Der Konflikt zwischen Marie Steiner und Albert Steffen (6). Der »Ballmerhandel« 1941

Karl Ballmer: Rudolf Steiner

Karl Ballmer, Kopf (Rudolf Steiner), ca 1930/32. Privatbesitz, modifiziert.

Während Steffen noch mit den Boosschen Invektiven zu kämpfen hatte (siehe: hier), wurde ihm schon der nächste angebliche »Angriff« von seiten Friedrich Eymanns kolportiert. Im Januar 1941 veröffentlichte der streitlustige Pfarrer im Troxler-Verlag eine Broschüre Karl Ballmers über den Theologen A.E. Biedermann.[1] Die Broschüre erschien drei Monate vor der Generalversammlung der anthroposophischen Gesellschaft, die dieses Jahr am 6. April stattfand – Zeit genug, um sich auf eine Thematisierung der Publikation bei dieser Versammlung vorzubereiten. Eymann wurde später zum Vorwurf gemacht, er habe nicht nur eine gegen den Vorsitzenden gerichtete Streitschrift publiziert, sondern sie auch noch mit einem »lobenden Vorwort« versehen.

Bühler schrieb 1947 über die Broschüre Ballmers: »Verhängnisvoll wurde es, als Professor Eymann in seinem Kampf gegen die Theologen einen Menschen als Mitkämpfer einbezog, von dessen gefährlichem Wesen schon Rudolf Steiner gesprochen hatte[2], und der jetzt nicht nur nach außen vernichtend wirkte, sondern auch gleichzeitig nach innen, in die Gesellschaft: Karl Ballmer«.[3] Seine Broschüre sei nicht nur gegen den Vorsitzenden gerichtet gewesen, sondern außerdem »antianthroposophisch«, was für Steffenverehrer wie ihn ohnehin dasselbe bedeutete.[4] Karl Day und Hugo Werth bezeichneten 1951 die Broschüre Ballmers als »gegen die Anthroposophie gerichtetes Machwerk«.[5]

Tatsächlich hielt sich das »Lob« Eymanns in Grenzen. Die Behauptung, Ballmers Broschüre sei gegen den Vorsitzenden, die Anthroposophie und die anthroposophische Gesellschaft gerichtet, ist maßlos übertrieben und geht an deren eigentlicher Zielrichtung vorbei, die in einer Abrechnung mit Karl Barth besteht, dem Ballmer vorwirft, im Namen seiner als »Gottesdiktatur« verstandenen Theologie einen unermüdlichen Kampf gegen die Philosophie zu führen. Die Broschüre bringt die Theologie des liberalen Protestanten und Hegelianers Alois Emanuel Biedermann (1819-1885), der in Zürich Professor für systematische Theologie war[6], in Beziehung zu Steiner, Eduard von Hartmann, Barth und Martin Werner, der uns bereits im Zusammenhang mit Eymann als Gutachter der evangelischen Kirche zur Frage der Christlichkeit der Anthroposophie begegnet ist.[7]

Eymann bezeichnet in seinem Vorwort den Essay als »Studie«, die die theologische Diskussion (mit der protestantischen Theologie) eröffnen solle, nachdem die zuvor erschienen Publikationen der »Abwehr von Angriffen« gedient hätten.[8] Über den Verfasser Ballmer schreibt er: »Seit mehr als 20 Jahren hat er als stiller aber fleißiger Beobachter im Hintergrunde aufmerksam von allem Kenntnis genommen, was sich auf dem Gebiete von Philosophie und Theologie zugetragen hat. Alle hier entstandenen Situationen sind ihm intim vertraut. Er ist dadurch hinlänglich legitimiert, gewichtige Beiträge zu leisten und dafür mitbesorgt zu sein, dass sich die Fragestellungen nicht verengern [sic!]«.[9]

Der 1891 in Aarau geborene Karl Ballmer war Kunstmaler und Essayist. Nach einer Studienzeit an der Kunstakademie München arbeitete er in Bern und Zürich als Grafiker. Vom Militärdienst befreit, lernte er 1917 in Zürich über Roman Boos die Anthroposophie, 1918 Steiner persönlich kennen, den er seither als den Schöpfer des »Ereignisses Anthroposophie« bezeichnete. Als Künstler wirkte er am Bau des ersten Goetheanum mit, verließ Dornach aber Ende 1920, da er befürchtete, eine zu große Nähe zu Steiner könne sein selbstständiges Urteil über dieses »Ereignis« beeinträchtigen. Zu Beginn der 1930er Jahre trat er in die Hamburgische Sezession ein und konnte seine Bilder neben den Werken von Klee und Kandinsky ausstellen. Literarisch übte er sich in Versuchen, zwischen Anthroposophie und zeitgenössischer Philosophie bzw. Wissenschaft zu vermitteln. Da seine ausgesprochen eigenwilligen, häufig polemischen, Kierkegaards Paradoxien und Sprache verpflichteten Versuche innerhalb der goetheanumtreuen Anthroposophenschaft auf wenig Interesse, wenn nicht gar Ablehnung stießen, betrachtete er sich als »Ketzer« der Bewegung. Nach der Machtergreifung 1933 trat er aus Protest gegen die erzwungene Gleichschaltung aus der Sezession aus. Im gleichen Jahr bevorwortete Friedrich Eymann eine Veröffentlichung Ballmers über die Rektoratsrede Heideggers mit dem Titel Aber Herr Heidegger![10]

Ballmers Wortmeldung, die auch heute noch lesenswert ist, hebt mit den Sätzen an: »Martin Heidegger, der berühmte deutsche Philosoph, schlug vor kurzem den Berliner Lehrstuhl (den Lehrstuhl Hegels sozusagen) aus, zugunsten seines Verbleibens an der badisch Freiburgischen Universität. Bei der Übernahme des Rektorates dieser Universität im Frühling des gegenwärtigen Sturmjahres 1933 hielt Herr Heidegger eine formvollendete akademische Rede, durch die er aus der Vollmacht seines Amtes der gegenwärtigen deutschen Universität ihren Sinn und ihre Sendung erteilt«.

Es folgt ein Zitat aus Heideggers Rede: »Die deutsche Universität gilt uns als die hohe Schule, die aus Wissenschaft und durch Wissenschaft die Führer und Hüter des Schicksals des deutschen Volkes in die Erziehung und Zucht nimmt«. Dazu der ironische Kommentar Ballmers: »Herr Heidegger, indem er Adolf Hitler ›in Erziehung und Zucht‹ nimmt, vollzieht damit eine Leistung, vor der andere in Bescheidenheit zurücktreten. Herr Heidegger ist mithin ein Sonderfall in der deutschen Gegenwartsgeschichte. Wer ist der außerordentliche Mann, der es sich leisten kann, ›aus Wissenschaft‹ einen exzessiven Optimismus zu nähren?«[11]

Der Essay schließt mit den Sätzen: »Ein repräsentativer deutscher Philosoph des Jahres 1933, Rektor einer deutschen Universität, erhebt in feierlicher Rede den Anspruch, die geistigen Belange des deutschen Volkes zu vertreten, sofern dieses Volk auf ›Wissenschaft‹ hinorientiert ist.

Diese feierliche Rede verzichtet auf ein Wort zum Christentum.

Ich dekretiere, – vielmehr nicht ich dekretiere, sondern eine objektive Not-Wendigkeit dekretiert: Die erklärten offenen Feinde des Christentums von Ludendorff bis zu den Bolschewisten sind eine Gottesgabe, gemessen an der getarnten Feindschaft gegen den Geist und damit gegen das Christus-Prinzip, wie sie die Substanz der ›Philosophie‹ Heideggers bildet‹«.[12]

Dazwischen entfaltet Ballmer auf rund 40 Seiten eine Analyse der Grundtendenz der Heideggerschen Philosophie und Sprache, in der sich Aussagen finden wie: der Philosoph bezahle »das Resultat seines Denkens« »mit dem endgültigen Tod der Philosophie«[13], seine Bedeutung beruhe nicht darauf, dass er eigene Gedanken habe, sondern dass er Gedanken anderer »radikal zu Ende« denke[14], dass er sich darauf verstehe, durch die »scheinbegriffliche Artistik einer eigens erfundenen Sprache seiner Metaphysik den Charakter einer bedeutenden Philosophie zu geben«[15], dass er am Problem der Freiheit »vorbeitrample«[16], dass seine einzig verdienstvolle Entdeckung, Wahrheit sei »Entbergung«, sich schon bei Rudolf Steiner finde[17].

Über Heideggers »Geistfeindlichkeit« schreibt Ballmer: »Heidegger würde uns imponieren, wenn er eindeutig erklärte, dass vor allem der Christus-Geist, als sittlicher und als erkennender Geist, von ihm radikal abgelehnt wird. Zu meiner nicht geringen Verwunderung finde ich aber in der ganzen Rektoratsrede das Christentum überhaupt nicht erwähnt«[18]. Hierbei geht es Ballmer nicht um das konfessionelle Christentum, sondern um ein »Christentum der Zukunft«, das aus der »besonderen Substanz des deutschen Volksgeistes erwachsen könne«, auf das Steiner bereits in seinem philosophischen Werk hingewiesen habe, wenn er den »Christus-Impuls in das Tun und Handeln des erkennenden Geistes« verlege und erkläre: »Im Erkenntnisprozess entnehme ich aus mir das Wesen der Dinge, ich habe also das Wesen der Welt in mir […] Das Wesen der ganzen Welt schöpfe ich aus mir, und mein eigenes Wesen schöpfe ich auch aus mir«[19].

Im dritten Reich hatte der individualistische Anarchist Ballmer keine Zukunft, weder als Maler, noch als Person. 1937 wurden manche seiner Bilder als »entartet« eingestuft und ein Berufsverbot über ihn verhängt. Da seine Frau, eine Jüdin, vor den Nachstellungen der Gestapo nicht sicher war, gab das Paar sein Atelierhaus in der Nähe Hamburgs auf und emigrierte 1938 ins Tessin. Zu Beginn der 1940er Jahre beteiligte sich Ballmer mit einigen Publikationen an den Auseinandersetzungen über Anthroposophie und evangelisches Christentum, die durch die Eymann-Affäre ausgelöst worden waren.

Zu diesen Publikationen gehört die erwähnte Streitschrift A.E. Biedermann heute! Die »protestantische« (»neuzeitliche«) Grundüberzeugung, von der Ballmer sich in seiner Kritik an Barth leiten lässt, ist die von Steiner in seinen philosophischen Werken formulierte Einsicht, dass die Wahrheit eine »freie Tat des erkennenden Menschengeistes« ist, mit anderen Worten: »Zu den Grundeinsichten, die an der Anthroposophie zu erarbeiten und zu gewinnen sind, gehört die Erkenntnis der Identität des christologischen und des Erkenntnisproblems«.[20]

Daraus folgt laut Ballmer: »Wenn Wahrheit […] die freie Gegenwartstat des zur Wahrheitsschaffung legitimierten ›Christusbewusstseins‹ ist, dann gibt es auch ›Tradition‹ nur in der Gestalt gegenwärtiger Schöpfung. Die Erkenntnis dieses Sachverhaltes wird sich an der sachgemäßen Rezeption der Anthroposophie in nicht zu ferner Zeit durchsetzen«.[21]

Allerdings stelle sich bei näherer Überlegung heraus, dass die Wahrheit oder Erkenntnis als freie Tat des erkennenden Menschen die Tat eines bestimmten Menschen, nämlich die Rudolf Steiners sei. Wenn Steiner in seiner Erkenntnistheorie davon spreche, dass im menschlichen Erkennen das Wesen der Welt zum Bewusstsein seiner selbst gelange, dann schildere er damit einen Prozess, der sich in seinem Bewusstsein abgespielt habe, nicht in irgendeinem allgemeinen Bewusstsein. Die Erkenntnis der allgemeinsten Wahrheit entpuppe sich mithin als Leistung einer besonderen Individualität. Dadurch falle Licht auf das Verhältnis von Wahrheit und Persönlichkeit, ein Verhältnis, das Ballmer in einem eingeschobenen Unterkapitelchen im Anschluss an Ausführungen Steiners zu diesem Thema in Goethes Weltanschauung behandelt, das mit dem Titel Die Karma-Orientierung der Erkenntnistheorie überschrieben ist.

In diesem Zusammenhang geht Ballmer auch auf Steffen ein, den er ebenso kritisiert, wie zuvor andere anthroposophische Autoren (Rittelmeyer, Stockmeyer). Day und Werth behaupteten 1951, Ballmer habe ein Zitat Steffens »verfälscht«, um an diese Behauptung den Vorwurf zu knüpfen, bei seiner Schrift handle sich um ein »gegen die Anthroposophie gerichtetes Machwerk«.[22]

So uninteressant die Frage ist, ob Ballmer ein Steffenzitat »verfälscht« habe oder nicht – eine Unterstellung, die sich leicht durch einen Blick in den Text entkräften lässt[23] und lediglich der Vermeidung des Eintritts in eine inhaltliche Debatte dienen sollte –, so interessant sind hingegen Ballmers Ausführungen, die sich an seine Steffenkritik anschließen. Steffen hatte von der anthroposophischen Erkenntnismethode behauptet, diese könne nicht vom Schicksal eines einzelnen Menschen abhängig sein, da sie für alle Menschen gelte. Ballmer sah darin ein Missverständnis der Relation von Wahrheit und Person, Universalität und Individualität.

Voran geht dieser Auseinandersetzung die Feststellung Ballmers, die »Erkenntnisgemeinschaft der Anthroposophen« befinde sich gegenüber der Frage nach der Bedeutung der Persönlichkeit für die Erkenntnis der »universell objektiven Wahrheit« in einer besseren Lage, als das agnostische Zeitalter, da zu ihr von dieser Wahrheit als dem »Wesen Anthroposophie« gesprochen worden sei. Dieses Wesen sei aber nicht unpersönlich vorzustellen. Wenn von anthroposophischen Autoren wie z.B. E.A. Karl Stockmeyer behauptet werde[24], Steiner habe durch seine Geisteswissenschaft eine »Erkenntnisgemeinschaft« begründet, »die in keiner Weise an seine Person gebunden« sei, dann sei diese Auffassung so richtig wie einseitig. Sie gelte zwar hinsichtlich der allgemeinen Frage der Wissenschaftlichkeit, nicht jedoch für die anthroposophische Gesellschaft als Erkenntnisgemeinschaft. Auch Albert Steffen habe sich mit diesem Problem befasst. Es folgt die in Anmerkung 23 zitierte Passage aus Steffens Aufsatz von 1930, an die sich folgende kritischen Überlegungen anschließen:

»Ich glaube nicht, dass man gründlicher am Kern der Sache vorbeizielen kann als Steffen mit seinem Gedankengang. Dass eine Methode der Wahrheitsfindung (der Wahrheit in bezug auf das tiefere Wesen des Menschen) Geltung haben soll für ›alle Menschen‹, ist dann möglich, wenn in der Christuskarmawelt die besondere Individualität sich zur Repräsentanz des Menschseins erhebt und die Ursache des Karmas der andern Menschen bezüglich ihres Menschseins wird, sofern diese bewusst die Aufgabe ihres Menschen-Zieles ergreifen. Ungefähr das Gegenteil der etwas unklaren Steffenschen Auffassung ist also richtig: Eine Methode, die Gültigkeit für alle diejenigen Menschen haben soll, die bewusst die Aufgabe ihres Menschenzieles ergreifen, kann nur die Folge davon sein, dass das frei gestaltete Karma eines besonderen Einzelnen die Realität des Übersinnlichen Menschen, d.i. des ›Wesens Anthroposophie‹ für ›alle Menschen‹ erlebbar macht. Gewiss ist die Methode, die Winkelsumme im Dreieck zu beweisen, nicht abhängig von dem persönlichen Schicksal des Erfinders des betreffenden Beweises; dafür handelt es sich aber auch um eine allgemeine Wahrheit von der Art, die Rudolf Steiner zu den oberflächlichsten und trivialsten rechnet […].

Die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind allerdings von höherer Art. Sie betreffen den Wesenskern des Menschen, der ein Ich ist. Die ›Methode‹, geisteswissenschaftlich-anthroposophische Wahrheit zu finden, kann – anthroposophischen und nichtanthroposophischen Missverständnissen zum Trotze – in nichts anderem bestehen als darin, dass ich mir bewusst werde, in der ›geistigen Welt‹ zu stehen, sofern ich die in Büchern und Vorträgen niedergelegten Gedanken des anthroposophischen Lehrers nach-denke. Diese Gedanken werden mein allerpersönlichstes Erlebnis, dem ich ganz die Färbung meiner Individualität gebe; sie sind ferner in ihrem Wahrsein gültig für alle Menschen; und sie sind ihrem Ursprung nach die Offenbarung einer besonderen Individualität«.

Mit anderen Worten: das »Wesen Anthroposophie« – die Weisheit vom Menschen oder Menschenweisheit – ist sowohl die allgemeine Wahrheit über den Menschen, besser des Menschen, als auch die Offenbarung einer besonderen Individualität, nämlich derjenigen Steiners; diese wurde durch Steiners Werk offenbart; wer sich in dieses Werk vertieft, gelangt zur Erkenntnis der allgemeinen Wahrheit des Menschen, die zugleich seine individuelle Wahrheit ist.

Ballmer fährt fort: »Es ist bekanntlich nicht die Absicht Rudolf Steiners, alle Menschen auf dem kürzesten Wege zu Geistesforschern zu machen; – und über die anthroposophische ›Methode‹ sollte die dahingehende Verständigung getroffen werden, dass sie vorzüglich im verantwortungsvollen Assimilieren der Gedanken des Lehrers besteht. Es würde sich dann auch ergeben, dass man Gedanken, die man erarbeitet hat, in der Welt vertreten kann, was auch ein Teil der anthroposophischen ›Methode‹ zu sein hätte. Es muss ernst gemacht werden mit dem, was als die Karma-Orientierung der Erkenntnisfrage als Menschenfrage bezeichnet werden muss. Es muss ernst gemacht werden mit dem Lehrsatz Rudolf Steiners, dass die höchsten und wichtigsten Wahrheiten das Gepräge einer menschlichen Individualität tragen müssen.

Solche höchsten Wahrheiten sind für den Anthroposophen z.B. die Resultate der Karma-Forschung Rudolf Steiners. Gerade gegenüber diesen Resultaten tritt die ›anthroposophische Methode‹, nach der wir als Schüler Wahrheit finden, in besonders helles Licht. Die Resultate der Karmaforschung, Mitteilungen über Wiederverkörperungen historischer und zeitgenössischer Persönlichkeiten, beanspruchen Wahrheitsgeltung für ›alle Menschen‹. Mitgeteilt werden konnten diese Wahrheiten indessen nur einem ganz kleinen Kreise von Menschen, die durch jahrzehntelange Teilnahme an der Lehrtätigkeit Rudolf Steiners in sich das Vertrauen befestigen konnten – aus Einsicht –, dass der Lehrer auch dort objektive Wahrheit statuiert, wo die besondere Wahrheit ihrem Wesen nach ein Verhältnis des intimsten Persönlichen des Forschers zum persönlichen Kern der Erforschten sein muss. Für Menschen, die nicht ihr allerinnerlichstes persönlichstes Vertrauen der Objektivität des Geistesforschers entgegenzuleben vermöchten, wären die Resultate der Karmaforschung schlechterdings – weil nicht mitteilbar – nicht vorhanden. Wir können es uns also nicht bequem machen mit scheinwissenschaftlichen Argumentationen über das Nichtbeteiligtsein des intimsten Persönlichen, wenn es sich um die ›anthroposophische Methode‹ handelt«.

Damit ist das Verhältnis des Geistesschülers zum Geisteslehrer angesprochen. Aber Ballmer fügt weitere Überlegungen zum Verhältnis der Geistesschüler untereinander hinzu:

»Die Erkenntnistheorie Rudolf Steiners erfüllt die Aufgabe, uns über die Stellung des Menschen im Weltwesen aufzuklären (vgl. Einleitung zu Band II von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, S. XXVII) und betrachtet als zu dieser Aufklärung gehörig, die Bedeutung des menschlichen Handelns zu beleuchten. ›Indem unsere Erkenntnistheorie zu dem Schlusse gekommen ist, dass der Inhalt unseres Bewusstseins nicht bloß ein Mittel sei, sich von dem Weltengrund ein Abbild zu machen, sondern dass dieser Weltengrund selbst in seiner ureigensten Gestalt in unserem Denken zu Tage tritt, so können wir nicht anders, als im menschlichen Handeln auch unmittelbar das unbedingte Handeln jenes Urgrundes selbst erkennen. Einen Weltenlenker, der außerhalb unserer selbst unseren Handlungen Ziel und Richtung setzte, kennen wir nicht‹ (Goethes Naturwissenschaftliche Schriften, Bd. II, S. XLVI).

Hiermit ist eine von jenen höchsten Wahrheiten ausgesprochen, die notwendig in der Selbsterkenntnis (= Offenbarung) einer Persönlichkeit besonderer Art begründet sein muss. Die Mitteilung einer derartigen Erkenntnis vermittelt ganz und gar nicht eine allgemeine Wahrheit. ›Eine Philosophie kann niemals eine allgemeingültige Wahrheit überliefern, sondern sie schildert die inneren Erlebnisse des Philosophen, durch die er die äußeren Erscheinungen deutet‹ (Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, Bd. IV, 2. Abt., S. 344). Wir tun recht, wenn wir den oben ausgesprochenen Charakter der Erkenntnistheorie Rudolf Steiners als die Mitteilung der Selbstoffenbarung einer Persönlichkeit begreifen und den Begriff in unser Karmaverständnis aufnehmen«.

Mit anderen Worten: der »Weltengrund«, der in seiner »ureigensten Gestalt in unserem Denken zu Tage tritt«, trat in Steiners Bewusstsein, in seiner Person zutage, – Steiner war eine Epiphanie des »Weltenlenkers«, durch Steiner offenbarte sich der Weltengrund höchstselbst – dies hat zu realisieren, wer sich der anthroposophischen Erkenntnisgemeinschaft als Gesellschaft anschließt.

»Wir brauchen uns nur«, fährt Ballmer fort, »das über den Charakter der freien Handlung Gesagte, als der Handlungsart des Urwesens selbst, näher anzusehen, um uns gestehen zu müssen, dass es Anmaßung wäre, wollten wir als allgemeines Gesetz ansehen, dass in unserem Handeln ›unmittelbar das unbedingte Handeln des Urgrundes selbst‹ sich manifestiere. Rudolf Steiners Erkenntnislehre selbst macht die Einschränkung, dass solches menschliche Handeln ›mehr Ideal als Wirklichkeit sei‹. Jedenfalls halten wir zunächst einfach den Atem an, wenn wir den Satz lesen: ›Wenn alle Naturprozesse Manifestationen der Idee sind, so ist das menschliche Tun die agierende Idee selbst‹ (a.a.O. Bd. 11, S. XLVI).

Wollen wir uns aus der erkenntnistheoretischen Mitteilung der Selbstoffenbarung den Satz zu eigen machen, dass kein Weltenlenker ist, der den Handlungen Ziel und Richtung setzte, so müssen wir die Frage aufwerfen, was der (geschaffene) Urgrund der Welt ist. Für die bezügliche Antwort finden wir in der anthroposophischen Literatur einen wertvollen Hinweis. In dem Bande ›Aenigmatisches aus Kunst und Wissenschaft‹ (Anthroposophische Hochschulkurse, Goetheanum-Bücherei) referiert Walter Johannes Stein Vorträge, die er beim ersten Dornacher Hochschulkurs (1920) gehalten hat. Dort führt Dr. Stein aus: ›Meine Totalwesenheit in ihrer Eingliederung in das Weltganze zeigt mir den Menschen und die Welt als die eine, selbe Wesenheit, deren Erscheinungsform die Welt, deren Wesensform der Mensch ist‹. Unter ›Mensch‹ versteht Dr. Stein das Produkt der Schöpfung: den Übersinnlichen Menschen oder ›Urgrund‹ im Sinne der zitierten Sätze Rudolf Steiners. Mit dem Satze des Walter Johannes Stein stimmt ›Die Philosophie der Freiheit‹ – 1. Auflage – überein: ›Die Welt ist Gott‹ – hinsichtlich dessen keine Schwierigkeiten bestehen, jederlei dilettantischen Pantheismusverdacht gründlich abzuwehren.

Das Urwesen, sofern es den übersinnlichen Menschen zur Erscheinung bringt, nennen wir das ›Wesen Anthroposophie‹. Wir gewahren das Wesen nicht nur, sofern es die erkenntnistheoretische Selbstverständigung mit seinem Bewusstsein vollzieht (Selbstoffenbarung), wir gewahren es in der Mitteilung des übersinnlichen Weltinhaltes (Geisteswissenschaft). Wir gewahren das Wesen nicht in der Weise, wie wir sonst Ideelles wahrnehmen und erkennen. Wir sind innerlichst selbst dieses Wesen, aber nur insofern, als wir uns unseres Schicksalsbezuges auf den Schöpfer der Anthroposophie voll bewusst sind. Wir sind – als Glieder der Erkenntnisgemeinschaft – das Schicksal des Wesens, von welchem Schicksal zwar wir berührt werden, nicht aber das in sich selbst beruhende Wesen selbst«.

Mit anderen Worten: In Steiners Erkenntnistheorie vollzieht sich die Selbstoffenbarung und Selbsterkenntnis des übersinnlichen Menschen, der aus dem Urwesen der Welt hervorgeht; in der von ihm geschaffenen Geisteswissenschaft breitet sich dieses Urwesen selbst aus; jeder, der diese Selbsterkenntnis seinerseits erkennend nachvollzieht, erkennt nicht nur sein eigenes Wesen, sondern verbindet sich auch mit diesem Urwesen und dem Träger seiner Selbstoffenbarung, mit Steiner; das »Schicksal« dieses Urwesens entfaltet sich in unserem Erkennen und Handeln, ebenso wie das Schicksal des Trägers seiner Selbstoffenbarung.

Ballmer führt weiter aus: »Unsere Freiheitsmöglichkeit besteht darin, dieses Schicksal zu bejahen. Nach einem Satze Rudolf Steiners ist dort die größte Freiheit, wo wir das weltgeschichtlich Notwendige aus Einsicht tun. Unsere Beziehung zum Wesen ist mehr als theoretischer Art. Das Wesen wäre nicht Wesen, wenn es nur die Summe von Lehrinhalten wäre, die übernommen werden könnten wie sonstige Lehrinhalte. Das Wesen ist lebendiges Wesen und unsere Beziehung zu ihm unsere geistige Existenzfrage. Wir gewahren die Inhalte des Wesens, sofern wir uns von seinem Leben in unserem eigensten innersten Lebensnerv berühren lassen, nämlich sofern wir die Arbeit aufnehmen, unsere sittlich-geistige Potenz aus der Orientierung an der umfassenden Idee des Anthropos zu verlebendigen und zu steigern. Der Prozess der Gewahrung des Wesens ist der Prozess unserer Selbsterweckung. Wir gewahren das Wesen nicht in der egoistischen Isolierung. Wir gewahren es in der Anerkenntnis, dass die Erkenntnisgemeinschaft der Anthroposophen ein Karma von solcher Art ist, welches die Auswirkung unseres individuell-persönlichen Karmas nicht verunmöglicht, sondern erleichtert. Wir gewahren das Wesen nicht in der Reflexion, sondern im aktiven Tun, denn das Wesen ist die ›im Tun begriffene Ideenwelt‹. Wir gewahren das Wesen im verantwortungsbewussten Tun, und unsere Verantwortungsfähigkeit bestimmt sich aus der Aussöhnung unseres individuellen Karmas mit dem Karma der Erkenntnisgemeinschaft. Als Anthroposoph führe ich ein doppeltes Karma. Ich bin das Produkt meiner Vorleben, und ich bin Glied des Karma der Erkenntnisgemeinschaft der Anthroposophen. An der Konstitution des letzteren Karma (als Karma!) bin ich wissend dabei, und dieses Wissen als tätiges Handeln ist ein Aneinander-Aufwachen der Glieder der Erkenntnisgemeinschaft. Das Objekt des tätigen Wissenshandelns der Anthroposophen, das ›Wesen Anthroposophie‹ als Freiheitswesen transzendiert die Sphäre des Karma«.[25]

Die anthroposophische Gesellschaft ist also nach Ballmer als Erkenntnisgemeinschaft aufzufassen, die sich im gemeinsamen Prozess der individuellen Selbsterkenntnis einen spirituellen Leib schafft, der seinerseits eine Selbstoffenbarung des spirituellen Wesens des Menschen, des »Wesens Anthroposophia« ist. In diesem sind das Schicksal des Stifters dieser Gemeinschaft und das Schicksal dieser Gemeinschaft selbst untrennbar miteinander verwoben. Dieses Verwobensein ist aber keine Gegebenheit, sondern wird von den Angehörigen der genannten Gemeinschaft aktiv erzeugt, insofern sie die Verpflichtung anerkennen, als Teilhaber dieser Gemeinschaft die »sittlich-geistige Potenz« der Idee des Anthropos jeweils individuell zu verwirklichen, d.h. die in ihnen und ihrer Gemeinschaft angelegten Entwicklungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Dieses Bekenntnis Ballmers mutet angesichts der Tatsache, dass er sich selbst als »Ketzer« bezeichnete und von der real existierenden Gesellschaft, die sich auf Steiner berief, bereits 1920 mehr oder weniger abwandte, befremdlich an. Es erklärt zugleich, warum er sich in die freie anthroposophische Erkenntnisgemeinschaft einfügte, die sich Ende der 1930er Jahre um Eymann bildete.

Aber in diesem Bekenntnis dürfte sich auch eine existentielle Lebenserfahrung widerspiegeln, von der er 1927 in einem Brief berichtete. Im Hinblick auf seine durch Boos vermittelte Begegnung mit der Anthroposophie schrieb er: »Meine Existenz, seit ich im Frühjahr 1911 von München nach Aarau zurückkehrte, war bis in den Herbst 1918 eine einzige schwerste Krisis. Nicht so sehr, dass mir die Mittel fehlten zu einem ruhigen Studium war der tiefere Grund einer grauenvollen Verzweiflung. Vielmehr war es die Verzweiflung, der menschlichen Existenz, so wie ich sie damals empfand, überhaupt einen tragenden Sinn abzugewinnen […] Von 1914 bis 1918 war meine Existenz die schwerste andauernde Selbstvernichtungskrise, mit tödlichen Eingriffen und Attentaten auf die physisch-leibliche Existenz […] Ob ich mit Dr. Steiner persönlich – in letzter Stunde für mich – bekannt wurde, war für mich eine Lebens- oder Todesfrage«.[26] Mit Steiner wurde Ballmer im Herbst 1918 bekannt. Über die Begegnung äußerte er später auch mündlich, Steiner habe ihm buchstäblich das Leben gerettet.

Diese zweifellos tiefe, um nicht zu sagen tiefsinnige, existentielle Verbundenheit mit Steiner und der Anthroposophie, die auch im eben zitierten Text deutlich zur Sprache kommt, hinderte jedoch die Gesellschaft, als deren Ketzer er sich sah, nicht daran, ihn zum »Antianthroposophen« zu erklären und seine Auffassungen als »achristlich«, ja als »Anti-Anthroposophie« zu brandmarken.

Dies geschah durch Heinrich Leiste (1900-1974), dessen Buch Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft[27] im Rudolf Geering Verlag einige Monate nach Ballmers Schriftchen erschien.[28] Leiste, der Philosophie studiert hatte, ein persönlicher Schüler Carl Ungers gewesen war und in München (bis zum Verbot der Gesellschaft) den anthroposophischen Zweig und eine philosophische Arbeitsgruppe geleitet hatte, war 1936 wegen der Naziherrschaft zunächst nach Holland und danach 1939 in die Schweiz emigriert, wo er sich in Dornach niederließ.[29]

Gegen die angebliche Diffamierung Steffens – und damit aus Sicht der Steffenverehrer der Anthroposophie – erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Entgegnungen erschienen, Eymann wurde aufgefordert, das Schriftchen einzustampfen. Dieser aber blieb standhaft und rezensierte die Broschüre in der Zeitschrift Gegenwart. Durch Ballmers Darstellung, so schrieb er, »entsteht […] ein äußerst lebendiges Bild der Lage des Christentums, sofern sie sich in der protestantischen Theologie widerspiegelt. Feine Gedankenlinien werden gezogen, wie z. B. die durchlaufene Entwicklung von Hegel bis zur ›Philosophie der Freiheit‹ an der Bedeutung, welcher der Vorstellung zuerkannt wird, eine geistvolle Erörterung findet«.[30]

Kommen wir nach diesem Exkurs über Eymann und Ballmer auf den anderen wackeren Kämpen, auf Roman Boos zurück, den wir in jenem Moment verlassen haben, als er seinen langen Anklagebrief an den Vorstand schickte (Mitte Februar 1941). Auch Marie Steiner, die Boos wohlgesonnen war und ihn auch in den folgenden Jahren unterstützte[31], war über seinen Brief nicht sonderlich glücklich, befürchtete sie doch, dessen schroffer Ton werde Boos »vieler Sympathien berauben«, wenn er denn verbreitet würde, was bei den Verhältnissen in der anthroposophischen »Erkenntnisgemeinschaft« zu erwarten war. Selbst eine Behandlung seiner Anklagen bei der kommenden Generalversammlung stand zu befürchten.

Die Befürchtung sollte sich bewahrheiten, wenn auch anders als erwartet. Vorsorglich teilte Boos seiner Gönnerin am 24. März 1941 mit: »Sollte mein Brief von Mitte Februar aus dem Kreis der Adressaten vor irgendein ›Forum‹ verschleppt werden, das nicht Gewähr böte für leidenschaftslose Prüfung der Wahrheitsfrage, so wäre aus einer Wahrheitsfrage eine Machtfrage gemacht und jedes Recht verscherzt, sich auf Rudolf Steiner, auf die Gesellschaft oder auf das Goetheanum zu berufen«.[32] Trotz dieser Bedenken verteidigte Marie Steiner Boos gegenüber Steffen und Wachsmuth, die den Stab über ihm brechen wollten. Ihre Weigerung, sich seiner Verurteilung anzuschließen, hatte zur Folge, dass Wachsmuth und Steffen sich ihrerseits weigerten, die für die Ostertagung vom 7.-14. April 1941 angekündigten Vorträge zu halten.

Bei der Delegierten- und Generalversammlung am 5. und 6. April kamen sowohl der Artikel Ballmers als auch der Brief von Boos zur Sprache. Der letztere verteidigte den ersteren und als gefragt wurde, warum Wachsmuth und Steffen ihre Vorträge an der Ostertagung abgesagt hätten, orakelte Steffen, Grund sei eine schwerwiegende Anklage, die Boos gegen beide in einem Brief erhoben habe, der jedoch streng vertraulich sei und deswegen nicht näher erörtert werden dürfe. Marie Steiner saß bei den Verhandlungen nicht auf der Bühne am Vorstandstisch, sondern hinter Vorhängen, was jedermann deutlich machte, wie zerrissen das Verhältnis der verbliebenen Vorstandsmitglieder inzwischen war.

Nebenbei sei bemerkt, dass just in diesen Tagen, am 27. März 1941, die Löschung der Namen von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus der Liste der Vorstandsmitglieder im Schweizer Handelsregister erfolgte. Fortan bestand der Vorstand auch behördlicherseits nur noch aus Steffen, Wachsmuth und Marie Steiner, die ihn jeweils durch Einzelunterschrift vertreten durften. Ebenfalls in diesen Tagen erschien Wachsmuths Steiner-»Biografie« unter dem Titel Die Geburt der Geisteswissenschaft, die zehn Jahre später eine zweite, erweiterte und verbesserte Neuauflage erfahren sollte.[33] In Anführungszeichen wird das Wort Biografie hier gesetzt, weil es sich im Wesentlichen um eine Werkchronologie handelte, nicht um die Beschreibung eines Lebensganges im herkömmlichen Sinn. Steffen rezensierte das Buch am 21. Dezember 1941 in der Zeitschrift Das Goetheanum. Er wies darauf hin, dass es ohne die tätige Mitwirkung Marie Steiners kaum zustande gekommen wäre, habe sie doch zu den »hauptsächlichsten Persönlichkeiten« gehört, die »wichtiges Material« beigesteuert hätten: »Ihre ununterbrochene, großzügige Herausgabe und Betreuung des Nachlasses von Rudolf Steiner ist eine Voraussetzung dieser Biographie; ohne sie wären viele der umsichtig gewählten Zitate, von denen manche auch den besten Kennern unbekannt sind, gar nicht möglich gewesen«.[34]

Roman Boos ergriff im »Ballmerhandel« deutlich Partei für den Angegriffenen. Im September publizierte er in Eymanns Gegenwart einen 13 Seiten langen Artikel, in dem er sich mit Leistes Buch und dessen Kritik an Ballmer auseinandersetzte.[35] Er stellte seine Kritik an Leiste unter ein »Motto«, das er einem Vortrag Steiners entnahm: »[…] Das Sonderbare wird eintreten, dass jeder Andere, der uns begegnet und der etwas mit uns zu tun hat, mehr mit unserem Ich zu tun haben wird als dasjenige, was da in der Haut eingeschlossen ist. So steuert der Mensch auf das soziale Zeitalter zu«. Dieses Zitat interpretierte er als »herrliches Motto für einen ritterlichen Geisteskampf«, den er mit Leiste zu führen gedenke.[36]

Ballmer, so Boos, gehe von der Feststellung Steiners aus, es gebe »keine sich selbst verstehende Philosophie«, die aus ihren eigenen Voraussetzungen »zur Christus-Idee« gelangen könne. Aus dieser Tatsache, »dass unter den philosophischen Allgemeinheiten das Christuswesen nicht gefunden werden« könne, ergebe sich bei Barth »ein negativer Verzicht auf Philosophie« und daraus »Barths […] Lehre von der Diktatur Gottes«, bei Steiner aber »ein Problem«. Barth gelange zu seiner »Diktatur Gottes, der als Objekt seiner Willkür den Menschen als den Feind Gottes« habe; Steiner dagegen zur Frage »Wie wird das Denken christlich gemacht?«, – jenes Denken nämlich, das nicht imstande sei, eine »Christusidee« zu fassen.

Wie Rudolf Steiner dieses Problem löse, stelle Ballmer in ausführlichen Zitaten dar, in denen Alles enthalten sei, was Leiste gegen Ballmer glaube dozieren zu müssen. Ballmer formuliere Steiners Frage so: »Wie wurde es möglich, in einem zu intendierenden ›Christusbewusstsein‹ die Wahrheit als freie produktive Menschentat zu verstehen?«.

Im Unterkapitel Die Karma-Orientierung der Erkenntnistheorie, versuche der Autor die Frage zu klären, in welcher Beziehung die »freie produktive Menschentat« jedes denkenden Menschen zu der »freien produktiven Menschentat« Rudolf Steiners stehe, dem er »als dem Bahnbrecher der produktiven Denkfreiheit Verehrung« zolle. Für Ballmer sei die denkerische Freiheitstat Steiners »gemeinschaftbegründend«. Er erblicke in ihr den »Boden« für eine »Erkenntnisgemeinschaft«. Er versuche zu zeigen, dass der »Boden«, die »Voraussetzung« einer Erkenntnistheorie, die »keinen anderen Grund der Wahrheiten« erkenne, »als den in ihnen liegenden Gedankeninhalt«, nicht »aus dem historischen Flugsand der philosophischen Allgemeinbegriffe« gebildet werde, sondern dass dieser Boden vielmehr »der Weltengrund« selbst sei, und zwar in der »höchsten Form«, »in der er innerhalb der Wirklichkeit des gewöhnlichen Lebens auftrete«; denn diese »höchste Form« sei »das Denken und mit demselben die menschliche Persönlichkeit«. Wer sich auf diesen Boden stelle, gehe laut Ballmer ein »zeitüberwindendes existenzielles Denk-Verhältnis« mit der Freiheitstat ein, durch die »zum ersten Mal in der Geistesgeschichte der Menschheit menschliches Denken ganz rein christlich« geworden sei.

Es grenze ans Skandalöse, so Boos, wenn Leiste dem »unmissverständlichen Satz« Ballmers »von der Philosophie und Anthroposophie Rudolf Steiners aus« die Behauptung entgegenstelle, »dass dieser Brennpunkt nur das eigene Ich jedes einzelnen Menschen sein« könne. Er unterstelle, Ballmer habe »in einem großen ›Brennpunkt‹ alle kleinen Brennpünktli« austilgen wollen und halte diesem entgegen: »›Durch alles, was Rudolf Steiner je geschrieben und gesprochen hat, wird jeder Mensch, der sich damit beschäftigt, auf sich selbst gewiesen. Das ganze Werk Rudolf Steiners kann von diesem Gesichtspunkt aus als eine bis in unzählige Einzelheiten gehende Anweisung genommen werden, um als Brennpunkt und Mittelpunkt das eigene geistige Ich zu finden, und zwar auf einem Freiheitsweg des Erkennens und des Handelns …«.

Wenn das Werk Steiners, wie Leiste schreibe, tatsächlich eine »bis in unzählige Einzelheiten gehende Anweisung« darstelle, werde sein Protest gegen Ballmers Auffassung, Steiners Erkenntnistheorie sei »ein bedeutsamer Brennpunkt der Weltwirklichkeit«, gegenstandslos. In Steiners philosophischem Werk sei das menschliche Denken »zum ersten Mal christlich geworden«. Ohne dieses Werk wäre es vermutlich auch Leiste schwergefallen, »christlich zu sein«. Und derjenige, der Leistes Denken denke, wäre ohne jenen »bedeutsamen Brennpunkt der Weltwirklichkeit« kaum dazu gekommen, »auf einem Freiheitsweg des Erkennens« sich selbst als »Brennpunkt und Mittelpunkt« zu finden.

Boos wirft Leiste seinerseits »Textfälschung« vor, denn er behaupte, Ballmer spreche von Steiners Wirken als »dem Brennpunkt der Weltwirklichkeit«, wo dieser doch nur von einem Brennpunkt spreche. Leiste gelinge es, »die subtilste und reinste Frage – nach der Gemeinschaftsbegründung auf dem Urgrund im christlich werdenden Denken sogar mit einer Textfälschung zu schänden«.

Am Ende seines Aufsatzes stellt Boos »als Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und als Träger der Verantwortung für den sozialwissenschaftlichen Sektor am Goetheanum« fest: Leiste gelange zu seinen Folgerungen nur aufgrund einer Entstellung der Gedanken Ballmers. Seine Folgerungen – Ballmer hebe die Anthroposophie auf und setze eine Anti-Anthroposophie an deren Stelle – schlügen auf ihn selbst zurück. Außerdem klagt er Leiste an, sich zum »Ketzerrichter« zu erheben, indem er Ballmers Anschauungen zur »Anti-Anthroposophie« erkläre. Ein solches Verhalten stehe »im Widerspruch zum Wesen der Anthroposophie und zu den Prinzipien der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft«. Er selbst wiederum habe durch seinen Artikel »vor der Welt erwiesen, dass aus den Reihen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft heraus gegen die unzulängliche Kritik Leistes, gegen seine Folgerungen und gegen die ketzerrichterliche Anmaßung, die daraus spricht, Verwahrung eingelegt worden« sei. Leiste möge Personen, »die davon sprechen, dass ein Mensch einem andern eine ›Kraft‹ gegeben oder verliehen habe (als ›faktische Voraussetzung‹ freier Erkenntnistat) vor ein Ketzergericht zitieren«, die Anthroposophie und die Anthroposophische Gesellschaft würden auch »den Ungeist der Ketzerrichterei überleben«.

Dies war der Stand der Dinge Ende 1941: Anthroposophen warfen sich gegenseitig vor, Anti-Anthroposophen und Ketzer zu sein; auf der einen Seite die Anhänger Steffens, auf der anderen jene Marie Steiners. Wie sollte eine Befreiung aus diesem Schlamassel noch möglich sein?

Vorheriger Beitrag: Der Konflikt zwischen Marie Steiner und Albert Steffen (5)


Anmerkungen:


  1. Karl Ballmer, A.E. Biedermann heute! Zur theologischen Aufrüstung, Bern 1941.
  2. Eine solche Äußerung lässt sich zumindest in der Gesamtausgabe nicht finden.
  3. Paul Bühler, 1938-1946 am Goetheanum. Eine Verteidigung aus Notwehr, Dornach 1947, S. 49.
  4. Ebd., S. 51.
  5. Day/Werth, Sine nefas, Dornach 1951, S. 111.
  6. In seiner Dissertation Wahrheit und Wissenschaft findet sich ein interessantes Urteil Steiners über den Theologen: »Am nächsten« heißt es hier am Ende der »erkenntnistheoretischen Schlussbetrachtung« (Kapitel VII), »berührt sich unsere Weltanschauung, wie wir sie erkenntnistheoretisch begründet haben, mit der von A. E. Biedermann vertretenen. (1 [verwiesen wird von Steiner auf Biedermann Christliche Dogmatik von 1884/85]) Aber Biedermann braucht zur Begründung seines Standpunktes Feststellungen, die durchaus nicht in die Erkenntnistheorie gehören. So operiert er mit den Begriffen: Sein, Substanz, Raum, Zeit usw., ohne vorher den Erkenntnisprozess für sich untersucht zu haben. Statt festzustellen, dass im Erkenntnisprozess zunächst nur die beiden Elemente Gegebenes und Denken vorhanden sind, spricht er von Seinsweisen der Wirklichkeit.So sagt er z. B. § 15: ›In allem Bewusstseinsinhalt sind zwei Grundtatsachen enthalten: 1. es ist uns darin zweierlei Sein gegeben, welchen Seinsgegensatz wir als sinnliches und geistiges, dingliches und ideelles Sein bezeichnen.‹ Und §19: ›Was räumlich-zeitliches Dasein hat, existiert als etwas Materielles; was Grund alles Daseinsprozesses und Subjekt des Lebens ist, das existiert ideell, ist real als ein Ideell-Seiendes.‹ Solche Erwägungen gehören nicht in die Erkenntnistheorie, sondern in die Metaphysik, die erst mit Hilfe der Erkenntnistheorie begründet werden kann. Zugegeben werden muss, dass Biedermanns Behauptungen den unseren vielfach ähnlich sind; unsere Methode aber berührt sich mit der seinigen durchaus nicht. Daher fanden wir auch nirgends Veranlassung, uns direkt mit ihm auseinanderzusetzen. Biedermann sucht mit Hilfe einiger metaphysischer Axiome einen erkenntnistheoretischen Standpunkt zu gewinnen. Wir suchen durch Betrachtung des Erkenntnisprozesses zu einer Ansicht über die Wirklichkeit zu kommen.Und wir glauben in der Tat gezeigt zu haben, dass aller Streit der Weltanschauungen daher kommt, dass man ein Wissen über ein Objektives (Ding, Ich, Bewusstsein usw.) zu erwerben trachtet, ohne vorher dasjenige genau zu kennen, was allein erst über alles andere Wissen Aufschluss geben kann: die Natur des Wissens selbst«. Rudolf Steiner, Wahrheit und Wissenschaft, Dornach 2012, S. 94-95.
  7. Ballmer, A. E. Biedermann heute, Bern 1941.
  8. Gemeint sind sein eigenes Buch Anthroposophie und Theologie. Zur Abwehr, Bern 1940 sowie die Broschüre Rudolf Saurers, Die Theologie Karl Barths und das Geheimnis, Bern 1940.
  9. Ballmer 1941, S. 6.
  10. Karl Ballmer, Aber Herr Heidegger! Zur Freiburger Rektoratsrede Martin Heideggers, erschienen im Verlag von Rudolf Geering, Basel 1933.
  11. Ballmer 1933, S. 7.
  12. Ballmer 1933, S. 46.
  13. Ebd., S. 12.
  14. Ebd., S. 12.
  15. Ebd., S. 24.
  16. Ebd. S. 26.
  17. Ebd., S. 30.
  18. Ebd., S. 43.
  19. Ebd., S. 46. Ballmer zitiert hier den Aufsatz Der Individualismus in der Philosophie, enthalten in GA 30, Dornach 1989, Zitat S. 150. Der Aufsatz erschien zuerst unter dem Titel Der Egoismus in der Philosophie in einem von Arthur Dix herausgegebenen Sammelwerk über den Egoismus im Jahr 1899. Es handelt sich um einen Schlüsseltext Rudolf Steiners aus der Zeit des geistigen Umbruchs kurz vor seinem öffentlichen Eintreten für die Theosophische Gesellschaft.
  20. Ballmer 1941, S. 21.
  21. Ebd., S. 22.
  22. Day/Werth 1951, S. 111.
  23. Das Zitat stammte aus Steffens Aufsatz Kultus und Drama (geschrieben 1930 zum Geburtstag Rudolf Steiners am 27. Februar). In diesem heißt es: »Betrachtet man die Methoden wissenschaftlicher Forscher unserer Zeit, so zeigt sich meistens, dass sie, trotz aufrichtigster Gesinnung und exaktester Handhabung, zu verschiedenen Resultaten führen. Es liegt dies im allgemeinen in der leiblichen Organisation der betreffenden Wissenschaftler begründet, an die ihr Denken gebunden ist, im besonderen an vererbten oder anerzogenen Eigenschaften, an Lehrern oder Freunden, an persönlichen Verhältnissen usw.Eine Methode, die Gültigkeit für alle Menschen mit gesundem Verstand besitzen soll, kann nicht abhängig sein vom Schicksal eines Einzelnen, obwohl sie von einer in sich beruhenden, von jedem Trieb und jeder Tradition gelösten, freien Persönlichkeit geschaffen werden muss. Das heißt: sie sollte, trotzdem der Mensch, der sie fand, sein individuelles Schicksal hat, von diesem nicht beeinträchtigt werden. Nur so vermag sie über das Werden der Welt und der Menschheit etwas Umfassendes auszusagen. Das ist aber ein hauptsächliches Merkmal geisteswissenschaftlicher Methodik im Sinne Rudolf Steiners […]«. Auf diese Passage beziehen sich die Ausführungen Ballmers in seiner Broschüre. Ballmer schreibt: »Albert Steffen ist auf das Problem des Persönlichen gestoßen in einem Aufsatze, ›geschrieben zum Geburtstag Rudolf Steiners am 27. Februar‹ (1930). Er fügt unserem Problem eine neue Seite hinzu, indem er nicht das Verhältnis der Individualität zur Wahrheit, sondern das Verhältnis des Persönlichen zur ›Methode‹ der Wahrheitsfindung beleuchten möchte. Das könnte deswegen belangvoll und fruchtbar sein, weil Anthroposophie als Erkenntnis-Weg nicht ein Weg für besonders befähigte Persönlichkeiten, sondern ›für alle Menschen‹ ist. Steffen führt aus: ›Eine Methode, die Gültigkeit für alle Menschen mit gesundem Verstand besitzen soll, kann nicht abhängig sein vom Schicksal eines Einzelnen, obwohl sie von einer in sich beruhenden [hier wird ein Nebensatz von Ballmer ausgelassen, L.R.] freien Persönlichkeit geschaffen sein muss. Das heißt: sie sollte, trotzdem der Mensch, der sie fand, sein individuelles Schicksal hat, von diesem nicht beeinträchtigt werden [hier wird von Ballmer ein Satz ausgelassen, L.R.]. Das ist aber ein hauptsächliches Merkmal geisteswissenschaftlicher Methodik im Sinne Rudolf Steiners.‹« Ballmer 1941, S. 50-51. – Von einer »Verstümmelung« des Steffenschen Textes kann somit keine Rede sein.
  24. E.A. Karl Stockmeyer in: Probleme der Anthroposophischen Gesellschaft und Wege zu ihrer Lösung, Stuttgart 1932.
  25. Ballmer 1941, S. 52-55.
  26. Zitiert nach: Aargauer Kunsthaus und Karl Ballmer-Stiftung (Hrsg.): Karl Ballmer, 1891-1958. Der Maler, Aarau 1990, S. 154.
  27. Heinrich Leiste, Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft, Basel 1941.
  28. Die Kritik Leistes an Ballmer: Auf S. 198 zitiert Leiste aus Ballmers Essay A.E. Biedermann heute!: »Indem wir die Erkenntnistheorie Rudolf Steiners zur Voraussetzung erheben für unser Erkenntnisfragen, setzen wir demnach nicht eine Theorie voraus, sondern orientieren uns auf einen bedeutsamen Brennpunkt der Weltwirklichkeit selbst«. Er kommentiert dieses Zitat wie folgt: »Der in den zitierten Worten ausgesprochenen Ansicht Ballmers muss von der Philosophie und der Anthroposophie Rudolf Steiners aus das Andere entgegengestellt werden: dass dieser Brennpunkt nur das eigene Ich jedes einzelnen Menschen sein kann. Hier liegt bei Ballmer eine fundamentale Verkennung des Werkes Rudolf Steiners vor« (ebd.). Auf S. 207 schreibt Leiste: »Ballmers Vorgehen ist ein Aufheben der Anthroposophie. Ballmer lässt sie gewissermaßen auf diese Weise sich selbst umbringen«. Auf S. 210-211 spricht Leiste von einer »völlig willkürlichen Behauptung Ballmers von Rudolf Steiners absoluter Sonderstellung« und kommentiert diese Behauptung mit den Worten: »Jeder, der das Werk Rudolf Steiners wirklich kennt, wird die überragende Größe dieser einzigartigen Persönlichkeit sehen und sie auch schon bei dem jungen Rudolf Steiner anerkennen. Doch versucht Ballmer die Größe des Einen dadurch zu betonen, dass er uns andere entsprechend degradiert. Wir werden zu Wesen, die im Kern ihres Seins radikal abhängig sind von dem Einen. Dieser Eine wird so zum Gott (Urwesen) gemacht, aber zu einem Gott, der bestenfalls im Sinne vorchristlicher Kulturen gedacht werden könnte, etwa im Sinne des Jahwe-Wirkens des Alten Testamentes. [kurs. L.R.]Wir haben es bei Ballmer in Wirklichkeit mit einer Ignorierung des Christentums zu tun […] Ballmers Ansicht über die Sonderstellung Rudolf Steiners kann durch nichts aus dem Werke Rudolf Steiners selbst begründet werden. Ganz im Gegenteil! Eine solche Auffassung stellt sowohl die Philosophie als auch die Christosophie Rudolf Steiners direkt auf den Kopf«. Auf S. 212 heißt es: »Noch an anderer Stelle tritt die achristliche Orientierung der Auffassung Ballmers deutlich entgegen« [kurs. L.R.]. Auf S. 217: »Würden Menschen nun tatsächlich der Anthroposophie gegenüber eine solche Seelenhaltung, wie sie Ballmer fordert, praktizieren, was an sich nicht unmöglich wäre, dann könnten diese Menschen niemals Anthroposophie erleben. Dass sie die Realität, die sie erleben, so nennen würden, ändert natürlich nichts an jener Tatsache. Was für eine Wirklichkeit wäre das nun aber, die sie erfahren? Es wäre ein Etwas, das zur Anthroposophie im gleichen Verhältnis stünde wie die Notwendigkeit zur Freiheit, nämlich im unmittelbaren Gegensatz. Es wäre eine Anti-Anthroposophie. An die Stelle des Wesens Anthroposophie würde das Gegen-Wesen treten« [kurs. L.R.].
  29. Leiste emigrierte nicht wegen der Rassengesetze, sondern wegen seiner Ablehnung des Regimes, das ihm durch das Verbot der Gesellschaft im Deutschen Reich den Boden entzogen hatte. Er war in den dreißiger Jahren bereits mit einigen Publikationen hervorgetreten: Von der Philosophie der Freiheit zur Christosophie, Dornach 1933; Vom Wesen der Meditation, Dornach 1935 und Geisteswissenschaftliche Metaphysik, St. Gallen 1937.
  30. Gegenwart, H. 2, 1941, S. 544-545.
  31. So gab Boos 1946 im Europa-Verlag im Auftrag Marie Steiners die Vorträge Steiners über die »Geschichte und Überwindung des Imperialismus« heraus, die dieser vom 20.-22. Februar 1920 vor englischen Zuhörern in Dornach und Oxford gehalten hatte. Siehe: Rudolf Steiner, Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsgeschichte, GA 196, Dornach 1992.
  32. Zitiert nach Bühler, 1947, S. 95.
  33. Guenther Wachsmuth, Die Geburt der Geisteswissenschaft. Rudolf Steiners Lebensgang von der Jahrhundertwende bis zum Tode (1900-1925). Eine Biografie, Dornach 1941. 2. Auflage unter dem Titel: Rudolf Steiners Erdenleben und Wirken von der Jahrhundertwende bis zum Tode. Die Geburt der Geisteswissenschaft – eine Biographie, Dornach 1951.
  34. Albert Steffen, Dr. Guenther Wachsmuth, »Die Geburt der Geisteswissenschaft«, Das Goetheanum, 20. Jg. Nr. 51, 21. Dezember 1941, S. 407.
  35. Roman Boos, Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft. Kritisches zum gleichnamigen Buch von Heinrich Leiste, Gegenwart, Heft 9, September 1941, S. 375-388.
  36. Das »Motto« findet sich in einem Vortrag Steiners vom 27.12.1918, in: Wie kann die Menschheit den Christus wiederfinden?, GA 187, Dornach 1995, S. 81.

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Ein Kommentar

  1. Beachtliche Zusammenfassung der damaligen Konstellation rund um Karl Ballmer, dessen Kernaussagen, Hut ab ! Grüße Peter Wyssling

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