Geisteswissenschaft als persönliche Erfahrung V – schauervolle Einsamkeit und erlösende Liebe

Botticelli, La nascita di Venere

Botticelli, La nascita di Venere

Die fünfte Meditation des Buches »Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen« versucht, eine »Vorstellung« des »astralischen« Leibes zu vermitteln. Ähnlich, wie der Ätherleib im physischen das Leben erweckt, ruft dieser astralische Leib im ätherischen das »höhere Leben« der geistigen Schau hervor. Daher wird er von Steiner auch als »Erwecker« des Ätherleibes bezeichnet. Der Begriff dieses astralischen Leibes wird somit aus den Wirkungen entwickelt, die er im Ätherleib hervorruft.

Wie bereits erwähnt, besteht zwischen dem Ätherleib und der »übersinnlichen Außenwelt«, die er erlebt, eine Beziehung der Kosubstantialität. Die Spiegelungen der astralischen und der geistigen Welt, die im Weltenäther wahrgenommen werden, sowie die ätherischen Wesenheiten selbst (z.B. die Elementarwesen) bestehen aus der selben Substanz wie das Organ, das sie wahrnimmt. Auch die Widerspiegelung der Seele im Ätherleib ist aus ätherischer Substanz gewoben.

Diese Kosubstantialität besteht nicht zwischen den Sinneswahrnehmungen und den Erlebnissen der Seele, die an sie anschließen. Nichts Sinnliches geht während des Wahrnehmens (substantiell) in die Seele ein, vielmehr rufen die Wahrnehmungen in ihr Erlebnisse hervor, die sie auf die Wahrnehmungsinhalte projiziert. Daher spiegelt sich der Inhalt der Seele während des Wahrnehmungsvorgangs an den Inhalten der Wahrnehmung und was sie sieht oder hört, ist sie selbst. Weil sie sich in ihren eigenen Abbildern wiedererkennt, vermag sie sich in jener Welt zurecht zu finden, in der sie exiliert ist (»am farbigen Abglanz haben wir das Leben«). Dies ist deswegen möglich, weil die sinnlichen Gegenstände ihrerseits Abbilder der Weltseele sind. Das Beheimatungsgefühl des Menschen in der sinnlichen Welt wird also unbewusst über die Verwandtschaft seiner Seele mit der Weltseele vermittelt, deren Urbilder die menschliche Seele in sich trägt. Die Verbindung mit dem irdischen Lebensschauplatz wird, wie es in der bekannten Redewendung von der Ehe heißt, im Himmel gestiftet. Von diesem Sachverhalt war, wie bereits erwähnt, schon in den »Grundlinien einer Erkenntnistheorie …« die Rede: »Wenn der eine, der ein reiches Seelenleben hat, tausend Dinge sieht, die für den geistig Armen eine Null sind, so beweist das sonnenklar, dass der Inhalt der Wirklichkeit nur das Spiegelbild des Inhaltes unseres Geistes ist und dass wir von außen nur die leere Form empfangen. Freilich müssen wir die Kraft in uns haben, uns als die Erzeuger dieses Inhaltes zu erkennen, sonst sehen wir ewig nur das Spiegelbild, nie unseren Geist, der sich spiegelt. Auch der sich in einem faktischen Spiegel sieht, muss sich ja selbst als Persönlichkeit erkennen, um sich im Bilde wieder zu erkennen«.

Obwohl der menschliche Ätherleib im Unterschied zur Seele aus ein und derselben Substanz besteht wie seine Umgebung, stellt er doch ein relativ in sich abgeschlossenes Gebilde innerhalb der ätherischen Welt dar, und ist nicht mit ihr identisch (deshalb wurde er weiter oben als »Meeresarm« bezeichnet, der von der Kontinentalmasse des physischen Leibes geformt wird; darauf, dass Steiner den menschlichen Ätherleib als vorübergehende »Ausstülpung« aus dem Ätherreich der Erzengel bezeichnet, wurde ebenfalls hingewiesen).

Die imaginative Wahrnehmung ist, wie wir aus früheren Darstellungen Steiners wissen, nicht selbsterklärend. Sie bedarf eines Dolmetschers, »der die Gebärden der Erfahrung deutet«, wie es in den »Grundlinien …« vom Denken heißt. Die einzelnen Gebilde der ätherischen Welt sind nicht durch sich selbst verständlich. Der Schauende besitzt diesen Gebilden gegenüber zwar eine gewisse Autonomie, er vermag sie beispielweise durch »Rückbesinnung« auf das Alltagsbewusstsein aus seinem »Gesichtsfeld« zu schaffen, diese Autonomie geht aber nicht so weit, dass er sich ohne weiteres von einem Gebilde zu einem anderen bewegen könnte, um sie miteinander zu vergleichen. Dies wäre aber notwendig, um die Bedeutung des Geschauten zu verstehen. Hier tritt die Eigentümlichkeit der imaginativen Wahrnehmung erneut zutage, die darin besteht, dass sie der Ergänzung durch eine andere Erfahrungsform bedarf, – eine Erfahrungsform, die einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Gebilden herstellt und in ihnen zu lesen vermag. Steiner vergleicht dieses Lesen in den symbolischen Wahrnehmungen der ätherischen Welt mit der Fähigkeit, sich frei zwischen den unterschiedlichen Gebilden hin und her zu bewegen.

Der Grund, der diese freie Beweglichkeit verhindert, liegt aber nicht im Geschauten, denn in der ätherischen Welt steht alles in ununterbrochenem Zusammenhang. Er kann also nur im Wahrnehmenden liegen. Dieser vermag nur zu schauen, wofür er Organe der Schau im Ätherleib entwickelt hat, alles andere liegt für ihn weiterhin im Dunkeln. Damit es für ihn sichtbar wird, muss er die entsprechenden Organe ausbilden, die diese anderen Inhalte wahrzunehmen vermögen. Diese Organe für bestimmte Teile der ätherischen Welt müssen erst aus einer Art Schlafzustand »erwachen«, der Ätherleib muss für jede Einzelheit, die er wahrnehmen soll, »erweckt« werden. Durch diese fortschreitende Erweckung lebt sich der Wanderer zwischen den Welten »immer mehr in die elementarische Welt hinein«, je mehr er »vom eigenen elementarischen Wesen erweckt«. (Wie wir wissen, bestehen solche »Organe« in Wahrheit aus seelisch-geistigen Tätigkeiten. Man könnte daher auch sagen, der Pilger auf dem Erkenntnispfad müsse sich neue Tätigkeitsfähigkeiten aneignen. In »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?« ist von einzelnen ätherischen Wahrnehmungsorganen, den sog. Chakren, die Rede, die bestimmte Gebiete bzw. Inhalte der ätherischen Welt zugänglich machen. Die »sechzehnblättrige Lotusblume« vermittelt Wahrnehmungen der »Gedanken« anderer Menschen und tiefere Einblicke in die Naturgesetze, die »zwölfblättrige« Wahrnehmungen der »Gesinnungsart« in Form von Seelenwärme und Seelenkälte, während die sechsblättrige zum »Verkehr mit geistigen Wesen« führt, die den höheren Welten angehören, sofern sich diese »in astraler Form« in der Seelenwelt zeigen).

Die einzelnen Organe des Ätherleibes können jedoch nicht durch diesen selbst erweckt werden. Ebensowenig werden sie durch die geschauten Inhalte, die Erkenntnisobjekte, aus ihrem Schlafzustand gerufen. Die freie Beweglichkeit in der elementarischen Welt ist nicht durch Vorgänge in dieser Welt erreichbar. Der spirituelle Forscher muss vielmehr im gewöhnlichen Bewusstsein weitere »Übungen zur Seelenverstärkung« durchführen, die sich auf sein Erleben im übersinnlichen Bewusstsein auswirken. Durch diese Übungen greift ein höheres Prinzip gestaltend in den Ätherleib ein. Damit wird die Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt, das »nicht der elementarischen Welt angehört«, »das man aber im Erleben dieser Welt in sich selbst entdeckt«. Dieses höhere Prinzip erlebt sich als besonderes Wesen, das den elementarischen Leib lenkt und beherrscht und in ihm das Bewusstsein des Übersinnlichen hervorruft.

Nun ist die Wahrnehmung dieses höheren Prinzips, der Seele als »Erweckerin des Ätherleibes«, jedoch mit einem erschütternden Erlebnis verbunden: den spirituellen Wanderer befällt ein »ungeheures Einsamkeitsgefühl«. Da die Seele (der Astralleib) gleichsam aus dem Meer der Ätherwelt wie eine Aphrodite auftaucht, die vom Himmel gezeugt wurde, mit dem Gewimmel der vegetativen Bildekräfte jedoch nicht verwandt ist, erlebt sie in den grenzenlosen Gefilden der Elementarwelt nichts, mit dem sie sich verbunden fühlen könnte. Ein Gefühl der »schauervollen Einsamkeit« überkommt sie, sie erscheint sich wie ein Wesen, das in die elementarische Welt »verbannt« ist.

Botticellis aus dem Geiste des Neuplatonismus entstandene »Geburt der Venus« stellt präzise diesen Zustand dar: die Geburt der anima candida, der geläuterten Seele, an deren rechter Seite die Herrin der Wälder, die Herrscherin der ätherischen Welt wartet, um sie mit dem Ätherleib zu umhüllen, der sie auf das Festland der irdischen Welt zieht, während an ihrer linken Seite der Herrscher der Sternenwelt, der Herr der Inspiration, der göttliche nūs schwebt, der nicht etwa seine Gattin im Arm trägt, sondern Aphrodite, die Seele, die aus der geistigen Welt auf den Flügeln der Inspiration herabschwebt. Liest man dieses Bild von rechts nach links, dann stellt es den von Steiner beschriebenen Aufstieg der esoterischen Entwicklung dar, von links nach rechts, den Abstieg zur Inkarnation. Botticellis Bild ist in den Glanz der platonischen Schönheitsidee getaucht, aber auf dem Antlitz der Aphrodite, die der nūs in seinem Arm trägt, spiegelt sich etwas vom Gefühl der Verlorenheit, das sie angesichts jener »grenzenlosen Gefilde« empfindet, in die sie eintauchen muss.

Diese Vorgänge beschreibt Steiner auch in der bereits zitierten Münchner Vortragsreihe »Von der Initiation« 1912: »Ich habe Ihnen geschildert, was man erlebt, wenn man in den elementarischen oder ätherischen Leib hineinkommt: man erweitert sich, man fließt aus. Das ist das konkrete Gefühl. Aber das ist auch das hauptsächlichste allgemeine Gefühl, das man hat: dass man aus dem physischen Leib herausdringt, immer weiter und weiter wird und sich hinausergießt in die Weiten der Welt. Das Sich-Hineinleben in den astralischen Leib und bewusst in dem leben, was Stück für Stück den elementarischen Leib erweckt, das ist noch mit etwas anderem verknüpft: mit einem Springen aus sich heraus, und einem Ergreifen von Etwas, was schon draußen war; nicht einem Erweitern dessen, was schon ist. Wenn man im elementarischen Leibe ist, weiß man: Der physische Leib gehört noch dazu. Wenn man sich aber in den astralischen Leib hineinlebt, so weiß man: Du bist, wie wenn du erst in dir gelebt hättest, aus dir heraus und in etwas anderes hineingedrungen, und jetzt ist dein physischer Leib – und vielleicht auch der elementarische – etwas außer dir; du bist etwas, worin du früher nicht gesteckt hast, und jetzt ist dein physischer Leib etwas, was dein Objekt geworden ist, was nicht mehr dein Subjekt ist; du schaust ihn von außen an.

Dieses sich Überspringen, sein eigener Anschauer sein und sich Erfassen, ist der Übergang zu dem Sein im astralischen Leibe. Wenn man da hinüberkommt, wenn man diesen Sprung getan hat und weiß: dies bist du nun, das schaust du an wie früher eine Pflanze oder einen Stein –, dann hat man zunächst ein Gefühl, von dem man sagen kann, es wird wohl keinem zu Initiierenden auf den ersten Stufen erspart bleiben; es ist die Empfindung: Nun bist du in der übersinnlichen Welt, da breitet sie sich aus, ins Unendliche hin. Man kann nicht einmal sagen ›nach allen Seiten‹, denn sie hat viel mehr Seiten und auch ganz andere Dimensionen als die gewöhnliche Welt. Aber man ist allein drinnen. Man ist mit seinem Leben im astralischen Leibe drinnen – und überall die Welt, unendliche Ausbreitung, nirgends ein Wesen, man selbst allein! Und es überkommt einen, was man nennen kann: das seelisch höchst gesteigerte Einsamkeitsgefühl.

Es kommt darauf an, dass man solche Gefühle erträgt, dass man sie durchmachen kann, denn in dem Überwinden dieser Gefühle ergeben sich die Kräfte, die einen weiterführen, die zu Seherkräften werden. Und höchst real wird das, was ich in dem Drama ›Der Hüter der Schwelle‹ in wenige Zeilen hineinzubringen versuchte, wo Maria den Johannes in die unendlichen Eisgefilde führt, wo die Menschenseele einsam, ganz einsam ist. Und ist man in dieser Einsamkeit drinnen, dann muss man warten, geduldig warten. Dass man warten kann, dass man sich soviel moralische Kraft angeeignet hat, um zu warten, davon hängt viel ab« (GA 138, München, 28.08.1912).

Über diese Einsamkeit führt den Wanderer, der nunmehr zum Nachtmeerfahrer geworden ist, der allmähliche Aufgang einer neuen Welt hinaus, die nicht aus der Ätherwelt aufleuchtet, sondern aus ihm selbst. Diese neue Welt ist weder mit der ätherischen, noch mit der Sinneswelt verwandt. Eine »zweite übersinnliche Welt« (das »Geisterland« der »Theosophie«, siehe GA 138, 28.8.1912) tritt zur ersten, zur elementarischen, hinzu. Und diese ist im Gegensatz zur elementarischen ganz und gar »Innenwelt«. Die Seele trägt diese Welt in sich und ist mit ihr allein. Es ist ihre ureigene Heimat, die geistige Welt des inneren Sternenhimmels, die mit ihren Lichtern in ihr aufleuchtet. Wie die Erinnerung an Verstorbene, die allein im Inneren der Seele lebt, gehen die Lichter der Astralwelt in der schwarzen Nacht der Seele auf.

Die Inhalte dieser Welt, von deren Realität der Nachtmeerfahrer zunächst ausgeschlossen ist, entwickeln eine Eigendynamik, sie treten zwar in der Seele ähnlich wie Erinnerungen aus ihren Tiefen auf, streben jedoch über sie hinaus. Die Seele erlebt dieses Fortstreben ihrer Inhalte so, als würden sie ihre »Hüllen« »durchreißen« und ihr »entfliehen«, ja, als würde sie selbst von ihnen »zerrissen«. Infolge dieser Erfahrung fühlt die Seele sich mehr und mehr »verarmt«. Nur jene Inhalte, die sie um ihrer selbst willen zu lieben vermag, die sie liebt, nicht weil sie in ihr sind, sondern weil sie sind, was sie sind, entfliehen ihr nicht. Zwar streben auch sie aus der Seele fort, aber sie nehmen sie gleichzeitig mit. Sie führen sie dorthin, »wo sie in Wirklichkeit leben«. Dadurch findet »eine Art Vereinigung« mit wirklichen Wesen statt, während die Seele zuvor nur so etwas wie »Nachbilder« dieser Wesen in sich erlebte. (Eine dichterische Illustration, die das »Entfliehen« und »Verarmen« thematisiert, enthält die Euphorion-Episode in Faust II. Die letzten Worte, die wir vom gestürzten Euphorion aus der Tiefe vernehmen lauten: »Lass mich im düstern Reich, Mutter, mich nicht allein!« – Eine komplexe Darstellung dieses Prozesses der inneren Auflösung, der mit dem Übergang zur Inspiration einhergeht, findet sich auch in Steiners vier Vorträgen »Okkultes Lesen und okkultes Hören« aus dem Jahr 1914, GA 156).

Es ist angesichts dieser Vorgänge nicht unzutreffend, von der Liebe als Erkenntniskraft zu sprechen. Diese Liebe wird zwar in der übersinnlichen Welt erlebt, man kann sich aber bereits in der Sinneswelt auf ihre Entfaltung und Umwandlung zur Erkenntniskraft vorbereiten. Je stärker die Liebe in der Sinneswelt ist, um so stärker kann sie sich in der geistigen Welt auswirken. So trägt die Liebe, die man beispielsweise der Pflanzenwelt entgegenbringt, in der geistigen Welt zu jenen übersinnlichen Wesen hin, die mit den Pflanzen in Verbindung stehen.

Aber auch andere Eigenschaften der Seele, wie Achtung oder Ehrfucht, können die Vereinigung mit Wesen der übersinnlichen Welt herbeiführen, wenn sie zuerst den (ätherischen) Nachbildern dieser Wesen gegenüber entwickelt werden. Durch ihre inneren Erlebnisse eröffnet sich die Seele den Zugang zu den Wesen, die jener zweiten geistigen Welt angehören, deren Licht am Horizont der ersten aufgeht. Als erstes tauchen die »Nachbilder« der betreffenden Wesen in ihrem Blickfeld auf, diese rufen in ihr bestimmte Gefühle hervor, diese Gefühle machen den Zugang zu jenen Wesen frei und ermöglichen die Orientierung in der übersinnlichen Welt. »In der Sinnenwelt liebt man ein Wesen, nachdem man es kennengelernt hat; in der zweiten übersinnlichen Welt kann man vor der Begegnung mit der Wirklichkeit das Abbild lieben, weil dieses Abbild vor jener Begegnung sich einstellt«.

Wie ein fernes Echo klingt hier ein Ratschlag an, den der junge Rudolf Steiner einem Freund erteilte, der an Liebeskummer litt, in jenem Brief – dem ersten, der überhaupt erhalten ist –, in dem er auch davon berichtet, er habe jenes »geheime, wunderbare Vermögen«, von dem Schelling spreche, »uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes, von allem, was von außen hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen«, »ganz klar« in sich entdeckt – ein Ratschlag, der aus der Perspektive dieses Vermögens betrachtet werden muss:

»Kehre vor allem in Dein Innerstes ein [man erinnere sich an Marc Aurel und Augustinus] und betrachte es als Deine Pflicht, zu erforschen, ob Dein Liebesverhältnis ganz frei war von Selbstsucht – ganz bis aufs Äußerste frei –, denn was Du da vom Verzichten als einem ›unedlen Handeln‹ sagst, das gestehe ich offen, dass ich’s nicht verstehe; noch weniger, warum es besser gewesen, Du hättest nicht verzichtet. – War es ganz frei davon, dann, guter Freund, brauchst Du weiter nichts, Du hast genug, hast Cyane in Dein Herz aufgenommen; da lebt sie drinnen fort, ihr Bild genügt Dir und das kannst Du mit dem Freunde sogar teilen; das ist echte Liebe, wo man mit dem Bilde zufrieden ist und das Fleisch nicht braucht …« (GA 38, 13.01.1881, kurs. L.R.).

Im Hinblick auf dieses Bild heißt es in der »Philosophie der Freiheit«, dass die Liebe »durch den Kopf« gehe, dass sie »sehend« mache – denn das Schöne, um es mit den Worten mancher Sufimystiker auszudrücken, ist eine Theophanie, – wenn das Antlitz des Menschen zur Offenbarung der unendlichen Güte des unendlich Liebenswerten wird, dann erscheint Gott in ihm, dann lieben wir in ihm und durch es »das Ewige in uns«. Das Abbild des Ewigen im Anderen ist das Abbild des Ewigen in uns, das imaginative Bild des Engels, das durchscheinend wird für das Wesen, das sich in ihm offenbart, indem es sich zugleich in seinem Bild verbirgt. Das Vergängliche, das zum Gleichnis des Unvergänglichen wird, ist das zur Imagination erhobene sinnliche Bild dieses Ewigen, das im Vergänglichen für den sehend gewordenen Blick aufscheint, und ihn durch das Urbild seines eigenen Wesens erleuchtet.

Die von Selbstsucht »bis aufs Äußerste« freie Hingabe erhoben bereits die »Grundlinien einer Erkenntnistheorie …« 1886 zum Erkenntnisprinzip der »Geisteswissenschaften«: hier führte der Weg von der Selbsthingabe des Geistes in der »Psychologie« über die Hingabe an den geistigen Inhalt sozialer Gemeinschaften (»Volksindividualitäten«) in den »Staatswissenschaften« (»Völkerpsychologie«, Gesellschaftswissenschaft) zur Hingabe der Geschichtswissenschaft an den geistigen Inhalt der Menschheit, insofern er sich in einzelnen epochalen Menschen auslebt. Die »Psychologie« musste den tätigen Geist selbst durch seine einzelnen Äußerungen hindurch erfassen (Engel – Imagination), die »Völkerpsychologie« oder »Staatswissenschaft« sollte sich der »Vernunftorganisation«, dem »unsterblichen Individuum« der sozialen Gemeinschaft zuwenden, mit dem der einzelne Geist durch seine Sozialisierung (sein »Karma«) in Verbindung steht (Erzengel – Inspiration), die Geschichte schließlich sollte sich dem Ideengehalt der geschichtlichen Persönlichkeiten hingeben, um den geistigen Inhalt ebendieser Geschichte zu erfassen (Zeitgeister – Intuition):

»Wenn der Geist eine Eigenschaft nur insofern besitzt, als er sich sie selbst beilegt, so ist die psychologische Methode das Vertiefen des Geistes in seine eigene Tätigkeit. Selbsterfassung ist also hier die Methode … Will man zum Geiste gelangen, muss man von den Äußerungen, durch die er sich kundgibt, von den speziellen Taten, die er vollbringt, absehen und ihn an und für sich betrachten. Man muss ihn belauschen, wie er überhaupt handelt, nicht wie er in dieser oder jener Lage gehandelt hat. Im Typus muss man die allgemeine Form durch Vergleichung von den einzelnen loslösen; in der Psychologie muss man die Einzelform bloß von ihrer Umgebung loslösen. … Die Volksindividualität als vernünftige zu begreifen, ist die Methode der Volkskunde. Der Mensch gehört einem Ganzen an, dessen Natur die Vernunftorganisation ist …« Die vernünftige Welt ist aber laut Goethe ein »unsterbliches Individuum«. Wie die Psychologie das Wesen des Einzelindividuums, hat daher »die Volkskunde (Völkerpsychologie) jenes ›unsterbliche Individuum‹ zu erforschen. … Die Geschichte ist wesentlich eine Idealwissenschaft. Ihre Wirklichkeit sind schon Ideen. Daher ist die Hingabe an das Objekt die einzig richtige Methode. Jedes Hinausgehen über dasselbe ist unhistorisch« (kurs. L.R.).

1881 ist es das Abbild des Ewigen, das im Vergänglichen aufleuchtet, mit dem sich die »wahre Liebe« begnügt, 1886 führt die Hingabe an das Bild des Ewigen im Menschen und der Menschheit zur Erkenntnis des individuellen und überindividuellen Geistes, 1912 ruft dieses Abbild die Liebe hervor und zieht die schauende Seele zur Vereinigung mit dem Wesen, das es liebt. Die Liebe aber ist der Sinn der Erde, ein allumspannendes »Netz der Liebe« zu weben, die eigentliche »Erdenmission« (GA 121, 11.06.1910).

Steiners Schilderungen aus dem Jahr 1912 machen – vor diesem biographischen Hintergrund betrachtet – deutlich, dass sie die Frucht eines langen Übungsweges sind, den er selbst zurückgelegt hat, der bis weit in sein zweites Lebensjahrzehnt zurückreicht.

Die Liebe als Erkenntniskraft kann man auch als »Güte« bezeichnen: das geistige Wesen des Astralleibs ist die Güte. Ohne diese Güte, die Fähigkeit, liebend, mitfühlend, empathisch in andere Menschen einzutauchen, wäre das Zusammenleben auf der Erde gar nicht möglich, die Menschheit würde in Streit und Krieg zerfallen. Das Leben im Guten führt nicht nur zur Anerkennung der Realität des Astralleibes, sondern wird im übersinnlichen Erleben auch zur Erkenntniskraft, die das Erkennende mit dem Erkannten verschmelzen lässt. Es ist dieselbe Kraft, die nach dem Tode die Vereinigung des Menschen mit der geistigen »Bevölkerung« des Kosmos herbeiführt.

So wie dem Astralleib die Güte – das Gute – eingeboren ist (»Läge nicht in der menschlichen Wesenheit der Urgrund zur Verträglichkeit, man würde sie ihr durch keine äußeren Gesetze einimpfen«, heißt es 1893 in der »Philosophie der Freiheit«), so liegt dem Ätherleib, dem mikrokosmischen Abbild des Makrokosmos, das präexistentiell geschaute Urbild der Schönheit und dem »Seinsgefühl« des Menschen im physischen Leib der »Prototyp«, die »Geistgestalt« der Wahrheit zugrunde.

Von diesem platonischen Ternar spricht Steiner in einem Vortrag am 19. Januar 1920 in Dornach: »Indem der Mensch wahr sein soll, heißt das ja in einem höheren geistigen Sinne: er soll nicht vergessen, dass er in einem vorirdischen Dasein in der Geistigkeit gelebt hat. Indem der Mensch für die Schönheit erglühen soll, heißt das: es soll der Mensch sich in seinem seelischen Erleben wenigstens im Bilde eine Wiederanknüpfung an das Geistige des vorirdischen Daseins schaffen. Doch wie gelangt der Mensch zur Ausbildung einer realen Kraft, die ihn hineinführt unmittelbar in jene Welt, aus der er … herausgekommen ist, indem er vom vorirdischen Dasein hereingestiegen ist in das irdische Dasein?

Er kommt zu dieser Kraft, wenn er sich erfüllt mit Güte, mit jener Güte, die auf den andern Menschen zunächst eingeht, mit jener Güte, die nicht dabei stehenbleibt, bloß von sich zu wissen, bloß für sich Interesse zu haben, bloß dasjenige zu fühlen, was innerhalb der eigenen Wesenheit ist, mit jener Güte, die das eigene Seelische hinübertragen kann in die Eigentümlichkeit des andern, in das Wesen des andern, in das Erleben des andern. Diese Güte bedeutet eine Summe von Kräften im menschlichen Seelischen. Und diese Kräfte sind von der Art, dass sie wirklich den Menschen durchdringen mit etwas, mit dem er im Vollmenschlichen eben nur durchdrungen war im vorirdischen Dasein.

Knüpft der Mensch durch die Schönheit im Bilde an die Geistigkeit an, aus der er herausgegangen ist durch sein irdisches Dasein, so fügt sich der Mensch mit seinem irdischen Dasein zu seinem vorirdischen Dasein hinzu, indem er ein guter Mensch ist. Und ein guter Mensch ist eben derjenige, der hinübertragen kann das eigene Seelische in das Seelische des andern. Und von diesem Hinübertragen des eigenen Seelischen in das Seelische des andern hängt im Grunde genommen alle Moralität, alle wahre Moralität ab. Die Moralität ist dasjenige, ohne das eine wirkliche gesellschaftliche Konfiguration der irdischen Menschheit nicht aufrechterhalten werden kann.

Aber wenn auf der einen Seite diese Moralität sich auslebt zu den bedeutsamsten Willensimpulsen, die dann in den hohen moralischen Handlungen zur Realität kommen, so beginnt dennoch dieses Moralische im Menschen als ein das Seelische durchziehender und ergreifender Impuls damit, dass der Mensch berührt werden kann, wenn er die Sorgenfalte auf dem Gesicht des andern mitempfindet, und wenn wenigstens sein astralischer Leib beim Anblicke der Sorgenfalte des andern selbst diese Sorgenfalte bekommt.

Denn geradeso wie sich das Gefühl des Wahren und Wahrhaftigen in dem richtigen Drinnenstecken im physischen Leibe manifestiert, wie sich das Erglühen und Erleben für das Schöne im ätherischen Leibe offenbart, so lebt das Gute durchaus im astralischen Leib des Menschen. Und der astralische Leib kann nicht gesund sein, kann nicht richtig in der Welt drinnenstehen, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, ihn mit demjenigen zu durchdringen, was von der Güte herrührt.

Wahrheit hat Verwandtschaft zum physischen Leibe, Schönheit hat Verwandtschaft zum ätherischen Leibe, Güte hat Verwandtschaft zum astralischen Leibe. Damit kommen wir auf etwas Konkretes gegenüber den drei Abstraktionen Wahrheit, Schönheit, Güte, und wir können auf das wirkliche Wesen des Menschen dasjenige beziehen, was instinktiv mit diesen drei Idealen gemeint ist.

So handelt es sich darum, dass eigentlich diese drei Ideale zum Ausdruck bringen wollen, inwiefern der Mensch das Vollmenschliche in sich zu verwirklichen in der Lage ist.

Er ist dazu in der Lage, wenn er in dem Sinne von Wahrheit und Wahrhaftigkeit auf menschliche Weise, und nicht bloß auf konventionelle oder natürliche Weise in seinem physischen Leibe darinnen steckt.

Das Vollmenschliche bringt der Mensch aber auch nur dadurch zu einem ihm würdigen Dasein, wenn er durch das Gefühl für Schönheit immer mehr und mehr seinen ätherischen Leib für ihn zu etwas Lebendigem gestalten kann. … Ja, meine lieben Freunde, man kann das Schöne anstarren, oder man kann es erleben. Heute ist das schon einmal so, dass die meisten Menschen das Schöne nur anstarren. Dann braucht sich nichts im ätherischen Leibe zu regen. Aber das Anstarren des Schönen ist kein Erleben. In dem Momente aber, wo die Schönheit erlebt wird, regt sich eben auch der ätherische Leib.

Man kann das Gute tun, erstens, weil es Gewohnheit ist für den Menschen, das Gute zu tun; dann, weil man vielleicht gestraft wird, wenn man ein sehr arg Böses tut; dann, weil einen die andern Leute weniger respektieren, wenn man das Schlechte tut und so weiter. Man kann aber auch das Gute tun aus wahrer Liebe zum Guten in jenem Sinn, wie ich es in meiner ›Philosophie der Freiheit‹ vor Jahrzehnten geschildert habe. Ein solches Erleben des im Menschen steckenden Guten führt immer zur Anerkennung des menschlichen astralischen Leibes. Und eigentlich weiß man erst in Wirklichkeit, was es mit dem Guten für eine Bewandtnis hat, wenn man etwas erfühlt von dem astralischen Leibe im Menschen. Sonst bleibt es immer nur bei einer abstrakten Erkenntnis oder bei einem abstrakten Reden von dem Guten, wenn der Enthusiasmus für das Gute, für das echte, wahre Gute, für das in Liebe erfasste Gute, nicht zum Erleben des astralischen Leibes führt.

Damit aber ist das Erleben des Guten etwas, was nicht nur wie beim Schönen gewissermaßen eine Anknüpfung an das vorirdische Dasein darstellt im Bilde, was dann aufhört, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, sondern es ist ein reales Sich-Verbinden mit der Welt, von der ich sagte, sie ist immer da, wir brauchen nur unseren Arm auszustrecken [gemeint ist die reale Geistwelt]. Aber der Mensch ist davon getrennt im wirklichen Dasein. Das Erleben des Guten ist eine wirkliche reale Verbindung, die direkt in die Welt hineinweist, die der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. In dem, was der Mensch hier auf Erden übt, wenn er in dem wahren Guten lebt, sind Kräfte, die bleibend sind über die Pforte des Todes hinaus.

Im Grunde steckt in uns – wenn er steckt – der Sinn für Wahrheit und Wahrhaftigkeit als ein Erbstück aus unserem vorirdischen Dasein. Im Grunde steckt in uns – wenn er steckt – der Sinn für Schönheit dadurch, dass wir im irdischen Dasein wenigstens ein Bild des vorirdischen Zusammenhanges mit der Geistigkeit haben wollen. Und in Wahrheit steckt in uns die Notwendigkeit, uns nicht abzuschnüren von der Geistigkeit, sondern noch eine wirkliche Verbindung mit der Geistigkeit zu behalten durch das Gute, das wir als eine Kraft des Menschen in uns entwickeln.

Wahr sein, heißt beim Menschen, recht zusammenhängen mit seiner geistigen Vergangenheit. Für Schönheit einen Sinn haben, heißt beim Menschen, nicht verleugnen in der physischen Welt den Zusammenhang mit der Geistigkeit. Gut sein, heißt beim Menschen, einen Keim bilden für eine geistige Welt in der Zukunft.

Man möchte sagen, die drei Begriffe von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, insofern sie sich hineinstellen in das vollmenschliche Leben, diese Begriffe von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erhalten, wenn sie in ihrer Konkretheit erfasst werden, einen bedeutungsvollen Inhalt durch die andern Begriffe: Wahrheit, Schönheit, Güte.

Der unwahre Mensch verleugnet seine geistige Vergangenheit, der Lügner schneidet zwischen sich und seiner geistigen Vergangenheit die Fäden ab. Der das Schöne missachtende Banause will sich auf Erden eine Stätte gründen, in der ihn die Sonne des Geistes nicht bescheint, wo er gewissermaßen im geistlosen Schatten herumspazieren kann. Der Mensch, der das Gute verleugnet, verzichtet eigentlich auf seine geistige Zukunft, und er möchte dann, dass ihm diese geistige Zukunft auf irgendeine andere Weise, durch irgendwelche äußerlichen Heilmittel, dennoch geschenkt werde« (GA 220).

Der substanzielle Gehalt dieser Liebe aber, die sich im Tun des Guten verwirklicht, dieses Guten, dessen Offenbarung die Liebe des Menschen zur Schöpfung, zu seinen Mitmenschen und zu Gott ist, ist durch die Menschwerdung Gottes in die Welt eingeflossen. Sie wandelt sich nicht nur zum Erkenntnisorgan, sondern ist jenes »Rettende« des Dichters, das stets »nah ist«, und nur von uns ergriffen werden muss. Sie verbürgt sogar die Unsterblichkeit des Menschen, denn, wie es in einem Norköppinger Vortrag im Juli 1914 heißt: »Liebe ist nichts, was wir uns aneignen durch den Willen. Liebe ist nichts, was wir uns aneignen durch Weisheit. Liebe sitzt in der Region der Gefühle. Aber wir wissen und müssen es uns gestehen, dass die menschliche Seele, wie sie sein sollte, nicht sein könnte, wenn diese menschliche Seele nicht erfüllt sein könnte von Liebe. Ja, man kommt darauf, wenn man in das Wesen der Seele eindringt, dass unsere Menschenseele nicht mehr Menschenseele sein würde, wenn sie nicht lieben könnte. …

Nun aber denken wir uns einmal, wir gingen durch die Pforte des Todes so, dass wir verlören unsere Menschenindividualität, dass wir uns vereinigen würden mit einer Allgöttlichkeit. Dann wären wir in dieser Göttlichkeit darinnen, wir gehörten dazu. Wir könnten den Gott nicht mehr lieben, wir wären in ihm selbst. Liebe hätte keinen Sinn, wenn wir in dem Gotte wären.

Zugeben müssen wir, wenn wir unsere Individualität nicht durch den Tod tragen könnten, dass wir im Tode die Liebe verlieren müssten, dass die Liebe in dem Augenblick aufhören müsste, wo die Individualität aufhört. Lieben kann nur ein Wesen das andere, das von dem andern getrennt ist [kurs. L.R.]. Wollen wir unsere Gottesliebe durch den Tod tragen, dann müssen wir durch den Tod unsere Individualität tragen, dann müssen wir durch den Tod tragen dasjenige, was in uns die Liebe entzündet. Sollte dem Menschen der Sinn der Erde [kurs. L.R.] gebracht werden, dann musste ihm Aufschluss gebracht werden über seine Unsterblichkeit so, dass sein Wesen als unzertrennlich mit der Liebe gedacht werde. Nicht Wille und nicht Weisheit können dem Menschen geben, was er braucht; geben kann dem Menschen das, was er braucht, allein die Liebe. …

In dem Christus Jesus stand als Mensch vor den Menschen diejenige Wesenheit, die sonst vor der leibbefreiten Seele in den Mysterien gestanden hatte. Und was ist dadurch geschehen? Der Anfang ist damit gemacht worden, dass die Kräfte, die der Mensch verloren hat in der Erdenentwickelung seit Erdenanbeginn, diese Kräfte, durch die ihm seine Unsterblichkeit verbürgt wird, durch das Mysterium von Golgatha wieder an ihn herankommen. In der Überwindung des Todes auf Golgatha haben die Kräfte den Ursprung genommen, die in der Menschenseele wieder anfachen können die verlorengegangenen Kräfte. Und des Menschen Weg durch die Erdenentwickelung wird weiter so sein, dass, indem der Mensch den Christus immer mehr und mehr aufnehmen wird [kurs. L.R.], er in sich entdecken wird dasjenige, was in ihm über den Tod hinaus lieben kann, das heißt, dass er als unsterbliche Individualität seinem Gott gegenüberstehen kann. Darum ist erst seit dem Mysterium von Golgatha das Wort wahr geworden: ›Liebe Gott über alles und deinen Nächsten als dich selbst.‹ (Lukas 10, 27)

Wille wurde gegeben aus dem brennenden Dornbusch. Wille wurde gegeben durch die Gebote. Weisheit wurde gegeben durch die Mysterien. Die Liebe aber wurde gegeben, indem der Gott Mensch geworden ist in dem Christus Jesus. Und die Bürgschaft, dass wir über den Tod hinaus lieben können, dass eine Liebesgemeinschaft gestiftet werden kann durch die wiedergewonnenen Kräfte unserer Seele zwischen dem Menschen und Gott und allen Menschen untereinander, die Bürgschaft dafür geht von dem Mysterium von Golgatha aus« (12. Juli 1914, GA 155).

Der Ätherleib des Menschen wird durch die Liebe zum Schauen erweckt. Durch sie manifestiert sich an ihm die Wirksamkeit eines Wesens, das sich von ihm unterscheidet. Dieses Wesen ist »der Erwecker« des Ätherleibes. Es handelt sich um ein drittes Wesen, neben dem physischen und dem ätherischen Leib, das laut Steiner als »astralischer Leib« bezeichnet werden kann.

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