Warum die Linke versagt hat

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2022.

Simon Elmer versucht die Frage zu beantworten, warum die Linke versagt hat, als es darum ging, die arbeitende Bevölkerung gegen den globalen Biosicherheitsstaat zu verteidigen. Seine Analyse bezieht sich auf Großbritannien, ist aber auf andere Länder übertragbar.

Der folgende Text ist ein Auszug aus seinem Buch »The Road to Fascism: For a Critique of the Global Biosecurity State« (Der Weg in den Faschismus: Für eine Kritik des globalen Biosicherheitsstaates).

Warum die Linke versagt hat

Quelle: Facebook-Seite Königlich Bayerische Antifa

Die Frage, die Sozialisten nach wie vor fast in gleichem Maße verwirrt, wie sie ihre politischen Gegner erfreut, ist, warum die Linke heute – nicht nur in Großbritannien, sondern im gesamten Westen – weiterhin so bereitwillig und fraglos mit den autoritären Programmen und Vorschriften des entstehenden globalen Biosicherheitsstaates kollaboriert.

Wie die bevorstehende Einführung des digitalen Personalausweises, der digitalen Zentralbankwährung, des universellen Grundeinkommens, der Kriterien für ökologische und soziale Unternehmensführung (ESG), der Pandemieprävention, -vorsorge und -reaktion, des Sozialkredits, der »Smart Cities« und all der anderen Programme der Agenda 2030 zeigt, ist die Neue Weltordnung, die uns unter Umgehung jedes demokratischen Prozesses aufgezwungen wird, in ihrer wirtschaftlichen Infrastruktur kapitalistisch, in ihrem staatlichen, rechtlichen und ideologischen Überbau faschistisch und in ihren Zielen totalitär.

Warum also sind diejenigen, die sich selbst, wenn auch fälschlicherweise, als politische Linke bezeichnen, weiterhin ihre lautesten und blindesten Befürworter?

The Road to FascismWenn wir mit der Linken in Großbritannien die Labour-Partei und jene Gewerkschaften, politischen Organisationen und Interessengruppen meinen, die bei jeder Wahl dafür plädieren, Labour zu wählen, dann hat die britische Linke wenig oder gar nichts Sozialistisches in ihren Prinzipien, ihrer Politik oder ihren Praktiken. Für diejenigen unter uns, die ihre Politik verstehen und sich ihren Aktionen in Rathäusern und lokalen Behörden widersetzen, ist Labour unwiderlegbar und sogar offen eine Partei, deren politische Philosophie auf den Grundsätzen des Neoliberalismus beruht.

Dies zeigt sich vielleicht am deutlichsten in ihrer Mitwirkung an der Vermarktung menschlicher Grundbedürfnisse wie z. B. Wohnraum und der Finanzialisierung dieser Märkte durch das globale Kapital. Darüber hinaus weiß jeder, der sich wie ich in der Linken herumgetrieben hat, dass, wofür auch immer ihre so genannten »linken« Elemente und Organisationen zwischen den Wahlen argumentieren mögen: Wenn es darum geht, die Politik und die Praktiken der Labour-Partei in der Regierung auf kommunaler oder lokaler Ebene zu unterstützen oder abzulehnen, sie alle der Parteilinie folgen, schweigen und Labour wählen.

Es überrascht mich daher nicht, dass die britische Linke, und zwar nicht nur die Labour-Anhänger, sondern auch die breite Diaspora von Menschen, die sich selbst als »Linke« oder sogar »Sozialisten« bezeichnen, zu glühenden Ideologen des Biosicherheitsstaates geworden sind.

Das liegt aber nicht, wie die Anhänger von Friedrich Hayek behaupten, an dem Autoritarismus, der dem Sozialismus innewohnt, der ihn dazu bringt, bei der ersten Gelegenheit ein totalitäres Gesellschaftsmodell durchzusetzen. Es gibt (man kann es nicht oft genug wiederholen) wenig oder nichts Sozialistisches – in der Labour Party nichts, in ihren Mitgliedsorganisationen und Mitläufern wenig – an der Politik oder den Praktiken der britischen Linken. Selbst die kleinen Gruppen und unabhängigen Organisationen, die Labour offen kritisch gegenüberstehen, haben sich die fast universelle Unterstützung der britischen Linken für die Biosicherheitsbeschränkungen zu eigen gemacht, bleiben gleichgültig gegenüber der Verelendung und dem Leid der britischen Arbeiterklasse, die sie verursachen, und weigerten sich standhaft, sich den Millionen britischer Arbeiter anzuschließen, die im Frühjahr und Sommer 2021 gegen ihre Einführung protestierten. Stattdessen haben sie unkritisch akzeptiert und übernommen, dass die Regierung und die Konzernmedien diese Arbeitnehmer als »rechtsextreme Verschwörungstheoretiker« abtaten.

Zweifellos hat die politische Naivität der Linken dazu geführt, dass sie die Einführung der Vorschriften und Programme des Biosicherheitsstaates im März 2020 als Triumph des Gemeinwohls über die Unfähigkeit der Regierung und die Gier der »Rechten« begrüßte.

Aber das war vor fast drei Jahren, und aus Naivität ist angesichts des riesigen Apparats der globalen Biosicherheit, der um uns herum, zwischen uns und in uns errichtet wurde, Unglaube und Leugnung geworden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Linke jetzt ihre Kollaboration bereut, die natürlich auch heute noch andauert, oder dass sie ihre Proteste nicht hartnäckig auf die Auslöschung unserer Rechte und Freiheiten beschränkt, die durch die Welle neuer Gesetze, die 2022 auf der Grundlage von 582 durch das Coronavirus gerechtfertigten Rechtsakten eingeführt und in Kraft gesetzt wurde, ohne irgendeinen Zusammenhang zwischen ihnen zuzugeben.

Der Verrat und die Doppelzüngigkeit der Linken sind Legion, aber viele Sozialisten fragen sich immer noch, wie es dazu kommen konnte.

Was die Linke gemeinsam hat – und als Ursprung ihrer ansonsten unerklärlichen Kollaboration mit der Umsetzung des britischen Biosicherheitsstaates betrachtet werden muss – ist eine jahrzehntelange Unterwanderung durch die neoliberalen Ideologien des Multikulturalismus, der politischen Korrektheit, der Identitätspolitik und, in jüngster Zeit, der Orthodoxien der Wokeness.

In einigen Organisationen ist diese Infiltration nur marginal und existiert unter dem Begriff der »Intersektionalität« in einer unbehaglichen und meist ungeprüften Koexistenz mit den Slogans – wenn nicht gar den Praktiken – des Sozialismus. In anderen, wie der Labour-Partei und ihren Mitgliedsorganisationen, sind die sozialistischen Prinzipien, die sie vielleicht einmal hatten, vollständig durch die Werte und Orthodoxien dieser relativ neuen Ideologien ersetzt worden, die sich in so jungen, energischen und gut finanzierten Bewegungen wie Momentum, Black Lives Matter, Extinction Rebellion, Just Stop Oil und jetzt den maskierten, aufgeblasenen Verfechtern des globalen Biosicherheitsstaates manifestiert haben.

All diese Bewegungen sind (unabhängig davon, was sie selbst sagen) pro-kapitalistisch, feindselig gegenüber der Arbeiterklasse – die sie konsequent und beiläufig als »rassistisch« denunzieren – und direkt, wenn nicht sogar offen gegen den Sozialismus. Auf der Grundlage ihrer Prinzipien hat die Linke im Vereinigten Königreich wie in allen ehemaligen neoliberalen Demokratien des Westens eine Zeit lang agiert.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis sich eine ähnliche Bewegung bildet, die von denselben oder sogar noch mächtigeren Milliardären finanziert wird, um die nächste Stufe des britischen Biosicherheitsstaates herbeizuführen.

Dazu gehört die Einführung eines universellen Grundeinkommens für diejenigen, die durch die Massenquarantänen, die steigende Inflation, die steigenden Energiepreise und die massenhafte Digitalisierung von Angestelltenjobs im Zuge der vierten industriellen Revolution verarmt sind. Und wie ihre Vorgänger wird diese Bewegung der Covid-Getreuen eine Position in der britischen Linken beanspruchen, indem sie die Reaktion der konservativen Regierung auf diese oder die nächste »Krise« kritisiert. Auf diese Weise wird sie dazu beitragen, unter der britischen Jugend und den »Liberalen« in den Mittelschichten einen noch größeren Konsens für eine verstärkte Online-Überwachung, strengere Gesetze, härtere Strafen, aufdringlichere Technologien zur öffentlichen Kontrolle und größere polizeiliche Befugnisse zu deren Durchsetzung zu schaffen.

Wie wir am deutlichsten bei den Gegendemonstrationen gesehen haben, die während der Blockade gegen die Impfpflicht im Februar 2022 in ganz Kanada organisiert wurden, hat die Linke nicht gezögert, sich mit der Regierung von Justin Trudeau und der von ihm eingesetzten Bereitschaftspolizei zu verbünden, Trucker als »weiße Rassisten« und durch jede andere Beleidigung aus dem Handbuch für Aufgeweckte zu denunzieren, während sie Plakate schwenkte, auf denen sie arbeitende Männer und Frauen, die durch den Biosicherheitsstaat von Arbeitslosigkeit und Elend bedroht sind, aufforderte, »ihre Privilegien zu checken«.

Diese größtenteils aus der Mittelschicht stammende neoliberale Linke, die heute in den westlichen Biosicherheitsstaaten eine homogene Kraft der Konformität darstellt, ist nicht plötzlich zu einer Anhängerin der Beschränkungen und Programme geworden, die aufgrund einer »großen Bedrohung« der öffentlichen Gesundheit auferlegt wurden, die nie existierte.

Ganz im Gegenteil, die Linke ist die Kirche, in der diese Covid-Gläubigen aufgewachsen sind, deren Leitreligion und kultische Praktiken von denselben radikal konservativen Überzeugungen geprägt sind.

Um noch einmal zu betonen, was allen klar sein sollte: die Verweigerung von Öffentlichkeit (No-Platforming), die Cancel-Unkultur, als Trans-Rechte getarnte Frauenfeindlichkeit, Sprach- und Meinungspolizei und all die anderen Symptome dieser Woke-Ideologie sind nicht aus einer Politik der Emanzipation, des Klassenkampfes oder der Wohlstandsverteilung entstanden. Sie sind aus autoritären Praktiken der Zensur, der Unterdrückung von Debatten und der Bestrafung von Nichteinhaltung entstanden, die kulturell untrennbar mit den Technologien der Überwachung und Kontrolle verbunden sind, die der Finanzkapitalismus entwickelt hat, um seine Grenzen zu überwachen und zu schützen.

Es sind nicht die Grenzen zwischen den Nationalstaaten, die der Finanzkapitalismus wie ein Koloss überspannt und über die der globale Biosicherheitsstaat unsere Bewegungen in einem für die Kinder des Multikulturalismus bisher unvorstellbaren Ausmaß kontrolliert. Es sind vielmehr die Grenzen zwischen den internationalen Konzernen und den Offshore-Jurisdiktionen, durch die das globale Kapital fließt, auf der einen Seite und der Kontrolle und Rechenschaftspflicht gegenüber dem, was vom öffentlichen Sektor in diesen Nationalstaaten übriggeblieben ist, auf der anderen Seite.

Weit davon entfernt, dass die Linke, wie einige behauptet haben, unter einer Art kollektiver Hypnose oder Programmierung steht – vermutlich durch die Propaganda der Rechten –, hören wir von der Linken die puritanischsten Forderungen nach öffentlicher Tugendhaftigkeit und nach den härtesten Strafen für Ungläubige des neuen Glaubens der Biosicherheit. Es gibt eine direkte ideologische Linie zwischen dem Black Lives Matter-Slogan »Schweigen ist Gewalt«, den »Rebellen« von Extinction Rebellion und Just Stop Oil, die sich selbst zur Verhaftung anbieten, und den Ideologen von »Zero-Covid«, die denjenigen die Menschenrechte verweigern, die sich dem Diktat des globalen Biosicherheitsstaates widersetzen.

So wie die Gewerkschaften unter der doppelzüngigen Führung von Labour in den letzten hundert Jahren wiederholt britische Arbeiter den Interessen des britischen Kapitals geopfert haben, so hat die Linke die britische Jugend dem britischen Biosicherheitsstaat ausgeliefert. Die Behauptung, dass diese korporative, technokratische, autoritäre, repressive, gewalttätige und totalitäre Ideologie irgendetwas mit den emanzipatorischen Zielen des Sozialismus gemein hat, zeigt, wie wenig die Ideologen der Linken über sozialistische Politik, sozialistische Prinzipien oder sozialistische Praktiken wissen oder sich dafür interessieren, außer dass sie dazu da sind, jede Organisation zu unterdrücken, die versucht, sie umzusetzen.

Gibt es angesichts der bereitwilligen Zustimmung der Linken überhaupt noch einen Grund für die Ideologen des Kapitalismus, seine angeblich einzigartige Fähigkeit zur Verteidigung unserer Freiheiten zu preisen? Die Erklärungen zu einer neuen Weltordnung, die auf den gleichzeitigen Treffen des Weltwirtschaftsforums und der Weltgesundheitsorganisation im Mai dieses Jahres abgegeben wurden, legen das Gegenteil nahe.

Als ideologisches Prinzip ist »Freiheit« heute endgültig von der politischen Tagesordnung verschwunden. Der Faschismus – wenn auch, wie von Orwell vorhergesagt, unter einem anderen Namen (»Biosicherheit«, »Net Zero«, »Stakeholder-Kapitalismus« usw.), nicht mehr unter der Autorität eines souveränen Führers, sondern von neuen internationalen Technokratien wie dem Weltwirtschaftsforum und der Weltgesundheitsorganisation, und hierzulande in einer schleimigen, anglisierten Form – ist das neue Gemeinwohl, dem wir alle gezwungen sind, unsere Menschenrechte, unsere Privatsphäre, unsere körperliche Autonomie, unsere Freiheiten zu opfern.

Marcus Klöckner, Jens Wernicke: »Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.« Das Corona-Unrecht und seine *Täter.

Und die Wahrheit, die die Linke weiterhin nicht wahrhaben will, ist, dass all dies ohne ihre Mitwirkung nicht so schnell und einfach hätte erreicht werden können.

Aber ist das alles? Kann ein so folgenschweres historisches Scheitern, das eines Tages dem Scheitern der Linken bei der Niederschlagung des Aufstiegs des Faschismus vor einem Jahrhundert gleichkommen könnte, ausschließlich auf die ideologische Verdrängung des Sozialismus nicht nur aus den parlamentarischen Parteien und politischen Organisationen der Linken, sondern auch aus der Ideologie ihrer Mitglieder und Mitläufer zurückgeführt werden?

Wenn die psychologische Struktur des Faschismus in der Anziehungskraft zwischen einem fast kindlichen Gehorsam gegenüber den herrschsüchtigen Formen der Autorität, die über dem Gesetz stehen, und einem abgrundtiefen Hass auf die Verarmten, die Kranken, die Ausgegrenzten und die Kriminalisierten besteht, was können wir dann über die psychologische Struktur der Linken im Westen im Jahr 2022 sagen? Ist die Linke jetzt faktisch faschistisch? Und wenn ja, hatte Hayek dann nicht doch recht, dass der Sozialismus ein Sprungbrett zum Faschismus ist?

Die Antwort auf diese beiden Fragen muss »Nein« lauten: Nicht nur, weil die letzten 40 Jahre des Neoliberalismus im Westen die Auslagerung öffentlicher Dienstleistungen in den privaten Sektor und die Verlagerung der Wirtschaftspolitik auf die Zentralbanken und internationalen Finanzinstitutionen mit sich gebracht haben, sondern auch, weil die Einteilung des politischen Spektrums in links und rechts – mit Sozialdemokraten und Sozialisten au der linken und Liberalen und Konservativen auf der rechten Seite – , auf der Hayeks Argumentation beruhte, für das politische Paradigma des globalen Biosicherheitsstaates nicht mehr gültig ist.

Die Orthodoxien der Woke-Ideologie wurden von selbsternannten »liberalen Demokratien« unter einigen der autoritärsten und arbeiterfeindlichsten Regierungen der jüngeren Geschichte eingesetzt – darunter die von Boris Johnson in Großbritannien, Emmanuel Macron in Frankreich, Mario Draghi in Italien und Karl Nehammer in Österreich –, um die Linke dem Globalen Biosicherheitsstaat unterzuordnen.

»Unterordnen« ist vielleicht das falsche Wort, denn zur gleichen Zeit waren auch vermeintlich linke Regierungen – darunter die von Pedro Sánchez in Spanien, António Costa in Portugal und Magdalena Andersson in Schweden – sowie linke Oppositionsparteien wie die britische Labour-Partei bereit, den Globalen Biosicherheitsstaat auf der Grundlage der Prinzipien von Sicherheit, Zensur und eines paternalistischen Staates zu übernehmen. Und natürlich haben liberale und konservative Regierungen – darunter die von Olaf Scholz in Deutschland, Mateusz Morawiecki in Polen, Alexander de Croo in Belgien, Mark Rutte in den Niederlanden, Sanna Marin in Finnland und Kyriakos Mitsotakis in Griechenland – die »Woke«-Orthodoxien längst zur Grundlage ihrer politischen Plattformen gemacht und sie in ihrer opportunistischen Reaktion auf die Coronavirus-»Krise« rasch eingesetzt.

Diese einheitliche Reaktion der nominell politisch unterschiedlichen Regierungen der europäischen Nationalstaaten und ihre bereitwillige Unterordnung unter die neuen Technokratien der Global Governance haben – hoffentlich ein für alle Mal – gezeigt, dass Links und Rechts als Positionen innerhalb des neuen biopolitischen Paradigmas des Westens nicht mehr existieren.

Man könnte behaupten, dass es sie schon seit einiger Zeit nicht mehr gibt. Tony Blair, der frühere britische Premierminister und einer der einflussreichsten Ideologen des Neoliberalismus im Westen, dessen New Labour-Partei so viel dazu beigetragen hat, das Overton-Fenster zu schließen, hat Links und Rechts durch das ersetzt, was er »offen und geschlossen« nannte, wobei Ersteres für Neoliberalismus, Multikulturalismus und Globalisierung steht und Letzteres für Protektionismus, kulturellen Konservatismus und Einwanderungsfeindlichkeit.

In diesem neuen politischen Spektrum, in dem die so genannte »Offenheit« die Ideologie der Linken genauer beschreibt, sind die sozialistischen Werte der politischen Emanzipation, der wirtschaftlichen Gleichheit und der Umverteilung des Reichtums völlig verschwunden, wobei die Mittelschichten zur Offenheit angehalten und die Arbeiterklasse als »geschlossen« abgetan werden. Natürlich haben »offen« und »geschlossen« mit der gegenwärtigen Umwälzung des westlichen Kapitalismus zum globalen Biosicherheitsstaat ganz unterschiedliche Bedeutungen angenommen, wobei die »offenen« Verfechter des Neoliberalismus jetzt Massenquarantänen, die Einführung von »Impfpässen« als Reisebedingung und obligatorische medizinische Eingriffe als Bedingung für die Beschäftigung fordern, während die »geschlossenen« Arbeiter ihre Rechte und Freiheiten verteidigen.

Insofern, als die verbleibende Polarität zwischen Links und Rechts dazu diente, die Opposition gegen den Biosicherheitsstaat zu spalten, wobei die Unterwerfung als Gehorsam gegenüber medizinischen »Maßnahmen« entpolitisiert wurde, die von angeblich unpolitischen technokratischen Beratungsgremien (sei es SAGE oder die WHO) erlassen wurden, hat die Zusammenarbeit von Links und Rechts die Durchsetzung des biopolitischen Paradigmas des Staates erleichtert.

So wie Hayeks »Weg zur Knechtschaft« es den Neoliberalen ermöglichte, die Politik auf die Wirtschaft zu reduzieren – am berühmtesten ausgedrückt in Thatchers Slogan »There Is No Alternative« (TINA) – ist das scheinheilig wiederholte Mantra der Covid-Getreuen, dass die Coronavirus-Krise »über der Politik« stehe, der Traum einer post-politischen totalitären Welt, in der der Staat und seine Befugnisse unabhängig davon, welche Partei gewählt wird, um sein Diktat zu verwalten, weiterhin denselben internationalen Organisationen der Global Governance zur Verfügung stehen.

Die Linke von heute ist also nicht faschistisch, aber auch nicht sozialistisch in einem erkennbaren Sinne des Wortes. Wie die mehr als zweieinhalb Jahre seit dem März 2020 deutlicher als jedes andere Ereignis in der jüngeren Geschichte des Westens gezeigt haben, ist die Linke eine übrig gebliebene, aber immer noch funktionierende politische Form der Macht des Nationalstaates, um durch die Spektakel der parlamentarischen Demokratie und des Straßenprotests die potenziell subversiven Elemente der Gesellschaft in die homogene politische Ordnung zu assimilieren, um die Produktivkräfte der Wirtschaft vor den immer häufigeren Krisen des Finanzkapitalismus zu schützen.

Die Coronavirus-»Krise« und die Mitarbeit der Linken am Aufbau des globalen Biosicherheitsstaates sind der Beweis für diese Funktion.


Hinweis: Simon Elmer ist Autor des Buches »The Road to Fascism: For a Critique of the Global Biosecurity State«. Der vorliegende Artikel ist ein Auszug daraus. Elmer wurde in London geboren. Im Jahr 2002 promovierte er in Kunstgeschichte und -theorie am University College London und lehrte an den Universitäten von London, Manchester, Reading und Michigan. Im Jahr 2015 war er Mitbegründer von »Architects for Social Housing«, für die er als Forschungsleiter tätig ist.

Worum es in Elmers Buch geht:

Mit der Aufhebung der Tausenden von Vorschriften, die zwei Jahre lang unser Leben beherrschten, entstand der verständliche Wunsch, zu glauben, dass die »Krise« des Coronavirus vorbei sei und wir zu einer Art neuer Normalität zurückkehren würden. Da jedoch neue Krisen an ihre Stelle getreten sind – der Krieg in der Ukraine, die so genannte Krise der »Lebenshaltungskosten« und die Rückkehr der Umweltkrise – wird es immer schwieriger, die Stilllegung des sozialen Lebens während der Coronakrise nicht als ersten Feldzug in einem Krieg zu betrachten, der zwar von keiner Regierung erklärt wurde, aber deshalb nicht weniger real ist.

Die Bereitschaft unserer Regierungen, die Kräfte des Staates gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, mit der Begründung, uns vor uns selbst zu schützen, signalisiert eine neue Stufe des Autoritarismus – und so etwas wie die Rückkehr des Faschismus – in den staatlichen, rechtlichen und kulturellen Formen der ehemals neoliberalen Demokratien des Westens. Eines der Ziele dieses Buches ist es, die Gültigkeit dieser These zu untersuchen. Es geht nicht darum, einen Beitrag zu einer akademischen Debatte über die Bedeutung des Begriffs »Faschismus« zu leisten, sondern vielmehr darum, zu hinterfragen, wie und warum der allgemeine und weit verbreitete moralische Zusammenbruch im Westen in den letzten zweieinhalb Jahren so schnell und einfach vonstatten ging und zu welchen Zwecken dieser Zusammenbruch genutzt wird.

Je bewusster die Bevölkerung der westlichen Demokratien verunsichert wird, desto deutlicher wird, dass der von COVID-19 begonnene Krieg nicht zwischen Nationalstaaten, sondern ein Bürgerkrieg gegen unsere demokratischen Regierungsinstitutionen und die Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative ist. In dem Maße, in dem diese Institutionen und diese Aufteilung demontiert und durch die Herrschaft internationaler Technokratien ersetzt werden, die unter dem Deckmantel der »Pandemie« seit März 2020 immer mehr Macht über unser Leben erlangen, stellt dieser Krieg eine Revolution des westlichen Kapitalismus gegenüber dem Neoliberalismus dar, unter dem wir in den letzten vierzig Jahren gelebt haben. Der neue Totalitarismus des globalen Biosicherheitsstaates ist das Ziel, auf das er mit immer größerer Geschwindigkeit und Endgültigkeit zusteuert und das »The Road to Fascism« aufzeigen will.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort | 1. Die Rückkehr des Faschismus | 2. Der ewige Faschismus | 3. Der faschistische Staat und die Menschenrechte | 4. Der Faschismus und der Verfall des Kapitalismus | 5. Die psychologische Struktur des Faschismus | 6. Die Ästhetik des Totalitarismus | 7. Faschismus, Neoliberalismus und die Linke | 8. Das Lager als biopolitisches Paradigma des Staates | 9. Der neue Totalitarismus | 10. Menschlichkeit in dunklen Zeiten | Fazit | Anhang: Gesetze zum Schutz von Volk und Staat | Literaturverzeichnis

Das Buch kann hier direkt bezogen werden.


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Ein Kommentar

  1. Die ‚Linke‘ hat nicht versagt – sie ist naemlich NICHT ‚Links‘ … sondern neo-faschistisch

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