des Standes, der Religion, der wissenschaftlichen oder künstlerischen Überzeugung werden«, so steuerte diese Organisation nun auf einen Zustand zu, in dem im Namen der Freiheit und der Einheit des Gesellschaftskörpers Teile dieser Gesellschaft ausgeschlossen werden sollten.

Die »Willenserklärung«

Jürgen von Grone, 1887-1978

Jürgen von Grone, Zeylmans van Emmichoven und Daniel Dunlop erarbeiteten für die deutsche Arbeitsgemeinschaft, die holländische und die englische Landesgesellschaft eine »Willenserklärung«, in der sie energisch gegen diese Entwicklung protestierten. Darin hieß es: dass die Unterzeichneten die geplante Statutenänderung, »welche den Vorsitzenden ermächtigen würde, die Ämter im Vorstand neu zu verteilen, das Recht der Unterschrift zu ändern, oder die Unterzeichnung der Mitgliedskarten allein und ausschließlich auszuüben, nicht anzuerkennen vermögen … Wir weisen aufs schärfste das Urteil zurück, dass nur diejenigen Mitglieder dem Goetheanum treu seien, welche mit der bestimmt orientierten Führung der drei gegenwärtig allein leitenden Mitglieder des Vorstandes einverstanden sind und ihr daher bereitwillig Folge leisten können. Das Goetheanum ist überall dort geistig wirksam, wo anthroposophische Arbeit geleistet wird … Wir sind der Überzeugung, dass die Gesellschaft ihre Aufgaben nur erfüllen kann, wenn der Tendenz zur Zentralisierung, die gegenwärtig in der Verwaltung Platz greift, ein Element der Differenzierung gegenübergestellt wird.« Zu den Unterzeichnern gehörten Daniel Dunlop, Owen Barfield,

Kaufmann, Zeylmans van Emmichoven, Jürgen von Grone, Eugen Kolisko und Karl König – Elisabeth Vreede hatte nicht unterschrieben.

Die Generalversammlung 1934

Am 27. und 28. März 1934 fand in Dornach die Generalversammlung statt, Ita Wegman ließ sich aufgrund von Krankheit entschuldigen, hatte aber am 24. März einen Brief an Steffen geschrieben, der nach der offiziellen Vorstellung der »Willenserklärung« verlesen wurde. Darin hieß es: »Wieder naht eine Generalversammlung; wieder werden die Emotionen der Mitglieder hoch aufgepeitscht; wieder werden sicher anständige Leute, die Dr. Steiner geschätzt und geliebt hat, mit Hilfe dieser aufgepeitschten Emotionen angegriffen, deren Prestige unterminiert und die Menschen systematisch kaputt gemacht. Und Sie, als Vorsitzender der Anthroposophischen Gesellschaft, lassen das zu. Sie denken, es ist gut, dass die Menschen einander korrigieren. Was dabei aber zu Trümmern geschlagen wird, das beachten Sie nicht.

Nun bringt eine Gruppe von sieben Menschen einen Antrag. Sie wollen mit diesem Antrag Ihnen, Herr Steffen, außer den Rechten des Vorsitzenden noch andere Rechte einräumen, die weit darüber hinausgehen. Ich sehe darin nichts Gutes. Es ist ein noch mehr Sich-Entfernen von den Prinzipien Dr. Steiners und ein Tendieren danach, das Goetheanum nur für eine bestimmte Gruppe von Menschen zugänglich zu machen. Die anderen werden ausgeschlossen. Dieses ist schon viele Jahre mehr oder weniger der Fall, und ich kann als Vorstandmitglied nicht zustimmen, dass dieser Zustand der von drei Vorstandsmitgliedern durchgeführt wird, jetzt legalisiert wird.«

»Die anderen werden ausgeschlossen«: Ita Wegman nahm hier vorweg, was im Jahr 1935 tatsächlich geschehen sollte – den Ausschluss der Unterzeichner der »Willenserklärung«, nahezu der gesamten englischen und holländischen Landesgesellschaft und der meisten ihrer führenden Vertreter.

Aufschlussreich ist die Debatte, die sich an die Verlesung der »Willenserklärung« und die Rechtfertigung durch die unterschiedlichen Gruppen, die sie unterzeichnet hatten, anschloss. Steffen stellte die inquisitorische Frage, ob Elisabeth Vreede sie mit verfasst habe. Er lenkte die Aufmerksamkeit vom Inhalt der Erklärung auf die beteiligten Personen ab, versuchte also, eine inhaltliche Diskussion zu verhindern. Vreede und später Eugen Kolisko wiesen diese Fragerichtung zurück: »Wenn hier eine Willenserklärung vorgebracht worden ist, so empfinde ich es so, dass man sich eigentlich beschäftigen müsste mit dem Inhalt dessen, was da vorliegt«, warf Kolisko ein. Auf ihre Entstehung und die mögliche Beteiligung nicht genannter Verfasser abzuzielen, sei eine bestimmte Methode, vom Inhalt der Erklärung abzulenken, die er nicht dulden könne. Und er fügte hinzu: »Wir können uns nicht darauf einlassen, dass eine Psychoanalyse der Verfasser vorgenommen wird. Für die, die diese Erklärung gemacht haben, gilt diese Methode nicht.« Sicherlich hatte Vreede am Zustandekommen der Willenserklärung mitgewirkt, das bekannte im folgenden Juli Jürgen von Grone. Aber darum ging es nicht.

Steffen entgegnete auf diese Einwände, wenn Kolisko schon von einer Methode spreche, dann müsse er betonen, dass seine Methode sei, nach der Wahrheit zu suchen: »Meine Methode ist die, zu suchen, dass Wahrheit herrscht. Zeigen Sie mir, dass das nicht meine Methode ist.«

Im Verlauf der Auseinandersetzung meldete sich ein Mitglied zu Wort und führte unter anderem aus: »Ich anerkenne nicht, dass jemand da ist, der sagen kann: ›Ich habe die richtige Methode‹. Ich anerkenne bei jedem Einzelnen ein Ringen um Erkenntnis … Redner zu unterbrechen, um sie abzubringen und moralisch defekt zu machen … das ist eine Lumpengesinnung [Steffen als Versammlungsleiter forderte den Redner auf, diesen Ausdruck zurückzunehmen] … Es ist keine Lösung, wenn man von Anerkennung oder Nichtanerkennung, von Gut oder Schlecht spricht. Es ist eine ›Methode‹, aber ich bestreite, dass sie die ›richtige Methode‹ ist … es muss in einer geistgetragenen Gesellschaft, die ein solches Gut anvertraut bekam, möglich sein, dass verschiedene Willensrichtungen nebeneinander leben. Ich denke jetzt an Deutschland, welche Gestaltungsform dieses Ringen annimmt in abertausenden von Menschen,  … die sich nach Erkenntnis sehnen. Nun zerfetzt sich hier eine Gesellschaft, indem der Eine den Andern negiert …« Schließlich stellte der Redner den »Geschäftsordnungsantrag«, »sich darüber Klarheit zu verschaffen, ob es ein richtiges Prinzip der Gesellschaft ist, dass etwas den Anspruch erheben kann, allein richtig zu sein …«

Daraufhin antwortete ein anderer: »Sie haben soeben vernommen von demjenigen, der den letzten Antrag gestellt hat, dass es ihm nicht darauf ankommt, zu prüfen, was richtig sei oder nicht.« Offensichtlich handelte es sich hier um eine rabulistische Verdrehung dessen, was sein Vorredner gesagt hatte, denn dieser hatte ja gerade den Antrag gestellt, zu untersuchen, ob es richtig sei oder nicht, dass eine einzige Methode als die allein richtige ausgegeben werde.

Hermann von Baravalle, 1898 -1973

Hermann von Baravalle, 1898 -1973

Auch im folgenden wurde nicht über den Inhalt der Willenserklärung debattiert, sondern nur über Personen. Hermann von Baravalle, der schon bei früheren Versammlungen durch seine höfischen Ergebenheitsadressen an Albert Steffen und Marie Steiner aufgefallen war, brachte, um Eugen Kolisko zu diskreditieren, die Diskussion auf einen Vorfall, der sich in der Stuttgarter Schule ereignet hatte. Kolisko hatte einen noch heute lesenswerten längeren Essay zum phänomenologischen Chemieunterricht an Waldorfschulen verfasst, der jedoch Kritik in der Öffentlichkeit nach sich zog. Daraufhin hatte eine Untersuchungskommission des Kultusministeriums die Schule besucht, um den Chemieunterricht einer Begutachtung zu unterziehen. Sie kam zu einem negativen Urteil. Lili Kolisko kommentiert in ihrer Schilderung des Vorgangs: »Das war ja zu erwarten; wie konnte eine nationalsozialistische Untersuchungskommission einen Unterricht nach der Pädagogik Rudolf Steiners gutheißen?«

Baravalle, der wie Kolisko an der Stuttgarter Schule unterrichtete, erzählte diese Geschichte so: »Wenn es einmal so weit gekommen ist, dass in einem Lande ein Kultusministerium einschreiten muss gegen eine wissenschaftliche Arbeit von jemand, der seine Arbeit als anthroposophisch bezeichnet, und bei einer Konferenz der Waldorfschule ohne Widerspruch festgestellt werden musste, dass diese Arbeit tatsächlich unter dem Niveau liegt, das man als Minimum verlangen kann für die Außenwelt, dann steht man doch vor einer anderen Situation …« Das »Kultusministerium« war aber gar nicht gegen die Publikation Koliskos eingeschritten, sondern hatte dessen Unterricht begutachtet und – wie Lili Kolisko bemerkte – handelte es sich um ein Ministerium, das inzwischen von einem strammen Nationalsozialisten, dem »Kultminister« Christian Mergenthaler geführt wurde. (Mergenthaler bemühte sich natürlich um die Durchsetzung des Nationalsozialismus in den baden-württembergischen Schulen. Besonders heftige Auseinandersetzungen führte er mit der Evangelischen Landeskirche. Er verbot die Behandlung bestimmter Teile der Bibel, da sie dem »sittlichen Empfinden der germanischen Rasse« widersprächen und ordnete 1939 die Einführung eines nationalsozialistisch gefärbten »weltanschaulichen Unterrichts« an Stelle des Religionsunterrichts an.)

Erst Elisabeth Vreede bemühte sich im Verlauf der Debatte – allerdings vergeblich – den Blick wieder auf die »Willenserklärung« und ihren Inhalt zu lenken. Sie verwies darauf, dass die Intention Rudolf Steiners darin bestanden habe, den einzelnen Arbeitsgruppen und Landesgesellschaften vollständige Autonomie hinsichtlich der Aufnahme von Mitgliedern zu gewähren und dass der Vorstand am Goetheanum diese Aufnahme im Vertrauen auf die Entscheidungen der jeweiligen Gruppen durch seine Unterschrift lediglich bestätigen sollte.

»Richtige« und »falsche« Methode

Aber die Debatte kreiste weiter um Personen. Zusätzliche Angriffe auf die wissenschaftliche Arbeit Koliskos und die ärztliche Tätigkeit Ita Wegmans erfolgten. Nach der Abendpause führte Erhard Lauer die Diskussion über die »Methode« der anthroposophischen Arbeit einen Schritt weiter, indem er zwei Formen, mit der Anthroposophie umzugehen, unterschied: die »richtige anthroposophische Methode« und den »Theosophismus«. Letztere bezeichnete er als »Unmethode« und behauptete, sie werde von den Exponenten der Opposition gegen Steffen und Marie Steiner praktiziert, während letztere die »richtige Anthroposophie« verträten. »Ich drücke es zwar jetzt etwas übertrieben aus, aber da es sich eben doch handelt um richtige und falsche Anthroposophie, so verhält es sich doch hier so ähnlich wie in der Mathematik, wo zwei mal zwei vier ist und nicht fünf … Wer hat nun darüber zu urteilen, was die richtige Anthroposophie ist? Wer hat das Recht darüber zu urteilen? … Der, der sie begründet hat, und im weiteren ist es die Sache derjenigen, die auf rechtmäßige Weise die Nachfolger des Begründers in der Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft geworden sind. Die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft muss das Recht haben, zu sagen, was sie für die richtige Anthroposophie und für die richtige Methode hält …«

Hans Erhard Lauer, 1899-1979

Hans Erhard Lauer, 1899-1979

Die Einlassung Lauers beruht auf unzutreffenden Voraussetzungen. Wohl ist es richtig, dass dem Begründer der Anthroposophie das Recht zustand, darüber zu urteilen, was Anthroposophie ist. Aber dass Steiner deren Begriff zu irgend einem Zeitpunkt dogmatisch festgelegt hätte, so dass aufgrund eines eindeutigen Kriteriums ohne weiteres entschieden werden könnte, worin die richtige und worin die falsche Anthroposophie besteht, trifft schlicht und einfach nicht zu. Vielmehr bemühte er sich sein ganzes Leben darum, den Begriff dieser Anthroposophie und ihren unerschöpflichen Inhalt zu entwickeln. Man könnte daher, ohne überspitzt zu formulieren, diese Anthroposophie auch als eine unbegrenzte Ansammlung von Widersprüchen bezeichnen. Und mit dem Tode Steiners war diese Entwicklung keineswegs abgeschlossen, denn sein Werk ist selbst Fragment geblieben. Zwar könnte man behaupten, die Summe der von ihm dargelegten positiven Erkenntnisse sei so etwas wie ein Kanon der Anthroposophie, aber erstens ist häufig nicht eindeutig zu entscheiden, worin genau diese Erkenntnisse bestehen, da Steiners Darstellungen sich in einem fortwährenden, sich selbst revidierenden Fluss befinden und zweitens lehnte er es zeitlebens ab, aus seinen Darstellungen eine Dogmatik zu entwickeln.

Dafür mögen einige Beispiele genügen. Im Juli 1915 sprach er über den »furchtbaren Wahn«, der die Menschheit im Mittelalter befallen habe, es gebe eine einheitliche Wahrheit, einen »Monismus der Dogmatik«, der auf der ganzen Erde gültig sei. »Derjenige, der die Geschichte der geistigen Entwicklung kennt, der weiß, dass vom 8., 9. Jahrhundert der nachchristlichen Entwicklung an besonders stark auftritt dieser Wahn, dass man eine einheitliche Form der Wahrheit über die ganze Erde hin schaffen müsste. Das tritt besonders stark auf. Und was da besonders stark auftritt, ist eben noch einmal ein Aufbäumen der luziferischen Engel. Sie wollen siegen. Sie wollen die Menschen dazu verführen, zu glauben, von dem Wahn sich beherrschen zu lassen, dass über die ganze Erde hin eine einförmige, gleichlautende dogmatische Wahrheit herrschen soll. Und immer wieder und wiederum kommt über die Menschen dieser furchtbare Wahn von dem Monismus der Dogmatik.« (GA 162, 152)

Im Januar 1921 bezeichnete er den Glauben, es gelte die Anthroposophie als dogmatische Lehrmeinung zu verbreiten, als »Anomalie«, als »Auswuchs des Fanatismus«, unter dem einzelne Anthroposophen litten: »Wie oft ist betont worden, dass die Entwicklung der Menschheit gewisse Wendepunkte durchmacht, und dass man diese Wendepunkte beobachten muss. Ich möchte zunächst auf einen solchen Wendepunkt aufmerksam machen, um gerade daran zu zeigen, wie wenig berechtigt das Urteil sein kann, dass wir eine bestimmte Lehrmeinung, eine bestimmte Dogmatik an die Menschen heranbringen wollen.

Gewiss, es kann, ich möchte sagen, wie eine Art Anomalismus, wie eine Art Auswuchs des Fanatismus sich bei dem einen oder anderen Anthroposophen geltend machen, eine bestimmte Lehrmeinung zu vertreten; vielleicht macht  sich diese Anomalie sogar bei vielen geltend, aber im Geiste der anthroposophischen Bewegung liegt das nicht.« (GA 203, 98)

Die Anthroposophie war aus seiner Sicht vielmehr ein Remedium gegen jegliche Art von Dogmatismus: »Der Geist«, so Steiner weiter, »braucht nicht in abstrakter Weise kultiviert zu werden. Wenn man imstande ist, ihn durch Anthroposophie zu lösen, ihn zum Dasein zu bringen, dann ist er als lebendiger Geist da, nicht als Summe von Lehrmeinungen. Diese Lehrmeinungen sind eben nur als ein Mittel da, um den lebendigen Geist in der Menschheit zu wecken und in fortdauernder Entwicklung zu halten. Deshalb ist es ungerecht, wenn der Glaube verbreitet wird, dass wir in der Waldorfschule oder in irgend etwas, was wir pädagogisch einrichten, dogmatische Anthroposophie treiben wollen. Wir wollen weder dogmatische Anthroposophie treiben, noch den einzelnen Wissenschaften irgendwie Anthroposophie aufdrücken. Im Gegenteil, wir wollen auch in den einzelnen Wissenschaften die Individualität dieser Wissenschaft zur Geltung bringen. Wir sind uns durchaus klar darüber, dass es sich darum handelt, gerade mit der Anthroposophie etwas in die Welt zu schaffen, was alle Dogmatik auslöscht, was gerade überall, auf allen Gebieten die Individualität in die Welt bringt.« (GA 203, 103)

Schließlich entwickelt Steiner (1921!) eine Überlegung zur sozialen Gesellung zwischen Menschen, die sich wie eine Handlungsanleitung für die später gegründete Anthroposophische Gesellschaft liest:

»In bezug auf das Wissen sind in alten Zeiten die Menschen unbelehrt auf die Erde herabgestiegen; in den Mysterien haben sie das Wissen empfangen. Sie steigen heute belehrt herab, und wir haben unsere Didaktik so einzurichten, dass wir das, was die Menschen von den Göttern gelernt haben, aus ihnen herausholen.

In bezug auf wirtschaftliche Einrichtungen waren die Menschen früher determiniert; es war ihnen gewissermaßen von den Göttern der Stempel aufgedrückt. Sie wurden in irgendeine Kaste, in irgendeine Gruppe hineingeboren. Das ist vorbei. Die Menschen werden ohne Stempel geboren, die Menschen werden gewissermaßen als einzelne Individualitäten hineingestellt in die Menschheit. Die Gruppenbildungen müssen sie selber vollziehen aus ihrer Geistigkeit heraus.

Es handelt sich ja wirklich nicht darum, solche Menschen zusammenzufassen, welche sich zur Anthroposophie bekennen; ob sie sich zur Anthroposophie bekennen oder nicht, das wird davon abhängen, was sie die Götter gelehrt haben vor ihrer Geburt, ob sie durch ihre früheren Inkarnationen reif waren zu dieser Götterbelehrung und jetzt so herunterkommen, dass wir aus ihnen Anthroposophie hervorholen können. Sie ist in viel mehr Menschen drinnen, als man heute glaubt, und eine große Anzahl ist nur zu faul, um das, was in ihr ist, aus sich herauszuholen, oder aber auch, es ist der Schulunterricht nicht so eingerichtet, dass die Hüllen gelöst werden und die Menschen wirklich zu ihrem Bewusstsein kommen.

Auf dem praktischen, namentlich auf dem wirtschaftlichen Gebiete wäre es geradezu sinnlos, die Menschen zusammenzufassen deshalb, weil sie Anthroposophen sind; sondern man fasst das, was Anthroposophie ist, wiederum in dem Sinne auf, um Einsichten zu bekommen in die Art und Weise, wie die Menschen aus ihrem Bewusstsein heraus die Gruppierungen suchen, suchen müssen nach ihren früheren Inkarnationen.

Es handelt sich darum, den Menschen Gelegenheit zu geben, die Gruppenbildungen vorzunehmen, also dasjenige auszuführen, was ganz in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit veranlagt ist. Also auch da kommt nicht in Frage, Menschen, die unter einer bestimmten Dogmatik leben, zusammen zu gruppieren, sondern Menschen, die durch ihre vorhergehenden Erdenleben dazu berufen sind, die Möglichkeit zu geben, in Gruppen sich zusammenzufinden.

In diesen Dingen stecken ja, sobald man aus dem Abstrakten ins Konkrete übergeht, außerordentlich viele Rätsel, und, ich möchte sagen, außerordentlich viel geheimnisvolle Dinge. Denn ob Menschen zu der einen oder zu der anderen Gruppe gehören, das ist durchaus nicht eine Sache von großer Einfachheit.« (GA 203, 107-108)

Autoritativ fasst § 9 der Prinzipien der Weihnachtstagung, nun tatsächlich als praktische Norm, all diese Überlegungen zusammen. »Das Ziel der Anthroposophischen Gesellschaft wird die Förderung der Forschung auf geistigem Gebiete, das der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft diese Forschung selbst sein. Eine Dogmatik auf irgendeinem Gebiete soll von der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen sein.« § 9)

Einige aufschlussreiche Bemerkungen zum Streit über die »richtige Methode« finden sich in der Broschüre »Entwickelung und Geisteskampf …« des Generalsekretärs der holländischen Landesgesellschaft, F.W. Zeylmans van Emmichoven, die – von Elisabeth Vreede ins Deutsche übersetzt – im Juli 1935 erschien. Sie wirft ein Licht auf Traditionen, die bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstanden, aber in manchen Gruppierungen der Anthroposophischen Bewegung – trotz aller historischen Verwerfungen – bis heute überdauerten – nicht zuletzt deshalb natürlich, weil sie gewisse anthropologische Konstanten repräsentieren. Zeylmans van Emmichoven schreibt: »Es wurde von Albert Steffen seit 1930 auf den Generalversammlungen öfter über die Entwicklung einer richtigen Methode bei der anthroposophischen Arbeit gesprochen … So wie Albert Steffen dazumal darüber sprach, konnte man es im Großen und Ganzen wohl akzeptieren. Er wies hin auf die Bedeutung eines solchen Werkes wie ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹, auf die Notwendigkeit, einen inneren Schulungsweg zu gehen, der zu einer Umgestaltung des eigenen inneren Lebens führt. Aber aus den Kreisen der von ihm erwählten Mitarbeiter und deren Anhänger ertönte bald etwas ganz Anderes … Für sie wurde die ›richtige Methode‹ zu einem Leitspruch, womit ein jeder, der in anderer Art als sie einen Entwicklungsweg gehen wollte, abgewiesen wurde. Unter der ›richtigen Methode‹ verstanden sie eine gewisse philosophisch-exakte Denkungsart, die einzig und allein zur Erkenntnis führen sollte. Im besonderen wurden Werke wie ›Die Philosophie der Freiheit‹ und ›Goethes Weltanschauung‹ [vermutlich sind die ›Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung …‹ gemeint] immer in einseitiger Weise hervorgehoben. Sie vergaßen offenbar zu sehr, dass die menschliche Seele nicht nur aus den Kräften besteht, die im Kopfe ihren Angriffspunkt finden, sondern dass auch das Herz Träger von Impulsen ist, die im Zusammenarbeiten mit den Kräften des Hauptes zu einer wirklichen Verbindung mit dem Geistigen führen können. Dieser Gegensatz war schon früher zu Tage getreten bei dem Konflikt zwischen der anthroposophischen Jugendbewegung und den Repräsentanten der alten Anthroposophischen Gesellschaft [vor 1923/24]. Letztere fanden insbesondere in Dr. Carl Unger ihren Vertreter, einem ausgezeichneten philosophischen Kopf, der mit großer Klarheit und Schärfe den von Rudolf Steiner aufgebauten anthroposophischen Entwicklungsweg auf erkenntnistheoretischem Gebiete ausgearbeitet hatte. Demgegenüber stand die anthroposophische Jugend, in der starke Willensimpulse lebten und bei der die Kräfte des Herzens nach einer tieferen Gemeinschaftsbildung strebten. … Das Problem bestand gewiss nicht darin, dass die Vertreter der Minoritätsgruppe den erkenntnistheoretischen Weg nicht als einen richtigen erkannten. Manche von ihnen waren ebensogut in der ›Philosophie der Freiheit‹ bewandert wie diejenigen, die sich immerfort auf dieses Werk beriefen. Dass sie weniger stark das Bedürfnis empfanden, immer wieder davon zu reden, hatte eben andere Gründe. Für sie war die Anthroposophie ein so weites, weltumfassendes Gebiet, dass sie eine große Anzahl von Wegen sahn, die zu einer innigen Verbindung mit der Anthroposophie führen können. Es wurde ihnen aber unmöglich, den Repräsentanten der ›richtigen Methode‹ noch zustimmend gegenüberzustehen, als es sich zeigte, dass diese sich berufen fühlten, eine Art oberste Gerichtsbehörde darzustellen, die nun definitiv festzustellen habe, was richtig und was nicht richtige Anthroposophie sei.«

»Rechtmäßige Nachfolge«

Kehren wir nach diesem Exkurs zu Erhard Lauer zurück, dessen Argumentation eine weitere unzutreffende Voraussetzung enthält. Lauer behauptete nämlich, nach dem Tode Steiners sei das Recht, zu beurteilen, was »richtige Anthroposophie« sei, auf die rechtmäßigen Nachfolger des Begründers und die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft übergegangen. »Die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft muss das Recht haben, zu sagen, was sie für die richtige Anthroposophie und für die richtige Methode hält.«

Was Lauer hier formulierte, war nichts anderes, als der Anspruch auf spirituelle Sukzession. Aber um diese Sukzession dem Vorstand und insbesondere dem Vorsitzenden zu vindizieren, berief er sich nicht auf einen Akt der spirituellen Einsetzung, eine Salbung oder eine rituelle Übergabe des Charismas, auch nicht auf Leistungen, wie Steffen dies einige Jahre zuvor gegenüber Ita Wegman getan hatte, sondern auf einen Rechtsanspruch. »Der rechtmäßige Nachfolger«, »die Leitung hat das Recht«: durch einen positivistischen Akt der Rechtssetzung, im Prinzip durch eine einseitige Willenserklärung, wird eine spirituelle Sukzession eingesetzt. In Wahrheit hätte nur einer dieses Recht für sich beanspruchen können: der von Steiner berufene Nachfolger. Da Steiner aber keinen Nachfolger benannt hat, ist dieses Recht verfallen. Der Gesellschaft bliebe demnach nichts anderes übrig, als in unablässigem Erkenntnisgespräch nach dem Begriff der Anthroposophie, nach dieser selbst zu suchen. Darin kommt aber auch das Wesen der Anthroposophie zum Ausdruck, die man nicht besitzen und verwalten, sondern nur suchen und erringen kann. Der Verzicht darauf, einen Nachfolger zu ernennen, stellt so gesehen den letzten pädagogischen Akt des spirituellen Lehrers gegenüber seinen Schülern dar. Da es keinen rechtmäßigen Nachfolger der esoterischen Tradition gab, die Steiner begründet hatte, konnte auch keine Einzelperson – erst recht kein Verein – für sich beanspruchen, diese Tradition aus esoterischer Vollmacht fortzusetzen. Insofern hatte Marie Steiner Recht, als sie unmittelbar nach Steiners Tod davon sprach, der Vorstand sei zu einem »Nichts« zusammengesunken. Dadurch verlor die Anthroposophische Gesellschaft jedoch keineswegs die Möglichkeit, sich historisch auf das Werk Rudolf Steiners und die von ihm begründete esoterische Tradition zu beziehen. Sie hätte dies nur nicht in einem falsch verstandenen – esoterischen – Sinn tun dürfen. Schließlich sind auch all die Konflikte, die diese Gesellschaft seit dem Tode Steiners durchzogen, aus dieser falsch verstandenen Sukzession entstanden. Eine historische Sukzession besteht durchaus, die esoterische wurde durch die geschichtlichen Tatsachen widerrufen. Hätten die Protagonisten der Gesellschaftsgeschichte Steiners Esoterik richtig verstanden, hätten sie auf die esoterische Nachfolge verzichten müssen, – gerade dadurch hätten sie sich aber in die esoterische Nachfolge gestellt.

Im weiteren Verlauf der Debatte meinte ein Redner, es käme nicht auf den Inhalt der Willenserklärung an, sondern darauf, sich die Persönlichkeiten anzusehen, die sie verfasst hätten. Er fügte hinzu. »Wir wollen nicht diese Persönlichkeiten menschlich vernichten – jedenfalls ich nicht – aber das, was sich in ihnen repräsentiert als Willensrichtung, das will ich vernichten, weil ich sehe eine unmittelbare Bedrohung dessen, was von Geisteswissenschaft ausgeht, vom Goetheanum … Wenn man sich diesem Gangränopteros [gemeint ist vermutlich das Gangrän, die Gewebsnekrose oder der Wundbrand] anvertraut, geht man mit ihm unter, auch wenn man ein Vorstandmitglied ist.«

Auch Roman Boos beteiligte sich auf seine Weise an der Diskussion. Es ist an dieser Stelle vielleicht angebracht, daran zu erinnern, dass Boos im Jahr 1921 einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, der eine psychiatrische Behandlung und einen mehrjährigen Erholungsaufenthalt in einer Klinik zur Folge hatte. Seine halluzinanten, starke Emotionen aufwühlenden  Debattenbeiträge sind daraus vielleicht bis zu einem gewissen Grade erklärlich. Boos bezeichnete die »Willenserklärung« als eine »Triebverdunkelung« und schwang sich zu verwegenen Metaphern auf: »Wir haben uns ständig gegen die Vernichtung und Unterwühlung esoterischer Substanz zu wehren … Diese Sache muss nun ein Ende nehmen. Das ist ja nichts anderes, als das Karzinom der Gesellschaft … Da meint man, Esoterik bestehe darin, dass man irgendwo esoterische Substanz auffrisst. Der Wolf wird aber nicht zum Lamm dadurch, dass er ein Lamm frisst. Und dadurch, dass man Kommunikationssubstanz verzehrt, wird man nicht ein anderer, wenn man in sich selber nicht die Kraft der Wandlung hat … Und wer in sich selber nicht den Kampf aufnimmt, vernichtet, verzehrt, frisst auf esoterische Substanz. Und wenn er in sich selber nicht mehr genügend findet, um es aufzuzehren, bricht er in die Umgebung ein, so reißend bricht er ein z.B. in die anthroposophische Arbeit, in das geistige Goetheanum wie es geschehen ist nicht nur nach dem Tode Rudolf Steiners …« Als Beispiele für ein solches Verhalten führte er im folgenden die »Leitsätze« an, die Ita Wegman verfasst hatte, die Tatsache, dass sie es gewagt hatte, in Paris und anderswo esoterische Stunden abzuhalten und vieles mehr. Der Rechtshistoriker Boos begründete gewissermaßen die anthroposophische Heilsdogmatik, indem er den Begriff der »esoterischen Substanz« einführte, die er mit der Heilssubstanz auf eine Stufe stellte, von der die katholische Kirche behauptet, sie würde sie verwalten. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Postulat, außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gebe es kein Heil.

Endlich wogte die Debatte in Richtung Abstimmung über den Antrag zur Statutenänderung. Auch die betreffenden Geschäftsordnungsanträge lösten wieder endlose Diskussionen aus.

George Adams (Kaufmann), 1894-1963

George Adams (Kaufmann), 1894-1963

Schließlich meldete sich George Kaufmann zu Wort und bemerkte zu den Auseinandersetzungen über »wahre und falsche Anthroposophie«: »Es wird immer gesprochen von anthroposophischer Methode, aber in der Art, wie es geltend gemacht wird, waltet sie nicht. Ich möchte schon lieber eine unvollkommen vertretene Anthroposophie und eine mangelhafte Methodik, wenn die Gesinnung eine moderne und anthroposophische Gesinnung ist, eine Gesinnung, die dem naturwissenschaftlichen Zeitalter und den Impulsen Rudolf Steiners entspricht. Das möchte ich lieber, als dass vorgetragen wird über anthroposophische Methodik – und sei es richtig vorgetragen –, wenn das dann geltend gemacht wird in einer Art und Weise, die ich nur empfinden kann als mittelalterlich, dogmatisierend und anathematisierend«. Kaufmann, der im folgenden Ita Wegman verteidigte und sich am Ende seiner Ausführungen auf eine Äußerung Albert Steffens bezog, kann man hier nur zustimmen. Steffen hatte zu einem früheren Zeitpunkt gesagt: »Ich als Vorsitzender bin nicht verantwortlich für das, was in den Sektionen als solches geschieht. Dadurch ist die Gesellschaft auch nicht verantwortlich von der ich Vorsitzender bin …« Durch diese Bemerkungen, so Kaufmann, habe Steffen die medizinische Sektion »preisgegeben«.

Steffen verwahrte sich gegen diesen Vorwurf und erklärte, er lege das Amt des Vorsitzenden der Anthroposophischen Gesellschaft nieder. Er übergab Marie Steiner den Vorsitz und verließ den Saal. Diese erklärte, sie verbleibe nur im Vorstand, wenn Steffen den Vorsitz behalte und verließ ebenfalls den Saal. Im dadurch entstandenen Chaos stellte Curt Englert-Faye den Antrag, Steffen, Marie Steiner und Wachsmuth möchten die Gesellschaft neu konstituieren. Diesem Antrag stimmte die Versammlung mit großer Mehrheit zu und Wachsmuth überbrachte ihn Steffen und Marie Steiner.

Nach der Mittagspause stellte Albert Steffen der Versammlung die folgende Frage: »Ist die Anthroposophische Gesellschaft gewillt, im Sinne der Weihnachtstagung diese drei Persönlichkeiten [Steffen, Marie Steiner, Wachsmuth] die Arbeit weiterführen zu lassen, und die Entscheidungen die sie treffen, für die Gesellschaft als bindend zu betrachten?« 774 Mitglieder bejahten dies, 94 stimmten dagegen, 23 enthielten sich. Unmittelbar darauf wurde der Antrag auf Statutenänderung mit überwältigender Mehrheit verabschiedet. Mit dem Antrag wurde auch dessen Begründung angenommen, in der es unter anderem hieß: »Die Generalversammlung weist die sogenannte ›Willenserklärung‹ der Herren Kolisko, Zeylmans, Dunlop und Kaufmann zurück, als eine Kundgebung, die durch Unwahrheit, durch Entstellung historischer Tatsachen und durch Verleumdungen eine Zwangssituation herbeiführen will, in der jede Arbeit in der Anthroposophischen Gesellschaft lahmgelegt werden soll.«

Als Folge der Generalversammlung wurde Elisabeth Vreede das Recht verweigert, Veranstaltungen der mathematisch-astronomischen Sektion in den Räumen des Goetheanums durchzuführen. Am 15. April erschien im »Mitteilungsblatt« folgende »Erklärung«: »Die Generalversammlung hat Herrn Steffen, Frau Dr. Steiner und Herrn Dr. G. Wachsmuth beauftragt, die Führung der Gesellschaft zu übernehmen und die Entscheidungen, die diese Persönlichkeiten treffen, als bindend für die gesamte Gesellschaft zu erklären. Daher würde jeder Funktionär, der sich nicht an diesen Beschluss der Generalversammlung hält, sich der Möglichkeit begeben, Verantwortung für die Gesellschaft zu tragen und sein Amt auszuüben.«

Damit war die Frage nach der spirituellen Sukzession, die Steffen 1930 ausgesprochen hatte, durch ein Mehrheitsvotum und ein sich auf dieses berufendes Machtwort entschieden. Steffen, der 1930 noch behauptet hatte, eine spirituelle Sukzession müsse sich durch Leistungen beweisen, wobei offen blieb, nach welchen Kriterien diese Leistungen zu bemessen seien, war von der Logik der Macht eingeholt worden. Eine Majorität hatte ihm bei einer Generalversammlung jene Sukzession zugesprochen und durch einen Akt des Vereinsrechts in eine kanonische Form gegossen. Von nun an konnte Steffen behaupten, die wahre Anthroposophie zu vertreten und wer ihm nicht folge, der befinde sich in bezug auf diese Anthroposophie im Irrtum. Über abweichende Wahrheitsansprüche wurde seither nicht mehr durch das Erkenntnisgespräch, sondern durch Verwaltungsakte entschieden. Das Gespenst des Katholizismus hatte die anthroposophische Gesellschaft heimgeholt.

Mitgliedskarten, die von Unterzeichnern der Willenserklärung ans Goetheanum gesandt wurden, unterschrieb der Vorsitzende seit der Generalversammlung nicht mehr.

Dass es sich bei all dem um einen historischen Irrtum handelte, erkannte die Anthroposophische Gesellschaft im Jahr 1948, in dem eine Generalversammlung einstimmig beschloss, den durch die Generalversammlung vom 14.4.1935 erfolgten Ausschluss eines Teiles der Mitglieder aufzuheben und diesen den Wiederanschluss an die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings die Protagonisten der Oppositionsbewegung, Ita Wegman, Elisabeth Vreede, Eugen Kolisko, Daniel Dunlop und andere bereits verstorben. Doch bevor es zu einem Wiedereinschluss kommen konnte, musste erst der Ausschluss erfolgen. Dieser wurde im Jahr 1935 exekutiert.

Zuvor muss aber die Geschichte des Jahres 1934 zu Ende erzählt werden.

Auf der bald nach dieser denkwürdigen Veranstaltung erfolgenden Generalversammlung der holländischen Landesgesellschaft verabschiedete diese einen Beschluss, in dem sie die Dornacher Abstimmung für sich als »nicht bindend« erklärte. Am 4. Juli wurde Albert Steffen mit einem Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, das betonte, es handle sich um keine »Sezessionsbewegung« und die verbündeten anthroposophischen Vereinigungen behielten sich das Recht zur Aufnahme von Mitgliedern im Namen der Anthroposophischen Gesellschaft vor. Außerdem schlossen sich Ende Juni, Anfang Juli die englische und die holländische Landesgesellschaft mit der »Anthroposophische Arbeitsgemeinschaft in Deutschland« und den letzten Resten der »Freien Anthroposophischen Gesellschaft« zu den »Vereinigten Anthroposophischen Gruppen« zusammen.

Elisabeth Vreede übernahm ein Korrespondenzbüro für diese Gruppen, Kolisko und von Grone vertraten sie in Deutschland.

Am 29. Dezember 1934 fand in Dornach eine Zusammenkunft der Generalsekretäre und Mitarbeiter am Goetheanum statt, bei der die Marschroute für die im April bevorstehende Generalversammlung festgelegt wurde. Guenther Wachsmuth wies auf die Notwendigkeit hin, die Statuten der Gesellschaft an die neuen Verhältnisse anzupassen, Elisabeth Vreede und Ita Wegman hätten sich durch ihr Verhalten »selbst aus dem Vorstand ausgeschlossen«. Der Kultur- und Sprachwissenschaftler Günther Schubert (1899-1969) war es, der den Vorschlag unterbreitete, jene Personen, die der anthroposophischen Bewegung in den vergangenen Jahren »unendlichen Schaden zugefügt« hätten, auszuschließen: Eugen Kolisko, Jürgen von Grone, Daniel Dunlop, George Kaufmann, Zeylmans van Emmichoven und Peter de Haan. Außerdem seien »die beiden Damen« aus dem Vorstand und damit aus der Gesellschaft zu entfernen. Mit ihrer Mitgliedschaft verlören sie zugleich die Leitung ihrer Sektionen und das Recht, Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft zu sein. Dann könne man alle Gruppen, die mit diesen Personen verbunden seien, auffordern, sich dem Goetheanum und seinen Direktiven anzuschließen. Danach könne man die Änderung der Statuten in Angriff nehmen.

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2 Kommentare

  1. If you take a look at Tom Last’s website, which he simply titles „Philosophy of Freedom“, you can see he uses a name like „Theosophism“ for a version of Anthroposophy he deems not competent to translate Die Philosophie der Freiheit correctly into English. So Mr. Last asserts Poppelbaum, under this influence, falsely translated.

    What about Heinrich Leiste, Ph.D. in philosophy?

  2. Pingback:1935 | Ausschluss und Verbot | Anthroblog

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