Über das geborgte Leben der Untoten

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Steiner, OsternIn Krisenzeiten Orientierung in der Geisterkenntnis zu suchen, ist nicht der schlechteste Rat. Das gilt auch für Pandemien wie die jetzige, in der das geborgte Leben der Untoten manifest wird.

Wer von der Überzeugung durchdrungen ist, dass alles, was auf der Erde und im Kosmos geschieht, mit dem Menschen zu tun hat, auf den die gesamte Evolution gemäß dem Prolog des Johannes-Evangeliums von Anbeginn hinsteuerte, wird auch die Geschehnisse, die ihm durch die Natur widerfahren, seien es Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Epidemien, nicht als von ihm selbst abgelöste Ereignisse auffassen können, vielmehr wird er sie als Lebensvorgänge eines makrokosmischen Organismus betrachten, von dem die Menschheit lediglich ein Teil, wenn auch ein zentraler ist, allen neuzeitlichen Dementis zum Trotz.

Aus dieser Perspektive erscheinen äußere Ereignisse stets auch als Gebärden einer Sprache, die durch ein Denken gedeutet werden kann, das jenen realen geistigen Zusammenhang des Weltgeschehens aufsucht. Durch epidemische oder pandemische Erkrankungen, die in Verbindung mit Viren auftreten, offenbart sich das Verhältnis des menschlichen Ich zum Leib als einem Teil der Außenwelt. Das Immunsystem erscheint als Abbild dieses Ich, das dessen Abgrenzung zur Außenwelt reguliert. Es ist ein Bild der Selbstbehauptung, einer Selbstbehauptung, die nicht auf Abkapselung beruht, sondern auf Offenheit und Wachsamkeit, gegebenenfalls auf aktivem Widerstand gegen Bestandteile der Außenwelt, die als fremd und gefährlich erkannt werden. Gefährlich deswegen, weil sie die Integrität, die Autonomie und Selbstständigkeit dieses Ich untergraben.

Das spirituelle Motiv der Abgrenzung, das der Selbstbehauptung notwendig zugrunde liegt, wird durch das angeblich neuartige Virus[1], das merkwürdigerweise eine Krone trägt (»Corona« ist die Krone), ein Privileg, das eigentlich dem menschlichen Ich zusteht, gleich mehrfach aufgerufen.

Das Ich des Menschen ist der Souverän, in ihm ist die Autonomie, die Freiheit, die Selbstbestimmung verankert. Deren gesellschaftliche Erscheinungsform ist die in jahrhundertelangem Kampf gegen Thron und Altar errungene Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, auch die Souveränität der Staaten, die die Fähigkeit einschließt, sich gegen andere, ebenso souveräne Staaten in einer dem Ich gemäßen, d.h. offenen Form abzugrenzen.

Wenn nun das Virus gleichsam als »gekröntes« erscheint, aber zugleich als Antagonist der Souveränität des Ich im Leib, dann drückt sich in ihm eine geistige Macht aus, die das Ich zu entthronen versucht, um seine Rolle zu usurpieren. Wenn gegenwärtig Regierungen weltweit Kontaktverbote, Ausgangssperren und Quarantänen verhängen, um die Ausbreitung des »neuartigen« Virus einzudämmen bzw. zu verlangsamen, dann agieren sie gegenüber den Staatsorganismen, für die sie die Verantwortung tragen, wie das Ich des einzelnen Menschen: sie sind gleichsam die Agenten des Immunsystems dieser Gesellschaften und grenzen sie von etwas ab, was sie als »fremd« und »gefährlich« erkannt haben. Die Abgrenzung richtet sich, wie beim Immunsystem, nicht nur gegen außen (Grenzschließungen), sondern auch gegen Innen (Ausgangssperren, Quarantänen), da der Feind ins Innere vorgedrungen ist und im Inneren isoliert bzw. überwunden werden muss.

Ob manche dieser Reaktionen »überschießend« sind oder nicht, wie bei einem Immunsystem, das überreagiert, wird gegenwärtig – zumindest ansatzweise – diskutiert, kann aber aufgrund der unsicheren Erkenntnislage kaum definitiv entschieden werden. Klar ist, dass diese Abgrenzungen, ebenso wie jene eines individuellen Immunsystems, nur vorübergehend sein können, wenn nicht der gesamte Organismus einen fatalen Zusammenbruch erleiden und sich selbst zerstören soll. Offensichtlich beschneiden die gegenwärtigen Maßnahmen die Grund- und Menschenrechte teilweise gravierend; aber das liegt in der Natur der Sache und ist durch den erklärten Notstand vorübergehend – und nur vorübergehend – gerechtfertigt. Auch dies eine Grenzüberschreitung.

Das Virus soll »zoonotisch« vom Tier (Fledermäusen) auf den Menschen übergesprungen sein: hier wurde eine weitere Grenze überschritten, die zwei Spezies voneinander abgrenzt. Und Viren gehören einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod an, über dessen genaue Einordnung gestritten wird. Sie ähneln zwar organischen Gebilden, sind aber aus sich heraus weder zur Fortpflanzung fähig, noch verfügen sie über einen eigenen Stoffwechsel. Auffallend ist die kristalline Struktur vieler Viren, die sie wie ins Mineralreich zurückgefallene Teile des Lebens erscheinen lässt, die den mechanischen Gesetzen dieses Reiches unterliegen. Die meisten Virologen sind daher auch der Auffassung, es handle sich nicht um Lebewesen.

Obgleich sie nicht zur Selbstreproduktion imstande sind, tragen sie doch Programme der Selbstreproduktion in sich, die sie mit Hilfe von Wirtszellen, die sie befallen, in Gang setzen können. Sie bemächtigen sich dieser Zellen und zwingen sie, die Programme auszuführen, die sie mitgebracht haben. Sie borgen sich von den Wirtsorganismen deren Lebenskräfte und entfalten aufgrund dieser Usurpation ihr eigenes Scheinleben, ähnlich wie dies in der mythischen Imagination Untote oder Vampire tun. Auch im Vergleich mit Parasiten erscheinen Viren nicht als Lebewesen, obwohl sie eine parasitäre Form der Existenz repräsentieren. Über die (evolutionäre) Entstehung der Viren sind sich die Wissenschaftler uneins: handelt es sich um Vorstufen des zellulären Lebens, oder um Zerfallsprodukte dieses Lebens, die auf eine frühere Stufe zurückgefallen sind?

Ich neige dazu, dem letzteren zuzustimmen, ist doch alles Leblose aus dem Lebendigen entstanden – das Mineralreich aus dem Pflanzenreich, dieses wiederum aus dem Seelenreich und dieses aus dem Reich des Geistigen. Der letzte Ursprung auch der Viren muss also im Reich des Geistes gesucht werden.

Das ist auch der Ansatz Rudolf Steiners, der sich in einer Reihe von Vorträgen über »Bazillen« geäußert hat, zu einer Zeit, als die Unterscheidung zwischen Viren, Bazillen und Bakterien noch nicht allgemein verbreitet war.

Der erste Nachweis eines tierischen Virus gelang erst 1898 zwei deutschen Bakteriologen (!) (Friedrich Loeffler, August Frosch), Mitarbeitern Robert Kochs am Königlich-Preußischen Institut für Infektionskrankheiten, die das Maul- und Klauenseuche-Virus entdeckten. Loeffler wurde 1913 zum Leiter des Instituts berufen, das die Nationalsozialisten 1942 in »Robert-Koch-Institut« umbenannten. Die Verwicklung einzelner Mitarbeiter dieses Instituts in die Menschenversuche der Reichsgesundheitsbehörden ist ein Thema für sich.

Der Grundsatz des Geistrealismus von der absteigenden Entstehung der Seelen- und Naturreiche liegt allen Äußerungen Steiners zu diesem Thema zugrunde, von denen hier einige ausgewählt werden.

Natur- und GeistwesenIm Juni 1908 schilderte er in München, was der rhythmische Wechsel von Schlafen und Wachen für Folgen haben kann.[2] Bekanntlich tauchen beim Aufwachen Ich und Astralleib (Geist und Seele) des Menschen in den belebten Leib (Ätherleib und physischen Leib) ein, während sie diesen beim Einschlafen verlassen.

Wenn im Wachzustand Astralleib und Ich den physischen und ätherischen Leib durchdringen, verdrängen sie zumindest teilweise übermenschliche Entitäten aus diesen Leibern, die während des Schlafs den Platz einnehmen, den das Ich und der Astralleib freiräumen. Während des Wachzustandes arbeiten Ich und Astralleib ihre Inhalte – die Inhalte des menschlichen Seelenlebens, die Gedanken, Vorstellungen, Gefühle usw., in die unteren Wesensglieder ein, die aufgrund der Unvollkommenheit des Menschen die weisheitsvolle Einrichtung dieser Wesensglieder in Unordnung bringen.

Auf eine Reihe seelischer Eigenschaften geht Steiner ganz besonders ein, mit welchen jeweils die Entstehung bestimmter Kategorien von Wesenheiten zusammenhängt, die im Einzelnen beschrieben werden. Diese Eigenschaften sind auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt: 1. Lüge, Verleumdung und Heuchelei – diese wirken auf den physischen Leib und führen zur Abschnürung von »Phantomen«; 2. schlechte Gesetze und verkehrte Maßregeln – sie wirken auf den Ätherleib und führen zur Entstehung von »Gespenstern«, 3. falsche Ratschläge, Vorurteile, Meinungs- und Urteilsmanipulationen, mangelnde Toleranz – sie wirken auf den Astralleib und rufen »Dämonen« hervor.

Was Steiner hier – 1908 – vortrug, war eine Phänomenologie eines Großteils unseres gegenwärtigen öffentlichen Lebens, soweit es durch Medien vermittelt und durch Politik und Gesetzgebung bestimmt wird. Der biologischen Epidemie oder Pandemie geht eine seelisch-geistige voraus.

»Jede Nacht«, so Steiner, »nimmt Besitz vom physischen Leib dasjenige, was aus höheren Welten herunterrückt, wenn der Mensch schnöde seinen Leib verlässt. So dass wir sagen können: astralische Substantialitäten, die den physischen und den Ätherleib schaffen, an seiner Schöpfung beteiligt sind, die nehmen sich derer wieder an, wenn der Mensch sie verlässt. Dabei finden sie sie anders, als sie sie ursprünglich dem Menschen geliefert haben. Der Mensch war darin mit seinem Astralleib und Ich und hat darin gewirtschaftet; und da finden die geistigen Wesenheiten aus höheren Weltenregionen drinnen Wirkungen vor, die ihnen gar nicht in ihrer höheren Geistigkeit entsprechen, die die Nachwirkungen dessen sind, was der Mensch den Tag über von seiner Astralität und seinem Ich aus in seinem physischen Leib anrichtet.

Man kann keinen Gedanken haben, keine Empfindung und kein Gefühl haben, ohne dass diese ihre Wirkungen bis in den physischen Leib hinein äußern. Wenn auch der Anatom das nicht nachweisen kann, jede Empfindung, jede Gefühlsform bewirkt eine gewisse Veränderung der Struktur des physischen Leibes, und die finden dann jene Wesenheiten vor, die sich hineinsenken in den Menschen.

Von besonderer Bedeutung sind jene Wirkungen, die ausgeübt werden auf unseren physischen Leib durch alles dasjenige, was der Mensch in seiner Seele hat an Lüge, Verleumdung, Heuchelei. Der materialistische Sinn glaubt, dass Lüge, Verleumdung, Heuchelei etwas sind, was nur so schädlich wirkt, wie man es äußerlich beobachten kann. Das ist nicht so, sondern ganz feine, allerdings für einen mikroskopischen Apparat nicht wahrnehmbare Wirkungen gehen bis auf den physischen Leib.

Die öffentliche MeinungGeht dann die Seele im Schlaf heraus, so bleiben die Wirkungen im physischen Leib drinnen, und die werden von den Wesenheiten vorgefunden. Und dabei kommen nicht nur in Betracht diejenigen Seelenerlebnisse, die man im Grobsinnlichen als Lüge, Verleumdung, Heuchelei bezeichnet, sondern auch die feinen, konventionellen Lügen, zum Beispiel die, welche die Gesellschaftsordnung heute nötig macht. Lügen aus Höflichkeit oder Sitte und die ganze Skala, die angeführt werden kann von Unaufrichtigkeit und Heuchelei und kleinen Verleumdungen – selbst nur in Gedanken –, all das drückt sich aus in den Wirkungen auf den physischen Leib, und das wird vorgefunden von diesen herabrückenden Wesenheiten.

Und dadurch, dass das drinnen ist in der Nacht im physischen Leibe, wird etwas Besonderes bewirkt. Dadurch werden immer Stücke abgerissen von der Substanz dieser in den Leib sich hineinsenkenden Wesenheiten. Abschnüren müssen sich dadurch gewisse Teile der höheren Wesenheiten. Die Folge von Lüge und Heuchelei und Verleumdung am Tag ist die Abschnürung gewisser Wesenheiten in der Nacht, die dadurch eine gewisse Verwandtschaft haben zum physischen Menschenleib. Diese Wesenheiten gewinnen dadurch ein selbständiges Dasein in der uns umgebenden geistigen Welt; es sind Wesenheiten, die wir rechnen zur Klasse der Phantome.

Phantome sind solche geistige Wesenheiten, die also in ihrem Äußeren physiognomische Ausdrücke sind, in einer gewissen Weise Nachbildungen der menschlichen Leibesglieder und Gestalt. Sie sind von so dünner Materialität, dass das physische Auge sie nicht sehen kann, sie sind aber sozusagen von physischer Form. Da sieht der Hellseher durch die Luft schwirren Stücke von menschlichen Köpfen, menschlichen Händen, ganze Gestalten, ja das Innere von menschlichen Leibern sieht er herumschwirren, den Magen, das Herz, er sieht all die Phantome, die auf diese Weise sich losgeschnürt haben, dass der Mensch dasjenige seinem physischen Leib übergeben hat, was die Folge ist von Lüge, Heuchelei und Verleumdung.

Solche Phantome, die fortwährend unseren geistigen Raum durchschwirren, werden Ihnen ein Beweis sein dafür, dass das Menschenleben selbst die Ursache ist von Wesenheiten, die nun keineswegs in besonders günstiger Weise auf den Menschen einwirken; denn sie haben in gewisser Beziehung intelligente Eigenschaften und keine moralische Verantwortlichkeit.

Sie fristen ihr Dasein damit, dass sie den Menschen in ihrem Leben Hindernisse in den Weg legen, viel mehr Hindernisse als dasjenige ist, was man Bakterien nennt. Es findet sogar noch etwas anderes statt. In solchen Wesen sind wichtige Krankheitserreger zu suchen; denn wenn diese Phantome geschaffen sind durch den Menschen, dann finden sie in Bazillen und Bakterien eine sehr gute Gelegenheit zu ihrem Dasein, sie finden sozusagen Nahrung darinnen. Sie würden mehr oder weniger in ihrer geistigen Wesenheit vertrocknen, wenn diese Nahrung nicht da wäre. Aber diese Bakterien werden von ihnen in gewisser Weise wiederum geschaffen […]

Es schafft also der Mensch sozusagen durch Lüge, Verleumdung, Heuchelei ein Heer von geistigen Wesenheiten der Klasse der Phantome.«

Voraus geht, mit anderen Worten, die moralische Selbstvergiftung einer Gesellschaft durch Heuchelei, Lüge und Verleumdung, und ihr folgt die Epidemie oder Pandemie nach.

»Auch mit dem Ätherleib ist es ähnlich, den der Mensch in der Nacht verlässt«, fährt Steiner fort. »Den hat er für sein Leben auch so eingerichtet, dass dieser Ätherleib als menschlicher Ätherleib nur bestehen kann, wenn er durchzogen ist von höheren Wesenheiten; wenn die eigene Astralität draußen ist, so tauchen jene Wesenheiten auch in den Ätherleib hinein. Das muss man festhalten!

Dann aber wird es uns begreiflich erscheinen, dass durch gewisse Vorgänge unseres Seelenlebens Wirkungen erzielt werden im Ätherleib, die in der Nacht bleiben und Veranlassung geben, nach dem Muster des Ätherleibes, Wesen abzuschnüren von demjenigen, was sich hereinsenkt. Die Seelenvorgänge, die zu solchen Wesenheiten führen, sind Vorgänge, die bewirkt werden im menschlichen Zusammenleben durch dasjenige, was wir nennen können: schlechte Gesetze, verkehrte Maßregeln. Allerlei von dem, was durch gesetzmäßige Wirkungen Verkehrtes im Verkehr von Mensch zu Mensch die Seele erlebt, das wirkt auf die Seele so, dass in der Nacht im Ätherleib die Nachwirkung bleibt, die abschnürt diejenigen Wesenheiten, die wir Gespenster nennen. Das ist die zweite Art der Wesenheiten, die zu der Sorte gehört, die der Mensch schafft.«

Nun gibt es eine dritte Wirkung: eine solche auf den Astralleib: »Dann müssen wir bedenken, dass die Sache auch umgekehrt ist. Dasjenige, was herausgerückt ist in der Nacht, der astralische Leib, ist so organisiert, dass er darauf angewiesen ist, in dem Nervensystem drinnenzustecken; wenn er außerhalb ist, dann ist er nicht an seinem richtigen Ort. Dann muss auch er von höheren Welten aus versorgt werden, müssen sich mit ihm höhere, behütende Geister vereinigen. Und auch von diesen kann wiederum durch des Menschen Seelentätigkeit etwas abgeschnürt werden.

Durch eigentümliche Seelenvorgänge, dadurch, dass auf des Menschen Wesenheit dasjenige wirkt, was wir benennen können etwa mit ›einen falschen Ratschlag geben …‹ falschen Ratschlag dem anderen aufzwingen, Vorurteile fassen, die nicht genügend begründet sind, den Menschen überreden, sodass man seine Seele so behandelt, dass man ihm nicht die Zustimmung überlässt, sondern ihn sozusagen zwangsmäßig zu einer Überzeugung treibt, der man selbst fanatisch zugetan ist.

Wenn so von Mensch zu Mensch gewirkt wird, dann bleibt in der Nacht im astralischen Leib eine Wirkung zurück, die von höheren Wesen abschnürt gewisse Wesenheiten, die wir zählen zu der Klasse der Dämonen. Sie werden erzeugt in der geschilderten Weise dadurch, dass die Menschen nicht einander gegenüberstehen mit der Gesinnung, die sich ausdrücken lässt mit den Worten: Ich will dem anderen sagen, was ich meine – ob er zustimmt, das ist seine Sache!

Hunderterlei Dämonen werden erzeugt am Spieltisch, bei dem Zusammensein, das man in deutschen Landen bezeichnet als Herrenabende, bei Kaffeeklatsch, wo tatsächlich die Gesinnung sehr selten herrscht, die aus innerer Toleranz kommt, wo jene Gesinnung herrscht, bei der sich der Einzelne sagt: Willst du nicht meiner Meinung sein, so bist du ein Dummkopf.

Dieses Wirken von Seele zu Seele ist dämonenerzeugend im höchsten Grade. So entspringen förmlich aus dem menschlichen Leben geistige Wesenheiten; die beleben die geistige Welt. Und alle diese Wesenheiten, Phantome, Gespenster und Dämonen wirken wiederum zurück auf den Menschen. Wenn in unserer Umgebung auftritt epidemisch dieses oder jenes Vorurteil, diese oder jene törichte Mode, dann sind es die Dämonen, die von Menschen geschaffen worden sind und die alle die gerade Fortschrittslinie aufhalten.

Immer ist der Mensch umsponnen und umschwirrt von den Wesen, die er geschaffen hat.« Wir haben es also mit einer Wechselwirkung zwischen physischen und seelisch-geistigen Tatsachen zu tun, die zusammengeschaut werden müssen, wenn man das ganze Geschehen verstehen will.

Auf einen weiteren Aspekt, jenen der Grenzüberschreitung zwischen den Spezies, ging Steiner 1912 in Stockholm ein.[3] Hier beschrieb er, wie Schmerzen, die der Mensch Tieren zufügt, auf diesen sowohl kurz- als auch langfristig in unterschiedlicher Art zurückschlagen. Die kurzfristigen Auswirkungen bestehen darin, dass die Menschheit die Keime, die sie ausgesät hat, indem sie Tiere quälte, in Form von Bazillen [Bakterien, Viren] erntet, die sie quälen und die langfristigen darin, dass eine ähnliche Auferstehung des animalischen Schmerzes in weiter Zukunft stattfindet, wenn die jetzige Erde in ihre nächste Inkarnation, jene des Jupiter eintreten wird. In beiden Fällen handelt es sich um parasitäre Lebensformen, die sich im Menschen in Folge des Schmerzes, den er dem Tierreich zugefügt hat, ausbreiten.

Wer ist Christus?»Nun, die okkulte Forschung lehrt uns, dass jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, dass diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation, sondern weil den Tieren Schmerzen und Leiden zugefügt wurden. Diese Schmerzen, diese Leiden rufen die Tierheit wieder hervor. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt [d.h. das Seelisch-Astralische], das kommt wieder. Es kommt so wieder, dass die Schmerzen der Tiere ausgeglichen werden, so dass jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl hinzugefügt wird.

Diese Schmerzen, diese Leiden, dieser Tod, sie sind die Saat, die der Mensch gestreut hat; sie kommen so wieder, dass jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen: Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere.

Aus den Empfindungen und Gefühlen dieser Menschen heraus wird der Ausgleich geschaffen werden zu ihren Schmerzen. Das ist die okkulte Wahrheit, die man objektiv und ungeschminkt sagen kann, wenn es auch dem heutigen Menschen nicht angenehm ist. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben.

Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens, so sonderbar es scheint.

Warum werden denn die Menschen gequält von Wesen, die eigentlich weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zwischen beiden stehen, die ein Wohlgefühl daran haben, wenn der Mensch leidet, von Bazillenarten und dergleichen Geschöpfen?

Dieses Schicksal haben sie in früheren Inkarnationen dadurch, dass sie Leiden und Tod den Tieren zugefügt haben, sich geschaffen. Denn das Wesen, wenn es auch nicht in derselben Form erscheint, das empfindet hinüber über die Zeiten und empfindet den Ausgleich der Schmerzen in den Leiden, die der Mensch erfahren muss.

So ist alles dasjenige, was an Leiden und Schmerzen geschieht, durchaus nicht ohne Folgen. Es ist eine Aussaat, aus der dasjenige hervorgeht, was durch Schmerz und Leid und Tod bewirkt worden ist. Es kann kein Leid, kein Schmerz, kein Tod geschehen, ohne dass dadurch etwas bewirkt wird, was später aufgeht.«

Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt? Eine weitere Schicht des geistrealen Zusammenhangs zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos leuchtet die geisteswissenschaftliche Wesenskunde aus, zu der bekanntlich auch eine Beschreibung jener Wesen gehört, die als »Widersachermächte« bezeichnet werden. Während 1908 von Bazillen als »Nahrung« und zugleich »Geschöpfen« von Phantomen die Rede war, die von geistigen Wesen aus dem physischen Leib des Menschen abgeschnürt würden, spricht Steiner im Mai 1914 konkreter von solchen geistigen Wesenheiten, auf welche die Entstehung von Bazillen zurückzuführen ist.[4]

»Was ist sie eigentlich, diese Bazillenwelt? Ja, da kommen wir auf ein Kapitel, über das etwas zu wissen recht wesentlich ist für das menschliche Leben. Wenn wir draußen in der Natur die Luft erfüllt finden mit Vogelgattungen aller Art, das Wasser mit Fischen, wenn wir verfolgen dasjenige, was kriecht über die Erde, was sich auf ihr tummelt und so den äußeren Sinnen zeigt, was da lebt in der Natur, da haben wir es zu tun mit Wesenheiten, von denen wir eigentlich durchaus ganz richtig sprechen, wenn wir sagen: Sie sind doch in irgendeiner Form, selbst dann, wenn sie da oder dort schädlich eingreifen in die Naturwirkungen, sie sind doch Geschöpfe der sich fortentwickelnden Gottheit.

In dem Augenblick aber, wo wir auf diejenigen Wesen kommen, die den Wohnplatz ihres Wirkens in anderen lebenden Wesen haben, in Pflanzen, Tieren oder Menschen, da haben wir es zu tun, insbesondere wenn es sich handelt um bazillenähnliche Geschöpfe, die im tierischen oder menschlichen Leibe, namentlich die im menschlichen Leibe sind, da haben wir es allerdings auch zu tun mit Geschöpfen von geistigen Wesenheiten, aber mit Geschöpfen Ahrimans.

Und richtig betrachtet man die Anwesenheit solcher Geschöpfe innerhalb unserer Welt, wenn man sich klar darüber ist, dass alle diese Wesenheiten zusammenhängen mit geistigen Tatsachen, mit den Beziehungen des Menschen zu Ahriman. Und diese Beziehungen des Menschen zu Ahriman werden hergestellt, wie wir wissen, durch materialistische Gesinnung oder rein egoistische Furchtzustände.

Und richtig betrachtet man das Verhältnis, in dem vorhanden sind solche parasitäre Wesenheiten in der Welt, wenn man sagt: Da wo sich diese parasitären Wesenheiten zeigen, sind sie ein Symptom für das Eingreifen Ahrimans in die Welt.«

Dieses »Eingreifen Ahrimans in die Welt« vollzieht sich nicht durch wundersame Fernwirkung, sondern durch die Vermittlung des Menschen, der seine seelischen Dispositionen und Verhaltensweisen der körperlichen Welt einprägt. Die okkulte Wissenschaft zeige, so Steiner am 9. Mai 1914 in Kassel[5], »dass Bazillen [Bakterien, Viren] zum Beispiel im menschlichen Leibe gepflegt werden müssen, wenn sie wirklich gedeihen sollen. Sie müssen von Menschen gepflegt werden. Nun wird selbstverständlich jeder Mensch in der Gegenwart sagen, es wäre töricht, Bazillen geradezu zu mästen, zu pflegen, sie zu veranlassen, möglichst zahlreich zu werden.

Aber es handelt sich nicht darum, dass man Grundsätze hat, und welche Grundsätze man hat, sondern darum, dass man die Sache vom richtigen Gesichtspunkt aus anzusehen vermag. Und nun kann vor der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis nicht geleugnet werden, dass zum Beispiel ein Ich und ein Astralleib, die sich nur füttern mit materialistischen Vorstellungen, die abweisen alle spirituellen Vorstellungen, die abweisen allen Spiritualismus, davon nichts wissen wollen, wenn sie schlafend aus dem Leibe hinausgehen, aus der geistigen Welt Kräfte in die Organe hineinstrahlen, die geradezu förderlich sind für das Bazillenleben. Man kann, wenn man Bazillen recht mästen will, nichts Besseres tun, als rohe materialistische Vorstellungen in den Schlaf mit hineinnehmen und dadurch ahrimanische Kräfte aufrufen, welche einstrahlen in den Organismus und zu Bazillenpflegern werden.«

»Es gibt allerdings etwas, was ebenso stark auf die ahrimanischen Wesenheiten wirkt, die wir in den Bazillen zu beobachten haben […], das ist das Folgende: Nehmen wir an, wir leben in einer Epidemie drinnen oder in einer Seuche.

Selbstverständlich muss da einer für den anderen stehen, und da tritt das menschliche Gemeinschaftswesen und all das, was damit zusammenhängt, in ungeheurer Stärke auf, weil tatsächlich die karmischen Zusammenhänge so sein können, dass der, der durch individuelle Betätigung am wenigsten geeignet scheint, der Epidemie zu verfallen, doch ihr verfällt.

Aber im allgemeinen gilt trotzdem – wir dürfen uns durch den Schein nicht täuschen lassen –, was ich jetzt sagen werde: Wenn man umgeben ist von den der Krankheit verfallenen oder sterbenden Menschen und diese Bilder zunächst aufzunehmen hat und dann mit diesen Bildern in den Schlaf zieht und nichts hineindringt als die egoistische Furcht, dann durchtränkt sich die Imagination, die aus diesen Bildern entsteht und während des Schlafes in der Seele lebt, mit der egoistischen Furcht, und das bewirkt, dass da schädliche Kräfte einschlagen werden in den menschlichen Leib.

Furcht-Imaginationen sind dasjenige, was tatsächlich pflegende Kräfte für des Menschen ahrimanische Feinde abgibt.

Wenn sich ausbreitet eine edle Gesinnung, so dass die egoistische Furcht zurücktritt, und das liebende Helfen unter den Menschen wirkt und in den menschlichen Schlaf nun hineingeht, nicht mit Furcht-Imaginationen, sondern mit dem, was das liebende Helfen bewirkt, dann bedeutet das Schaden für die ahrimanischen Feinde des Menschen.«

Damit ist zugleich angedeutet, welche seelisch-geistigen Gegenmittel dem Menschen zur Verfügung stehen, der sich gegen die Untoten wappnen will, die ihm seine Souveränität im Leib streitig machen: Mut und Liebe. Denn Mut und Liebe sind die geistige Essenz des Ich.

Hinweis: Perspectives on the Pandemic. Ein sehenswertes Interview mit Prof. John Joannidis von der Stanford Universität vom 26.03.2020.

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Anmerkungen:


  1. Ob »neuartig« oder nicht, darüber streiten sich die Virologen. Die Tatsache, dass die meisten Infizierten die Ansteckung mit milden oder gar keinen Symptomen überstehen, deutet daraufhin, dass das Virus dem menschlichen Immunsystem nicht völlig unbekannt, also nicht vollkommen neuartig sein kann.
  2. Natur- und Geistwesen, ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, München, 14. Juni 1908, GA 98, S. 238 f.
  3. Erfahrungen des Übersinnlichen. Die drei Wege der Seele zu Christus, Vortrag Stockholm, 17. April 1912, GA 143, S.140 f.
  4. Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt? Vortrag Basel, 5. Mai 1914, GA 154, S. 46 f.
  5. Unsere Toten. Ansprachen, Gedenkworte und Meditationssprüche 1906-1924, Vortrag Kassel, 9. Mai, 1914, GA 261, S. 13 f.

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