1980 | Aufstieg der Fundamentalopposition – die Grünen – Zur Geschichte der Anthroposophie im 20. Jahrhundert

Der postmaterialistische Wertewandel, der vielen sozialen Protestbewegungen der 1970er Jahre zugrunde lag und sich in sanften politischen Forderungen nach Lebensqualität, Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung artikulierte, brachte die traditionellen gesellschaftlichen Frontlinien durcheinander und löste die etablierte Solidarität mit den großen »Volksparteien« (CDU/CSU, SPD) auf.

Insbesondere in Deutschland machte sich dieser Wandel im Aufkommen der Partei »Die Grünen« bemerkbar, deren Gründungsversammlung am 12. und 13. Januar 1980 in Karlsruhe stattfand. Die Mitglieder dieser Partei kamen nicht nur aus konservativen Milieus, die eine Affinität zur Bewahrung der Schöpfung und der naturgegebenen Ordnung besaßen, und daher den allseits bewunderten »Fortschritt«, den sie als kopflosen »Fortsturz« empfanden, die Kehrseiten der technologischen Entwicklung und ihren zerstörerischen Einfluss auf Natur und Kultur kritisierten, sondern auch aus dem linken Spektrum der Gesellschaft, aus diversen lautstarken, agitationsgewandten K-Gruppen (Angehörige des maoistischen Kommunistischen Bundes, des Kommunistischen Bundes Westdeutschland und der marxistisch-leninistischen DKP), deren Kader in den überparteilichen Anliegen der neuen Bürgerbewegungen und ihrem Begehren nach Partizipation die Möglichkeit witterten, ihre alte Agenda der Destabilisierung des gehassten »Systems« zu realisieren, die den Boden für die soziale Revolution vorbereiten sollte.

Während die konservativen Kritiker des Fortschritts lediglich die Konsequenzen aus den pessimistischen Prognosen des »Club of Rome« und Katastrophen wie Harrisburg zogen und einen natur- und gesundheitsverträglichen Umbau des Systems anstrebten, wollten die Linken dieses System gänzlich abschaffen.

Diese unvereinbaren Kräfte, die einerseits genuin an Schutz und Bewahrung interessiert waren (Umweltschutz, Naturschutz, Lebensschutz), andererseits am Umsturz der bestehenden kapitalistischen Ordnung mit Hilfe einer instrumentalisierten Kritik an der Konsum- und Industriegesellschaft (Ökosozialisten, Spontis), trafen in der neuen Partei aufeinander und konstituierten in vielfältigen Brechungen und Konstellationen deren beide Flügel, die »Realos« und die »Fundis«. Die Realos glaubten an die Gestaltung der Gesellschaft durch Politik, und erhofften sich eine neue Lebensordnung, in der Werte wie Gesundheit, Harmonie, menschliches Maß und eine umfassende Solidarität mit allen Lebewesen im Vordergrund standen, während die Fundis jedweder Couleur das Vertrauen in das Parteiensystem und die repräsentative Demokratie verloren hatten, und nach einer Abschaffung der Politik durch die Politik strebten.

Dass sich in den Bestrebungen der Grünen auch spirituelle Bedürfnisse einer neuen Generation artikulierten, die in der an materialistischen Werten orientierten Leistungsgesellschaft eine defizitäre Form des Gemeinschaftslebens sah, kam in Selbstbezeichnungen wie »alternative Bewegung« und in Parolen vom »dritten Weg« jenseits von Kommunismus und Kapitalismus zum Ausdruck. [1] Manche Anthroposophen oder politische Aktivisten aus anthroposophisch orientierten Elternhäusern sahen in den Vertretern der neuen sozialen Bewegungen, insbesondere der Umweltschutzbewegung, natürliche Verbündete und schlossen sich diesen an bzw. standen an der vordersten Front dieser Bewegung. Sie glaubten, die Anthroposophie mit ihrem ganzheitlichen Verständnis des Menschen, das diesen mit Natur und Kosmos zusammenschließt und ihn nicht eindimensional auf das Diesseits reduziert, sondern als Stellvertreter der himmlischen Hierarchien verantwortlich für die Schöpfung erklärt, könne auch in der Politik – im gesamtgesellschaftlichen Leben – zu echten Alternativen beitragen und zugleich die spirituellen Bedürfnisse der neuen Generation stillen. Manche sahen in der außerparlamentarischen Opposition, in Bürgerinitiativen und direkter Demokratie auch eine historische Chance, den Misserfolg der Dreigliederungsbewegung der frühen 1920er Jahre wettzumachen.

Naturgemäß kam es in der neu gegründeten Partei zu Konflikten ebenso wie zu gegenseitigen Befruchtungen zwischen ganzheitlich-spirituell orientierten Wertkonservativen und sozialrevolutionären Technokraten, die das reduktionistische Menschenbild und Wirklichkeitsverständnis der von ihr kritisierten kapitalistischen Leistungsgesellschaft teilten und glaubten, wenn rechte durch linke Technokraten und Gesellschaftsingenieure ersetzt würden, müsse alles besser werden.

Bereits Ende der 1970er Jahre war es einem Wahlbündnis aus Linken und Atomkraftgegnern nach dem Vorbild französischer Vorläufer gelungen, als Grüne Liste Umweltschutz (GLU) in den Landkreis von Hildesheim einzuziehen. Auch im Weserbergland (Grohnde) eroberten Atomkraftgegner einen Sitz im Kreistag.

Der Erfolg setzte sich bei den Landtagswahlen 1978 in Niedersachsen fort, bei dem bunte, alternative und grüne Listen miteinander konkurrierten, und die Grüne Liste Umweltschutz auf Anhieb zur viertstärksten Partei im Lande wurde. In Hamburg konkurrierte ebenfalls eine bunte mit einer grünen Liste. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Herbert Gruhl, verließ 1978 unter Protest seine Partei und gründete die »Grüne Aktion Zukunft«. In Hessen konkurrierte Jutta Ditfurth auf einer linken Grünen Liste mit der »Grünen Aktion« Gruhls. Zu den Nominierten der linken Liste gehörte Daniel Cohn-Bendit, der die Legalisierung von Cannabis und die Übernahme des Innenministeriums im Falle seiner Wahl ankündigte. Sogar in Bayern waren »Grüne« aktiv: hier kandidierte Joseph Beuys für die »Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher« [2] auf der Liste eines Wahlbündnisses, dem Gruhls Aktion und eine von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründete Formation angehörten.

Für die Europawahl 1979 hatten sich auf Initiative des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz eine ganze Reihe von Organisationen, darunter die Freie Internationale Universität und die Aktion Dritter Weg zu einer gemeinsamen Wahlliste zusammengeschlossen, der Herbert Gruhl, August Haußleiter und Helmut Neddermeyer vorstanden. Neben Petra Kelly kandidierten hier Roland Vogt, Baldur Springmann, Joseph Beuys, Georg Otto, Eva Quistorp und Carl Amery, Prominente wie Heinrich Böll und Helmut Gollwitzer unterstützen dieses Bündnis. Die Grünen erzielten einen Anteil von 3,2 Prozent der Wählerstimmen, zu wenig, um die 5-Prozent-Hürde zu überspringen, aber genug, um eine Wahlkampfkostenerstattung in beträchtlicher Höhe zu kassieren. Dieser Erfolg wirkte wie eine Initialzündung und führte zur Bildung eines ersten grünen Landesverbandes in Baden-Württemberg. Die ersten Mandate in einem Landesparlament erlangte jedoch die Grüne Liste Bremen im Oktober 1979.

Im November 1979 wurde bei einem Bundeskongress der »Sonstigen Politischen Vereinigung – Die Grünen« die Gründung einer Partei Anfang 1980 beschlossen. Um die Aufnahme der linken Listen als Gründungsmitglieder zu verhindern und die Wahlkampfkostenerstattung der Europawahl von 4,5 Millionen Mark für die Neugründung der Partei zu sichern, wurde die Umgründung der SVP-Die Grünen ins Auge gefasst. Ein Antrag Baldur Springmanns, Angehörige kommunistischer Organisationen von der Mitgliedschaft in der SVP-Die Grünen auszuschließen, wurde abgelehnt. Stattdessen erhielten die linken Alternativen das Angebot, sich der SVP-Die Grünen anzuschließen, was dazu führte, dass die Zahl der Mitglieder bis Ende des Jahres von 2.000 auf 12.000 hochschnellte.

Auch bei der Gründungsversammlung in Karlsruhe setzte sich der Konflikt um die Mitglieder kommunistischer Organisationen fort. Die Versammlung entschied sich nach heftigen Debatten gegen eine Doppelmitgliedschaft und musste inhaltliche Auseinandersetzungen über das Programm und die Wahl des Vorstandes auf die Bundesversammlung im März verschieben. Als Interimsvorstand fungierte bis dahin das Triumvirat Gruhl, Haußleiter und Neddermeyer. Bei der nächsten Bundesversammlung in Saarbrücken wurden Haußleiter, Petra Kelly und Norbert Mann zu Parteisprechern gewählt, was dem Amt eines Vorstandsvorsitzenden bei den etablierten Parteien entsprach. Bereits in dem nun verabschiedeten Grundsatzprogramm setzten sich die links-alternativen in allen wesentlichen Fragen gegen die bürgerlich-konservativen Kräfte durch. Die junge Partei forderte unter anderem die Stilllegung aller Atomkraftwerke, die einseitige Abrüstung, die Auflösung der Militärblöcke NATO und Warschauer Pakt, eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und die Abschaffung des Paragrafen 218. Die neue politische Formation verstand sich als »ökologisch, basisdemokratisch, sozial und gewaltfrei« und – wie Petra Kelly sagte – als »Anti-Parteien-Partei«. In diesem Selbstverständnis, das die Parteigründung nur als unumgängliches Mittel zum Zweck – dem grundlegenden Umbau der Gesellschaftsordnung – betrachtete, kam der bereits erwähnte Gegensatz zwischen Realos und Fundis zum Ausdruck: die Fundis sahen in der Partei lediglich den parlamentarischen Arm einer außerparlamentarischen Volksbewegung, währen die Realos den Marsch durch die Institutionen antreten wollten, um die reale Macht im Staat zu erobern. Bei einer weiteren Bundesversammlung im Juni trat Haußleiter wegen leicht durchschaubarer, aber nichtsdestoweniger wirksamer Anschuldigungen von seinem Amt zurück.[3] An seiner Stelle setzte sich Dieter Burgmann, der Landesvorsitzende der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher Bayerns gegen Herbert Gruhl und Otto Schily durch. Mit der Wahl einer Reihe weiterer Vorstandsmitglieder kam der Prozess der Parteigründung zum Abschluss. Nach ihrer Niederlage zogen sich die Konservativen um Gruhl und Springmann aus der Partei zurück, ersterer gründete in Bayern die Ökologisch-Demokratische Partei, die jedoch lediglich regionale Erfolge erzielte.

Seit der Verabschiedung des Saarbrückener Programms im März hatten die Ökosozialisten, Radikalökologen und Ökolibertären die Zügel der Partei in der Hand und sollten sie bis zu ihrem Auszug 1990 auch behalten. Die Machtverhältnisse lassen sich auch an der Veränderung der Vorstandsämter ablesen: 1982 stießen Rainer Trampert (ehemals Kommunistischer Bund), 1983 Rebekka Schmidt (ehemals maoistische kommunistische Partei Deutschland) 1984 Lukas Beckmann (Mitstreiter von Joseph Beuys und Mitwirkender an dessen Freier Internationaler Universität) und Jutta Ditfurth (Ökosozialistin, nach dem Bruch 1990 »ÖkolinX – Antirassistische Liste«) hinzu. Bereits 1983 sollten die Grünen nach dem Zerbrechen der sozialliberalen Koalition mit 28 Abgeordneten (5,6 % der Zweitstimmen) in den Bundestag einziehen.

Dem Paradox der »Anti-Parteien-Partei«, die sich als organisatorischer Arm einer Volksbewegung verstand und gegründet wurde, um das Parteiensystem in seiner herkömmlichen Form mit seinem Funktionärswesen und seiner Kaste von abgehobenen Berufspolitikern abzuschaffen, versuchten die Grünen zu entkommen, indem sie eine Reihe von Instrumenten schufen, die sich früher oder später, je mehr sich die Partei mit der Macht liierte, als unpraktikabel erwiesen. Vor allem die Basisdemokratie. Der Begriff der »Basis«, dessen Herkunft aus der marxistischen Gesellschaftstheorie auf der Hand liegt, war Ausdruck des linken Antiparlamentarismus, der langfristig nach einer »Diktatur des Proletariats« strebte. Die Macht sollte bei der Basis (d.h. der Parteibasis) liegen, nicht bei der Parteielite, daher wurden den Abgeordneten imperative Mandate erteilt: sie sollten als Parlamentarier nicht nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden können, sondern lediglich ausführen, was ihnen die Basis vorschrieb. Allerdings wurde dieses Prinzip von Anfang an ignoriert. Außerdem erwies sich der Versuch, die Entstehung von berufspolitischen Eliten zu verhindern als kontraproduktiv, da an deren Stelle informelle Eliten traten, die sich aus Studenten, arbeitslosen Akademikern oder ausreichend Begüterten zusammensetzten, die nicht auf Diäten oder Aufwandsentschädigungen angewiesen waren. Alle Sitzungen sollten öffentlich sein und Entscheidungen nur im Konsens getroffen werden – auch diese Maßnahmen erwiesen sich als undurchführbar, nicht zuletzt aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der Partei. Eine strikte Trennung von Amt und Mandat sollte Ämterhäufung und Machtkonzentration verhindern, was jedoch dazu führte, dass ein uninformierter, schlecht ausgestatteter Parteivorstand einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten gegenüberstand, die ihm in machttechnischer Hinsicht überlegen war.[4] Außerdem durften Parteiämter anfangs nur ehrenamtlich ausgeübt werden, was zwar löblich, aber ebenfalls auf Dauer nicht praktikabel war. Die Abgeordneten mussten einen Großteil ihrer Diäten dem Ökofonds der Partei zuführen, was die Einnahmen der Partei zwar erhöhte, die Parlamentarier, die sich mit einem Facharbeitergehalt zufriedengeben mussten, jedoch in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkte und empfänglich für anderweitige Subsidien machte. Schließlich das Rotationsprinzip und die Frauenquote: bereits 1985 weigerten sich Petra Kelly, die beim Abschluss eines privaten »Friedensvertrages« mit Erich Honecker im Oktober 1983 einen Pullover mit dem Aufdruck »Schwerter zu Pflugscharen« getragen hatte, und ihr Lebensgefährte, der ehemalige Generalmajor der Bundeswehr Gert Bastian, ihre Bundestagsmandate abzugeben und setzten sich damit über einen Parteitagsbeschluss hinweg. Auch die zweijährige Rotation an der Parteispitze wurde 1986 in eine vierjährige umgewandelt. Allein bei der Durchsetzung der Frauenquote erwiesen sich die Grünen als erfolgreich. Bereits 1984 wurde ein Parteivorstand gewählt, der nur aus Frauen bestand und auch in allen späteren Fraktionen der Grünen überwog die Zahl der Frauen jene der Männer.

Auffallend ist, wie sehr sich die Geschichte wiederholt. Die Grünen sahen sich in den achtziger Jahren ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt, wie heute die AfD: sie seien systemkritisch, hätten ein gestörtes Verhältnis zur Identität (damals war die deutsche gemeint), zum Gewaltmonopol des Staates, ja, sie stünden dem Terrorismus (der RAF) nahe. Die Unterstellung leuchtete ein, auch wenn sie leicht durchschaubar war, da sie sich des Tricks der Identifikation des Verteidigers mit dem Verteidigten bediente: Otto Schily und Christian Ströbele hatten in den 1970er Jahren RAF-Terroristen anwaltlich vertreten. Etwas anders lag der Fall bei Joschka Fischer, der in seiner Frankfurter Zeit als Sponti Pflastersteine auf Polizisten geworfen hatte. Eine Nähe zum Linkextremismus oder gar -terrorismus hinderte die Grünen jedoch nicht daran, im Lauf ihrer parlamentarischen Karriere höchste Staatsämter zu übernehmen (Schily wurde Innenminister, Fischer Außenminister und Vizekanzler, Winfried Kretschmann Ministerpräsident Baden-Württembergs, Ulla Schmidt Gesundheitsministerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags) und sogar der Maoist Trittin, der zu den Herausgebern des »Mescalero-Nachrufs« auf Buback in Beziehung gestanden und diesen öffentlich verteidigt hatte, durfte Minister in Niedersachsen und Bundesumweltminister werden.

Auch »Fundamentalisten«, die radikal systemkritische Positionen vertreten und jeglichen Kompromiss mit dem Establishment ablehnen, sind aus der Geschichte der Grünen hinlänglich vertraut. Die Radikalökologen unter den Grünen setzten sich sogar für eine Deindustrialisierung der Bundesrepublik ein, sie interpretierten den Slogan »Schwerter zu Pflugscharen«, als umfassende Demontage und erwiesen sich damit als späte Nachfolger des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau, der 1944 vorgeschlagen hatte, Deutschlands Industrie dem Erdboden gleichzumachen und es in ein Agrarland zu verwandeln, damit es nie wieder einen Angriffskrieg werde führen können. An die Stelle des Morgenthau-Plans trat bekanntlich der Marshall-Plan und die Westintegration der Bundesrepublik, mit all ihren transatlantischen Folgen, die heute aufgrund des aktuellen Akteurs im Weißen Haus akut gefährdet scheint.

Vorheriger Beitrag: 1979 | Herbert Witzenmann über die Freie Hochschule und das Wesen der Anthroposophie

Fortsetzung folgt


Anmerkungen:


  1. Der dritte Weg wurde von den Gründern der »Demokratischen Union«, Wilfried Heidt und Peter Schilinski, die sich an der Gründung der Partei Die Grünen beteiligten, 1969 als »Freiheit plus Demokratie plus Sozialismus« interpretiert. Laut einem SPIEGEL-Artikel vom März 1969 hatten »Sozialisten wie die Professoren Bloch und Gollwitzer und der Schriftsteller Rolf Hochhuth Sympathien für die DU« bekundet, während »die Parteigründer von KP-Leuten ›Spalter‹ und von radikalen SDS-Anhängern ›liberale Scheißer‹ geschimpft« wurden. Das »›RC-Bulletin‹ des Republikanischen Clubs Berlin« habe sich bemüht, »den DU-Ideologen nachzuweisen, dass es unmöglich sei, gewaltlos, durch bloße Aufklärung, die Verhältnisse zu ändern«. Demokratische Union, DU wie Dubček, SPIEGEL, 14/1969, S. 41.
  2. Die Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD), entstand 1965 als Sammelbecken für neutralistische Nationalisten, Liberale und Pazifisten. Haußleiter, der zu ihren Gründern gehörte, wurde 1969 Vorsitzender der Partei und gab ihr ein völlig neues Programm, das eine Reihe von Forderungen der APO aufnahm, darunter reale Demokratie, einen genossenschaftlich geprägten Sozialismus, friedliche Neutralität, Aufklärung der Bevölkerung über Formen gewaltlosen politischen Widerstands, statt einer Wehrpflichtarmee und als Verbeugung vor dem Feminismus frauenpolitische Postulate.
  3. Am 24. April 1980 strahlte das Polit-Magazin Monitor einen Beitrag zu Haußleiter aus, in dem sein Kriegstagebuch und Äußerungen aus den 1950er Jahren zitiert sowie Filmaufnahmen von einem Parteitag der »Deutschen Gemeinschaft« (einer von ihm 1949 gegründeten sozialen Reformpartei) gezeigt wurden. Der Monitor stellte die verwegene, aber deswegen nicht minder falsche These auf, Haußleiter sei Nationalsozialist. Frank Schnieder hat sich mit den Kampagnen gegen die Grünen und Haußleiter in seinem Buch Von der sozialen Bewegung zur Institution. Die Entstehung der Partei Die Grünen, Münster 1998 näher beschäftigt. »Wie das Programm verdeutlicht«, so Schnieder, »verfolgte die AUD eine Vielzahl unterschiedlicher politischer Grundideen, die in dieser Bandbreite durch kaum eine andere Partei vertreten wurden. Zu ihnen gehörten wertkonservative, nationale, internationale, sozialistische, liberale, föderalistische und individualistische. Damit war die Partei in kein Links-Rechts-Schema einzuordnen«, S. 79. In einer Anmerkung zu diesen Sätzen heißt es außerdem: »Haußleiter hatte die Kombination dieser Werte anscheinend bereits seit den dreißiger Jahren vertreten und war damit stets angeeckt (u.a. bei Julius Streicher und Franz Josef Strauß …)«, ebd. Mit dieser nicht in das Links-Rechts-Schema einzuordnenden Partei konnten die Freie Internationale Universität von Josef Beuys und der anthroposophische Achberger Kreis zusammenarbeiten, die zusammen mit den Grünen Listen, der Grünen Aktion Zukunft, der Grünen Liste Schleswig-Holstein und der AUD den Grünen-Vorläufer SPV-Die Grünen gründeten. Ebd., S. 81-82. 
  4. Die Trennung von Amt und Mandat wurde schleichend aufgeweicht. Siehe dazu: n-tv, 23. Mai 2003, »Alter Zopf ab: Grüne erlauben Amt und Mandat«; Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010: »Grüne lockern strikte Trennung von Amt und Mandat«; ZEIT, 26. Januar 2018: »Grüne lockern Trennung von Partei- und Regierungsamt«

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