Auferstehung im Licht der Anthroposophie

linde_schuberDer Tod Gottes und seine Auferstehung, die Auferstehung der Toten am Tag des Jüngsten Gerichts – zentrale Glaubensinhalte des Christentums als Gegenstände empirischer Forschung? Was im Rahmen der religiösen Traditionen – ebenso wie im Rahmen der institutionalisierten Wissenschaften – unmöglich, ja absurd erscheint: für die Anthroposophie scheint es weder absurd noch unmöglich.

Die Vorstellung, dass die Auferstehung absurd sei, ist nicht neu. Der christliche Apologet Tertullian schrieb zu Beginn des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung: »Gestorben ist Gottes Sohn; es ist glaubhaft, weil es absurd ist. Und begraben, ist er auferstanden: es ist gewiss, weil es unmöglich ist.« Was von Tertullian als Plädoyer für den Glauben gemeint war, genügte den gestiegenen intellektuellen Ansprüchen des Mittelalters nicht mehr. Einer der Begründer der Scholastik, Anselm von Canterbury, glaubte durch logische Gründe beweisen zu können, warum Gott Mensch werden, sterben und auferstehen musste. Der durch seine Argumentation erreichte Standard der Rationalität galt mehrere Jahrhunderte als vorbildlich. In der Aufklärung jedoch griffen Agnostiker und Atheisten Tertullians Gedanken wieder auf und wendeten ihn gegen die Offenbarung: »Ein Wunder wie die Auferstehung ist nicht möglich, weil es mit den Naturgesetzen nicht vereinbar ist.« Ihre Überzeugungskraft verdankte die aufklärerische Kritik an der Religion – wie die These zeigt – nicht der rationalen Auseinandersetzung mit Anselms Argumenten, sondern der Tatsache, dass sie propagandistisch ein anderes Paradigma der Rationalität etablierte: das der sinnesgestützten Empirie. Mit Anselm könnte man der Aufklärung entgegnen, die Erwartung sei absurd, etwas mit den Sinnen beobachten zu können, was seiner Natur nach den Sinnen entzogen ist. Erst Kant, der Vollender der Aufklärung, glaubte beweisen zu können, dass die menschliche Vernunft aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht imstande sei, etwas zu begreifen, was die Grenzen ihres Vermögens übersteige. Aber er kehrte gleichzeitig zu Tertullians These zurück und erklärte die Inhalte der Religion zu Postulaten der praktischen Vernunft: Der Mensch muss an die Unsterblichkeit der Seele und die Existenz Gottes glauben dürfen, sonst hat sein Leben keinen Sinn.

Vom Glauben zum Wissen führt der Weg der Wissenschaft. Dass die Auferstehung eine empirische Tatsache, dass sie für die Vernunft begreifbar und wissenschaftlich erforschbar ist, lehrt das Werk Rudolf Steiners. Man muss sich allerdings auf seine erweiterte Wissenschaftslogik einlassen. Man darf nicht reduktionistisch voraussetzen, nur das sinnlich Wahrnehmbare sei wirklich, seinen Blick nicht vor der Tatsache verschließen, dass, wer dies behauptet, bereits die Existenz einer nicht-sinnlichen Tatsache beweist – die eines denkenden Wesens nämlich, das seine eigene Existenz verneint. Wer sich hingegen durch die Beobachtung dieser Tatsache von der Realität des Geistigen überzeugen kann – wird er durch sie doch seines eigenen geistigen Wesens gewahr – , wird in ihr eine Brücke zur Anthroposophie als Geisteswissenschaft finden. Denkbar werden ihm geistige Beobachtungsinhalte, die ihm so wie sein eigenes Denken erscheinen, deren Inhalt aber nicht sein im Denken tätiges Ich, sondern andere Tätigkeitswesen sind. Solche Tätigkeitswesen bezeichnet die Anthroposophie mit spezifischen Ausdrücken, wie zum Beispiel »Ätherleib«, »Astralleib«, »Angelos« oder »Archangelos«. Wenn wir die Beobachtungsfähigkeit, die wir an unserer eigenen Denktätigkeit schulen, erkraften und erweitern, geraten solche Tätigkeitswesen in den Blick. Für das alltägliche Bewusstsein sind sie unwahrnehmbar, weil sie nicht sinnlich sind. Die erweiterte Beobachtungsfähigkeit vermag aber nicht nur sinnlich Gestaltetes anzuschauen, sondern auch das übersinnlich Gestaltende. Allem Gestalteten liegt ein Gestaltendes, allem Gewordenen ein Werdendes zugrunde, dessen Erscheinungsform das Gewordene ist. Von Dauer ist nicht das Gewordene und Gestaltete, sondern das Ungewordene, Gestaltende. Der Beobachtung eröffnen sich so neue Dimensionen der Wirklichkeit, jenseits der Grenzen, an denen das auf die Sinne gestützte Alltagsbewusstsein stehenbleiben muss: jenseits der Schwelle der gewöhnlichen Wahrnehmung, jenseits des Einschlafens, jenseits der Geburt, jenseits des Todes, jenseits der Gegenwart. Die sinnliche Wahrnehmungswelt erscheint zunehmend als das, was sie ist: als Produkt schöpferischer Tätigkeitswesen, die sich im Produzierten, im Gewordenen verbergen und zugleich offenbaren. Das Leben, die Seele, das Bewusstsein werden zu beobachtbaren geistigen Entitäten, deren Beschaffenheit und gesetzmäßige Entwicklung systematisch erforscht werden kann.

Das Werk Rudolf Steiners ist ein umfassender Forschungsbericht, der sich nicht mit der Welt des Gewordenen, sondern mit jener Welt befasst, die dem Gewordenen zugrunde liegt. In ihm nimmt die Wirklichkeit eine andere, sinnerfüllte Gestalt an. Wird der Blick erst einmal auf jene gestaltbildenden Vorgänge gerichtet, die sich der gewöhnlichen Beobachtung entziehen, wird das Vergängliche zu einer Erscheinungsform des Unvergänglichen. Die Auferstehung erscheint dann nicht mehr als die Erscheinung eines Gewordenen, das der Vergangenheit angehört, sondern als die Erscheinung der tätigen Gestaltungskräfte, die allem Werdenden seine Gestalt geben. Das Leben erneuert sich nicht aus dem Vergänglichen, sondern aus dem ewigen Quell des Werdens, der sich in die sichtbare Welt ausgegossen hat, um ihm seine eigene Gestalt aufzuprägen.

Ein Kapitel im Forschungstagebuch der Anthroposophie trägt den Titel »spirituelle Anthropologie«. Die spirituelle Anthropologie erforscht die geistigen Gestaltungskräfte, die der Entstehung und gesetzmäßigen Entwicklung des menschlichen Leibes zugrunde liegen. Die spirituelle Anthropologie erweitert den Blick der physischen Anthropologie in ungeahnte Dimensionen. Ist doch der gesamte Kosmos nötig, um den menschlichen Leib hervorzubringen, ist seine Geschichte doch zugleich die Geschichte des Kosmos. Dieser Kosmos aber erscheint dem nicht-reduktionistischen Blick als ein Kosmos geistiger Tätigkeitswesen, deren Sinnen und Trachten darauf gerichtet ist, einen Leib hervorzubringen, der imstande ist, eben diesen Kosmos erkennend zu erfassen und sich ihm in Liebe zuzuwenden. Mit anderen Worten: den Menschen zu erschaffen. Denkbar umfassend sind die Bedingungen seiner Existenz, denkbar umfassend seine Geschichte. Denkbar prekär auch sein Dasein inmitten des Flusses der Zeit. Aber das höchste Interesse der Götter gilt dem Menschen. Er ist ihr liebstes Kind. Die religiöse Offenbarung brachte dies auf die Formel vom Menschen als »Bild und Gleichnis Gottes«. Was aber, wenn dieses Bild und Gleichnis gefährdet ist? Dann werden die Götter alles unternehmen, um es zu schützen und am Dasein zu erhalten. Dann wird der, dessen Bild und Gleichnis der Mensch ist, selbst davor nicht zurückschrecken, Mensch zu werden, um durch das größte aller Opfer dieses Bild und Gleichnis wieder herzustellen, und jene Zukunft zu ermöglichen, die dem Menschen zugedacht ist: ein Gott unter Göttern zu werden. Die Anthropologie, die sich mit diesen Fragen befasst, wird unweigerlich zur Christologie, die Theosophie zur Anthroposophie. Denn der Mensch ist eine Epiphanie seines Schöpfers, dazu geboren, diesen Schöpfer durch sich selbst zur Erscheinung zu bringen.

Frank Linde hat es auf sich genommen, den unbearbeiteten Forschungsbericht Rudolf Steiners über die Geschichte des menschlichen Leibes, seine Entstehung, seine Gefährdung und Heilung, unter dem angedeuteten Gesichtspunkt systematisch aufzuarbeiten. Zustande gekommen ist eine Monografie zu Rudolf Steiners Verständnis der Auferstehung, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Wie bei vielem anderen, zeigt sich auch hier, dass diese Frage nicht untersucht, geschweige denn, beantwortet werden kann, ohne dass das Ganze der Anthroposophie in die Untersuchung mit einbezogen wird. Von neuem wird auch an diesem Thema deutlich, dass die Darstellungen der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, gleichgültig, an welcher Stelle man mit ihnen in Berührung kommt, ein in sich logisches Gewebe komplexer begrifflicher Beziehungen sind, dessen Teile sich gegenseitig stützen, begründen und erläutern. Von welcher Fragestellung man auch ausgeht, man wird durch sie zum Ganzen, in ein Netz selbstevidenter Ideen geführt, die zwar auf vieles eine Antwort geben, aber mit jeder Antwort zugleich neue Fragen aufwerfen. Die Darstellungen der Geisteswissenschaft spannen jedoch nicht nur ein Netz logischer Beziehungen aus, sondern binden in dieses Netz auch eine Fülle von empirischen Beobachtungen ein, in welchen jene Beziehungen verankert sind. Diese Beobachtungen sind zwar nicht logisch deduzierbar, aber logisch begreiflich. Beide zusammen – die Beobachtungen und die zwischen ihnen gestifteten Beziehungen – ergeben erst das erweiterte Wirklichkeitsbild der Anthroposophie. Und diese Erweiterung ist in der Tat geeignet, in die Diskussion über religiöse Themen ein neues wissenschaftliches Paradigma einzuführen, ja diese Diskussion erst zu ermöglichen. Denn sie führt dazu, dass das, was einst absurd erschien, nunmehr als vernünftig erscheint. Die Auferstehung muss nicht mehr geglaubt, sie kann verstanden werden. Damit holt die anthroposophische Geisteswissenschaft die aus der abendländischen Kultur verdrängten Erkenntnisinhalte wieder in diese zurück und vermag diese Kultur, die an der Verdrängung des Metaphysischen leidet, zu heilen.

Das Kapitel der spirituellen Anthropologie im Forschungsbericht der Anthroposophie ist – dem Charakter eines solchen entsprechend – keineswegs abgeschlossen, sondern nach allen Seiten offen. Die hier vorgelegte Zusammenschau seiner Befunde, seiner Fragestellungen und Themen stellt hohe Anforderungen an die Leser. Aber diese Anforderungen sind keine anderen als die, welche die Anthroposophie als Geisteswissenschaft an jene stellt, die sich mit ihr beschäftigen. Mindestens das Verständnis ihrer Grundbegriffe wird vorausgesetzt. Die vorliegende Arbeit richtet sich nicht an die ersten Semester, sondern an die Fortgeschrittenen. Und möge sie auch denkbar umfassend sein, so beantwortet sie doch keineswegs alle offenen Fragen. Diese Fragen müssen weitergedacht und das in Umrissen erstmals gezeichnete Bild von der künftigen Forschung vervollständigt werden.

Lindes Untersuchung macht deutlich, dass das menschliche Geistwesen durch seine lange Entwicklungsgeschichte hindurch immer auf seinen Leib bezogen ist, einen Leib, der vielfältigen Wandlungen unterliegt, die sowohl Bedingung als auch Folge der Wandlungen des Geistes sind. Der manchmal gegen die Anthroposophie und die von ihr empirisch bestätigte Reinkarnation erhobene Vorwurf, sie werte den Leib ab, wird durch die vorliegende Untersuchung ein für allemal ad absurdum geführt. Die Wiederverkörperung des Geistes ist eine denknotwendige Folge der Auferstehung Christi. Die Abhandlung bietet darüber hinaus überzeugende Deutungen für eine Reihe von Grundbegriffen und Forschungsbefunden der Anthroposophie, die nicht der Willkür des Autors, sondern einem »close reading« der Quellentexte entspringen. Diese Deutungen betreffen die Auferstehung, die nicht nur der Angelpunkt der planetarischen Geschichte der Menschheit, sondern auch ein Geschehen ist, das in jedem einzelnen Menschen bis ans »Ende aller Tage« fortdauert; das »Phantom« des physischen Leibes, dessen zentrale Stellung im Werk Rudolf Steiners hier erstmals systematisch untersucht und beleuchtet wird; die unterschiedlichen Erscheinungen des Auferstandenen, die als Ausdruck einer wechselseitigen Beziehung verständlich werden, in der sich der Mensch und das Göttliche in immer neuen Formen begegnen; schließlich die Anthroposophie selbst, die sich als eine Form moderner Esoterik zu erkennen gibt, deren allgegenwärtiger Bezugspunkt, deren offenbares Zentrum der Auferstandene als Ermöglichungsgrund menschlicher Freiheit und Liebe ist.

Linde legt seine Untersuchung in drei Bänden vor. Die ersten beiden Bände befassen sich mit der Erkenntnis der Auferstehung im Werk Rudolf Steiners. Sie erörtern die grundlegenden Einsichten, die zu deren Verständnis notwendig sind: die Unterscheidung zwischen Christus und Jesus und die einzigartige Verbindung, die das Göttliche und das Menschliche in Christus Jesus eingegangen sind, die kosmologischen und anthropologischen Aspekte der Menschwerdung, die seinsgeschichtliche Metamorphose der Erde zum Leib Christi, die wahre Natur des Todes, die in der Auferstehung enthüllt wird. Den größten Teil des ersten Bandes nehmen allerdings die vielschichtigen Untersuchungen ein, die dem Rätsel des physischen Leibes des Menschen und seiner Geistgestalt, dem sogenannten Phantom, gewidmet sind. Die Zerstörung dieses Phantoms durch den Sündenfall erscheint als Voraussetzung seiner Wiederherstellung, die gesamte kosmische Evolution und das Schöpfungswerk sind auf den Leib des Menschen hingeordnet, dessen Integrität die Bedingung für die geistige Gestaltwerdung des Menschen ist. Was hat es mit diesem physischen Leib des Menschen auf sich? Wo liegen seine Ursprünge, was genau ist er, was wurde durch die Auferstehung wiederhergestellt und welche Folgen hatte diese Wiederherstellung für den einzelnen Menschen, für die Menschheit? Welche Form und Gestalt besitzt das wiederhergestellte Phantom, der Leib des Auferstandenen? Dass der Auferstehung Christi eine die gesamte Wirklichkeit umwälzende Bedeutung zukommt, zeigt ein weiteres Kapitel, das deren fortdauernde Auswirkungen auf die Menschheit untersucht, die sich in unabsehbare Zukunft erstrecken. Die gesamte Konstitution des Menschen ist von diesem Geschehen betroffen: durch die Wiederherstellung und Belebung des physischen und ätherischen Leibes schafft es die Voraussetzung dafür, dass die Auferstehungskräfte von Seele und Geist aktiv ergriffen werden können und auch in diesen ihre Wirkungen zeitigen. Dass die »Auferstehung« kein einmaliges, abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein Gegenwart und Zukunft umfassendes Geschehen, das ohne die aktive Beteiligung des Menschen unvollständig bliebe, zeigt der zweite Band, der sich dem gegenwärtigen und zukünftigen Christus zuwendet. Das Wiedererscheinen Christi in der ätherischen Welt erweist sich hier als eine Erscheinungsform des Auferstandenen, der die Menschheit in der Gegenwart dazu aufruft, ihre globale Existenz als spirituelles Lebewesen zu ergreifen und aus jenen Kräften der Liebe und Weisheit zu gestalten, die ihr aus ihm zufließen. Die vorangegangenen Untersuchungen zu Herkunft und Zukunft des menschlichen Leibes werden in diesem Band aufgegriffen und erheblich erweitert. Geistkeim und Urbild, Modell und Phantom, Embryologie und Kosmologie, Schicksal und Konzeption werden in ihren gegenseitigen Beziehungen beleuchtet und es wird verdeutlicht, dass der Leib des Menschen nur als Entwicklungsgestalt verstanden werden kann. Schließlich wendet sich Linde eschatologischen Fragen zu: der Auferstehung der Toten und den letzten Dingen, der Auferstehung der Erde, der Transmutation der Schöpfung.

Nachdem diese Grundlagen geschaffen sind, erscheint es gerechtfertigt, im dritten Band in einen kritischen Diskurs mit anderen Publikationen einzutreten, die in den letzten Jahren zu den genannten Themen erschienen sind. Hier wendet sich Linde Judith von Halle, Peter Tradowsky und Helmut Kiene zu und unterzieht deren Erkenntnisaussagen und Erkenntnisansprüche einer eingehenden Prüfung. Referenzrahmen und Maßstab dieser Prüfung sind die Forschungsergebnisse Rudolf Steiners, die in den ersten beiden Bänden dargelegt worden sind und im dritten Band wieder aufgegriffen werden. Dieses Vorgehen ist legitim und weder dogmatisch noch destruktiv, da alle Beteiligten diesen Referenzrahmen voraussetzen und anerkennen. Da die kritisierten Autoren behaupten, ihre »Forschungsergebnisse« stünden nicht im Widerspruch zu den Forschungsergebnissen der Anthroposophie, kann untersucht werden, ob diese Behauptung einer Prüfung standhält. Sollte letzteres nicht der Fall sein, widersprechen die betreffenden Autoren nicht nur sich selbst, sondern auch der Anthroposophie. Sie irren sich nicht nur, sondern führen auch andere in die Irre. Ein negativer Befund unterminiert nicht nur die Konsistenz ihrer Erkenntnisaussagen, sondern auch die Plausibilität ihrer Geltungsansprüche. Der Einwand, auch Rudolf Steiner widerspreche sich selbst, verfängt nicht, da es hier nicht nur um Selbstwidersprüche eines Autors geht, sondern um systematisch weitaus belangreichere Widersprüche von Autoren zu ihren eigenen Paradigmen. Treten letztere auf, werden entweder die Paradigmen durch die Autoren oder die Autoren durch die Paradigmen widerlegt.

Frank Linde, Auferstehung: Band 1 und 2: Die Auferstehung im Werk Rudolf Steiners; Band 3: Zeitreisen und Phantom – Eine kritische Analyse. 3 Bde im Schuber, Bd 1 u. 2: 731 S., Bd. 3: 322 S. Geb. 59,– Euro.

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6 Kommentare

  1. Frank Linde meint dass die Auferstehung verstanden werden kann. Damit hört es aber auf ein Mysterium zu sein.
    Nach meiner Meinung ist das Mysterium von Golgatha nur mit dem Herzen zu erleben. Dann kann man die Seelenfunktionen Denken, Fühlen und Wollen einschalten. Mit dem Denken suchen wir die Ratio, mit dem Fühlen die Harmonie und mit dem Wollen die Menschheitsentwicklung. Da finden wir das Wahre, das Schöne und das Gute wieder! Ohne Erlebnis keine Erkenntnis.

  2. Friedrich Koplin

    Das ehrt mich H. Stadler, daß sie antworten.
    Was man wirklich erkannt hat, muß nicht verteidigt werden. Ich kann mir über den Phänomenbereich der J. v. H. kein Urteil bilden. Möchte mich aber auch nicht in die Sympathie- -Antipathiefalle begeben, die die Diskussion um J. v.H. immer wieder aufbaut. Wenn ich mich aber entscheiden müßte zwischen R. Steiner und J. v. Halles Angaben etwa zum Golgathageschehen, dann vertraue ich R. Steiner, ohne aber mich „gegen“ J. v. Halle zu stellen, oder mich ihr gegenüber „kritisch zu äußern. Ich kann das überhaupt nicht! Ich wäre unredlich, würde ich sie mit der Steinerkeule kritisieren. Recht haben kann ich nur mit eigener spiritueller Erkenntnis, nicht mit geborgter Erkenntnis von Steiner. Deshalb haben sie so recht, wenn sie sinngemäß sagen, daß Kritik nichts mit „echter Erkenntnis“ zu tun hat.
    Nächste Woche spende ich hier 50 Euro. Ravagli macht wirklich gute Arbeit. Machen Sie mit beim Spenden?

    • Wolfgang Stadler

      „Was man wirklich erkannt hat, muß nicht verteidigt werden.“
      Das sehe ich anders. Rudolf Steiner hatte sich damals auch öfters gewünscht, dass ihn seine Anthroposophen vor den vielen Angriffen in Schutz nehmen. Also genau die Leute, die ihn „erkannten“. Wieso hätte auch jemand die Anthroposophie verteidigen sollen, der sie nicht erkannt hat? Ebenso ist das mit Judith von Halle: wenn sie niemand verteidigt, dann wird sie – von Leuten, die sie nicht erkannt haben – am laufenden Band „gerufmordet“. Mein menschliches und anthroposophisches Gewissen sind damit gar nicht einverstanden. Ich bin überzeugt davon, daß man von Frank Linde oder Wolfgang Gädeke, vielleicht auch von Herrn Ravagli, in 100 Jahren keine Bücher mehr lesen wird. Nicht mal von S. Prokofieff.
      Die einzigen Bücher von Gegenwartsautoren, die man auch in 100 Jahren noch lesen wird, sind die von Judith von Halle.

  3. Wolfgang Stadler

    Ich finde, der folgende Satz ist kompliziert, aufgebauscht, überflüssig lange formuliert:

    „Hier wendet sich Linde Judith von Halle, Peter Tradowsky und Helmut Kiene zu und unterzieht deren Erkenntnisaussagen und Erkenntnisansprüche einer eingehenden Prüfung. Referenzrahmen und Maßstab dieser Prüfung sind die Forschungsergebnisse Rudolf Steiners, die in den ersten beiden Bänden dargelegt worden sind und im dritten Band wieder aufgegriffen werden. Dieses Vorgehen ist legitim und weder dogmatisch noch destruktiv, da alle Beteiligten diesen Referenzrahmen voraussetzen und anerkennen. Da die kritisierten Autoren behaupten, ihre »Forschungsergebnisse« stünden nicht im Widerspruch zu den Forschungsergebnissen der Anthroposophie, kann untersucht werden, ob diese Behauptung einer Prüfung standhält. Sollte letzteres nicht der Fall sein, widersprechen die betreffenden Autoren nicht nur sich selbst, sondern auch der Anthroposophie. Sie irren sich nicht nur, sondern führen auch andere in die Irre. Ein negativer Befund unterminiert nicht nur die Konsistenz ihrer Erkenntnisaussagen, sondern auch die Plausibilität ihrer Geltungsansprüche. Der Einwand, auch Rudolf Steiner widerspreche sich selbst, verfängt nicht, da es hier nicht nur um Selbstwidersprüche eines Autors geht, sondern um systematisch weitaus belangreichere Widersprüche von Autoren zu ihren eigenen Paradigmen. Treten letztere auf, werden entweder die Paradigmen durch die Autoren oder die Autoren durch die Paradigmen widerlegt.“

    Da werde ich mal zumindest den 3. Band lesen:

    Bin schon gespannt, wie Linde aufzeigt, daß Tradowsky, vHalle und Kiene ihren eigenen „Paradigmen“ widersprechen. Das scheint ja der Kern zu sein. Und wahrscheinlich versucht er aufzuzeigen, wie sich Judith irrt – und damit auch andere in die Irre führt [was übrigens eine banale Wahrheit ist: jeder, der sich irrt und erzählt das weiter, führt andere in die Irre. Das geschieht tagtäglich durch Journalisten, Politiker, Wissenschaftler, durch ganz normale Leute, die sich irren. Auch Rudolf Steiner führte mal andere in die Irre, als er weitererzählte, daß die Osterinseln untergegangen seien. Er selbst hatte natürlich den Journalisten geglaubt, die sich selbt geirrt hatten – und das in eine Zeitung setzten…].

    Statt des ganzen langen Absatzes (fettgedruck, oben) hätte es genügt, wenn Herr Ravagli geschrieben hätte:

    „Linde prüft, ob sich die Autoren im Widerspruch zur Anthroposophie befinden“…
    Und da bin ich gespannt, wie er Rudolf Steiners Forschungsergebnisse interpretiert, wie er Judith von Halles Forschungsergebnisse interpretiert, und worin er den Widerspruch sieht. Vielleicht widersprechen sie sich ja nur in einigen wenigen Dingen (und auch Dingen, die man erklären kann…). Allerdings sagt der Rezensent oben es ginge um „…systematisch weitaus belangreichere Widersprüche von Autoren zu ihren eigenen Paradigmen.“

    Wie belangreich diese Widersprüche tatsächlich sind, müssen wir als Leser prüfen. Ebenso wie wir selbst die Entscheidung treffen müssen, ob – und wenn ja: wie stark – uns ein evtl. vorhandener Widerspruch eher belangvoll oder belanglos erscheint.

    Ansonsten: ist die Anthroposophie eine abgeschlossene Sache? Sind nur Dinge „anthroposophisch“, die Rudolf Steiner bis zu seinem Tod sagte oder schrieb? Bzw. ist alles, was R.Steiner sagte, „anthroposophisch“? Bin ich im Widerspruch zu Rudolf Steiner, wenn ich (obwohl ich anderes bei ihm las) immer noch an die Existenz der Osterinsel glaube? Bin ich also dadurch nicht anthroposophisch?

    • Friedrich Koplin

      Nicht unterkriegen lassen, H. Ravagli! R. Steiner hat immer dazu aufgefordert, seine Angaben und Äußerungen zu prüfen soweit man es bewußtseinsmäßig kann.
      Im übrigen H. Stadler: Ergebnisse der Geistesforschung wie sie R. Steiner verstanden haben will, kann man nicht „interpretieren“ auf der Ebene der Intuition, wohl aber auf der Ebene der Sensation. Dort werden sie zum Spielball der Rechthaberei und Besserwisserei in Form von Interpretation. Es gibt keinen Grund, Ravagli wegen seines Schreibstils zu kritisieren. F. Koplin
      Erkennen ist „anthroposophisch“, H. Stadler!!! Nichts anderes!!!

      • Wolfgang Stadler

        „Erkennen ist anthroposophisch“ – Sicherlich, Herr Koplin. – Deshalb verteidige ich die einzige Geistforscherin, die ich kenne, die einzige, die nicht nur „Zeitreisen“ als Stigmatisierte erleben kann, sondern die auch alles aus der Perspektive der geistigen Welt wahrnehmen kann, – die überhaupt selbständige bewußte Forschung in der geistigen Welt betreiben kann, um zu imaginativen, inspirativen und intuitiven Erkenntnissen zu kommen. Ob die Krtik an Judith von Halle dagegen etwas mit echter Erkenntnis zu tun hat – da hab ich desöfteren meine Zweifel dran.

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