Impromptu zwischen den Zeiten

Licht und Finsternis, Rudolf Steiner 1923

Wer sich mit der Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung beschäftigt, wird immer wieder über die Zähigkeit erstaunt sein, mit der die unterschiedlichen Gruppierungen an den einmal erwählten Zielsetzungen festhielten. Trotz aller äußeren Widerstände – die Anthroposophische Gesellschaft und ihre »Zweckverbände« wurden während der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund ideologischer Unvereinbarkeit in Deutschland verboten – und Continue Reading →

1949-1952 | Der Prozess um den Nachlass Rudolf Steiners

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Der ursprüngliche Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft war nach der Kaltstellung und dem kurz darauf erfolgten Tod Marie Steiners auf zwei Mitglieder geschrumpft. Albert Steffen war bei Marie Steiners Tod 64 Jahre alt, Guenther Wachsmuth 55. Die Leitung einer Internationalen Gesellschaft mit Tausenden von Mitgliedern und die gleichzeitige Verantwortung für eine Freie Hochschule für Geisteswissenschaft Continue Reading →

1946-1948 | Verhärtete Fronten und Keime künftiger Versöhnung

Beatenberg, Refugium Marie Steiners bis zu ihrem Tod 1948

Auf merkwürdige Weise gespiegelt oder verzerrt erscheinen die großen Konflikte der dreißiger Jahre um spirituelle Autorität und Nachfolge, die zwischen Ita Wegman und Elisabeth Vreede auf der einen und Albert Steffen, Marie Steiner und Guenther Wachsmuth auf der anderen Seite ausgetragen wurden, in den Konflikten der 1940er und -50er Jahre, die sich schließlich im Streit Continue Reading →

1936-1946 | Ahrimans Unterpfand. Der Streit um den Nachlass Rudolf Steiners

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Nach 1935 kann die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung nicht mehr ausschließlich als Geschichte jener Gesellschaft erzählt werden, die in Dornach ihren Mittelpunkt sah. Wenn sich anthroposophische Bewegung und Gesellschaft durch die Übernahme des Vorsitzes seitens Rudolf Steiners miteinander vereinigt hatten, dürften sie spätestens seit den großen Ausschlüssen im Jahr 1935 wieder getrennte Wege Continue Reading →

Die Ukraine als Schauplatz eines Kampfes zwischen Eurasiern und Atlantiern

St. Michael's Kathedrale in Kiew, Ukraine. Foto: Petar Milošević.

Wladimir Putin brachte in seiner Regierungserklärung zur Ukraine und der Krim am 18. März 2014 zum Ausdruck, dass er die Zukunft der Ukraine, dieses russischen Herzlandes, in ihrer »Integration in den eurasischen Raum« sieht. Damit spielte er auf geopolitische Überzeugungen an, nach denen Konflikte zwischen Blöcken Folge geographischer Gegebenheiten sind. Aus der Sicht der Eurasier Continue Reading →

1935 | Ausschluss und Verbot

Rudolf Steiner, Wandtafelzeichnung: Golgatha, Vom Raum in die Zeit, 1924

Im Februar 1935 erschien eine »Denkschrift über Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft in den Jahren 1925 bis 1935«, zu deren Verfassern Paul Bühler (1903-1966), Curt Englert-Faye, Otto Fränkl, Emil Grosheintz (1867-1946), Ehrenfried Pfeiffer (1899-1961), Hermann Poppelbaum, Paul Eugen Schiller (1900-1992), Günther Schubert und Jan Stuten (1890-1948) gehörten. Der Titel »Kampfschrift« hätte diesem Pamphlet besser entsprochen, handelte Continue Reading →

1934 | Die »Neigungen der Welt« und die »wahre Anthroposophie«

Im Herbst 1933 schloss sich  der evangelische Pfarrer Martin Niemöller mit 70 anderen im »Pfarrernotbund« zusammen, der sich gegen die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft aus dem kirchlichen Leben und gegen die Verfälschung biblischer Lehre durch die nationalsozialistischen Deutschen Christen wehren sollte. Schon bald übernahm Niemöller den Vorsitz der neuen Organisation. Aus dem Notbund ging schließlich die Bekennende Kirche hervor, zu deren aktivsten Mitgliedern Niemöller zählte.

Ihr Vorspiel fand die Generalversammlung vom 27./28. März 1934 in einer Generalversammlung der englischen Landesgesellschaft am 10. und 11. Februar 1934. Diese verabschiedete eine von Owen Barfield vorbereitete Resolution, als Antwort auf die Gründung eines gesellschaftlichen Zusammenschlusses, der von Harry Collison geleitet und vom Dornacher Dreiervorstand (Albert Steffen, Marie Steiner, Guenther Wachsmuth) unterstützt wurde. Bereits Continue Reading →

1933 | Anthroposophie im Jahr der Machtergreifung

Die Nazis feiern sich selbst. Aufmarsch am Brandenburger Tor anlässlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933.

Im Jahr der Machtergreifung (Hitler war am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt worden), dem Todesjahr Annie Besants und G.R.S. Meads, blieb es merkwürdig still an der anthroposophischen Heimatfront. Dafür begannen die nationalsozialistischen Gegner der Anthroposophie aus allen Rohren zu schießen. Bereits am 1. Februar startete das Abendblatt der »Berliner Zeitung« eine 14teilige Artikelserie gegen Rudolf Continue Reading →

1931-1932 | Scherbengerichte und Märtyrerkronen

Walter Johannes Stein

Infolge der geschilderten Ereignisse brach der Vorstand der deutschen Landesgesellschaft vollends auseinander. Mit ihren über achttausend Mitgliedern hatte sie fast die Hälfte aller Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gestellt, nun aber begannen ganze Zweige auszutreten. Zwischen Dezember 1930 und Januar 1931 traten Johanna Mücke, Ernst Stegemann und Kurt Piper zurück, während viele deutsche Arbeitsgruppen sich Continue Reading →

1930 | Sukzession und falsche Bodhisattvas

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Für das Verständnis der weiteren Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft ist die Kenntnis gewisser Vorgänge unabdingbar, die sich im Jahr 1930 abspielten. Sie führten dazu, dass der Vorstand endgültig auseinanderbrach und keine gemeinsamen Besprechungen mehr durchführen konnte. Bei einer Zusammenkunft der Generalsekretäre im November schließlich wurden die seit fünf Jahren schwelenden Konflikte offen an- und ihre Continue Reading →