1976 | Andrängende Studentenwogen und drohende Gewitterwolken

Die Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft am 11. April 1976 verlief bemerkenswert friedlich. Frühere Gesellschaftskonflikte klangen nur wie eine ferne Erinnerung in einzelnen Redebeiträgen nach, martialische Töne brachte allerdings ein Bericht Gerhard Kienles in die Versammlung, der von den Schlachten erzählte, die erfolgreich gegen das geplante deutsche Arzneimittelgesetz geschlagen worden waren.…

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1975 | Wachsende Anerkennung, zunehmende Bedrohung

Im folgenden Teil der Generalversammlung 1975 musste sich die Mitgliedschaft mit einem weiteren Antrag auseinandersetzen, der weniger wegen seines Inhaltes, als wegen der Argumentation von Interesse ist, die schließlich zu seiner Ablehnung führte. Den Antrag stellte der Mitbegründer des Dortmunder Pädagogisch-Sozialen Zentrums, der Zweigleiter und Eurythmist Willi Kux. Er forderte, die…

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1975 | »Ohne mehr Anthroposophie werden wir überhaupt nichts leisten können«

Im Jahr 1975 wurden zwei neue Mitglieder in den Vorstand der anthroposophischen Gesellschaft »kooptiert«. Eine Kooptation ist keine demokratische Wahl, sondern die Erweiterung oder Ergänzung eines Verantwortungsgremiums durch sich selbst, die mit einer Form ritualisierter Zustimmung – in diesem Fall mit einer »Akklamation« – verbunden werden kann. Hagen Biesantz oblag…

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1974 | »Ohne Angabe von Gründen«

1974 musste sich die Generalversammlung seit längerem wieder einmal mit Anträgen aus der Mitgliedschaft befassen, die sich interessanterweise beide auf das Selbstverständnis der Gesellschaft als soziale Körperschaft bezogen. 1972 hatte Michael Rist, ein enger Mitarbeiter Herbert Witzenmanns, die Einrichtung eines Seminars zum Thema »Gemeinschaftsbildung durch Individualitäten« vorgeschlagen, das den im…

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1974 | Der Untergang des Abendlandes

Einblick in die globalen Aktivitäten der anthroposophischen Bewegung vermitteln auch für das Jahr 1974 die Länder- und Sektionsberichte der Generalversammlung. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA stand ein Führungswechsel bevor. Der 77jährige Cecil Harwood trat nach 37 Jahren von seinem Amt als Generalsekretär der englischen Landesgesellschaft zurück. An…

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1973 | Mysterienstätten, grüne Inseln, und die Sehnsucht nach dem Geist

Auch in der Ansprache von Hagen Biesantz am Karsamstag, dem 21. April finden sich einige Versuche, das Bewusstsein der anthroposophischen Identität zu bestimmen. Er gedachte zweier eben Verstorbener: der Eurythmistin Alice Fels (1884-1973), der Begründerin des Eurythmeums in Stuttgart, das mit einem ersten Ausbildungskurs im Oktober 1922 seine Arbeit aufgenommen…

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1972 | »Es ist eine grenzenlose Qual gewesen«

Der vierte und letzte Verhandlungstag der Generalversammlung 1972, der auf Rudolf Steiners Todestag fiel (30. März 1925), stand im Zeichen der Abrechnung mit dem dissidenten Vorstandsmitglied und seinen Getreuen. In der »freien Aussprache« schilderte eine Reihe von hochstehenden Funktionären der Gesellschaft ihre Sicht des Konfliktes und der Person Witzenmanns, andere,…

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1972 | Auszug aus Ägypten

Im Jahr 1972 steuerte der Konflikt in der Anthroposophischen Gesellschaft auf einen Höhepunkt zu. Herbert Witzenmann war nicht gewillt, seine »Funktionen in Vorstand und Hochschule als ruhend zu betrachten«. Auf das im Januar veröffentlichte Schreiben seiner Kollegen antwortete er mit einem Brief, der Anfang Februar im »Nachrichtenblatt« abgedruckt wurde. Im…

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1967: Die Verwirklichung der Weihnachtstagung als ewige Aufgabe

Mitte der 1960er Jahre beschäftigte sich die anthroposophische Bewegung nicht nur mit der »Bücherfrage«. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts nahm diese Bewegung einen bedeutenden Aufschwung. Dieser Aufschwung war auch durch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung bedingt, durch die anthroposophische Kernthemen wie Menschenrechte, Emanzipation, Ökologie, ganzheitliche Heilweisen und Spiritualität auf die politische…

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1966: Der Vorstand als spirituelle Emanation des Geisteslehrers

Die »Erklärung« des Vorstandes zur Bücherfrage im Jahr 1965 erklärte oder klärte gar nichts, vielmehr war die durch sie hervorgerufene Verwirrung beträchtlich. Auch in den folgenden Jahren rangen unterschiedliche Positionen miteinander. Der Vorstand selbst war in dieser Frage gespalten. Während Grosse den gordischen Knoten pragmatisch durchschlagen wollte, erwies sich Witzenmann…

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