Die aktuelle Corona-Krise zeigt vor allem Angst

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Skizze zu Schmetterlingen, Vögeln und Fledermäusen.

»Die Fledermäuse sind ein ganz merkwürdiges Tiergeschlecht. Die Fledermäuse überwinden gar nicht durch das Innere ihres Körpers die Schwere der Erde. Sie sind nicht lichtleicht wie der Schmetterling, sie sind nicht wärmeleicht wie der Vogel, sie unterliegen schon der Schwere der Erde und fühlen sich auch schon in ihrem Fleisch und Bein.« Rudolf Steiner, 27.10.1923, GA 230.

Unsere Normalität zerbricht. Offenbar war sie gebrechlicher, als wir ahnten. Doch scheinen auch wir geneigt, den »Verlust zu verschmerzen«, wie Kleists Kohlhaas. Was ist geschehen?

Gastbeitrag von Sebastian Lorenz

Man kann vermuten, dass bis heute in Europa nicht Zehntausende, sondern hunderte Millionen Menschen vom Corona-Virus SARS-CoV-2 und der von ihm ausgehenden Infektionskrankheit, Corona-Virus Infectious Disease of 2019 (CoVID-19) betroffen sind. Die meisten werden nicht unmittelbar erkrankt sein, doch ist die epidemische Angst vor Ansteckung und Tod inzwischen in fast allen Ländern Europas soweit angestiegen, dass die Behörden drastische Eingriffe in das Leben, in die Grundrechte und in den Alltag der Bevölkerungen vornehmen. Schulen und Universitäten sind geschlossen, anfangs nicht mehr als 1000 dann nicht mehr als zwei oder drei Menschen dürfen sich in der Öffentlichkeit begegnen. Mit rechtlich mehr oder weniger stark bindenden Weisungen oder Hinweisen und durch vorbeugende Selbstbegrenzung wurde das soziale und kulturelle Leben Mitte März binnen kurzer Zeit für Monate stillgelegt. Die Infektionszahlen, Erkrankungs- und Sterberaten bleiben bisher jedoch insgesamt noch im Rahmen der Erfahrungswerte ähnlicher Grippewellen.

Meinungsvielfalt und demokratischer Diskurs erscheinen gefährdet

Zeitgleich mit der losgetretenen medialen Informationslawine zu Corona und zu den harten Eingriffen in die Freiheiten und Rechte der Bürger entsteht – soweit beobachtet zunächst nur im deutschen Sprachraum – nun ein heftiger Streit zwischen den Experten der Virologie wie Christian Drosten (Charité Berlin) und Alexander Kekulé (Universität Halle) oder Daniel Koch vom schweizerischen BAG einerseits und einer Minderheit von zur Besonnenheit mahnenden Stimmen, die die Fakten zu der grippeartigen neuen Erkrankung relativieren, historisch einordnen und die harten Maßnahmen der Regierungen hinterfragen. Menschen wie Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi oder Andres Bircher gelten der Mehrheit als fahrlässige Abwiegler oder werden als gefährliche Extremisten verurteilt, während die meisten Medien die Gefährdungsperspektive stark verdichten und allseitig Angst auslösen. Wozu werden wir hier aufgefordert?

Machen wir uns den Unterschied zwischen der »Zahl der infizierten Personen« und der »Anzahl getesteter Personen« klar. In den USA und in Afrika gab es anfangs nur deshalb relativ wenige Neuerkrankte, weil dort bis Ende März kaum in größerem Umfang getestet wurde. Vielfach wurden überall vorrangig Erkrankte getestet. Trennen wir gedanklich die noch immer sehr wenigen ernsthaft Erkrankten von den symptomfreien Trägern und bedenken wir, dass fast alle, die Symptome entwickeln, rasch wieder genesen. Menschen hohen Alters und mit schweren Vorerkrankungen der Atemwege können sterben – mit oder ohne Coronavirus. Also sollte z.B. in Italien bei den Todesfällen jeweils sorgfältig unterschieden werden, ob sie an dem Virusbefall gestorben sind, oder aus einem anderem Grunde während sie mit SARS-CoV-2 infiziert waren.

Die psychische Betroffenheit mit Verunsicherung und Angst in Form einer eng fokussierten, irrationalen Phobie ist seit Anfang März 2020 unabweislich und millionenfach eingetreten. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der persönlichen Freiheiten haben dazu erheblich beigetragen, haben sie doch ein Ausmaß erreicht, das die Menschen in Westeuropa seit 1945 nicht mehr kennen. Man darf fragen: Handelt es sich für die allermeisten Menschen, die weder sehr alt sind noch eine schwere Vorerkrankung der Atemwege haben, wirklich um eine akute, lebensbedrohliche Gesundheitsgefährdung? Oder gehen wir wie jedes Jahr durch eine winterliche »Grippewelle« mit den üblichen rund sieben verschiedenen Viren, die uns immer wieder mit den bekannten, lästigen, aber für fast alle harmlosen Erkältungskrankheiten plagen? Ein Blick auf die bislang (Kalenderwoche 12 bis zum 22. März) unveränderte Sterblichkeit in allen europäischen Ländern (www.euromomo.eu) legt eine Antwort nahe.[1] Steigt die allgemeine Sterblichkeit in den Wochen danach erheblich an, dann ist ein anderes Urteil nötig. Bisher deuten die Kritiker der aktuellen Krise die Coronaviruspandemie aber als eine Anomalie der Messtechnik, weil inmitten einer jahreszeitlich normalen Erkältungswelle eng fokussiert nur auf SARS-CoV-2 getestet wurde.[2] Vermehrt werden Stimmen hörbar, die eine sogenannte repräsentative Basisstudie zur Klärung der wichtigen offenen Fragen fordern, ohne die die schweren Grundrechtsbeschränkungen nicht rechtsgültig, weil verhältnismäßig sein können: Welcher Anteil der Bevölkerung ist aktuell infiziert, welcher ist nur leicht erkrankt und welcher Anteil benötigt tatsächlich stationäre oder intensivmedizinische Behandlung?

Epidemie – Pandemie – Phobie

Ob es eine Epidemie, eine Pandemie oder bloß eine normale Grippewelle zuzüglich einer aus dem Ruder gelaufenen Berichterstattung und einem extrem harten Regierungshandeln ist, müssen wir also bis dato offenlassen, weil uns die Urteilsgrundlagen noch fehlen. Aber es ist bereits klar, dass eine weiträumige Angststörung um sich gegriffen hat, eine Phobie.

Die WHO[3] definiert Phobien als »eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. … häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. … Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf«. Der Kontrollverlust der Menschen wird mit den allseits bemerkbaren Hamsterkäufen von Toilettenpapier, Konserven und Mehl beherrscht. Verschwörungstheorien füllen die Erklärungs- und Verständnislücken: Ein amerikanisches oder ein chinesisches Waffenlabor habe SARS-CoV-2 entwickelt und entweichen lassen; die Einführung von 5G und seine Kombination mit Luftverschmutzung habe die Epidemie ausgelöst etc. Diese Verschwörungstheorien kann man getrost verwerfen, weil sie nichts dazu beitragen, sich in der aktuellen Lage zurechtzufinden, in der keiner meiner unmittelbaren Mitmenschen bisher ernsthaft erkrankt ist, in der ich mich aber nie dagewesenen Verlusten meiner Grundrechte und Freiheiten gegenübersehe: Schulschließungen, Einreiseverbote, Versammlungsverbote, Lokalschließungen, Ausgangssperren, das weitgehende Absterben des gesamten Kultur- und Geisteslebens mit Schließung der Kirchen, weil allein die Körpergesundheit geschützt werden soll.

Es ist längst zu einem reputativen Risiko geworden, zu denken und auszusprechen, dass es sich möglicherweise tatsächlich um eine »eigentlich ungefährliche Situation« handeln könnte, in der wir vor allem nicht den Kopf verlieren dürfen und die wir mit einfachen Mitteln wie Wasser, Seife und Disziplin beim Husten und Niesen beherrschen werden. Aufgrund des bloßen Verdachts einer kommenden Pandemie das gesamte Geistesleben und allmählich auch große Teile des Wirtschaftslebens aufzugeben, erscheint fragwürdig und unverhältnismäßig – und es wird sich sehr rasch als nicht durchhaltbar erweisen. So gebrechlich ist die Einrichtung unserer Welt.[4]

Lernen, mit dem Unsichtbaren zu rechnen

Was geht eigentlich vor? Jeder von uns wird gegenwärtig aufgefordert, so zu handeln, als sei man selbst und jeder andere infiziert. Man lernt dabei, sich mit einem unsichtbaren Ereignis, einer nicht greifbaren Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die ähnlich untersinnlich-spektrenhaft ist wie radioaktive Strahlung oder elektromagnetische Felder. Die Menschen üben also in der Breite der Gesellschaft den Umgang mit einem Nichtsinnlichen, einer Wirklichkeit, die sie empirisch und vor allem sinnlich nicht überprüfen können. Dazu werden sie gezwungen und diese Wirklichkeit greift massiv in ihren Alltag ein.

Der Vorgang ist eine Umkehrung dessen, was der Mensch bei der Begegnung mit den Inhalten und der Wirkung der geistigen Welt erlebt. Und hierin scheint mir die eigentliche Bedeutung der Coronakrise für die Menschen zu liegen. Sie fragt uns: Wie stellen wir uns dem parallelen Angriff auf unsere Leiber (Infektion), auf unser Leben (Zerstörung der Lebensgewohnheiten durch Ausgangssperren und Kultur-Stopp), auf unser Seelisches (Angst und Panik) und auf unser Ichwesen (Urteils-Chaos und Vertauschung von übersinnlichem mit untersinnlichem Geistigem)? Ohne die wirklich schwer Erkrankten zu verlassen oder aufzugeben, müssen wir bloß Erkälteten oder ganz Gesunden nun wirklich mutiger und klarer denken und urteilen lernen. Das ist nicht leicht.

Steiner, Mensch als ZusammenklnagDer englische Blogger Jeremy Smith hat einige Aspekte zusammengetragen und unter anderem auf die geisteswissenschaftliche Bedeutung der Fledermaus aufmerksam gemacht.[5] Die Fledermaus gilt demnach als der tierische Ursprungsort des gegenwärtigen Virus. Rudolf Steiner entwickelt in einem Vortrag vom 27. Oktober 1923 eine vergleichende Phänomenologie des Vogelflugs, des Schmetterlingsflatterns und der fallenden Fortbewegung der Fledermaus.[6] Eingehend auf die unterschiedlichen Gefühlswerte der drei Tierwesen bemerkt Steiner über den schwerknochigen Dämmerungsflieger: »Die Fledermaus hat das Sehen nicht gerne, und sie hat daher etwas, ich möchte sagen wie verkörperte Angst vor dem, was sie sieht und nicht sehen will. Sie möchte so vorbeihuschen an den Dingen: sehen müssen und nicht sehen wollen — da möchte sie sich so überall vorbeidrücken.« Treffender könnte man die Haltung der Gegenwartsmenschheit gegenüber dem Geistigen und einer spirituellen Menschheitsführung kaum ausdrücken! Die Fledermaus bringt uns hier eine Krankheit, deren Breitenwirkung weniger in der durchaus beherrschbaren Entzündung der Atemwege liegt als vielmehr in einer unwiderstehlichen »Verfledermausung« unseres Seelenlebens. Viele Menschen setzen offenbar in einer flatternden, phobischen Angst das Angestecktwerden mit SARS-CoV-2 mit einem bald folgenden Sterbenmüssen gleich. Und in pervers verzerrter Art erlernen nun alle Menschen aus schierer Angst den Umgang mit einem Unsichtbaren, Unberührbaren, sinnlich nicht Erfassbaren, selbst wenn sie sich sonst standhaft allem Nichtsinnlichen, allem Übersinnlichen verweigern und auch das Untersinnliche in unserer Technik routiniert leugnen.

Vom Sinn der Krankheiten

Nehmen wir einmal an, die Epidemie oder Pandemie nehme stark zu und fordere auch unter der breiteren, nicht sehr alten und nicht sehr kranken Bevölkerung erste hohe Opfer. Dann wäre eine echte Seuche wiedergekehrt, wie wir sie seit den Impf- und Eradikationskampagnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr kennen. Gegen Seuchen und andere Krankheiten hat sich längst eine kriegerische Haltung etabliert und die tonangebenden Persönlichkeiten staatlicher Gesundheitsinstitute wie CDC, RKI, BAG und ISS sind die Strategen in diesem Krieg. Sie bekämpfen Krankheiten und Seuchen mit militärischen Mitteln und verweigern – nur wenige Wochen nach der Einführung einer gesetzlichen Masernimpfpflicht in Deutschland – jeden Dialog über den Sinn und die Bedeutung von Krankheiten im Menschenleben.

Steiner, Offenbarungen des KarmaDiese Bedeutung tritt uns aus Rudolf Steiners Vortrag über Krankheit und Karma vom 19. Mai 1910 (GA 120, 4. Vortrag) entgegen. Krankheiten, insbesondere seuchenartige Infektionskrankheiten, werden darin als die wesentlichen Wirkmittel des Karma beschrieben, mit Hilfe derer sich Menschen gezielt Kräfte erarbeiten, die sie aus der Auseinandersetzung mit und gegebenenfalls auch Überwindung der entsprechenden Krankheiten ziehen.[7] Nach Steiner suche sie ein Mensch »gezielt« auf, um »durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinaufführen«. So zum Beispiel Cholera bei zu schwachem und Malaria bei zu starkem Selbstgefühl, Diphterie bei einem Leben in unbeherrschter, seelischer Aufwallung, Lungenentzündung bei einem übermäßigen Hang zu sinnlichen Ausschweifungen und Tuberkulose bei ausgeprägtem Materialismus.

Aus geisteswissenschaftlicher Sicht umspannt die Lebensbahn des Menschen mehrere Inkarnationen, in denen sich seelischen Einseitigkeiten zu Krankheitskräften verwandeln, »die vom Ätherleib her den Menschen infizieren, und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken«. In beiden Fällen bedient sich das Karmawirken dabei auch der Seuchen, also der ansteckenden, entzündlichen Erkrankungen ganz überwiegend der Atmungs- und Verdauungsorgane – eine Anschauung, die bei denjenigen heftigsten Widerspruch hervorrufen muss, die Krankheiten nur als lästige und auszumerzende Störungen der Menschheitsgeschichte ansehen.

Ob dabei eine Krankheit zum Tode führt oder unter Gewinn an Heilungs- und Wachstumskräften überwunden wird, ist zunächst nicht entschieden und von Mensch zu Mensch, von Fall zu Fall und von Karma zu Karma unterschiedlich. Manch ein Weg führt durch die Krankheit in ein geheiltes Leben, ein anderer benötigt die Krankheit und das auf sie folgende nachtodliche Dasein zur vollen Entfaltung der vorgesehenen Kräfte. Tod oder Überleben stehen dabei unmittelbar im Dienst der zu erreichenden Kräftigung durch den transbiographischen, also mehrere Lebensspannen übergreifenden Prozess. Steiner schließt mit der Stimmung, die wirklich weiterhelfen kann, egal welche Krankheit mir oder meinen Lieben heute begegnet und egal wie sie ausgeht: »Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, dass es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, dass, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, dass selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen« – größer kann der Widerspruch zum heutigen allgemeinen Krankheitsverständnis nicht sein.

Müssen wir also aus der Anthroposophie den Schluss ziehen, dass man dieser neuen Seuche – so sich die Coronakrise als eine solche entwickelt – besser freien Lauf lassen sollte? Dass wir endlich wieder die karmawirksame Kraft einer nicht beherrschbaren Infektionskrankheit erleben? Niemand wird so weit gehen. Doch gibt uns Rudolf Steiners Angabe zu denken, da wir heute Cholera, Diphtherie, Lungenentzündung und Tuberkulose mit Impfungen und Antibiotika medizinisch weitgehend besiegt haben und im Begriff stehen, auch die Malaria zu bezwingen.

Akzeptanz der Sterblichkeit oder ewiges Leben?

Und ein weiterer Aspekt muss in die Betrachtung einbezogen werden: Wir haben in den letzten Jahren erfahren, dass es zum Programm der technologischen Medizin gehört, den menschlichen Alterungsprozess und die Erkrankungen, die am Lebensende oft zum natürlichen Tode führen, immer weiter zurückzudrängen und dadurch immer längere Lebensspannen und eine stetig ansteigende Lebenserwartung zu erreichen. Die Sterberate mit oder durch SARS-CoV-2 ist dagegen gerade bei den alten und sehr alten Menschen höher, während vor allem Kinder und Jugendliche nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei erfolgter Ansteckung kaum gefährdet sind. Andererseits sind gerade viele jüngere Menschen durch die Lage äußerst verunsichert und angstvoll, während sich nach meiner Beobachtung viele Ältere, vor allem in Deutschland, stoisch dem Anpassungsdruck widersetzen. Riskieren sie fahrlässig ihr Leben oder widersetzt sich in ihnen unbewusst der Menschenorganismus der drohenden Gewalt einer leiblichen Unsterblichkeit?

Kinderkrankheiten und Hoffnungskräfte

Krankheiten und Krisen, die nicht zum Tode führen, sind Aufrufe, uns zu verändern und durch ihre Überwindung in uns Kräfte wachzurufen und zu bündeln, ein Appell, neu zu werden. Die früher gepflegte Anschauung über die Kinderkrankheiten, nach der das Kind durch sie die Möglichkeit bekommt, sich das Vererbte »abzuschuppen«, so Steiner in einem Vortrag am 1. März 1924 (GA 235), bringt dies deutlich zum Ausdruck. Zahllose Haus- und Kinderärzte und Mütter wie Lehrer kennen das aus eigener Erfahrung. Die Sinnhaftigkeit und kosmische Logik des menschlichen Krankseins versöhnen uns und begründen eine tief verwurzelte Hoffnung.

Steiner, Das esoterische ChristentumStellen wir dazu die Angaben über das Wesen der Hoffnung, wie sie von Steiner am 2. November 1911 in Nürnberg formuliert wurden (GA 130), so wird deutlich, dass die Corona-Angst-Epidemie vor allem eine Kampagne gegen den Geist ist, die uns fundamental unsere Hoffnung rauben und uns unseres Menschseins entkleiden will. Doch: „Das, was wir im Leben brauchen als im eminentesten Sinne belebende Kräfte, das sind die Kräfte der Hoffnung, der Zuversicht für das Zukünftige. Der Mensch kann ohne die Hoffnung überhaupt nicht einen Schritt im Dasein machen, insoweit es der physischen Welt angehört.« Die Hoffnung belebt und bildet den physischen Leib des Menschen: »Gerade für das physische Leben brauchen wir die Hoffnung, denn es hält die Hoffnung alles physische Leben zusammen und aufrecht. Nichts kann geschehen auf dem äußeren physischen Plan ohne die Hoffnung. Daher hängen auch die Hoffnungskräfte mit der letzten Hülle unseres menschlichen Wesens zusammen, mit unserem physischen Leib.“

Geisteswissenschaft bringt und schafft mit ihrer Einsicht in Reinkarnation und Karma und in das ewige Wesen des Menschen sowie mit ihrer transbiographischen Krankheitslehre eine dauerhafte Grundlage für eine feste, lebenserhaltende Hoffnungskraft, die ihrerseits psychoneuroimmunologisch die Basis für unsere physische Widerstandskraft und Virus-Resilienz bilden wird – neben gründlichem Händewaschen und achtsamem Niesen.

Angst ist die relevantere Gefahr, die heute von SARS-CoV-2 ausgeht. Angst ist das Gegenteil von Liebe und von Hoffnung und sie macht uns unmenschlich und aggressiv. Am Ende des sogenannten Fledermaus-Vortrags (GA 230) werden wir auf die gespenstischen Reste hingewiesen, die diese Angst atmosphärisch in der Abenddämmerluft hinterlasse, wo sie zur Nahrung für die Widersachermächte würde. Unmittelbar hilfreich gegen unsere Angst ist da nur Michael, der ernste und nachdenkliche Schutzgeist unserer Zeit. Damit wird »Coronavirus« ein Thema, das uns aufruft, nachdenklich, liebevoll, geistesmutig und trotz allem in Gemeinschaft zu bleiben.

Zum Autor: Sebastian Lorenz (Jg. 1968) ist Anthroposoph und Arzt (aber nicht »anthroposophischer Arzt«) und als Facharzt für Allgemeinmedizin sowie für Psychiatrie-Psychotherapie auch Psychotherapeut mit eigener Praxis. Er hat darüber hinaus in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst sowie als Gründer und Unternehmer im Gesundheitswesen und in der Beratungsbrache gearbeitet. Seit einer Studienzeit am Priesterseminar der Christengemeinschaft forscht er unabhängig zur Christologie, Pastoralmedizin und zu Zeitfragen. Akademische Studien in Freiburg i. B., Harvard und Zürich mit Abschlüssen in Medizin, Wirtschaft und Recht.

Verwandte Beiträge: Über das geborgte Leben der Untoten


Anmerkungen:


  1. EUROMoMo ist die zusammengelegte Mortalitäts- und Morbiditätsstatistik aller amtlichen, nationalen epidemiologischen Überwachungsstellen der Europäischen Union, die mit einer Woche Verzögerung die gesamte Sterblichkeit (alle Ursachen) in den Mitgliedsstaaten verfolgt: https://www.euromomo.eu/about_us/partners.html. Für Deutschland melden an dieses Berichtsformat das Robert Koch-Institut und das Zentrum für Gesundheitsschutz des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen.
  2. Man vergleiche die aktuellen Corona-Zahlen mit denen der Jahr für Jahr wiederkehrenden Grippewellen, um die Größenverhältnisse zu bemerken (nur Influenza): In Deutschland (RKI Influenza-Wochenbericht 12/2020) wurden seit Ende September 2019 total 177.009 Fälle und 323 Tote gemeldet. Die USA (www.cdc.gov für Oktober 2019 bis 21. März 2020) rechnen mit 38 bis 54 Millionen Infizierten mit Symptomen und bis zu 62.000 Toten. Italien (epicentro.iss.it) hat in der laufenden Saison 7,2 Millionen Grippefälle gezählt und rechnet mit 8.000 Grippetoten. Deutschlands Zahlen sind tiefer, weil nur testpositive Erkrankte eingeschlossen sind, aber auch bei uns sind in der Saison 2017/18 ganze 25.000 Menschen an der Grippe verstorben. Siehe auch: Roussel Y, Giraud-Gatineau A, Jimeno MT, et al. SARS-CoV-2: fear versus data [published online ahead of print, 2020 Mar 19]. Int J Antimicrob Agents. 2020;105947. doi:10.1016/j.ijantimicag.2020.105947
  3. WHO ICD-10 für Klassifikation F40: www.icd-code.de/icd/code/F40.-.html
  4. In der Psychotherapie setzen wir gegen die Phobie die Erkenntnis und den unmittelbaren Umgang mit dem angstauslösenden Element ein (kognitive und Verhaltenstherapie). Dazu werden – wie bei der geforderten Corona-Basisstudie angestrebt – alle erreichbaren Erkenntnisse gesammelt und betrachtet. So wird das Schlimme genau untersucht und wieder und wieder betrachtet, bis es seinen Schrecken verliert.
  5. anthropopper.wordpress.com/2020/03/12/coronavirus-what-is-its-significance-for-humanity-at-this-time/ Quellennachweise dort.
  6. GA 230, 5. Vortrag. Dabei kommen bemerkenswerterweise auch die neugebildeten Begriffe einer »Schmetterlingscorona« und einer »Vogelcorona« der Erde vor.
  7. Die Darstellung ist hier notwendigerweise stark verkürzt und der gesamte Zusammenhang dieser Schilderungen in dem angegebenen Vortragsband ist beachtenswert. Es soll dabei nicht der Eindruck entstehen, dass wir entgegen allem medizinischem Fortschritt jeder Seuche ungehemmt Freiräume gewähren dürfen. Ärztliches Handeln und Wirken soll immer auf den Erhalt und die Verlängerung des Lebens sowie auf die Linderung des Leidens zielen. Dazu gehören in historischer Perspektive auch eine verbesserte Hygiene und durch Antibiose und Impfungen seltener werdende Infektionskrankheiten. Andererseits ist das Wissen um die geisteswissenschaftliche Bedeutung des Krankseins für jeden Menschen heute unerlässlich, um zu sachgerechten Urteilen zu gelangen.

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde den Hinweis auf die Fledermaus interessant. Einen etwas anderen Standpunkt liest man in Dimitar Mangurovs Äußerung zum Thema Coronavirus, in der er die Pandemie in Beziehung zu den chinesischen Herrschaftsansprüche bringt, vgl. hier

    https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2020/04/16/warum-nahm-das-coronavirus-von-china-aus-seinen-gang/

  2. (Der praktizierende Konsens in der gegenwärtigen globalen Krise (COVID-19), die eindeutig Tod begünstigt, ist nach meiner Meinung strategisch richtig. Es geht unter anderem um die Wertschätzung jedes Erkrankten (durch abgeflachten Pandemieverlauf).- Trotzdem darf man auf „abwegige“ Hinweise keinesfalls verzichten; sie sind immer „Salz in der Suppe“).- Mann, Frau sollten in jedem Fall behutsam sein in ihren Gedanken und Urteilen bezüglich der derzeit gegebenen Situation durch die Corona-Krise. Und die Gegebenheiten beim Einzelnen sind unterschiedlich …, trotzdem hat beinahe jeder Angehörige und Freunde, die zur Risikogruppe gehören … .
    Was in diesem ganzen Zusammenhang hilft, das ist ein moralisches Verhalten, was uns unter anderem das Christentum schenkt (meine Meinung). Deshalb finde ich den Hinweis (aus anthroposophischer Sicht) auf den ätherischen Christus einerseits mutig und richtungsweisend.- Das Gemenge unserer Zivilisation(en) ist so, wie es ist. Es antwortet auf die derzeitige Krise mit seinen Stärken und Möglichkeiten.- Selbstverantwortung, Verantwortung für (die) den Mitmenschen und (unbefangene) ergebnisoffene Dialogbereitschaft offenbaren in diesen Zeiten ihren Wert. Und eines ist klar, die Virenkrise(n) im Zusammenklang mit Umweltproblemen (darunter Umweltverschmutzungen) fordern solche Reformen, die (gerecht) Würde und Freiheit des Menschen verteidigen und stärken. Das klingt wie ein Widerspruch. Aber der Mensch ist ein Ergebnis umfassender Sozialität.
    Es liegt in seinen Veranlagungen, dass er darüber reflektieren darf. Und wenn er zusätzlich über solche (seine) geistige Initiative beschaulich nachdenkt, dann bemerkt er ein aufkeimendes Staunen, was sich mit Fragen verbinden kann nach dem Sinn allen (auch seines) Schaffens. Aus purer Menschlichkeit kann er zusätzlich hier Kriterien entwickeln, die die umfassende Sozialität als wahren „Humus“ für jeden Menschen anerkennt. In diesem großen Zusammenspiel hat alles seine Konsequenzen, darüber sollte sich jeder klar sein auch bezogen auf die eigene Existenz. (Darf der Mensch innerhalb dieser Sozialität Gnade erwarten? Wer weiß das genau? Das liegt außerhalb der Macht von uns Menschen(?)).

  3. Michel Gastkemper

    Herr Lorenz hat unentwegt akademische Studien betrieben, lese ich. Aber das ist kein Garantie dafür, dass man ein gesündes Menschenverstand entwickelt, so beweist seinen Text. Ita Wegman hätte niemals so etwas wie das hier schreiben können.

  4. Das der Autor die Gefahr der Vergiftung und Virenerregung des G5 im Menschen verharmlost als Verschwörungstheorie ist nicht abgebracht und widerspricht die ernst zu nehmenden Recherchen, die ich gelesen habe, wie den vom anthropsophischen Artz Dr.Gowan und andere.

  5. Solange man nicht in die Versorgung der erkrankten und sterbenden Menschen eingebunden ist, braucht man das Virus wohl nicht zu fürchten. Angesichts der Situation in Italien und der aktuellen Situation in NewYork, wo man mittlerweile die Beschränkungen für Krematorien aufheben musste, halte ich es für zynisch, von übertriebenen Ängsten zu sprechen. Solche Artikel schaden meiner Meinung nach der Anthroposophie, weil sie zutiefst weltfremd wirken.

    • In Italien haben wir ein zusammengespartes Gesundheitswesen. Im Norden Italiens leben die meisten alten Menschen Europas. Das kann man alles über Google rausfinden. Hinzu kommt, dass diese alten Menschen in vielen Fällen mehrere Erkrankungen haben und durch den Covid19-Virus natürlich zusätzlich gefährdet sind, nicht nur, sondern sogar der Covid19-Virus dann der Auslöser zu einer tödlich verlaufenden Erkrankung wird. Das ist tragisch, ganz klar, und zwar für die Angehörigen als auch für das medizinische Personal. Auch für uns alle Außenstehenden. Aber für uns Lebenden ergeben sich hieraus Aufgaben durch diese Krise. Diese Krise sollten wir, wenn sie zuende gegangen ist, genau überdenken, und ich weiß, danach wird sein wie davor, nur die Wenigsten werden was ändern. ==>Über die Angst sollten wir uns Gedanken machen. Was bewirkt Angst.<== Es gäbe noch viel mehr und tiefer zu denken, aber damit wäre eine Überforderung der gegenwärtigen menschlichen Geisteskkräfte gegeben. Also step by step. Es wird sich alles offenlegen im Bewußtseinsseelenzeitalter. Wirklich alle Höhen und Tiefen stehen uns bevor. Und nichts schützt besser als KLARES DENKEN. Und wir müssen durch unser DENKEN zum HERZDENKEN finden, denn diese Fähigkeit werden wir uns nur erwerben, wenn wir jetzt da durch gehen, was auf uns zukommt und noch zukommen wird. Aber jetzt erst mal unseren Engel finden. Nur in unserem Mitmenschen werden wir durch das neue Denken den ÄTHERISCHEN CHRISTUS sehen und finden, nur in unseren Mitmenschen. Nicht in uns können wir den »ätherischen Christus« finden!!!, nur in unseren Mitmenschen.

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