1935 | Ausschluss und Verbot

Rudolf Steiner, Wandtafelzeichnung: Golgatha, Vom Raum in die Zeit, 1924

Im Februar 1935 erschien eine »Denkschrift über Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft in den Jahren 1925 bis 1935«, zu deren Verfassern Paul Bühler (1903-1966), Curt Englert-Faye, Otto Fränkl, Emil Grosheintz (1867-1946), Ehrenfried Pfeiffer (1899-1961), Hermann Poppelbaum, Paul Eugen Schiller (1900-1992), Günther Schubert und Jan Stuten (1890-1948) gehörten. Der Titel »Kampfschrift« hätte diesem Pamphlet besser entsprochen, handelte Continue Reading →

1934 | Die »Neigungen der Welt« und die »wahre Anthroposophie«

Im Herbst 1933 schloss sich  der evangelische Pfarrer Martin Niemöller mit 70 anderen im »Pfarrernotbund« zusammen, der sich gegen die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft aus dem kirchlichen Leben und gegen die Verfälschung biblischer Lehre durch die nationalsozialistischen Deutschen Christen wehren sollte. Schon bald übernahm Niemöller den Vorsitz der neuen Organisation. Aus dem Notbund ging schließlich die Bekennende Kirche hervor, zu deren aktivsten Mitgliedern Niemöller zählte.

Ihr Vorspiel fand die Generalversammlung vom 27./28. März 1934 in einer Generalversammlung der englischen Landesgesellschaft am 10. und 11. Februar 1934. Diese verabschiedete eine von Owen Barfield vorbereitete Resolution, als Antwort auf die Gründung eines gesellschaftlichen Zusammenschlusses, der von Harry Collison geleitet und vom Dornacher Dreiervorstand (Albert Steffen, Marie Steiner, Guenther Wachsmuth) unterstützt wurde. Bereits Continue Reading →

1933 | Anthroposophie im Jahr der Machtergreifung

Die Nazis feiern sich selbst. Aufmarsch am Brandenburger Tor anlässlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933.

Im Jahr der Machtergreifung (Hitler war am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt worden), dem Todesjahr Annie Besants und G.R.S. Meads, blieb es merkwürdig still an der anthroposophischen Heimatfront. Dafür begannen die nationalsozialistischen Gegner der Anthroposophie aus allen Rohren zu schießen. Bereits am 1. Februar startete das Abendblatt der »Berliner Zeitung« eine 14teilige Artikelserie gegen Rudolf Continue Reading →

1931-1932 | Scherbengerichte und Märtyrerkronen

Walter Johannes Stein

Infolge der geschilderten Ereignisse brach der Vorstand der deutschen Landesgesellschaft vollends auseinander. Mit ihren über achttausend Mitgliedern hatte sie fast die Hälfte aller Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gestellt, nun aber begannen ganze Zweige auszutreten. Zwischen Dezember 1930 und Januar 1931 traten Johanna Mücke, Ernst Stegemann und Kurt Piper zurück, während viele deutsche Arbeitsgruppen sich Continue Reading →

1930 | Sukzession und falsche Bodhisattvas

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Für das Verständnis der weiteren Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft ist die Kenntnis gewisser Vorgänge unabdingbar, die sich im Jahr 1930 abspielten. Sie führten dazu, dass der Vorstand endgültig auseinanderbrach und keine gemeinsamen Besprechungen mehr durchführen konnte. Bei einer Zusammenkunft der Generalsekretäre im November schließlich wurden die seit fünf Jahren schwelenden Konflikte offen an- und ihre Continue Reading →

Das Reich der Mütter

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»Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit, Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit; Von ihnen sprechen ist Verlegenheit. Die Mütter sind es!« Goethe, Faust II Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, tauchen wir aus einem Meer wogender Bilder empor und retten uns auf das schwankende Eiland unseres Tagesbewusstseins. Unsere Träume sind nur die rasch zerstiebenden Kronen Continue Reading →

Putin und die eurasische Idee

Zeremonielles Gebet bei der Einführung Putins in sein Amt als Präsident am 7. Mai 2009

Nachdem er die nationalbolschewistische Partei verlassen hatte, konzentrierte sich Dugin auf seinen Verlag Arktogeia. Dieser veröffentlichte Übersetzungen westlicher Traditionalisten, neun seiner eigenen Bücher und einige Erzählungen von Gustav Meyrink. Durch eine Reihe von Zeitschriften, Rundfunksendungen und das Internet versuchte Dugin seine Version des Traditionalismus zu verbreiten. Erneut war der gemäßigte Traditionalismus am erfolgreichsten. Eine »seriöse« Continue Reading →

1928-1929 | Streit um ein Testament

Carl Unger, 1878-1929

Zu Beginn des Jahres 1928 trat ein weiteres Thema in den Vordergrund, das die Gräben zwischen den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft vertiefen sollte. Schauplatz war die Generalversammlung im Februar 1928, Gegenstand der Auseinandersetzungen: das Testament Rudolf Steiners. Alice Sauerwein (1865-1932), die von Steiner anerkannte Generalsekretärin der französischen Landesgesellschaft, die einige seiner grundlegenden Werke ins Französische Continue Reading →

1926-1927 | Alexanderlegende und ein Zirkel von Spiritisten

Die Schlacht am Issus, 333 v.Chr.

Im Januar 1926 jedoch ließ sich die konfliktträchtige Konstellation nicht länger eindämmen. Missverständnisse und mangelnde Kommunikation zwischen den Vorstandsmitgliedern zeugten die Missgeburt eines ersten Gesellschaftskonflikts, die sich im Lauf der Jahre zum fratzenhaften Monstrum einer tiefgehenden Spaltung auswachsen sollte. Die Kluft tat sich zwischen Ita Wegman und Elisabeth Vreede auf der einen und Marie Steiner Continue Reading →

1925 | Rudolf Steiners Tod und seine Folgen

Totenmaske Rudolf Steiners, 1925

Aus der zeitlichen Distanz von bald hundert Jahren lässt sich das Ausmaß der Katastrophe, die der Tod Rudolf Steiners für die Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung darstellte, nur schwer nachvollziehen. Wer den Verlust eines geliebten Menschen und die sich dadurch eröffnenden Abgründe erlebt hat, kann sich schon eher vorstellen, wie sich die Zurückgebliebenen gefühlt haben müssen. Continue Reading →