1975 | Rudolf Steiners eigentliche Aufgabe

Einzug in Jerusalem

Giotto, Einzug in Jerusalem. Arenakapelle Padua

Die Jahresversammlung der anthroposophischen Gesellschaft 1975 hatte zwei gewichtige Entscheidungen zu treffen, die ihre Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten bestimmen sollten. Sie berief zwei neue Mitglieder in den Vorstand: den 59jährigen Jörgen Smit, der eine anthroposophisch besonders aktive Region, Skandinavien, repräsentierte, und den 49jährigen Manfred Schmidt-Brabant, der die Interessen der größten und innovativsten Landesgesellschaft, der deutschen, in den Weltverband einbrachte. Smit sollte dem Vorstand bis zu seinem Tod 1991 angehören, Schmidt-Brabant – ab 1984 als erster Vorsitzender – ebenfalls bis zu seinem Tod im Jahr 2001.

Die zweite Entscheidung betraf eine bereits im vorangegangenen Jahr angekündigte Statutenänderung, die ein für allemal die Zuständigkeit der Generalversammlung und des Vorstandes gegeneinander abgrenzen sollte. Während die Erweiterung des Vorstandes von den anwesenden Mitgliedern in beiden Fällen nahezu einstimmig gebilligt wurde, stimmten immerhin 95 der anwesenden 1039 Mitglieder gegen ihre eigene Entmachtung. [1]

Die Versammlung, die am Palmsonntag, dem 23. März 1975 stattfand, eröffnete der erste Vorsitzende, Rudolf Grosse. [2] Natürlich wies er auf die bevorstehende fünfzigste Wiederkehr des Todestages Rudolf Steiners am 30. März hin, führte aber, abgesehen vom Appell, die »Geschäfte der Versammlung« so zu behandeln, dass »die anthroposophische Substanz das Ausschlaggebende« sei, nichts weiter dazu aus.

Lange sprach der Vorsitzende hingegen über ein Ereignis, von dem die medienscheue Gesellschaft aus nachvollziehbaren Gründen heimgesucht worden war: drei Fernsehanstalten waren mit der Bitte um Zusammenarbeit bei einer Koproduktion zu Rudolf Steiner und der Anthroposophie an die Gesellschaftsleitung herangetreten. Zu seinem Befremden musste der Vorstand erfahren, dass sich die Produzenten die »Schnittkompetenz« vorbehielten, erklärte sich aber trotz seiner anfänglichen Vorbehalte mit dem Vorhaben einverstanden. »Man konnte sich schwer vorstellen, wie ein lnformationsmedium wie das Fernsehen etwas aussagen könne über Rudolf Steiner, das uns in irgendeiner Weise befriedigen würde«, kommentierte Grosse. Besonderen Wert legte der Vorsitzende in seinem Bericht auf eine spezielle Konversionsgeschichte: der Regisseur der Sendung, der behauptete, vorher nichts von Anthroposophie gewusst zu haben, gab sich beeindruckt, ja »überwältigt« von dem, was er kennengelernt habe, insbesondere von der Heilpädagogik. Grosse schien mit dem Ergebnis sehr zufrieden zu sein: »Was Sie dann am Text sehen oder hören werden …, stammt von einem, der vorher nie etwas von Anthroposophie gewusst hat, der den ›Lebensgang‹ vorgenommen und herausgeschrieben hat, was Rudolf Steiner selber sagt, was er durchgemacht hat, und wie real es diesem Manne war, zu erfahren, wie Steiner die Geistesforschung kraft seiner Persönlichkeit entwickeln konnte und eben zu einem ganz neuen Einschlag in unserem Jahrhundert hingeführt hat. Das wurde ernst, ganz ernst genommen«. Aus diesen Bemerkungen kann man entnehmen, dass die Erstbegegnung eines unvoreingenommenen Medienmannes mit der Anthroposophie und Rudolf Steiner Mitte der 1970er Jahre zu einer echten Bewunderung und Anerkennung führen konnte.

Schließlich kam Grosse auf die Erweiterung des Vorstands zu sprechen. Er betonte – auf eines der Hauptprobleme anspielend, die aus seiner Sicht die Zusammenarbeit mit Herbert Witzenmann aufgeworfen hatte – die Notwendigkeit des Wirkens am Ort (am Goetheanum) und wies auf die Schwierigkeiten hin, die durch die Berufung herausragender Aktivisten an ihrem früheren Wirkensort entstehen mussten. Aber nicht nur das Finden geeigneter Kandidaten erwies sich laut Grosse als schwierig, für die Berufenen selbst stellten sich noch ganz andere Probleme.

Über die Entscheidungsfindung der Kandidaten entwickelte Grosse eine eigenwillige Karmatheorie. Ihr bisheriger Lebensweg mochte vom »Karma« geleitet sein, aber in dem Moment, wo jemand gefragt werde, ob er in den Vorstand der Gesellschaft eintreten wolle, »schweige« das Karma. Es scheint, als habe Grosse den Vorgang der Berufung in den Vorstand zu einem absolut freiheitlichen Akt stilisieren wollen, zu einem Akt, der nicht vom Schicksal bestimmt wurde, sondern sich als eine Art parthenogener Selbstzeugung vollzog. Darauf deuten auch die Sätze: »Wer ›ja‹ sagt, muss wissen, dass er sich selber aus der Kraft seines anthroposophischen Wesens zum Vorstand zu machen habe. Das wird nicht geschenkt, sondern das sind ungeheure innere Prozesse aus Freiheit, Mut und Kraft«.

Möglicherweise stand im Hintergrund dieser Bemerkungen die Ansicht, mit dem Vorstandsamt sei eine Weihe verbunden, die seinen Träger weit über die Niederungen des Alltagslebens erhob, war es doch nach anthroposophischer Tradition ein Alleinstellungsmerkmal des »höchsten Eingeweihten«, dass sein Handeln nicht durch das Karma bestimmt ist, weil er sein gesamtes Karma bereits »abgearbeitet« hat. Der Eingeweihte steht über dem Karma, ja, er kann aus freiem Entschluss das Karma anderer – einzelner Menschen oder Menschengruppen – auf sich nehmen, um diesen aus seiner umfassenden Erkenntnis der Schicksalszusammenhänge heraus in ihrer Entwicklung beizustehen. Vorbild für diese Auffassung könnten Rudolf Steiners Darstellungen über seine Entscheidung gewesen sein, die Schicksalsaufgabe Karl Julius Schröers zu übernehmen und der Erkenntnisart Goethes im Diskurs der zeitgenössischen Wissenschaften Geltung zu verschaffen.

Dieses wichtige Motiv der Steinerdeutung geht auf eine apokryphe Überlieferung, das berühmte »Haager Gespräch« zurück, das Walter Johannes Stein im April 1922 mit Steiner führte. [3] Steiner soll dem jungen Waldorflehrer Folgendes enthüllt haben. Schröer, der Goethes Gesamtwerk für Kürschners Deutsche Nationalliteratur bearbeitete, schreckte davor zurück, dessen naturwissenschaftliche Arbeiten zu kommentieren, obwohl ihn sein Schicksalsweg als Professor an die Wiener technische Hochschule geführt und genau dazu bestimmt hatte. Da fiel sein Blick auf den jungen Steiner, der sowohl den humanistischen als auch den realistischen (naturwissenschaftlichen) Zweig der damaligen Bildung in sich aufgenommen hatte und er trug ihm diese Aufgabe an. Rudolf Steiner erkannte laut Stein, dass es »nicht sein Schicksal«, sondern »Schröers Schicksal« war, die Goethesche naturwissenschaftliche Anschauung neu belebt dem ausklingenden 19. Jahrhundert zu vermitteln«. Da ihm jedoch »das Leid der Menschheit« vor Augen gestanden habe, das aus der Nichterfüllung dieser Aufgabe durch Schröer hervorgehen würde, »erwuchs in der jugendlichen Seele Rudolf Steiners … der Entschluss, ein Opfer zu bringen«, das Opfer nämlich, »Schröers Schicksal als mein eigenes zu leben unter Verzicht auf das Ausleben meines eigenen Schicksalsweges« (der kursiv gesetzte Teil des Zitats ist bei Stein als wörtliche Äußerung Steiners wiedergegeben). Zu diesem seinem »eigenen Schicksalsweg« sei er, so fügt Stein interpretierend hinzu, »erst 1923 durch die Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft zurückgeführt« worden. »Alles, was dazwischen lag«, so Steins Deutung weiter, sei »in hervorragendem Maße hervorgegangen« »aus der Übernahme der Schicksalswege, die für Schröer zu gehen waren«.

Damit ist aber die Geschichte noch nicht zu Ende. Sein eigener Weg, fährt Stein fort, habe Steiner »zur geistigen Anschauung« geführt. »Was als Schicksal von Erdenleben zu Erdenleben hinüberwirkt, das stand vor seiner Seele. Dieses konkret auszuarbeiten, war seine Mission. Aber die Welt verlangte zuerst etwas anderes von ihm, nämlich die Umformung des naturwissenschaftlichen Denkens«. Laut Stein soll dieser Entschluss eine Vorbedingung dafür gewesen sein, dass Steiner die »Philosophie der Freiheit« schreiben konnte: »Indem ich diesen Entschluss damals fasste« so Steiner nach Stein, »erlebte ich das Wesen der Freiheit. Ich konnte meine ›Philosophie der Freiheit‹ schreiben, weil ich erlebt hatte, was Freiheit ist«.

Es ist hier nicht der Ort, auf die weitreichenden Implikationen dieser Erzählung einzugehen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass Stein seinen Aufsatz über das »Haager Gespräch« in einem hochbrisanten Moment der Gesellschaftsgeschichte, 1934 nämlich, in der »Korrespondenz der anthroposophischen Arbeitsgemeinschaften« veröffentlichte [4], ein Jahr vor der denkwürdigen Generalversammlung vom 14.04.1935, bei der u.a. Ita Wegman ausgeschlossen wurde. Wenn Stein in seinem Aufsatz unter Berufung auf Steiner behauptete, dieser habe erst 1923, bei der »Neubegründung der anthroposophischen Gesellschaft«, zu seinem »eigenen Schicksal« zurückgefunden, dann bezog er zweifellos Position im gesellschaftspolitischen Streit. Implizit erklärte er damit alles, was Steiner zwischen 1902 und 1923 im Rahmen der theosophischen und anthroposophischen Gesellschaft getan und geschaffen hatte – mitsamt all jenen Personen, die mit ihm aus dieser Zeit verbunden waren (einschließlich Albert Steffen und Marie Steiner) – für obsolet oder zumindest vernachlässigbar. Steiners »eigentliche« Aufgabe war die »Karmaforschung« und für diese Aufgabe fühlte sich Stein besonders zuständig. Stein war Ita Wegman und ihrer Mission innerhalb der anthroposophischen Bewegung verbunden und diese wiederum hing mit Aristoteles und Alexander dem Großen zusammen. Wir werden diesem Themenkomplex 1976 wieder begegnen, wenn wir uns mit der postumen Publikation des Buches von Margarete Kirchner-Bockholt über die »Menschheitsaufgabe Rudolf Steiners und Ita Wegman« beschäftigen.

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass in Steins Aufsatz das Motiv des »Opfers« auftaucht, das in der weiteren Geschichte der Steinerdeutung eine immer prominentere Rolle spielen sollte.

Kehren wir zu Grosse zurück. Nachdem er das Bild des künftigen Vorstandsmitgliedes als eines Schicksallosen entworfen hatte, der frei von den Mächten des Karma die Verantwortung für das Geschick der Gesellschaft übernahm, schwenkte er auf einen ergänzenden Aspekt über, jenen der »Gemeinschaft« nämlich, der diese Entscheidung zugutekam. Aus dem hohen Anspruch, den Grosse mit dem Amt verband, leitete er nämlich einen zweiten Anspruch ab: den Anspruch auf »Vertrauen«. »Wo Freiheit in diesem Masse auf einem Menschen liegt, wie er sich selbst bestimme und wie er sich dazu entwickeln könne«, so Grosse, »braucht man etwas, was jeder in einer solchen Situation beanspruchen darf von der Gemeinschaft: er muss getragen werden. Und getragen wird man durch eine Kraft in unserer Gesellschaft, die nicht groß genug geschrieben werden kann. Es ist das Vertrauen der Mitglieder. Das ist etwas, was zum inneren, substantiellen Gesinnungsproblem gehört. Und die Frage, die man stellt, wenn kooptiert wird, lautet: Schenkt Ihr Vertrauen dem Menschen, der sich neu bilden will?«

Wenn man sich daran erinnert, wie Kurt Franz David bei der Generalversammlung 1974 versucht hatte, das Bemühen um »Gemeinschaftsbildung« als obsolet zu erweisen, dann mutet das unvermutete Wiederauftauchen des Begriffs der »Gemeinschaft« in einem so wichtigen Kontext wie der Vorstandsbildung sonderbar an. Von seinem unerschütterten Vertrauen »in die geistige Fügung der Schicksalsgemeinschaft des Gründungsvorstandes« hatte bereits Friedrich Hiebel in seinem Gedenken an die »Dornacher Trauertage 1925« (1975 | Die »ätherische Frühlingsfrische« eines Leichnams) gesprochen. Wenn Führungskräfte von Institutionen von ihren Mitgliedern Vertrauen fordern, ist gesundes Misstrauen durchaus angebracht. Von jemandem, der eine Verantwortungsposition übernimmt, darf erwartet werden, dass er dieser Verantwortung gerecht wird und dass er die mit seiner Position verbundenen Aufgaben erfüllt. Der Mitgliedschaft gegenüber ist er rechenschaftspflichtig. Rechenschaft hat nichts mit Vertrauen zu tun, sondern damit, dass die mit einer Verantwortungsposition verbundenen Aufgaben erfüllt werden und die Mitglieder eines Idealvereins haben einen Anspruch darauf, dass die Träger der Verantwortung den Erweis erbringen, dass sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Inbesondere erscheint jedoch die Beschwörung des Vertrauens in den Vorstand angesichts der Tatsache problematisch, dass der Generalversammlung eine Entscheidung bevorstand, die ihre Kompetenzen empfindlich beschneiden sollte.

Bevor die Versammlung zur Erweiterung des Vorstandes schreiten konnte, musste sie aber erst zwei Anträge abweisen, die sich mit diesem Vorgang befassten. Das »Jahr der Frau« hatte Willi Kux, dem wir im Zusammenhang mit der Gründung des Pädagogisch-Sozialen Zentrums Dortmund begegnet sind (1974 | Prophete rechts, Prophete links und Weltkind in der Mitten), dazu veranlasst, den Antrag zu stellen, den Vorstand der Gesellschaft künftig paritätisch zu besetzen. Er konnte sich auf das Vorbild Steiners berufen, der 1923 – seiner Zeit in Sachen Emanzipation weit voraus – den »Gründungsvorstand« tatsächlich paritätisch mit drei Frauen und drei Männern besetzt hatte. Rechnet man die beiden Sektionsleiterinnen Edith Maryon und Maria Röschl hinzu, ergibt sich sogar ein deutliches Übergewicht weiblicher Führungspersonen. Nun schoss Kux allerdings etwas über das Ziel hinaus, wenn er den amtierenden Vorstand dazu zwingen wollte, solange nur Frauen zu berufen, bis das Gremium die Anforderung der Parität erfüllte. [5]

Bereits Grosse beteuerte im Vorblick auf diesen Antrag, es sei keine böse Absicht, wenn keine Frauen berufen würden, sondern Ausdruck eines Mangels geeigneter Personen. Dieser Beteuerung schloss sich Werner Berger vorbehaltlos an, der die Verhandlungsleitung nunmehr übernahm. Aufhorchen lässt jedoch ein Argument, das er für die Ablehnung des Antrags anführte: der Antrag, so behauptete er, würde »das rechtliche Fundament der Gesellschaft verändern. An die Stelle der Freiheit in der Zusammensetzung des Vorstandes« würde »der Zwang der Parität zwischen Männern und Frauen treten«, der in den Statuten zum Ausdruck gebracht werden müsste. Dieses Argument ist deswegen pikant, weil kurz danach über eine Ergänzung des § 8 der Vereinssatzung abgestimmt werden sollte, die der Generalversammlung ausdrücklich das Recht zusprach, die Zusammensetzung des Vorstandes mitzubestimmen. Die Ergänzung erklärte die »Ernennung des Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder« zu einer »Angelegenheit der Rechtsgleichheit« der Mitglieder, und solche Angelegenheiten sollten prinzipiell der Beschlussfassung durch die Generalversammlung unterliegen. Schon hier im Vorfeld erwies sich die Fragwürdigkeit dieser Erweiterung: wenn die Zusammensetzung des Vorstandes eine »Angelegenheit der Rechtsgleichheit« war, warum dann nicht auch die Art dieser Zusammensetzung (hier die paritätische)? Wenn die »Zustimmung zur Ernennung des Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder« mehr sein sollte, als ein pseudodemokratisches Feigenblatt, wenn in ihr die Rechtsgleichheit der Mitglieder, d.h. ihr demokratisches Recht auf Mitbestimmung zum Ausdruck kam, dann musste dieses Recht naturgemäß die »Freiheit« des Vorstandes zur Selbsterweiterung (Kooptation) einschränken. Man konnte also nicht mit dieser Freiheit gegen eine mögliche Änderung des »rechtlichen Fundaments der Gesellschaft« argumentieren! Wie dem auch sei – der Antrag wurde (mit zwei Gegenstimmen, vermutlich jener der Antragsteller) verworfen.

Einen zweiten Antrag, der nicht mehr als ein Kuriosum darstellt, hatten – formal verspätet – »einige Freunde aus Gummersbach« gestellt: zur Erweiterung des Vorstandes solle Herbert Witzenmann angehört werden. Mit dem Hinweis auf die Mitteilung vom 3. März 1974 (siehe: 1974 | Die Opferhandlung Rudolf Steiners), Witzenmann betrachte sich »in Übereinstimmung mit den anderen Vorstandsmitgliedern der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft von der Teilnahme an den Vorstands-Sitzungen und der Mitwirkung an den sich aus diesen ergebenden Maßnahmen beurlaubt«, konnte dieser Antrag abgewiesen werden.

Anmerkungen:

[1] Nachrichtenblatt. 6. April 1975, 52. Jahrgang Nr. 14, S. 53. Traktandum 6: Die Versammlung beschließt nach eingehender Aussprache mit 95 Gegenstimmen die Ergänzung des Art. 8 der Statuten um zwei weitere Absätze, wobei Absatz 1 und 2 die Neufassung (Ergänzung) und Absatz 3 und 4 den bisherigen Wortlaut des Art. 8 wiedergeben. Der vollständige Text des Art. 8 lautet nunmehr: »Der Beschlussfassung durch die Generalversammlung unterliegen alle Angelegenheiten, welche im Bereiche der Rechtsgleichheit der Mitglieder liegen (z.B. Statutenänderungen, Zustimmung zur Ernennung des Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder, Mitgliederbeitrag, Dechargeerteilung). Anliegen, die geistige Ziele und Aufgaben der Gesellschaft betreffen, werden nur in freier Aussprache behandelt. Eine Abstimmung darüber findet nicht statt. Die Generalversammlung wird vom Vorsitzenden der Gesellschaft oder dem von ihm bestimmten Leiter präsidiert. Dem Vorsitzenden, bzw. bei dessen Abwesenheit dem Versammlungsleiter, steht bei Stimmengleichheit der Stichentscheid zu. Die Beschlüsse der Generalversammlung sind in einem Protokoll festgehalten, das im Nachrichtenblatt der Gesellschaft veröffentlicht wird«.

[2] Nachrichtenblatt. 27. April 1975, 52. Jahrgang Nr. 17.

[3] W.J. Stein / Rudolf Steiner, Dokumentation eines wegweisenden Zusammenwirkens, 1985, S. 294 f.  Das Gespräch soll laut Herausgeber zwischen dem 7. und 20. April 1922 anlässlich eines Kurses für Akademiker in Den Haag stattgefunden haben (siehe GA 82), an dem Stein mitwirkte. Letzterer gibt nicht nur die Wortlaute Steiners wieder, sondern deutet sie teilweise auch gewagt.

[4] Im Heft 5 des 3. Jahrgangs der »Korrespondenz«, das im Februar 1934 erschien.

[5] Die betreffende Passage seines Antrags lautete: »Die Generalversammlung möge beschließen, dass bei folgenden Generalversammlungen die Mitgliedschaft nur dann ihre Zustimmung zur Vorstandserweiterung geben wird, wenn vom Vorstande Frauen als Vorstandsmitglieder vorgeschlagen werden. Dies soll gelten, bis die Zusammensetzung des Vorstandes so geändert ist, dass er zur Hälfte aus Frauen besteht«.

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2 Kommentare

  1. Rechenschaft in Bezug auf Erfüllung von Aufgaben, deren Begründung im Geistigen liegt, – wie dies zu denken wäre, könnte Gegenstand einer weiteren Darlegung sein.

  2. Eine unterhaltende und ansprechende Gesichtserzählung.

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