Identität ist individuell

Henning Kullak-Ublick

Gastbeitrag von Henning Kullak-Ublick.

Seit einiger Zeit geistert eine »Gegenerklärung« der Philosophin und Waldorfmutter Caroline Sommerfeld zu der 2007 verabschiedeten »Stuttgarter Erklärung« und der wortgleichen »Wiener Erklärung« der jeweiligen Waldorfschul-Bünde durch Teile der anthroposophischen Medienlandschaft.

Sie wendet sich insbesondere gegen den Satz: »Die Anthroposophie als Grundlage der Waldorfpädagogik richtet sich gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus. Die Freien Waldorfschulen sind sich bewusst, dass vereinzelte Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken«, und sieht die gesamte Erklärung als Unterwerfung unter die Gesinnungsdiktatur der herrschenden Eliten und als Verrat an Rudolf Steiners Freiheitsimpuls.

Die Autorin bekennt sich zu der rechtsextremen »Identitären Bewegung«, die unter anderem die »ethnokulturelle Identität« im Grundgesetz verankern und Angehörige anderer Ethnien und Kulturen in ihre jeweiligen Ursprungsländer »remigrieren« will. Die plötzliche Konfrontation mit den Lebensbedingungen eines Siebtels der Weltbevölkerung, als Millionen Flüchtende an die Türen unserer heilen europäischen Enklave klopften, hat zuerst Ratlosigkeit, dann Angst und in der Folge jene Welle des Nationalismus erzeugt, die derzeit durch Europa schwappt und dessen Vorreiter sich immer offensiver anschicken, Volk und »Identität« wieder blutsmäßig (»ethnokulturell«) zu definieren.

Die Debatte über den Weg, den Europa gehen muss, um den Herausforderungen unserer Zeit im Geiste der Freiheit, der in Jahrhunderten erkämpften Menschenrechte und einer solidarischen Weltwirtschaft zu begegnen, darf die Begriffsbestimmungen von Heimat, Volk, kultureller Identität und Grenzen nicht denjenigen überlassen, die sich über die Ausgrenzung alles Fremden definieren.

Die Stuttgarter und Wiener Erklärungen stehen zu dieser Art kollektiver Schein-Identitätsbestimmung allerdings in diametralem Widerspruch, weil sie den einzelnen Menschen, um den es in der Pädagogik immer geht, in ein Verhältnis zur Gemeinschaft stellen, das Rudolf Steiner 1923 so formulierte: »Sie werden gesehen haben, dass es sich wahrhaftig, wenn auch das Waldorfschul-Prinzip einem ganz bestimmten Sprachgebiete entstammt, dabei durchaus nicht um etwas Nationales handelt, sondern um etwas im besten Sinne Internationales, weil Allgemein-Menschliches. Nicht den Angehörigen irgendeiner Klasse, nicht den Angehörigen irgendeiner Nation, nicht den Angehörigen überhaupt irgendeiner Einkapselung, sondern den Menschen mit den breitesten, herzhaftesten menschlichen Interessen wollen wir erziehen.«

Genau diese Weltoffenheit ist der Grund, warum sich die Waldorfpädagogik seither um die ganze Welt verbreiten konnte: In jeder Schule, wo sie auch beheimatet sein mag, geht es um die Entwicklung des individuellen Menschen, damit er als Erwachsener in Freiheit Verantwortung für sich und die Welt übernehmen kann. Völkische oder nationalistische Reinhaltungsprogramme haben damit nichts zu tun.

Henning Kullak-Ublick, von 1984 – 2010 Klassenlehrer an der FWS Flensburg; Vorstand im Bund der Freien Waldorfschulen, den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners, der Internationalen Konferenz der Waldorfpädagogischen Bewegung – Haager Kreis sowie Koordinator von Waldorf100 und Autor des Buches »Jedes Kind ein Könner. Fragen und Antworten an die Waldorfpädagogik«.

5 Kommentare

  1. Steiner hat bekanntlich auch gesagt: „Zu Asien gehört die gelbe Rasse, die Mongolen, die mongolische Rasse, und zu Europa gehört die weiße Rasse oder die kaukasische Rasse, und zu Afrika gehört die schwarze Rasse oder die Negerrasse. Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, daß sie jetzt [1923!] in Europa eine so große Rolle spielt. Diese Rassen sind gewissermaßen in diesen drei Erdteilen heimisch.“
    Und nun? Die Position von Herrn Kullak-Ublick und die von Frau Sommerfeld bzw. der Identitären Bewegung lassen sich also beide durch Steiner begründen, und sie schließen sich auch nicht gegenseitig aus: Der einzelne Mensch ist nach seiner individuellen Persönlichkeit zu beurteilen und unabhängig von seiner Nationalität oder Rasse zu respektieren. Gleichzeitig hat ein Volk das Recht – und nach Steiner auch die Notwendigkeit – den Zuzug von Angehörigen anderer Völker und Kulturen zu begrenzen. Dass diese Notwendigkeit tatsächlich besteht, können wir jeden Tag in den Medien bestätigt finden. Anthroposophen müssten an der Spitze einer (nicht notwendigerweise „der“) identitären Bewegung stehen, anstatt deren Angehörige und Sympathisanten in intoleranter und rechtswidriger Weise aus den Schulen zu werfen.

    • Da Steiner stets den ganzen Menschen in den Blick nimmt: seine leibliche und geistige Existenz, seine Gattungseigenschaften und seine Individualität, wird man seiner Auffassung nur gerecht, wenn man nicht das eine gegen das andere ausspielt. Interpreten, die nur die eine Seite der integralen Anthropologie Steiners rezipieren und die andere unter den Tisch fallen lassen, projizieren ihre eigenen Vorlieben oder Vorurteile in Steiner hinein. Exemplarisch ist seine Auseinandersetzung mit dieser Frage in der »Philosophie der Freiheit« 1893, die seine späteren Aussagen, auch die von ihnen zitierte, präformiert und grundiert:

      »Das Glied eines Ganzen wird seinen Eigenschaften und Funktionen nach durch das Ganze bestimmt. Ein Volksstamm ist ein Ganzes, und alle zu ihm gehörigen Menschen tragen die Eigentümlichkeiten an sich, die im Wesen des Stammes bedingt sind. Wie der einzelne beschaffen ist und wie er sich betätigt, ist durch den Stammescharakter bedingt. Dadurch erhält die Physiognomie und das Tun des einzelnen etwas Gattungsmäßiges. Wenn wir nach dem Grunde fragen, warum dies und jenes an dem Menschen so oder so ist, so werden wir aus dem Einzelwesen hinaus auf die Gattung verwiesen. Diese erklärt es uns, warum etwas an ihm in der von uns beobachteten Form auftritt.

      Von diesem Gattungsmäßigen macht sich aber der Mensch frei. Denn das menschlich Gattungsmäßige ist, vom Menschen richtig erlebt, nichts seine Freiheit Einschränkendes, und soll es auch nicht durch künstliche Veranstaltungen sein. Der Mensch entwickelt Eigenschaften und Funktionen an sich, deren Bestimmungsgrund wir nur in ihm selbst suchen können. Das Gattungsmäßige dient ihm dabei nur als Mittel, um seine besondere Wesenheit in ihm auszudrücken. Er gebraucht die ihm von der Natur mitgegebenen Eigentümlichkeiten als Grundlage und gibt ihm die seinem eigenen Wesen gemäße Form. Wir suchen nun vergebens den Grund für eine Äußerung dieses Wesens in den Gesetzen der Gattung. Wir haben es mit einem Individuum zu tun, das nur durch sich selbst erklärt werden kann. Ist ein Mensch bis zu dieser Loslösung von dem Gattungsmäßigen durchgedrungen, und wir wollen alles, was an ihm ist, auch dann noch aus dem Charakter der Gattung erklären, so haben wir für das Individuelle kein Organ.

      Es ist unmöglich, einen Menschen ganz zu verstehen, wenn man seiner Beurteilung einen Gattungsbegriff zugrunde legt.«

      Die von ihnen zitierte Passage aus den sogenannten Arbeitervorträgen kann nur aus ihrem oratorischen, historischen und sozialen Kontext heraus angemessen interpretiert werden. Eine politische Position in der Gegenwart aus Äußerungen Steiners zu begründen, die bald hundert Jahre alt sind, halte ich für verfehlt. Die gegenwärtigen Probleme der Menschheit können nicht dadurch gelöst werden, dass wir die Gesamtausgabe wie ein Rezeptbuch konsultieren. Wir müssen schon unseren eigenen Verstand gebrauchen.

      Und was die Steiner-Forschung anbetrifft: Mir ist keine einzige Stelle in seinem Gesamtwerk bekannt, in dem er sich für ein »Recht« von Völkern oder gar die »Notwendigkeit« ausgesprochen hätte, »den Zuzug von Angehörigen anderer Völker und Kulturen zu begrenzen«. Die Behauptung, er habe dies getan, lässt sich meiner Auffassung nach nicht durch die zitierte Textstelle rechtfertigen. Im Gegenteil: die »Mischung von Völkern und Rassen« ist bei ihm als Vehikel des Kulturfortschritts positiv konnotiert. Dafür nur ein Beispiel aus der Vortragsreihe »Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien« 1909: »Nun leben wir nämlich gerade in der Gegenwart im eminentesten Sinn in einem Übergange. Alle Gruppenseelenhaftigkeit soll nach und nach abgestreift werden. So wie die Abgründe zwischen den einzelnen Nationen immer mehr und mehr verschwinden, so wie sich die einzelnen Teile der verschiedenen Nationen immer mehr und mehr verstehen, so werden sich auch andere Gruppenseelenhaftigkeiten abstreifen, und immer mehr und mehr wird das Individuelle des einzelnen Menschen in den Vordergrund treten.

      Damit haben wir aber etwas ganz Wesentliches in der Entwickelung charakterisiert. Wenn wir es von einer andern Seite fassen wollen, so können wir sagen, innerhalb der Entwicklung der Menschheit verliert immer mehr und mehr der Begriff, worin sich die Gruppenseelenhaftigkeit am meisten ausdrückt, an Bedeutung, nämlich der Rassenbegriff. […] So recht anwendbar ist der Rassenbegriff nur auf die alte Atlantis. Daher haben wir, da wir rechnen mit einer wirklichen Entwickelung der Menschheit, für die nachatlantische Zeit gar nicht den Begriff der Rasse im eminentesten Sinne gebraucht. Wir sprechen nicht von einer indischen Rasse, persischen Rasse und so weiter, weil das nicht mehr richtig ist. Wir sprechen von einem altindischen Kulturzeitraum, von einem altpersischen Kulturzeitraum und so weiter.

      Und vollends würde es jeden Sinn verlieren, wenn wir davon sprechen wollten, daß sich in unserer Zeit vorbereite eine sechste Rasse. Wenn noch in unserer Zeit Reste der alten atlantischen Unterschiede, der alten atlantischen Gruppenseelenhaftigkeit vorhanden sind, so daß man noch sprechen kann davon, daß die Rasseneinteilung noch nachwirkt – was sich vorbereitet für den sechsten Zeitraum, das besteht gerade darinnen, daß der Rassencharakter abgestreift wird. Das ist das Wesentliche. Deshalb ist es notwendig, daß diejenige Bewegung, welche die anthroposophische genannt wird […] gerade in ihrem Grundcharakter dieses Abstreifen des Rassencharakters aufnimmt, daß sie nämlich zu vereinigen sucht Menschen aus allen Rassen, aus allen Nationen und auf diese Weise überbrückt diese Differenzierung, diese Unterschiede, diese Abgründe, die zwischen den einzelnen Menschengruppen vorhanden sind. Denn es hat in gewisser Beziehung physischen Charakter, was alter Rassenstandpunkt ist, und es wird einen viel geistigeren Charakter haben, was sich in die Zukunft hinein vollzieht.

      Daher ist es so dringend notwendig, zu verstehen, daß unsere anthroposophische Bewegung eine geistige ist, die auf das Spirituelle sieht, und gerade das, was aus physischen Unterschieden herrührt, durch die Kraft der geistigen Bewegung überwindet. Es ist ja durchaus begreiflich, daß eine jede Bewegung sozusagen ihre Kinderkrankheiten hat und daß man im Anfang der theosophischen Bewegung die Sache so dargestellt hat, als wenn sozusagen die Erde in sieben Zeiträume zerfiele – man nannte das ›Hauptrassen‹ – und jede der Hauptrassen in sieben ›Unterrassen‹; und daß das alles sich so stetig wiederholen würde, so daß man immer von ›sieben Rassen‹ sprechen könnte und ›sieben Unterrassen‹. Aber man muß über die Kinderkrankheiten hinauskommen und sich klar sein darüber, daß der Rassenbegriff aufhört eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit.« (GA 117, Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien, 4.12.1909)

      • „Mir ist keine einzige Stelle in seinem Gesamtwerk bekannt, in dem er sich für ein »Recht« von Völkern oder gar die »Notwendigkeit« ausgesprochen hätte, »den Zuzug von Angehörigen anderer Völker und Kulturen zu begrenzen«.“
        Wie sonst soll man die von mir zitierte Stelle interpretieren, in der Steiner sagt, die unterschiedlichen Rassen würden zu unterschiedlichen Erdteilen „gehören“, und dass es ein „Unfug“ sei, dass die schwarze Rasse „jetzt [1923!] in Europa eine so große Rolle spielt“? Ohne Zweifel gibt es im Werk Steiners Widersprüche; eben wenn er einerseits den Rassen bestimmte Charaktereigenschaften zuweist und andererseits in den von Ihnen zitierten Stellen die Bedeutung der Rassen für quasi obsolet erklärt. Aber gerade weil es solche Widersprüche gibt, sollte man in der Anthroposophie und an Waldorfschulen unterschiedliche Positionen tolerieren, was in den Fällen von Frau Sommerfeld und mir ja gerade nicht geschehen ist.

        Wie ich mich erinnere schreibt Steiner an anderer Stelle – die ich gerade nicht finde – sinngemäß, es käme heute nicht mehr so sehr auf die Rasse als auf die Kultur an. Das würde aber auch fast jedes Mitglied der Identitären Bewegung und der AfD unterschreiben (in letzterer sind auch Personen mit Migrationshintergrund aktiv, bei der IB weiß ich es nicht). Frau Sommerfeld und ich kritisieren ja nicht, dass Menschen anderer Hautfarben und Rassen in Massen nach Europa einwandern, sondern dass diese Einwanderung weitgehend unkontrolliert erfolgt, dass sich eine übermäßige Anzahl der Einwanderer als kriminell erweist, und dass sie mehr oder weniger dieselben Sozialleistungen genießen wie Einheimische, die jahre- und jahrzehntelang in diese Systeme eingezahlt haben.
        Sie sagen ganz richtig: „Wir müssen schon unseren eigenen Verstand gebrauchen.“ Und genau das sollten wir unseren Kollegen zugestehen, auch wenn ihr Verstand zu einem anderen Ergebnis kommt als unserer:
        „Die Freiheit des Handelns ist nur denkbar vom Standpunkte des ethischen Individualismus aus. […] Nur der sittlich Unfreie, der dem Naturtrieb oder einem angenommenen Pflichtgebot folgt, stößt den Nebenmenschen zurück, wenn er nicht dem gleichen Instinkt und dem gleichen Gebot folgt.“
        (Philosophie der Freiheit, Kap. IX)

        • Von der kulturgeographischen Zuordnung der »Weissen, Gelben und Schwarzen« zu bestimmten Kontinenten, die im vorliegenden Kontext gattungsgeschichtlich zu verstehen ist und der kulturkritischen Bemerkung über den »Unfug« des Kultes der »négritude« in der Literatur- und Musikszene (»Batouala« von Rene Maran, Shimmy oder Hootchy-Kootchy in der Tanzmanie der Nachkriegszeit), die an die europäischen Kulturschaffenden gerichtet ist, zum Postulat oder der behaupteten Notwendigkeit, den »Zuzug Angehöriger anderer Völker und Kulturen zu begrenzen« ist ein weiter Weg, zumal sich im zitierten Vortrag auch die Sätze finden: »Es ist einmal so beim Menschengeschlecht, dass die Menschen über die Erde hin eigentlich alle aufeinander angewiesen sind. Sie müssen einander helfen«. Außerdem stellte sich die Frage nach »Begrenzung von Einwanderung« 1923 gar nicht, da war eher die umgekehrte Frage aktuell, was die europäischen Kolonisten eigentlich in Afrika oder Asien zu suchen hatten, die Steiner eindeutig kolonisationskritisch beantwortete. Wieso also eine Aussage von 1923, die sich auf einen ganz anderen Fragenzusammenhang bezieht, auf eine Problematik des Jahres 2017 bezogen wird, ist mir schleierhaft. Was Ihre Bemerkung betrifft, Sie und Frau Sommerfeld kritisierten ja nicht, »dass Menschen anderer Hautfarben und Rassen in Massen nach Europa einwandern, sondern dass diese Einwanderung weitgehend unkontrolliert erfolgt, dass sich eine übermäßige Anzahl der Einwanderer als kriminell erweist, und dass sie mehr oder weniger dieselben Sozialleistungen genießen wie Einheimische, die jahre- und jahrzehntelang in diese Systeme eingezahlt haben«, so widerspricht sie sich selbst, zumal sich die von Ihnen beschriebenen Folgen erst aus der verneinten Voraussetzung ergeben. Ich verstehe die Kritik der Identitären am »großen Austausch« als Kritik an der »Masseneinwanderung«, egal, ob diese kontrolliert erfolgt oder nicht, denn nach identitärer Auffassung ist es ja gerade die große Zahl der Einwanderer, die die »Autochthonen« zum Verschwinden bringt, unabhängig davon, ob die ersteren nun »übermäßig kriminell« sind oder nicht oder ob sie in den Genuss angeblich unverdienter Sozialleistungen kommen oder nicht. Mit ihrer Forderung rennen Sie im übrigen offene Türen ein, zumal sich inzwischen – abgesehen von den Grünen – alle Parteien in der Bundesrepublik für eine Begrenzung der Migration bzw. der Flüchtlingsströme aussprechen. Eine »Notwendigkeit« hat Steiner hingegen unablässig betont, nämlich die, dass die globalisierte Ökonomie »brüderlich« (solidarisch) zu organisieren sei, dass also das »Heil« der Gesamtmenschheit nicht darin bestehen könne, dass sich ein Teil derselben auf Kosten der übrigen salviert. Zwischen der moralischen Maxime der »Förderung des Gesamtwohls der Menschheit rein um dieses Wohles Willen«, die bereits in der »Philosophie der Freiheit« ausgesprochen wurde und den von mir zitierten Sätzen von 1923, dass »die Menschen über die Erde hin einander helfen« müssen, dass sie »aufeinander angewiesen sind« besteht inhaltlich kein Unterschied.

    • Im zitierten Arbeitervortrag ist die Rede von (Aus)Wanderung (10 Mal), nicht von typischen, exklusiven Ethnien. Laut Steiner stammen die ausgewanderte Menschengruppen evolutionär von einer einzigen Menschheit (Monogenismus). Diese ethnische Gruppen sind wieder vielfach vermischt worden, z.B. jungsteinzeitlich (‘eine grosse Völkerwanderung‘) und frühneuzeitlich (‘Amerika‘). Ihre heutige Abgrenzungen und Zugehörigkeiten sind also arbiträr.

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