Jenseits der Seraphim – 1910 – Zur Christologie Rudolf Steiners (26)

William Blake, Elohim erschafft Adam

William Blake, Elohim erschafft Adam. Copyright-Info am Ende des Beitrags.

Einige der weiter oben angekündigten »Enthüllungen« tieferer Schichten der christologischen Wesenskunde finden sich in einer Vortragsreihe[1] für Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft, die im Anschluss an die Aufführung der Pforte der Einweihung im August 1910 in München stattfand. Diese Reihe, die man als eine große Hommage an die jüdische Spiritualität und die Elohim bezeichnen könnte, wurde 1911 als Zyklus 14 von Marie Steiner herausgegeben und erschien 1932, ein Jahr vor der Machtergreifung, erstmals in Buchform. Über die Nachschriften ist nichts Näheres bekannt, Steiner scheint sie nicht durchgesehen zu haben.

Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte (GA 122) bieten eine tiefschürfende Deutung der Genesis aus dem Geist der hebräischen Sprache, eine Deutung jenes Buches, das, wie Steiner sagt, aus den »lebendigen Anschauungen des Sehertums« entstanden ist, das seine Erfahrungen in den ersten Kapiteln der Tora verschriftlicht hat. Was der Seher schaut, lässt sich »nur in Bildern ausdrücken«, die aber – wenn die sprachliche Verdolmetschung gelingt – eine Vorstellung von dem Geschauten hervorrufen können. Die hebräische Sprache dieses Textes rief einst in den Menschen, die meditativ mit ihm umgingen, Bilder (Imaginationen) hervor, die sich mit dem vergleichen lassen, was der Seher auch noch heute sieht, wenn er vom Sinnlichen ins Übersinnliche voranschreitet. Die Schilderungen der Weltschöpfung im Buch Bereschit beziehen sich jedoch laut Steiner nicht auf die Uranfänge des Kosmos, jene drei planetarischen Metamorphosen, die als okkulter Saturn, okkulte Sonne und okkulter Mond der Erde vorangingen, sondern auf den Beginn der vierten Metamorphose, die jetzige Erde – genauer gesagt, auf jene Zeiträume, als die Sonne sich von der Erde trennte. Eine gewaltige Weltkugel steht vor dem Auge des Sehers, die sich in sonnenhafte und erdartige Elemente spaltet und aus diesem »Stoffgehäuse« blicken ihm die Antlitze geistiger Wesen entgegen, die in diesem Gehäuse weben. Diese Wesen, die Elohim oder »Götter«, »schufen Himmel und Erde«. Aber ihr Schaffen war in Wahrheit ein Sinnen, ein kosmisches Denken, also ein Bewusstseinsvorgang, der sich im »Inneren« dieser Elohim abspielte. Ihr Sinnen brachte zwei »Vorstellungskomplexe« hervor: ein gedankenartiges und ein willensartiges Element (haschamajim, ha’arez – »das nach außen hin Erscheinende«, »das nach innen Regsame«, Himmel und Erde). Wer aber waren diese Elohim? Um eine Gruppe von Wesen handelt es sich, die durch Saturn, Sonne und Mond hindurch unterschiedliche Fähigkeiten entwickelt hatten und zu Beginn der Erdentwicklung »den Entschluss fassten«, ihre Tätigkeit auf ein gemeinsames Ziel auszurichten: auf die Erschaffung des Menschen.

Das Sinnen der Elohim zu Beginn der Erdentwicklung war nicht voraussetzungslos: es ist vielmehr wie eine kosmische Erinnerung, in der die Ergebnisse des gesamten vorausgegangenen Weltendramas im Bewusstsein dieser Wesen eine neue Gestalt annahmen. Der ganze aus Wasser, Luft und Wärme bestehende Kosmos muss zu diesem Zeitpunkt als eine Art »Leiblichkeit« der Elohim aufgefasst werden, wobei sich in der Wärme eher ihr Geist, der »ruach Elohim« ausdrückt, in Luft und Wasser eher ihr Leibliches. Dieser Geist »brütet« (m’rachephet) über den Wassern und strahlt Wärme über sie aus. Im weiteren Verlauf zieht sich das Licht aus der Finsternis zurück (Sonnentrennung) und es differenzieren sich die verschiedenen Ätherarten, vom Wärme- bis zum Lebensäther. In der brütenden Wärme lebt sich nun das »niedrige Geistige der Elohim« aus, so wie die »Begierden« in der Seele des Menschen, ihre höhere Geistigkeit zieht mit dem haschamajim aus dieser Finsternis aus und lebt in Licht und Klang, die durchdrungen sind vom Weltenwort, aus dem alles Leben entspringt. In diesem elementarischen Gewoge kann es natürlich keine menschliche Gestalt mit zwei Beinen und Armen geben, die aufrecht geht, vielmehr erscheint der Mensch, der aus den Elohim hervorgeht, als »sich selbst organisierender, makrokosmischer Mensch«. Erst nachdem durch die ersten fünf Schöpfungstage hindurch dank des sinnenden Gestaltens und Umgestaltens der Elohim die Bedingungen der Erdenexistenz geschaffen worden sind, steht ein »Wesensgefäß« bereit, in das sie »die Menschenform« hineinprägen können, um ihr schließlich das Ich »einzugießen«. Nun – im Hinblick auf den sechsten Schöpfungstag – ist (im vierten Vortrag vom 19. August)[2] von sieben Elohim die Rede, die diesem zu schaffenden Wesen »alles« einflößen, »was in ihnen lebt«. Nur gemeinsam vermögen sie ihr höchstes Werk zu vollbringen. »Jetzt wird [in der Genesis] eine neue Sprache gesprochen, da die Krönung der Schöpfung bevorsteht: ›Lasset uns … den Menschen machen‹«. »Das«, so Steiner, »klingt wie eine Beratung der Sieben zusammen«. Zuletzt erscheint die ätherische Form des Menschen – hierbei könnte es sich auch um die physische Form in ätherischer Gestalt handeln[3] – »als Ausdruck dessen«, was die Elohim sich während der Saturn-, Sonnen- und Mondentwicklung an Fähigkeiten und Kräften angeeignet haben. »Der Mensch ist etwas Gewaltiges in der Welt, weil sieben Tätigkeiten zu einer Gruppe zusammenfließen mussten, um ihn zustande zu bringen. Ein Ziel für Götter ist die Menschenform auf der Erde«.

Im fünften Vortrag (20. August) wird die Stellung der Elohim innerhalb der »Hierarchienordnung« angesprochen. »Welcher Art waren denn eigentlich die Elohim, was waren das für Wesenheiten?« Es handelt sich um Exusiai, Gewalten, Geister der Form. Exusiai sind geistige Wesenheiten, »die, als unser planetarisches Dasein mit dem alten Saturn begann, schon über das Menschendasein hinausgeschritten waren«, das die Archai in diesem ersten kosmischen Zustand durchlebten. Die Elohim stehen »um vier Grade höher als der Mensch«, sie vermögen durch ihr Sinnen schöpferisch zu wirken, so wie der Mensch nur in bezug auf seine Gedankengebilde. Ihr Sinnen ist kein bloßes Ordnen, Bilden und Schaffen innerhalb einer Gedankenwelt, sondern »Wesengestalten und Wesenschaffen«. Im Folgenden kommt Steiner auf die Archai, die Geister der Persönlichkeit zu sprechen. Von ihnen ist in der Genesis die Rede, wenn es heißt: »Und es ward Abend und es ward Morgen, ein Tag«. Was ist mit Tag, »jom«, gemeint? Die Bedeutung dieses Ausdrucks wird – bemerkenswerterweise – durch eine Anschauung der Gnostiker erläutert, durch die Lehre von den Äonen. Die gnostischen Äonen sind Wesen, die nacheinander in die Entwicklung der Erde eingreifen, nicht abstrakte Zeiträume. Ein Äon ist »etwas lebendig Wesenhaftes«. Dasselbe meint der hebräische Ausdruck jom. Sieben aufeinanderfolgende »jamim« (Tage) sind sieben Wesenheiten, die sich in ihrer Tätigkeit abwechseln. Bezeichnet werden damit Geister, die den Elohim untergeordnet sind. Die Archai oder »Zeitgeister« (»Geister der Umlaufszeiten«) sind dienende Geister der Elohim. Nach der Charakterisierung der Archai fällt eine methodisch bedeutsame Zwischenbemerkung: »So ordnet sich … für unsere Weisheit alles in ein großes System zusammen. Allerdings erst, wenn sie jahrelang verfolgen, was gesagt wird, werden sie einen rechten Überblick bekommen von der Art, wie sich wirklich restlos alles zusammenordnet«.

Von diesen Archai, den Geistern des Saturn, ist auch im folgenden Vortrag (21. August) die Rede. Denn dem Licht des »Tages« steht die Finsternis der »Nacht« gegenüber, ja sie geht ihm sogar voraus. (»Die Erde aber war Wüste und Leere und Finsternis über der weiten Tiefe – Da sprach Gott [Elohim]: Es werde Licht. Und Licht ward.«) Was hat es mit der Finsternis auf sich? Sie ist die Offenbarung von Wesen, die auf dem alten Saturndasein stehengeblieben sind, auf dem das Licht der Sonne noch nicht in Erscheinung getreten war. Solchen Wesen, die das Opfer brachten, alte Entwicklungszustände festzuhalten, sind wir bereits früher begegnet. Sie sind im Gang der Evolution notwendig, da ohne sie die entstandene Differenzierung wieder verlorenginge. Wenn alles sich gleichzeitig und gleichsinnig entwickelte, gäbe es keine Differenz und damit keine Entwicklung. Entwicklung setzt Ungleichzeitigkeit voraus, Ungleichzeitigkeit das Ineinander- und Nebeneinanderbestehen des Früheren und des Späteren. Goethes Farbenlehre handelt vom Zusammenwirken der zwei polarischen Entitäten Licht und Finsternis. Licht und Finsternis sind der Ausdruck unterschiedlicher Geisteszustände. Die Materie, die gemäß der physikalischen Theorie den Raum ausfüllen soll, ist laut Steiner in Wahrheit ein gewisser Grad von Finsternis. Finsternis ist aber nicht bloß Abwesenheit von Licht, sondern eine positive Entität, die Offenbarung der zurückgebliebenen Saturnwesen oder Archai. Im Gegensatz zum Licht, das sie ersinnen, finden die Elohim diese Finsternis als Ergebnis der vorausgegangenen Entwicklung bereits vor. Den »unmittelbaren Dienern« des Lichtes, den fortgeschrittenen Archai, stehen ihre finsteren Brüder, die Diener der Finsternis, gegenüber. Sie sind »aus Entsagung« in der Finsternis verblieben, um die für die Entwicklung notwendige Differenzierung zu bewirken. Die Finsternis ist für das Leben ebenso notwendig, wie das Licht. Ohne Licht gäbe es kein Leben, kein Bewusstsein, ohne Finsternis aber auch nicht. Denn das Licht des Bewusstseins zerstört das Leben. Die wachbewusste Seelentätigkeit baut den Leib ab. Was die Seele als bewusstes Innenleben entfaltet, »verbraucht fortwährend die Kräfte des äußeren physischen Leibes«. Daher bedarf er der Regeneration in der Finsternis des Schlafs. Zerstörungsprozesse vollziehen sich im Wachzustand, Aufbauprozesse während des Schlafs. Während des Wachens wirken auf den Menschen abbauende Kräfte des Universums ein, während des Schlafens aufbauende. Bei den letzteren handelt es sich um dieselben Kräfte, die bereits auf dem alten Saturn seinen physischen Leib aufbauten. »Nun musste … wenigstens während einer gewissen Zeit diese aufbauende Tätigkeit erhalten bleiben … Das konnte nur dadurch bewirkt werden, dass Saturnwesen zurückgeblieben sind, die das Aufbauen besorgen. Sie sehen also, dass es in der kosmischen Entwicklung notwendig war, dass für unsere Schlafenszeit die Saturnwesen zurückgehalten wurden, damit sie, wenn kein Licht vorhanden ist, den Aufbau des zerstörten physischen Leibes bewirken. So müssen hineinverwoben sein in unser Dasein die zurückgebliebenen Saturnwesen. Ohne sie würden wir überhaupt nur zerstört. Wie müssen einen Wechselzustand haben, ein Zusammenwirken von Sonnenwesen und Saturnwesen, von Lichtwesen und Finsterniswesen«.[4] In diesem Ineinanderweben von Licht und Finsternis »liegt eines der Geheimnisse der kosmischen Alchemie«. »Laj’lah«, Nacht, ist also »nichts anderes als der Name für die zurückgebliebenen Archai«.

»Die Elohim«, so Steiner weiter, »zeichneten die großen Linien des Daseins; zu der untergeordneten Arbeit setzten sie ein die fortgeschrittenen Archai und sie stellten auf als Helfer diejenigen, die in Resignation, damit das Dasein zustande kommen könne, auf der Saturnstufe in Dunkelheit zurückgeblieben sind«[5].

»Wie steht es nun mit den weiteren Hierarchien?« wird gefragt. Der Redner lenkt den Blick zunächst auf die Erzengel oder Feuergeister. Sie hängen »innig« mit dem Sonnendasein zusammen, weil sie auf der okkulten Sonne ihre Menschenstufe durchlebten. Als es auf dem okkulten Mond zur ersten Trennung der Sonne vom Vorfahren der heutigen Erde kam, zogen diese Erzengel mit der Sonne und ihrem Licht von der Erde fort. Von ihnen ist beim Übergang des dritten zum vierten Schöpfungstag die Rede, wenn es heißt: »Und die Elohim setzten die Zeichen für die Zeiten, Tag und Jahr«. Damit sind keine abstrakten Zeichen gemeint, sondern lebendige Wesen, die sich in der Aufeinanderfolge dessen, was zeitlich geschieht, kundgeben. Die Elohim, so Steiner, »stellten die Ordner des Zeitenlaufs für die Wesen der Erde an ihre Plätze, die Ordner besonders markanter Zeitpunkte, größerer oder kleinerer Zeiträume«. Diese Ordner des Lebens stehen unter den Archai. Sie sind »die Zeichensetzer« für das, was innerhalb der Tätigkeit der Archai zu ordnen, zu gruppieren ist. Die Erzengel wirken aus dem kosmischen Raum durch die Konstellationen der die Erde umgebenden Lichtwesen und führen »die großen Anordnungen der Archai« im Einzelnen aus. Diese »Untergeister« der Archai, die später zu Führern größerer Menschengruppen wurden, wirkten bereits, als die Menschheit in ihrer heutigen Form noch gar nicht existierte. Die Elohim ließen durch ihr schaffendes Sinnen das Licht aufleuchten und offenbarten sich durch das Licht. Sie setzten innerhalb des Lichtes für die kleineren Tätigkeiten die lichten Archai ein und stellten ihnen ihre dunklen Brüder zur Seite. Danach schritten sie weiter fort und setzten für jene Tätigkeiten, die ein Inneres (Astralisches) hervorriefen, das ein Spiegelbild des Äußeren erzeugen kann, die Erzengel ein. Letztere waren es, die das in Vorstellung und Empfindung sich entfaltende seelische Leben auf der Erde erweckten.

Der siebente Vortrag (22. August 1910) ist dem Zusammenwirken der ersten Triarchie der Seraphim, Cherubim und Throne mit den anderen Triarchien gewidmet und thematisiert erstmals die Schöpfung des Menschen. Wie wir aus früheren Darstellungen wissen, opferten die Throne auf dem alten Saturn »gewissermaßen« ihre Leiblichkeit, um die Grundsubstanz für diese erste Stufe der planetarischen Evolution bereitzustellen. In dieser Grundsubstanz arbeiteten die Archai, die »Saturnmenschen«, »ihre eigene Menschlichkeit aus«. Die Throne blieben aber mit der von ihnen ausgegossenen Substanz auch während der folgenden Entwicklungszustände verbunden. Sie verdichteten die Wärme des Saturn auf der alten Sonne zum Gaszustand, auf dem alten Mond zum flüssigen Zustand und auf der Erde zum Festen. »Hinter allem, was uns als Festes entgegentritt, wirken und weben die Geister des Willens«. Wenn also die Elohim durch ihr kosmisches Sinnen das Feste aus dem Flüssigen heraussondern, dann wirken in diesem Sinnen die Geister des Willens mit, »die das Objektive in ihrer eigenen substantiellen Wesenheit wieder hervorbringen«.[6] Im Schaffen der Elohim, der Geister der Form, wirken die Throne – die Elohim sind Organe des Willens der Throne. »Diese Geister des Willens … haben uns in der Tat den festen Untergrund gebaut oder, besser gesagt, gedichtet, auf dem wir dahinschreiten. Diejenigen, die als Esoteriker den Erzeugnissen der Geister des Willens innerhalb unseres Erdendaseins Namen gaben, sie nannten diese Geister die Throne, weil sie uns in der Tat die Throne gebaut haben, auf die wir als auf einen festen Untergrund uns immerdar stützen …« Dagegen ist hinter den Kräften, die das Wässrige konstituieren, das einen geringeren Grad der Verdichtung aufweist, eine niedrigere Kategorie von Wesen zu sehen – die Kyriotetes oder Geister der Weisheit nämlich. Im Luftförmigen wiederum wirken und offenbaren sich die Geister der Bewegung, die Dynamis und im Wärmehaften die Geister der Form. Nun wissen wir aus früheren Darstellungen, dass wir im Wässrigen zugleich die physischen Leiber der Engel, im Luftigen die physischen Leiber der Erzengel und im Wärmehaften die physischen Leiber der Archai zu sehen haben. Der physische Leib des Engels ist nicht nur eine Offenbarung des Engels, sondern auch der Kyriotetes, der physische Leib des Erzengels offenbart zugleich die Tätigkeit der Geister der Bewegung und jener der Archai die Geister der Form. Man könnte daher auch vom Wasser als »physischem Leib« der Geister der Weisheit, der Luft als physischem Leib der Geister der Bewegung und vom Feuer als physischem Leib der Geister der Form sprechen. Aber mehr noch: »das eigentliche Kraftelement der Elohim«, die Wärme, durchzieht alles, es durchdringt die gesamte Schöpfung – d.h. auch das Feste. Wir werden also im Festen nicht nur den Leib der Geister des Willens finden, sondern sehen den Leib dieser Geister durchsetzt und durchwoben von den Elohim. Die Geister der Form wirken also wiederum im Schaffen der Throne.

Wie erscheint nun substantiell der sich ausbreitende Leib der Throne? Als feste Materie. Die sich ausbreitende Materie ist aber überall durchsetzt vom Wirken der Geister der Form, daher ist sie nirgendwo amorph, sondern drängt stets zur Form. Das Amorphe, Gestaltlose, Staubartige im Weltenbau ist »zerprengte«, »zermalmte«, »zermürbte« Form. Das sich ausbreitende Feste dagegen »hat den Drang, kristallinisch zu sein«. »Dadurch, dass sich überhaupt etwas manifestiert, was wir materielles Dasein nennen, kündigt es sich an als Wesenhaftigkeit der Throne. Dadurch, dass es gestaltet erscheint … kündigt es sich an als äußere Offenbarung der Elohim«. Daher der Name »Geister der Form«. In der Kristallisierung manifestieren sich die Kräfte der Exusiai, die in der Substanz der Throne wirken: »Da sind sie tätig, die Schmiede in ihrem Wärmeelement und schmieden aus der gestaltlosen Substanz der Geister des Willens die kristallinischen Formen der verschiedenen Erden und Metalle. Das sind die Geister in ihrer Wärmetätigkeit, die zugleich das formende Element des Daseins sind«.[7] Ein grandioses Bild! Und was sich auf diese Weise manifestiert, vollzieht sich im Medium der Zeit, des physischen Leibes der Archai. Die Geister der Form wirken in der Substanz der Throne, sie wirken in der Substanz der Archai, im Leib der Zeit. Das heißt konkret: Wesensdurchdringung.

Schließlich finden sich im Umkreis der Erde auch Offenbarungen der Cherubim und Seraphim: dort nämlich, wo sich das aufsteigende Wässrige, das dampfförmig wird, zu Wolken ballt, manifestiert sich das Wirken der Cherubim und wo aus den Wolken Blitz und Donner hervorbrechen, jenes der Seraphim.

Das ganze Weben und Wesen der Hierarchien, wie es von der Genesis geschildert wird flicht sich in das Werden der Erde und dichtet sich zuletzt zu jener übersinnlichen Wesenheit zusammen, von der es heißt, die Elohim hätten beschlossen, sie zu schaffen. Alle Hierarchien mussten zusammenwirken, um das Erscheinen des Menschen vorzubereiten. Und da woben die Elohim »alles das, was sie im einzelnen konnten, zu einem Gesamtwerk zusammen. Alle Tätigkeiten, die sie herüberbrachten von früheren Stufen, woben sie zusammen, um zuletzt den Menschen hervorzurufen«.

Aber »zur letzten Krönung der hierarchischen Ordnung«, zur Hervorbringung des Menschen, »musste noch eine Hilfe kommen von einer Seite her, die in einer gewissen Beziehung noch höher liegt als alle diese Hierarchien. Wir blicken also gleichsam über die Seraphim hinauf nach einer zunächst unbekannten, nur geahnten göttlichen Wesenheit«.[8] In jenem Augenblick also, in dem die Geister der Form sich anschicken, den Menschen hervorzubringen, beginnt die Trinität mitzuwirken, beginnt insbesondere der Logos mitzuwirken, damit der Mensch zum Bilde Gottes, zum Bilde von Vater, Sohn und Heiligem Geist werden kann. Bevor sie begannen, den Menschen zu schaffen, mussten die Elohim ihre schöpferische Tätigkeit lediglich »mit der Tätigkeit der Hierarchien bis zu den Seraphim hinauf« in Einklang versetzen. »Dann aber musste ihnen eine Hilfe kommen von jener Seite, zu der wir eben ahnend den geistigen Blick erheben, die sozusagen über den Seraphim steht«. »Wenn die Elohim zu dieser schwindelerregenden Höhe hinauf ihre schöpferische Tätigkeit richten wollten, so dass sie Hilfe von dieser Seite empfangen konnten, dann … mussten [sie] sozusagen über sich selbst hinauswachsen. Sie mussten lernen, mehr zu können, als sie bloß im Vorbereitungswerke gekonnt hatten«.[9]

Durch ihre Tätigkeit vor der Erschaffung des Menschen lernten sie etwas, das zu ihrer eigenen Weiterentwicklung führte, und diese Weiterentwicklung bestand darin, dass sie ein »gewisses Einheitsbewusstsein« erlangten. Sie waren nun nicht mehr bloß eine Gruppe von sieben zusammenwirkenden Einzelwesen, sondern wurden zu einer wesenhaften Einheit: ja, die Einheit selbst wurde wesenhaft. Sie wurde zu einer geistigen Realität, die als »Elohimheit« bezeichnet werden kann, »die sich auf siebenfache Weise offenbart«. »Und diese reale Einheit der Elohim, in welcher die einzelnen Elohim tätig als Glieder, als Organe wirken, nennt die Bibel Jahwe-Elohim«.[10] Wiederum ein geistiger Gliedorganismus also, in dem verschiedene Wesen, geleitet von einem gemeinsamen Bewusstsein, das aus ihnen hervorgewachsen ist, als Organe dieses Bewusstseins zusammenwirken. Und dieses Zusammenwachsen zur Einheit wird dadurch ermöglicht, das in diesen Gliedorganismus etwas einfließt, was von jenseits der Hierarchien, aus der Trinität, stammt. Der Logos, das Weltenwort, ergießt sich in die Siebenheit der Elohim, formt aus diesen eine Wesenheit mit einem Gesamtbewusstsein und schreitet zur Schöpfung des Menschen fort. Und da diese Elohim eine reale Einheit sind, ließe sich dies auch so ausdrücken: der Logos-Christos wird zu einem Geist der Form, einem Sonnenwesen, und offenbart sich siebenfach durch dasselbe.

Mit der Schöpfung des Menschen durch die vom Logos durchdrungenen Elohim befasst sich der neunte Vortrag vom 24. August 1910. Den Menschen bezeichnet die Genesis als Adam, »den Erdigen«.[11] Er ist »das Erdenwesen kat’ exochen«. Aber der Mensch tritt am sechsten Schöpfungstag nicht »wie aus der Pistole geschossen« ins Dasein, sondern ist schon vorher vorhanden, allerdings nicht als Geschöpf aus Fleisch und Blut, sondern als geistig-seelisches Wesen, aus dem das physische hervorgeht.  »So wie das Wasser erstarrt zu Eis, so haben wir uns etwa am sechsten Schöpfungstage durch das Werk der Elohim den seelisch-geistigen Menschen als erstarrend, gleichsam sich verdichtend zum Erdenmenschen vorzustellen«. Dieser geistig-seelische Mensch existiert vor dem sechsten Tag im Schoß der himmlischen Wesen, im Umkreis der Erde. Während der Geist der Elohim über den Wassern brütet, nimmt seine Empfindungsseele in der geistig-seelischen Atmosphäre der Erde – am ersten Schöpfungstag – Gestalt an. Als »Verfeinerung« der Empfindungsseele bildet sich am zweiten Schöpfungstag die Verstandes- oder Gemütsseele und am dritten die Bewusstseinsseele, während auf der Erde durch die Einwirkung des Lebensäthers die Urformen der Pflanzengattungen in Erscheinung treten. Im Umkreis der Erde, in der Substanz verschiedener geistiger Wesen lebt der seelisch-geistige Mensch. Er ist »wie ein Organ innerhalb der Elohim, der Archai und so weiter«, »in deren Leibern er als Glied vorhanden ist«. Der himmlische Vormensch ist also Teil des hierarchischen Gliedorganismus. Um die Erde betreten zu können, muss er sich verdichten, so wie die Erde sich verdichtet. Die Seelenglieder müssen sich am vierten Schöpfungstag mit einem Astralleib umgeben. Aus der Astralwelt, der Sternenwelt fließen die Kräfte zusammen, aus welchen sich dieser Leib bildet. Darum ist in der Genesis auch davon die Rede, dass am vierten Tag die Sterne ihre Tätigkeit entfalten. Am folgenden Tag, dem fünften, verdichtet sich der Mensch weiter im Ätherischen, noch immer lebt er im Umkreis der Erde. Bevor er auftritt, bevölkert sich die Erde mit tierischem Leben. Die Tiere sind deshalb Tiere geworden, weil die Gattungsseelen der Tierformen herabgestiegen sind, als die Erde noch nicht reif war, die Menschenform hervorzubringen. Als die Elohim sich zu jenem Einheitsbewusstsein erhoben, von dem weiter oben gesprochen wurde, trat ein weiterer Verdichtungszustand der Erde ein, in dem sich ihr Bewusstsein manifestierte: ihr Wärmeleib ging in den Luftzustand über. Erst als die Elohim zu Jahwe-Elohim geworden waren, konnte »der Mensch« ihre Kraft in sich aufnehmen, und sich in der Luft inkorporieren. Er reifte also in einem ätherisch-geistigen Dasein heran, und nahm die dichtere Leiblichkeit erst an, »als Jahwe-Elohim die irdische Wesenheit des Menschen bilden konnte, indem er ihm die Luft«, den Odem »einhauchte«. Dies geschah am sechsten Schöpfungstag. Zu dieser Zeit bildet sich der physische Leib des Menschen. Mit physischen Augen wäre er jedoch nicht wahrnehmbar gewesen, bestand er doch lediglich aus Wärme. Der nächste Verdichtungszustand dieses Wärmeleibes, das Einströmen der Luft, tritt erst nach dem sechsten Schöpfungstag ein.

Die ursprüngliche Heimat des Menschen ist nicht auf der Erde, sondern in deren Umkreis zu suchen, der paradiesische Mensch lebte in der Atmosphäre als Wärme-Luftwesen. Wie gelangte er aus den Wolkenhöhen auf die Erde herab? Durch den luziferischen Einfluss. Die retardierten Engelwesen, die mit diesem Namen bezeichnet werden, ergossen sich in den menschlichen Astralleib und entfachten darin ein leidenschaftliches Begierdenleben. In den Astralleib, der ursprünglich aus Sternensubstanz gewoben war, mischte sich die Finsternis der Begierde und des Egoismus. Die Verdichtung des Astralleibs hatte eine Verdichtung der leiblichen Organisation des Menschen zur Folge: sein Wärme-Luftleib ging in einen wässrig-erdigen Leib über. Es bezeichnet »ziemlich richtig den Tatbestand«, wenn gesagt wird: »Durch diese durch den luziferischen Einfluss bewirkte Zusammenpressung des Menschenleibes wurde der Mensch schwerer und sank herunter aus dem Umkreise auf den Erdboden. Das war der Austritt aus dem Paradies …«.[12] »Wir müssen also diesen luziferischen Einfluss unter die wahrhaftigen Bildekräfte des Menschen«, ja zu den »die Erde konstituierenden Kräften« zählen.[13]

Auch der zehnte und elfte Vortrag gehen auf die Schöpfung des Menschen und das Wirken der Elohim bzw. des Jahwe-Elohim ein.

Im zehnten ist von der Abtrennung der Sonne von der Erde durch die Elohim in der hyperboräischen Zeit die Rede. »Mit der Sonne sind im Wesentlichen die Elohim von der Erde hinausgegangen … aber nicht alle«. Geistige Kräfte der Elohim blieben mit der Erde verbunden, die verknüpft sind »mit allen guten Wirkungen der Mondkräfte«. Sonne und Mond bergen sowohl wohltätige als auch schädliche Aspekte: ein Zuviel an Sonnenwirksamkeit hätte die Erde mitsamt dem Menschen verflüchtigt, ein Zuviel an Mondwirksamkeit hätte sie zu sehr verfestigt. Daher mussten sowohl die Sonne als auch der Mond sich in angemessene Distanz zur Erde begeben, um ihre Wirkungen gegenseitig auszugleichen. Die Elohim, die in der lemurischen Zeit den Ausgang des Mondes aus der Erde dirigierten, sind die großen Wohltäter des Menschen. Genauer: Was von diesen Elohimkräften den Mondausgang bewirkt, »war nichts anderes, als was auch bewirkt hatte das kosmische Avancement der Elohim zu Jahwe-Elohim«. Dieses »Avancement« wurde, wie weiter oben dargestellt, von jenseits der Seraphim, durch die Trinität bzw. den Logos bewirkt. Daher kann Steiner auch stets davon sprechen, Jahwe sei dieselbe Wesenheit wie Christus. Mit dem »Mondleib … ist innig verbunden … Jahwe-Elohim«. In einer mit der Sonne vereinten Erde hätte der Mensch niemals seine Selbstständigkeit erlangen können, er wäre Organ der Elohim geblieben. Daher zogen sie die Sonne aus der Erde. Gleichzeitig blieb »ein anderer Teil« der Elohim mit der Erde verbunden und schuf die leibliche Grundlage für seine Absonderung. In der Absonderung vom kosmischen Leben liegt aber auch die Tendenz zur Verhärtung, zum Tod, dazu, zu Staub zu zerfallen. Eine gewisse Dosis dieser Tendenz musste der Mensch in sich aufnehmen, um sich tatsächlich verselbständigen zu können. Die Freiheit ist mit dem Tod erkauft. Obwohl der Mond sich von der Erde trennte, trägt der physische und ätherische Leib des Menschen gewisse Substanzen und Kräfte in sich, die von den Elohim des Mondes stammen. Es stehen sich also gegenüber: Elohim der Sonne, Leben, Unselbständigkeit – Elohim des Mondes, Sterben, Selbständigkeit. Die Elohim des Mondes prägten der Leiblichkeit des Menschen den »mondhaften Erdenstaub« ein. »Da aber mit diesem Mondhaften verknüpft ist Jahwe-Elohim, so bedeutet das, dass Jahwe-Elohim derjenige ist, der das mondenhaft Erdenstaubmäßige der menschlichen Leiblichkeit eingeprägt hat«.[14] Dies ist die Bedeutung des sogenannten zweiten Schöpfungsberichts 1 Mos 2, 7: »So bildete denn Gott [Elohim-Jahwe], den Adam aus Erde von der adama. Und blies in seine Nase Odem des Lebens, und es ward der Mensch [Adam] zu einem lebenden Wesen«.

Noch einmal, genauer, geht der letzte Vortrag vom 26. August auf die (zweifache) Schöpfung des Menschen ein. Zur selben Zeit, als das »kosmische Avancement« der Elohim zu Jahwe-Elohim erfolgte, wurde dem Menschen der »Erden-Monden-Staub« eingeprägt. Es war die Zeit, in welcher der Mond von außen auf die Erde einzuwirken begann (die lemurische). Der bis dahin bloß in der Wärme existierende physische Leib des Menschen ging in Luftform über, Jahwe-Elohim hauchte dem Menschen den Odem ein und er wurde eine lebende Seele. Der Einprägung des Erdenstaubes ging aber – wie geschildert – die Schöpfung des ätherischen Menschen durch die Elohim voraus. Der Elohim-Mensch war männlich und weiblich zugleich, androgyn. Erst Jahwe-Elohim prägte dem Menschen die n’schamah [nischmat hajim], den Lebensodem ein. Ein »unendlich fruchtbarer, bedeutungsvoller Begriff« wird durch die Bibel »in die Evolutionslehre« eingefügt: die Auffassung nämlich, dass sich der physisch-leibliche Mensch aus dem seelisch-geistigen bildete. Während der ersten drei Schöpfungstage formten sich die Anlagen der drei Seelenglieder, das »Geistige« entstand zuerst, umkleidete sich mit einem Astralleib und verdichtete sich zum Ätherisch-Physischen. Erst nach dieser Verdichtung wird dem Leib in Form des Lebensodems das bereits entstandene Geistige eingeprägt: »Was wie ein Kern in die Menschenwesenheit hineinverlegt wird durch Jahwe-Elohim, das ist früher schon gebildet; im Schoße der Elohim ist es vorhanden. Jetzt wird es dem Menschen, dessen Leiblichkeit von anderer Seite her gebildet worden ist, eingeprägt«. Erst mit der Einprägung dieses n’schamah, der Bewusstseinsseele, wurde es möglich, dem Menschen »die Anlage der Ich-Natur« einzupflanzen.[15] Durch die Einpflanzung der Bewusstseinsseele wurden die niederen Seelenglieder entthront (hier verweist Steiner auf die aristotelische Seelenlehre, in der die höheren Seelenglieder die niederen überformen und beherrschen). Indem der Mensch den Träger seines Ich, ein höheres geistiges Glied, erhielt, differenzierte sich auf der leiblichen Seite seine Organisation gleichzeitig herunter, vom Ätherischen ins Physische. Der Differenzierung nach oben geht eine solche nach unten parallel. Gleichzeitig bildet sich die Zweigeschlechtlichkeit, aus dem androgynen Menschen werden Mann und Frau. Der heutige Mensch ist ein Werk Jahwe-Elohims. Der sechste Schöpfungstag fällt mit der lemurischen Zeit und der Geschlechtertrennung zusammen.

Am siebenten Schöpfungstag, heißt es im Buch Bereschit, ruhte die Arbeit der Elohim. Auch dies ist laut Steiner ein Hinweis auf ihr Avancement zu Jahwe-Elohim. Letzterer ist nicht mit der Gesamtheit der Elohim identisch, sondern diese geben einen Teil ihres Wesens an den Mond ab und behalten zurück, was sie nicht abgeben, um »in ihrem alten Glied ihre eigene Evolution« fortzuführen. Sie wirken nicht weiter auf den werdenden Menschen auf der Erde ein, vielmehr geht diese Wirksamkeit nun von Jahwe-Elohim aus. Das ist mit dem Ruhen der Elohim am siebten Tag gemeint. Jener Mensch, dem Jahwe sein Eigenwesen einprägt, ist demnach der unmittelbare Nachfolger des ätherischen Elohim-Menschen, der am sechsten Tag geformt wird. Der physische, zweigeschlechtliche Mensch ist »ein Verdichtungszustand« jenes ätherischen androgynen Menschen. Dieser entwickelt sich zu jenem fort. Daher werden die Jahwe-Menschen im Buch Bereschit auch als die »Nachkommen« (»toledot«) des himmlischen Menschen bezeichnet (»Dies sind die toledot des Himmels und der Erde nach ihrer Erschaffung, nachdem Jahwe-Elohim Erde und Himmel gemacht hatte«, 1 Mos 2,4).

Vorheriger Beitrag: Christus in Gestalt eines Engels – Teil 2

wird fortgesetzt

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Anmerkungen:

[1] Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, 16.-26. August 1910, Dornach 1976, GA 122.

[2] 19. August 1910, S. 75 f.

[3] Laut Geheimwissenschaft im Umriss kann etwas Physisches auch in ätherischer oder astralischer Form existieren, wenn die Gesetzmäßigkeit des Physischen in dieser Form erscheint. Im Hinblick auf die Wärmekörper des alten Saturn heißt es hier: »Man muss … sorgfältig unterscheiden zwischen physischem Leib und mineralischem Leib. Ein physischer Leib ist derjenige, welcher von den physischen Gesetzen beherrscht wird, die man gegenwärtig in dem Mineralreiche beobachtet. Der gegenwärtige physische Menschenleib ist nun nicht bloß von solchen physischen Gesetzen beherrscht, sondern er ist außerdem noch durchsetzt von mineralischem Stoffe. Von einem solchen physisch-mineralischen Leib kann auf dem Saturn noch nicht die Rede sein. Da gibt es nur eine physische Körperlichkeit, die von physischen Gesetzen beherrscht ist; aber diese physischen Gesetze äußern sich nur durch Wärmewirkungen. Also der physische Körper ist ein feiner, dünner, ätherischer Wärmekörper. Und aus solchen Wärmekörpern besteht der ganze Saturn. Diese Wärmekörper sind die erste Anlage des gegenwärtigen physisch-mineralischen Menschenleibes«. GA 13, S. 160. Was von physischen Leibern gesagt wird, die sich durch Wärmewirkungen äußern, gilt auch von solchen, die sich durch Luft- oder Dampfwirkungen äußern. Erst durch die Aufnahme der mineralischen Substanzen – der Aschebestandteile – wird der physische Leib des Menschen sichtbar. Siehe dazu weiter unten.

[4] 21. August 1910, S. 101.

[5] Ebd., S. 103.

[6] 22. August 1910, S. 113.

[7] Ebd., S. 118.

[8] Ebd., S. 122.

[9] Ebd., S. 122.

[10] Da Elohim eine Pluralform ist, müsste es eigentlich heißen: Jahwe-Eloah. In der Torah wird jedoch die Form »Jahwe-Elohim« verwendet und nur selten Eloah. Dem hebräischen Eloah entspricht das arabische ilah, das mit Artikel zu al-ilah, al Allah wird. »Jahwe-Elohim« tritt erst ab dem sogenannten zweiten Schöpfungsbericht 1 Mos, 2,4 auf.

[11] Isidor von Sevilla leitete im 6. Jahrhundert das lateinische Wort »homo« für Mensch von »humus«, Erde ab.

[12] 24. August 1910, S. 155.

[13] Von diesen »luziferischen Bildekräften« des Menschen war bereits in der Geheimwissenschaft im Umriss 1909/10 die Rede. Aufgrund des luziferischen Einflusses entwickelte sich im menschlichen Astralleib eine Hinneigung zur physischen Stoffwelt, die sich auch auf das »Ich« auswirkte und unter anderem eine Verdichtung des physischen Leibes zur Folge hatte. Damit war bereits 1909/10 implizit von jenen Vorgängen die Rede, die Steiner am 10. Oktober 1911 in Karlsruhe so charakterisierte, dass durch sie das Phantom des physischen Leibes des Menschen sichtbar wurde (GA 131, S 150 f.). Denn der physische Leib des Menschen ist auch in der Geheimwissenschaft 1909/10 vor dem luziferischen Einfluss unsichtbar. So heißt es in diesem Buch: »Das Ich, welches vorher im Erdenleben nur den ihm von den Geistern der Form verliehenen Funken des Feuers verspürt hatte, wirkte nunmehr auch durch das ihm selbst eingeimpfte [luziferische] Element auf die äußeren Wärmeerscheinungen. Es stellte dadurch ein Anziehungsband her zwischen sich und dem Erdenfeuer. Dadurch verstrickte es den Menschen mehr, als das ihm vorbestimmt war, in die irdische Stofflichkeit. Während er vorher einen physischen Leib hatte, der in seinen Hauptteilen aus Feuer, Luft und Wasser bestand und dem nur etwas wie ein Schattenbild von Erdsubstanz [kursiv L.R.] beigesetzt war, wurde jetzt der Leib aus Erde dichter. Und während vorher der Mensch mehr als ein feinorganisiertes Wesen über dem festen Erdboden in einer Art schwimmend-schwebender Bewegung war, musste er nunmehr ›aus dem Erdenumkreis‹ herabsteigen auf Teile der Erde, die schon mehr oder weniger verfestigt waren«. 1909/10, S. 224-225. – Diese luziferischen Geister werden in der ersten Auflage der Geheimwissenschaft als »Geister der Bewegung« bezeichnet: »Nun gab es aber auch höhere Wesen, die als Geister der Bewegung während der Mondentwicklung sich früher von ihrer Tätigkeit zurückgezogen haben, als der Mensch reif war für die Erdenentwicklung. Sie hatten das Maß des Astralischen, welches aus ihnen auf den Menschen hätte überströmen sollen, noch nicht von sich ausgestoßen, als die Erdenentwicklung begann. Hätten sie dieses getan, so wäre in der Zeit, von welcher hier die Rede ist, ihr Platz in der Sonne gewesen. So waren sie aber im Bereich des Mondes und der Erde geblieben. Sie waren auf den Mond und die Erde verbannte Sonnengeister. Man kann im Sinn der Geisteswissenschaft den mächtigsten dieser Geister ›Luzifer‹ und seine Genossen die luziferischen Geister nennen«. Ebd. S. 222-223. Diese Passage mit Hinweisen auf die Geister der Bewegung, die auf den Mond und die Erde verbannt worden waren, wurde bereits 1913 grundlegend umgestaltet. Von »Geistern der Bewegung« wird in der neuen Fassung nicht mehr gesprochen, sondern lediglich von »gewissen geistigen Wesenheiten, welche von ihrer alten Mondennatur so viel zurückbehalten hatten, dass sie nicht teilnehmen konnten an dem Hinausgang der Sonne aus der Erde. Diese Wesen mit der alten Mondennatur waren gewissermaßen mit unregelmäßiger Entwicklung auf die Erde gebannt«. »Die Folgen der eigenartigen Entwickelung dieser Wesen während der Erdenzeit«, heißt es 1913 weiter, »brachten es mit sich, dass sie während derselben zu Gegnern wurden derjenigen Wesen, die vom Monde aus das menschliche Bewusstsein zu einem notwendigen Erkenntnisspiegel der Welt machen wollten … Die widerstrebenden Mächte hatten sich aus ihrer Mondennatur die Kraft mitgebracht, auf den menschlichen Astralleib zu wirken … Sie übten diese Kraft aus, indem sie diesem Astralleib eine gewisse Selbständigkeit … gaben gegenüber dem notwendigen (unfreien) Bewusstseinszustande, welcher durch die Wesen des Erdenmondes bewirkt wurde …« Nach einer Reihe weiterer – neuer – Ausführungen über den »verführerischen« Charakter des Einflusses dieser Wesen heißt es: »Die Wirkung, die von den im Mondenzustand zurückgebliebenen Geistwesen auf den Menschen ausging, hatte für diesen ein zweifaches zur Folge. Sein Bewusstsein wurde dadurch des Charakters eines bloßen Spiegels des Weltalls entkleidet, weil im menschlichen Astralleibe die Möglichkeit erregt wurde, von diesem Astralleibe aus die Bewusstseinsbilder zu regeln und zu beherrschen. Der Mensch wurde der Herr seiner Erkenntnis. Andererseits aber wurde der Ausgangspunkt dieser Herrschaft eben der Astralleib; und das diesem übergeordnete ›Ich‹ kam dadurch in stetige Abhängigkeit von ihm … « Schließlich, nach einigen weiteren Zusätzen: »Dieses ›Ich‹, welches sonst nur den ihm von den Geistern der Form verliehenen Funken des Feuers verspürt hätte und in allem, was das äußere Feuer betraf, sich den Geboten dieser Geister untergeordnet hätte, wirkte nunmehr auch durch das ihm selbst eingeimpfte Element auf die äußeren Wärmeerscheinungen. Es stellte dadurch ein Anziehungsband her zwischen sich und dem Erdenfeuer …« usw., wie in der ersten Auflage. 1913, S. 228 ff. – Von Geistern der Bewegung als Verführern der »Engelmenschen« auf dem alten Mond sprach Steiner am 18.04 1909 in GA 110. Sowohl die Verführer als auch die Verführten sind luziferische Wesen. Die von den luziferischen Geistern der Bewegung verführten luziferischen Engel wurden zu Verführern der Menschen auf der Erde. Die unmittelbaren Agenten im menschlichen Astralleib sind Engel.

[14] 25. August 1910.

[15] Steiner übersetzt »nephesch«, worüber auch die Tiere verfügen, mit Empfindungsseele, »ruach« mit Verstandesseele und »n’schamah« mit Bewusstseinsseele. 25. August 1910, S. 181.

Ein Kommentar

  1. Die Geister der Form der Sonne (Elohim) herrschen also in der Mitte zwischen dem Mondengeist der Form (Jahwe) und den abnormen (luziferischen) Geister der Form der Planeten (GA 13, 105, 121, 136). Zentral in dieser Kräftebalance steht die Gestalt des Menschen, das Bild des Menschen, der spirituelle Formleib, das menschliche Phantom. Heißt diese geistige Form des physischen Leibes, in welcher die Geister der Form leben, dann ab 1911: die «Ich-Organisation» (GA 27, 128, 131)?

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