1968: Ein Tag von weltgeschichtlich negativer Bedeutung

Hermann Linde, Der Tempel aus Goethes Märchen als Vorbild des Goetheanum

Am 14. Januar 1968 erschien im »Nachrichtenblatt« der Anthroposophischen Gesellschaft folgende Mitteilung: »Der Bücherverkauf am Goetheanum wird in Zukunft auch die durch die Nachlassverwaltung herausgegebenen Werke Rudolf Steiners in den Verkauf aufnehmen. Dieser Beschluss beendet einen seit vielen Jahren bestehenden, den Mitgliedern in seiner Verursachung bekannten Zustand. Dadurch werden Kräfte frei, die für die Weiterentwicklung Continue Reading →

Rudolf Steiner – Biografische Miniaturen

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Ende 1912 trennte sich die von Rudolf Steiner geleitete Deutsche Sektion von der Theosophischen Gesellschaft Annie Besants. Im Februar 1913, bei der ersten Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Berlin, hielt Steiner einen autobiografischen Vortrag, in dem er auf seine Kindheit zurückblickte. Darin teilte er einige intime Details mit, die sich sonst nirgends erwähnt finden. Als Continue Reading →

1967: Die Verwirklichung der Weihnachtstagung als ewige Aufgabe

Rotgardisten mit Maobibel, die Inschrift zitiert den großen Vorsitzenden: »Gründlich lernen, täglich aufwärts«.

Mitte der 1960er Jahre beschäftigte sich die anthroposophische Bewegung nicht nur mit der »Bücherfrage«. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts nahm diese Bewegung einen bedeutenden Aufschwung. Dieser Aufschwung war auch durch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung bedingt, durch die anthroposophische Kernthemen wie Menschenrechte, Emanzipation, Ökologie, ganzheitliche Heilweisen und Spiritualität auf die politische und kulturelle Tagesordnung gesetzt wurden. Continue Reading →

1966: Der Vorstand als spirituelle Emanation des Geisteslehrers

Hagen Biesantz, 1924-1996

Die »Erklärung« des Vorstandes zur Bücherfrage im Jahr 1965 erklärte oder klärte gar nichts, vielmehr war die durch sie hervorgerufene Verwirrung beträchtlich. Auch in den folgenden Jahren rangen unterschiedliche Positionen miteinander. Der Vorstand selbst war in dieser Frage gespalten. Während Grosse den gordischen Knoten pragmatisch durchschlagen wollte, erwies sich Witzenmann als Bedenkenträger (manche bezeichneten ihn Continue Reading →

1965: »Rudolf Steiners Bücher gehören ins Goetheanum«

Goetheanum, Detail

Dass die Aktivitäten der Haußer-Stiftung zumindest für Rudolf Grosse ein maßgeblicher Grund waren, sich mit der »Bücherfrage« zu beschäftigen – die sich bei ihm ab 1965 nachgerade zum beherrschenden Thema entwickelt zu haben scheint –, geht aus einem langen Brief hervor, den er Ende März 1965 an seinen Vorstandskollegen Herbert Witzenmann schrieb, der zu dieser Continue Reading →

1964: Die Größe eines Wagnisses

Karl König, 1902-1966

1964, im Jahr der Gründung der PLO, der Unterzeichnung des Bürgerrechtsgesetzes zur Aufhebung der Rassentrennung durch Lyndon B. Johnson – der die Nachfolge des am 2. November 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy angetreten hatte – und der Tonkin-Resolution, die den Eintritt der USA in den Vietnamkrieg vorbereitete, bahnte sich auch in der Führung der Continue Reading →

1963 – Das Ende einer Ära

Albert Steffen, Die vier Tierengel, 1931

1963 ging die lange Ära zu Ende, in der Albert Steffen maßgeblich die Geschicke der Anthroposophischen Gesellschaft bestimmt hatte. Über die Dauer dieser Ära kann man geteilter Meinung sein. Man könnte sie im Dezember 1925 beginnen lassen, als Steffen den Vorsitz der Gesellschaft übernahm, oder im April 1935, als die beiden Vorstands-Kolleginnen Ita Wegman und Continue Reading →

1957-1962 | Das Schweigen der Lämmer

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Die Jahre bis zum Tod Guenther Wachsmuths und Albert Steffens (1963) scheinen für die Anthroposophische Gesellschaft reichlich unspektakulär verlaufen zu sein. Zumindest erweckt die Berichterstattung im »Nachrichtenblatt« für deren Mitglieder diesen Eindruck. Aber diese Berichterstattung ist selektiv, um nicht zu sagen tendenziös. Folgt man den abgedruckten Protokollen, könnte man meinen, auf der Generalversammlung 1957 seien Continue Reading →

1956 | Die beleidigte Gesellschaft erweitert ihren Vorstand

Esoterisches Personal: Rudolf Grosse, 1906-1994

Auch das Jahr 1956 stand im Zeichen der Auseinandersetzung um den literarischen und künstlerischen Nachlass Rudolf Steiners. Außerdem starb in diesem Jahr Wilhelm Lewerenz, der Leiter der Sektion für redende und musizierende Künste. Sein Tod zog eine Erweiterung des Vorstandes nach sich, die bei einer außerordentlichen Generalversammlung Ende Dezember 1956 vollzogen wurde. Zuvor aber hielt Continue Reading →

1953-1955 – Lauter ungelöste Fragen

Friedrich Husemann (Psychiater, Begründer der Husemann-Klinik in Wiesneck, 1887-1959)

Wie bereits Mitte der 1930er Jahre trennte sich auch durch den Konflikt mit Marie Steiner und dem Nachlassverein ein Teil der Mitgliedschaft von der »Allgemeinen« Anthroposophischen Gesellschaft. Die Sezession gab sich einen eigenen organisatorischen Status, insbesondere als »Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz«, die mit einer Reihe von Zweigen (Arbeitsgruppen) noch heute existiert. Die Spaltung zog Continue Reading →