Verabschiedung des Rassismus. Ein Bericht (2)

Zuletzt aktualisiert am 26. April 2021.

Der eben erschienene Bericht der britischen Kommission zu »rassischen und ethnischen Ungleichheiten« räumt mit einigen verbreiteten Vorurteilen auf. In gewisser Weise stellt er eine Verabschiedung des Rassismus dar. Die elfköpfige Kommission, der ein einziges »weißes« Mitglied angehört, gibt Entwarnung hinsichtlich überzogener Rassismusvorwürfe gegen die englische Gesellschaft und warnt vor einem eskalierenden Gebrauch solcher Vorwürfe, der weder Benachteiligten nützt, noch den Tatsachen entspricht. Insbesondere kritisiert der Bericht eine »schrille Form des Anti-Rassismus-Denkens«, das alle Benachteiligungen von Minderheiten auf die Diskriminierung durch Weiße zurückführe. Diese lenke die Aufmerksamkeit von anderen Gründen für Erfolg und Misserfolg von Minderheiten ab, zu denen auch solche gehörten, die in den Kulturen und Einstellungen dieser Minderheiten selbst lägen.

Im hier übersetzten Teil des Berichts setzt sich die Kommission kritisch mit Identitätspolitik, »fatalistischen Narrativen«, veralteten Kategorisierungen und Begriffen wie »Hassverbrechen« oder »Weiße Privilegien« auseinander. Ein besonderes Augenmerk richtet sie darauf, »wie wir über Rassen sprechen«. Sie bemängelt eine »ungenaue und oft irreführende Sprache rund um Rasse und Rassismus«. Außerdem versucht sie, modische Subspezies des Rassismus, die ihre Existenz akademischen Laboratorien verdanken, wie den »institutionellen«, »systemischen« und »strukturellen Rassismus«, verbindlich zu definieren.

Was steckt hinter der Ungleichheit?

Verabschiedung des Rassismus

Die fünf weiteren Mitglieder der Kommission

Die Vorstellung, dass alle Menschen, die ethnischen Minderheiten angehören, unter einem gemeinsamen Schicksal und einer gemeinsamen Benachteiligung leiden, ist ein Anachronismus.

Dennoch spielen sowohl die Realität als auch die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit eine Rolle. Die landesweiten BLM-Aufmärsche im vergangenen Jahr wurden durch einen schockierenden Fall von Polizeibrutalität in den USA befeuert, der zum Tod von George Floyd führte. Viele britische Bürger – vor allem junge Erwachsene – fühlten sich veranlasst, auch hier zu protestieren und eine Veränderung zu fordern. Die Länder sind unterschiedlich und stehen vor unterschiedlichen rassenbezogenen Herausforderungen. Aber an einigen Orten in Großbritannien, besonders in schwarzen Innenstadtgemeinden, hat historisches Unrecht durch den Staat und die Polizei auch eine tiefe Spur des Misstrauens hinterlassen.

Wir verstehen den Idealismus jener wohlmeinenden jungen Menschen, die an diesem generationenübergreifenden Misstrauen festgehalten und es verstärkt haben. Wir müssen uns jedoch auch fragen, ob ein Narrativ, das behauptet, dass sich nichts zum Besseren gewendet hat und das dominierende Merkmal unserer Gesellschaft institutioneller Rassismus und die Privilegiertheit der Weißen ist, irgendetwas erreichen wird, das über die Entfremdung der ehrbaren Mitte hinausgeht – einer Mitte, die von Menschen aller Rassen und Ethnien gebildet wird.

Die Frage »Was steckt hinter der Ungleichheit?« ist eine Schlüsselfrage, die es zu beantworten gilt. Wir erkennen die gelebte Realität und manchmal das Trauma der rassischen Benachteiligung an. Unsere Überlegungen befassen sich auch intensiv mit den Beweisen und den vielfältigen Ursachen, die dabei eine Rolle spielen, und wir versuchen, entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, um zum Beispiel die unverhältnismäßigen Auswirkungen unserer Klasse-B-Drogengesetze auf junge Schwarze oder die Probleme mit der Behandlung bei psychischen Problemen derjenigen ethnischen Minderheitengruppen anzugehen, die Schwierigkeiten haben, Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu bekommen, wenn sie sie brauchen.

Diese Kommission ist der Meinung, dass die große Herausforderung unserer Zeit nicht in offenen Rassenvorurteilen besteht, sondern darin, auf den Fortschritten, die durch die Kämpfe der letzten 50 Jahre erzielt wurden, aufzubauen und sie voranzutreiben. Dazu müssen wir einen breiteren, sachlichen Blick darauf werfen, was manche Menschen weiterhin zurückhält. Wir können daher den anklagenden Ton eines Großteils der aktuellen Rhetorik zum Thema Rasse und den Pessimismus darüber, was erreicht wurde und was noch erreicht werden kann, nicht akzeptieren.

Die jüngeren Fälle, in denen sich ethnische Minderheitengemeinschaften zu Recht im Stich gelassen fühlten – wie die Grenfell-Tragödie[1] oder der Windrush-Skandal[2] – lösten echte nationale Trauer über den traumatischen Verlust von Menschenleben und weit verbreitete Wut und Reue über die Misshandlung von Mitbürgern aus. Ebenso erklärt sich die unverhältnismäßige Auswirkung von COVID-19 auf einige ethnische Minderheitengruppen zum Teil durch die Prävalenz von ethnischen Minderheiten, die an vorderster Front arbeiten und unbezahlte Pflegedienste in Mehrgenerationenhaushalten leisten. Ereignisse wie diese sind nicht beabsichtigt und werden sicherlich nicht absichtlich herbeigeführt. Wenn sie jedoch auftreten, muss alles unternommen werden, um sicherzustellen, dass ihre Ursachen vollständig verstanden und angegangen werden, um sicherzustellen, dass sie sich nicht wiederholen.

Offenes Großbritannien

Dieser Bericht stellt dem Vereinigten Königreich nicht nur ein Zeugnis darüber aus, wie schlecht oder gut es seine ethnischen Minderheiten behandelt hat. Ihm liegt auch das Ideal eines modernen Großbritannien zugrunde, das die Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele in London 2012 am besten zum Ausdruck gebracht haben. Sie brachten uns eine Vielfalt von Menschen und Kulturen zum Erlebnis, von der verschlafenen englischen Landschaft bis zur stürmischen Musik der Hauptstadt. Nicht nur britische Ikonen wie James Bond und die Monarchie waren repräsentiert, sondern auch eine optimistische Windrush-Generation und der Beitrag der Arbeiterklasse zur Geschichte und industriellen Stärke des Landes. Ein Höhepunkt war der Auftritt von Dizzee Rascal, der seinen Hit Bonkers zum Besten gab. Danny Boyle[3] gelang es, eine Vision des Vereinigten Königreichs zu schaffen, die alle Gemeinschaften vereinte. Er brachte uns das Ideal eines offenen, optimistischen Großbritannien nahe, das durch neue Gemeinschaften belebt wird. An diesem Tag war die ganze Nation stolz darauf, Brite zu sein.

Aber die Kommission wollte auch verstehen, was geschah, als alle nach dem Ende der Spiele nach Hause gingen. Kehrte das Vereinigte Königreich in seine getrennten Welten zurück, in denen wir parallele Leben führen? Eine Welt, in der das Talent und der potenzielle Beitrag des Einzelnen durch das Viertel, in dem er lebt, seine Rasse oder seinen sozioökonomischen Hintergrund begrenzt wird?

Wir wissen, dass der Aufbau einer selbstbewussten, erfolgreichen multiethnischen Gesellschaft ein großes und schwieriges Unterfangen ist. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein Weg, um das gesamte Team zu stärken.

Wenn sich die aktuelle Realität ändert, muss sich auch unser Ansatz ändern. Alle Daten sagen uns, dass das Vereinigte Königreich viel offener für den Aufstieg von Minderheiten ist als noch vor 50 Jahren. Und während einige Türen an der Spitze nach wie vor schwer aufzuhebeln sind, nehmen Menschen mit einem gewissen Minderheitenhintergrund ihre Chancen erfolgreich wahr. Tatsächlich ist das ethnische Lohngefälle – wenn man den medianen Stundenlohn aller ethnischen Minderheitengruppen und der Gruppe der Weißen betrachtet – 2019 auf nur 2,3 % gesunken, und die weißen irischen, chinesischen und indischen ethnischen Gruppen verdienen im Durchschnitt deutlich mehr als der weiße britische Durchschnitt.

Professor Yaojun Li führte für die Kommission eine Untersuchung der sozialen Mobilität ethnischer Minderheiten durch. Er ging 50 Jahre zurück und fand heraus, dass viele Gruppen zwar eine Abwärtsmobilität in der ersten Generation erlebten, »die zweite Generation aber rasche Fortschritte gemacht und die Weißen eingeholt und in einigen Fällen sogar überholt« habe. Außerdem gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Aufstieg ethnischer Minderheiten in beruflich-leitende Positionen in Großbritannien blockiert wurde, »wie es in den Vereinigten Staaten von Amerika in den 1960er Jahren bei Afroamerikanern der Fall war«.

Ein Großteil dieses Aufstiegs ist erst in den letzten 2 oder 3 Jahrzehnten geschehen, und die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt und uneinheitlich. Bis COVID-19 zuschlug, befand sich die überwiegende Mehrheit der unter 25-Jährigen aus allen ethnischen Gruppen in einem festen Arbeitsverhältnis, obwohl Angehörige von Minderheitengruppen eher arbeitslos und mit Null-Stunden-Verträgen[4] beschäftigt waren. Darüber hinaus ist klar, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten und Arbeitsmarktbedingungen je nach Standort in Großbritannien variieren. Ein Vorteil, den ethnische Minderheiten haben, ist, dass sie überproportional in London ansässig sind – etwa 40 % der britischen Bevölkerung, die einer ethnischen Minderheit angehören, leben in London (im Vergleich zu nur 9 % der weißen britischen Bevölkerung) –, was die erheblichen Probleme des Landes mit regionaler Ungleichheit abschwächt.

Dies ist ein Grund, warum wir glauben, dass es wichtig ist, über die Rasse hinaus auf andere Ursachen der Benachteiligung zu schauen, selbst wenn man Fragen der Rasse und ethnischen Zugehörigkeit betrachtet. Die Lebenschancen des Kindes eines im Londoner Stadtbezirk Harrow aufgewachsenen britisch-indischen Buchhalters und des Kindes eines in Bradford[5] aufgewachsenen britisch-pakistanischen Taxifahrers liegen zum Teil wegen der wirtschaftlichen Geografie Großbritanniens so weit auseinander. Die zahlenmäßig größte benachteiligte Gruppe sind weiße männliche Jugendliche aus einkommensschwachen Schichten, vor allem aus ehemaligen Industrie- und Küstenstädten, die in der weiterführenden Schule scheitern und die geringsten Chancen haben, eine Universität zu besuchen. Im Gegensatz zu vielen anderen Berichten über Rasse und Ethnizität haben wir die Gruppe der Weißen in unsere Überlegungen einbezogen. Bei einer Reihe von Ergebnissen liegen weiße Arbeiterkinder hinter ihren Altersgenossen in fast allen ethnischen Minderheitengruppen zurück, obwohl das Ausmaß dieser Ungleichheiten je nach Gebiet variiert.

Wahrnehmung und Realität

Offener und unverhohlener Rassismus hält sich in Großbritannien hartnäckig. Seine Bedeutung scheint sogar anzuwachsen, nicht nur, weil wir ihm in Gestalt von Graffitis an Wänden oder als Beschimpfung auf den Straßen begegnen, sondern auch weil er über Telefone und Tablets in unsere private Umgebung eindringt. Durch den Aufstieg von Social-Media-Plattformen können rassistische Vorfälle innerhalb von Stunden viral gehen. Was allzu oft als »Trolling« abgetan wird, bedeutet, dass viele prominente Angehörige ethnischer Minderheiten routinemäßig rassistischen Beschimpfungen durch Personen ausgesetzt sind, die nicht aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen werden können. Anonyme Beschimpfungen im Internet zu erschweren ist ein komplexes Thema, sollte aber eine Priorität der öffentlichen Politik sein.

Sprache hallt noch lange nach, nachdem sie gehört wurde. Wenn einem das Gefühl vermittelt wird, dass man nicht dazugehört, dass man – egal wie patriotisch, gesetzestreu und fleißig man ist – aufgrund seiner Hautfarbe anders behandelt werden kann, steht das gegen alles, was diesem Land wichtig ist. Eine multiethnische Demokratie wie die unsere kann nicht richtig funktionieren, wenn Menschen ihre Mitbürger aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit in solch bedauernswerter Weise verunglimpfen können.

Einer der am meisten beunruhigenden Nebeneffekte der »sozialen Medien« ist, dass sie die Reichweite rassistischer Ansichten und Online-Kommentare enorm verstärken. Fast täglich berichten die Zeitungen über rassistische Beschimpfungen von Prominenten, und eine Umfrage der Denkfabrik British Future im Auftrag der Kommission ergab, dass zwar 13 % der Weißen angeben, in sozialen Medien rassistischen oder vorurteilsbehafteten Beleidigungen ausgesetzt gewesen zu sein, diese Zahl aber bei Menschen aus der pakistanischen ethnischen Gruppe auf 19 % und bei Schwarzen auf 22 % ansteigt.

Die Anziehungskraft der vorherrschenden Narrative lenkt unsere Aufmerksamkeit in negative Richtungen, wie z. B. rassistische Beschimpfungen in sozialen Medien, und weg von positiven Aspekten, wie z. B. der Tatsache, dass 40 % der Berater im nationalen Gesundheitswesen aus ethnischen Minderheiten stammen.

Und zu viele öffentliche Debatten sind schlecht oder gar nicht informiert – »Hassverbrechen« (hate crimes) sind ein Beispiel dafür. Es wird weithin angenommen, dass Hassverbrechen zunehmen. Einige argumentieren, dass es am Brexit liegt, andere, dass die Lage durch die Verbreitung und Sichtbarkeit von Rassismus im Internet verschärft wird. Jeder Fall ist inakzeptabel und ein Angriff auf eine ehrbare Gesellschaft, insbesondere der kleine Anteil der Fälle, in denen es zu körperlicher Gewalt kommt.

Die Zahlen der polizeilich erfassten »Hassverbrechen« steigen jedoch aufgrund verbesserter polizeilicher Erfassungsprozesse und eines größeren Bewusstseins dafür, was ein »Hassverbrechen« ist. Die Gesamtzahl der polizeilich erfassten rassistisch motivierten »Hassverbrechen« für England und Wales ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen und hat in den neun Jahren bis März 2020 um 131 % zugenommen.

Im Gegensatz dazu zeigen die Antworten in der Kriminalitätserhebung für England und Wales (CSEW), die als zuverlässiger gilt als die polizeilich erfassten Straftaten, dass die Zahl der rassistisch motivierten »Hassverbrechen« von 149.000 (im Zeitraum März 2010 bis März 2012) auf 104.000 (im Zeitraum März 2018 bis März 2020) zurückgegangen ist. Das sind immer noch viel zu viele Vorfälle, und die Trends können sich ändern, aber es deutet darauf hin, dass »Hassverbrechen«, wie auch rassistische Einstellungen, rückläufig sind.

Ein weiteres Beispiel für allzu pessimistische Narrative, die durch die COVID-19-Pandemie noch verstärkt wurden, ist das Thema Rasse und Gesundheit. Das erhöhte altersbereinigte Risiko in schwarzen und südasiatischen Gruppen, an COVID-19 zu sterben wurde weithin als eine Folge von Rassismus – und als Verschärfung bestehender gesundheitlicher Ungleichheiten – interpretiert.

Viele Analysen haben jedoch gezeigt, dass das erhöhte Risiko, an COVID-19 zu sterben, hauptsächlich auf ein erhöhtes Infektionsrisiko zurückzuführen ist. Dies wird auf die Tatsache zurückgeführt, dass Schwarze und Südasiaten mit größerer Wahrscheinlichkeit in städtischen Gebieten mit höherer Bevölkerungsdichte und einem höheren Grad an Benachteiligung leben, in Berufen mit höherem Risiko arbeiten, wie z. B. im Gesundheitswesen oder im Transportwesen, und mit älteren Verwandten zusammenleben, die aufgrund ihres Alters oder anderer Komorbiditäten wie Diabetes und Fettleibigkeit selbst ein höheres Risiko aufweisen.

Wenn es zuträfe, dass Schwarze und südasiatische Gruppen ihr ganzes Leben lang unter systemischem Rassismus leiden, der sich negativ auf Gesundheit, Bildung, Einkommen, Wohnsituation und Beschäftigung (die wichtigsten Gesundheitsfaktoren) auswirkt, würde sich dies auch in den Gesamtsterblichkeitszahlen über den gesamten Lebensverlauf widerspiegeln.

Tatsächlich hatten schwarze und asiatische Gruppen niedrigere Sterblichkeitsraten durch alle Ursachen und Daten für Schottland deuten darauf hin, dass asiatische ethnische Gruppen eine höhere Lebenserwartung haben, als weiße ethnische Gruppen. Dies ist besonders überraschend, da ethnische Minderheitengruppen mit größerer Wahrscheinlichkeit in den am stärksten benachteiligten Vierteln Englands leben. Sogar im Verlauf der Pandemie war die Gesamtsterblichkeit in schwarzen und südasiatischen Gruppen trotz der höheren COVID-19-Todesraten nicht höher als bei weißen Gruppen.

Anstatt uns also nur auf Rasse und ethnische Zugehörigkeit zu konzentrieren, müssen wir die wichtigsten zugrundeliegenden Risikofaktoren (die hauptsächlich sozioökonomischer Natur sind) in Betracht ziehen, die die höheren Sterberaten verursachen, und die daher das Sterberisiko in allen ethnischen Gruppen – einschließlich weißer Gruppen – entsprechend verringern.

Die Kommission war auch besonders daran interessiert, zu verstehen, wie es kommt, dass, während sich die Ergebnisse für ethnische Minderheitengruppen verbessert haben und die Einstellung der Mehrheit zunehmend aufgeschlossener geworden ist, ein eher fatalistisches Narrativ – das behauptet, nichts habe sich wirklich geändert – die öffentliche Wahrnehmung zu beherrschen scheint.

Sunder Katwala, der Leiter der Denkfabrik British Future, sagt, Großbritannien stehe »in Sachen Rasse« viel besser da als »in Sachen Klasse«. Der Grund, warum dies nicht offensichtlicher sei, liege darin, dass

es jetzt eine Spaltung zwischen den universitären, medialen und politischen Milieus und der gelebten Erfahrung im Rest des Landes gibt … das Problem ist, dass der Rassendiskurs von Leuten dominiert wird, die ihre ganze Zeit damit verbringen, während wir nicht genug von Leuten hören, die einfach nur ihren Alltag leben und sich nicht durch ihre Rasse definieren.

Er stellt jedoch auch fest, dass sich viele benachteiligte Schwarze und muslimische Gruppen tatsächlich durch ihre Rasse definiert fühlen, während weit weniger Berufstätige der Mittelschicht, die indischen und chinesischen ethnischen Gruppen angehören, dasselbe empfinden.

Wir vermuten, dass pessimistische Narrative über Rassen auch durch den Aufstieg der Identitätspolitik verstärkt wurden, während alte Klassenspaltungen an Zugkraft verloren haben. Gut organisierte Lobbygruppen, die sich auf ein einziges Thema konzentrieren, tragen ebenfalls dazu bei, die Lautstärke zu erhöhen. Diese Organisationen können gute Arbeit beim Schutz der Schwachen leisten, aber sie neigen auch dazu, ihre Narrative pessimistisch zu gestalten, um die Aufmerksamkeit auf ihr Anliegen zu lenken. Und sie neigen dazu, die »gelebte Erfahrung« der Gruppen, die sie schützen wollen, zu betonen und weniger Wert auf objektive Daten zu legen. Es ist daher nicht überraschend, dass die öffentliche Mainstream-Debatte über Rassen Minderheiten für Diskriminierung sensibilisiert, aber weniger dazu beiträgt, das Selbstvertrauen und die Widerstandsfähigkeit von Minderheiten hervorzuheben.

Optimismus bei Einwanderern

Wir haben bei der Universität Oxford eine neue Studie in Auftrag gegeben, die das Spektrum der Faktoren untersucht, die in Kombination die Bildungsergebnisse ethnischer Gruppen beeinflussen. Zu diesen Faktoren gehören das Geschlecht, die ethnische Zugehörigkeit und der sozioökonomische Status. Unsere Analyse definiert den sozioökonomischen Status durch die Bildung der Eltern, den Beruf und das Familieneinkommen.

Die Kommission ist der Überzeugung, dass Bildungserfolge gefeiert, nachgeahmt und als Vorbild genutzt werden sollten, um alle Schüler in ganz Großbritannien zu inspirieren. Es ist erwiesen, dass bestimmte ethnische Gruppen wie schwarzafrikanische, indische und bangladeschische Schüler bessere Leistungen erbringen, als die Gruppe der weißen Briten, wenn der sozioökonomische Status berücksichtigt wird. Diese herausragenden Leistungen sind zum Teil auf den so genannten »Immigrantenoptimismus« zurückzuführen: ein Phänomen, bei dem sich Neueinwanderer mehr der Bildung widmen als die einheimische Bevölkerung, weil sie über kein finanzielles Kapital verfügen und Bildung als einen Weg aus der Armut sehen.

In der Praxis bedeutet dies, dass bedeutende Faktoren im Spiel sind, die Gruppen helfen können, ihren sozioökonomischen Status zu überwinden und erfolgreich zu sein.

Untersuchungen des Zentrums für Längsschnittstudien und des Runnymede Trust zeigen auch, dass Kinder aus ethnischen Minderheiten im Alter von 14 Jahren höhere Ambitionen haben als weiße Kinder. Weiße Jungen gaben sich selbst eine durchschnittliche Chance von 60,9 %, eine Universität zu besuchen, während die Schätzung für weiße Mädchen mit 68,3 % höher lag. Dies steht in krassem Gegensatz zu den ethnischen Gruppen der Schwarzafrikaner (Jungen 81,7 %; Mädchen 88,8 %), Inder (81,3 %; 85,3 %), Pakistani (74,9 %; 82,4 %) und Bangladeschi (77,8 %; 80,2 %). Schwarzkaribische Jungen waren die einzige Gruppe mit niedrigeren Erwartungen als die Gruppe der weißen Jungen mit 58,5 %, während schwarzkaribische Mädchen sich selbst eine Chance von 73,3 % gaben, eine Universität zu besuchen.

Es gibt widersprüchliche Ansichten darüber, was den Optimismus der Zuwanderer antreibt, ob es ein interner Antrieb oder eine Reaktion auf externe Diskriminierung ist. Es ist jedoch offensichtlich, dass ethnische Minderheitengruppen die Kraft haben, Hindernisse zu überwinden und Erfolg zu haben.

Warum »BAME« nicht hilfreich ist

Die Verwendung des Begriffs BAME, der häufig benutzt wird, um alle ethnischen Minderheiten zusammenzufassen, ist nicht mehr hilfreich. Es ist erniedrigend, in Bezug auf das, was wir nicht sind, kategorisiert zu werden, anstatt auf das, was wir sind: Britisch-Indisch, Britisch-Karibisch und so weiter. Das Akronym BAME verschleiert auch die großen Unterschiede in den Ergebnissen zwischen ethnischen Gruppen. Diese reduktionistische Idee zwingt uns zu der Annahme, dass die Hauptursache aller Ungleichheiten die der Diskriminierung zwischen Mehrheit und Minderheit sein muss. Sie erlaubt unseren Institutionen und Unternehmen auch, auf den Erfolg einiger Menschen dieser Kategorie in ihrer Organisation zu verweisen und sich von der Verantwortung für Menschen aus jenen Minderheitengruppen freizusprechen, denen es weniger gut geht. Wie die weiße Bevölkerung Großbritanniens sind auch die ethnischen Minderheitengruppen in ihrer Einstellung zu den gesellschaftlichen Normen Großbritanniens und ihrer Einbindung in verschiedene Lebensbereiche alles andere als monolithisch.

Es ist an der Zeit, den Begriff fallen zu lassen und über Menschen mit einem spezifischen ethnischen Hintergrund zu sprechen. Und wenn wir manchmal zwischen allen weißen und nicht-weißen Bevölkerungsgruppen unterscheiden müssen, sollten wir den Begriff »ethnische Minderheit«, »ethnische Gruppe« oder »weiße ethnische Minderheiten« verwenden, wo immer dies angemessen ist, was wir in diesem Bericht überall dort getan haben, wo die Daten dies ermöglichen. In der Tat ist die Verwendung des Begriffs »Weiß« als eigenständiger Begriff ebenso wenig hilfreich wie andere aggregierte Bezeichnungen, da er die Vielfalt der Gruppen innerhalb dieser Gruppen – wie z. B. weiße Iren, Zigeuner, Roma, Traveller (Menschen ohne festen Wohnsitz, die größte Minderheit in Irland) und Osteuropäer – und die einzigartigen Erfahrungen und Ergebnisse, mit denen sie ebenfalls konfrontiert sind, verschleiert.

British Future hat sich auch mit den Sprachregelungen bezüglich der Rasse befasst und untersucht, ob die Menschen, so wie wir dies tun, der Meinung sind, dass ein Sammelbegriff wie BAME seinen Sinn verloren hat. Es gab weder unter den Weißen noch unter den Befragten aus ethnischen Minderheiten eine klare Mehrheit für die Beibehaltung von BAME. Unter den ethnischen Minderheiten sagten 40 %, dass der Begriff immer noch nützlich sei, 36 % sagten, er sei veraltet und 25 % wussten es nicht. Der Begriff »ethnische Minderheit« war unter den Befragten aus ethnischen Minderheiten beliebter als »BAME« oder »People of Colour«.

Die Anerkennung der Unterschiede zwischen den Gruppen erfordert einen neuen und detaillierteren Ansatz bei der Sammlung und Auswertung von Daten. Zu viele Daten werden weiterhin auf der Ebene der »großen 5« ethnischen Klassifizierungen gesammelt: Weiß, Schwarz, Asiatisch, Gemischt und Sonstige, was in einigen Fällen ethnische Gruppen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Ergebnissen zusammenfasst.

Wir brauchen auch mehr Sensibilität für Unterschiede innerhalb rassischer oder ethnischer Gruppen, wie z.B. zwischen städtischen Mittelschicht-Gujaratis und ländlichen Mirpuri, die wohl größer sind als die meisten Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen. Es besteht auch ein dringender Bedarf an Daten auf individueller Ebene und an Analysen, die die vielen Faktoren berücksichtigen, die zusammenkommen, um die Ergebnisse zu beeinflussen, wie Alter, Klasse und Region. Das neue Datenprojekt Equality Hub, das von der Regierung im Dezember 2020 angekündigt wurde, sollte sicherstellen, dass dieser neue, multivariable Ansatz zum Standard für die differenzierte Sammlung und Präsentation von Daten wird.

Wie wir über Rasse sprechen

Die öffentliche Debatte über Rassen wird manchmal durch die Tatsache behindert, dass es keinen Konsens über die Bedeutung selbst grundlegender Wörter wie »Rassismus« und »Diskriminierung« gibt. Das Wort »Rassismus« kann sich auf ein breites Spektrum menschlichen Verhaltens beziehen, von der Stereotypisierung eines Fremden bis hin zu den Schrecken des Völkermords. Es wird in der Debatte so unterschiedlich verwendet, dass man oft aneinander vorbei argumentiert.

Wir haben versucht, die praktischen Ursachen für unerwünschte Ungleichheiten zwischen Gruppen zu untersuchen und Vorschläge zu machen, wie man sie verringern kann. Wir haben jedoch auch die Art und Weise untersucht, wie Ungleichheiten im Mainstream-Diskurs diskutiert werden, und haben uns mit der Verwendung einer ungenauen und oft irreführenden Sprache rund um Rasse und Rassismus beschäftigt.

Die sprachliche Inflation von Rassismus ist verwirrend, wobei Adjektive wie »institutionell«, »strukturell« und »systemisch« das Problem noch vergrößern. Es ist eine traurige Realität, dass Rassismus immer noch in jedem Land existiert, aber wir können es uns nicht leisten, den Begriff misszuverstehen oder zu trivialisieren.

In ihrer Aufforderung zur Einreichung von Beweisen stellte die Kommission eine Tendenz fest, »Diskriminierung« und »Ungleichheit« zu vermischen; obwohl sie manchmal nebeneinander existieren, tun sie das oft nicht. Die Kommission ist der Ansicht, dass dies symptomatisch für eine verbreitete, wiederkehrende falsche Anwendung des Begriffs »Rassismus« ist, mit dem jede beobachtete Ungleichheit erklärt werden soll. Dies ist von Bedeutung, denn je mehr Dinge als Ergebnis rassistischer Voreingenommenheit erklärt werden, desto mehr entsteht der Eindruck, dass die Gesellschaft gegen ethnische Minderheiten eingestellt ist, was wiederum Einzelpersonen aus ethnischen Minderheiten davon abhalten kann, ihre Ziele zu verfolgen. Wenn eine präzisere Sprache nicht zu einem Merkmal unserer nationalen Konversation über Rasse wird, können wir damit rechnen, dass die Spannungen zwischen den Gemeinschaften zunehmen – trotz entschlossener Maßnahmen der Regierung und der Zivilgesellschaft zum Abbau von Diskriminierung.

Die Kommission war besonders besorgt über die Art und Weise, wie der Begriff »institutioneller Rassismus« im gegenwärtigen Diskurs über rassische Ungleichheiten verwendet wird. Wir stellten fest, dass sich die Definitionen von institutionellem Rassismus in den 18 Jahren zwischen dem Scarman-Bericht von 1981 und dem Macpherson-Bericht von 1999 verändert haben.[6]

Der verstorbene Sir William Macpherson gab die folgende Definition, die unserer Meinung weiterhin gültig ist:

Das kollektive Versagen einer Organisation, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft einen angemessenen und professionellen Dienst zu erweisen. Dieses Versagen kann in Prozessen, Einstellungen und Verhaltensweisen beobachtet oder erkannt werden, die auf eine Diskriminierung durch unbewusste Vorurteile, Ignoranz, Gedankenlosigkeit und rassistische Stereotypisierung hinauslaufen, die Menschen aus ethnischen Minderheiten benachteiligen.

Eine der Hauptbegründungen für die Feststellung eines institutionellen Rassismus im Macpherson-Bericht war die unzureichende Berichterstattung über rassistisch motivierte Straftaten (heute als »Hasskriminalität« bezeichnet), die das mangelnde Vertrauen der ethnischen Minderheiten in die Polizei widerspiegelte. Der Begriff beschrieb eine Reihe von Praktiken und Verhaltensweisen, die alltäglich waren, von den Behörden sanktioniert wurden und ethnischen Minderheitengruppen – wenn auch unbeabsichtigt – ungebührlich schadeten. Dies ist heute weitgehend nicht mehr der Fall, da die Meldung von »Hassverbrechen« und rassistisch motivierten Vorfällen von den Polizeibehörden inzwischen weitgehend gefördert wird.

Der Begriff wird inzwischen inflationär verwendet, und zwar häufig, um alle Umstände zu beschreiben, aufgrund derer in einer Einrichtung Unterschiede zwischen rassischen und ethnischen Gruppen bestehen, ohne dass es Beweise für solche Behauptungen gibt.

Die Kommission ist daher der Ansicht, dass die falsche Anwendung des Begriffs »Rassismus« seine Glaubwürdigkeit verwässert und damit die Bedeutung des Rassismus, wo er tatsächlich existiert, im heutigen Großbritannien unterminiert. Wenn »institutioneller Rassismus« zu beiläufig als Erklärungsinstrument verwendet wird, kann dies auch zu einer unzureichenden Berücksichtigung anderer Faktoren führen, von denen bekannt ist, dass sie ebenfalls für solche Unterschiede in den Ergebnissen verantwortlich sind.

Wenn Vorwürfe des »institutionellen Rassismus« gegen Institutionen erhoben werden, sollten diese – wie jeder andere schwerwiegende Vorwurf – einer soliden Bewertung und Beweisführung unterzogen und nachgewiesen werden, dass eine Institution eine ethnische Gruppe aufgrund ihrer ethnischen Identität anders behandelt hat als andere Gruppen.

Wie könnten solche Beweise aussehen? Stellen Sie sich eine Welt mit nur 2 Gruppen vor, in der beide gleich voreingenommen sind, aber die Minderheit nur 10 % der Bevölkerung ausmacht. Wenn es um Einstellungen geht, werden die potenziellen Vorurteile, denen ein Bewerber aus der Minderheit ausgesetzt ist, viel größer sein als die potenziellen Vorurteile gegenüber einem Bewerber aus der Mehrheit. Aber dieses strukturelle Ungleichgewicht ist messbar, indem man Umfragen zu individuellen Vorurteilen und Tests zu aggregierten Vorurteilen, wie z.B. Lebenslaufstudien, verwendet.

Ein anderes Beispiel könnte sein, dass die meisten Mitglieder einer Institution keine persönlichen Vorurteile haben, aber sozialen Druck verspüren, sich gegenüber der Minderheit so zu verhalten, weil sie glauben, dass die meisten anderen Vorurteile haben und ihr Arbeitsplatz von ihnen erwartet, dass sie diskriminieren. Auch hier können Umfragen das Ausmaß beurteilen, in dem Überzeugungen über solche Erwartungen bestehen.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Einstellung zu Rassismus und »Hassverbrechen« dramatisch verändert, und es gibt ein viel größeres Bewusstsein und die Bereitschaft der Behörden, solche Vorfälle zu erfassen und zu überwachen.

Dennoch scheint das Aufkommen der »sozialen Medien« diesen scheinbaren Fortschritt teilweise untergraben zu haben. Die Zunahme des Gebrauchs von Mobiltelefonen und insbesondere der sozialen Medien hat am meisten zur Verbreitung von negativen Nachrichten und Einstellungen beigetragen. Jeden Tag werden hunderte Millionen Tweets verschickt, weniger häufige Vorkommnisse in der Offline-Welt können sich online mehrmals am Tag wiederholen. Dies verstärkt die giftigen Botschaften einer kleinen Anzahl von Hardcore-Rassisten weit über jede Art von Publikum hinaus, das sie in der Vergangenheit jemals gehabt hätten, und trägt wahrscheinlich zu der Befürchtung bei, dass der Rassismus zunimmt, obwohl das Gegenteil bewiesen ist. Wir kommen auf dieses Thema im Kapitel Kriminalität und Polizeiarbeit ausführlicher zurück.

Genauso wie rassistisches Verhalten und rassistische Botschaften vervielfältigt werden, geschieht dies auch mit Rassismusvorwürfen, die gleichzeitig schwieriger zu beweisen, offen für Interpretationen oder sogar schikanös sind. Das Internet hat auch die Probleme offengelegt, die mit der subjektiven Definition eines rassistischen Vorfalls einhergehen. Wir können einer Situation gegenüberstehen, in der genau dieselbe Handlung Rassismus oder kein Rassismus sein kann – je nachdem, wie jemand sie wahrnimmt. Das bedeutet, dass es keine Klarheit oder Konsistenz bei der Identifizierung von Beispielen gibt. Es ist nun möglich, dass jede Handlung, auch die gut gemeinte, als rassistisch eingestuft wird. Ohne klarere Definitionen wird es schwieriger sein, das wahre Ausmaß von Rassismus zu messen.

Wahrnehmungen sind wichtig. Wie wir in der Polizeiarbeit sehen, muss Vertrauen verdient und erwidert werden, und das bedeutet, als fair wahrgenommen zu werden und faire Prozesse zu haben. Um die Ausweitung des Rassismusvorwurfs und die weitere Verwässerung seiner Bedeutung zu begrenzen, schlagen wir vor, sowohl die Absicht des Täters als auch die Wahrnehmung des Opfers zu bewerten. Die Stimmen der Opfer müssen gehört werden, aber um die Gerechtigkeit zu erlangen, die sie für das verursachte und erlittene Leid verdienen, müssen die verantwortlichen Rassisten eindeutig identifiziert und entlarvt werden.

Um dies zu unterstützen, brauchen wir auch klare, einheitliche Definitionen der Begriffe »institutioneller Rassismus«, »struktureller Rassismus« oder »systemischer Rassismus«. Im Moment werden sie austauschbar verwendet, was weitere Verwirrung stiftet und die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Täter gefasst und bestraft werden.

Hinweise auf »systemischen«, »institutionellen« oder »strukturellen Rassismus« können sich auf spezifische Prozesse beziehen, die identifiziert werden können, sie können sich aber auch auf das von vielen ethnischen Minderheiten beschriebene Gefühl beziehen, »nicht dazuzugehören«.

Dies wird oft informell als Gefühl des »Andersseins« ausgedrückt. Wie bei Hassvorfällen kann dies jedoch für diejenigen, die mit der Untersuchung des Vorwurfs beauftragt sind, eine sehr subjektive Dimension haben.

Es ist sehr schwierig zu messen, inwieweit die Kultur einer Organisation inklusiv oder voreingenommen ist, aber wir halten es für wichtig, Diskussionen über systemischen oder strukturellen Rassismus auf eine objektivere Grundlage zu stellen. Die Verankerung dieser Begriffe in beobachtbaren Kriterien gibt uns die Möglichkeit, nicht nur zu messen, wie sich die Menschen fühlen, sondern auch die Ursachen zu analysieren und festzustellen, wo sich die Dinge verbessern. Institutionen müssen auch Verbesserungen anerkennen und sowohl quantitative als auch qualitative Beweise transparent verwenden, um ein umfassenderes Bild zu zeichnen. Begriffe wie »struktureller Rassismus« haben ihre Wurzeln in einer Kapitalismuskritik, die besagt, dass Rassismus untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden ist. Nach dieser Definition wird der Rassismus also solange florieren, bis dieses System abgeschafft ist. Viele verwenden den Begriff »struktureller Rassismus«, um tief sitzende Ausgrenzung zu bezeichnen und nicht die Abschaffung des Kapitalismus.

Dies sind Themen, die nur teilweise von der Regierung angegangen werden können und die Zusammenarbeit insbesondere mit der Wirtschaft, den Medien, der Zivilgesellschaft und anderen nicht-staatlichen Akteuren benötigen, die die Art und Weise beeinflussen, wie wir über Rasse diskutieren.

Die Kommission schlägt daher den folgenden Rahmen vor, um zwischen verschiedenen Formen von Rassendiskriminierung und Rassismus zu unterscheiden:

1. Erklärte rassische Disparitäten: Dieser Begriff sollte verwendet werden, wenn es anhaltende ethnisch unterschiedliche Ergebnisse gibt, die nachweislich auf andere Faktoren wie Geografie, Klasse oder Geschlecht zurückzuführen sind.

2. Ungeklärte rassische Disparitäten: Anhaltende unterschiedliche Ergebnisse bei ethnischen Gruppen ohne schlüssige Beweise für die möglichen Ursachen. Dies gilt für Situationen, in denen ein ungleiches Ergebnis festgestellt wird, bei denen es aber keine Beweise dafür gibt, worin die Ursache besteht.

3. Institutioneller Rassismus: gilt für rassistische oder diskriminierende Prozesse, Richtlinien, Einstellungen oder Verhaltensweisen einer Institution.

4. Systemischer Rassismus: gilt für miteinander verbundene Organisationen oder die breitere Gesellschaft, die rassistische oder diskriminierende Prozesse, Politiken, Einstellungen oder Verhaltensweisen aufweisen.

5. Struktureller Rassismus: beschreibt ein Erbe von historischen rassistischen oder diskriminierenden Prozessen, Politiken, Einstellungen oder Verhaltensweisen, die Organisationen und Gesellschaften auch heute noch prägen.

Ein weiterer Begriff, der sehr umstritten und umkämpft ist, ist das »Weiße Privileg«. Der in den USA geprägte Begriff ist zweifellos befremdlich für diejenigen, die sich nicht durch ihre Hautfarbe besonders privilegiert fühlen. Phrasen wie »White Privilege« (Weiße Privilegien) und »White Fragility« (Weiße Verletzlichkeit) implizieren, dass es die Einstellungen und Verhaltensweisen der Weißen sind, die in erster Linie die Benachteiligung von ethnischen Minderheiten verursachen. Sie verstärken auch die Wahrnehmung, dass man als ethnische Minderheit in Großbritannien standardmäßig ungerecht behandelt wird. Die von uns untersuchten Beweise stützen dies nicht. Die Kommission lehnt diesen Ansatz ab, da sie der Meinung ist, dass er die wahren Ursachen für die Ungleichheiten nicht erkennt und dass er kontraproduktiv und spaltend ist.

Die Idee ist jedoch nicht völlig falsch, dass selbst in einer relativ offenen Gesellschaft wie dem heutigen Großbritannien ein psychologischer Trost daraus gezogen werden kann, dass man so aussieht wie die Mehrheit der Menschen um einen herum. Ein besserer Begriff, der die Tendenz von Gruppen, die eigene Gruppe zu bevorzugen, sinnvoll erfasst, ist das Konzept des »Affinity Bias« (des Vorurteils aufgrund von Ähnlichkeit).

Bei Rassismus geht es nicht nur um Worte. Voreingenommenheit, Bigotterie und Unfairness aufgrund der Rasse sind vielleicht auf dem Rückzug, aber sie haben immer noch die Macht, Chancen zu verwehren und Leben schmerzhaft zu beeinträchtigen.

Wenn wir Vertrauen in Institutionen und Organisationen aufbauen wollen, müssen wir bereit sein, Hinweisen auf Rassismus nachzugehen, und als Gesellschaft bereit sein, ihn auszumerzen. Das bedeutet, alle uns zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung zu setzen. …

Der Originalbericht mit Literaturnachweisen kann hier heruntergeladen werden


Erster Teil


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Anmerkungen:


  1. Am 14. Juni 2017 brach ein Feuer im 24-stöckigen Grenfell Tower Wohnblock in North Kensington, West London, aus; es forderte 72 Todesopfer. Mehr als 70 weitere Personen wurden verletzt; 223 Personen konnten dem Brand entkommen. Es war der tödlichste Gebäudebrand im Vereinigten Königreich seit der Piper-Alpha-Katastrophe von 1988 und der schlimmste Wohnungsbrand in Großbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Royal Borough of Kensington and Chelsea ist eine der wohlhabendsten Gemeinden des Landes, die einige der teuersten Häuser der Welt beherbergt und die größte Kluft zwischen Arm und Reich im ganzen Land aufweist. Der Grenfell Tower wurde von ärmeren, hauptsächlich ethnisch gemischten Mietern bewohnt. Der von den Konservativen geführte Stadtrat wurde für die Vernachlässigung der ärmeren Bewohner des Stadtteils kritisiert, manche Kritiker machten ihre Vernachlässigung für das Feuer verantwortlich. https://en.wikipedia.org/wiki/Grenfell_Tower_fire
  2. Beim Windrush-Skandal 2018 ging es um Menschen, die vom Innenministerium zu Unrecht inhaftiert, ihrer Rechte beraubt, mit Abschiebung bedroht und in mindestens 83 Fällen aus dem Vereinigten Königreich abgeschoben wurden. Viele der Betroffenen waren als britische Staatsbürger geboren und vor 1973 nach Großbritannien gekommen, insbesondere aus der Karibik als Mitglieder der »Windrush-Generation« (benannt nach der Empire Windrush, dem Schiff, das 1948 eine der ersten Gruppen westindischer Migranten nach Großbritannien brachte). Neben denjenigen, die deportiert wurden, wurde eine unbekannte Zahl inhaftiert, verlor ihre Arbeit oder ihr Zuhause, ihre Pässe wurden konfisziert oder ihnen wurden Leistungen oder medizinische Versorgung verweigert, auf die sie Anspruch hatten. Einer Reihe von Personen, die seit langer Zeit  in Großbritannien lebten, wurde die Wiedereinreise in das Vereinigte Königreich verweigert; einer größeren Zahl drohte das Innenministerium mit sofortiger Abschiebung. Am 29. Juni 2018 veröffentlichte ein parlamentarisches Menschenrechtskomitee einen vernichtenden Bericht über das Verhalten der Einwanderungsbeamten. Der Bericht forderte den Innenminister auf, gegen die von seinem Ministerium verübten Menschenrechtsverletzungen vorzugehen. https://en.wikipedia.org/wiki/Windrush_scandal
  3. Der Regisseur und Filmproduzent (Slumdog Millionär) war für die Gestaltung der Eröffnungsfeier verantwortlich.
  4. Eine in Großbritannien und den Niederlanden weit verbreitete Form von Arbeitsvertrag, die Arbeit auf Abruf regelt und den Auftraggeber verpflichtet, lediglich für die tatsächlich geleistete Arbeit Entgelt zu leisten.
  5. Die Stadt Englands mit dem größten Anteil an pakistanisch-indischen und muslimischen Einwanderern.
  6. MacPherson, W., (1999), »The Stephen Lawrence Inquiry: Report of an Inquiry.« Zugänglich unter: https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/277111/4262.pdf

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