Verabschiedung des Rassismus. Ein Bericht (1)

Zuletzt aktualisiert am 3. April 2021.

Soeben ist ein Bericht der britischen Kommission zu »rassischen und ethnischen Ungleichheiten« erschienen, die vergangenes Jahr vom britischen Premierminister eingesetzt wurde. Der Bericht stellt eine Verabschiedung des Rassismus dar. Die elfköpfige Kommission, der ein einziges »weißes« Mitglied angehört, gibt Entwarnung hinsichtlich überzogener Rassismusvorwürfe gegen die englische Gesellschaft und warnt vor einem eskalierenden Gebrauch solcher Vorwürfe, der weder Benachteiligten nützt, noch den Tatsachen entspricht. Insbesondere kritisiert der Bericht eine »schrille Form des Anti-Rassismus-Denkens«, das alle Benachteiligungen von Minderheiten auf die Diskriminierung durch Weiße zurückführe. Diese lenke die Aufmerksamkeit von anderen Gründen für Erfolg und Misserfolg von Minderheiten ab, zu denen auch solche gehörten, die in den Kulturen und Einstellungen dieser Minderheiten selbst lägen. Man beachte auch, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kommission von »Rassen« spricht, ohne diesen Begriff in irgendeiner Weise zu problematisieren. Logisch ist dies allemal, da es ohne die Voraussetzung unterscheidbarer »Rassen« (mögen diese nun biologisch fundiert oder gesellschaftlich konstruiert sein) keine »Gleichstellung« derselben geben kann.

In diesem und einem folgenden Beitrag werden einige einschlägige Passagen des Berichts übersetzt.

Vorwort des Vorsitzenden Tony Sewell

Verabschiedung des Rassismus

Die ersten sechs Mitglieder der Kommission

Letzten Sommer fragte mich der Premierminister, ob ich bereit wäre, den Vorsitz einer Kommission zu übernehmen, die die rassischen und ethnischen Ungleichheiten in Großbritannien untersuchen sollte. Er war der Meinung, dass das Vereinigte Königreich wichtige Fragen über den Zustand der heutigen Beziehungen zwischen den Rassen erörtern müsse und dass eine gründliche Untersuchung der Ursachen für das Fortbestehen so vieler Ungleichheiten notwendig sei. Wir sollten herausfinden, was getan werden kann, um sie zu beseitigen oder abzuschwächen. Ich stimmte bereitwillig zu: Ich habe mein ganzes Arbeitsleben als Pädagoge verbracht und mich dieser Sache gewidmet.

Die Kommission wurde mit 10 (11) Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen wie Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Rundfunk, Medizin und Polizeiarbeit besetzt. Und mit einer Ausnahme stammen alle aus ethnischen Minderheiten. Mit dem Auftrag, rassische und ethnische Ungleichheiten in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Kriminalität und Polizeiarbeit sowie Gesundheit zu untersuchen, trafen wir uns zum ersten Mal virtuell im Juli. Wie so viele von Ihnen in Ihren eigenen Familien- und Arbeitssituationen während dieser Zeit von COVID-19, hat sich die Kommission nie von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Unsere vielfältige Gruppe mit ihren unterschiedlichen Fachgebieten ermöglichte es uns, konventionelle Ansätze zu hinterfragen. Die Debatten waren belebend und führten zu anregenden Diskussionen. Gemeinsam haben wir uns in den letzten Monaten mächtig ins Zeug gelegt und dieses Vorhaben vorangetrieben.

Die ganze Zeit über wurden wir vom 2016 eingerichteten »Team Rassenungleichheit« des Kabinettbüros (Race Disparity Unit, RDU, Cabinet Office) unterstützt. Es hat alle wichtigen Daten zu Rasse und ethnischer Zugehörigkeit in einer Datenbank zusammengetragen. Zum ersten Mal waren wir in der Lage, diesen Datensatz zu nutzen, um die Auswirkungen ethnischer Zugehörigkeit und anderer Faktoren auf die Ergebnisse zu verstehen. Das bedeutet auch, dass wir – anders als bei früheren Untersuchungen, die sich auf bestimmte Bereiche wie den Arbeitsplatz oder die Strafjustiz konzentrierten – in der Lage waren, einen breiteren Blick auf die wichtigsten Ungleichheiten zu werfen und deren tiefere Ursachen zu untersuchen.

Bei der Sichtung einer Fülle von Daten, der Lektüre von Expertenaussagen und Gesprächen mit den unterschiedlichen Gemeinschaften wurde uns schnell klar, dass wir aus Zeitgründen oder aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Daten nicht jedes Thema und jede Frage behandeln konnten. Wir haben auch einzelne ethnische Minderheitengruppen identifiziert, die eine signifikante Präsenz und eine eigene Identität haben, obwohl sie nicht groß genug für eine eigene Kategorie sind, wie z. B. srilankische, somalische oder ostafrikanische Asiaten. Wir anerkennen die Arbeit, die zu antimuslimischen Vorurteilen und Antisemitismus geleistet wurde, auch wenn sie außerhalb des Rahmens dieses Berichts liegt.

Das Wort »Misstrauen« begegnete uns oft, da einige Zeugen aus den Bereichen Polizei, psychische Gesundheit, Bildung und Gesundheitswesen das Gefühl hatten, das System sei nicht auf ihrer Seite. Bei der Untersuchung der Daten fanden wir zwar einige Hinweise auf Vorurteile, aber oft handelte es sich um die Wahrnehmung, dass man der Gesellschaft im Allgemeinen nicht trauen kann. Für einige Gruppen sind die historischen Erfahrungen mit Rassismus immer noch präsent und bei diesen war ein Zögern erkennbar, anzuerkennen, dass das Vereinigte Königreich offener und gerechter geworden ist.

Die Daten zeigten auch viele Beispiele für den Erfolg von Minderheiten. Diese werden oft ignoriert oder (von den Medien) als wenig interessant angesehen. Wir wollten aber die Gründe für den Erfolg verstehen und herausfinden, ob sich daraus Lehren ziehen lassen.

Dies ist auch die erste von der Regierung in Auftrag gegebene Studie zum Thema Rasse, die sich ernsthaft mit dem Problem der Familie auseinandersetzt.

In vielen Bereichen der Untersuchung, einschließlich Bildungsversagen und Kriminalität, wurden wir im Vorfeld auf den Zusammenbruch der Familie als einen der Hauptgründe für schlechte Ergebnisse hingewiesen. Die Familie ist auch für viele ethnische Minderheiten der Grundstein des Erfolgs.

Eine weitere Offenbarung aus unserem Tauchgang in die Daten war, wie festgefahren einige Gruppen der weißen Mehrheit sind. Als Ergebnis kamen wir zu der Ansicht, dass Empfehlungen, wo immer möglich, so gestaltet werden sollten, dass sie Hindernisse für alle beseitigen, und nicht nur für bestimmte Gruppen.

Es war eine ziemliche Entdeckungsreise. Während wir uns mit Menschen in Diskussionsrunden trafen, uns in unseren Versionen des »Moralischen Labyrinths« bewegten und Angehörigen aller Teile der Gesellschaft zuhörten, beeindruckte uns die Unterscheidung zwischen Ursachen, die außerhalb des Individuums liegen, und solchen, die durch das Handeln des Einzelnen selbst beeinflusst werden können. Im Laufe unserer Untersuchungen hatten wir zunehmend das Gefühl, dass ein unerforschter Ansatz zur Schließung von Ungleichheitslücken darin besteht, herauszufinden, inwieweit sich der Einzelne und seine Gemeinschaft durch eigenes Handeln selbst helfen können, anstatt darauf zu warten, dass sich unsichtbare äußere Kräfte zusammenfinden, um die Aufgabe zu erledigen.

Der Dichter und Aktivist Linton Kwesi Johnson unterscheidet bei der frühen Massenpräsenz von Schwarzen in Großbritannien zwei Phasen oder Epochen. Die erste stellt der sogenannte »Windrush« aus der Karibik in den 1950er Jahren dar, die er als »heroische« Periode bezeichnet, in der den neuen schwarzen Einwanderern, die heldenhaft gegen alle Widrigkeiten ankämpften, buchstäblich die Türen vor der Nase zugeschlagen wurden. Die Kinder dieser Einwanderer – meine Generation –, die in den 1970er und 1980er Jahren volljährig wurden, bezeichnet er als die »rebellische« Generation, in der es zu ständigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und einem Zusammenbruch der Beziehungen zwischen den Gemeinschaften kam, was bis heute ein negatives Erbe darstellt. Der Geist der Rebellion setzte sich letzten Sommer während der Black Lives Matter (BLM) Proteste fort. Dies war eine Revolte, die die ganze Welt erfasste. Wir müssen zugeben, dass der Geist von BLM der ursprüngliche Auslöser für unseren Bericht war.

Aber dieser Bericht spricht von einer neuen Periode, die wir als die Ära der »Partizipation« bezeichnen. Von »Partizipation« können wir nur sprechen, wenn wir anerkennen, dass sich das Vereinigte Königreich seit jenen Perioden in der Vergangenheit grundlegend verändert hat und eine offenere Gesellschaft geworden ist. Wir sprechen in diesem Bericht darüber, wie offen das Vereinigte Königreich für all seine Gemeinschaften ist. Aber wir sind uns sehr wohl bewusst, dass die Tür für einige, Angehörige der weißen Arbeiterklasse eingeschlossen, vielleicht nur halb offen ist. In diesem Zusammenhang haben wir aufgezeigt, wie das Vereinigte Königreich in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Gesundheit sowie Kriminalität und Polizeiarbeit eine integrativere und gerechtere Landschaft werden kann.

Bei der Teilhabe geht es jedoch nicht nur darum, die Türen zu öffnen, sondern wir sprechen auch von der Notwendigkeit, dass die Gemeinschaften sich durch diesen offenen Raum bewegen und die Chancen ergreifen müssen. Wir haben festgestellt, dass einige ethnische Minderheiten besser »teilnehmen« konnten als andere. Wir waren beeindruckt von dem »Immigranten-Optimismus« einiger der neuen afrikanischen Gemeinschaften. Sie gehören zu den neuen Leistungsträgern in unserem Bildungssystem. Da ihre karibischen Altersgenossen in denselben Klassenzimmern sitzen, ist es schwierig, Rassismus im Bildungswesen für die mangelnden Leistungen der letzteren verantwortlich zu machen.

Die neue Herausforderung der »Partizipation« lässt sich am besten an der Einstellungspolitik der Polizei verdeutlichen. Die Polizei muss zeigen, dass sie wirklich eine einladendere Organisation ist, und die schwarzen Gemeinschaften müssen das Erbe des Misstrauens überwinden. Wir haben Empfehlungen formuliert, die diese Kluft hoffentlich überbrücken werden. …

Im Gesundheitsbereich brauchen wir mehr Schwarze und Asiaten, die an Gesundheitsstudien teilnehmen, damit die medizinische Forschung auf Daten basiert, die von der gesamten Bevölkerung stammen. Unser neues Büro für Ungleichheiten im Gesundheitssystem (»Office for Health Disparities«) wird die Aufgabe haben, auf die spezifische Gesundheit und das Wohlbefinden ethnischer Gruppen einzugehen.

Die Unterrichtsressource »Making of Modern Britain« (die »Gestaltung des modernen Großbritannien«) ist unsere Antwort auf negative Forderungen nach einer »Entkolonialisierung« des Lehrplans. Weder das Verbot weißer Autoren noch die symbolische Würdigung schwarzer Leistungen werden dazu beitragen, das Bewusstsein junger Menschen zu erweitern. Wir haben uns gegen das Niederreißen von Statuen ausgesprochen, stattdessen wollen wir, dass alle Kinder ihr britisches Erbe zurückfordern. Wir wollen eine Unterrichtsressource schaffen, die sich mit dem Einfluss Großbritanniens befasst, insbesondere während der Zeit des Empire. Wir wollen sehen, wie das Britischsein den Commonwealth und die lokalen Gemeinschaften beeinflusst hat, und wie der Commonwealth und die lokalen Gemeinschaften das beeinflusst haben, was wir heute als »modernes Großbritannien« kennen. Ein gutes Beispiel wäre ein Wörterbuch oder Lexikon mit bekannten britischen Wörtern, die indischen Ursprungs sind. Es gibt eine neue Geschichte über die karibische Erfahrung, die davon spricht, dass es in der Sklavenzeit nicht nur um Profit und Leid ging, sondern auch darum, wie sich afrikanische Menschen kulturell in neu gestaltete britische Afrikaner verwandelten.

Ich wollte eines der Kapitel »Das Ende von BAME (»Black, Asian and minority ethnic« – schwarze, asiatische und andere ethnische Minderheiten)« nennen. Der Begriff »BAME-Community« fühlt sich an wie eine Gruppe, die nur durch das zusammengehalten wird, was sie nicht ist. Die Kommissare waren nicht beeindruckt von Unternehmen, die auf ihr »Training gegen unbewusste Vorurteile« als Beweis für ihre Fortschrittlichkeit hinwiesen. Beeindruckt waren wir hingegen von bewussteren Versuchen, Talente mit unterschiedlichstem Hintergrund zu fördern.

Einfach ausgedrückt: Wir sehen kein Großbritannien mehr, in dem das System absichtlich gegen ethnische Minderheiten gerichtet ist. Hindernisse und Ungleichheiten existieren, sie sind vielfältig, aber ironischerweise haben nur sehr wenige von ihnen direkt mit Rassismus zu tun. Allzu oft ist »Rassismus« eine Pauschalerklärung, und wird einfach implizit akzeptiert, anstatt explizit untersucht zu werden.

Die Beweise zeigen, dass Geografie, familiärer Einfluss, sozioökonomischer Hintergrund, Kultur und Religion einen größeren Einfluss auf die Lebenschancen haben als die Existenz von Rassismus. Nichtsdestotrotz nehmen wir die Realität des Rassismus ernst und leugnen nicht, dass er eine reale Kraft in Großbritannien ist.

Der Kommission war daran gelegen, ein an Beweisen orientiertes, rigoroseres Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen von Ungleichheiten zu erlangen. Wir plädieren jedoch dafür, den Begriff »institutioneller Rassismus« nur dann zu verwenden, wenn tiefsitzender Rassismus auf einer systemischen Ebene nachgewiesen werden kann, und ihn nicht als allgemeinen Sammelbegriff für jede Mikroaggression, ob bewusst oder unbewusst, zu verwenden.

Der Zweck dieses Berichts ist es, dem Vereinigten Königreich einen Fahrplan für Rassen-Fairness zu geben. Es gibt immer noch reale Hindernisse und es gibt auch praktische Wege, diese zu überwinden, aber das wird viel schwieriger, wenn Menschen mit einem Hintergrund ethnischer Minderheiten ein fatalistisches Narrativ übernehmen, das besagt, dass die Karten permanent gegen sie gemischt sind. Bewaffnet mit den reichhaltigen Daten des Teams Rassenungleichheit haben wir versucht, einige Mythen zu zerstreuen und eine nuanciertere Sichtweise zu erreichen.

Der Aufbau einer erfolgreichen multikulturellen Gesellschaft ist schwierig, und überall dort, wo eine solche Gesellschaft entsteht, gibt es rassische Ungleichheiten. Die Kommission ist davon überzeugt, dass die Umsetzung dieser Empfehlungen der Geschichte unseres Landes auf dem Weg zu einer erfolgreichen multikulturellen Gesellschaft – einem Leuchtturm für den Rest Europas und der Welt – weiteren Schwung verleihen wird.

Einleitung

Dieser Bericht kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die Rassendebatte in unserem Land. Wir müssen diese Debatte auf eine objektive und demokratische Grundlage stellen – eine Grundlage, die Menschen guten Willens, aller Rassen und Ethnien, einschließt.

Der Zweck dieses Berichts ist es, den Grundstein für ein Land zu legen, das auf der vollen Beteiligung und dem gegenseitigen Vertrauen aller Gemeinschaften aufbaut. Wir stellen uns ein Land vor, das mit sich selbst im Reinen ist, weil es erkennen kann, wo es Fortschritte gemacht hat. Ein Land, das zuversichtlich ist, dass dort, wo der ungleiche Zugang zu Chancen fortbesteht – sei es bei ethnischen Minderheiten in den Innenstädten oder bei den Zurückgebliebenen der ethnischen Mehrheit –, diese Probleme angegangen werden.

Wir glauben nicht, dass das Vereinigte Königreich bereits eine post-rassische Gesellschaft ist, die den langen Weg zur Chancengleichheit hinter sich hat. Und wir wissen, zu viele von uns aus persönlicher Erfahrung, dass Vorurteile und Diskriminierung immer noch einen Schatten auf das Leben werfen können. Offener Rassismus existiert in Großbritannien immer noch, ob er nun als Graffiti an den Geschäften anderer, als Gewalt auf der Straße oder als Vorurteil auf dem Arbeitsmarkt auftaucht. Er kann einen einzigartigen und unauslöschlichen Schmerz in der betroffenen Person verursachen und hat keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft.

Aber wir haben sichergestellt, dass unsere Analyse über diese Einzelfälle hinausgeht, und die Beweise und Daten sorgfältig untersucht. Und die Beweise zeigen, dass unsere Gesellschaft dennoch relativ offen ist. Das Land hat in 50 Jahren einen weiten Weg zurückgelegt, und der Erfolg eines Großteils der ethnischen Minderheiten im Bildungswesen und, in geringerem Maße, in der Wirtschaft sollte als Vorbild für andere Länder mit weißer Bevölkerungsmehrheit gelten.

In Großbritannien wird der Gleichstellung der Rassen in der Politik und in den Medien eine Bedeutung und Aufmerksamkeit beigemessen, die in anderen europäischen Ländern nur selten zu finden ist. Und es gibt eine Erwartungshaltung gegenüber den Stimmen ethnischer Minderheiten an der Spitze der Politik – quer durch die politischen Parteien und in den Bereichen Recht, Bildung, Medizin, Wirtschaft, Medien und Kultur –, die es vor einer Generation noch nicht gab und die anderswo noch zu selten ist.

Ja, es gibt immer noch einige »schneeweiße Gipfel« an der Spitze des privaten und öffentlichen Sektors, und nicht alles davon lässt sich mit der Tatsache erklären, dass die Mitglieder der ethnischen Minderheiten per Definition nicht so lange in die menschlichen Netzwerke und Institutionen des Landes eingebettet sind wie die weiße Mehrheit.

Aber ein Teil dieses Schnees schmilzt. Man betrachte die größere Präsenz ethnischer Minderheiten in der aktuellen Regierung und der Opposition, die diesmal Spitzenpositionen wie den Schatzkanzler, den Justizminister, den Wirtschaftsminister und den Innenminister besetzen. Oder den Vormarsch von Minderheiten in Macht- und Verantwortungspositionen in Berufen wie der Rechtswissenschaft und der Medizin. Ethnische Minderheiten sind nun auch in den höchsten sozialen Schichten gut vertreten, und Studenten aus ethnischen Minderheiten stellten fast ein Viertel derjenigen aus Großbritannien, denen 2019 ein Studienplatz in Oxford angeboten wurde. Darüber hinaus haben uns unsere Untersuchungen auch gezeigt, dass die Wurzeln von Vorteil und Nachteil für verschiedene Gruppen komplex sind und oft genauso viel mit der sozialen Klasse, der »Familien«-Kultur und der Geografie zu tun haben wie mit der ethnischen Zugehörigkeit. Wir haben versucht, die treibenden Kräfte für ethnische Unterschiede in Großbritannien zu verstehen und, wo nötig, Wege vorzuschlagen, diese zu beseitigen. Die Daten, die vom Team Rassenungleichheit der Regierung seit nunmehr 5 Jahren gesammelt werden, haben uns eine neue Möglichkeit gegeben, uns von Erkenntnissen leiten zu lassen.

Seit 2010 wurden von den aufeinanderfolgenden Regierungen mehrere Untersuchungen zur rassischen und ethnischen Ungleichheit in Auftrag gegeben, die eine Reihe von Themen abdecken, die für die Schwerpunktbereiche dieser Kommission relevant sind. Sie haben sich tendenziell mit spezifischen Problemen befasst und manchmal nach schnellen Lösungen gesucht. Die aufeinanderfolgenden Regierungen haben sich aufrichtig bemüht – und tun dies auch weiterhin -, diese Empfehlungen umzusetzen, sofern sie angenommen wurden. Diese Kommission hat einen anderen Ausgangspunkt gewählt: Sie hat sich mit den zugrunde liegenden Ursachen der Ungleichheiten befasst, um besser zu verstehen, warum sie entstanden sind und was getan werden kann, um sie langfristig zu beseitigen.

Wir haben versucht, auf der detaillierten Arbeit aufzubauen, die diese Überprüfungen geleistet haben, und haben die Ergebnisse mit allen Gutachtern diskutiert. Vielen stimmten wir im Großen und Ganzen zu, und alle sollten für die bedeutenden Beiträge, die sie zur nationalen Diskussion und zur Erweiterung der Evidenzbasis geleistet haben, gewürdigt und anerkannt werden.

In den Hauptkapiteln dieses Berichts betrachten wir 4 Schlüsselbereiche:

  • Bildung und Ausbildung
  • Beschäftigung, Fairness am Arbeitsplatz und Unternehmen
  • Kriminalität und Polizeiarbeit
  • Gesundheit

Wir untersuchten die Überschneidung einiger der relevantesten Ursachen, die die Chancengleichheit behindern, nämlich

  • Ethnizität
  • sozioökonomischer Hintergrund
  • Geografie
  • Kultur und Grad der Integration

Wir fanden heraus, dass die meisten der von uns untersuchten Ungleichheiten, die von einigen auf rassistische Diskriminierung zurückgeführt werden, ihren Ursprung oft nicht im Rassismus haben.

Rassismus ist zu einem der stärksten Tabus in Großbritannien geworden, was vor 50 Jahren noch nicht der Fall war. Einige argumentieren, dass dies den Rassismus nur in den Untergrund getrieben habe, wo er so mächtig wie eh und je wirke, um ethnischen Minderheiten die Gleichberechtigung zu verwehren. Diese Annahme steht im Widerspruch zu den Erfolgsgeschichten, die dieser Bericht gefunden hat, sowie zu Umfragen, die belegen, dass die Vorurteile der Weißen schwinden.

Es ist sicherlich richtig, dass das Konzept des Rassismus viel fließender geworden ist und von offener Feindseligkeit und Ausgrenzung bis zu unbewussten Vorurteilen und Mikroaggressionen reicht. Das liegt zum Teil daran, dass ethnische Minderheiten höhere Erwartungen an die Gleichbehandlung haben und zu Recht kein Verhalten tolerieren, das noch vor ein paar Generationen wahrscheinlich stillschweigend ertragen oder achselzuckend hingenommen worden wäre. Die Tatsache, dass diese Generation mehr erwartet, ist ein positiver Aspekt der Integration.

Allerdings gibt es auch eine zunehmend schrille Form des Anti-Rassismus-Denkens, das alle Benachteiligungen von Minderheiten durch das Prisma der Diskriminierung durch Weiße zu erklären versucht. Dies lenkt die Aufmerksamkeit von den anderen Gründen für Erfolg und Misserfolg von Minderheiten ab, einschließlich derer, die in den Kulturen und Einstellungen dieser Minderheitengemeinschaften selbst liegen.

Vieles deutet darauf hin, dass zum Beispiel unterschiedliche Erfahrungen im Familienleben und in der Familienstruktur viele Ungleichheiten bei den Bildungsergebnissen und der Kriminalität erklären können. Die Erfahrungen der frühen Jahre, einschließlich der Stabilität und Sicherheit zu Hause, sind für Kinder wichtiger als alles andere. Es gibt viele verschiedene Familienstrukturen, die für eine glückliche Kindheit sorgen können, einschließlich Millionen von Alleinerziehenden, die unter schwierigen Umständen eine liebe- und wirkungsvolle Arbeit leisten.

Es ist jedoch klar, dass es weiterhin einer expliziteren öffentlichen Förderung der Unterstützung von Eltern und Familien bedarf. Wir lehnen sowohl die Stigmatisierung alleinerziehender Mütter als auch das Verschließen der Augen vor den Auswirkungen des Zusammenbruchs von Familien auf die Lebenschancen von Kindern ab.

Die Arbeit der Kommission wurde im Schatten der COVID-19-Pandemie und der Tatsache durchgeführt, dass einige ethnische Minderheitengruppen unverhältnismäßig stark von dem Virus betroffen sind. Bei der Analyse, warum dies der Fall ist, wurde die Bedeutung einer breiten Palette ineinandergreifender Faktoren (einschließlich Geografie, Beruf, Deprivation und vorbestehende Gesundheitsbedingungen) deutlich. Bei der Betrachtung der Gesamtgesundheit der britischen Bevölkerung wird jedoch auch deutlich, dass es mehr als eine Geschichte zu erzählen gibt. Wie wir im Kapitel über Gesundheit berichten, zeigt die Lebenserwartung oder Gesamtsterblichkeit, dass ethnische Minderheiten insgesamt besser abschneiden als die weiße Bevölkerung und bei vielen der 25 häufigsten Todesursachen sogar bessere Ergebnisse erzielen.

Dieser Bericht versucht, die Problematik der rassischen und ethnischen Ungleichheiten in ausgewogener Weise anzugehen, indem er sowohl die Erfolgsgeschichten hervorhebt, die die Daten offenbaren, als auch untersucht, was sich hinter einigen der hartnäckigsten und dauerhaftesten Ungleichheiten verbirgt. Daher mögen die Ergebnisse und Empfehlungen für einige überraschend sein und andere zum Nachdenken anregen. In jedem Fall sind wir so weit gegangen, wie es die verfügbaren Daten und die Zeit zuließen.

Der Originalbericht kann hier heruntergeladen werden

Fortsetzung


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