Täuschung durch Weglassen und Zwang zur Gesundheit

In Corona-Zeiten hat sich der »Lügenäther«, von dem einst Sloterdijk gesprochen hat, noch einmal verdichtet. Täuschung durch Weglassen (selektive Information) ist allgegenwärtig. Sie wird inzwischen als Mittel zur Rechtfertigung von Zwang benutzt. Ein Gastbeitrag von Roland Tüscher.

Täuschung durch Weglassen und Zwang zur Gesundheit

WHO-Webseite Screenshot

Vor Kurzem erschienen ganz vereinzelt sachbezogene Überprüfungen der sogenannten ›Fallzahlen‹ der Pandemie usw. auch in Medien einer breiteren Öffentlichkeit. In der Berliner Tageszeitung[1] am 10.8.20 und durch den Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse[2] am 4.8.20 wird das völlig unzureichende interdisziplinäre Spektrum regierungs-beratender Experten und die unsachgemässe Darstellung der Zahlen und Statistiken kritisiert. Das sind Randerscheinungen – in der Politik steht die kritische Selbstreflexion nach wie vor aus. Vorangeschritten sind längst bestimmte Recherchen in Alternativmedien wie in Multipolar, aktuell wieder von Paul Schreyer,[3] wo detaillierte, sachliche Aufklärungsarbeit geleistet wird und im Rubikon, aktuell durch Jens Wernicke, der beispielsweise von offiziellen Stellen nicht veröffentlichte Zahlen-Fakten gerichtlich einfordert.[4] Weiter sei nochmals auf Informationsportale wie Swiss Policy Research[5] und Corona-Transition[6] hingewiesen, letztere mit der umfassendsten deutschsprachigen Übersicht über laufende Publikationen zum Thema.

Es existiert inzwischen eine grosse Breite an unabhängigen Untersuchungen zu diesen Zahlen die zeigen, dass deren Präsentation mangelhaft und sogar irreführend ist: Wir haben es mit fehlenden Zahlen- und irrational wechselnden Vergleichswerten in den Statistiken zu tun. Es werden Fakten mit unzutreffenden Interpretationen und Darstellungsweisen vermischt, usw.

Wir sehen jetzt bei immer mehr Menschen: es wird nachgerechnet. Die Diskrepanz zu amtlichen Verlautbarungen ist bestürzend und es entstehen in der Konsequenz daraus ausserparlamentarische Untersuchungsausschüsse, Juristen-Vereinigungen und Grundrechts-Bewegungen vielerlei Art, welche das öffentliche Lügen durch Weglassen nicht mehr hinnehmen wollen. Es entsteht ein demokratischer Widerstand, der sich immer weiter ausbreitet. Andererseits: Die Autorität der Zahlen, die Zahlengläubigkeit ist weltweit in erschreckend hohem Mass etabliert. Es ist nach wie vor zu beobachten, dass die meisten Menschen die Zahlen so aufnehmen und glauben, wie sie von Politik und dieser nahestehenden Medien präsentiert werden – ohne sie selbständig zu durchschauen. Dieser Autoritätsglaube ist so tief verankert, dass er häufig gegen eine selbständige Überprüfung der offiziellen Zahlen wehrt.

WHO löscht die ursprünglichen Kriterien für die Erklärung einer Pandemie

Wir wissen heute, dass in der breiten Öffentlichkeit mit einer Manipulation der Fallzahlen verfahren wird, welche die Gefährlichkeit der Erkrankung falsch suggeriert: mit potentiell hoher Massensterblichkeit. Dazu ist anzuschauen, dass die WHO aus ihren Pandemie-Kriterien die Mortalität und Morbidität gestrichen hat. Dies ist immer noch zu wenig bekannt. Alles beruht zunächst auf der Autorität der WHO, weil sie eine Pandemie zu einem bestimmten Zeitpunkt ausruft und dadurch nationale Regelwerke in Gang setzt. Man möchte annehmen und nimmt nach wie vor weitherum an, die Gefährlichkeit einer ansteckenden Krankheit verbunden mit tatsächlicher hoher Massensterblichkeit sei das Kriterium für die Feststellung einer Pandemie und stünde hinter den permanent kommunizierten ›Fallzahlen‹. Dem ist jedoch nicht so.

Geändert hat die WHO ihre Pandemie-Kriterien kurz vor dem 11. Juni 2009, dem Tag der Deklaration der Schweinegrippe-Pandemie. Tom Jefferson, britischer Epidemiologe (Cochrane Collaboration), merkt in einem Spiegel-Interview kurz darauf, am 20. Juli 2009 an:

»Finden Sie es nicht bemerkenswert, dass die WHO … ihre Pandemie-Definition geändert hat? Das Kriterium, dass es sich dabei um eine Krankheit mit hoher Sterblichkeit handeln muss, wurde einfach gestrichen.« [7], [8]

Paul Flynn, Special Rapporteur im Europarat, berichtet am 23. März 2010:

»Die WHO behauptet nach wie vor, dass sich die grundlegende Definition einer Pandemie nie geändert hat. Es gibt hieb- und stichfeste Beweise dafür, dass die früheren Kriterien der Auswirkung und Schwere einer Epidemie in Bezug auf die Zahl der Infektionen und Todesfälle bei der Definition für den Eintritt in die Pandemiestufe 6 nicht mehr berücksichtigt wurden, als die neue WHO-Leitlinie zur Influenza im Mai 2009 veröffentlicht wurde.«[9]

Diese Änderungen gelten bis heute: Kriterien der Auswirkung und Schwere einer Epidemie in Bezug auf die Zahl der Infektionen und Todesfälle, bzw. für eine hohe Sterblichkeit gibt es nicht mehr.

Wie sieht diese Änderung der WHO im Einzelnen aus? Sie ist schwierig zu recherchieren, denn die WHO stellt ihr von ihrem heutigen Narrativ abweichende Dokument von 1999 nicht online. In der Auflistung der entsprechenden Literatur heisst es zwar »Alle Publikationen und bezüglichen Dokumente«, dennoch fehlt es.[10] Im Internet liess es sich finden und wir zitieren zunächst daraus, gefolgt von den relevanten Stellen in den Folgeausgaben (Hervorhebungen kursiv hinzugefügt):

»1999 – Phase 1, Feststellung des Ausbruchs einer Pandemie. – Der Ausbruch einer neuen Pandemie wird erklärt, wenn die WHO bestätigt hat, dass ein Virus mit einem neuen Hämagglutinin-Subtyp im Vergleich zu den jüngsten Epidemiestämmen beginnt, mehrere Ausbrüche in mindestens einem Land zu verursachen und sich auf andere Länder ausgebreitet hat, wobei übereinstimmende Krankheitsmuster darauf hindeuten, dass in mindestens einem Teil der Bevölkerung mit ernsthafter Morbidität und Mortalität zu rechnen ist.«[11]

»2005 – [Phase 1 umbenannt in:] Phase 6, Pandemiephase: verstärkte und anhaltende Übertragung in der Allgemeinbevölkerung.b

b Die Unterscheidung zwischen Phase 3, Phase 4 und Phase 5 basiert auf einer Bewertung des Pandemierisikos. Dabei können verschiedene Faktoren und ihre relative Bedeutung nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigt werden. Zu den Faktoren können gehören: Übertragungsrate; geographische Lage und Ausbreitung; Schwere der Erkrankung; Vorhandensein von Genen aus menschlichen Stämmen (wenn sie von einem Tierstamm stammen); andere Informationen aus dem viralen Genom; und/oder andere wissenschaftliche Informationen.«[12]

»2009 – Phase 6, die Pandemiephase, ist gekennzeichnet durch Ausbrüche auf lokaler Ebene in mindestens einem anderen Land in einer anderen WHO-Region zusätzlich zu den in Phase 5 definierten Kriterien (der Ausbreitung des Virus von Mensch zu Mensch in mindestens zwei Ländern einer WHO-Region). Die Feststellung dieser Phase wird darauf hindeuten, dass eine globale Pandemie im Gange ist.«[13]

»2017 – Pandemie-Phase: Auf Grundlage globaler Überwachung ist dies die Phase der globalen Ausbreitung der menschlichen Influenza, die durch einen neuen Subtyp verursacht wird. Der Übergang zwischen der interpandemischen, der Alarm- und der Pandemiephase kann schnell oder allmählich erfolgen, wie es die globale Risikobewertung anzeigt, welche sich hauptsächlich auf virologische, epidemiologische und klinische Daten stützt.«[14]

Wir haben also 1999 als Kriterium ernsthafte Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit auf z.B. 100’000 Einwohner), 2005 verallgemeinert in Schwere der Erkrankung, 2009 dann abermals verallgemeinert zu Ausbrüche auf lokaler Ebene in mindestens einem anderen Land in einer anderen WHO-Region (als in Phase 5) und 2017 heisst es völlig unspezifisch globale Ausbreitung. – Noch bis 18. April 2009 definierte die WHO-Website Pandemie mit: »enorme Zahl von Todesfällen und Krankheiten«[15] – und hat dies im Mai 2009 ersatzlos gestrichen.[16]

Das Kriterium der ›ernsthaften Morbidität und Mortalität bei übereinstimmendem Krankheitsmuster‹ von 1999 ist ein erfahrungsbasiertes Kriterium – alle danach folgenden Kriterien beziehen diese Erfahrung nicht mehr ein. Denn auch wenn 2017 von virologischen, epidemiologischen und klinischen Daten die Rede ist: diese beziehen sich nicht mehr auf den tatsächlichen Erfahrungswert der je aktuellen Mortalität und Morbidität um deren Schweregrad zählbar und messbar zu bestimmen. Neu haben sie lediglich eine Auskunftsfunktion für eine Risikobewertung. Diese Risikobewertung ist bezüglich Mortalität und Morbidität nirgends erfahrungsbasiert definiert, deren Anwendung kann daher nicht nachgeprüft werden. Es ist der Verantwortung des Entscheidungsträgers der WHO überlassen, wann und warum das Risiko so zu bewerten ist, dass es sich um eine Pandemie handelt. Der Entscheidungsträger rechtfertigt sich ausschliesslich gegenüber sich selbst – nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Dies jedoch ist die Definition von Willkür und Intransparenz.

Was hat nun das bisherige erfahrungsbasierte Pandemie-Kriterium ersetzt? Nach Wikipedia erklärt die WHO das so:

»[Es] stellen seit 2013 weniger formale Kriterien und stärker ›Risiko-basierte Betrachtungsweisen‹ (a riskbased approach) die Grundlagen der Phasen-Definition durch die Weltgesundheitsorganisation dar.«[17]

Es wäre eine Betrachtung für sich wert, darzustellen, inwiefern tatsächliche hohe Morbidität und Mortalität formale Kriterien sein sollen und warum eine ›Risiko-basierte Betrachtungsweise‹ realitätsnäher sein soll. Seit wann sind Tatsachen Formalien? Man muss zunächst mindestens fragen: wer entscheidet aufgrund von was, dass eine Pandemie vorliegt? Bis 1999 hat man versucht, die Entstehung und Entwicklung einer Pandemie aus den Tatsachen abzulesen – jetzt geht man zum Begriff des Risikos über: ist Risiko eine Tatsache? Eine Erfahrung? Hat jemand schon einmal irgendwo ein Risiko mit Augen oder Ohren wahrgenommen? Gefilmt? Wie sieht es aus?

Risiko ist, wenn jemand etwas riskiert oder er vor einer riskanten Situation steht. Das ist bei einer Pandemie selbstverständlich der Fall. Die Pandemie muss aber da sein, sonst besteht dieses Risiko nicht. Eine ›Risiko-basierte Betrachtungsweise‹ setzt also das Bestehen einer Pandemie voraus. Das ist der entscheidende Punkt. Irgendjemand muss sagen, dass die Pandemie erklärt wird. Das wird auch gemacht. Aber in dem Moment, wo das gemacht wird, wird nur noch das damit behauptete Risiko angeschaut. Wie man zur Einschätzung, es liege eine Pandemie vor, gekommen ist, spielt keine Rolle mehr und wird auch nirgends kommuniziert. Es muss aber stattgefunden haben, denn der WHO-Generaldirektor hat am 11. März 2020 tatsächlich eine Pandemie erklärt, das wissen wir ja alle. Hat er sie begründet? Nein. Sind die Daten, aufgrund derer die Pandemie erklärt wurde öffentlich einsehbar? Nein. Wer hat die erhobenen Daten auf welche Weise gelesen, erkannt, zusammengestellt und interpretiert, wissen wir das? Nein. Das ist die Katze im Sack. Das ist Ausübung einer Welt-Autorität ohne Transparenz und ohne Öffentlichkeit.

Was sind die Folgen, wenn die WHO eine Pandemie erklärt? In den Änderungen im Januar 2018 heisst es:

»[Es] wurde eine Risiko- und Schweregradbeurteilung (Abschnitt 3.6) in das Dokument aufgenommen, um die Durchführung dieser Bewertungen auf nationaler Ebene zu betonen. Dieser Ansatz bedeutet, dass die Länder nationale Pandemiebekämpfungsmaßnahmen im Kontext ihrer eigenen Erfahrungen, Ressourcen und Verwundbarkeiten vornehmen, anstatt durch globale Risikobewertung und Pandemiephasen gelenkt zu werden, wie es bisher der Fall war.«[18]

Das heisst einerseits: eine Lenkung der Länder war bis dahin Praxis und man wollte das offensichtlich so nicht mehr sagen. Das ist verständlich, würde man doch ein schlechtes Image kriegen, wenn man als Weltautorität auftritt und den Ländern Vorschriften machte. Die WHO verzichtet also in den Pandemie-Regularien ab 2018 ausdrücklich auf Lenkung der einzelnen Nationen. Das klingt freilassend – was nicht gesagt, aber stillschweigend vorausgesetzt wird, ist: Die WHO behält sich das Ausrufen der Pandemie-Stufe gegenüber den nationalen Mitspielern vor und mit dieser ist das Regelwerk verbunden, in welchem die Nationen kooperieren. Die Lenkung ist also weiterhin der Fall – wen auch nur in einem winzigen Punkt: der Erklärung einer Pandemie. Diese wird auf Autorität angenommen und daher nichts weniger als frei.

Bei der WHO haben wir also einen erstaunlich reinen Autoritarismus. Er tritt auch offen zutage in der global-absolutistischen Gewalt des Generaldirektors, wenn auch nur in diesem einen einzigen Punkt – der aber ist entscheidend. Wir lesen in der entsprechenden Regelung:

»Die Verantwortung für die Bestimmung eines PHEIC[19] liegt gemäß Artikel 12 der IHR (2005)[20] bei dem WHO-Generaldirektor. Die Festlegung eines PHEIC führt zur Mitteilung von vorläufigen Empfehlungen, siehe Abschnitt 2.1. [des hier zitierten Dokuments]. – Erklärung einer Pandemie: Während des Zeitraums der Ausbreitung der durch einen neuen Subtyp verursachten menschlichen Influenza kann der WHO-Generaldirektor auf der Grundlage einer Risikobewertung und der Situation angemessen eine Pandemieerklärung abgeben.«[21] (Hervorhebungen hinzugefügt)

Die WHO sagt an die Adresse der einzelnen Nationen gegenüber 1999 heute also nur noch: wir haben ab Datum X eine Pandemie. Die nationalen Akteure handeln nicht auf Grundlage mitgeteilter Erhebungen zu Tödlichkeit und Massensterblichkeit, also auf Grundlage belastbarer Daten, sondern aufgrund einer Risikobewertung ohne belastbare Daten. Belastbare Daten wären es dann, wenn Geschwindigkeit und räumliche Ausbreitung mit Tödlichkeit und Massensterblichkeit Kriterien der Pandemie-Bestimmungen wären: sie sind es, wie gezeigt, nicht. Die WHO ist nicht mehr bestrebt nachzuweisen, dass es erfahrungsbasiert-definierte eine Pandemie gibt. Sie begründet konsequenterweise die Ausrufung einer Pandemie nicht. Wer hat der dem Generaldirektor der WHO diese Autorität verliehen? Die WHO. Es handelt sich um eine reine Selbstermächtigung.

Die Staaten handeln nach der Ausrufung einer Pandemie also als ob es eine Pandemie gibt – das bedeutet in der Wirklichkeit: es kann sehr wohl eine Pandemie sein – es muss aber nicht eine Pandemie sein. Denn wir wissen es nicht, der Nachweis wird nicht gegeben.

Genau das aber ist auch die Antwort auf die Frage heute: haben wir eine Pandemie oder nicht? Wir wissen es nicht – wir glauben es nur auf die nicht überprüfbare Autorität der WHO.

Wurden wir am 11. März 2020 von der WHO also über den realen Status der Mortalität und Morbidität getäuscht? Die Antwort ist die selbe: wir wissen es nicht!

Dies allein aber muss als massivste Täuschung durchschaut werden. Uns wird eine Pandemie deklariert, wir erhalten jedoch nicht die relevanten erfahrungsbasierten Daten und Fakten, Interpretationsweisen und Herleitung der Schulssfolgerungen von den Verantwortlichen um die Sache selbständig überprüfen zu können. Das ist ganz einfach: es ist noch nicht einmal Täuschung mit Verdrehung tatsächlicher Fakten, es ist übelster Autoritarismus, zugedeckt mit dem Mittel der Täuschung durch Weglassen.

Vom Recht auf Gesundheit zur Gesundheits-Pflicht

Szenarien einer Täuschung der Bevölkerung durch statistische und andere Tricks mit gesundheitlichen Daten und zwar zur Sicherung der Herrschaft wurden vorgedacht. Giorgio Agamben beschreibt:

»In einem vor sieben Jahren erschienenen Buch, das noch einmal sorgfältig zu lesen jetzt lohnt (›Tempêtes microbiennes‹, Gallimard 2013), beschrieb Patrick Zylberman bereits den Prozess, durch den Sicherheit in Fragen der Gesundheit, die bislang in den politischen Kalkülen nur am Rande auftauchte, zu einem wesentlichen Bestandteil staatlicher und internationaler politischer Strategien wurde. Es handelt sich um nicht weniger als die Kreation einer Art von ›Gesundheitsterror‹ als Instrument, um das zu managen, was als worst case scenario, als Szenario des schlimmsten Falles also, definiert wurde. Dieser Logik des größten Übels gemäß hatte die Weltgesundheitsorganisation bereits 2005 ›zwischen zwei und 150 Millionen Todesfälle durch die bevorstehende Vogelgrippe‹ prophezeit und so eine politische Strategie nahegelegt, die die Staaten zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu akzeptieren bereit waren. Zylberman zeigt, dass das vorgeschlagene Instrumentarium auf drei Punkten fußte:

  1. die Konstruktion eines fiktiven Szenarios auf Basis eines möglichen Risikos, wobei die Präsentation der Daten* in einer Weise geschieht, die ein Verhalten begünstigt, das ein Regieren in extremer Lage erlaubt;
  2. die Übernahme einer Logik des größten Übels als Lebenshaltung politischer Rationalität;
  3. die vollständige Organisation der Bürgerschaft in einer die Anhänglichkeit an die Regierungsinstitutionen weitestmöglich stärkenden Weise, wodurch eine Art Gemeinsinn der Superlative entsteht, bei dem die auferlegten Pflichten als Ausweis von Altruismus dargestellt werden und der Bürger nicht mehr ein Recht auf Gesundheit (health safety) hat, sondern von Gesetzes wegen zur Gesundheit verpflichtet wird (biosecurity).

Giorgio Agamben kommentiert:

Was Zylberman 2013 beschrieb, ist nun haargenau eingetreten. Es ist offensichtlich, dass es über diesen an ein bestimmtes Virus, das demnächst einem anderen weichen mag, geknüpften Notstand hinaus um das Design eines Regierungsparadigmas geht, dessen Effizienz die aller Regierungsformen, die die politische Geschichte des Westens bisher gesehen hat, bei Weitem übersteigt.[22]

Die Parteien, bzw. das politische Establishment und die Medien stehen geschlossen hinter dieser Verpflichtung zur Gesundheit (biosecurity), womit eine erschreckende Gleichschaltung der Akteure zu konstatieren ist. wobei die Basis für das Verständnis von Gesundheit nicht mehr wissenschaftlich definiert, sondern staatlich vorgegeben wird. Man kann nur auf etwas verpflichtet werden, was eindeutig definierbar ist: fahre bei Rot nicht über die Ampel! Man kann problemlos Verständnis haben für eine solche Regel und sie wird nirgends ernsthaft bekämpft. Es macht auch keinen Sinn, eine alternative Regel zu erfinden. Das ist anders wenn die individuelle Selbstverantwortung ins Spiel kommt. Bisher haben die westlichen Gesellschaften keine unverrückbaren Vorschriften für bestimmte medizinische Überzeugungen erlassen. Die Überzeugung, dass Ansteckung und Infiziertwerden von anderen oder weiteren als ausschließlich nur materiellen Bedingungen abhängt, wird jetzt strafbar. Das heisst: der Materialismus schreibt sich selbst als die einzig gültige Weltanschauung vor: bei Strafe jeder Zuwiderhandlung. Das ist die neue Normalität. Das ist beginnender Totalitarismus. Der Geist ist – corona-politisch – bereits abgeschafft. Der Geist muss also jetzt dringend politisch aktiv werden – also: jeder Einzelne.

Die Sache ist trickreich: wer will sich gegen die allgemeine Gesundheit aller erheben? Ich weiss nicht ob das Wort Viren-Terrorist bereits verwendet wird, google bringt derzeit keine Resultate – es wird aber nicht lange dauern, bis wir es in den Medien so oder ähnlich zu sehen bekommen. Denn wer die Gesundheit anderer bewusst gefährde, indem er potentiell Ansteckung verbreitet, keine Maske trage und sich nicht impfen lasse, der sei gegenüber die Gesamtbevölkerung ein Gesundheitsrisiko und Viren-Terrorist oder ›Coviterrorist‹.

Allerdings: was die allgemeine Gesundheit ist und welche Rolle eine vom Individuum in Umwelt- und Mitmenschen-Verantwortung ausgehende Ethik spielt, das wurde gar nicht erst diskutiert. Das muss also nachgeholt werden und zwar auf breitester gesellschaftlicher Basis – sonst wird das Individuelle als Kulturfaktor selbstverständlich untergehen, also das Wesentliche des Menschseins. Und da die Politik das nirgends anregt und fördert, das heisst vom ›Virus‹ totalitär-medizinischer Auffassungen und Massnahmen bereits zutiefst zerfressen ist, bedarf es des demokratisch-politischen Widerstands. Wortmeldungen gegenüber Politik und Medien werden da nicht helfen: sie werden nicht mehr gehört! Die Autoren einer Studie zu Corona des Zürcher-Universitätsspitals sahen sich veranlasst, folgendes zu sagen:

Die Serologie ist ein mächtiges medizinisches und epidemiologisches Instrument, aber sie kann auch zur Stratifizierung der Arbeitskräfte, zur Diskriminierung der nicht-immunen Personen und sogar für noch weit schlimmere Taten missbraucht werden. Lassen sie uns die Immunreaktionen untersuchen, aber lassen sie uns nicht eine dystopische Gesellschaft schaffen, die auf ihnen basiert.[23]

Wir wissen: Die Autoren des Zürcher-Universitätsspitals sind keine Verschwörungstheoretiker. Eine »Logik des größten Übels als Lebenshaltung politischer Rationalität« (Zylbermann, oben) ist unter allen Umständen und mit allen legalen Mitteln von jedem einzelnen, denn jeder einzelne ist breits masssiv betroffen, zu verhindern, denn damit ist der erste Schritt in einen neuen Totalitarismus bereits vollzogen: Die aktuelle Lage bedarf unmittelbar und aktiv einer Neudefinition, dessen, wo die Grenzen des Staates sind. –

Einfach gesagt:

individuelle Überzeugungen (z.B. die Gesundheit betreffend) sind nicht Sache des Staates – der Staat darf in die freien Überzeugungsrechte des Individuums (in das freie Geistesleben kultureller Einrichtungen) nur im Notfall und dann verhältnismässig eingreifen. Die Verhältnismässigkeit der Massnahmen ist bei deren Publikation zugleich öffentlich zurechenbar zu begründen, insbesondere in Schwere und Dauer der Massnahme, was derzeit eklatant mangelt.

Hinweis: Dass Täuschung durch Weglassen und der Zwang zur Gesundheit Ausdruck einer der Wahrheit und menschlichen Freiheit feindlich gesonnenen Geistwesenheit sind, hat Tüscher im ersten Teil dieses Essays dargestellt, der in Ein Nachrichtenblatt Nr. 15, 2020 veröffentlicht wurde. Die Publikation dieses Teils seines Essays erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Mehr zu diesem Nachrichtenblatt: https://www.iea-enb.com/


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Anmerkungen:

  1. https://taz.de/Streit-um-Corona-Politik/!5701892/
  2. https://www.economiesuisse.ch/de/artikel/schaedliches-zahlenchaos-zur-corona-pandemie
  3. https://multipolar-magazin.de/artikel/faktencheck-fallzahlen (u.a.)
  4. https://www.rubikon.news/artikel/wir-machen-journalismus-2 (u.a.)
  5. https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/
  6. https://corona-transition.org/
  7. Tom Jefferson arbeitet für die Cochrane Collaboration. Mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern wertet der Arzt sämtliche veröffentlichte Studien zum Thema Grippe aus. Zuvor war Jefferson, zehn Jahre lang Hausarzt bei der britischen Armee
  8. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-66133688.html
  9. http://assembly.coe.int/CommitteeDocs/2010/20100329_MemorandumPandemie_E.pdf
  10. https://www.who.int/influenza/preparedness/pandemic/en/
  11. S.19: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/66155/WHO_CDS_CSR_EDC_99.1.pdf;sequence=1
  12. https://www.who.int/csr/resources/publications/influenza/en/WHO_CDS_CSR_GIP_2005_5.pdf
  13. https://www.who.int/influenza/resources/documents/pandemic_guidance_04_2009/en/
  14. https://www.who.int/influenza/preparedness/pandemic/influenza_risk_management_update2017/en/
  15. https://web.archive.org/web/20090418142949/http://www.who.int/csr/disease/influenza/pandemic/en/
  16. https://web.archive.org/web/20090520211728/http://www.who.int/csr/disease/influenza/pandemic/en/
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Pandemie#Definitionen_der_Influenza-Pandemiephasen_durch_die_Weltgesundheitsorganisation
  18. https://www.who.int/influenza/preparedness/pandemic/influenza_risk_management_checklist_2018/en/
  19. Public Health Emergency of International Concern/Öffentlicher Gesundheitsnotstand von internationaler Bedeutung
  20. https://www.who.int/ihr/9789241596664/en/
  21. risk_management_update2017/en/
  22. https://www.rubikon.news/artikel/der-gesundheitsterror
  23. Das Universitätsspital Zürich (USZ) hat Anfang August die Resultate seiner umfangreichen Antikörperstudie veröffentlicht, vgl: https://swprs.org/corona-in-zurich/

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Ein Kommentar

  1. Marcellinus Schenninck

    Ich kann nur sagen: super.
    Und, Leute lass´uns in die Pötte kommen!
    Gruß, Marcel.

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