Der Kampf der Kosmiker und Telluriker

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Sonnenwagen von Trundholm

Der Sonnenwagen von Trundholm bezeugt die spirituelle Verehrung, die der Sonne, dem Quell alles Lebens und aller Weisheit, von früheren Kulturen entgegengebracht wurde. Bild: Nationalmuseum Dänemark CC BY-SA 3.0 via Wikipedia.

Mir scheint, als stünden sich in der gegenwärtigen Klimadebatte zwei geistige Strömungen gegenüber, die ich als »Kosmiker« und »Telluriker« bezeichnen möchte. Zugespitzt gesagt: Während erstere die kosmischen Einflüsse auf das Klima der Erde berücksichtigen, kapseln letztere die Erde vom Kosmos ab und erklären die Menschheit zum alleinigen Verursacher des angeblich präapokalyptischen Zustandes, in dem sie sich befinde. Der mit ungleichen Waffen geführte Kampf um die Idee des Klimas (zu der seine bedingenden Faktoren und seine Erscheinungsformen in Raum und Zeit gehören), ist ein Symptom für das geistige Klima, dessen Folge er ist. Auf der einen Seite, jener der Telluriker, steht eine unbedingte, geradezu religiöse Sehnsucht nach Erlösung von den Übeln dieser Welt, die ihren metaphysischen Eros auf säkulare Symbolfiguren ablädt, deren geistiges Gewicht in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer suggerierten Bedeutung steht. Auf der anderen Seite, jener der Kosmiker, steht eine kleine Schar vom Mainstream verketzerter, darum umso tapferer Skeptiker, die dem Ideal der Wissenschaft verpflichtet ist, den Kosmos als geschlossenes Ganzes zu begreifen, das nur aus der Gesamtheit seiner angemessen gewichteten Prozesse verstanden werden kann. Der Kampf um die Idee des Klimas ist nur einer der vielen Schauplätze, auf dem sich gegenwärtig die Gigantomachie um die Zukunft der Menschheit abspielt. Andere stellen die Fragen der Identität, der Migration oder auch jene nach dem Verhältnis von Moral und Politik dar, die aber hier nicht Thema sind.

Was den Kosmos anbetrifft, so ist die Sonne die Hauptquelle der auf der Erde zur Verfügung stehenden Energie. Das Maß dieser Energie lässt sich sogar beziffern: es beträgt 99,98 %. Die restlichen 0,02 % stammen von der Eigenwärme der Erde. Laut Wikipedia übersteigt das von der Sonne innerhalb einer Sekunde ausgestrahlte Energiequantum die Menge an Energie, die alle auf der Erde im Jahr 2011 vorhandenen Atomkraftwerke im Verlauf von 750.000 Jahren hätten erzeugen können.

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben. Ohne ihr Licht und ihre Wärme wäre die Erde ein kalter, dunkler Planet. Dieses Wissen ist nicht neu; viele der frühen Hochreligionen verehrten in der Sonne die Zentralgottheit des Universums, die Quelle des Lebens und der Erkenntnis. Man muss kein Astrophysiker sein, um die Bedeutung der Sonne für die Erde, für ihren Wärmehaushalt unmittelbar erkennen zu können. Wenn die Tage länger werden, wird es wärmer, Gegenden, die der Strahlung der Sonne stärker ausgesetzt sind, die näher am Äquator liegen, sind generell wärmer, als solche, die weiter von ihr entfernt liegen, bis hin zu den Kältepolen der Erde ganz im Norden und im Süden. Wenn die Tage länger werden, beginnt die Natur aus ihrer Winterstarre zu erwachen, die Pflanzen fangen an, Knospen und Blätter zu treiben, das animalische Leben beginnt ebenfalls aufzublühen und selbst unsere Seelenstimmung hebt sich mit Frühlingsbeginn. Selig sind jene, die im ewigen Frühling leben, auf den Inseln der Hesperiden, sagt der Mythos.

Wir kennen aber aus der Alltagserfahrung auch die Auswirkungen des Übermaßes an Licht und Wärme: Pflanzen verdorren, Böden vertrocknen, manche Regionen der Erde verwandeln sich in eine Wüste. Wer jemals einen ordentlichen Sonnenbrand erlebt hat, weiß, dass die Aufnahmefähigkeit der menschlichen Haut begrenzt ist, und dass er sich vor zu intensiver Sonnenstrahlung, besonders im Hochgebirge oder in südlichen Gegenden, schützen sollte. Wir kennen aus eigener Anschauung auch den Zustand der Licht- und Wärmesättigung: nachdem die Pflanzen gereift sind und ihre Früchte hervorgetrieben haben, beginnt ein Prozess des Verfalls, der mit der Abnahme der Tageslänge einhergeht, bis die Natur wieder in ihrem Winterschlaf versinkt. Klar ist auch, dass beides, Leben und Tod, zum vollständigen Kreislauf dazugehört, und das eine ohne das andere nicht möglich ist. Diese Einsicht brachte bereits Heraklit zum Ausdruck, wenn er sagte: »Gott ist Tag Nacht, Winter Sommer, Krieg Frieden, Überfluss und Hunger. Er wandelt sich aber wie das Feuer, das, wenn es mit Räucherwerk vermengt wird, nach dem Duft, den ein jegliches [ausströmt,] benannt wird.«

Offenbar hängen die Jahreszeiten in wohltemperierten Gegenden, wo sie ausgeprägt sind, vom Maß des Lichtes und der Wärme ab, das ihnen zuteil wird, während Gegenden, in denen »ewiger« Winter oder »ewiger« Sommer herrscht, nicht nur als lebensfeindlich empfunden werden, sondern tatsächlich lebensfeindlich sind – weil das Leben nicht in verabsolutierten Extremen, sondern in gemäßigten, ausgeglichenen, man könnte auch sagen, zivilisierten Extremen gedeiht. (Darauf beruht Schillers Überzeugung, das wahrhaft Menschliche bestehe in der Fähigkeit, zwischen den Extremen der reinen Vernunft und der reinen Sinnlichkeit – des Formtriebs und des Stofftriebs – zu vermitteln).

Blicken wir aus kosmischer Perspektive auf die Erde, ist sie in ein System von Himmelskörpern eingebettet – vom Mond bis zum Neptun –, deren labiles Gleichgewicht Bedingung für die Existenz der Menschheit ist. Durch ihre »Masse« beeinflussen sie gegenseitig ihre Bahnen, alle kreisen um ihr Baryzentrum, die Sonne, wobei Jupiter und Saturn für eine zyklische Pendelbewegung dieses Zentrums sorgen. Die Bedeutung des Mondes drückt sich nicht nur in den Gezeiten aus, sondern vermutlich auch in den zyklischen Zustandsänderungen aller flüssigen Substanzen.

Die Sonne beeinflusst die Erde durch das sichtbare Licht, aber auch durch ihre energetische Strahlung im ultravioletten und infraroten Bereich, durch ihr Pneuma (Sonnenwind) und ihre Aura (ihr Magnetfeld), weswegen man auch von der Heliosphäre spricht, deren Hülle, die weit über die Bahn des Pluto hinausreicht, das gesamte auf sie ausgerichtete System von schätzungsweise drei Vierteln der galaktischen kosmischen Strahlung abschirmt.

Alles in diesem System befindet sich in zyklischer oder rhythmischer Bewegung, schwankt und oszilliert, dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Der Imagination bietet sich die Analogie zwischen den Lebensbewegungen eines animalischen Organismus, dem Pulsieren und Atmen der Zellen und Organe, dem Aus- und Einatmen, dem Herzschlag und Blutkreislauf sowie ihrer gegenseitigen Abhängigkeit innerhalb des Gesamtsystems und jenem unablässigen Pulsieren der Himmelskörper, ihrer Bahnen und Energieflüsse geradezu an. Ja, die Sonne erscheint in diesem System als das Zentralorgan, als das kosmische Herz, das in seiner Lebensbewegung ebenso Systole und Diastole durchläuft, wie das menschliche, während die übrigen Himmelskörper andere Organfunktionen im Makroanthropos wahrnehmen.

Auf ihrem Weg von der Sonne zur Erde durchströmt die von ersterer ausgehende Energie auch die Atmosphäre, die unseren Planeten umgibt. Gegenüber manchen Bestandteilen der Sonnenenergie wirkt diese wie eine schützende Haut, die aus verschiedenen Schichten besteht. In diesen Schichten wird die energiereiche Strahlung der Sonne verschiedenen Umwandlungen unterworfen: zunächst werden die harte UV- und Röntgenstrahlung in Ionen und freie Elektronen umgewandelt (Ionosphäre), danach bildet die UV-Strahlung durch die Spaltung des Luft-Sauerstoffs Ozon, das die schädliche UV-C- und die UV-B-Strahlung in sich aufnimmt. Erstere wird fast vollständig in Wärme umgewandelt. In der darunterliegenden Schicht, in der sich etwa 90% der Luft und beinahe der gesamte Wasserdampf der Erde sowie das CO2 befinden, wird ein großer Teil der Infrarotstrahlung aufgefangen, während das restliche Infrarot zur Erdoberfläche gelangt. Schließlich halten die Wolken etwa 20% des sichtbaren Lichtes auf und reflektieren es zurück in den Weltraum.

An dieser Stelle könnte man fragen, warum tut die Erde das? Warum wirkt ihre Atmosphäre so, dass sie dem Leben auf ihr günstige Bedingungen schafft? Aber solche teleologischen Fragen sind bekanntlich (laut Popper) unwissenschaftlich und dürfen daher nicht gestellt werden. (Ungeachtet dessen sind sie ein Privileg der Philosophie).

Das Muster der Oszillation zeigt sich auch an der Sonne. Sie ist kein lebloser Feuerofen, der kontinuierlich in der gleichen Intensität Energie abstrahlt, sondern sich in einer gewissen Periodizität zwischen Expansion und Kontraktion hin- und herbewegt. Ausdruck dafür sind die »Sonnenflecken«, deren Anzahl in einem Zeitraum von rund 11 Jahren zwischen Minimum und Maximum schwankt. Diese Flecken sind relativ kühle und daher dunkel erscheinende Regionen ihrer Oberfläche. Als Flecken erscheinen starke Magnetfelder, die in ihrem Zentrum Energie zurückhalten, während sich in ihrer Umgebung »Sonnenfackeln« bilden, die nicht nur heißer, sondern auch heller als die restliche Sonne sind. Eine höhere Anzahl an Sonnenflecken führt zu größerer Helligkeit der Sonne. Außerdem ist erhöhte Sonnenfleckenaktivität auch mit einer Verstärkung des Magnetfelds der Sonne verbunden, eine verminderte mit seiner Abschwächung. Während eines solaren Maximums spielen sich auf dem Zentralgestirn gewaltige Energieeruptionen ab. Neben diesem 11jährigen, dem sogenannten Schwabezyklus (nach dem Dessauer Hobbyastronomen, der ihn zuerst beobachtete), wurden inzwischen auch einige weitere Zyklen beschrieben: der 22jährige Hale-, der 87jährige Gleissberg-, der 210jährige Suess/de-Vries-, der 1000jährige Eddy- und der 2300jährige Hallstatt-Zyklus (jeweils Mittelwerte innerhalb einer Schwankungsbreite).[1]

Bei allen handelt es sich um sich überlagernde und miteinander interferierende Aktivitätszyklen der Sonne. Diese Zyklen haben z.B. auf die UV-Strahlung bedeutende Auswirkungen. Im 11jährigen Schwabe-Zyklus schwankt diese Strahlung um einige Prozentpunkte, in manchen Wellenlängenbereichen sogar bis zu 70 %. Zu erwarten wäre, dass sich solche Schwankungen auf die Ozonschicht auswirken, da die betreffenden UV-Strahlen Sauerstoff in Ozon umwandeln. Tatsächlich ergaben Messungen von NASA-Satelliten eine höhere Ozonkonzentration während eines Sonnenmaximums und eine um fast zwei Grad höhere Temperatur der Ozonschicht im Vergleich zu einem Minimum. Auch auf die Ionosphäre wirkt sich der Rückgang der UV-Strahlung aus: sie führt zu niedrigeren Temperaturen und zu einer Schrumpfung dieser Schicht.

Was sich im Zusammenhang mit diesem Aktivitätszyklus ebenfalls verändert, ist die Intensität der kosmischen Strahlung, von der die Erde, wie bereits erwähnt, durch das Magnetfeld der Sonne abgeschirmt wird. Diese wird auf Supernova-Explosionen außerhalb unseres Sonnensystems zurückgeführt und stellt eine dauerhafte Hintergrundstrahlung dar, deren Schwankungen, die um den Faktor 100 größer sind, als jene der Gesamtstrahlung der Sonne oberhalb der Erdatmosphäre, durch die Oszillationen des Magnetfeldes der Sonne bedingt sind. Als Regel gilt: Je stärker das Magnetfeld der Sonne, desto weniger kosmische Strahlung auf der Erde und umgekehrt. Da nun die kosmische Strahlung wahrscheinlich mit der Wolkenbildung zusammenhängt (Teilchen als Kondensationskerne), könnte eine verminderte Sonnenaktivität zugleich zu stärkerer Wolkenbildung und damit zur Abkühlung auf der Erde führen und umgekehrt – in einem elfjährigen Zyklus. Tatsächlich gelang in einigen Untersuchungen der Nachweis einer Korrelation zwischen der Temperaturentwicklung in der unteren Atmosphäre sowie in den Ozeanen der vergangenen fünfzig Jahre und dem Schwabezyklus. Ein Nachweis des Schwabezyklus konnte auch an den Schwankungen des Spiegels des Victoriasees, des zweitgrößten Süßwassersees der Erde geführt werden. Ebenso verändert sich der Pegelstand des Mississippi in diesem 11jährigen Zyklus oder die Niederschlagsmengen im Nordwesten der USA und in den Tropen. Für die anderen Zyklen wurden zahlreiche vergleichbare Nachweise erbracht.

Greifen wir den 2300jährigen Hallstatt-Zyklus heraus, der einen charakteristischen Doppelausschlag bildet, dessen Spitzen rund 1000 Jahre auseinanderliegen. Da es in diesem relativ weit zurückliegenden Zeitraum keine systematischen Beobachtungen der Sonnenaktivität gibt, muss sie aus anderen Quellen rekonstruiert werden. Dies gelingt mit Hilfe des Nachweises von Nukliden, die durch kosmische Strahlung erzeugt werden (14C, 10Be, 36Cl). Je mehr solcher Nuklide sich in Ablagerungen finden, um so höher die kosmische Strahlung, um so geringer die Sonnenaktivität. Tatsächlich finden sich charakteristische Schwankungen von etwa 2300 Jahren in entsprechenden Radiokarbonuntersuchungen. Manche Theoretiker nehmen an, der Hallstatt-Zyklus hänge mit dem Einfluss der vier Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun zusammen, die in regelmäßigen Abständen die Sonne um den doppelten Sonnendurchmesser verschieben. Wie dem auch sei: Jedenfalls lag das letzte Hallstatt-Minimum (der geringsten Sonnenaktivität) in der sogenannten Kleinen Eiszeit zwischen 1300 und 1800, das letzte Maximum dagegen in der Mittelalterlichen Wärmephase, als in Südschottland Wein und in Trondheim Weizen angebaut werden konnte und die Wikinger Island und Grönland besiedelten und ihre Toten in Erde begruben, die später im Permafrost erstarrte (der inzwischen wieder auftaut). In dieser Zeit schwanden die Gletscher in den Alpen, in Nordamerika und anderswo auf der Erde rapide. Die Kleine Eiszeit, die auf dieses mittelalterliche Wärmeoptimum folgte, brachte das arktische Meereis zurück, zwang die Wikinger zur Aufgabe ihrer grönländischen Siedlungen und brachte auch dem übrigen Europa extreme Kälte und harte Winter. Ernten fielen aus, Hunger, Armut und Krankheiten waren die Folge. Die Themse fror viele Winter nacheinander zu und die Gletscher wuchsen. Um 1800 begannen die Temperaturen wieder zu steigen und die Alpengletscher zu schrumpfen. Von diesem Zeitpunkt ab stieg die Aktivität der Sonne kontinuierlich an. Ein Schweizer Forschungsteam errechnete für den Strahlungsanstieg der Sonne seit der Kleinen Eiszeit Werte, die sechsfach höher lagen, als die vom IPCC verwendeten, in bestimmten UV-Bereichen fand es sogar Steigerungen von bis zu 26%. Zusammen mit der Strahlung verstärkte sich auch das Magnetfeld der Sonne, das sich in den vergangenen 100 Jahren mehr als verdoppelte. Infolgedessen nahm die kosmische Strahlung um 9% ab, was nach der oben erwähnten Theorie zu geringerer Wolkenbildung und damit zu einer außergewöhnlichen Erwärmung führen konnte.

Nach der Kleinen Eiszeit kehrt die Erde demnach wieder in eine natürliche Wärmephase zurück, wie sie ihr in Form der Mittelalterlichen Warmzeit vorausging. Der allgemeine Erwärmungstrend des 20. Jahrhunderts unter dieser Voraussetzung als Teil eines natürlichen Zyklus, der in den vergangenen 1000 Jahren einmal komplett durchlaufen wurde und die Erwärmung der letzten 150 Jahre als nicht außergewöhnlich, sondern normal. Auf keinen Fall muss er ausschließlich auf das vom Menschen erzeugte CO2 zurückgeführt werden, wenn auch ein Anteil desselben am Verlauf der Erwärmung nicht auszuschließen ist. Die entscheidende Frage ist jedoch das Ausmaß dieses Anteils. Und dieser ist keineswegs klar, auch nicht für das IPCC. Bewegen sich doch dessen Prognosen zwischen 1,5 und 4,5 Erwärmung bei einer Verdoppelung des CO2 in der Atmosphäre. Geht man außerdem nicht vom Kältetiefpunkt der letzten Kaltzeit als Referenzdatum aus, sondern von einer neutraleren Nulllinie, dann verringert sich der Anstieg der mittleren Erdtemperatur von etwa 1 Grad Celsius auf 0,5 Grad.

Aber an dieser Frage scheiden sich die Geister: auf der einen Seite die Telluriker, die den Anteil des Menschen überschätzen, indem sie den Anteil der natürlichen Klimafaktoren gegen Null rechnen, auf der anderen die Kosmiker, die nicht vergessen haben, dass die Erde in einem komplexen Zusammenhang mit dem Kosmos steht und nur aus diesem Zusammenhang zu begreifen ist.

Strahlungsantriebe

Anteile der unterschiedlichen Strahlungsantriebe an der globalen Erwärmung laut IPCC 2007. Die beiden letzten Tabellenzeilen zeigen deutlich den prometheischen Drall der Klimainterpretation, die universelle Geltung beansprucht. Quelle: Klimaänderung 2007. Synthesebericht, S. 43, (deutsche Übersetzung).

Die Telluriker stehen in der Tradition der prometheischen Selbstermächtigung, die auf der technokratischen Illusion beruht, der Mensch sei der Herr der Erde und er könne sie nach seinem Belieben formen. Eine Fraktion innerhalb dieser Strömung – gewissermaßen die dialektische Antithese – ist die der Technologiekritiker, die ihn als den primären Schädling, als Parasiten eines ansonsten paradiesischen Systems identifiziert hat. In ihren ganzen Denkformen bleibt diese Fraktion aber dem Promethismus verhaftet, weil sie lediglich eine Technologie durch eine andere (die »grüne«) ersetzen will. Dabei blendet sie aus, dass deren Folgen möglicherweise für die Natur und den Menschen noch schädlicher sind, als die, die sie verteufelt. Dass die UNO und viele der Politiker, die im Westen den Ton angeben, auf der Seite dieser Fraktion stehen, hängt damit zusammen, dass ihr Politikverständnis nicht weniger technokratisch ist. Ein Politiker der zugestehen würde, er könne ein Problem nicht lösen oder sei dafür nicht zuständig, erklärt sich selbst für überflüssig.

Was die Anti-CO2-Bewegung anbetrifft, so liegt ihr meiner Ansicht nach eine spezifische Form von Lebensangst zugrunde: weil das vom Menschen erzeugte CO2, wie sie behauptet, die Erde vergiftet oder in eine Hölle verwandelt, soll dessen Erzeugung verhindert werden. Damit entzieht man aber dem animalischen und menschlichen Leben auf der Erde die Grundlage, weil es ohne CO2 keine Photosynthese und damit kein vegetabiles Leben und auch keinen Sauerstoff gibt. In letzter Konsequenz wäre die Abschaffung der CO2-Produktion der allgemeine Tod.[2] Der Tod ist aber, wie schon Heraklit erkannt hat, die Voraussetzung des Lebens. Entscheidend ist für den Gesamthaushalt des Lebens auf der Erde, dass beide in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, dessen genaue Proportion zu bestimmen jedoch unsere Erkenntnismöglichkeiten übersteigt und die sich im übrigen von selbst regelt.

Die spezifische Form der Lebensangst, die ich meine, ist also die Angst vor dem Tod. Klimaapokalyptiker wollen nicht sterben und empfehlen daher den kollektiven Selbstmord. Ihren explizitesten Ausdruck findet diese Lebensangst im Antinatalismus.


Hinweis:

Folgenden Quellen verdanke ich einen erheblichen Erkenntnisgewinn:

• dem Blog »Die kalte Sonne«

• dem gleichnamigen, leider vergriffenen Buch von Sebastian Lüning und Fritz Vahrenholt. In diesem finden sich auch die Nachweise für viele der in meinem Blogbeitrag zitierten Forschungsergebnisse. Die Kindle-Version des Buches ist weiterhin lieferbar, ebenso die englischsprachige Printausgabe.

Einigen Kritikern des IPCC und des Klimaalarmismus wie:

• dem dänischen Geowissenschaftler Johannes Krüger (Ein offener Brief an die Ministerpräsidenten Dänemarks und Norwegens),

• dem israelischen Astrophysiker Nir Shaviv (http://www.sciencebits.com/blog/), der hier erzählt, warum sein Interview mit der Zeitschrift Forbes nach kurzer Zeit wieder vom Netz genommen wurde,

• dem finnischen Atmosphärenphysiker Jyrki Kauppinen (https://arxiv.org/pdf/1907.00165.pdf),

• dem holländischen Geophysiker Guus Berkhout, siehe auch die von ihm organisierte Europäische Klima-Deklaration vom 26. September 2019 mit den Unterschriften von 500 »Scientists und Professionals«,

• Patrick Frank, einem Wissenschaftler, der am SLAC der Universität Standford arbeitet (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/feart.2019.00223/full),

• dem australischen Paläontologen und Meeresbiologen Bob Carter, ✝︎ 20. Januar 2016 (https://youtu.be/DRCISn1KfKQ),

• dem Mitgründer und Renegaten von Greenpeace Patrick Moore (https://youtu.be/UWahKIG4BE4), sowie vielen weiteren, die hier nicht namentlich genannt werden.

Tipps:

Der österreichische Förster, Biobauer und Holzhausbau-Unternehmer Erwin Thoma rückt im Gespräch mit KenFM unser Weltbild bezüglich des Klimawandels zurecht (https://youtu.be/A0MQ0_d-vSg).

Der Grüne und Anti-AKW-Aktivist der ersten Stunde, Günter Ofner, betrachtet, angelehnt an Wolfgang Behringers »Kulturgeschichte des Klimas«, die sogenannte Klimakrise im Licht langfristiger historischer Entwicklungen. Seine Ablehnung der Atomkraft als Alternative zu fossilen Brennstoffen ist ihm nachzusehen. Die Klimakrise im Lichte historischer Fakten.

Der Mathematiker und Politikwissenschaftler von der Universität Colorado, Roger Pielke, weist im Magazin Forbes darauf hin, dass die den extremen Krisenszenarios zugrundeliegenden RCP 8.5 Modelle des IPCC zuungunsten gemäßigterer Modelle bevorzugt werden. It’s Time To Get Real About The Extreme Scenario Used To Generate Climate Porn.

Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel, Silvio Borner, legt in der NZZ dar, dass die neue Energiereligion Naturgesetze ignoriert. Energiereligion wider die Naturgesetze.


Anmerkungen:


  1. Ich kann im Folgenden nur auf diese Sonnenzyklen und auch dies nur unzulässig verkürzt eingehen. Weitere kosmische Zyklen, die berücksichtigt werden müssten, wären die Milanković-Zyklen, von welchen drei klimageschichtlich relevant sind: 1. ein Zyklus von 100.000 bis 400.000 Jahren, der mit der Bahn der Erde um die Sonne zusammenhängt, die zwischen Kreis- und Ellipsenform schwankt (Exzentrizität). Je mehr sich die Erde von der Kreisform entfernt, um so mehr schwankt die Energiemenge, die sie von der Sonne erhält. In der Gegenwart vollführt die Erde eine wenig exzentrische Bahn, was zu Schwankungen der Sonnenentfernung im Jahresverlauf um rund 3 Prozent und Variationen der Sonneneinstrahlung um rund 7% führt. In Übereinstimmung mit diesem Zyklus beginnt etwa alle 100.000 Jahre auf der Erde eine neue Eiszeit, auf die eine kurze Warmzeit (Interglazial) von 10.000 bis 30.000 Jahren folgt. Die gegenwärtige Warmzeit (Holozän) nach Beendigung der letzten Eiszeit (Glazial – Weichsel/Würm) dauert bereits rund 12.000 Jahre an, was in naher Zukunft eine mögliche Abkühlung der Erde erwarten lässt; 2. ein Zyklus von rund 41.000 Jahren, der mit der variierenden Neigung der Erdachse zusammenhängt (Obliquität). Dieser wirkt sich auf die Ausprägung der Jahreszeiten aus. Je stärker die Neigung der Erdachse, um so stärker die Unterschiede zwischen Winter und Sommer. Derzeit beträgt die Neigung 23,44 Grad, und liegt damit in der Mitte zwischen Maximum und Minimum; 3. ein Zyklus von rund 20.000 Jahren, der mit der Kreiselbewegung der Erdachse um die Senkrechte zusammenhängt (Präzession). Auch dieser wirkt sich auf die Jahreszeiten aus, die davon abhängig an unterschiedlichen Punkten der Erdbahnellipse auftreten. Zur Zeit erreicht die Erde im Nordwinter ihren sonnennächsten Punkt (Perihel). In rund 11.000 Jahren wird sie ihn im Nordsommer erreichen, was zu härteren Wintern in diesen Breiten führt. Darüber hinaus müssten die internen, aber ebenfalls mit dem Verhältnis der Erde zur Sonne zusammenhängenden ozeanischen Oszillationen (Pazifische Dekaden-Oszillation [PDO], Atlantische Multidekaden-Oszillation [AMO], Nordatlantische Oszillation [NAO], El Niño und Southern Oscillation [ENSO]) berücksichtigt werden. Der Zusammenhang dieser Oszillationen mit der Sonne besteht darin, dass die Sonne nicht nur das Land (19% der Erdoberfläche), sondern auch die Meere (71%) an unterschiedlichen Orten unterschiedlich stark erwärmt.
  2. Der Befund, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre in den letzten 540 Millionen Jahren beträchtlich höher war, als im Holozän, ließ manche Kritiker der CO2-Hysterie argumentieren, die Erde leide heute in Wahrheit an einem CO2-Mangel. Zu einer nachhaltigen Verminderung des CO2-Gehalts trug die Entstehung der Landpflanzen im Kambrium bei (kambrische Explosion). Dem darauffolgenden Karbon verdanken wir jene unterirdischen Wälder, deren Aberntung und energetische Umwandlung das CO2 wieder dorthin zurückführt, wo es herkam: in die Atmosphäre. Durch die industrielle Steigerung der CO2-Produktion verlagern sich diese Wälder, die einst unter der Erde versanken, wieder in den Himmel.

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Ein Kommentar

  1. Klima. Die Mischung macht´s.

    (Kooperation mit der Natur. Landschaftspflege, Landwirtschaft, auch Industrie usw. sind diesbezüglich kein Widerspruch. Im Gegenteil. Durch echte Kooperation ergibt sich die Natur dem Menschen. Er kann sie durch gute Pflege aufblühen lassen zum eigenen Vorteil und dementsprechend Kultur und Zivilisation gestalten.- Dagegen mangelhafte Kooperation entfremdet den Menschen von der Natur. So entstehen auch gesundheitliche Risiken.
    Die Natur als Ganzes ist für die Menschheit unveränderbar und folgt nur ihren Gesetzen und ART. Das ist positives Naturverstehen.
    Wenn der Mensch sich zum Führer der Evolution der Natur erhebt, argumentativ aus evolutionären Gründen, dann missversteht er die Macht der Natur und in ihr wirkende Kräfte. Er erschafft punktuelle Entfremdung, weg von der Natur an sich. Schon rein „philosophisch“ betrachtet entsteht in dieser Kontroverse ein Kardinalproblem, was nicht gelöst werden kann und konkret Trennung praktiziert.
    Industriell-technische Einflussnahmen (aus materieller Sicht) im großen Stil können nach meiner Meinung auch gefährliche globale Klimaveränderungen bewirken. Wir leben in einer Zeit, in der das Wetter uns verstärkt Schwierigkeiten bereitet.
    „In der bewussten Beschränkung zeigt sich der Meister.“ Warum die vielen hausgemachten Probleme auf der Erde? Sie erzeugen massive Zwänge, unter denen die Menschheit „keucht“, und sie behindern Freiheit, was man auch immer darunter versteht.
    Eine wirkliche Kooperation mit der Natur und entsprechendes Verantwortungsgefühl erleichtern vieles. In solcher Zusammenarbeit wirken nur natürliche Klimaveränderungen. Das gute Verhältnis zur Natur ist für den Menschen in gewisser Weise ein innerer „Kompass“, der das „Raumschiff“ Erde auf Kurs und damit intakt hält, jedenfalls ist so diese Chance real.
    Kooperation mit der Natur bis in jegliche Produktionsverhältnisse hinein. That´s it!).

    Kosmiker und Telluriker ….. . In den spannungsgeladenen Zwischenräumen gebiert sich Zukunft.

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