Der Pfad der Schülerschaft IV – Der zukünftige Fortschritt der Menschheit

Annie Besant im Ornat des 33° des schottischen Freimaurerordens »Le Droit Humain«.

Annie Besant im Ornat des 33° des schottischen Freimaurerordens »Le Droit Humain«.

Brüder, – die Aufgabe, die heute vor uns liegt, ist keineswegs leicht. Bisher habe ich euch den Fortschritt des Einzelnen geschildert. Ich habe versucht, euch zu zeigen, wie ein Mensch, wenn er entschlossen ist, seine Zukunft selbst zu bestimmen, sich Schritt für Schritt aus dem weltlichen Leben zum Leben des Schülers erheben kann, wie er den Fortschritt der Menschheit vorwegnehmen kann und in ein paar kurzen Jahren das vollbringt, wozu die Menschheit ungezählte Jahrtausende brauchen wird.

Aber heute liegt eine andere Aufgabe vor uns. Ich möchte die Entwicklung durch die Zeitalter mit Euch verfolgen und versuchen – selbstverständlich nur sehr kurz –, euch die großen Stufen des menschlichen Fortschritts darzulegen, indem ich die Menschheit als Ganzes betrachte. Wir werden aus der Vogelperspektive einen Blick auf die Entwicklung werfen und nicht nur die Vergangenheit erkennen, aus der wir stammen, sondern auch die Zukunft, auf die wir zueilen.

Es ist der Fortschritt der Völker, mit dem ich mich befassen will und die Entfaltung der Menschheit. Mir kommt es so vor, als ob ich von euch verlangen würde, mit mir den Rücken des mächtigen Vogels Garuda, von Vishnus Reittier, zu besteigen, und im Flug ungezählte Zeitalter zu durcheilen, um auf die Landschaften herabzuschauen, über welche wir dahin fliegen. Mir scheint, als ob ihr und ich bei diesem Ausflug fast den Atem verlieren könnten. Für mich ist es in einer Hinsicht leichter als für euch, denn durch das häufigere Verweilen bei diesen Gedanken sind sie mir vertrauter geworden, während für viele von euch der Boden fremd sein mag und die theosophische Anschauung der Entwicklung durch die Zeitalter im Einzelnen neu. Ich werde natürlich gezwungen sein, ohne Erläuterungen schnell von einem Punkt zum andern zu eilen und werde euch daher über viele Schwierigkeiten vielleicht eher durch die Schnelligkeit des Flugs, als durch eine vollständige und ins Einzelne gehende Erläuterung des Ganzen hinweghelfen. Aber eins lasst mich euch sagen: Ich mag mich in manchen Einzelheiten oder hinsichtlich einiger kleinerer Punkte des unermesslichen Bildes irren, aber der Umriss des Ganzen ist richtig. Was ich vorbringe, ist nicht meine persönliche Erfindung, sondern stammt aus einer andern Quelle. Und mag auch die Schwäche des Darstellers im Einzelnen zu Irrtümern führen, so dürft ihr doch darauf vertrauen, dass die Grundzüge des Bildes zutreffen.

In der Vision der großen Einen, die von Anfang an seine Lehrer, Regenten und Führer waren, ist der Mensch nicht das, als was er heute erscheint. Denn jetzt ist er weder alles, was er sein sollte, noch das, was er wirklich werden wird. Ich will damit nicht sagen, dass sein Fortschritt im Ganzen unbefriedigend gewesen wäre. Das ist nicht der Fall. Die Entwicklungsstufe, die er unter Schwierigkeiten, Zweifeln und vielen Leiden erreicht hat, ist – vom höchsten Standpunkt aus betrachtet – ziemlich befriedigend, angesichts der kurzen Zeit, die hinter uns liegt; kurz nach göttlichem Maß, lang allerdings nach menschlichem Maß. Gewiss ist der Mensch heute keineswegs so, wie er dem Geiste derer vorschwebte, die seine Pilgerfahrt umrissen haben, die ihm den ersten Anstoß zu seiner Entwicklung gaben. Er ist gesunken und hat den tiefsten Punkt überschritten. Ein mächtiger Aufstieg liegt vor ihm, an dessen Ende die Menschheit vollendet und glorreich sein wird, allerdings auch sehr verschieden von dem, was sie heute ist –so nämlich, wie sie im göttlichen Denken immer schon war.

Ihr dürft nie vergessen, dass das Universum aus sieben großen, unterschiedlichen Regionen besteht, die aus dem göttlichen Geist entstanden sind – von innen nach außen oder von oben nach unten, das mögt ihr sehen, wie ihr wollt –, dass es ein mächtiges Universum mit sieben Ebenen oder Regionen ist. Jede Ebene besteht aus unterschiedlicher Stofflichkeit, obwohl die Essenz aller die gleiche ist: Paramatma nämlich, von dem Alles ausgeht. Als der aus dem göttlichen Willen ausströmende Gedanke im sichtbaren Universum Gestalt annahm und Ebene nach Ebene geformt wurde, manifestierte sich eine jede in unterschiedlich dichtem Material, hüllte eine jede die ursprüngliche Energie in eine unterschiedliche Zahl von Schleiern. Und zwar so, dass ihr euch diesen großen Kosmos mit dem Logos, der ihn gebar, als ein mächtiges Sonnensystem denken könnt. Die Sonne stellt den Logos dar und die Himmelskörper, die sie nach außen hin umgeben, je eine Ebene des Universums. Der Sonne am nächsten stehen jene, deren Stoff am subtilsten und deren Energie am wenigsten gefesselt ist; je weiter entfernt, um so dichter wird der Stoff, um so gefesselter die Energie.

Dann müsste ihr euch vergegenwärtigen, dass jede dieser Ebenen ihre eigenen Bewohner hat und dass der Gang der Entwicklung vom Zentrum nach außen und wieder zurück zum Mittelpunkt verläuft. Indem der große Atem sich nach außen ergießt und der Stoff entsteht, der immer dichter und dichter wird, gelangt er an einen Punkt, an dem der Stoff am dichtesten ist und die Energie am schwächsten, wo die Form am starrsten und das Leben am meisten verborgen ist. Wenn aber der Atem zurückströmt und die schöpferische Tätigkeit sich zu ihrem Mittelpunkt zurückwendet, dann wird der Stoff immer subtiler, und das Leben immer mehr enthüllt, bis schließlich der große Atem alle Erfahrungen, die er im sichtbaren Kosmos sammeln konnte, in sich aufgenommen hat. Die Menschheit, die der Gegenstand und das Ziel dieses evolutionären Prozesses war, wird göttlich geworden sein und reif für noch gewaltigere Stufen des Fortschritts.

Verfolgen wir diesen großen Zug nach außen, so erkennen wir, dass die Bewohner der einzelnen Ebenen, wenn sie in die dichtere Stofflichkeit übergehen, einen Prozess der Individualisierung durchlaufen. Wenn wir die Bewohner der Ebenen, die hinter uns liegen, betrachten, sehen wir, wie die Essenz des Elementarreichs immer bestimmtere Formen annimmt. Da ihre Entwicklung auf dem absteigenden Bogen liegt, sondern sie sich immer mehr ab und nehmen immer dichtere Formen an. Es handelt sich um einen absteigenden Prozess, der in die stoffliche Welt hineinführt, während die jetzige Entwicklung der Menschheit sich auf dem aufsteigenden Bogen bewegt, die, indem sie zur Einheit und zum unverschleierten Leben aufsteigt, immer subtilere Formen annimmt.

In groben Umrissen könnt ihr euch auf diese Weise eine Vorstellung des Kosmos als eines Ganzen machen und ihr werdet verstehen, dass wir es in den Ebenen, die weniger dicht als die physische sind, nicht nur mit der evolvierenden und aufsteigenden Menschheit, sondern auch mit der involvierenden und absteigenden Essenz der Elementarwelt zu tun haben.

In Mineralreich ist der Wendepunkt, denn dort wird die dichteste Stufe erreicht. In der aufsteigenden Entwicklung nehmen das Mineral- und Pflanzenreich unserer physischen Welt die physische Ebene ein und reichen mit ihrem Bewusstsein nicht über sie hinaus. Das Tierreich steigt eine Stufe höher, denn das Tier muss sowohl auf der sogenannten astralen, wie auf der physischen Ebene leben. Nach den Absichten seiner Gestalter sollte der Mensch im Verlauf seiner Evolution fünf von sieben Ebenen erobern und besetzen [conquer and occupy!]. Er sollte auf der physischen und astralen Ebene tätig sein und herrschen; ebenso auf der mentalen Ebene, die über der astralen liegt und das Svarga des Hindu, das Devachan der Theosophen in sich schließt. Wir sollten einen anderen Ausdruck verwenden, der den gesamten Umfang dieses Bewusstseins besser zum Ausdruck bringt, den Ausdruck »Sushupti« nämlich. Dabei handelt es sich um einen Bewusstseinszustand, den zur Zeit auf der Erde nur außerordentlich erfahrene und entwickelte Menschen kennen, den aber im Lauf der Entwicklung die Mehrzahl der Menschen erreichen wird. Über diesem finden wir die vierte oder Turiya-Ebene, die des Buddhi und wiederum über dieser die Ebene von Nirwana oder Turiyatita.

Auf diese Weise bekommen wir fünf unterschiedliche Ebenen des Universums, welche die Menschheit im Lauf der Entwicklung erobern soll, – die physische, astrale, sushuptische (mentale), turiysche (buddhische) und nirwanische. Dies sind die Stufen, die der Mensch durch die Erweiterung seines Bewusstseins erklimmen muss, wenn er auf der Pilgerfahrt, die vor ihm liegt, zum Ziel gelangen will. Der Einzelne mag diese Stufen durch Yoga schneller erreichen, aber die Mehrzahl der Menschen wird diese Entwicklung nur im Lauf der Weltzeitalter vollenden. Nicht die gesamte Menschheit, aber die Mehrzahl wird, ehe dieses Manvantara vorüber ist, all diese Ebenen des erweiterten Bewusstseins errungen haben und auf allen fünf tätig sein. Der Mensch wird sich dann Werkzeuge geschaffen haben, in welchen das Bewusstsein auf jeder Ebene wirken kann.

Wenn wir die Menschen der Gegenwart betrachten, erkennen wir, dass die Möglichkeit in ihnen schlummert, dieses fünffältige Leben und die fünffältigen Werkzeuge zu entwickeln, die diese verschiedenen Ebenen in Besitz nehmen sollen und die den Menschen, wie es seine Bestimmung ist, zum Herrn und Meister über das sichtbare Weltall machen.

Zwei Ebenen liegen noch darüber hinaus; sie werden von der Mehrheit der Menschen in dieser Evolution gar nicht berührt, für uns sind es bloße Namen, die keine bestimmte Vorstellung in uns erwecken, so hoch erheben sich diese Sphären über unser kühnstes Denken. Sie werden Paranirwana und die – noch höhere – Mahaparinirwana genannt. Worum es sich bei diesen Zuständen handelt, davon können wir nicht einmal träumen. Dies sind die sieben Stufen des Kosmos. Die Mehrheit der Menschen soll fünf davon erobern und in Besitz nehmen; einige werden die noch höheren erreichen, aber für die Masse der Menschen liegt die Entwicklung innerhalb des fünffältigen Weltalls.

Dies mag euch vielleicht ein Fingerzeig sein – um es weiter auszuführen fehlt mir in diesem Vortrag die Zeit – was der Streitfrage über die „Fünf“ und die „Sieben“ in der Natur zu Grunde liegt. Es ist viel darüber gestritten worden, besonders zwischen einigen Theosophen und einigen unserer Brahmanen-Brüder. Die Brahmanen verteidigten die fünffältige Klassifikation, während die Theosophen auf der siebenfältigen Klassifikation bestanden. In Wirklichkeit ist die siebenfältige Klassifikation die richtige, wie ihr es auch in den heiligen Büchern finden werdet: das siebenfältige Feuer, das sich selbst teilt und auf das ab und zu in den Upanischaden hingewiesen wird. Aber die jetzige Entwicklung ist nur fünffältig, und diese wird durch die fünf in der Hindu-Literatur bekannten Pranas symbolisiert. Ich erwähne das nur beiläufig, weil so viele Streitigkeiten nicht entstehen müssten, wenn die Menschen sich etwas besser verstehen würden, als es der Fall ist, wenn sie, anstatt sich über bloße Erscheinungen zu streiten, unter die Oberfläche blicken würden; sie würden dann meistens einen Einigungspunkt finden. Wie gesagt, ich habe keine Zeit, länger dabei zu verweilen, aber hier liegt der Schlüssel zu dem Rätsel von den Fünf und den Sieben. Die Menschheit als Ganzes entwickelt fünf Werkzeuge für die fünffältige Evolution, während einige, die die Blüte der Menschheit bilden, noch zwei weitere Stufen erreichen.

Wenn wir die Entwicklung der Menschheit untersuchen, finden wir die erste und zweite Rasse mit der Entwicklung der Form und der niederen oder tierischen Natur beschäftigt, d.h. sie entwickelten den physischen Körper mit dem ätherischen Doppelgänger (der in theosophischen Büchern als Linga Sharira bezeichnet wird) und die kamische oder leidenschaftliche Natur, die ihr beim Tier wie auch beim Menschen findet. Der dritten Menschenrasse wurde eine besondere Hilfe zuteil, als sie die Hälfte ihres Entwickelungsweges erreicht hatte. Das heißt nicht, dass sich die Menschheit im Lauf der Zeiten nicht auch ohne besondere Hilfe hätte entwickeln können, aber diese Hilfe beschleunigte den Prozess ungemein, und ihre Entwicklung verlief bei weitem schneller als es sonst der Fall gewesen wäre. Die großen Kumaras, die auch als Manasaputras (Söhne des Manas) bezeichnet werden, diese Erstlingsfrüchte einer vergangenen Entwicklung kamen zur Menschheit, um ihr Wachstum zu fördern, ihre Entwicklung zu beschleunigen. Indem sie einen Funken ihrer eigenen Essenz aussandten, gaben sie jenen Anstoß von dem wir gelesen haben, durch den Manas oder die individuelle Seele im Menschen geboren wurde.

Das Ergebnis dieser Hilfe war, wie gesagt, eine große Beschleunigung der menschlichen Entwicklung. Danach wurde das Werkzeug geformt, das als Karana Sharira oder Kausalkörper bekannt ist. Es ist der »Körper des Manas« der durch das ganze Leben der sich reinkarnierenden Seele fortbesteht. Er bleibt von Leben zu Leben und trägt das Resultat eines jeden Leben mit in das nächste hinüber. Daher wird er als Kausalkörper bezeichnet, weil in ihm die Ursachen liegen, die sich auf den niederen Ebenen des irdischen Lebens zu Wirkungen ausgestalten.

Von diesem Zeitpunkt ab ist der Plan der menschlichen Entwicklung folgender: Im Kausalkörper war nun ein Träger entstanden, in dem alles aufgespeichert und gesammelt werden konnte, ein Behälter, ein Vorratshaus der Erfahrungen. Indem er in das irdische Leben tritt und in der Art, wie ich es euch früher beschrieben habe, einen Teil von sich aussendet, bringt er sein irdisches Leben damit zu, Erfahrungen zu sammeln, gewisse Tatsachen in der physischen Welt kennen zu lernen und sich bestimmte Kenntnisse anzueignen, die wir insgesamt als Lebenserfahrungen bezeichnen. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, muss er diese Erfahrungen, die er gesammelt hat, in sich verarbeiten. Er führt nun ein Leben außerhalb des Körpers. In der physischen Welt ist er nicht mehr sichtbar, sondern weilt auf der Astral- und Devachanebene, die jenseits der physischen Welt liegen. Dort arbeitet er gewisse Wirkungen aus und macht sich die Erfahrungen, die er auf der Erde gesammelt hat, zu eigen, indem er sie in sein Wesen aufnimmt.

Jedes Leben bringt ihm bestimmte Früchte und diese werden dort zu Fähigkeiten und Kräften ausgearbeitet. Hat ein Mensch z. B. in seinem physischen Leben viel Kraft im Denken angewandt und große Anstrengungen auf sich genommen, sein Begriffsvermögen zu schärfen, um Wissen zu erlangen und seinen Verstand zu entwickeln, dann beschäftigt er sich in dem Zeitraum zwischen dem Tod und der Wiedergeburt damit, all diese Anstrengungen in geistige Fähigkeiten umzuwandeln, mit denen er bei seiner nächsten Geburt auf diese Welt zurückkehrt. Ebenso verhält es mit all seinem höheren Streben, seinen spirituellen Hoffnungen, seiner spirituellen Sehnsucht: all das verleibt er seinem Wesen während der Zeit ein, die zwischen seinem Tod und seiner nächsten Geburt vergeht. Wenn er wieder auf die Erde zurückkehrt, wird er unter solchen Verhältnissen geboren, die sein Wachstum erleichtern, und er bringt die entwickelten geistigen Fähigkeiten mit, die er zum weiteren Fortschritt während seines nächsten Erdenlebens benützen kann.

Ihr seht, wie vollkommen gesetzmäßig die Stufen des Wachstums in dem Körper sind, der von Leben zu Leben fortdauert. Der Karana Sharira projiziert einen Teil von sich selbst in die niederen Ebenen und erntet dort Erfahrungen. Dann zieht er diesen Teil mit den gesammelten Erfahrungen wieder an sich heran und lässt ihn auf den niederen Ebenen des Devachan verweilen, wo er diese Erfahrungen assimiliert und sie zu Fähigkeiten, Eigenschaften und Kräften ausbildet. Dann zieht er dieses Vehikel, welches das Bewusstsein enthält, ganz in sich hinein, und dann erfolgt eine erneute Aussendung dieses nun höher entwickelten Lebens, das auf den niederen Ebenen die Kräfte zeigt, die es auf diese Weise errungen hat. So sollte es einen stetigen und kontinuierlichen Fortschritt geben, Leben auf Leben, wobei der Karana Sharira den Behälter aller Erfahrungen darstellt, den dauernden Menschen, in den diese ganze Erfahrungen hineingearbeitet werden.

Ist euch dies klar geworden, dann werdet ihr auch verstehen, was unter der »Pilgerfahrt der Seele« zu verstehen ist. In jedem neuen Leben müsste der Mensch einen Zuwachs an Verständnis, sittlicher Kraft und spirituellen Fähigkeiten erreichen. Das ist der Plan der Entwicklung. Er wird nur sehr unvollkommen ausgeführt und daher die ungeheure Länge der Pilgerfahrt. Viele Umwege, Abschweifungen, Irrfahrten werden gemacht, häufig lockende Seitenpfade eingeschlagen, anstatt die Straße zu verfolgen, die gerade aufwärts führt. Daher ist die Menschheit so lange auf der Wanderschaft und braucht so ungezählte Jahrtausende, um ihre Entwicklung zu vollenden. Dessen ungeachtet wird sie vollendet, denn so hat es der göttliche Wille beschlossen, und dieser kann nicht vereitelt werden, wie sehr auch seine Verwirklichung verzögert werden mag.

Die Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte der dritten Rasse bis zur vierten fort. In dieser vierten Rasse entstand jene mächtige atlantische Zivilisation, die ihren Höhepunkt in der großen Zweigrasse [»sub-race«] der Tolteken erreichte, von der ihr sogar durch die Wissenschaft des Westens Einiges erfahren könnt. Diese Zivilisation leistete Wunderbares, aber eine Schwierigkeit war vorhanden: Der Mensch stand noch sehr tief auf der aufsteigenden Bahn und war noch stark in die Materie verstrickt. Seine geistigen Fähigkeiten waren zum großen Teil psychischer Natur, und es war nötig, sie eine Zeit lang zu verhüllen, um die intellektuelle Kraft zu entwickeln und der Menschheit eine höhere Entwicklung in der Zukunft zu ermöglichen. Daher trieb das große kosmische Gesetz, dem nichts widerstehen kann, die Rasse in eine große, aber sehr materielle Zivilisation hinein. Dieses Verschwinden der psychischen Kräfte wurde bis zu einem gewissen Grade willentlich durch die höheren, regierenden Klassen im toltekischen Reich von Atlantis beschleunigt. Sie versuchten den Gebrauch der psychischen Fähigkeiten in den niederen Klassen der Bevölkerung (niederer in der Entwicklung und daher auf der sozialen Stufenreihe) zu verringern und abzustumpfen, um ihre eigenen selbstsüchtigen Zwecke zu fördern. Um sie besser als Werkzeuge ihrer eigenen Zwecke benutzen zu können, gebrauchten sie bewusst ihr okkultes Wissen, um ihre psychischen Fähigkeiten zu lähmen.

So wurden die Fähigkeiten künstlich abgestumpft, wodurch das Wirken des großen kosmischen Gesetzes noch beschleunigt wurde, und das gibt mir Gelegenheit, euch auf etwas aufmerksam zu machen, über das es sich in Ruhe nachzudenken lohnt. Es ist die Tatsache, dass kein Mensch dem großen Zug des kosmischen Gesetzes widerstehen kann.

Kein Mensch kann den mächtigen Gang der göttlichen Entwicklung aufhalten; aber er kann mit ihr oder gegen sie arbeiten. Er kann zum Guten oder zum Bösen wirken. Erfüllt von der Weisheit und Größe des Entwicklungsganges, kann er aus Pflichtgefühl und voll Ergebung in den göttlichen Willen diesen fördern helfen. Oder aber, er kann einige dieser Naturkräfte zu seinem eigenen, persönlichen Vorteil sich untertan zu machen versuchen und sie zu seiner persönlichen, vergänglichen und eigennützigen Befriedigung ausnützen, anstatt zur Ausführung der göttlichen Absichten.

Wo der Mensch zu eigennützigen Zwecken diese großen Kräfte des Kosmos benutzt, bereitet er sich selbst schlechtes Karma, obgleich die Richtung des großen Karma der Menschheit davon unberührt bleibt. So kann der Einzelne sich seine eigene Zukunft verderben. Während er innerhalb des großen Stroms des kosmischen Gesetzes dahintreibt, kann er für sich selbst in dem engen Zirkel seiner eigenen, individuellen Entwicklung Elend schaffen. Wenn er das kosmische Gesetz selbstsüchtig ausnützt, wird er Selbstsucht ernten: auf diese Weise werden innerhalb des großen Gesetzes sowohl glückliches als auch unglückliches Karma geschaffen.

Ich sage euch dies, damit ihr darüber weiter nachdenken könnt, vielleicht löst es einige der Rätsel, vor welchen die Menschen oft stehen. Zum Beispiel, wie das Kama ein göttliches Gesetz sein kann, durch das der Mensch wie durch ein ihm auferlegtes Schicksal vorwärts getrieben wird, während er doch gleichzeitig weiß, dass sein Wille relativ frei ist. Er kann zwar seinen eigenen Weg wählen, aber nur innerhalb dieser mächtigen Bewegung.

Wie gesagt, in dieser vergangenen Zivilisation benutzte der Mensch dieses große Gesetz des Kosmos zu seinen eigenen, selbstsüchtigen Zwecken und das Endresultat war die Zerstörung von Atlantis. Diese ganze Zivilisation wurde fortgeschwemmt, nur einzelne Bruchteile blieben hier und dort in der Welt zurück, besonders in Südamerika in der Zivilisation von Peru. Dort fand man einzelne schwache Spuren ihrer Pracht; so wunderbar schön waren diese sogar noch in ihrem Verfall, dass, als Peru von den Spaniern erobert wurde, diese staunend vor den glücklichen Zuständen des öffentlichen Gemeinwesens, vor der Lieblichkeit, Sanftmut und Reinheit der Menschen, die dort lebten, standen, vor der Weisheit ihrer Regierung und dem Gedeihen der Nation als Ganzes. Diese Kultur, die von den Spaniern zerstört wurde, die ihre zuvorkommenden Gastgeber mit Füßen traten, war der letzte, schwache Schimmer jener Zivilisation, von der ich sprach, die auf Ihrem Zenith so großartig war, so tief stürzte und durch die Katastrophe vernichtet wurde, als die Fluten des atlantischen Ozeans sich über die einst lieblichen Lande wälzten.

Rasch weiterschreitend, kommen wir dann zu der Entwicklung unserer eigenen Rasse. Um die weitere Evolution verfolgen zu können, müsst ihr euch daran erinnern, dass der Logos unseres Systems sich in dreifacher Weise offenbart. Ihr wisst, dass in jeder großen Religion der offenbar gewordene Gott als Trimurti oder Dreieinigkeit dargestellt wird. Ihr wisst auch, wenigstens diejenigen, die philosophisch veranlagt sind und tiefer nachdenken, dass die drei nur die dreifache Offenbarung des Einen sind, die drei Aspekte des einen, nicht offenbar gewordenen Seins, das nur soweit erkannt werden kann, als es im Universum offenbar ist. Und Ihr wisst ferner, dass in dem dreifachen Logos der Aspekt der Macht, der Weisheit und der Liebe unterschieden werden kann.

Nun tragen alle menschlichen Tätigkeiten den Stempel dieses dreifachen Logos. Sie können alle unter die eine oder die andere dieser Kategorien klassifiziert werden: unter die Kategorie der Macht, der Weisheit oder der Liebe. Unter diese drei gruppieren sich alle Menschenrassen, lassen sich alle Tätigkeiten der Völker und der Einzelnen einordnen. Ich benütze diese Einteilung, weil bei einem so schwierigen Thema, wie dem meinigen heute, diese Anordnung uns sozusagen eine Anzahl kleiner Fächer bereitstellt, in welche wir die verschiedenen Teile des Themas einordnen können, zum späteren Gebrauch und um weiter darüber nachzudenken. Vergesst nie, dass die drei eins sind, dass sie sich gegenseitig durchdringen. Lasst die Tatsache nicht aus den Augen, dass dies Einteilungen von Erscheinungen sind, und nicht des Wesens selbst. Aber insofern, als wir in der Erscheinungswelt leben und die Trennung dieser Erscheinungswelt angehört, können wir sie ruhig akzeptieren, ohne irregeführt zu werden, wenn wir die fundamentale Einheit dabei festhalten, von der alles ausgeht.

Gehen wir also von dieser dreifachen Einteilung aus und unterteilen sie noch etwas weiter. Unter die Liebe werden natürlich die geistigen Tätigkeiten fallen, die auf der einen Seite die Religion, auf der andern die Philanthropie betreffen. Beide Worte sind im weitesten Sinn zu nehmen: Unter Religion verstehen wir den Dienst an jenen, die über uns sind, unter Philanthropie den Dienst an jenen, die uns gleich sind oder unter uns stehen. Wir schließen in diese eine Kategorie der Liebe die ganzen menschlichen Tätigkeiten ein, die jenen, die in der Entwicklung über uns stehen, ihre Dienste weihen, ihnen Ehrfurcht zeigen und die jenen um und unter uns Hilfe, Mitleid und Beistand gewähren. Unterscheiden wir Götter und Menschen, so fällt der Religion die Tätigkeit zu, den Göttern direkt zu dienen – was das bedeutet, werdet ihr gleich sehen –, während unter Philanthropie der Dienst zu verstehen ist, den wir Menschen leisten, die wir zunächst auf dieser physischen Ebene um uns sehen.

Unter die Kategorie der Weisheit fallen all die Tätigkeiten des menschlichen Manas, des höheren sowohl als des niederen, die wir weiter in Wissenschaft, Philosophie und Kunst einteilen können. Wir haben es mit drei Feldern der mentalen Tätigkeit zu tun, die unter die Kategorie Weisheit fallen; nicht als ob Wissen selbst Weisheit wäre, aber es ist das Material, aus dem durch geistige Alchemie Weisheit entwickelt wird, denn spirituell umgewandeltes Wissen wird zur Weisheit. So stellen wir all diese Tätigkeiten des Wissens als ein Ganzes unter die Kategorie der Weisheit.

In die Kategorie der Macht fallen dann alle menschlichen Tätigkeiten, die die Herrschaft über Menschen betreffen, das Ausüben der administrativen und exekutiven Funktionen, das Bilden der Nationen, das Organisieren der Gemeinden, kurz, alle Dinge, bei denen Macht ausgeübt wird. Auch die schöpferischen Fähigkeiten im Menschen, die ihm durch sein Geburtsrecht als Abkömmling des Göttlichen eigen sind, fallen unter diese Kategorie. Die schöpferischen Fähigkeiten, die so Wenige verstehen, so Wenige mit Wissen ausüben, und doch sind sie großartige Mittel zur Hebung der Menschheit, große Kräfte für den menschlichen Fortschritt. Alle Anstrengungen der göttlichen Lehrer in der Vergangenheit und Gegenwart laufen darauf hinaus, dieses große Feld der Tätigkeit der Pflege der menschlichen Intelligenz zu unterstellen, darauf, dass die Menschen dies Feld richtig beackern und dadurch ihre Entwicklung sichern. Alle ihre Anstrengungen gehen dahin, diese Tätigkeiten der Weisheit oder Macht auf die rechte Bahn zu lenken, sie auf den rechten Weg zur allgemeinen Entwicklung der Menschheit zu führen.

Zu diesem Zweck ist jede große Religion gegründet, jedes edle Moralgesetz verkündet worden. Dazu war jeder starke Impuls zu intellektueller Entwicklung bestimmt. Zum selben Zweck ist in unseren Tagen den Menschen die volle Wiederbestätigung aller alten Wahrheiten unter dem Namen der göttlichen Weisheit gegeben worden, die euch jetzt unter ihrer anglisierten griechischen Bezeichnung als »Theosophie« bekannt ist. Es ist nur eine nochmalige Wiederbestätigung der alten Wahrheit, eine nochmalige Anstrengung derselben Lehrer, diese Tätigkeiten des menschlichen Lebens zu leiten.

In unserer Zeit ist diese Weisheit ganz besonders nötig, denn, wenn wir die Welt überblicken, finden wir, dass der Mensch in jeder großen Abteilung menschlicher Tätigkeit nahezu an die Grenze seiner Kräfte gelangt ist. Er hat die physische Ebene bezwungen: er hat sie sich so unterworfen, dass das Physische viel zu viel von seiner Aufmerksamkeit und seinem Interesse in Anspruch nimmt und die Wirklichkeit der höheren Ebenen vor seinem Blick verschleiert.

Betrachten wir die Tätigkeiten des Lebens, so finden wir, was die Religion anbelangt, dass auf der einen Seite der Materialismus gegen sie ankämpft und der Aberglaube sie auf der andern Seite unterwühlt. Zwei Dolche in den Händen der Menschheit sind gegen die Religion gezückt und bedrohen ihr Leben: der Skeptizismus, der nicht glaubt, und der Aberglaube, der Falsches glaubt. Beide sind für den menschlichen Fortschritt auf diesem besonderen Feld der Tätigkeit fatal.

Wendet euch von der Religion zur Philanthropie in der modernen Welt, so seht ihr, dass das menschliche Elend zu weit verbreitet und zu groß ist, als dass die Menschen es mit Erfolg bekämpfen könnten. Wo die moderne Zivilisation am erfolgreichsten ist und am meisten triumphiert, da findet man das größte Maß an Leid, das grässlichste Elend, welches das menschliche Leben niederdrücken kann. Und sieht man näher zu, so findet man nur, wie hilflos die Philanthropie dagegen ist, wie aber Erbitterung, Klassenhass, drohende Revolution und Anarchie daraus entstehen.

Die Zivilisation ist bis in ihre Grundfesten bedroht und die Menschen wissen nicht, wie sie die Gefahr bannen sollen, denn sie haben den Geist der Liebe verloren.

Nicht anders sieht es mit der Weisheit aus: Auf jedem ihrer drei großen Felder türmen sich Schwierigkeiten auf. Die Wissenschaft scheint am Ende ihrer materiellen Hilfsquellen angelangt zu sein, ihr ganzer Apparat ist so wunderbar ausgebildet, dass keine weitere Entwicklung mehr möglich scheint, ihre Wäginstrumente arbeiten so wunderbar, dass sie selbst noch unsichtbare Teile kleinster Größen zu wägen imstande ist. Und doch gestehen sie zu, dass es Substanzen gibt, die sogar für ihre feinen Wagen »imponderabel« sind. Die Wissenschaft hat ihre Hilfsquellen fast erschöpft, so weit ihre Methode in Betracht kommt, und Kräfte, noch subtiler und bei weitem geheimnisvollerer Art, als sie anzuerkennen gewöhnt ist, treten gegen ihren Willen immer näher an sie heran. Werfen wir einen Blick in das Laboratorium eines Chemikers oder in das Arbeitszimmer eines Gelehrten, so scheinen dort Kräfte in Erscheinung zu treten, die jene weder mit Gewichten noch Maßen zu fassen vermögen. Sie verwirren sie durch ihre Wirksamkeit, während sie sich gleichzeitig keiner Methode der Wissenschaft beugen und im Gegensatz zu allem stehen, was man über die Natur zu wissen glaubt.

In der Philosophie herrscht der Kampf zwischen Materialismus und Idealismus. Ersterer hat sich als unzulänglich erwiesen und auch der letztere gibt keine feste und unbesiegbare Grundlage. Ebenso begegnet man im Gebiet der Kunst Dürre und Fruchtlosigkeit, es werden keine großen neuen Werke geschaffen, sondern nur minderwertige Nachahmungen des Alten hervorgebracht. Die Kunst hat ihre schöpferische Kraft verloren, ist steril und unfruchtbar geworden.

Wenden wir uns der dritten großen Tätigkeit zu, der Macht. Was sehen wir da in der modernen Welt? Volk um Volk ergeht sich in Experimenten. Die göttlichen Herrscher, die einmal da waren, fähig die Völker zu regieren und sie auf den Weg des Gedeihens und Glücks zu bringen, haben sie verloren und sie versuchen nun den Verlust dieser göttlichen Könige dadurch wettzumachen, dass sie einen vielköpfigen König an seine Stelle setzen – das Volk. Anstatt des göttlichen Königtums mächtiger Initiierter haben sie die sogenannte Selbstregierung und die Methoden der Demokratie – als ob man durch ausreichende Multiplikation der Unwissenheit zur Weisheit gelangen könnte!

Was die schöpferische Kraft anbelangt, so ist sogar die Kenntnis davon verloren gegangen, und die Menschen würden lächerlich gemacht werden, welche davon sprächen, so sehr hat der Mensch seine göttliche Erbschaft aus den Augen verloren.

Was sagt uns dies Alles? Dass die Menschheit als Ganzes einen weiteren Schritt voran tun muss, dass wir eine jener Übergangsperioden erreicht haben, in denen das überlebte Alte neuem Wachstum und neuer Entwicklung weichen muss. Unter all dem Durcheinander, all der Sorge, unter all der Angst und Verwirrung, bereiten sich langsam in der Menschheit die Samen des nächsten Schrittes vor, der diesen drei großen Typen der Tätigkeit ihre alte Macht auf einer neuen Stufe zurück erstattet, ihnen die alte Bestimmtheit auf neuen Bahnen des Fortschritts eröffnen wird. Die Entwicklung geht nicht auf ihre früheren Stufen zurück, bringt nicht ihre alten Formen wieder hervor, sondern betritt einen spiralförmigen Weg und bringt auf der neuen Höhe das wieder, was das Beste auf der früheren war. Auf solch einer Spirale schreitet die Menschheit jetzt, um mit neuen Kräften und weiteren Möglichkeiten das zu vollbringen, was in der Vergangenheit unter anderen Formen vorhanden war.

Betrachten wir die Liebe. Wenn die Menschheit den nächsten Schritt voran tut, und schon sind hier und dort Anzeichen zu erkennen, dass sie sich dazu vorbereitet, wird ihre Arbeit, nachdem sie das physische Werkzeug vervollkommnet hat, jetzt die sein, den zweiten Träger des Bewusstseins zu vervollkommnen, den, durch welchen sie frei auf der Astralebene wirken soll. Im Lauf der Jahrtausende wird die Menschheit dieses zweite Werkzeug des Bewusstseins entwickeln und die Mehrzahl wird durch es ebenso leicht auf der Astralebene tätig sein können, wie es ihr heute durch den physischen Körper auf der physischen Ebene möglich ist. Nicht die ganze Menschheit, denn die Menschen sind nicht alle gleich, wie die moderne Torheit behauptet. Aber die große Masse der Menschen wird diesen Schritt in der Entwicklung tun, den Astralkörper ausgestalten und vollständig darin wirken; so schreitet die Entwicklung der Menschheit unaufhaltsam voran.

Welchen Unterschied wird dieser Schritt hervorrufen? Auf religiösem Gebiet wird die Astralebene für die Menschheit sichtbar werden, auf der viele der größeren Intelligenzen sich in der entsprechenden Form offenbaren, um den Menschen zu helfen und sie zu lehren. Die Menschen werden jene Wesen sehen und kennen lernen, deren Dasein ihnen durch jede große Religion verkündet worden ist. Sie werden sie kennen, wie sie jetzt die physischen Körper, die sie umgeben, kennen oder zu kennen glauben. Sie werden die Wesen der jetzt noch unsichtbaren Welt erkennen. Auf diese Weise wird die Mehrheit der Menschen mit den Fortgeschrittenen der Gegenwart jene Kenntnis aus erster Hand teilen, die jetzt so selten ist, und die Gewissheit erlangen, die den Skeptizismus auf ewig unmöglich macht. Kein Mensch kann der unsichtbaren Welt gegenüber Skeptiker bleiben, wenn er in seinem gewöhnlichen Tages-Bewusstsein von dem Dasein jener Wesen weiß, die uns auf allen Seiten umgeben. Es ist ebenso unmöglich, wie ihr das Vorhandensein eurer Väter, Mütter oder Kinder bezweifeln könnt. (Ich erörtere jetzt nicht die philosophische Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, sondern behandle das Universum der Erscheinung und gebrauche die Worte im gewöhnlichen Sinn, in dem wir sie in unserer Alltagssprache benutzen.) Wenn dieser Schritt getan ist, wird die Religion ihren Charakter ändern, und das, was jetzt nur Seher und Propheten kennen und verkünden, wird dann allen Menschen bekannt sein. Es wird Sache der Erfahrung und der täglichen Erkenntnis sein, und infolgedessen wird der Skeptizismus unmöglich werden, wie er schon jetzt gegenüber vielem, was die Wissenschaft der Gegenwart anbetrifft, unmöglich ist.

Ebenso wird der Aberglaube vernichtet werden. Der Aberglaube lebt in der Finsternis und von der menschlichen Unwissenheit. Er lebt, wächst und gedeiht und ist allen Völkern ein Fluch, weil einige Menschen, die der Tradition einige Kenntnisse verdanken, ohne deren tiefe Wahrheit zu erkennen, diese dazu nützen, ihre Mitmenschen zu unterwerfen. Jene lassen sich in ihrer Unwissenheit durch deren Anspruch auf Wissen einschüchtern and beugen sich vor jenen, die vorgeben, die Schlüssel in Händen zu halten, wenn sie auch rostig sind und das Schloss nicht mehr öffnen. Wir werden sehen, und man kann es schon heutzutage beobachten, dass der Aberglaube unmöglich wird, wenn den Menschen die Augen geöffnet werden.

Ihr wisst nicht, welches Unheil dieser Aberglaube in der jenseitigen Welt anrichtet. Ihr wisst nicht, welche Angst und welches Entsetzen nur zu viele Seelen durchmachen, wenn sie aus dem Körper in die ihnen unbekannte Welt kommen, die für sie mit eingebildeten Schrecken erfüllt ist, mit denen der Aberglaube, von eingebildetem Wissen beherrscht, sie ausgestattet hat. Besonders im Westen ist dies der Fall, wo Menschen von einer ewigen Hölle sprechen und ihren Mitmenschen weismachen, dass es nach dem Tode kein Wachstum und keinen Fortschritt gibt, dass der sündige Mensch in ein Feuermeer geworfen wird, um dort in alle Ewigkeit ohne Hoffnung auf Erlösung, ohne Hoffnung auf ein Entkommen gefangen zu sein. Welche Wirkung dies auf die Seelen hat, die durch die Todespforte in eine andere Welt eingehen und sich einbilden, dass dies alles wahr sei oder sein könnte, die glauben, dass sie die Opfer all dieses Entsetzlichen sein könnten, von dem sie durch ihre unwissenden Lehrer gehört haben, vermögt ihr euch gar nicht vorzustellen. Groß sind die Schwierigkeiten, mit welchen die zu kämpfen haben, die den Seelen auf der andern Seite helfen, allmählich das Entsetzen zu bannen und ihnen verständlich zu machen, dass überall das Gesetz herrscht und dass Bosheit und Gehässigkeit nicht unter den herrschenden Mächten des Kosmos zu finden sind. Skeptizismus und Aberglaube werden also, wie gesagt, unmöglich. Wohl wird es andere Schwierigkeiten, andere Probleme und dunkle Punkte geben, aber die Zwillingsfeinde des Menschen, Skeptizismus und Aberglauben, werden, wenn dieser Tag für die Menschheit anbricht, vernichtet sein, um nie wieder zu erstehen.

Die Liebe wird auf ihrer philanthropischen Seite auch viel gewinnen; es kann so viel mehr von dieser Ebene aus für die Menschheit getan werden, als von der physischen. Physische Tätigkeiten machen viel Umstände und bringen verhältnismäßig geringe Erfolge. Wir beobachten Menschen, die sich abmühen, Gesetze zu machen, dies und jenes in der Welt des Staates und der Gesellschaft zu leisten, und wir denken, sie hätten ein großes Werk vollbracht und bedeutende Erfolge errungen.

Aber wie klein und nichtig sind sie im Vergleich zu den Erfolgen, die aus der Arbeit entstehen, die ungesehen in der Stille und im Schweigen, ohne die Sprache der Zunge, ohne Anstrengung des physischen Körpers getan wird; durch die Tätigkeit des Geistes in dem subtileren Medium, das mehr die Gedanken der Menschen als ihren Körper beeinflusst, das mehr auf ihr Gemüt einwirkt, als auf ihre äußere Hülle. Wenn die Menschheit diese höhere Ebene erklommen hat, dann wird dieser Einfluss weit mehr ausgeübt werden als heute, und allem Elend, allen Verbrechen und aller Schlechtigkeit wird durch das Wirken auf das Gemüt der Menschen begegnet werden; sie werden gereinigt und über die Umstände erhoben werden, die sie jetzt herabziehen. Versteht ihr, dass jeder von euch, zu denen ich hier rede, der einen unreinen, rachsüchtigen, bösen oder niederen Gedanken hegt oder hervorbringt, diesen als lebendige Kraft in die Welt hinaussendet, als tätige Wesenheit, die auf die Gesellschaft einwirkt und von den Schwächsten, Empfänglichsten, den am wenigsten Entwickelten aufgenommen wird, so dass aus diesen Gedanken der sogenannten Gebildeten der Same des Verbrechens unter die niedere Masse der Menschen gestreut wird? Die Sünden dieser Menschen, die sich in ihren Taten zeigen, gehören zum großen Teil dem Karma derjenigen an, die den Gedanken hervorgebracht haben. Dies ist nicht so allgemein bekannt, wie es sein sollte, und es wird nicht so geglaubt, wie es nötig wäre.

Jeder Mensch, der ein Rachegefühl in sich hegt, sendet eine Kraft der Zerstörung in die Astralwelt hinein. Wirken all diese schlechten und zornigen Gedanken von Menschen, die in geachteten gesellschaftlichen Verhältnissen leben, auf ein schwaches Geschöpf mit einem schlechten Karma ein, das in schlimmen Verhältnissen lebt, von Trieben und Leidenschaften beherrscht wird, die stärker sind als sein Geist, und wird er durch ein Unrecht gereizt und rasend gemacht, dann zwingen ihn diese Gedanken, eine Tat zu begehen, die wir Mord nennen. Trotzdem seine physische Hand das Messer führt, wird der Stoß doch eigentlich durch die Gedanken jener Menschen ausgeübt, deren rachsüchtige Gefühle die Triebfeder des Mordes sind, auch wenn sie äußerlich nicht in Erscheinung treten. Wir werden die Verbrechen in den unteren Schichten der Gesellschaft nicht eher los, als die höheren Schichten, die gebildet sind und die Natur der Dinge verstehen können, ihre Gedanken reinigen. Wenn dies alles durchschaut und erkannt wird, wenn die astrale Welt offen vor Augen liegt, wird eine neue Kraft zur Verfügung stehen, um der Menschheit zu helfen und sie zu erheben. Dann werden die Menschen die Macht der Gedanken nicht mehr anzweifeln, sie werden die Verantwortung für die Gedanken, die sie erzeugen, erkennen und werden liebende und helfende Einflüsse aussenden, statt der erniedrigenden, die jetzt so vielfach verbreitet werden.

Dann werden wir auch feststellen, dass unmittelbare Hilfe möglich ist, wie sie jetzt schon von dieser höheren Region aus gegeben wird. Denn die Erfindungen, die Wissenschaftler machen, kommen ihnen oft von jener Welt zu und zwar durch direkten Einfluss auf ihren Geist. Wenn ein Gelehrter eine neue Idee fasst, wenn ein Mensch, sagen wir z. B. Sir William Crookes, die Entstehung der Atome entdeckt – eine der subtilsten Einsichten der modernen Wissenschaft – glaubt ihr, dass er von unten zu ihr aufgestiegen ist? Ich sage euch, solche Gedanken kommen von oben und nicht von unten.

Auf diese Weise wirken die Meister auf den Geist von Menschen ein, die besondere Fähigkeiten besitzen, die genutzt werden können. Aus der mentalen Welt herab, durch die Astralebene hindurch, wo die Gedanken wirkende Wesenheiten sind, beeinflussen sie von Zeit zu Zeit ausgewählte Individuen, um den Fortschritt der Welt zu beschleunigen und das Wachstum der Menschheit zu erleichtern. Der Grund, warum dies in der Gegenwart nicht häufiger geschieht, ist der: Ehe die moralische Seite des Menschen nicht reift, wäre es nicht gut, wenn er zu viel Kenntnisse über jene unsichtbaren Kräfte erlangte, die hinter dem Schleier verborgen sind. Er würde sie missbrauchen, anstatt sie im allgemeinen Interesse anzuwenden, er würde sie nutzen, um andere zu unterdrücken, anstatt mit ihnen den Menschen zu helfen und sie zu heben. Daher wird dies Wissen nicht mehr verbreitet, daher wird der Wissenschaft nicht mehr geholfen. Die Wissenschaft, wie einer der Großen sagte, muss die Dienerin der Menschheit werden, um viel Hilfe von denen zu bekommen, die vor allem andern die Helfer und Erlöser der Menschheit sind.

Noch in anderer Hinsicht wird in den Tagen, denen wir entgegen gehen, rascher fortgeschritten werden.

Bei der Erziehung von Kindern ist es euch, vermute ich, wohl kaum aufgefallen, wie groß die Möglichkeiten sind, die in ihnen schlummern, wenn nur ihre Lehrer genug Wissen hätten, um direkt das Gute in ihnen zu fördern und das Böse einzudämmen und auszurotten. Wie ihr wisst, umgibt jeden Menschen eine Aura, die dem geschulten Auge, z. B. eines Yogi, sichtbar ist. Sie zeigt den Grad der intellektuellen Entwicklung, die Charakteranlage, gibt Auskunft über die Stufe des Fortschritts und die Eigentümlichkeiten und Eigenschaften jener Seele, die den Körper bewohnt. Einen jeden von uns umgeben diese Spuren seines eigenen Zustandes, die deutlich sichtbaren Zeugnisse für den Grad der Entwicklung, den die Seele erreicht hat. Jeden umgibt diese Atmosphäre, welche die Gedanken und den Charakter anzeigt und dem geschulten Auge so leserlich ist, wie die physischen Züge dem physischen Auge, und dabei bei weitem instruktiver, was den Charakter des Menschen anbelangt.

Wenn nun ein kleines Kind auf die Welt kommt und die ersten Stufen seines Wachstums durchschreitet, hat seine Aura folgende Eigentümlichkeit: Die karmischen Ergebnisse der Vergangenheit bringt es mit sich, aber eine große Anzahl der geistigen und moralischen Anlagen, die es aus der Vergangenheit mitbringt, sind erst noch im Keim in ihm vorhanden und nicht voll entfaltet. Betrachtet man die Aura eines kleinen Kindes, so ist sie verhältnismäßig rein. Ihre Farben sind klar und durchsichtig, und nicht trüb und schmutzig, wie bei erwachsenen Menschen, Männern und Frauen. Innerhalb dieser Aura liegen die Samen der Neigungen, die entwickelt werden können. Einige sind gut, andere schlecht. Das geschulte Auge, das diese Merkmale unterscheiden kann, könnte die guten fördern und die schlechten ersticken, indem es die richtigen Einflüsse auf das Kind einwirken lässt. Will man eine gesunde Pflanze aus einem Samen ziehen, so muss man ihn in gute Erde setzen, ihn begießen und von der Sonne bescheinen lassen. Alle wesentlichen Eigenschaften der Pflanze liegen im Samen, aber die ganze Pflanze ist noch nicht sichtbar und je nach der Erde, die man ihr gibt, der Pflege, die man ihr angedeihen lässt, der Luft, mit der man sie umgibt, und der Sonne, die sie erwärmt, wird die Entwicklung des Samens verlaufen. Man kann die Pflanze sich zu großer Schönheit entfalten lassen oder ihr Wachstum hindern und sie verkümmern lassen. So verhält es sich größtenteils auch bei einem kleinen Kind. Es wird geboren und trägt, sagen wir z. B. den Keim des Jähzorns in sich, den Keim eines feurigen und leidenschaftlichen Temperaments. Angenommen, jene, die es umgeben, besitzen Erkenntnis und Weisheit, dann werden sie wissen, wie es zu behandeln ist. Nie sollte es ein böses Wort hören, nie eine leidenschaftliche Tat sehen. Jedermann in seiner Umgebung müsste sanft und liebevoll sein und Selbstbeherrschung besitzen. Dem Samen, der im Kind schlummert, dürfte nie die anreizende Kraft des Zorns älterer Menschen zugeführt werden, sie wirkt wie eine Macht, die das Wachstum des Samens beschleunigt, ihn nährt und zur Reife bringt!

Wir sollten darauf achten, dass die Kinder nur solche Einflüsse umgehen, die alles Gute, Edle und Reine in ihnen fördern.

Geschähe das bei jedem Kind, dann würde die Menschheit mit Riesenschritten voranschreiten, während sie jetzt wie ein Krüppel einher hinkt. Unwissenheit umwölkt den Geist der Menschen und sie wissen nicht, wie sie die Jugend erziehen sollen. Nirgends will es recht gelingen, doch das wird sich ändern, wenn der Mensch sich zu höherem Wissen erhoben hat und mit klarem offenem Blick, anstatt blind erzieht, wie es heutzutage geschieht – wenn er wissend erzieht, anstatt in Unkenntnis.

Die Notwendigkeit einer wirklichen Erziehung erklärt, warum in den alten Tagen jeder Knabe zu einem Guru geschickt wurde. Durch diese alte Einrichtung sollte dem Kind ein Vorteil gewährt werden, indem ein geschulter Geist, dessen Einsicht über den eines gewöhnlichen Menschen hinausging, auf den seinen einwirkte und ihm durch einen solchen Hilfe geleistet würde. Früher war der Guru ein Mann, der Wissen besaß, der sehen konnte, und das Kind wurde seinen Händen übergeben, weil unter solcher Leitung das Böse unterdrückt und das Gute entwickelt wurde. Als die wahren Gurus allmählich verschwanden, verlor die Menschheit diesen großen Vorteil; er wird aber wiederkehren, wenn das Wissen unter dem Volk verbreitet ist und wenn eine höhere Stufe der Entwicklung diese edlere Erziehung möglich macht.

In der ganzen Sphäre des Wissens werden die Methoden sich ändern. Der Arzt wird nicht mehr durch äußere Symptome Schlüsse über eine Krankheit ziehen müssen, sondern wird die Ursache derselben sehen und danach eine Diagnose stellen können. Die Menschen fangen jetzt schon an, mit Hilfe Hellsehender zu diagnostizieren. Bisher wurde dem Arzt durch die Dichte des physischen Körpers der Einblick verwehrt, jetzt aber benützt er schon den Hellsehenden, dessen Schauen den physischen Stoff durchdringt, der die Krankheit sieht und genau erkennen kann, was irgend einem Organ des Körpers fehlt; er gibt dem Arzt die nötige Auskunft und befähigt ihn, mit vollkommener Sicherheit zu handeln und die Wirkung seiner Medikamente zu verfolgen. Stellt euch vor, welchen Aufschwung die ganze medizinische Wissenschaft nehmen würde, wenn der Arzt hellsehend wäre, und wenn das, was jetzt nur wenige besitzen, sich allgemein verbreitete, so dass die Ärzte mit Sicherheit ihre Diagnose stellen und die Wirkung jedes Heilmittels sehend verfolgen könnten.

Ebenso ist es mit der Chemie. Wie viel mehr könnte der Chemiker leisten, als es ihm jetzt möglich ist, wenn seine Augen offen wären und fähig, die verschiedenen Vorgänge bei den Verbindungen seiner Substanzen zu verfolgen; wenn er die Wirkungen seiner Zusammensetzungen sehen könnte, anstatt sie erraten und auf das Resultat eines Experimentes warten zu müssen, ehe er Gewissheit hat, was das Ergebnis ist. Wie viele Unfälle könnten da vermieden werden, und in wie hohem Maße könnte dieses Erkennen den Fortschritt der Wissenschaft beschleunigen!

In der Novembernummer des Lucifer (1895) findet sich eine Andeutung, wie solch ein Fortschritt bewerkstelligt werden kann. Ihr seht dort, wie die Grenzen des Wissens sich erweitern werden, wenn der Geist sein Werkzeug auf der Astralebene gebrauchen kann.

In der Psychologie ist es nicht anders. Ihr werdet sofort einsehen, was das für die Menschheit bedeutet – schon vom Standpunkt dieser niederen Welt aus –, wenn die Menschen miteinander durch Gedanken in Verbindung treten können, anstatt sich schwerfälliger Mechanismen, wie der Schrift oder des Drucks bedienen zu müssen; wenn der Gedanke von Gehirn zu Gehirn eilt und sich ohne die komplizierten Vorgänge mitteilt, deren wir heute bedürfen.

Das alles will heißen, dass Trennung eine Angelegenheit der Vergangenheit sein wird. Kein Berg und kein Meer wird Mensch von Mensch, Freund von Freund mehr trennen können. Haben die Menschen sich diese Ebene der Natur unterworfen, wird sich der Geist direkt dem Geist mitteilen können, wo die Menschen auch wandern und in welchem Lande sie auch weilen mögen. Denn für den Geist gibt es keine Grenzen des Raumes und der Zeit wie in der niederen Welt. Wenn der Mensch sein astrales Werkzeug vervollkommnet hat, weilt er stets im Bereich derer, die er liebt; die Trennung hat ihren Stachel verloren, wie auch der Tod die Macht zu trennen verlieren wird. In dem Leben des Menschen der Gegenwart wie auch in dem der Völker sind, wie wir alle wissen, der Tod und die Trennung zwei der großen Schmerzen, welche die Menschheit bedrücken. Ihr Stachel wird ihnen genommen, wenn der Mensch diesen großen Schritt voran tut. Beide verlieren ihre Macht, in Wirklichkeit zu scheiden, wenn einmal der Mensch diese höhere Stufe erreicht hat: Was nur die Schüler besitzen, wird dann der Mehrzahl zuteil werden. Wie viel leichter und schöner wird das jetzt niedere Leben des Menschen dadurch, dass diese Einflüsse hinfort ihn nicht mehr stören können.

Nicht anders steht es natürlich mit der Philosophie, mit ihrer dann durchdringenderen Erkenntnismöglichkeit der Materie und ihrem schärferen Einblick in die Wirklichkeiten des Lebens. Dasselbe gilt auch für die Geschichtsschreibung. Alle Geschichte wird den Aufzeichnungen des Akasha entnommen und dargestellt werden, nicht um die Leidenschaften einer politischen Partei zu befriedigen, um eine neue Theorie des menschlichen Wachstums zu unterstützen oder um eine Hypothese der wissenschaftlichen Vorstellungskraft zu bestärken. Alle Geschichte liegt im Akasha; unvergänglich und unzerstörbar sind die dortigen Aufzeichnungen. Nicht eine Tat der Menschheit gibt es, die dort nicht verzeichnet wäre, keine Tatsachen der menschlichen Geschichte, die dort nicht niedergeschrieben steht für die Augen, welche sehen können. Es kommt die Zeit, in der alle Geschichte von dort aus geschrieben wird, anstatt in der unwissenden Art, wie es jetzt geschieht. Wenn die Menschen die Vergangenheit sehen wollen, werden sie auf diese unvergänglichen Berichte zurückblicken und sie zu schnellerer Entwicklung benützen, werden vergangene Erfahrungen zum schnelleren Wachstum der Menschheit verwerten.

Und wozu die Kunst werden wird, wenn diese neuen Kräfte sich im Zugriff des Menschen befinden, können vielleicht nur diejenigen ermessen, die sie bis zu einem gewissen Grad jetzt schon benutzen. Neue Formen, schön über alle Begriffe, werden möglich sein, blendende Farben, die die philiströse Welt nicht kennt und die der ätherischeren Natur der Astralebene entstammen: Farben, die niemand beschreiben kann, denn eine Farbe, die man nicht kennt, kann man auch nicht durch mündliche Beschreibung verstehen lernen. All dies wird der Kunst erreichbar sein, alle wunderbaren Möglichkeiten der feineren Sinne.

Und was wird aus dem Willen und der Macht? Das göttliche Königtum wird auf die Erde zurückkehren und die Menschen werden ihren Platz in der Gesellschaft je nach der Stufe ihrer Entwicklung einnehmen und nicht wie bisher durch bloßen Zufall. Alle Menschen werden sehen können, was sie selbst und Andere sind, denn in der Aura eines jeden Menschen und für alle sichtbar, spiegeln sich die geistigen Eigenschaften und sittlichen Fähigkeiten wieder und daher wird auch jeder die Stellung in der menschlichen Gesellschaft einnehmen, zu der er am meisten befähigt ist … Dann werden junge Leute in der Arbeit geschult werden, zu der ihre Fähigkeiten sie berufen und ihre Kräfte die Möglichkeit des Gelingens bieten. Die Unzufriedenheit, die jetzt herrscht, wird weichen, denn sie entsteht nur dadurch, dass Fähigkeiten brach liegen, wodurch wiederum das Gefühl der Ungerechtigkeit aufkommt und im Herzen des Menschen wühlt, weil er fühlt, dass er wohl Kräfte und Fähigkeiten besitzt, aber keine Gelegenheit hat, sie zu betätigen, zu zeigen und zu verwerten. Wären die Menschen weise, würden sie freilich wissen, dass ihre Verhältnisse karmisch bedingt sind. Momentan sprechen wir aber von den Massen und nicht von den nachdenklicheren Individuen. Für erstere wird Unzufriedenheit zur Unmöglichkeit, wenn jeder Mensch an dem Platz steht, an den ihn seine sichtbaren Eigenschaften berufen, und so wird eine wirklich geordnete Gesellschaft wieder zu Stande kommen.

Wir werden dann auch besser verstehen, wie die niederen Typen der Menschheit zu behandeln sind. Die Verbrecher werden wir nicht bestrafen, sondern sie heilen, sie nicht töten, sondern erziehen. Wir können die Stelle, wo Hilfe nötig ist, erkennen und werden weise zu bessern suchen, anstatt im Zorn zu bestrafen. Nicht nur die Gesellschaft wird durch dieses Einwirken auf die Natur der Menschen anders werden, sondern auch die ganze äußere Welt wird ein anderes Aussehen bekommen: Die Tierwelt wird ebenso unter die verwandelnde Kraft des Menschen gelangen. Er wird aufhören ein Tyrann und Unterdrücker zu sein wie jetzt und wird zum Helfer, Erzieher und Lehrer der niederen Tierwelt werden. Er wird das sein, wozu er bestimmt ist – der Erzieher des Tieres und nicht sein Unterdrücker, wie er es jetzt in so großem Maße ist. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass alle Arten von Grausamkeiten allmählich verschwinden werden. Die Erde wird nicht mehr vom Blut der Tiere befleckt sein. Die Tiere werden den Menschen nicht mehr voller Angst und Entsetzen fliehen und ihn als Feind erkennen, anstatt den Freund in ihm zu sehen, denn wir gehen dem goldenen Zeitalter entgegen, wo Alle lieben werden, anstatt zu hassen.

Ich habe euch etwas erzählt, was wie ein Märchen klingt und doch ist es nur die nächste Stufe im Wachstum des Menschen.

Es ist nur das Resultat der Eroberung der Astralebene, die der physischen am nächsten liegt. Was wird aber sein, wenn der Mensch sich noch höher erhebt, und in vollem Wachbewusstsein die mentale Ebene beherrscht? Ich kann nur auf einzelne Punkte hindeuten, um euch zu zeigen, wie das sich erweiternde Bewusstsein triumphieren wird. Gäbe es in jenen zukünftigen Tagen einen Redner und eine Zuhörerschaft, wie anders würde dann die Rede und wie anders die Wirkung auf die Menschen sein. Anstatt Worte zu hören, artikulierte Laute, die das Ohr erreichen und so unzulänglich nur einen kleinen Teil des Gedankens wiedergeben, würden die Menschen den Gedanken sehen, wie er wirklich ist. Der Gedanke würde vor ihren Augen in strahlender Farbenpracht aufleuchten, in vollendet schönem Klang, bezaubernder Form, man würde sozusagen durch Musik, Farben und Formen zu den Menschen sprechen, bis der ganze Saal mit vollkommener Harmonie der Töne, Farben und Formen erfüllt wäre. Das wird die Rhetorik der Zukunft sein, wenn die Menschen diese höhere Ebene des Bewusstseins und Lebens bezwungen haben.

Ihr glaubt wohl, ich träume? Ich sage euch, dass es schon jetzt Menschen gibt, die auf diese Bewusstseinsebene gelangen können, die sie kennen, fühlen, und sehen, die hinter den Schleier gelangt sind, der die Mehrheit blendet und die weiteren Möglichkeiten des Lebens vor ihrem Blick verschließt. Denn wie ein Mensch, der auf einem Turm steht, das ganze Land umher überblickt und überall aus der Landschaft Farben, Töne und Formen in sich aufnimmt, so ist es mit dem Leben eines Menschen auf der mentalen Ebene.

Steigt er aber die Treppe des Turms hinab, so kann er nur soviel von der Landschaft übersehen, wie ein Blick durch das Fenster ihm gestattet. Auf der Mentalebene fließt ihm Wissen von allen Seiten zu; nicht durch die Sinne, wie wir sie kennen, sondern durch einen einzigen Sinn, der auf jede Schwingung reagiert, die von außen kommt. Steigt der Mensch in die niederen Körper hinab, so ist es gerade, als ob er in einen Turm hinunterstiege; er kann nur das sehen, was Augen, Ohren und Nase – die kleinen Fenster in der Mauer – ihm von der äußeren Welt zu erkennen geben. Denn die Sinne sind bloß Fenster, und die Wand des Körpers schließt uns ein und nur, wenn wir uns über den Körper erheben, können wir wirklich die Welt, die uns umgibt sehen in ihrer Pracht, ihrer Schönheit und ihren Wundern.

Dann wird das Leben wieder viel mächtiger. Die größten spirituellen Gedanken kommen von jener Ebene durch das Astrale. Die mächtigsten mentalen Kräfte werden von der Manasebene durch die herabgeschickt, welche dort tätig sein können, um dem Menschen jetzt in der physischen Welt zu helfen. Die Schüler der Meister sind im Wach-Bewusstsein dort und wirken, um den Menschen zu helfen und sie zu erheben. Jeder, der jene großen Pforten der Initiation durchschritten hat, lebt in dieser Sphäre und wirkt dort, um der Menschheit zu helfen. Der Schüler kann in der physischen Welt tätig sein, aber bei weitem mehr und tiefgreifender wirkt er in jener höheren Region. Dort entwickelt er seine größte Tatkraft, dort leistet er seine am weitesten reichenden Dienste. Wenn sich die Mehrzahl der Menschen zu dieser Ebene erhebt, wie zahlreich werden da die Arbeiter sein und wie ausgedehnt das Heer der Helfer! Nur einige Hundert wirken jetzt dort, um den Millionen Menschen zu helfen, und es kann nur wenig geschehen, weil die Zahl der Arbeiter so gering ist. Wenn aber die Masse der Menschheit sich zu jener Ebene erhoben hat, wie rasch wird dann das Wachstum des Einzelnen aus den niederen Stufen der Entwicklung heraus sein. Die Menschheit wird sich mit einer Schnelligkeit erheben, die wir jetzt kaum zu fassen vermögen.

Höher und immer höher geht der Weg zu der erhabeneren Ebene, die der Mensch ebenfalls erobern soll. Zu jener Sphäre, in der alles Eins ist, wo der Mensch sich als eins mit jedem offenbarten Ding erkennt. Jene Ebene, Turiya genannt, von der ich euch gestern sprach, wird der Mensch beherrschen, ehe dieses Manvantara zu Ende geht. Jetzt steht sie nur dem Wachbewusstsein des Schülers auf der letzten Stufe seiner Chelaschaft offen und zu dieser wird sich die siebente Rasse des Menschengeschlechts erheben und sie beherrschen. In jenem erweiterten Bewusstsein gibt es keine Trennung, die den Menschen vom Menschen scheidet, jeder erkennt sich als eins mit dem andern, fühlt und denkt, wie sie denken und fühlen, und weiß, was sie wissen; es ist ein Bewusstsein, das sich ausdehnt und Myriaden umschließt. Die Bruderschaft der Menschen wird dann zur vollendeten Tatsache, das Wesen der Dinge wird dort erschaut und nicht nur die Erscheinung, dort werden Wirklichkeiten gesehen und nicht nur Phänomene. Das Eine Selbst, das in allen lebt, wird erkannt. Hass ist auf ewig dem Menschen, der Erkenntnis errungen hat, unmöglich.

Und noch einen Schritt darüber hinaus liegt das, was keine Worte von mir darstellen, kein Ausdruck wiedergeben kann, das, von dem die Weisen als Nirwana sprechen. Sie haben es von Zeit zu Zeit zu erklären versucht und es ist ihnen nicht gelungen, weil die menschliche Sprache für die Aufgabe unzulänglich ist.

Aus ihren Anstrengungen, ihr eigenes Wissen mitzuteilen, sind nur Missverständnisse entstanden. Es ist ein so erhabenes Bewusstsein, dass es unvorstellbar ist, ein Bewusstsein, welches das ganze Weltall umfasst und dadurch dem beschränkten Verstand der Menschen als Nicht-Bewusstsein erscheint. Aber ich sage euch, dass das Leben im Nirwana, das Leben der Mächtigen, die es erreicht haben, ein Bewusstsein in sich schließt, neben dem das unsere in seiner Beschränktheit, die es einengt, in der Blindheit, die es verdunkelt und dem Unvermögen seiner Methoden dem Bewusstsein eines Steines gleicht. Dort ist Leben, mehr als wir uns irgend träumen lassen, und Tätigkeit, lebhafter als wir uns irgend vorstellen können; Leben, das Eins ist und sich dennoch nach allen Seiten hin aktiv offenbart, wo der Logos das offenbarte Licht ist, dessen Strahlen durch alle Sphären der Welt fluten.

Das ist das Ziel der Menschen für dieses Manvantara, auch dies soll der Mensch kennen lernen, wenn die siebente Rasse ihren Lauf vollendet hat. Die Erstlingsfrüchte unserer Menschheit, die dies jetzt schon erkannt haben und wissen, werden sich dann von zahllosen Myriaden umringt sehen, die dann auch alle erkennen und wissen werden. –

Dann wird das Leben des Logos auf unermessliche Zeiten das ihre sein, dann wird der vollkommene Widerschein des Logos in jenen sein, die zu einem »Bilde Gottes« und »ihm gleich« geworden sind, bis ein neues Weltall geboren wird, ein neuer Kosmos in Tätigkeit tritt. Diese werden nun selbst zum Logos, werden ein neues Weltall bauen und eine neue Menschheit heranziehen. Das ist die Zukunft, die unserer harrt, die Herrlichkeit, die uns bevorsteht.

– The End –

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