Erhebliche Mängel in Zanders Anthroposophie-Werk

Berlin. Seit Erscheinen seines 1900-seitigen Buches »Anthroposophie in Deutschland« gilt der Historiker Helmut Zander in den Medien als Experte für das Thema Anthroposophie.

So verwarf der Bundespresserat beispielsweise eine Beschwerde gegen die Berichterstattung des SPIEGEL zu diesem Thema mit dem Hinweis, der journalistischen Sorgfaltspflicht sei mit der Befragung von Zander Genüge getan. (Beschluss des Bundespresserats vom 28.11.07)

Ein im Berliner Wissenschafts-Verlag soeben erschienenes Buch des Münchner Wissenschaftspublizisten Lorenzo Ravagli – mit einem Vorwort von Prof. W. Kugler, Oxford – zeigt auf, dass Zander zu Unrecht ein Expertenstatus zugewiesen wird. Wie Ravagli aufgrund nüchterner Detailprüfung erstmals umfassend nachweist, kann Zander zentrale Thesen seines Werkes trotz seines Umfangs nicht oder nur unzureichend begründen.

Seine Untersuchung arbeitet mit nicht näher geprüften normativen Vorgaben und enthält eine Kette von Fehlern, Widersprüchen und Missverständnissen. Ravagli weist Zander außerdem Verfälschungen durch Zitatverkürzungen nach. Und er zeigt auf, dass sich ein beträchtlicher Teil von Zanders angeblich »quellenkritischen Befunden« auf so zweifelhafte Zeugen wie Nationalsozialisten, Antisemiten und konfessionelle Fanatiker stützt.

Das von Helmut Zander 2007 veröffentlichte Werk strebt eine Kontextualisierung der Anthroposophie mit dem Ziel an, ihre wirklichen Quellen aufzudecken und dadurch einen neuen Blick auf das Phänomen Anthroposophie zu ermöglichen. Davon ist Zander nach den Untersuchungen Ravaglis weit entfernt. Sein Verdienst besteht allerdings darin, das Bedürfnis nach tragfähigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Werk Rudolf Steiners deutlich gemacht zu haben, das angesichts der weltweiten gesellschaftlichen Wirkungen dieses Werkes zunehmend dringlich erscheint.

Mit seiner Analyse hat Ravagli einen ersten wichtigen Schritt in diese Richtung getan.

Zanders Erzählungen: Eine kritische Analyse des Werkes »Anthroposophie in Deutschland«

Kommentare sind geschlossen