1982 | Apotheose oder Theophanie? (3) – Sergej O. Prokofieff und der »Menschheitslehrer« Rudolf Steiner

Zuletzt aktualisiert am

 

Ikonostase im Ipatios-Kloster der Heiligen Trinität, Kostroma.

Ikonostase im Ipatios-Kloster der Heiligen Trinität (Ausschnitt), Kostroma. Bildquelle: https://wolokom.ru/

Das umfangreichste Kapitel der Studie zu Steiners Lebensweg in Prokofieffs Buch beschäftigt sich mit seinem Wirken als »Menschheitslehrer«. Zu Beginn des Jahrhunderts, so wird erzählt, tritt er als »Verkünder« einer neuen »geistigen Offenbarung« an die Öffentlichkeit, um »der Erde« nach dem Ende des finsteren Zeitalters jene Kräfte zu bringen, die sie benötigt, »um sich wieder zum Geist zu erheben« (PR, 66-67). Seit dem Eintritt in seine Geistselbstepoche (42-49) steht sein Wirken im Zeichen des Mars und er trägt die neue spirituelle Weisheit durch das Wort in die Erdenentwicklung. Er ist von einer Gloriole umgeben (deren »Kräfte wie die Strahlen einer geistigen Sonne ihn von dieser Zeit an umhüllen«, PR, 66). Die »Stimme der Weltenweisheit« spricht »aus jedem seiner Worte, aus jeder kleinsten Zeile, die er schreibt«. In dieser Epoche legt er »den Grundstein, für die wahre Wissenschaft vom Geist« (PR, 69).

Zunächst jedoch tritt er der Theosophischen Gesellschaft bei, »an deren Wiege echte Initiatoren gestanden hatten«, die ihm daher »vorläufig als Instrument für das spirituelle Leben der Gegenwart« geeignet schien (Steiner in den Dokumenten von Barr, 1907). Bedauerlicherweise geriet jedoch die Theosophische Gesellschaft laut Prokofieff immer mehr unter den Einfluss bestimmter »östlich-tibetanischer Bruderschaften« und nahm eine »ausgesprochen nichtchristliche Färbung« an. Steiner trat dagegen »von Anfang an« »als Eingeweihter einer vollkommen neuen Art« in diese Gesellschaft ein, als »Repräsentant des modernen, westlichen christlich-rosenkreuzerischen Okkultismus«. Dessen Besonderheit ist die Ausrichtung auf das Allgemein-Menschliche. Er wendet sich an alle Menschen, nicht nur an bestimmte Menschengruppen mit Partikularinteressen. Steiners Arbeit stand »von Anfang an« auf dem Boden rein objektiver spiritueller Erkenntnisse (PR, 67). »Von Anfang an« stand »der Christus im Mittelpunkt« seiner Verkündigung (PR, 68), eine Behauptung, die der Autor durch ein Zitat aus der Kasseler Vortragsreihe über das Johannes-Evangelium 1909 zu belegen versucht. Die Behauptung entspricht leider nicht den Tatsachen, vielmehr zeugen die Quellen davon, dass »Christus« sukzessive im Lauf der Jahre in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen trat, dass sich seine Christologie über Jahre allmählich entwickelte und zunehmend vertiefte bzw. erweiterte.[1]

Dieser neue »Geistimpuls« »passte den Leitern der damaligen Theosophischen Gesellschaft ganz und gar nicht« (PR, 69). Da sie immer mehr dem Einfluss der »östlich-tibetanischen Bruderschaften« erlagen, schlossen sie Steiner daher 1913 aus der Theosophischen Gesellschaft aus. Prokofieff legt besonderen Wert auf die Feststellung, Steiner sei ausgeschlossen worden. In diesem Ausschluss zeige sich »die Tragödie« der TG, die unfähig gewesen sei, die neue geistige Offenbarung aufzunehmen und sich dadurch der letzten Möglichkeit beraubt habe, sich mit den Kräften zu verbinden, »die die Menschheitsentwicklung rechtmäßig [!] leiten« (PR, 69).[2]

Auch in Prokofieffs Ausführungen über die Geschichte der Esoterischen Schule und der maurerischen Handlungen findet sich leider eine irrtümliche, zumindest einseitige Behauptung: die okkulte Gesellschaft, deren Diplom Steiner entgegennahm, habe es ihm von sich aus angeboten (PR, 70). Zwar gab es vermutlich Ende 1903 ein solches Angebot, allerdings führte es zunächst zu nichts. Stattdessen nahm Steiner im Herbst 1904 von sich aus Kontakt mit dem Hauptvertreter der deutschen Memphis-Misraim-Maurerei, Theodor Reuß, auf. Dabei handelte es sich um eine Form der »ägyptischen Maurerei«, die Ende des 19. Jahrhunderts von John Yarker geschaffen worden war. Sowohl H.P. Blavatsky als auch Annie Besant gehörten diesem Zweig der Adoptionsmaurerei[3] an. Von Yarker hatte Reuß zusammen mit Heinrich Klein und Franz Hartmann einen Charter erhalten, der ihnen erlaubte, diese Maurerei in Deutschland zu lehren. Am 24. November 1905 traten Rudolf Steiner und Marie von Sivers dem Memphis-Misraim-Orden bei. Die Verhandlungen über den Charter, der Steiner berechtigte, »ein Kapitel und einen Großrat der Adoptionsmaurerei« unter dem Namen »Mystica aeterna« zu gründen, zogen sich hin und führten am 3. Januar 1906 zu einem entsprechenden Vertrag.[4] Wie auch bei seinem Eintritt in die Theosophische Gesellschaft ließ sich Steiner vom Prinzip der okkulten Loyalität leiten, nach dem an bestehende Traditionen und Einrichtungen anzuknüpfen ist, auch wenn er – und hier ist der Ausdruck »von Anfang an« angebracht – diesen Traditionen einen neuen Inhalt und eine neue Form gab, die aus seinen eigenen Forschungen hervorgingen.

Nun teilt Prokofieff seinen Lesern noch weitere Einsichten in die Bewusstseinsverfassung Rudolf Steiners mit (PR, 71 f). Da dieser um die Jahrhundertwende in die »Sphäre der Intuition« aufgestiegen sei, die sich »bis zur kosmischen Grenze erstreckt«, die »das obere Devachan […] vom Buddhi-Plan«, »der Welt der Vorsehung« trennt, in dem sich die Bodhisattvas aufhalten, habe er auch Einblick in das Verhältnis der Bodhisattvas zu Christus erlangt. Es dürfe vermutet werden, so Prokofieff, dass das Bild des von den zwölf Bodhisattvas umgebenen Christus, der jene wie eine Sonne erleuchte, das er am 25. Oktober 1909 in Berlin mitteilte[5], »erstmals in der Zeit zwischen 1899 und 1901 vor dem geistigen Blick Rudolf Steiners aufgetaucht« sei (PR, 71). Bodhisattvas sind laut Steiner Wesen (Menschen), die sich durch Umwandlung ihres Astralleibs dem Engeldasein angenähert haben. In ihrer letzten Inkarnation auf Erden, in der sie zum Buddhadasein aufsteigen, vollenden sie diese Umwandlung. Ihr Astralleib wird zu einem leuchtenden Geistleib (Nirmanakaya; man erinnere sich an die Aussage, Steiner sei seit seinem 42. Lebensjahr von einer Gloriole umgeben gewesen) und sie beginnen danach, ihren Ätherleib in Lebensgeist umzuwandeln. Ihr Bewusstsein erweitert sich bis zum Nirvanaplan.

Bereits im Jahr 1930 hatte Adolf Arenson die Vermutung ausgesprochen, Rudolf Steiner sei der Bodhisattva des 20. Jahrhunderts, jener Bodhisattva, der dazu bestimmt ist, zum künftigen Buddha Maitreya zu werden. Dieser Vermutung Arensons schließt sich Prokofieff mit eigenen Vermutungen an, die sich allerdings für ihn zur Gewissheit verdichten: »Deshalb können wir vermuten, dass die Durchdringung des Astralleibs von Rudolf Steiner durch den neuen Bodhisattva in der Zeit um 1902-1903 begonnen hat, als Rudolf Steiner in sein siebtes Lebensjahrsiebt eintrat […] durch den einen Bodhisattva, der seit dieser Zeit Rudolf Steiner unmittelbar inspiriert, wirkt auf ihn auch der ganze Kreis der Bodhisattvas in ihrer Gesamtheit« (PR, 73-74). Diese »Gesamtheit der Bodhisattvas« kann aber laut Steiner mit dem Heiligen Geist des Christentums gleichgesetzt werden. Mit anderen Worten: ab 1902 wurde Steiner »durch den Bodhisattva unmittelbar von dem Heiligen Geist inspiriert« (PR, 75). Diese spirituellen Vorgänge lassen sich zeitlich sogar noch genauer fassen. »Das Eindringen der Kräfte des Bodhisattva in den Astralleib Rudolf Steiners« beginnt um 1902/03 und setzt sich bis zur Mitte dieser Periode (1906/07) fort.

Mitte 1907 fand der Theosophische Kongress in München statt, über den es in Mein Lebensgang heißt: »In dem folgenden wird die Darstellung meines Lebensgangs von einer Geschichte der anthroposophischen Bewegung schwer zu trennen sein«.[6] Dieser Satz muss laut Prokofieff wie folgt gelesen werden: »[…] das bedeutet, dass er sein persönliches Leben und auch alle Früchte seiner individuellen Entwicklung dem Geistesstrom vollständig hingeopfert hat, der sich durch ihn aus der erhabenen Wesenheit ergießt, die wir den Bodhisattva nannten« (PR, 78). Da aber das persönliche Leben des Menschen im Astralleib wurzelt, opferte Steiner seinen Astralleib. »Rudolf Steiner opferte als Eingeweihter seinen irdischen Astralleib, indem er ihn der hohen geistigen Wesenheit des Bodhisattva zur Verfügung stellte, der von nun an durch ihn sprach. Diese Tat ist die zweite Stufe auf dem großen Opferweg Rudolf Steiners. Das vollzog sich zwischen 1906-1907, etwa in der Mitte seines 7. Lebensjahrsiebts […]« (PR, 78).

Bis zu seinem 49. Lebensjahr dringt nun der Bodhisattva immer tiefer in den Astralleib Steiners ein, es ist die Zeit, in welcher er die großen christologischen Vortragsreihen hält, um 1910 geht dieses Eindringen »seiner Vollendung entgegen«, in jenem Jahr, »in dem der Christus in ätherischer Gestalt in die Sphäre der Menschen eintrat« (PR, 79). »Im Februar 1910 vollendet Rudolf Steiner sein 49. Jahr«. Er tritt in die Epoche des Lebensgeistes ein, »und im Januar desselben Jahres verkündigt er zum ersten Male den ätherischen Christus […]« (PR, 79-80).

Mit anderen Worten: Seit 1902/03 ist Rudolf Steiner kein Mensch im gewöhnlichen Sinn dieses Wortes mehr. Durch ihn spricht die Gesamtheit der Bodhisattvas, der Heilige Geist. Er ist zu einer Theophanie geworden.

In diesem Zusammenhang sollte eine Anmerkung nicht überlesen werden, die sich auf das Sprechen höherer Wesenheiten durch Rudolf Steiner bezieht (Anm. 40, PR, 409): »Wir können uns innerlich nicht vollkommen als Anthroposophen bezeichnen, wenn wir nicht ganz und gar begreifen, dass, wenn Rudolf Steiner z. B. in seinen Vorträgen von dem Bodhisattva sprach, der Bodhisattva neben ihm war, wenn er von Christian Rosenkreutz, von Manes, Skythianos, Zarathustra, Buddha sprach, alle diese großen Lehrer der Menschheit vor seinem geistigen Auge standen und ihn segneten in seinem Dienst für sie und die Menschheit, in dem sie ihm ihr eigenes Wesen offenbarten. Das ist die geistige Realität, die jeder Anthroposoph unbedingt erkennen muss. Daraus folgt aber auch die große Verantwortung jener, die jetzt das Werk Rudolf Steiners auf der Erde fortsetzen. Die Verantwortlichkeit jedes Anthroposophen, die er unmittelbar vor der geistigen Welt hat und in erster Linie vor denjenigen hohen geistigen Wesenheiten, die durch ihren großen Vertreter die neue geistige Offenbarung auf die Erde sandten. Das Schicksal dieser Offenbarung ist nun unabänderlich mit dem Schicksal der ganzen Menschheit verbunden«. Wann ist jemals ein solches Bekenntnis ausgesprochen worden, abgesehen von Bekenntnissen, die auf manche der genannten Religionsstifter abgelegt wurden? Prokofieff schließt, wie wir sahen, nicht nur aus, dass man außerhalb der anthroposophischen Gesellschaft Anthroposoph sein könnte, er legt auch fest, welches Bekenntnis diejenigen ablegen müssen, die sich als wahre Anthroposophen betrachten wollen.

Aber damit ist der Höhepunkt seiner Enthüllungen noch längst nicht erreicht, denn zwei weitere Opfer werden von Steiner gebracht. In seinem achten Jahrsiebt, jenem des Lebensgeistes (49-56, 1910-1917), das aus der Sphäre des Jupiter, der kosmischen Weisheit inspiriert wird, ist sein Ätherleib »von einem Lebensgeist überglänzt, der ganz von den Sonnenkräften durchdrungen ist« (PR, 81). Er vermag aus diesem »starke und umfassende« künstlerische Impulse zu geben (beginnend mit den Mysteriendramen). Da ihn sein Ätherleib mit der Sphäre der Archangeloi verbindet, wie zuvor sein Astralleib mit jener der Angeloi, gewinnt er Einblicke in das Wirken der Erzengel als Volksgeister (wie Die Mission einzelner Volkseelen …, GA 121, bezeugt). Er schafft den Seelenkalender und legt schließlich 1913 den Grundstein für das Gesamtkunstwerk des ersten Goetheanum.

Der Zeitraum ab Ende 1909 ist aber auch noch aus einem anderen Grund bedeutsam. Denn im September 1909 beginnt laut Prokofieff durch Steiner die Offenbarung der Seele des nathanischen Jesusknaben (in der Basler Vortragsreihe über das Lukas-Evangelium, GA 114), der »Schwesterseele Adams«, des dem Sündenfall entgangenen Teiles des Ätherleibes der Urmenschheit. Diese inspirierte »unmittelbar« die Vorträge über das fünfte Evangelium, des eigentlich »anthroposophischen Evangeliums«, die im Oktober 1913 stattfanden (GA 148).

»Im Jahre 1909«, so Prokofieff, »tritt der ätherische Leib des Christus in die Erdenentwicklung ein, und mit ihm die himmlisch-ätherische Wesenheit der nathanischen Seele. Zu derselben Zeit beginnt Rudolf Steiners achtes Lebensjahrsiebt, das Jahrsiebt des Lebensgeistes, wo der Mensch für alles Ätherische besonders empfänglich ist« (PR, 87). Diese nathanische Seele, die als Augenzeuge (»autoptos«, wie es bei Lukas heißt) 33 Jahre hindurch im Leben des Jesus anwesend und damit für diese Aufgabe prädestiniert war, inspirierte Steiner, »die Geheimnisse des fünften Evangeliums zu enthüllen« (PR, 88). Ja, das »makrokosmische Vater Unser«, das Steiner erstmals am 20. September 1913, bei der Grundsteinlegung des ersten Goetheanum aussprach, vernahm er unmittelbar von jener Wesenheit, die der Träger des Christus auf Erden war (PR, 88). Das fünfte Evangelium, das »Evangelium der Erkenntnis«, stellt sich aus dem Westen den vier Evangelien aus dem Osten, den »Evangelien der Verkündigung« ergänzend zur Seite. Das fünfte Evangelium ist »die ewige Offenbarung des Christus von seiner eigenen Wesenheit, die Rudolf Steiner der ganzen Menschheit in unserer Zeit durch die Vermittlung der nathanischen Seele enthüllt hat« (PR, 89).

Auf den folgenden Seiten (PR, 88-99) »analysiert« Prokofieff den »esoterischen« Gehalt des makrokosmischen »Vater Unser«, in dem er Anrufungen der im Abgrund versinkenden Menschheit an die nathanische Seele findet, ihren physischen Leib, ihren Ätherleib und ihren Astralleib zu retten, worauf diese mit drei Opfern ihres ätherischen Leibes antwortet (GA 152), indem sie gleichzeitig aus kosmischen Höhen auf die Erde herabsteigt, sowie Anrufungen des Christus, der diese ebenfalls erhört, indem er aus überkosmischen Höhen schrittweise auf die Erde herabsteigt, um schließlich bei der Taufe am Jordan in den Leib des Jesus von Nazareth einzutreten. Durch dieses Erscheinen des Christus auf Erden kehrt sich die absteigende Evolution des Kosmos und der Menschheit in eine aufsteigende um und das »makrokosmische Vater Unser« wandelt sich in das mikrokosmische, der Mensch muss nunmehr den Weg in die geistigen Welten »von unten herauf« suchen.

Es ist natürlich kein Zufall, dass Steiner jenes makrokosmische »Vater Unser« bei der Grundsteinlegung des ersten Goetheanum sprach, vielmehr wirft diese Tatsache ein Licht auf die spirituelle Bedeutung des Baus. Denn mit ihm trat die Anthroposophie auch äußerlich sichtbar als »Zentrum der Lichteskräfte in Erscheinung« und musste damit »die ganze Last der Gegnerschaft der Mächte der Finsternis« auf sich ziehen (PR, 99). Steiner war laut Prokofieff »die ganze Schwere und Tragik des Kampfes um die weitere Entwicklung der Anthroposophie in der Welt« bewusst, als er sich dazu entschloss, den Bau zu errichten. Die Grundsteinlegung war mit einem »ungeheuren Opfer verbunden« (PR, 100). Wer »ihre kosmische Bedeutung empfindet«, wird in ihr eine Mysterienhandlung sehen, die nicht nur in der physischen, sondern auch in der ätherischen Welt stattfand (PR, 101). Durch sie wurde »in das westliche Geistesleben« der Same eines neuen Strebens zum Geist gelegt, der durch »Geburt, Wachstum, Tod und Auferstehung« hindurchgehen sollte, um in der Weihnachtstagung 1923/24 Frucht zu tragen (PR, 102). Der Akt der Grundsteinlegung ist die »irdische Fortsetzung« der kosmischen Opfertaten der Seele des nathanischen Jesus, ja des »erhabensten Geschehens der Weltentwicklung«, des Mysteriums von Golgatha (PR, 103). Sie ist »die erste Opfertat«[7], die vom freien Willen des Menschen ausgeht, der die Kräfte des Christus in sich aufnimmt und damit dem Wiederaufsteigen der Menschheit dient (PR, 103).

All die Ausführungen auf den vorangehenden Seiten scheinen dem Autor nicht genügt zu haben, um seine These, worin das dritte Opfer Steiners bestand, ausreichend zu begründen. Daher greift er zuletzt zu einem argumentum ad verecundiam und zitiert Rudolf Grosse (Die Weihnachtstagung als Zeitenwende), der bereits auf dieses »tiefe Mysterium« in Steiners Lebensgang hingewiesen habe, indem er »die Ätherhülle des Baus« zur Ätherhülle Steiners in Beziehung brachte. Steiners Opfer bestand darin, dass er »die Kräfte seines Ätherleibs für die Bildung einer geistigen Hülle um den Dornacher Hügel hingeben musste […], die jenen erhabenen geistigen Impulsen als Gefäß dienen sollte, welche an diesem Ort sich herabsenken wollten, damit er das Zentrum des Geisteslebens der westlichen Menschheit werden konnte« (PR, 105). Aber jene geheimnisvolle Beziehung wurde erst nach dem Brand des Goetheanum sichtbar. Auch hier beruft sich Prokofieff auf Grosse, der vom »Hinwegsterben« des Baus durch den Brand und dem »furchtbaren Schlag« spricht, den dieses Hinwegsterben für die »physische und ätherische Hülle« des Baumeisters darstellte.

»Auf dem Grunde des Baus«, so Prokofieff zusammenfassend, liegt »das große Opfer Rudolf Steiners«, »der als Eingeweihter die Kräfte seines Ätherleibes für den Bau […] hingab« (PR, 106). »Das ist die dritte Stufe des Opferweges Rudolf Steiners […]« (ebd.). Der eigentliche Clou dieses »Opfers« besteht zweifellos darin, dass es eine Parallele zu den drei Opfern der Seele des nathanischen Jesus darstellt, der jeweils Kräfte seines Ätherleibes hingab, um physischen Leib, Astralleib und Ätherleib der Menschheit in der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha zu retten, um schließlich das größte Opfer zu ermöglichen, in dem er seinen physischen Leib zur Rettung der Menschheit hingab. Es ist aufgrund der Dramaturgie zu erwarten, dass das vierte, höchste Opfer Steiners ebenfalls in der Hingabe seines physischen Leibes bestehen wird. Der Autor spricht die genannte Parallele sogar selbst aus, wenn er schreibt: »Aber dieses Opfergeschehen, das Rudolf Steiner am Tage der Grundsteinlegung des ersten Goetheanum begann, stand auch in einer besonderen Beziehung zu der himmlischen Wesenheit der nathanischen Seele und ihrer Aufgabe in der Menschheitsentwicklung […] Viermal opferte sie der Sonnenwesenheit des Christus ihre Ätherkräfte: dreimal im Kosmos und einmal auf der Erde, ihr als Hülle dienend!« (PR, 106) »Als nun […] Rudolf Steiner […] den Entschluss fasste, […] dem Wesen nach dasselbe Opfer zu bringen, […] kann man da noch daran Zweifel hegen, ob die nathanische Seele selbst bei dem Opfergeschehen zugegen war, Rudolf Steiner helfend und segnend?« (PR, ebd.) Ja, man kann.

Es bleibt das letzte, »vollständige Jahrsiebt«, das Steiner durchlebte, von 1917 bis 1923, das Jahrsiebt des Saturn, das zu den Zeitgeistern, den Archai, insbesondere dem führenden Zeitgeist, Michael, in Beziehung steht. Die Zeitgeister sind die Träger »des Prinzips des Geistesmenschen« und es geht in diesem Jahrsiebt um die Umwandlung der Kräfte des physischen Leibes in ebenjenen. Steiner vollendete in diesem Jahrsiebt seine Wanderung durch die Planetensphären und gelangte geistig an die Grenzen des Sonnensystems, er vermochte nun, »die Inspirationen des ganzen göttlichen Makrokosmos zu empfangen«; nun erst enthüllten sich ihm auch »die allumfassenden Geheimnisse der Sonnensphäre Michaels« »in ihrer wahren Urgestalt« (PR, 110-111).

Seit der Erzengel 1879 »in die Erdensphäre« herabgestiegen ist, wirkt er, wie Prokofieff seinen Lesern mitteilt, unmittelbar unter den Menschen, in der »sozialen Sphäre«. Unter den Menschen entscheidet sich der Kampf um die Zukunft, der nunmehr, im Zeitalter der Freiheit, nicht mehr von den Göttern, sondern vom Menschen ausgefochten werden muss. Die Menschen sind nicht nur von den Göttern abhängig, »sondern auch die Götter von den Menschen« (PR, 111). Die Gegensätze, die die »ganze Größe und Tragik« dieses Saturnjahrsiebtes ausmachen, klingen laut Prokofieff in Vortragsreihen an, die zu Beginn bzw. am Ende des Jahres 1917 gehalten wurden: »das goldene Licht der Wintersonne, deren Kräfte stetig wachsen«, durchstrahlt seine Ausführungen über die Wiederkunft Christi im Ätherischen (Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, GA 175), die drohenden Finsternisse des 20. Jahrhunderts werfen ihren Schatten in Das Karma des Materialismus (GA 176) und Der Sturz der Geister der Finsternis (GA 177) voraus.

In zwei Hauptrichtungen erstreckten sich Steiners Tätigkeiten in diesem Jahrsiebt: die »spirituellen michaelischen Impulse« wurden von ihm in verschiedene Bereiche des kulturellen Lebens eingegliedert und er schuf, bereits ab 1916, »die neue Wissenschaft der okkulten Soziologie«, die darauf abzielte, ein okkultes Verständnis für die sozialen Zeitereignisse zu ermöglichen (PR, 111-112). In dieser Wissenschaft geht es um die vollständige Enthüllung der geistigen Kräfte, die im Kampf um das soziale Leben der Menschheit seit dem Anbruch der neuen Michaelepoche gegeneinander antraten.

In dieser Zeit enthüllte Steiner auch das »kosmische Mysterium Michaels«, eine Enthüllung, die in den Karmavorträgen, den Michaelbriefen und der Begründung der Ersten Klasse der Hochschule ihren Höhepunkt erreichte. In diesem Kontext wurde auch die an der Wende des Jahrtausends bevorstehende Inkarnation Ahrimans thematisiert. Immer mehr erwies sich Steiner als Bote des führenden Zeitgeistes, was nur möglich war, indem Michael laut Prokofieff »das Karma« Rudolf Steiners auf sich nahm (PR, 116). »Denn ohne die Erdenwirksamkeit dieses seines größten Schülers und Boten wäre die Lage Michaels im 20. Jahrhundert in Bezug auf die Welt der Menschen und die Welt bestimmter Götter äußerst schwierig geworden« (PR, 116). 1918 begann die Dreigliederungsbewegung, 1919 die Erneuerung der Pädagogik, 1920 die Erweiterung der Medizin, 1921 schließlich kam es zur Gründung der Christengemeinschaft.

Die mit diesen sozialen Impulsen verbundene Breitenwirksamkeit brachte jedoch auch Probleme mit sich, nicht so sehr – dies zwar auch – durch äußere Gegner, sondern noch mehr durch das mangelnde Verständnis der anthroposophischen Esoterik unter ihren Anhängern. Fehler traten auf, deren Folgen sich zerstörend für die Gesellschaft erwiesen (PR, 118). Infolge dieser Fehler vermehrte sich auch die Zahl der Gegner und die Vehemenz ihrer Anfeindungen. Steiner musste aber – im Zeitalter der Freiheit – auch diese Fehler zulassen, damit die Irrenden aus ihren Fehlern lernten. Um diese Fehler zu korrigieren bzw. um den Schülern ein Korrektiv in die Hand zu geben, hätte die zu Beginn des Ersten Weltkriegs stillgelegte esoterische Arbeit wieder aufgenommen werden müssen, ein Vorhaben, dem jedoch das mangelnde Verständnis und die fehlende Wachsamkeit der Schüler entgegenstand. Aus diesen resultierte auch die Katastrophe des Goetheanumbrandes.

Dieser Tod des Goetheanum ermöglichte jedoch dessen Auferstehung »aus dem größten denkbaren Opfer […], das Menschen möglich ist« (PR, 121). Laut Prokofieff vermochten die Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft weder das physische Goetheanum, noch die in es hineingeopferten Kräfte des Lehrers zu schützen. Der »stärkste Schlag« der Widersacher wurde ihm durch die Schwäche seiner Schüler zugefügt und er traf seinen Ätherleib. Während Steiner diese Katastrophe verkraftete, zerbrach an ihr die Gesellschaft, die sich spaltete (neben die bestehende trat im Februar 1923 die »Freie Anthroposophische Gesellschaft«).

Trotz allem bemühte sich Steiner unentwegt, dem Negativen, das sich in der Gesellschaf ausbreitete, Positives entgegenzusetzen. Im Jahr 1923 fanden mehrere Vortragsreihen statt, die über Wesen der anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft aufklären sollten (vor allem GA 258). In diesem Jahr wurde auch die Reorganisation der Gesellschaft vorbereitet. Schließlich gipfelte das Jahr in der Vortragsreihe Mysteriengestaltungen (GA 232), die »zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte das Wesen der wichtigsten westlichen Mysterien« (Hibernia, Samothrake, Eleusis, Ephesus) enthüllte (PR, 125). Sein Wissen über diese Mysterien schöpfte Steiner »unmittelbar aus der übersinnlichen Schule Michaels« (PR, 126), wie er in seinen Karmavorträgen 1924 (GA 237) mitteilte. Was »er in diesem Zyklus [GA 237] darlegte, das war die irdische Wiederholung dessen, was Michael selbst im Übersinnlichen vor der zu ihm gehörenden Versammlung von Menschenseelen und geistigen Mächten vollbracht hatte« (PR, 126). Damit spricht Prokofieff das Prinzip der irdischen Wiederholung urbildlicher kosmischer Tatsachen aus, die durch ihr Reenactment zu Stiftungsereignissen mythogener Gemeinschaften werden.

Zum Zeitpunkt der Weihnachtstagung stand Steiner kurz vor der Vollendung seines 63. Lebensjahrs, und damit »an der Grenze der Saturnsphäre«. Während er sich dem »Einfluss des gesamten Kosmos öffnete, sah er sich auf der Erde vor der Alternative, die anthroposophische Gesellschaft entweder aufzulösen oder sie von Grund auf zu reformieren und selbst deren Vorsitz zu übernehmen. Er musste »die schwerste Entscheidung seines Lebens« fällen. Sie aufzulösen hätte bedeutet, die Ziele, »die Michael der Menschheit gestellt hatte«, aufzugeben. Somit blieb nur der zweite Weg: »Rudolf Steiner entschied sich für die zweite Alternative und brachte sich damit selbst zum Opfer« (PR, 128). »Mit dieser Entscheidung stand Rudolf Steiner vor dem wahren Golgatha seines Lebens« (PR, ebd.).

Er setzte mit ihr »seine gesamte Erdenmission« aufs Spiel, denn die geistigen Mächte, die die anthroposophische Bewegung lenkten, hätten sich auch von ihm und ihr zurückziehen können. Aber wie Christus im Garten Gethsemane von allen Menschen und Göttern verlassen sich in äußerster Einsamkeit und Finsternis für seine Liebe zur Menschheit und zum Menschsein entschied, konnte sich auch Rudolf Steiner als christlicher Eingeweihter in seinem eigenen Gethsemane nicht anders als für das Opfer entscheiden. Und wie das Opfer Christi vom Vater durch die Auferweckung beantwortet wurde, folgte auch auf Steiners größtes Opfer die Auferweckung. »In Freiheit und Liebe, ohne sich auf etwas Äußeres zu stützen, nicht auf die Welt der Menschen und nicht auf die der Götter, sondern allein aus dem Christus-Impuls im eigenen Herzen fasste Rudolf Steiner den Entschluss, den Vorsitz in der Gesellschaft zu übernehmen und damit sein geistiges Schicksal mit ihr zu verbinden, hier auf der Erde und in den geistigen Welten« (PR, 131). »Okkult« betrachtet, bedeutet dieser Entschluss laut Prokofieff, dass Steiner von da an vor der geistigen Welt zugleich die »volle okkulte Verantwortung für das Handeln jedes einzelnen Gesellschaftsmitglieds auf sich nahm« (PR, 131). Zwar sind die Mitglieder nach wie vor frei, aber die Folgen ihrer Handlungen treffen auch Steiners Schicksal »unmittelbar«. In diese These übersetzt Prokofieff die Formel, Steiner habe »das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft auf sich genommen« (PR 131-132), eine Formel, die er auf Marie Steiner zurückführt.

Was aber heißt das konkret? Auch hier ist wieder das Vorbild Christi maßgebend, der im Augenblick seines Kreuzestodes das Karma der gesamten Menschheit auf sich nahm. »Bis in den physischen Leib« sühnte er die Folgen des Menschheitskarmas, indem er sein Blut vergoss. Dadurch schuf er die Möglichkeit, den Todeskräften zu entrinnen. Ähnlich das Abbild dieses Urbildes im Leben Rudolf Steiners: »Das was der Christus für die ganze Menschheit tat, als er ihr Karma auf sich nahm, das tat Rudolf Steiner für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft als ein wahrer Schüler des Christus Jesus auf der Weihnachtstagung«. Hier erhebt sich allerdings die Frage: Warum musste Steiner das Karma der Gesellschaft auf sich nehmen, nachdem bereits Christus das Karma der gesamten Menschheit auf sich genommen hatte, also auch das der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft? Ist die Menschheit, einschließlich der Mitglieder der Gesellschaft, nicht bereits durch Christi Opfer aus Golgatha entsühnt? Oder bedarf jene erlösende Tat, die der gesamten Menschheit zugute kam, auch Juden, Heiden oder Muslimen – auch den bereits vor diesem Ereignis Dahingeschiedenen – einer Ergänzung durch Rudolf Steiner? Außerdem: Wie konnte Rudolf Steiner das Karma der Gesellschaft auf sich nehmen, nachdem Michael ihm sein Karma bereits abgenommen hatte? Müsste ersteres nicht ebenfalls auf diesen übergegangen sein?

Wie dem auch sei, es gehört zu den tradierten Grundüberzeugungen dieser mythogenen Gemeinschaft, dass die Gesellschaft, indem sie ihr Karma auf Steiner ablud, auch an dessen vorzeitigem Tod die Schuld trägt. In den Worten Marie Steiners: »Es war wie ein Schwerthieb, der sein Leben traf …«[8] »Wenn wir wirklich verstehen«, fährt Prokofieff fort, »was es im tiefsten okkulten Sinne bedeutet, das Karma anderer Menschen auf sich zu nehmen, dann musste Rudolf Steiner erkranken, denn dieses beides kann man nicht voneinander trennen. So wie einstmals der Christus am Kreuze vom Speer des schweren Menschheitskarmas durchbohrt worden ist, so wurde auch seines Schülers physischer Leib von dem ›Schwert‹ des schweren Karmas der anthroposophischen Gesellschaft durchbohrt« (PR, 133).

Nun geschehen Opfer auch im Christentum nicht umsonst, sondern um etwas zu bewirken. Entsprechend im Falle Rudolf Steiners. Denn »das tiefste Mysterium der Weihnachtstagung« besteht darin, dass Steiner »für die Errichtung eines Zentrums der neuen Michael-Mysterien, welche die Menschheit wiederum zu einer Vereinigung mit dem Geiste führen und damit ihr geistiges und kulturelles Leben erneuern können, die Kräfte seines physischen Leibes hingegeben hat« (PR, 133).

Nun starb Steiner nicht sogleich durch dieses Opfer, auch wenn er erkrankte und durch die karmische Krankheit der Gesellschaft letztlich zu Tode kam, sondern zunächst gelang es ihm durch sein viertes und höchstes Opfer, durch die Vollendung seines Passionsweges, »auf dem historisch-sozialen Plan« jene allumfassende Synthese des Exoterischen und des Esoterischen zu realisieren, die ihm seine Mission »von Anfang an« vorgezeichnet hatte. Und so »öffneten sich alle Schleusen des Himmels«, so beschenkte Michael, der erhabene Führer […], seinen größten Diener auf Erden […] mit einer […] kaum fassbaren Fülle geistiger Offenbarungen, die er durch seinen Mund der Menschheit zuströmen ließ« (PR, 134) – in 338 Vorträgen und 68 Reden innerhalb eines Zeitraum von neun Monaten.

Zu diesen Offenbarungen gehörten auch die Enthüllungen über sein eigenes Karma und das Karma der Gesellschaft, die nunmehr in eins zusammengeflossen waren. Nichts anderes verwirklichte er auf Erden in der ihm verbliebenen Lebenszeit, als »die zweite kosmische Michael-Offenbarung auf Erden«. Die erste hatte darin bestanden, dass das Wort Fleisch geworden war, die zweite bestand darin, dass das Fleisch wiederum Wort wurde. Während sein Fleisch dahinschmolz, erklang von Tag zu Tag mehr das Weltenwort aus seinem Mund, das Wort Michaels, »der nunmehr selbst durch ihn sprach« (PR, 137). Nach Christus und dem Heiligen Geist (der Gesamtheit der Bodhisattvas) erwürdigte auch der führende Zeitgeist Michael Steiner dazu, zu seinem Sprachrohr zu werden, ja, er handelte sogar durch Steiner, indem er durch ihn die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft begründete. Im Leib Rudolf Steiners, der immer mehr dahinschwand, wandelte ein Gott auf Erden, wandelte die ganze göttliche Welt.

Für die Krankheit des Eingeweihten gab es keine ärztliche Hilfe. Das einzige, was ihn hätte heilen können, wäre die Bereinigung des Gesellschaftskarmas durch die Mitglieder dieser Gesellschaft gewesen, ihre Aussöhnung äonenalter Feindschaften, in der Bereitschaft, sich dem »gemeinsamen Michael-Karma« zu unterstellen. Aber die Gesellschaft vermochte »nicht in ausreichendem Maß« ihr altes Karma zu überwinden. Daher verließ der Eingeweihte schließlich schweigend seinen Leib. Und er ließ die Gesellschaft mit einem Auftrag zurück: sich durch die Michael-Christus-Impulse, die durch ihn in sie eingeflossen waren, befeuern zu lassen, da er durch sie weiter mit den Mitgliedern dieser Gesellschaft verbunden blieb, wie auch sein Karma mit dem ihrigen »unauflöslich« verbunden blieb. »Und wenn ihr diesen Impulsen der Weihnachtstagung treu bleibt und sie in genügendem Maße verwirklicht«, lässt Prokofieff Rudolf Steiner sagen, »dann werde ich unter euch vollenden können, was noch unvollendet zurückgeblieben ist« (PR, 140).

Da Steiner (bis in alle Ewigkeit?) an die Gesellschaft gekettet ist und sie an ihn, sollte auch der Entschluss, dieser Gesellschaft beizutreten, nicht auf die leichte Schulter genommen werden, wie aus einer Anmerkung hervorgeht (Anm. 147), in der zwar betont wird, dieser Entschluss sei zwar an so gut wie keine Voraussetzungen gebunden, wiege aber doch »im okkulten Sinne« schwer, denn: »[…] das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft ist schwierig, aber der Anthroposoph, der das Wesentliche der Weihnachtstagung versteht, weiß, dass seitdem Rudolf Steiner selbst in der geistigen Welt an erster Stelle dieses Karma trägt; wer nicht wünscht, dieses mit ihm zu teilen, kann sich kaum als seinen wahren Schüler bezeichnen und damit auch nicht als Diener jener geistigen Kräfte, die durch Rudolf Steiner die Anthroposophie ins Leben gerufen haben« (PR, 421). Man sollte sich auch nicht einbilden, sich intensiv mit der Anthroposophie beschäftigen und trotzdem nicht in die Gesellschaft eintreten zu können, denn diese vornehme Distanz zeugt lediglich von einem »tiefen Unverständnis der Weihnachtstagung« und damit »des wesentlichen Kerns der Anthroposophie« (PR, ebd). Es gibt kein Heil außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft.

Das dritte Kapitel der Studie zu Rudolf Steiners Lebensweg endet damit, dass eine unverhohlene Parallele zwischen Christus und Steiner hergestellt wird. Denn wie dieser die makrokosmischen Kräfte seines Ich, seines Astralleibes, seines Ätherleibes und schließlich seines »Wesens« im Kosmos zurückließ, um vollständig mit der physischen Hülle des Jesus von Nazareth eins werden und diese opfern zu können, so vollbrachte auch Rudolf Steiner als sein »großer irdischer Nachahmer« dieselben vier Opfer: um 1899 gab er die Kräfte seines Ich hin, um 1907 jene seines Astralleibs, von 1913 an jene seines Ätherleibs und in den Weihnachtstagen 1923/24 schließlich jene seines physischen Leibes.

Auch einer letzten Konsequenz, die bereits von Rudolf Grosse gezogen wurde, schließt sich Prokofieff zustimmend an: »Wenn im 20. Jahrhundert der ätherische Christus durch die Menschheit geht, dann geht auch jener mit ihm, der die Weihnachtstagung im Geiste der Christus-Sonne als einen Welten-Zeitenwende-Anfang in unsere Welt hineingestellt hat« (PR 143).

***

Um die durch den Titel gestellte Frage zu beantworten: durch Prokofieffs Deutung wird Steiners Leben zur Apotheose, damit es als Theophanie erscheinen kann. Hier gibt es kein Entweder-oder. Und Steiner erscheint als der größte Hierophant der Neuzeit, ja aller Zeitalter, der durch »das größte Ereignis, das im 20. Jahrhundert auf dem physischen Plan stattgefunden hat« (PR, 386), die Weihnachtstagung, die damals Versammelten kollektiv einer Einweihung unterzog.[9]

Was nämlich geschah auf dieser Tagung? Steiner offenbarte auf ihr den Anwesenden nicht nur jene Erlebnisse, die die Seele durchmacht, die den Einweihungsweg betritt, sondern »er führte […] sie real durch diese Erlebnisse hindurch«. Er leitete »auf universal-historischem Plan« die Seelen der Anwesenden durch die Vorgänge der Einweihung. Er gab nicht nur Hinweise auf den neuen Geistesweg, sondern »die Einweihung als solche wurde zum ersten Mal inmitten der Menschheit […] substantiell realisiert […]. Was Rudolf Steiner wiederholt in seinen Büchern und Vorträgen beschrieben hatte, es wurde als reale mystische Handlung, als der einheitliche, in sich vollkommene Prozess der neuen Einweihung vollzogen« (PR, 228; kursiv L.R.).

***

Wir haben hier nur den ersten Teil des Buches von Prokofieff, das rund ein Drittel des gesamten Werkes ausmacht, einer anfänglichen Analyse unterzogen. Die restlichen Teile sind der Weihnachtstagung, der Grundsteinmeditation und der »Anthroposophie als Weltpfingstbotschaft« gewidmet. Weihnachtstagung und Grundsteinmeditation sollten den Autor auch weiterhin begleiten. So publizierte er kurz nach seiner Berufung in den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft die über tausend Seiten umfassende Monografie Menschen mögen es hören. Das Mysterium der Weihnachtstagung.[10]

Der hermeneutische Ansatz des Autors und seine Methode, die sich in der Folgezeit nicht veränderten, dürften trotzdem deutlich geworden sein. Es ist das Prinzip der Ikonostase, jener Bilderwand der orthodoxen Kirche, die den Altar, den Schauplatz der mystischen Wandlung, die himmlische Welt und die ewige Gegenwart der heiligen Geschichte, von der profanen Welt der Gläubigen, ihren Sehnsüchten und Nöten und ihren Heimsuchungen durch die Zeit und die Mächte dieser Welt trennt. Aber die Ikonostase trennt nicht nur, sie verbindet auch beide Welten miteinander, denn sie vergegenwärtigt den Himmel und die Heilige Geschichte durch ihre Ikonen im Diesseits des Kirchenraums; die Bilder des Heiligen sind Fenster, durch die das Heilige in die profane Welt herabblickt und die Profanen einen Blick in das Heilige werfen können. In die Ikonostase sind Türen eingelassen, vor allem die königliche, mittlere Tür, die zu bestimmten Zeiten während der Liturgie geöffnet wird, um einen Blick auf das Allerheiligste zu ermöglichen, und zwei weitere Türen, durch welche die Priester in ihrem Kreisgang während der Messe hinaus- und wieder hineinschreiten.

Die (idealtypische) Ikonostase vergegenwärtigt in ihrem hierarchischen Aufbau den hierarchischen Aufbau der Kirche, die ihrerseits ein Abbild des Himmels ist. Im horizontalen und vertikalen Zentrum, der Deësis, über der königlichen Tür, thront der Pantokrator, die verherrlichte Gestalt des Auferstandenen, umgeben von den Hierarchien und Erzengeln, an die sich links und rechts die Gottesmutter, Johannes der Täufer, Apostel, Märtyrer und Kirchenlehrer anschließen.

Unter der Bilderreihe der Deësis befindet sich jene der lokalen Heiligen, der Stifter, die den Bezug zur Lebenswelt der Gläubigen herstellen. Über der Deësis schließt sich die Reihe der »Perlen der göttlichen Dogmen«, der orthodoxen Feiertage an, von der Einführung Jesu in den Tempel bis zum Entschlafen der Mutter Gottes. Über dieser Reihe jene der alttestamentlichen Propheten, über diesen wiederum die Stammväter der Menschheit von Adam bis Moses, die um die Trinität zentriert sind.

Prokofieff nun verhält sich wie ein orthodoxer Priester, der durch die Türen, die Himmel und Erde miteinander verbinden, hindurchschreitet, der sowohl vor den Bildern des Himmels hantiert und zelebriert, als auch auf ihrer Rückseite magische Handlungen vollzieht, durch welche die hierarchische Anordnung der Bilder neu komponiert wird und manche von ihnen durch neue ersetzt werden. An die Stelle der alttestamentlichen Propheten beispielsweise treten die großen Eingeweihten Zarathustra, Skythianos, Christian Rosenkreutz usw., an jene der lokalen Heiligen – dies allerdings erst in späteren Arbeiten – die Mitglieder des Gründungsvorstandes, an die Stelle der »Perlen der göttlichen Dogmen«, der Festtage des Heiligen Jahres, die spirituellen Heldentaten seines Sonnenheros und die Festtage der anthroposophischen Gesellschaftsgeschichte.

Prokofieff befindet sich im Besitz aller himmlischen und irdischen Geheimnisse und spricht sogar jene aus, die der größte Hierophant aller Zeiten nicht ausgesprochen hat, jene seiner individuellen Distinktion. Wo setzt er die Ikone Rudolf Steiners in seiner renovierten Ikonostase ein? Nun, es gibt nicht nur eine Ikone, sondern mehrere – auf jeder Ebene der Hierarchie bringt er eine an, die jeweils einen Aspekt dieses Wesens repräsentiert: in der lokalen oder Verehrungsreihe (der untersten) ein Bildnis des irdischen Rudolf Steiner, in der Reihe der Deësis eines des Eingeweihten, der sein Ich Christus geopfert hat, in der Reihe der Perlen der göttlichen Dogmen ein Bildnis jenes Heiligen, durch den die Gesamtheit der Bodhisattvas sprach, in der Reihe der alttestamentlichen Propheten gesellt sich der größte Hierophant aller Zeiten zu den großen Eingeweihten und auch unter den Stammvätern ist er zu finden, da er ein Zeuge des himmlischen Paredros war, der schon in der lemurischen Zeit seine Unschuld opferte, um die Menschheit zu retten.

Die Gläubigen aber, die sich im Kirchenraum diesseits der Ikonostase versammeln und dem Priester bei seinen kultischen Machinationen zusehen, die Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft, die bei der Weihnachtstagung durch eine kollektive Einweihung geführt wurden, aber auch all jene, die sich ihm anzuschließen vermögen, bilden nach seiner Auffassung den Kern einer neuen Gemeinschaft, der Michael-Gemeinschaft, deren »Gruppen-Ich« der Erzengel Michael ist: »Michael selbst, der führende Geist unserer Zeit, wirkt heute als das ›Gruppen-Ich‹ der Michael-Gemeinschaft, als das ›Ich‹, das zur Zeit der Weihnachtstagung auf der Erde geboren wurde« (PR, 357).

***

Es ist nicht verwunderlich, dass diese »Anregung zur anthroposophischen Arbeit«, die Anfang 1982 erschien, zunächst Sprachlosigkeit hervorrief. Zu überwältigend war sie, als dass sich die Leser ihrem numinosen Sog zu entziehen vermocht hätten. Ihre bis heute andauernden Tiefenwirkungen sollten sich erst nach Jahren zeigen. Die ersten Rezensionen des Buches zeugen von jener Sprachlosigkeit. Ende Dezember 1982 meldete sich Martin Barkhoff in Das Goetheanum zu Wort.[11] Er schrieb: »Eine betäubende Fülle [kurs. L.R.] konzeptioneller Bezüge aus der Christologie, aus der Hierarchien- und Trinitätslehre, aus den Mitteilungen über die Menschheitslehrer, aus all jenen Weltbereichen, denen der Mensch sich aufschauend zuwendet, gibt den Bezugsrahmen, in den Prokofieff seine Gedanken hineinstellt. Wer seine Erkenntnispfade prüfend nachwandert, sieht große Anforderungen an sich gestellt […] Gedankenkraft ist da und will arbeiten: die 90 Seiten Anmerkungen erwiesen sich bei vielen Stichproben alle als zuverlässig [!] […] Groß müssen wir von der Anthroposophie denken, sie muss ins Große gedacht werden: dafür ist das Buch von Sergej Prokofieff eine Anleitung«. Man könnte diesen letzten Satz etwas zuspitzen und behaupten, das Buch sei eine Anleitung zum Größenwahn.[12] Nicht weniger entwaffnet wirken Johannes Tautz’ Bemerkungen in den Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Ostern 1983[13]: »Das Buch Prokofieffs ist ein Geschenk des osteuropäischen Geistes, der heute durch die spirituelle Schule des Leidens geht, um das ätherische Schauen zu erlangen. Dieses Geschenk verlangt vom Leser eine gründliche Gedankenarbeit«. Geleistet haben diese Gedankenarbeit weder Barkhoff noch Tautz.

Vorheriger Beitrag: 1982 | Apotheose oder Theophanie? (2)

Folgender Beitrag: 1982 | Kampf um Spenden und Subventionen …


Anmerkungen:


  1. Dies zeigt schon der Vergleich der ersten und zweiten Auflage des Buches Das Christentum als mystische Tatsache … Siehe Lorenzo Ravagli, Rudolf Steiners Weg zu Christus, Stuttgart 2018.
  2. Bei genauerer Betrachtung trifft es auch nicht zu, dass Steiner schlicht aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen wurde. Vielmehr fasste der Vorstand der Deutschen Sektion im Dezember 1912 unter seiner Leitung zuerst einen Beschluss zur Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft im Orden des Sterns im Osten und der Theosophischen Gesellschaft und forderte Annie Besant auf, wegen fortwährender Verstöße gegen den ersten Grundsatz der Gesellschaft ihr Präsidentenamt niederzulegen. Daraufhin drohte Besant im Januar 1913 der deutschen Sektion mit dem Entzug des Charters (der Stiftungsurkunde), falls nicht bestimmte Bedingungen erfüllt würden. Daraufhin erklärte die deutsche Sektion, sie betrachte diese Drohung Besants als Akt des Ausschlusses (2. Februar 1913) und gründete am folgenden Tag die Anthroposophische Gesellschaft, deren Ehrenpräsidentschaft Steiner übernahm, obwohl er kein Mitglied der neuen Gesellschaft war.
  3. Die Adoptionsmaurerei ist eine fortschrittliche Form der Maurerei, die auch Frauen zulässt.
  4. Dokumentiert sind die Vorgänge in GA 265, Dornach 1987, S. 45 ff. Siehe insbesondere den Brief Steiners an A.W. Sellin vom 15.08.1906, ebd., S. 67: »General-Großmeister jenes Ordens war ein gewisser Theodor Reuß. […] Mit dieser Tatsache hatte ich mich auseinanderzusetzen. Ich musste zu diesem Zwecke den genannten Theodor Reuß aufsuchen, den ich vorher nie gesehen hatte […] Herrn Reuß habe ich […] gesagt […]: Ich will nichts, aber auch gar nichts von Ihrem Orden. Ich werde aber in einer Richtung wirken, von der der Orden vorgibt, dass es die seinige ist. Es kommt nun nur darauf an, dass der Orden für sich, nicht für mich, anerkennt, dass ich dies im Sinne der Grade tue, die der Orden als die seinigen in Anspruch nimmt. Ich mache zur Bedingung, dass der Orden mir nichts mitteilt von seinen Ritualien. Niemand soll je sagen können: ich habe von dem Orden etwas empfangen. Ich will meinen Schritt bloß vom Standpunkt okkulter Loyalität betrachtet wissen«.
  5. 25.10.1909, GA 116, Dornach 1982, S. 11-34.
  6. GA 28, Dornach 2000, S. 460.
  7. Die »erste Opfertat«? Und was ist mit den zuvor beschriebenen Opfern Rudolf Steiners? Jenem des Ich und jenem des Astralleibs? Gingen diese nicht vom freien Willen eines Menschen aus?
  8. Bei Marie Steiner bezieht sich dieser Satz allerdings auf die Annahme, Steiner sei am letzten Tag der Weihnachtstagung vergiftet worden.
  9. Diese These ist einer der Hauptkritikpunkte Wimbauers und Gordienkos. Siehe weiter oben.
  10. Sergej O. Prokofieff, Menschen mögen es hören. Das Mysterium der Weihnachtstagung, Stuttgart, 1. Aufl. 2002. Die Berufung in den Vorstand erfolgte 2001.
  11. Das Goetheanum, 19.12.1982, S. 404.
  12. Einen Anlass, die nötige kritische Distanz zu suchen, hätten Äußerungen Rudolf Steiners aus dem Jahr 1918 geben können, in welchen von der Gefahr der Blendung durch das Erhabene die Rede ist, der russische Okkultisten ausgesetzt sind. Demut und Erhabenheit, Selbstverkleinerung und Größenwahn stehen dabei in einer dialektischen bzw. kompensatorischen Beziehung zueinander: »Daher wird noch lange – bis zum Aufleuchten des sechsten nachatlantischen Zeitraums – die russische Volkskultur eine Offenbarungskultur sein. Der Russe ist mehr als ein anderer Mensch auf den Seher angewiesen, er ist aber auch empfänglich für das, was der Seher ihm bringt«. Die soziale Grundforderung unserer Zeit, GA 186, 8.12.1918, S. 152. Steiner fährt fort: »Was der Russe beim Hüter der Schwelle, wenn er innerhalb seines Russentums als Okkultist stehenbleibt, vorzugsweise wahrnimmt, das sind die […] aus dem Übersinnlichen heranstürmenden Geister […] Er sieht diejenigen Geister, die gewissermaßen voller Licht sind. Er sieht nicht den Tod, er sieht nicht das Verderben, er sieht dasjenige, was den Menschen durch die Erhabenheit gleichsam ertrinken macht [kurs. L.R.], was ihn vor allen Dingen mit der großen Gefahr durchdringt, demütig und immer demütiger zu sein, sich vor dem Erhabenen auf die Knie zu werfen. Die Blendung durch dasjenige, was herüberkommt, das ist die Gefahr bei dem Hüter der Schwelle für den Russen, der als Okkultist innerhalb seines Volkstums steht«. Ebd., S. 154. – Die Mitteleuropäer werden übrigens an der Schwelle vom »Zweifel« heimgesucht, die westlichen (angelsächsischen) Okkultisten durch die »bösen Mächte von Krankheit und Tod«. Siehe denselben Vortrag.
  13. Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Ostern 1983, S. 67-68.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie den anthroblog durch eine Spende via PayPal!

Oder durch eine Banküberweisung an:
Lorenzo Ravagli, GLS Bank Bochum,
GENODEM1GLS
DE18 4306 0967 8212049400.


Ich will zwei- bis dreimal im Jahr durch den Newsletter über neue Beiträge im anthroblog informiert werden!

Datenschutzerklärung


Literatur:

Ein Kommentar

  1. ronald wüthrich

    „Geleistet haben diese Gedankenarbeit weder Barkhoff noch Tautz.“
    – vielen dank, dass Du diese arbeit auf dich genommen hast!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.