1953-1955 – Lauter ungelöste Fragen

Wie bereits Mitte der 1930er Jahre trennte sich auch durch den Konflikt mit Marie Steiner und dem Nachlassverein ein Teil der Mitgliedschaft von der »Allgemeinen« Anthroposophischen Gesellschaft. Die Sezession gab sich einen eigenen organisatorischen Status, insbesondere als »Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz«, die mit einer Reihe von Zweigen (Arbeitsgruppen) noch heute existiert. Die Spaltung zog sich aber durch alle bestehenden (oder im Aufbau begriffenen) Landesgesellschaften und erschwerte auf vielfache Weise die Zusammenarbeit.

Friedrich Husemann (Psychiater, Begründer der Husemann-Klinik in Wiesneck, 1887-1959)

Friedrich Husemann (Psychiater, Begründer der Husemann-Klinik in Wiesneck, 1887-1959)

In Deutschland hatte es seit dem Verbot durch die Nationalsozialisten 1935 keine Anthroposophische Gesellschaft mehr gegeben und aufgrund des Nachlasskonfliktes drohten hier zwei Landesgesellschaften (von Steffen- resp. Marie-Steiner-Anhängern) zu entstehen. Die unbewältigten Erkenntnis- und Lebensfragen der Gesellschaft spiegelten sich bei den offiziellen Zusammenkünften in Krisendiagnosen und Äußerungen der Resignation. Der Vertreter des Hamburger Arbeitszentrums, Julius Solti, sprach auf der Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland im Herbst 1953 von drei Erkenntnisrätseln, die sich lähmend auf die Mitgliedschaft auswirkten. Das erste betreffe die »Fortführung der Klassenstunden« (also das Verständnis der Hochschule für Geisteswissenschaft), dessen Unlösbarkeit zu einem tiefgreifenden Konflikt zwischen Ita Wegman und Marie Steiner geführt habe. Das zweite die Verwaltung des »literarischen Werkes« Rudolf Steiners. Hier stünden sich das »spirituelle Recht« der Hochschule auf Verwaltung des Erbes innerhalb der Gesellschaft und das testamentarische »Erbrecht« unversöhnbar gegenüber. Das dritte Rätsel schließlich betreffe die Frage der »spirituellen Kontinuität«, die sich an der Ernennung Albert Steffens zum stellvertretenden Vorsitzenden und dem damit möglicherweise verbundenen Auftrag entzündet habe. Das erste Rätsel brachte er mit der luziferischen Versuchung in Verbindung, das Geistige wie eine Offenbarung empfangen zu wollen, das zweite mit der ahrimanischen, die sich durch irdischen Besitz eröffne und das dritte mit Todeskräften, die innerhalb der Gesellschaft walteten, die durch Auferstehungskräfte überwunden werden müssten.

Soltis Debattenbeitrag ist ein Beispiel für die im inneranthroposophischen Diskurs verbreitete Tendenz, symbolische Denkformen als Strategem der Erkenntnisvermeidung einzusetzen. Statt die Designate klar zu benennen, die mit den von ihm verwendeten Signifikaten verbunden waren, ließ er das von ihm Gemeinte in der Schwebe und verschleierte mit seiner Konstruktion eines »dreifachen« Rätsels zugleich die offenkundige Tatsache, dass es sich bei den von ihm angesprochenen Problemen in Wahrheit nur um ein einziges handelte: das Problem nämlich, ob und wie im Rahmen der Anthroposophischen Gesellschaft nach dem Tode Steiners der Anspruch auf Geisterkenntnis eingelöst und verifiziert werden konnte.

Erst im Oktober 1954 gelang es, die »Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland« mit einer föderativen Struktur, die den widerspenstigen Arbeitszentren in den verschiedenen Landesteilen weitgehende Autonomie zugestand, unter der Leitung eines Arbeitskollegiums neu zu begründen, dem Friedrich Husemann (Psychiater, Begründer der Husemann-Klinik in Wiesneck, 1887-1959), Paula Dieterich (Waldorflehrerin, Hamburg, 1892-1974), Rudolf Kreutzer (Unternehmer, Firma Staedtler in Nürnberg, 1887-1976) und Carl Johannes Brestowsky (Waldorflehrer, Wuppertal, 1896-1974) angehörten. Erich Schwebsch (Waldorflehrer in Stuttgart, 1889-1953), der die Gründung maßgeblich mit vorbereitet hatte, war 1953 verstorben.

Rudolf Kreutzer (Unternehmer, Firma Staedtler in Nürnberg, 1887-1976)

Rudolf Kreutzer (Unternehmer, Firma Staedtler in Nürnberg, 1887-1976)

Die führenden Persönlichkeiten der deutschen Landesgesellschaft waren alle nach Anbruch des neuen michaelischen Zeitalters (1879) geboren, hatten zwei Weltkriege, den Zusammenbruch eines Kaiserreichs, einer Republik und eines Terrorregimes sowie das Verbot der Gesellschaft in Deutschland erlebt und befanden sich nun ausnahmslos in ihrem siebten Dezennium, zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Sie alle hatten auch Rudolf Steiner erlebt und sich zwischen 1909 und 1922 der Theosophie bzw. Anthroposophie angeschlossen. Auf der anderen Seite der Grenze hatten sie es mit dem 70jährigen Steffen, dem 61jährigen Wachsmuth, dem 63jährigen Poppelbaum und dem geradezu jungen, 56jährigen Lewerenz zu tun. Angesichts dieser generationellen Konstellation drängt sich der Gedanke auf, die Anthroposophie sei zu einer Gerontosophie geworden. Aber das äußerliche Alter sagt bekanntlich nichts über die innere Lebendigkeit und Kreativität eines Menschen aus. Trotzdem geht das fortschreitende Alter häufig mit einer Verfestigung der Lebenseinstellungen und Lebensauffassungen einher. Es wäre interessant, die Frage zu untersuchen, ob der dogmatische Charakter, den die öffentliche Repräsentation der Anthroposophie durch die Anthroposophische Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts annahm, nicht möglicherweise ein Altersproblem war. Die Vorstandsmitglieder, die bis 1963 berufen wurden, waren zwar etwas jünger (mit Ausnahme der Ärztin Margarete Kirchner-Bockholt [1894-1973], die 69 war, befanden sich alle in der zweiten Hälfte ihres sechsten Jahrzehnts, weitaus der jüngste sollte Rudolf Grosse [1905-1994] sein, der sich bei seiner Berufung im 50. Lebensjahr befand), aber wenn man diese Alterskonstellation mit jener des Gründungsvorstandes von 1923/24 vergleicht, ist die Differenz doch erheblich: Rudolf Steiner war 1923 mit 62 Jahren weitaus der älteste, Marie Steiner war 56, Ita Wegman 47, Elisabeth Vreede 44, Albert Steffen 39 und Guenther Wachsmuth sogar erst 30 Jahre alt! Erst 1966 sollte die »Allgemeine« Anthroposophische Gesellschaft mit Hagen Biesantz [1924-1996], der bei seiner Berufung 42 Jahre alt war, wieder an die von Steiner begründete Tradition anschließen.

Nachdem bis Ende der 1940er Jahre die unmittelbaren Kriegsschäden beseitigt waren, begann in den Jahren zwischen 1950 und 1960 – so wie in den meisten vom Krieg heimgesuchten europäischen Gesellschaften, die in den Genuss des Marshallplans kamen – auch in der Anthroposophischen Gesellschaft und der mit ihr in Beziehung stehenden – aber keineswegs identischen –anthroposophischen Bewegung eine Zeit der Konsolidierung und Ausbreitung. Die lebensgeschichtliche Dimension dieser Entwicklung lässt sich an der eben beschriebenen Generation, die 1954 das Arbeitskollegium der neugegründeten deutschen Landesgesellschaft bildete, verdeutlichen. Die Angehörigen dieses Kollegiums befanden sich in der Zeit zwischen 1935 und 1945 in ihrem vierten Lebensjahrzehnt, in dem in der Regel die individuellen Lebensmotive zur stärksten Entfaltung kommen und die Persönlichkeit sich in der Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld sich diesem am intensivsten einprägt. Berufsausbildung, Studium, Familiengründung und ein gutes Jahrzehnt beruflicher oder familiärer Erfahrung haben Menschen in diesem Lebensalter bereits zurückgelegt, ihre Persönlichkeit durch die vielfältigen Erfahrungen gefestigt, ihren Horizont erweitert und häufig entwickeln sie die Bereitschaft oder das Bedürfnis, über den damit erreichten Lebenshorizont zu neuen – inneren oder äußeren – Ufern aufzubrechen. Diese bedeutende Epoche im Leben eines Menschen – im Leben der potentiellen Kontinuitätsträger der anthroposophischen Impulse – fiel aufgrund des Verbots anthroposophischer Arbeit in Deutschland aus, ihre schöpferischen Kräfte wurden zurückgedrängt, ihre moralischen Intuitionen unterdrückt – mit anderen Worten: die historischen Mächte des Bösen warfen die betreffende Generation um ein Jahrzehnt zurück, wenn sie die Kontinuität nicht sogar gänzlich zunichte machten, indem sie zu Emigration und Flucht zwangen oder die potentiellen Träger anthroposophischer Impulse schlichtweg zermalmten. Hinzu kamen die inneranthroposophischen Verwerfungen, die ihrerseits ein beträchtliches Maß geistiger Kräfte in unsinnige, überflüssige, zerstörerische Auseinandersetzungen kanalisierten. Wessen seelische und geistige Kräfte durch all diese Prüfungen nicht aufgezehrt waren, der hätte sie nun in gesteigertem Maß und zugleich aufgrund des fortgeschrittenen Lebensalters in überpersönlicher Form dem Neuaufbau der anthroposophischen Bewegung zur Verfügung stellen können. Gleichzeitig begann der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft – der nach ihrem Selbstverständnis einzigen spirituellen Hochschule der Welt, die eine moderne Form abendländischer Esoterik mit der neuzeitlichen Wissenschaft verband – im Jahrzehnt zwischen 1950 und 1960 bereits eine neue Generation von Suchern zuzuströmen, deren spirituelle Sehnsüchte durch den bisherigen Lauf der Welt enttäuscht worden waren.

Erich Schwebsch (Waldorflehrer in Stuttgart, 1889-1953)

Erich Schwebsch (Waldorflehrer in Stuttgart, 1889-1953)

Diesen Sehnsüchten versuchten die öffentlichen Hochschulkurse entgegen zu kommen, die ab 1954 wieder von den einzelnen Sektionen zu unterschiedlichen Fachgebieten am Goetheanum durchgeführt wurden. Die Sektionen wurden personell verstärkt, insbesondere die medizinische Sektion durch Ärzte aus der Ita Wegman Klinik Arlesheim, die sich nach dem Beschluss der Generalversammlung von 1948 allmählich wieder auf das Goetheanum zubewegten und in die Leitung der Sektion aufgenommen wurden.

Bereits 1952 war der Beschluss gefasst worden, den noch immer im Rohbau befindlichen großen Saal des Goetheanum auszugestalten. Der Auftrag erging im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens, an dem sich 27 Architekten beteiligten, schließlich an den Stuttgarter Johannes Schöpfer. Wie alle bedeutenderen Vorhaben der Gesellschaft war auch dieser Innenausbau Anlass zu langwierigen Auseinandersetzungen. 1957 konnte der große Saal endlich dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Doch trotz – oder vielleicht gerade wegen – des fortgeschrittenen Alters der Protagonisten waren die Dornacher Generalversammlungen auch in den 1950er Jahren weiterhin Schauplatz ideologischer Grabenkämpfe, bei denen sich in Schützengräben eingegrabene Parteien unversöhnlich gegenüberstanden.  Aus heutiger Sicht erscheinen manche dieser Auseinandersetzungen wie Szenen aus einem dadaistischen Theaterstück. Die Existenz und die Publikationen der Nachlassverwaltung erwiesen sich als der hartnäckigste Stachel im Fleisch der Gesellschaft. Die damit verbundenen Fragen sollten ihr bis in die 1970er Jahre erhalten bleiben.

1955, dreißig Jahre nach dem Tod ihres Begründers, sah sich der Vorsitzende, Albert Steffen, veranlasst, auf der Generalversammlung Anfang April zu Vorwürfen Stellung zu nehmen, die in den »Mitteilungen der Anthroposophischen Vereinigung in der Schweiz« erhoben worden waren. Das Goetheanum sei »tot«, hieß es darin und Steffen wurde der Vorwurf gemacht, er habe die Gesellschaft zu einer »Sklavengesellschaft« umgeformt. Auf die Unterstellung, er habe dieselben Methoden angewandt, wie »gewisse Volksgruppenführer«, antwortete Steffen mit Ausführungen, die einen tiefen Einblick in sein Selbstverständnis gewähren: »Es wird dabei wohl an den letzten Weltkrieg gedacht, wo diese Usurpationen ja stattfanden, von gewissen Führern von Volksgruppen, sowohl in Deutschland wie in Italien. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Praktiken auch in unserer Gesellschaft angewendet werden, in der Hauptsache vom Vorsitzenden. Also wörtlich: ›Man identifiziert ein Volk mit einer Partei, die im Parteiführer gipfelt, oder das Christentum mit einer Kirche und dem Haupt dieser Kirche, oder Rudolf Steiner und die Anthroposophie mit dem Vorsitzenden … .‹ Also das ist doch deutlich genug, dass ich da als Vorsitzender verglichen werde mit denjenigen Persönlichkeiten, welche dieses namenlose Elend über Europa gebracht haben, was ich zum Beispiel in zweien meiner Dramen dargestellt habe, natürlich in künstlerischer Art –, es schließt dann der Aufsatz: ›Diese Methode hat sich bei uns glänzend bewährt, wohl auch, weil sie in ihrem Wirken fast durchaus unerkannt bliebt.‹ Also«, so schließt Steffen, »die Mitglieder haben nicht erkannt, nach der Aussage dieses ›Schriftstellers‹, dass da ein Usurpator am Werk war mit der Absicht, nach den Praktiken übelster Okkultismen eine Gesellschaft von freien Menschen in eine ›Sklavengesellschaft‹ zu verwandeln.«

Jakob Streit (Grundschullehrer, Jugendbuchautor in Spiez, 1910-2009)

Jakob Streit (Grundschullehrer, Jugendbuchautor in Spiez, 1910-2009)

Bei der Generalversammlung standen drei Anträge zur Debatte: der Dornacher Architekt Albert Baravalle (1902-1983) versuchte die Versammlung dazu bewegen, gegen den Entwurf Johannes Schöpfers zu protestieren, da er die Vorgaben Steiners für die Ausgestaltung des Saales missachte, eine Reihe von Mitgliedern, unter ihnen Jakob Streit (1910-2009), schlug vor, sämtliche Bücher Rudolf Steiners, gleichgültig in welchem Verlag sie erschienen seien, am Büchertisch des Goetheanum zu verkaufen und sie in den von diesem verantworteten Zeitschriften anzuzeigen und eine weitere Gruppe von Mitgliedern, zu denen wiederum Jakob Streit gehörte, stellte den Antrag, die weitere Verbreitung des Gutachtens von Prof. A. Egger »Die Wege der richterlichen Rechtsfindung«, das gegen die Nachlassverwaltung Stellung bezog, seitens der Gesellschaft zu unterbinden. Gegen den Antrag Baravalle lag ein Geschäftsordnungsantrag vor, der auf Nichteintreten in die Debatte plädierte, zum Antrag Egger lag ein Gegenantrag vor, der dessen Ablehnung befürwortete. Interessant ist, zu verfolgen, wie die Versammlung mit den jeweiligen Anträgen verfuhr, und welche Begründungen im einzelnen für oder gegen die Anträge vorgebracht wurden. Mit demselben Argument konnten nämlich Teilnehmer dieser Versammlung sowohl das Eintreten in eine Debatte und eine Abstimmung über einen Antrag ablehnen, mit dem sie kurz darauf eben dieses Eintreten und die Abstimmung rechtfertigten. Niemandem, auch nicht dem Leiter der Versammlung, dem Naturwissenschaftler Hermann Poppelbaum, schienen diese Widersprüche aufzufallen. Carl Jerome Bessenich begründete den Geschäftsordnungsantrag zum Antrag Baravalle mit der Behauptung, eine Entscheidung über den Entwurf des Saalausbaus durch die Generalversammlung widerspreche der »Konstitution der Hochschule«, da Fragen des »freien Geisteslebens« allein in die Kompetenz der Hochschulleitung fielen, die ihre Entscheidungen in Freiheit treffen müsse. Gegen den Antrag Streit (zum Bücherverkauf) argumentierte Rudolf Grosse, die Annahme dieses Antrages würde die Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft verändern, die der Goetheanumleitung auch die Verantwortung über den Büchertisch zuweise. Die Leitung des Goetheanum dürfe in dieser Frage nicht »dem Befehl« der Generalversammlung unterstellt werden. Mit diesem Argument setzte er sich jedoch nicht – was angesichts der eben vorangegangenen Auseinandersetzungen konsequent gewesen wäre – für ein Nichteintreten in die Debatte oder in eine Abstimmung ein, sondern dafür, den Antrag mittels einer Abstimmung abzulehnen. Das eine Mal wurde also der Generalversammlung mit dem Argument der Autonomie der Hochschulleitung das Recht bestritten, über eine Frage des freien Geisteslebens abzustimmen, das andere Mal wurde ihr mit demselben Argument genau dieses Recht eingeräumt. Dass sich die Hochschulleitung ebenso dem »Befehl« der Generalversammlung unterwarf, wenn diese den Antrag Streits ablehnte, schien Grosse nicht aufzufallen. Auch über den Antrag zum Rechtsgutachten Professor Eggers, der erst recht tiefgehende Erkenntnisfragen – also Fragen des freien Geisteslebens – aufwarf, wurde schließlich von der Generalversammlung abgestimmt. Er wurde ebenso abgelehnt, wie der Antrag zum Bücherverkauf. Dass es dreißig Jahre nach dem Tod Rudolf Steiners möglich war, diametral entgegengesetzte Verhaltensweisen innerhalb kürzester Zeit mit ein und demselben Argument zu rechtfertigen, zeigt, wie wohlfeil inzwischen die Berufung auf die Freiheit des Geistes geworden war und wie wenig Ernst die Gesellschaft ihren eigentlichen Auftrag, die Förderung der Geisterkenntnis, nahm.

Die letzte Viertelstunde der Versammlung, die um 23 Uhr zu Ende ging, war dem Traktandum »Berichte über die Arbeit am Goetheanum und in der Gesellschaft« gewidmet. Was eigentlich im Mittelpunkt der Zusammenkunft hätte stehen sollen, spielte somit nur eine marginale Rolle, ja der Versammlungsleiter sah sich am Ende zur Aufforderung gezwungen, die Berichte über diese Arbeit nicht mehr mündlich, sondern schriftlich abzugeben. »Alle erklären sich einverstanden«, bemerkt das Protokoll lakonisch. Von besonderer Taktlosigkeit zeugen die Schlussbemerkungen Poppelbaums, der die gesellschaftsinternen Kritiker unter Berufung auf ein Gedicht Goethes mit »Kläffern«, also Hunden verglich.

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