1979 | Herbert Witzenmann über die Freie Hochschule und das Wesen der Anthroposophie

Herbert Witzenmann

Herbert Witzenmann

Fast exakt zwei Jahre nach der Rede Witzenmanns bei der Generalversammlung 1979 erschien die von ihm in Aussicht gestellte schriftliche Ausarbeitung seines »Rechenschaftsberichts« in der Zeitschriftenreihe Beiträge zur Weltlage. Zwar ist diese Ausarbeitung aus einem aktuellen Anlass entstanden, sie enthält aber Überlegungen zum Wesen der Freien Hochschule und zur Anthroposophie, die bis heute – abgesehen von den Ausführungen über »Klassenleser«, die durch die Publikation der »Klassentexte« inzwischen überholt sind – nichts von ihrer Relevanz verloren haben, obwohl sie vor bald vierzig Jahren niedergeschrieben wurden. Sie werden daher im Folgenden in voller Länge wiedergegeben.

Was Witzenmann über die beratende Funktion des Vorstandes im Unterschied zu einer verfügenden – die das Wesen der Hochschule zerstören würde – ausführt, liest sich wie eine Illustration zu einer Bemerkung, die Rudolf Steiner über den Vorstand am 6. Februar 1924 in Stuttgart fallen ließ: »Dieser Vorstand, der in Dornach zu Weihnachten gebildet worden ist, der beruht auf einer Art hypothetischen Urteils. Wenn die Gesellschaft aufnehmen will das, was er tut, dann wird er der Vorstand sein; wenn sie es nicht aufnehmen will, dann wird er überhaupt nichts sein«. [1] Mit anderen Worten: der Vorstand der Gesellschaft sollte nur durch seine geistigen Leistungen existieren, durch die er sich die Anerkennung der Mitgliedschaft erwarb. Blieben diese aus, hörte er auf, zu existieren. Kein »ewiger Vorstand« also, keine autoritäre Machvollkommenheit, sondern gegenseitige Anerkennung freier Individualitäten im atmenden Austausch von Geben und Nehmen – auf beiden Seiten.

Und einige weitere Bemerkungen Steiners über das Zusammenwirken freier Individualitäten in der Gemeinschaft fügen sich hier ein, die das neuerdings propagierte Postulat einer »offenen Anthroposophie« [2], das paradoxerweise versucht, Richtlinien des Denkens und Regeln der Gesinnung zu etablieren, ins rechte Licht rücken: »Bei allem, was auf dem Boden der individuellen menschlichen Fähigkeiten erwachsen soll, kann nicht ein Gesamtwille in den Einrichtungen zum Ausdruck kommen; sondern diese Einrichtungen müssen solche sein, in denen die Einzelwillen sich voll zur Geltung bringen können.

Der einzelne Mensch muss gewissermaßen wie eine Naturgrundlage sich verhalten können. Man kann nicht über eine Landfläche hin aus Bedürfnissen heraus, die abgesehen von den einzelnen Teilen dieser Landfläche gefasst sind, diese bewirtschaften; man muss aus dem Wesen der einzelnen Teile kennenlernen, was sie besonders hervorbringen können […]

So muss auf geistigem Gebiete die auf den individuellen Fähigkeiten beruhende Einzelinitiative sich sozial auswirken können; sie darf nicht bestimmt werden durch den Inhalt eines Gesamtwillens. Dieser Gesamtwille muss unsozial wirken, denn er entzieht der Gemeinschaft die Früchte der individuellen menschlichen Fähigkeiten.

Es gibt keinen anderen Weg, die Früchte dieser individuellen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen, als ihre Selbstverwaltung. Innerhalb dieser Selbstverwaltung kann allein der Zustand eintreten, durch den nicht ein die Fruchtbarkeit der Einzelmenschen für das soziale Leben unterdrückender Gesamtwille entsteht, sondern durch den in das Gesamtleben die menschlichen Einzelleistungen zu dessen Wohle aufgenommen werden«. [3]

Doch geben wir Herbert Witzenmann das Wort.

»Ich halte es heute für richtig [4], meine damals in Aussicht gestellte erweiterte Stellungnahme in der Art bekanntzugeben, wie sie sich mir im Abstande des Zeitverlaufs darstellt. Ich verweise hierbei auf meine unten angeführten Schriften [5]zu den Problemen, angesichts deren sich nach meiner Überzeugung die Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zur Selbstprüfung aufgerufen fühlen sollen.

Was man innerhalb unserer Gesellschaft Probleme nennt und manchmal im Besonderen auf meine Person bezieht, wird häufig unter den Gesichtspunkten der sog. ›Bücherfrage‹ (also der Editions- und Verantwortungsprobleme, die mit dem uns überlieferten Werke Rudolf Steiners zusammenhängen), der Zugehörigkeit einzelner Menschen zu bestimmten Gruppen, die durch Schicksal und Überzeugung eine Gemeinschaft bilden, und der inneren Beziehung einzelner Persönlichkeiten zueinander betrachtet. Es sei eingeräumt, dass damit auf Tatsachen und Geschehnisse geblickt wird, denen im Leben unserer Gesellschaft erhebliche Bedeutung zukommt. Im Verhältnis zum Kern dieser Probleme sind dies jedoch in meiner Sicht nur Symptome. Über das mich zu äußern, was mir als das Wesentliche erscheint, will ich im Folgenden erneut versuchen, obwohl ich dies früher schon wiederholt getan habe.

Kein lebenswichtiges Problem innerhalb unserer Gesellschaft kann richtig gesehen, verstanden und möglicherweise gelöst werden, wenn es nicht in Zusammenhang gebracht wird mit den drei wesentlichsten Elementen unseres Gesellschaftsleben: der Freien Hochschule, der Gesellschaft selbst und dem individuellen Verhältnis jedes einzelnen Mitglieds zu dem Werke Rudolf Steiners und seinen geistigen Ursprüngen. Da die Freie Hochschule am Goetheanum diese drei Elemente in sich zusammenfasst, soll im Nachfolgenden einiges Skizzenhafte zu ihrem Wesen ausgeführt werden.

Die Freie Hochschule wurde von Rudolf Steiner zugleich mit der Gründung und Neubegründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft als innerste Zelle und Urquell des Gründungsaktes ins Leben gerufen. Doch war dies nur ein In-Erscheinung-Treten ihrer spirituellen Existenz, aber nicht eine völlige Neubildung eines zuvor nicht Vorhandenen, vielmehr ein Hereinführen eines viel ursprünglicher Verwurzelten in die äußere Welt. Die Bedeutung der geisteskünderischen Leistung Rudolf Steiners wird hierdurch nicht geschmälert, vielmehr seine Berufenheit zum Schöpfen aus den Quellen der geistigen Welt betont. Hierüber soll nunmehr nicht im Rückgriff auf seine eigenen Aussagen, sondern aus der Beobachtung des von ihm Geschaffenen und des unserer eigenen Seele Angehörenden einiges entwickelt werden.

Den Mittelpunkt und zugleich die Peripherie der Freien Hochschule bildet eine Gruppe von Meditationsgemeinschaften, die, der Idee nach in Ausbreitung um die zentrale Meditationsgemeinschaft am Goetheanum angeordnet, sich überall seit der Neubegründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft dort bilden, wo sich das Leben ihrer Mitglieder in Gruppengemeinschaften (sinngemäß im Bewusstsein der spezifischen Gruppenaufgabe) entfaltet. Rudolf Steiner hat diesen Gemeinschaften ihre Meditationsinhalte in Form erläuternder, die seelische Regsamkeit anregender Vorträge und den eigentlichen Meditations-Stoff bildender Mantren geschenkt. Nach seiner Anweisung sollen die Vorträge nur gehört werden, wenn sie der ›Klassenleser‹ vorliest, nicht aber durch literarische Überlieferung zugänglich sein. Sie sollen also von einer Gemeinschaft empfangen werden und die Hülle eines gemeinsamen Bewusstseins für die Mantren bilden. Diese allein können von den Klassenmitgliedern notiert, derart dem intimen persönlichen Umgang mit ihnen gewidmet sein und dadurch die individuelle Grundlage und fortwährend fortschreitende Bereicherung des gemeinsamen Bewusstseins bilden, in welchem sich die Klassenmitglieder mit dem Ertrag ihres Besinnens und Übens immer wieder vereinigen. Die persönliche Beziehung der notierten Mantren zum meditierenden Klassenmitglied bedingt es, dass die handgeschriebenen Texte nicht in andere Hände gelangen dürfen, sondern nach dem Tode ihres Eigners an die Freie Hochschule zurückgehen müssen.

Aus den Gemeinschaftserlebnissen, die in den Meditationsgemeinschaften gewonnen und in der individuellen Meditation unter Behütung und Verinnerung ihres gemeinschaftlichen Ursprungs weiter vertieft werden sollen, erfließt das kraftspendende Charisma, das in die Arbeit der Gruppen sowie in die Konfiguration des eigenen Schicksalbereichs zu tragen, die Aufgabe jedes Mitglieds dieser Kreise ist. Ihr Zentrum soll die Meditationsgemeinschaft am Goetheanum bilden, entsprechend dessen zentraler Bestimmung. Am Goetheanum selbst umgeben diesen zentralen Quell spirituellen Lebens die ›Sektionen‹, die Stätten der Forschung auf bestimmten Gebieten auf der Grundlage der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners. Die Sektionsleiter und ihre Mitarbeiter bestimmen den Gang dieser Forschung, mit der sich, ähnlich wie in den Fakultäten anderer Hochschulen, Lehre und Ausbildung verknüpft.

Die folgenden Merkmale sind für Wesen und Aufbau der Freien Hochschule charakteristisch:

1. Die Klassenstunden wurden erstmals von Rudolf Steiner im Goetheanum gehalten, in ihrem Rahmen den Klassenmitgliedern von ihm erstmals die ihre Essenz bildenden Mantren übermittelt. Schon damals wurden die Wiederholungen der Klassenstunden an anderen Orten durch dazu berufene ›Klassenleser‹ eingeleitet. Auch heute noch wird meist in getreuer Wiederholung des uns von Rudolf Steiner Überlieferten verfahren. Die Teilnahme an den Klassenlesungen und die Beschäftigung mit den Klasseninhalten kann zu einer zweifachen Verbindung mit dem Geiste Rudolf Steiners führen: durch gemeinsam entfaltetes und individuell konzentriertes Bewusstsein.

2. Die von Rudolf Steiner eingeleitete Errichtung einer Meditationsgemeinschaft ist unvollendet. Das von ihm begonnene Werk sollte in drei Stufen, in drei Klassen aufgebaut werden. Doch liegen nur die Inhalte der ersten Klasse vor. Rudolf Steiner nahm seinen irdischen Abschied, bevor er das von ihm begonnene Meditationswerk zu Ende führen konnte.

3. Die zentrale Meditationsgemeinschaft wiederholt sich in zahlreichen Metamorphosen in den Meditationsgemeinschaften der peripheren Gruppen, die ihr spirituelles Leben aus den gleichen Meditationsinhalten schöpfen, wenn sie auch durch die Tätigkeit der ›Klassenleser‹ und den schicksalhaften Gruppenzusammenhang individualisiert sind.

4. Da einerseits die Meditationsinhalte überall die gleichen sind, andererseits jedes Mitglied der Gesellschaft, das sich eine fortgeschrittene Vertrautheit mit dem Werke Rudolf Steiners und dem Leben der Gesellschaft verschafft hat, Zugang zu den Meditationsgemeinschaften finden kann, reicht die vom Zentrum durch die Wirksamkeit Rudolf Steiners ausgehende Geistesströmung einerseits bis in alle Erstreckungen der Peripherie, wird andererseits die peripher ausgedehnte Gesellschaft fortwährend ins Leben der zentralen Hochschule einbezogen.

5. Dies ist auch im Hinblick auf die vom Zentrum ausgehende Forschung, Lehre und Ausbildung von größter Bedeutung. Denn es ergibt sich hieraus, dass die Forschungstätigkeit der aktiven und insbesondere der am Goetheanum repräsentativ aktiven Mitglieder und das sich im seelischen Innenbereich abspielende Erleben der ›stillen‹ Mitglieder in einem ständigen Zusammenhang und Austausch stehen sollen, der nicht nur auf äußerer Kenntnisnahme beruht, sondern im inneren Leben einer Erkenntnisgemeinschaft noch tiefer begründet ist. Man kann diesen Austauschvorgang mit einem Atmungsgeschehen vergleichen, einem Ausatmen des vom Zentrum Ausgehenden und einem einatmenden Aufnehmen dessen durch das Zentrum, was ihm von der Peripherie entgegenkommt. Man kann sich den Vorgang auch im Hinblick auf die Peripherie veranschaulichen.

6. Da dieser Atmungsvorgang als der spirituell gesellschaftsbildende Prozess veranlagt ist, geht hieraus das Weitere hervor, dass Forschung und Gesellschaftsbildung in einem ständig fließenden Zusammenhang stehen sollen, die eine ohne die andere nicht in ihrem spirituell fundierten Wesen möglich ist, die ganz individuelle Leistung des Forschers der Einbettung in einem gemeinsamen vertrauend-schützenden Bewusstsein bedarf und dieses gemeinsame Bewusstsein sich am Entstehen der Forscherleistung in verantwortungsvoller Aufmerksamkeit und gesinnungshafter Mitwirkung beteiligt wissen soll, – werden doch individuelle Leistung und gemeinschaftliche Bewusstseinsaura aus dem gleichen Quell gespeist. Dieser Quell ist das höchste Bewusstsein, dessen epochaler Repräsentant und Mittler Rudolf Steiner ist, zu dessen Trägern die in individueller Bewusstheit und gemeinsamer Freundschaft Geeinten berufen sind. Hieraus ergibt sich, aufgrund der Realität und realen Wirksamkeit der Gesinnungen und der sie tragenden Ideen, die Verantwortung der Gemeinschaft für die individuelle Leistung, wie diese ebenso ihrer Verantwortung für die von ihr ausgehende gemeinschaft- und gesinnungbildende Ausstrahlung bewusst sein muss. Diese Verantwortung reicht viel tiefer als in das bekundete Handeln und Verhalten, sie muss in der Kultur begründet sein, die man dem eigenen Wesen angedeihen lässt.

Mit dem Angeführten sind einige Grundzüge der Idee der Freien Hochschule angedeutet, wie sie sich an der Konzeption Rudolf Steiners ablesen lassen. Über ihre Verwirklichung, über die Wirklichkeit der Freien Hochschule ist hiermit nichts ausgesagt.

Im Vorausgehenden wurden Beobachtungen angeführt, die man (neben manchen anderen) an der von Rudolf Steiner verkündeten und behüteten Ideengestalt ablesen kann sowie auch an deren gewollten und vollzogenen Erscheinungsformen. Fragen wir uns nunmehr, welche seelischen Beobachtungen an uns selbst dieser Ideenform entsprechen. Denn nur wenn in unserem eigenen Inneren etwas auf diese Art von Hochschule und ihren Bildevorgang antwortet, auf diese uns zunächst in einer von uns unabhängigen Erscheinung entgegentretende Geistgestalt, können wir sie als etwas unserem eigenen Wesen Gemäßes, uns nicht Aufgedrängtes anerkennen.

Hiermit hängt die für alles andere anthroposophische Wirken grundlegend bedeutsame Frage zusammen, wie die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners in uns leben kann. Die entscheidende Richtweisung hierfür erlangen wir durch ›Die Philosophie der Freiheit‹. Sie ist deshalb das Grundwerk Rudolf Steiners, das nach seinem eigenen Ausspruch seine anderen Werke überleben wird, weil sie uns die fundamentale Erkenntnis erschließt, auf der sein ganzes Werk ruht, von welcher her wir den Zugang zu jedem seiner Worte finden.

Diese Grunderkenntnis bildet die Antwort auf die Frage: ›Was ist Anthroposophie?‹ Die ›Philosophie der Freiheit‹ ist das einzigartige Schulungsbuch zur Anwendung der seelischen Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode. Die Anwendung dieser Methode im Sinne der ›Philosophie der Freiheit‹ ist die Grundübung, die alle andern Meditationen der Möglichkeit nach in sich einschließt, alle geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse im Keime enthält und deren Entfaltung aus diesem Keimpunkt verständlich macht, belebt und fördert. Die Grunderkenntnis, die aus der ›Philosophie der Freiheit‹ nicht als Wissensinhalt, sondern in übendem Beobachten erworbene Wesenseinsicht hervorgeht, ist die folgende: Die seelische Beobachtung erweist, dass alle Inhalte unseres Bewusstseins, von den einfachsten Gegenständen an aufwärts bis zu den kompliziertesten Ergebnissen des Erkennens, durch die unbewusste oder bewusste Durchformung ungestalteten Wahrnehmungsstoffes mit begrifflichen Formkräften entstehen. Die Gestalten unserer Welt sind also Ergebnisse eines von uns unablässig mehr oder minder bewusst vollbrachten Gestaltungsprozesses. Verläuft dieser auch zu einem großen Teil im Unterbewussten, so können doch seine zunächst nicht vollbewusst erfassten Bestandteile nachträglich in ihrer Aufbaufolge und Aufbauordnung bewusst gemacht werden. Der vorliegende Zusammenhang gewährt nicht den Raum, diesen Gestaltungsprozess im Einzelnen zu schildern. Ich habe dies in zahlreichen mündlichen und schriftlichen Darstellungen in Ausführung der von Rudolf Steiner gezogenen Grundlinien getan. Hier muss es genügen, die vorurteilslose Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was sich bereits dem beginnenden Beobachtungseinsatz eröffnet. Ist es doch schon für den unbefangenen ersten Blick zu ersehen, dass alles rein Wahrnehmliche aufgrund seiner völligen Zusammenhangslosigkeit den formlosen Stoff für die Begriffe darstellt, denen, kraft der sie belebenden Zusammenhangsfähigkeit, eine unbeschränkte Formkraft eignet. Diese üben wir mit ihnen (sie in ihrem durch sich selbst bestimmten Urwesen in unseren Denkakten mitvollziehend) ständig im Aufbau aller Welterscheinungen aus, indem wir diese auf das Niveau in sich und untereinander geordneter Gestalten erheben. Dieser Gestaltbildungsprozess ist im vollen Wortsinne ein Weltbildungsprozess. Denn aus ungeformter Wahrnehmungsstofflichkeit entsteht durch den Eingriff urbildlich-bildekräftiger Begriffe eine Welt von schaffendem Geiste durchdrungener, in stufenförmiger Ordnung aufgebauter Wesenheiten. Wir überblicken einen Entstehungsprozess, dessen individuelle und typische Bildungsergebnisse von der seelischen Beobachtung abgelesen und in ihrem gesetzlichen Bildungs- und Folgezusammenhang verstanden werden können. Selbst so einfache Gegenstände wie ein Glas oder ein Tisch entstehen, wie sich unschwer beobachten lässt, als Gestalten unseres Bewusstseins durch einen evolutiven Prozess von einer individuellen und zugleich typischen Charakteristik, aufgrund dessen sie als Metamorphosen des allgemeinen Weltwerdens erscheinen. Wer die Lehre Rudolf Steiners von der kosmischen Evolution kennt, wird einen Parallelismus des kosmischen und des sich im individuellen Bewusstsein abspielenden Gestaltbildungsvorgangs feststellen können. Doch soll hier nicht auf literarisch Belegbares, sondern nur auf solches eingegangen werden, das jedem unbefangen aufmerksamen Beobachter zugänglich ist.

Was im vorliegenden Zusammenhang besonders interessiert, ist das Ineinandergreifen und wechselweise sich Entfalten der Urelemente dieses Prozesses. Ist er doch ein Entstehen von Welt und Mensch durch einander und aus einander. Denn nicht nur die Welt in ihrer Gestaltenfülle geht aus dem Bildungsprozess hervor, welchen der Mensch vollbringt, indem er Wahrnehmliches und Gedankliches vereinigt, sondern auch der Mensch entsteht aus diesem Prozess zu seiner Geistgestalt. Der Widerspruch, der darin zu liegen scheint, dass das hervorbringende Wesen seinerseits durch das von ihm Bewirkte hervorgebracht wird, löst sich, wenn man sich die Verwandlung des Bewusstseinszustandes vergegenwärtigt, die im Verlauf dieses Prozesses eintritt. Geht doch der Gestaltungsprozess von einem Bewusstseinszustand aus, in welchem sich Wahrnehmliches und Gedankliches zunächst als voneinander getrennte Gegensätze gegenüberstehen. Solange der Mensch sich in diesem Bewusstseinszustande befindet, erlebt er sich selbst als ein von den übrigen Welterscheinungen abgesondertes Einzelwesen. Nach der Vereinigung und Durchdringung von Wahrnehmung und Begriff erlebt er sich jedoch als einen Angehörigen der ganzen, geistig durchdrungenen Welt, gewinnt er eine virtuelle Totalexistenz im Universum. Denn aufgrund der Durchdringung aller Welterscheinungen mit der einen und ganzen, nirgends in ihrem Zusammenhang unterbrochenen Idee und seiner eigenen aktiven Einigung mit dieser in seinem Erkennen gehört er tatsächlich der ganzen Welt an – wenn er diese ihm unterbewusst angehörende Einigung auch erst, im allmählichen übenden Fortschritt nach und nach vordringend, in sein Bewusstsein zu erheben vermag. Indem der Mensch die Wirklichkeit in seinem Erkennen hervorbringt, erlebt er sich in seinem höheren totalexistenziell der Welt angehörenden Wesen, das er als den Schöpfer seiner Fähigkeit begreift, sich über seine von den übrigen Welterscheinungen losgelöste Sonderexistenz zu erheben.

Dieser summarische Bericht kann auch den nicht besser Informierten überzeugen, dass die Wirklichkeitsmeditation (das erübende seelische Beobachten des Gestaltaufbaus wirklicher Dinge) alle anderen Meditationen umschließt. Haben diese doch keine andere Aufgabe als in jeweils besonderen Zugangsweisen ein Innewerden des geistigen Wesens der Wirklichkeit zu erschließen. Der Aufbau der Wirklichkeit umfasst alle Erkenntnisse, wer jenen durchforscht, kann diese finden.

Überblickt man das im Vorausgehenden andeutend Charakterisierte, dann wird man gewahr, dass die Art, wie wir in der Wirklichkeit stehen und wie wir dessen bewusst werden können, völlig der Konstitution entspricht, die Rudolf Steiner der Freien Hochschule gegeben hat. Denn wir üben ja in einem ständigen, vollziehenden Innesein des Wirklichen eine freilich meist unbewusst vollzogene Meditation aus. In den Klassenstunden geschieht nichts anderes als das bewusste übungs- und schulungsmäßig fortschreitende Innewerden des Wirklichen in seiner geistigen Beschaffenheit. Und aus dem Ablesen der Aufbauprinzipien von Gestalten gewinnt man ein Verständnis für den Aufbau der Klassenstunden.

Hierzu kommen andere wesentliche Übereinstimmungen hinzu. Ebenso wie die bewusste, vollziehen wir die unbewusste Wirklichkeits-Meditation in einer Gemeinschaft, in der größten, die es gibt. Denn alle Menschen sind Mitglieder der gleichen Lebensschule, in der sie die Wirklichkeit erkennen, mitvollziehen lernen. Jeder Mensch vollbringt in seinem eigenen seelisch-geistigen Leben, was ihn mit allen vereint, ebenso wie die individuelle Meditation der Klassen-Mantren mit dem gemeinsamen Klassen-Bewusstsein (der Idee nach) verflochten ist; hier wie dort durchdringt und bedingt eines das andere. Diese Durchdringung von generellem und individuellem Wirklichkeitsbewusstsein führt, je vorsätzlicher und intensiver sie beobachtet und geübt wird, hier und dort zu einem höheren Bewusstsein, zu dem Bewusstsein der totalen, die Welterscheinungen durchdringenden Geistmenschlichkeit. Auf dem Wege der ›Philosophie der Freiheit‹, diesem Weg der Bewusstmachung der unterbewussten Elemente unseres Alltagsbewusstseins, führt Rudolf Steiner als der Repräsentant unserer Kulturepoche uns einen im Wesen und Ziel dem Fortschritt und Ergebnis der Klassenstunden gleichartigen Weg, den Weg zur Geistesmenschlichkeit. Die Durchdringung von gemeinsamem, individuellem und totalem geistesmenschlichen Bewusstsein ist, mehr oder minder bewusst, ein in jedem Menschen anwesendes Geschehen, sie ist überhaupt die Wesensart des Menschlichen. Dies aber ist die unbewusste (noch nicht freie) Hochschule. Die Freie Hochschule macht die unbewusste Hochschule nur bewusst. Die sonst ungeregelten unwillkürlich-unentwickelten und allen ungünstigen Einflüssen durch ihre Unbewusstheit ausgelieferten Gestaltungsimpulse, die wir fortwährend vollziehen, werden durch ihre bewusste Fortentwicklung in der Meditation nicht künstlich hervorgerufen, sondern nur gepflegt, gesteigert und gestärkt. Die Freie Hochschule ist kein künstliches Erzeugnis, trägt ihre Impulse nicht von außen an die Menschen heran, sie ist ein Bewusstmachen, Veredeln und Erhöhen eines Vorhandenen, innerst unserem wahren Wesen Angehörenden, sie ist die Selbsterkenntnis und Selbstprüfung unseres wahren Wesens. Der verborgene Urquell aller Produktion ist die noch unbewusst-unfreie Hochschule als die Verflechtung von Gemeinsamem, Individuellem und Geistesmenschlichem. Dieser Quell ist in uns veranlagt, wenn auch unerschlossen, wird in der Freien Hochschule nur zum ungehemmten und ungetrübten Strömen gebracht. Die Freie Hochschule ist nichts anderes als ihrer selbst innewerdende Menschlichkeit, die sich allen Handlungen und allen Bereichen ihrer Tätigkeit mitteilt.

Man wird, sich des Titels dieser Ausführungen erinnernd, jetzt vielleicht einwenden, dies seien allgemeine Gedanken-Ausführungen, die in ihrer unverbindlichen Allgemeinheit ohne praktische Folge akzeptiert werden könnten, doch nichts von der Bestimmtheit und dem Impetus enthalten, deren es zur Lösung aktueller Schwierigkeiten bedürfe.

Dass dies ein voller Irrtum ist, erkennt man, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Haltungen und Verantwortungen aus dem Vorgetragenen folgen. Ist doch die hier entwickelte Idee der Freien Hochschule das Bild eines handelnden Menschen, denn ihres Wesens und ihrer Bedeutung kann man nur dann wahrhaft innewerden, wenn man erschaut, dass sie unter Menschen überall schon gegenwärtig ist, weil die individuellen Menschen in ihrem Verbundensein mit ihrer Gemeinschaft und ihrem höheren Wesen die Hochschule, freilich nur in der Veranlagung, darstellen. Denn die dreigliedrige individuell-gemeinschaftlich-geistesmenschliche Bewusstseinsart, welche der Mensch im Aufbau der Wirklichkeit ständig betätigt und verwirklicht, ist in ihrem Wesensentwurf die Freie Hochschule. Die Hochschule muss also nicht geschaffen, ihr tatsächliches Bestehen muss nur erschaut und zu seiner wahren Existenz im menschlichen Erkennen und Handeln gebracht werden. – Daraus ergeben sich Einsichten, deren praktische Bedeutung man schwerlich bestreiten wird, wenn man ihrer gewahr wird.

Die Hochschule ist überall, weil sie überall veranlagt ist, denn sie ist in den Menschen veranlagt. Daher kann sie überall verwirklicht werden, wo Menschen in ihrem Geiste wirken und streben. Rudolf Steiner selbst hat dies in unmissverständlicher Art zum Ausdruck gebracht und uns damit zugleich eine zu lösende Erkenntnisaufgabe nahegelegt, als er das Institut von Frau Dr. Kolisko in Stuttgart als ein solches ›am Goetheanum‹ bezeichnete.

Wenn die Hochschule als ein in den Menschen veranlagtes höchstes Wesenhaftes und stets der Verwirklichung Harrendes, auch ein überall Gegenwärtiges ist, so darf sie doch nicht mit einer äußeren Erscheinungsform verwechselt werden. Als institutionalisierte Verwaltungsinstanz kann ihr Wesen niemals verwirklicht sein. Was in dieser Form von ihr in Erscheinung tritt, kann im besten Falle nur Symbolcharakter haben. Es kann lediglich dazu dienen, den Zugang zu dem zu vermitteln, was von ihrem lebendigen Wirken ausgeht, und die Mittel zur Verbreitung ihrer schöpferischen Leistung bereitzustellen und zu organisieren. In ähnlicher Weise kann etwa ein Verlag (unter voller Verantwortung für seine hohe Aufgabe) nur der Verbreitung des Werkes eines Autors dienen, nicht aber das Werk selbst sein. Die Verwaltungsinstitution, deren die Hochschule bedarf, ist in ähnlicher Weise nicht das Werk, die Freie Hochschule in ihrem geistigen Wesen ist dagegen das Werk – ein Werk, das nie und nirgends ein fertiger Tatbestand sein kann, sondern in der sich ständig wandelnden Bewusstseinsentwicklung der Menschen entsteht, die sich in ihrem Geiste vereinigen. Die Freie Hochschule ist ein Geschehen.

Sie ist ein Geschehen, das, seinem Wesen entsprechend, in einer Gemeinschaft, doch durch freie Einzelne vollzogen wird, ein Geschehen, in welchem sich Individualität und Gemeinschaft im Aufblicken zur Geistesmenschlichkeit durchdringen, im Aufblick zu jenem Wesen, das zugleich Individualität und Gemeinschaft ist. Der höchste Geistesmensch ist der wahre Leiter der Freien Hochschule, er selbst ist die Freie Hochschule, die man in institutionellen Begriffsbildungen überhaupt nicht verstehen kann. Der totalexistenzielle Geistesmensch lebt, wenn auch die einzelnen Personen unendlich überragend, doch nicht über ihnen, sondern in ihnen, er beherrscht sie nicht, sondern will selbst in ihrer freien Liebe erstehen. Er ist selbst kein Sein, sondern Entstehen, er wird aus der Vermählung der in Liebe Geeinten als die höchste Liebe geboren.

Daher wäre innerhalb des Bereiches der Freien Hochschule jedes Verfügen ein Zerstören ihres Wesens, welches ihrem Urbilde zuwiderliefe, das nur in den Taten freier Menschen leben kann. Der Vorstand am Goetheanum will daher nach Rudolf Steiners eigenem Wort kein Verfüger, er kann nur ein Berater sein. Nur durch vorbildliches Wirken (dieses ist stets freilassend) kann er beraten, kann er Berater jener sein, die sich untereinander (nicht erst durch ihr Wort, sondern ihr strebendes Wesen) über das Entstehen der Hochschule beraten. Verfügen wäre hier Zerstören. Der Vorstand am Goetheanum, dem die Aufgabe gestellt ist, sich durch sein Wirken in der Stellvertretung Rudolf Steiners, des Repräsentanten unserer Epoche, zu erweisen und zu bewähren – dieser Vorstand kann selbst nur ein freier sein, indem er durch Vorbild den Rat zur Geistesfreiheit gibt, zum Aufblick zum Geistesmenschen, dessen Verkünder Rudolf Steiner in unserer Zeit ist, weil er den Weg zu ihm in der Weise zeigt, deren unsere Zeit bedarf. Als einem zum Behüter der Freiheit Berufenen obliegt es daher dem Vorstand am Goetheanum als eine höchste Aufgabe, zu beobachten, wie in den ganz verschieden gearteten individuellen Menschen die Idee der Freien Hochschule lebt, und ihren Beitrag zu ihrer Verwirklichung in verantwortungsvoller Sorgfalt zu fördern. Dazu bedarf es eines hohen Maßes an Erkenntnisfähigkeit und Erkenntniswilligkeit für individuelle Eigenart, und hieraus erfließt durchseelte Toleranz. Denn wer die individuelle Eigenart eines Menschen erkannt hat, hält sie heilig und scheut vor ihrer Einengung als einem Frevel zurück, er strebt allein danach, dem in seinem Wesen erkannten Menschen darin beizustehen, sich selbst auf die beste Weise zu verstehen.

Doch muss sich mit der durchseelten Toleranz die Treue verbinden. Denn nur in Treue kann der Weg zum Geiste, zur Geistesmenschlichkeit, zur Hochschule gefunden und beschritten werden. Dass die Hochschule das Streben nach dem Gegenwärtigwerden des Geistesmenschen in der freien Gemeinschaft Erkennender, aus Erkenntnis Handelnder das nie erreichte, aber ständig zu erreichende Ziel ist, dies darf unter ihren Mitgliedern nie vergessen oder gar verleugnet werden. Hochschulmitglied als Angehöriger der Meditationsgemeinschaft, die sich der bewussten Verwirklichung der Hochschule gewidmet hat, kann daher nur sein, wer ihr Wesen in Treue darlebt. Der Inhalt dieser Treue kann kein anderer sein als die Überzeugung, dass die Hochschule zwar nie und nirgends ein Tatbestand ist, auf den man sich verfügend berufen kann, wohl aber jederzeit und dort geschieht, wo in ihrem Geiste strebende Menschen beisammen sind: dann und dort ist sie unter und in ihnen. Eine Kooperation mit jenen, welche sich dieser Treue versagen und überhaupt die Idee dieser Hochschule als einer ständig der Verwirklichung harrenden Verwandlung des menschlichen Wesens leugnen, würde daher Zerstörendem in den Bereich der Hochschule Einlass gewähren. Toleranz und Treue müssen sich ergänzen, die eine kann nicht ohne die andere sein. Die Toleranz gewährt den Suchern der Hochschule die größte Freiheit und ist bereit, den Wettstreit von einander abweichender Anschauungen in den Bereich ihres Beratens aufzunehmen. Die Treue dagegen hält den Leugner der Hochschule ab, dessen bewusst, ihn selbst so am besten zu schützen. Die Ablehnung der Kooperation mit denen, die sich der Treue versagen, ist aber nicht Ausschluss, sondern Einschluss. Auch sie gehören ja weiter dem ganz allgemeinen Umfang menschlichen Bewusstseins an, in welchem die Hochschule veranlagt ist. In dem allgemeinen menschlichen Bewusstsein lebt ja, was in Treue zur Hochschule errungen wurde und dem Bewusstsein der Treue strömt zu, was im allgemeinen menschlichen Bewusstsein sich bildet.

Und ebenso ermangelt das allgemeine menschliche Bewusstsein dessen, was die zur Treue Berufenen ihm zu gewähren vermögen. Auch jenen, die sich das Ziel der Treue, die bewusste Verwirklichung der Hochschule nicht zu eigen machen, werden sich daher die Träger der Hochschulidee nicht versagen. Diese werden ihre innere Bereitschaft auch den Andersgesinnten nicht vorenthalten, vielmehr werden sie stets zu freien Abmachungen über ihre Mithilfe bereit sein, wenn deren innere Zugehörigkeit zur Freien Hochschule durch die Art der Vereinbarung unmissverständlich zum Ausdruck kommen kann.

Ich habe diese kurze Skizze, deren Ergänzung meine Ansprache vom 8. April 1979 bildet, Rechenschaftsbericht genannt. Ein solcher Rechenschaftsbericht eines Hochschul- und Vorstandsmitgliedes am Goetheanum kann nicht Rechtfertigung sein. Es kann nur ein Versuch sein, das Ideenbild der Freien Hochschule zu charakterisieren, das ihm vor Augen steht, und wie er sich für dieses in seinem Wirken einzusetzen strebt.

Drei Tatsachen (denen zahlreiche andere an die Seite zu stellen wären) habe ich in diesem Versuche einer Schilderung hervorgehoben: die Freie Hochschule als eine ewig gegenwärtige Geistgestalt in Veranlagung und Verwirklichung, die Toleranz und die Treue. Ich habe diesen Ausführungen die Grundlage im Aufweis der Übereinstimmungen gegeben, die zwischen dem seelischen Beobachtungsweg der ›Philosophie der Freiheit‹ und jenem der Klassemeditationen besteht. Im Streben nach der Verwirklichung der Freien Hochschule in der mir möglichen Sicht habe ich, so gut ich es vermochte, in meinem Wirken für das Werk Rudolf Steiners gehandelt. Im Erleben der Toleranz als der Bekundung der Menschlichkeit habe ich auch in großen Gegensätzen nach Formen des Zusammenwirkens gesucht, die in gegenseitiger freilassender Achtung es vermeiden, einem Andersdenkenden ein Verhalten aufzunötigen, das mit seiner Überzeugung unverträglich ist. In meiner Ansprache am 8. April 1979 habe ich hierzu einiges Klärende ausgeführt. In der Treue zur Freien Hochschule habe ich meine freie Mitarbeit, ungeachtet alles Vorgefallenen, im Rahmen solcher Vereinbarungen zur Verfügung gestellt, welche die Achtung dieser Treue zum Ausdruck bringen. Einen Rechenschaftsbericht dieser Art abzulegen hatte ich keinen persönlichen Anlass. Ich entschloss mich, ihn zu geben, weil ich glaube, dass er einiges enthält, das jedes Hochschulmitglied, ja jedes Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft angeht.

Vorheriger Beitrag: 1979 | Die spirituelle Existenz der Hochschule und die Wurzel des Übels

Fortsetzung: 1980 | Aufstieg der Fundamentalopposition – die Grünen


Anmerkungen:


  1. GA 260a [1987], Stuttgart, 6. Februar 1924.
  2. https://www.info3-magazin.de/die-offene-anthroposophie-und-ihre-gegner/. Abgesehen davon, dass die Verkünder dieses Unbegriffs sich in Widerspruch zu Steiners politischer Grundmaxime stellen (»Die Freiheit des einen kann nicht ohne die Freiheit des anderen gedeihen«, GA 23), enthält er auch einen Selbstwiderspruch, da er gleichzeitig negiert, was er affirmieren will. Denn Offenheit, Grenzüberschreitung, ist das Wesen der Anthroposophie. Wer von einer »offenen« Anthroposophie spricht, setzt voraus, dass es eine nicht-offene, geschlossene Anthroposophie gibt, und verneint damit ihr Wesen, indem er es zu bejahen behauptet.
  3. Rudolf Steiner, Die Dreigliederung des sozialen Organismus, die Demokratie und der Sozialismus, GA 24, Dornach 1982, S. 207.
  4. Der Text erschien, zusammen mit der Ansprache, die Witzenmann bei der Generalversammlung 1979 gehalten hatte, am 5. April 1981 in Heft Nr. 7 der Schriftenreihe Beiträge zur Weltlage (für Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft), die vom Verlag »Beiträge zur Weltlage« herausgegeben wurde. Das Heft trug den Titel Rechenschaftsbericht.
  5. Gemeint sind die vorangegangenen Hefte der Beiträge zur Weltlage: Heft 1: Die Prinzipien der AAG als Lebensgrundlage und Schulungsweg; Heft 2: Die Prinzipien Rudolf Steiners in ihrer spirituellen und sozialen Bedeutung (https://store13098627.ecwid.com/H-Witzenmann-Die-Prinzipien-Rudolf-Steiners-in-ihrer-spirituellen-und-sozialen-Bedeutung-1977-p101656210); Heft 3: Vom schweigenden Vernehmen; Heft 4: Im Gegenwärtigen Vergangenes und Zukünftiges; Heft 5: ›Der Mensch ist das Maß aller Dinge‹; Heft 6: Funktionsträgerstiftungen. Personifizierte Spiritualität in der Rechtsordnung (Prof. Dr. Georg Strickroth).

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