Corona-Evidenz – Zeit, sich von Mythen zu verabschieden

Am 4.9.2020 hat das Deutsche Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin eine aktualisierte Stellungnahme zur Frage des Umgangs mit Covid-19 veröffentlicht. Sie setzt sich mit der Einschätzung der Gefährlichkeit von Covid-19, mit dem Nutzen und Schaden von Interventionen, den Teststrategien, der Berichterstattung durch die Medien und offizielle Stellen, mit der Entwicklung von Impfstoffen und den Kollateralschäden durch Präventionsmaßnahmen auseinander. Die Stellungnahme fasst den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu den genannten Fragen zusammen. Es ist Zeit, sich von Mythen zu verabschieden.

Corona-Evidenz – Zeit sich von Mythen zu verabschieden

Corona-Evidenz. Zeit, sich von Mythen zu verabschieden

Die Zwischenergebnisse in Kürze: Ihren Höhepunkt erreichte die Epidemie in Deutschland, der Schweiz und Österreich Mitte bis Ende März. Ob die zu diesem Zeitpunkt oder danach verhängten Maßnahmen den deklarierten Zweck erreichten, ist fraglich. In keinem der genannten Länder kam es zu einer Überlastung der Gesundheitssysteme. Hohe Case Fatality Rates von bis zu 10% und mehr haben sich als falsch erwiesen. Inzwischen wird von Infection Fatality Rates von 0,1 bis 0,6 % ausgegangen. Gestorben sind vor allem Hochbetagte und Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Der Altersmedian der COVID-Verstorbenen liegt bei 82 Jahren und 85% der Verstorbenen waren 70 Jahre oder älter. Kinder scheinen kaum betroffen. Zu nicht-pharmakologischen Maßnahmen (Social Distancing, Mund-Nasenschutz, Schulschließungen, Schließung von Arbeitsplätzen, Verbot von Massenveranstaltungen und Einschränkung der Bewegungsfreiheit) gibt es kaum belastbare Evidenz bzw. deren Wirkung war niedrig. Die Wirksamkeit von Alltagsmasken ist weiterhin umstritten. Schulschließungen waren wenig effektiv oder sogar für Kinder wegen psychischer Folgen eher schädlich. Für den Nutzen von Massentestungen mit den derzeit verbreiteten Tests gibt es keine wissenschaftliche Evidenz. Die propagierte Nationale Teststrategie »ist teuer und mit hoher Wahrscheinlichkeit nutzlos, alleine schon, weil es aufgrund der nicht ausreichend hohen Sensitivität, der hohen Rate asymptomatisch Infizierter und der unbekannten Dunkelziffer von Virusträgern nicht gelingen kann, SARS-CoV-2 aus der deutschen, österreichischen oder Schweizer Bevölkerung zu eliminieren.« An der öffentlichen Berichterstattung ist vor allem zu kritisieren, dass die SARS-CoV-2 Inzidenzen fast ausschließlich als Absolutzahlen ohne Bezugsgröße berichtet werden. Bei den beschleunigt zugelassenen Impfstoffen ist die Sicherheit zweifelhaft, mögliche Langzeitfolgen sind derzeit naturgemäß völlig unbekannt. Auch für die indirekten Schäden der Pandemie gibt es noch wenig Studienevidenz. Es ist unklar, welche Auswirkungen die Reduktion der stationären Versorgung auf Morbidität und Mortalität der Bevölkerung haben wird. Erste Ergebnisse weisen auf erhebliche psychische Belastungen und Bildungsverluste von Kindern durch Schulschließungen hin. Durch Lockdowns ist mit erheblichen gesundheitlichen und möglicherweise auch lebensverkürzenden Auswirkungen zu rechnen.


Die Zusammenfassung der Stellungnahme:

Als Ende Dezember 2019 über die ersten Coronavirusinfektionen in China berichtet wurde, war kaum absehbar, dass sich hieraus eine weltweite Pandemie entwickeln würde. Anfänglich bestand die Vorstellung, die Ausbreitung des SARS-CoV-2 durch Isolierung der Erkrankten und Quarantänemaßnahmen für Verdachtsfälle stoppen zu können. Inzwischen ist klar, dass das Virus weltweit verbreitet ist und die Menschheit sich wahrscheinlich dauerhaft mit seiner Existenz auseinandersetzen muss. Es stellt sich die Frage nach der bestmöglichen Strategie für ein Leben mit dem Virus, die einerseits der Erkrankung entgegenwirkt und andererseits die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen nicht durch Kollateralschäden der Eindämmungsmaßnahmen gefährdet.

Die Zeiten des exponentiellen Anstiegs der Anzahl der Erkrankten und der Todesfälle sind im deutschsprachigen Raum seit fünf Monaten vorbei. Der momentan zu verzeichnende Anstieg an Test-positiven ohne gleichzeitige Zunahme von Hospitalisierungen, Intensivbehandlungen und Todesfällen rechtfertigt derzeit keine einschneidenden Maßnahmen, die über die übliche Hygiene hinausgehen.

Die mediale Berichterstattung sollte unbedingt die von uns geforderten Kriterien einer evidenzbasierten Risikokommunikation beherzigen und die irreführenden Meldungen von Absolutzahlen ohne Bezugsgröße beenden.

Statt ungezielter Massentestungen sollten zum einen gezielte repräsentative Stichproben aus der Bevölkerung gezogen und angemessen berichtet werden, zum anderen die Testungen auf Hochrisikogruppen beschränkt werden, um die Vortestwahrscheinlichkeit zu erhöhen (also Personen mit COVID-typischer Symptomatik und vorangegangener Exposition).

Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz, weder zu COVID-19 selbst, noch zur Effektivität der derzeit ergriffenen Maßnahmen, aber es ist nicht auszuschließen, dass die trotz weitgehend fehlender Evidenz ergriffenen Maßnahmen inzwischen größeren Schaden anrichten könnten, als das Virus selbst. Jegliche Maßnahmen sollten entsprechend wissenschaftlich begleitet werden, um den Nutzen und Schaden bzw. das Verhältnis von Nutzen und Schaden zu dokumentieren. Es werden insbesondere randomisierte Studien dringend benötigt, um die politischen Entscheidungen angemessen zu stützen. Mit dieser ausführlichen Stellungnahme möchten wir anregen, mit kritischem Blick aus der Perspektive der evidenzbasierten Medizin den derzeitigen Umgang mit SARS-CoV-2 und der möglicherweise resultierenden Erkrankung COVID-19 zu hinterfragen, um daraus Schlussfolgerungen für die Wissenschaft und den Umgang mit dem Virus zu entwickeln.

Original und Fortsetzung der Stellungnahme: https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19


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