Die Entfaltung der Christologie im Werk Rudolf Steiners – 1906 (7)

Jordantaufe

Jordantaufe. Visegrád Codex, 1085 Prag

In einer Vortragsreihe, die zwischen dem 27. Oktober und 6. November 1906 im Saal des Münchner Zweiges, in der Adalbertstraße 55 stattfand [1], versuchte Steiner in Anlehnung an das Johannes-Evangelium ein systematisches Gesamtbild der »theosophischen« Weltauffassung zu entwickeln und damit zugleich jenes »allermerkwürdigste Schriftstück der Welt« zu beleuchten, das seinem Verständnis des Christentums seit 1902 zugrunde lag.

Diese Vorträge repräsentieren eine Stufe der christologischen Erkenntnisentwicklung, die über alles bisher Dargestellte hinausgeht. Die gesamte theosophische Systematik – die Kosmogonie, Anthropogonie und Erkenntnislehre –, werden hier auf die zentrale Gestalt des Christus bezogen. Diese wiederum ist hineinverwoben in die Entwicklung des Kosmos und des Menschen. Kosmogonie, Anthropogonie und Initiation spiegeln sich ineinander, die Spiegelungsachse ist der »Mittelpunkt der Weltentwicklung«, das Erscheinen Christi auf Erden. Viele Erkenntnismotive, die in den folgenden Jahren ausgebaut, erweitert und vertieft werden, treten hier das erste Mal auf.

Die Druckversion bietet einen Text, der von den Herausgebern aus Aufzeichnungen Marie von Sivers’, Ludwig Kleebergs und Alice Kinkels erstellt wurde. Die einzelnen Vorträge nehmen zwischen acht und neun Druckseiten ein, sind also keineswegs als vollständige wörtliche Wiedergaben zu betrachten. Der Titel der Reihe stammt nicht von Rudolf Steiner.

Steiner bedient sich in dieser Vortragsreihe aus Rücksicht auf die Vorkenntnisse der Zuhörer teilweise der Terminologie der theosophischen Literatur, sie wird in der folgenden Übersicht konsequent in die anthroposophische Begrifflichkeit übersetzt, die bereits 1904 durch das Buch Theosophie eingeführt worden war. [2]

Da es dem Vortragenden um eine systematische Darstellung ging, ist im folgenden Referat die Rekonstruktion dieser Systematik nicht zu vermeiden. Das Entscheidende an seinen Ausführungen sind jedoch nicht unverstandene Schlagworte, sondern Begriffe und Begriffszusammenhänge, die der Redner durch seine Erläuterungen im mitdenkenden Bewusstsein der Zuhörer Schritt für Schritt zu entwickeln versucht. Denn allein die »Entwicklung«, die narrative Entfaltung von Begriffen, führt zur Einsicht in ihren substantiellen Gehalt. Wir müssen einen Gedanken »durcharbeiten, seinen Inhalt nachschaffen, innerlich durchleben bis in seine kleinsten Teile, wenn er überhaupt irgendwelche Bedeutung« für uns haben soll, so Steiner bereits 1886 in den Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung. Und 1887 heißt es im zweiten Band der Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften: »Darinnen besteht die wissenschaftliche Methode, dass wir den Begriff einer einzelnen Erscheinung in seinem Zusammenhange mit der übrigen Ideenwelt aufzeigen. Wir nennen diesen Vorgang: Ableiten (Beweisen) des Begriffes. Alles wissenschaftliche Denken besteht aber nur darinnen, dass wir die bestehenden Übergänge von Begriff zu Begriff finden, besteht in dem Hervorgehenlassen eines Begriffes aus dem andern. Hin- und Herbewegung unseres Denkens von Begriff zu Begriff, das ist wissenschaftliche Methode«. Die Initiationserkenntnis kann verstanden werden, wenn sie in gedanklicher Form expliziert wird. Um eine solche Explikation bemüht sich Steiner.

1. Christus, der Fleisch gewordene Logos

Das einstige spirituelle Verständnis des Evangeliums, so leitet er auch seine Münchner Vorträge ein [3], ist in der Neuzeit vollkommen verloren gegangen. Nicht nur das Neue, sondern auch das Alte Testament, insbesondere die Schöpfungserzählung, ist von diesem Unverständnis betroffen. Während noch vor fünfhundert Jahren eine wörtliche (naturalistische) Auslegung dieser Texte selbst kirchlichen Theologen grotesk erschienen wäre, halten heute sogar die Gläubigen den biblischen Schöpfungsbericht für buchstäblich wahr. Mit dem Anbruch der Neuzeit drang der Materialismus in die Religion ein und erfasste später die Naturerkenntnis. Heute werden vom materialistischen Standpunkt aus Auffassungen bekämpft, die durch jenen erst in die religiösen Überlieferungen hineingedacht wurden. Auch das Abendmahl wurde einst spirituell verstanden, – die Vorstellung, Wein und Brot verwandelten sich realiter in Blut und Fleisch Christi, wäre einer früheren Epoche des Christentums kindisch erschienen.

Wenn es z.B. heißt, Adam sei in einen tiefen Schlaf gefallen, so wurde dies einst als Hinweis darauf verstanden, dass er das Sieben-Tage-Werk in einer »astralen Vision« erlebte. Die gesamte Genesis ist als eine solche Vision zu interpretieren. Was geschaut und beschrieben wurde, waren imaginative Bilder der Weltentstehung.

Ebenso ist das Johannes-Evangelium als Schilderung imaginativer Erlebnisse aufzufassen. Der Verfasser des Evangeliums stellte extrakorporale Erfahrungen dar. Die synoptischen Evangelien können noch bis zu einem gewissen Grad wörtlich verstanden werden, nicht jedoch das vierte, das »die tiefste Wahrheit« des Christentums enthält. Es sieht in Christus »den Mittelpunkt der Weltentwicklung«. Der »in Jesus verborgene Christus« kann aus Sicht des Johannes nur aus einer höheren Erkenntnis verstanden werden. Dieser Christus, der »Führer der Menschheit«, ist ein kosmisches Wesen.

Schon der Prolog des Evangeliums deutet auf den Zusammenhang zwischen Mensch und Kosmos. Wer ihn meditativ erlebt, in dem erweckt er höhere Sinne und führt zur astralen Schau des in den folgenden Kapiteln Beschriebenen. Der Verfasser des Evangeliums war selbst ein Seher, dessen geistige Augen erweckt worden waren.

Steiner legt seinen Ausführungen das erste Mal eine eigene Übersetzung des Prologs zugrunde, den er als Meditation bezeichnet und in zwei Teile gliedert.

1. Teil:

Im Urbeginne war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden,
und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.
In diesem war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht begriffen.

2. Teil:

Es ward ein Mensch, gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf dass er Zeugnis ablege von dem Lichte,
auf dass durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.
Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden,
aber die Welt hat es nicht erkannt.
Bis zu den Ich-Menschen kam es,
aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.
Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
und nicht aus menschlichem Willen,
sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Lehre gehört,
die Lehre von dem einzigen Sohn des Vaters,
erfüllt von Hingabe und Wahrheit.

Wer sich meditativ in diese Worte versenke, werde nach Monaten oder Jahren geistig erleben, was ihnen zugrunde liege. Die gesamte Theosophie sei in ihnen enthalten.

Zunächst die Anthropologie.

Der sichtbare physische Leib des Menschen ist von höheren unsichtbaren Wesensgliedern durchdrungen. Von einem Ätherleib, der ihn wachsen lässt und am Leben erhält, einem Astralleib, der Triebe, Begierden und Leidenschaften in ihm erweckt. Trennen sich diese beiden Glieder vom physischen Leib, zerfällt er. Durch seinen physischen Leib ist der Mensch mit der mineralischen Welt verwandt, durch seinen Ätherleib mit der Pflanzenwelt, seinen Astralleib mit der Tierwelt. Im Schlaf wird der Mensch zur Pflanze, in ihm wirkt der Ätherleib fort und unterhält die vegetativen Prozesse, während er frei von spezifisch astralen Erlebnissen wie Begierden oder bewussten Willensregungen ist, da sich der Astralleib von physischem und Ätherleib getrennt hat. Wer das Bewusstsein im Schlaf aufrecht erhalten kann, erlangt einen Zustand, den die Menschheit erst in Zukunft erreichen wird. Über den Astralleib führt schließlich das Ich hinaus, das dem Menschen im Unterschied zu den übrigen Naturwesen eigen ist.

Der Hellsichtige vermag die höheren Wesensglieder des Menschen zu beobachten.

Es ist möglich, durch »energischen Einsatz des Willens«, den physischen Leib »wegzusuggerieren«; an seiner Stelle wird ein »herrlicher Lichtstoff« sichtbar, der sich in ständiger Bewegung befindet: der Ätherleib. Auch der Ätherleib lässt sich »wegsuggerieren«. An seiner Stelle wird der Astralleib sichtbar, eine »elliptische Wolke«, an der Triebe und Begierden in Form von farbigen Lichtbildungen erscheinen, aber auch »das helle Gelb einer entwickelten Intelligenz und klaren Denkens, und das schöne Blau der Frömmigkeit und selbstloser Aufopferungsfähigkeit«. Schließlich ist auch das Ich »als eine Art Hohlkugel von bläulicher Farbe ähnlich dem Kern einer Lichtflamme« hinter der Nasenwurzel für den Hellseher wahrnehmbar.

Der physische Leib des Menschen ist aus den Stoffen und Kräften der Erde gebildet. Der Ätherleib ist wie die Pflanzen nicht nur von der Erde, sondern auch von der Sonne abhängig, der Astralleib von den Kräften der Sternenwelt. Während des Schlafs lebt der Mensch in der Sternenwelt, in jenen Kräften, die diesen Leib aufgebaut haben. Er bewegt sich auf den Bahnen der Wandelsterne. Aus diesem Astralleib wird das Ich geboren. Die Gestirne bewegen sich nicht nur, sie tönen auch. Dieses Tönen der Gestirne wurde von den Pythagoräern als Sphärenmusik bezeichnet. Der »Grundakkord der Sphären« erhält vom Verfasser des Johannes-Evangeliums den Namen »Weltenwort« oder Logos. In dieser Richtung muss forschen, wer die tiefere Bedeutung des Prologs verstehen will.

2. Christus, der Lebensgeist

Das höhere Bewusstsein, dem die im Johannes-Evangelium geschilderten Erlebnisse zugänglich sind, so Steiner im zweiten Vortrag [4], kann jeder Mensch entwickeln. Ausgangspunkt dieser Entwicklung ist das Ich. Das, was als Ich bezeichnet wird, ist aber seinerseits Ergebnis einer Entwicklung und in sich gegliedert. Wer die Entwicklung des menschlichen Ich verstehen will, muss in ferne Zeiträume der Geschichte zurückblicken, biblisch ausgedrückt, in die Zeit zwischen der Vertreibung aus dem Paradies und der Sintflut, theosophisch ausgedrückt, in die lemurische und atlantische Zeit.

Die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ist nicht isoliert von seiner Lebensumgebung, Bewusstseinsentwicklung ist Koevolution von Um- und Innenwelt, mit dem Bewusstsein wandeln sich auch seine Gegenstände. Während der atlantischen Zeit war die Erde in eine Atmosphäre aus Wasserdampf gehüllt. Die germanische Mythologie hat eine Erinnerung an diese Zeit in der Vorstellung von Niflheim bewahrt. Damals gab es weder Regen noch Sonnenschein, sondern nur Nebelströmungen und diffuses Licht. Allmählich schlug sich die Feuchtigkeit als Wasser nieder. Die Sonne begann, den Nebel zu durchdringen. In dieser Nebelatmosphäre lebten die Vorfahren des heutigen Menschen. Erst gegen Ende der atlantischen Zeit trat das erste Mal ein primitives Ichbewusstsein auf, im Zusammenhang mit einer Klärung der Atmosphäre, der Herausbildung konturierter, voneinander abgegrenzter Naturgegenstände. Am Licht der Sonne, das die Nebel der Atlantis durchdrang, bildete sich das Auge, das Organ des Lichtes.

Zu Beginn der atlantischen Zeit besaß der Mensch noch keine Augen, die eine äußere Welt zu sehen vermochten. Dafür nahm er seine Umgebung in astralen Bildern wahr, so wie wir heute im Traum Bilder erleben. In diesen astralen Bildern manifestierte sich die Umgebung symbolisch. Allerdings waren die Bilder dieses Bewusstseins geregelter, geordneter, als die heutigen Traumbilder.

Der atlantischen Zeit ging die lemurische voran. In dieser entwickelte der Mensch seine »Empfindungsseele«, und befand sich in einem noch dumpferen Bewusstsein als der Atlantier.

Die drei Seelenglieder, die der Mensch heute besitzt: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewusstseinsseele sind vom Ich umgearbeitete Teile des Astralleibes. Allerdings wurden diese Glieder nicht bewusst vom Menschen ausgebildet, da er ja noch kein Selbstbewusstsein besaß, sondern von geistigen Wesenheiten, die sie in die Menschenseele hineinplastizierten. Erst gegen Ende der atlantischen Zeit beginnt der Mensch seinen Astralleib bewusst zu bearbeiten.

Im Wesentlichen steht die Menschheit noch heute auf der Stufe der Atlantier: sie vermag ihren Astralleib vom Ich aus zu bearbeiten. Diese Wirksamkeit des Ich zeigt sich daran, dass der Mensch lernt, seine Triebe, Begierden und Leidenschaften zu zügeln und sein Handeln den Gesetzen der Logik zu unterwerfen, z.B. indem er sich nicht nur von dem ernährt, was die Natur ihm gibt, sondern sät, pflügt und erntet.

Durch die bewusste Arbeit des Ich am Astralleib wird dieser umgewandelt, das Produkt der Umwandlung wird als Geistselbst (Manas) bezeichnet. Die Umwandlung des Astralleibes erschöpft sich nicht in der bloßen Zunahme von Intelligenz. Es ist durchaus möglich, dass der Astralleib trotz der Ausbildung von Intelligenz voller tierischer Leidenschaften ist. Kunst und Religion hingegen üben stärkere Macht auf ihn aus. Aus ihnen schöpft der Mensch die Kraft zur Selbstüberwindung und Veredelung. Selbsterziehung durch künstlerische und religiöse Betätigung wirkt tiefer als kraftlose, philosophische Moralgrundsätze. Die Kraft der Religion strahlt über den Astralleib auch auf den Ätherleib aus, während Moralgrundsätze, wenn überhaupt, nur den Astralleib verändern.

Die Umwandlung des Ätherleibs setzt eine weit größere Kraftanstrengung voraus, da er dem Ich einen stärkeren Widerstand entgegenbringt, als jener. So wie aus der Umwandlung des Astralleibs das Geistselbst hervorgeht, so aus der Umwandlung des Ätherleibes ein weiteres Wesensglied: der Lebensgeist (Budhi). Der Lebensgeist ist ein vergeistigter Lebensleib.

Im Orient wurde ein Mensch, der seinen Ätherleib weitgehend in Lebensgeist umgewandelt hatte, als »Buddha« bezeichnet. Wer systematisch an der Umwandlung seines Ätherleibs arbeitet, ist ein Geistesschüler (Chela).

Eine noch höhere Stufe erklimmt der Mensch, der beginnt, seinen physischen Leib zu vergeistigen. Wer dies vollbringt, wird vom Schüler zum »Meister«. Umwandlung des Ätherleibes bedeutet: das Temperament, die Gedächtniskraft, die Gewohnheiten zu ändern. Die heutige Menschheit ist im allgemeinen zu dieser Umwandlung nur ansatzweise imstande.

Die Umwandlung des Astralleibs ist erkennbar an der Veränderung der Kenntnisse und Vorstellungen im Lauf des Lebens, die Umwandlung des Ätherleibs an der Veränderung der Gewohnheiten und des Charakters. Es ist schwieriger, sich den Jähzorn abzugewöhnen, als sich von falschen Vorstellungen zu verabschieden. Die Umwandlung des Ätherleibs verhält sich zu jener das Astralleibs wie der Stundenzeiger einer Uhr zum Minutenzeiger. Lernen ist leicht, abgewöhnen schwer. Wer seine Gewohnheiten, seinen Charakter ändert, wird ein anderer Mensch, er eignet sich einen anderen Ätherleib an. Er erlangt Herrschaft über seine Wachstumskräfte. Gewohnheiten sind gebundene Wachstumskräfte, wer Gewohnheiten zerstört, dessen Wachstumskräfte werden frei und stehen fortan seinem Ich zur Verfügung. Darauf deutet das Wort Christi: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben«, d.h. Christus ist »die Personifikation der Kraft, die den Ätherleib umwandelt«.

Noch schwieriger ist es, den physischen Leib in seiner »animalischen, vegetativen, mechanischen oder reflektorischen Abhängigkeit« umzuwandeln. Aber auf einer bestimmten Stufe der menschlichen Entwicklung »betätigt sich kein Nerv, rollt kein Blutkügelchen«, ohne den bewussten Willen des Menschen. Die Umwandlung des physischen Leibes greift in Verhältnisse ein, die lange vor der atlantischen Zeit »fixiert« wurden, daher auch am schwersten zu verändern sind. Das, was aus der Arbeit am physischen Leib entsteht, wird als Geistesmensch (Atma) bezeichnet.

Ähnlich wie das Kind sich bei der Geburt aus dem dunklen Mutterschoß ins Licht des irdischen Tages emporarbeitet, so erlebt der Mensch, der die beiden Stufen der Schülerschaft und Meisterschaft erklimmt, eine Geburt, durch die er eine neue Welt betritt. In allen Mysterien wird das Erzeugen des Lebensgeistes als zweite Geburt oder Erweckung bezeichnet. Wie der Mensch einst seine innere astrale Bilderwelt verließ, um seine Umgebung im physischen Sonnenlicht wahrzunehmen, so verlässt der Erweckte, der hellsichtig wird, die sinnliche Welt, um in eine neue einzutreten, in der sich ihm die Naturumgebung in gänzlich anderem Licht zeigt. Sein Hellsehen ist nach außen gerichtet und nimmt das innere Wesen der Dinge wahr. Er sieht »die Seelen der Dinge«.

Übersetzt man die Begriffe der drei höheren Wesensglieder in die »christliche Terminologie«, dann entspricht das Geistselbst laut Steiner dem »Heiligen Geist«, der Lebensgeist dem »Wort oder Sohn« und der Geistesmensch dem »Vater«.[5]

Warum wird der Lebensgeist als »Wort« bezeichnet? Eine Antwort darauf ergibt sich aus der Erkenntnis der Funktion des Ätherleibs: er bewirkt Wachstum und Fortpflanzung. Die »höchste Äußerung« des Ätherleibes ist die Fortpflanzung, durch sie wirkt er über sich selbst hinaus, er reproduziert sich in einem anderen Wesen. Diese Fortpflanzungskraft des Ätherleibes wird, wenn sie sich vergeistigt, zur Kraft der Sprache. Der Kehlkopf ist die »vergeistigte Fortpflanzungskraft«. Auf den Zusammenhang beider deutet der Stimmbruch. Wenn aus der Menschenseele der erste artikulierte Laut dringt, »beginnt der Lebensgeist in sie hineinzuleuchten«. So wie die physischen Fortpflanzungsorgane leibliches Leben erzeugen, so die »wortzeugenden Organe« geistiges Leben. Der Kehlkopf kann geradezu als »höheres Geschlechtsorgan« bezeichnet werden. Das Wort ist die Zeugungskraft, »aus der neue Menschengeister hervorgehen«, der Mensch erlangt in ihm eine vergeistige Schöpferkraft. Heute vermag er durch das Wort lediglich die Luft zu gestalten. Dereinst wird er mit seinem Wort in das flüssige und schließlich in das feste Element hineinwirken. Dann wird das Wort zum Schöpfungswort. Er wird auf dieselbe Stufe gelangen, von der der Prolog des Johannes-Evangeliums spricht, wenn es vom Wort sagt, aus ihm sei alles entstanden. Das Leben, das aus dem »Wort« des »Urgeistes« herausströmt, ist wörtlich zu verstehen. Es ist der Geist, aus dem alles Leben hervorgegangen ist, der alles belebt. Das Wort (der Logos) ist der Lebensgeist. Und dieser wiederum ist das »Ich bin« (Joh 6, 35: »Ich bin das Brot des Lebens«; 11,25: »Ich bin die Auferstehung und das Leben«).

In »geometrischer Klarheit« bezeichnet der Prolog, so Steiner, die drei Stufen der Weltentstehung, indem er Gott(-vater) mit dem physischen Leib parallelisiert, das Leben mit dem Wort (Ätherleib) und das Licht mit dem Astralleib, also den drei Naturreichen, die der Mensch in sich trägt: »Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott (Schöpfer) war das Wort. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen«. »Urgott, Leben und Licht« sind somit »die drei Grundbegriffe« des Johannes-Evangeliums.

Johannes musste den Lebensgeist in sich entwickeln, »um das erfassen zu können, was sich in Christus Jesus offenbarte«. Johannes war ein Erweckter, er stand als Evangelist auf einer höheren Erkenntnis- oder Seinsstufe als die Synoptiker.

Den Namen Johannes trugen zu seiner Zeit aber alle Menschen, die erweckt wurden. Der Name ist ein »Gattungsname« und die Auferweckung des Lazarus im Johannes-Evangelium ist nichts anderes als die Beschreibung einer Auferweckung des Lebensgeistes in ebendiesem Lazarus. Der Jünger, den der Herr lieb hat, ist der intimste Schüler des Meisters, jener, den sein Meister erweckte.

Vorheriger Beitrag: Das Christentum als zentrales Moment der Evolution

Wird fortgesetzt

Anmerkungen:

[1] GA 94. In diesem Haus befand sich auch die Privatwohnung Sophie Stindes und Pauline von Kalckreuths.

[2] Ebenso werden die missverständlichen, biologistisch angehauchten Termini »Wurzel- und Unterrasse«, die Steiner parallel zu historischen Epochenbegriffen wie »Periode«, »Zeitalter« oder geistesgeschichtlichen wie »Bewusstseinsstufe« und »Kultur« verwendet, durch die letzteren ersetzt, die dem Gemeinten besser entsprechen.

[3] 27. Oktober 1906

[4] 28. Oktober 1906

[5] Im Notat ist von einer »Entsprechung« die Rede, nicht von einer »Identität«.

3 Kommentare

  1. Guten Tag Hr. Ravagli,

    der Templerorden im Mittelalter war kein rein christlicher Orden, sondern ein mystischer Orden. Die Katharer wollten tatsächlich anders leben, als die Kirche das befohlen hat. Angeblich wurde die Lebensweise der Katharer durch die Lehre einer Frau inspiriert. Angeblich funktionierte der Lebens- und Wirtschaftsraum der Katharer ganz gut bis er von der Armee des Papstes, einiger Orden und Fürsten vernichtet wurde. Die Johannes-Christen kenne ich überhaupt nicht, nie davon gehört.

    Ich glaube nicht, daß die politische Instrumentalisierung anachronistisch, also aus dem Fortlauf der Geschichte oder nicht in die Anfangszeit oder eine andere Zeit passen, also als obsolet bezeichnet werden kann. Ich glaube, daß das sehr gut passt. Während der Zeit der Aufklärung hat man sich vielleicht in einer breiteren Öffentlichkeit mit dem politischen Aspekt der christlichen Lehre beschäftigt als früher, ich glaube aber, daß das was in der Bibel steht sehr wohl ein hoch politisches Werk und eine Art Bedienungsanleitung für eine Regentschaft ist. Fragt sich nur, für was für eine.

    Einige Stunden nachdem ich meinen Kommentar geschrieben hatte, verstand ich plötzlich, was die „Hauptperson“ im Neuen Testament mit „heiligem Geist“ gemeint haben könnte. Ja, damit ist die wohl tatsächlich die geistige Essenz der Bibel-Schrift gemeint. Sie haben das in Ihrer Antwort sehr schön bestätigt, was ich sehr interessant finde.

    Für mich ist der Heilige Geist jedoch etwas völlig anderes. Für mich ist der Heilige Geist tatsächlich die geistige Ausstrahlung des Willens der All-Quelle, die alles Sein erschaffen hat und die das Leben ist. Dieser Heilige Geist strömt um uns und durch uns ohne Unterlaß und hält alles am Leben und in Ordnung, entsprechend der verschiedensten kosmischen Gesetze und eben des höchsten Willens.

    Wenn jeder Mensch das Göttliche in sich trägt, wird alle Hierarchie auf Erden obsolet schreiben Sie.

    Wir tragen das Göttliche in uns, anders geht es nicht, sonst könnten wir nicht erleben. Wir haben kein Leben meiner Überzeugung nach, weil es nur ein einziges Leben gibt, sondern wir erleben das eine Leben. Trotzdem ist es natürlich gewohnter zu sagen, wir leben. Das was wir tun: indem wir falsch denken, sprechen und handeln, würgen wir den Fluß des Lebens auf ein Rinnsal ab.

    Wenn wir in die Natur schauen, dann erkennen wir, daß es dort sowohl Hierarchie, als auch Vernetzung gibt, wobei es zwischen Beiden keine Grenzen gibt. Wer steht schon hierarchisch höher, der Regenwurm oder der Baum? Niemand kann ohne den anderen überleben. Und das ist der Grund, warum ich in Strukturen und Modellen zwar durchaus Hierarchien erkenne und akzeptiere. Aber die Anwendung von Hierarchie als Machtinstrument fast vollständig ablehne.

    Im Matthäus-Evangelium ist für mich absolut kein demokratischer Zug erkennbar, sondern ganz im Gegenteil die totale Hierarchie erklärt. Grob: Gott – Christus – die zwölf Throne – die Menschen auf verschiedenen Graden. Es wird von Wissen gesprochen, dessen Bedeutung nur wenigen erklärt wird und völlig absichtlich und berechnend den anderen nicht erklärt wird. Die ist absolut keine Demokratie sondern Herrschaft.

    Jesus Christus bezeichnet sich in der Bibel als den Morgenstern, oder er wird als der Morgenstern bezeichnet. Der Morgenstern ist allerdings Luzifer. Ich habe letztens eine für mich sehr verstörende Messe gesehen. Dort standen am Altar mehrere Priester die wie kath. Priester gekleidet waren. Und diese Priester und die Menschen in der Kirche haben irgend etwas gesungen und dabei die Arme erhoben und sehr euphorisch und ekstatisch das bekannte gehörnte Symbol mit der Hand gefeiert. Außerdem gibt es mindestens eine Aufzeichnung, in der Priester in der Osternacht den Luzifer besingen. Das kann alles kein Zufall sein. Ich kenne eine Kirche, die auf ihrer Kirchturmspitze ein auf den Kopf gestelltes Kreuz trägt. Es gibt einen Papst-Thron, der in der Rückenlehne ein umgekehrtes Kreuz eingeschnitten hat.

    Mir macht große Sorgen, daß diese Priester-Leute ja alles andere als dumm sind. Wir dürfen also nicht den Fehler begehen und uns diese Erscheinungen schön reden.

    Ob die Evangelien aus unterschiedlichen Mysterienschulen abstammen weiß ich nicht und kann mir darüber auch keine Vorstellung machen, da ich darüber kaum etwas weiß. Die Mystik ist die Lehre vom Leben mit seinen Lebens-Gesetzen. Diese Lebens-Gesetze haben eine geordnete Struktur. Können wir in den Evangelien solche Strukturen finden? Ich weiß das nicht.

    Wir kennen doch das Sprichwort: „Lügen haben kurze Beine“. Das bedeutet, daß auf einer Lüge niemals etwas aufgebaut werden kann, was von großer Dauer und fruchtbar ist. Die christliche Gesellschaft ist jetzt ca. 2000 Jahre alt und das ist für eine Gesellschaftsform wirklich kein sehr hohes Alter. Aber wir haben schon zwei Weltkriege ausgelöst und wir stehen kurz vor dem dritten. Ich sehe die ganz normalen Menschen und ich sehe, daß diese Menschen innerlich gut sein möchten. Es fehlt ihnen aber an einer inneren tragenden Struktur. Warum ist das so? Könnten sie sich diese Struktur nicht aus den Evangelien holen? Irgend etwas scheint die Menschen aber davon abzuhalten. Ich glaube nicht, daß daran allein der Teufel und seine Dämonen schuld sind.

    Bei mir ist es jedenfalls so, daß es mir viel leichter fällt, wenn mir erklärt wird, wie etwas funktioniert und wie ich mich richtig verhalten sollte, damit dieses Funktionieren unterstützt und sogar weiterentwickelt wird. Am Anfang und immer wieder brauche ich dafür sehr gute Lehrer, die mir einen guten und wichtigen Anschub geben. Mit der Zeit entwickelt sich vieles von ganz allein aus mir selbst heraus. Aber immer wieder benötige ich einen guten geistig-seelischen Impuls, damit ich weiterkomme.

    Solche Informationen sind in den Evangelien oder im alten Testament tatsächlich enthalten, vieles dort empfinde ich jedoch als blockierend.

    Ich hatte soeben eine interessante gedankliche Verbindung zum Islam des Mohammed und seinem Koran.

    Es ist faszinierend, wie sich ein Bewußtsein für Gedanken und ihre Qualität und Quantität herausbilden kann. Die Struktur der Gedanken und das „Leben“ der Gedanken ist sehr faszinierend und ich stelle fest, daß ich sehr bemüht bin, damit immer vorsichtiger umzugehen.

  2. Sie schreiben, daß die Menschen früher die Bibel niemals wörtlich interpretiert hätten, sondern gefühlt. Ich weiß ja nicht, wie die Menschen vor 600 Jahren gelebt und gedacht haben. Die Überlieferungen legen jedoch nahe, daß das allgemeine Volk sehr viel gefühlsbetonter gelebt hat als wir heute. Es ist aber sicherlich auch so, daß der Bildungsstand der Bevölkerung natürlich wesentlich geringer war als heute. Sogar viele Adelige konnten weder lesen noch schreiben. Was bleibt also übrig, wenn die Bildung zum Denken fehlt? Richtig, das Gefühlsleben. Bildung war ein Privileg für wenige und vor allem für die Priesterschaften. Und man muß verstehen, was die wirkliche Aufgabe von Priester ist, was diese Leute wirklich tun. Dann verstehen wir auch die Bewegungen unserer Zeit sehr viel besser.

    Es gibt die Literatur der Romantik und die Texte der Romantik unterscheiden sich doch sehr von den Texten der Bibel. Wäre es die Absicht der Bibelschreiber gewesen, daß die Texte dort hauptsächlich Gefühlsbilder übermitteln, so hätte man doch einen anderen Sprachstil wählen müssen.

    Die Bibel verstehe ich als eine komplexe Konstruktion aus geschichtlichen Überlieferungen, einem Verhaltenskodex, einer Welterklärung und einem Zucker und Peitsche Belohnungs- und Bestrafungssystem.

    Die Bibel ist eine Konstruktion für die Errichtung und Aufrechterhaltung einer geistigen Struktur, die als unsichtbares Gerüst die Grundlage zur Errichtung und Regentschaft einer Gesellschaft dienen soll. Die Bibel ist keinesfalls Gottes Wort für mich.

    Die innerste Struktur der Bibel ist verbogen und verzerrt und darum ist die geistige Struktur der Bibel unvollkommen und ich sage sogar – gefährlich.

    Der Beweis für meine These liegt darin, daß wir uns nur ansehen müssen, wie unsere westliche Gesellschaft, die auf dem Torf der Bibel aufgerichtet wurde, ausschaut, was sie plant, was sie kommuniziert und was sie unternimmt.

    Wir planen falsche Dinge, wir kommunizieren hasserfüllt untereinander, und wir unternehmen schlimme Dinge. Und dies sind nicht die Ausnahmen, sondern die Regel.

    Doch all dies nährt sich aus der Wurzel einer geistigen Struktur, denn alles was sich im materiellen manifestiert, kann sich nur aufgrund einer geistigen Struktur die allem zugrunde liegt, entwickeln.

    Unsere Gesellschaft steht auf dem Kopf und besonders die Kirchen-Organisationen, die Tempel-Organisationen, die Ordens-Organisationen stehen auf dem Kopf. Und weil alles auf dieser Welt von diesen Organisationen ausgeht und regiert wird, stehen auch die Menschen unserer Gesellschaft auf dem Kopf. Ich erkenne dies an den Gesprächen, die ich mit den Menschen führe. Und ich habe den Eindruck, daß sich dieses Phänomen sogar noch verstärkt und das Kippen der Gesellschaft nimmt sogar noch an Geschwindigkeit zu.

    Im Moment lese ich wieder im neuen Testament. Das Matthäus Evangelium habe ich dieses Wochenende gelesen und bin nun im Markus Evangelium. Im Matthäus Evangelium gibt es seltsame Brüche und Widersprechungen. Das Markus Evangelium wiederholt das meiste aus dem Matthäus Evangelium. Ich lasse derzeit vor allem das Matthäus Evangelium auf mich wirken. Und ich habe das Gefühl, daß das Evangelium wie ein sehr dünnes Brett ist, eine Ansammlung an Honigtöpfen und eine gnadenlose Peitsche dazu.

    Wie kann denn das sein?
    Das soll das ganze Lebenswerk von Jesus Christus gewesen sein, der 32 Jahre lang gelebt hat? Zu einer Zeit und in einem Gebiet, in dem viele Menschen sowieso nicht recht viel älter geworden sind?

    Ich habe den Verdacht, daß die Evangelien ein künstliches Werk von Priestern sind, die aus der ursprünglichen Lehre von „Jesus Christus“ etwas abgeleitet haben, was in ihr eigenes Weltbild, ihre eigenen Absichten und in ihr eigenes Denken gut hineinpasst.

    Ich glaube und ich hoffe, daß die Evangelien so wie wir sie aus der Bibel kennen, nicht sehr viel mit der wahrhaftigen Lehre von „Jesus Christus“ zu tun haben, denn es gibt dort viele Textstellen, die mir das Herz brechen.

    Ich habe Kardinal Marx per eMail angefragt, warum die Kirchenleute eigentlich selbst nicht das leben, was im Matthäus Evangelium als Anweisung von „Jesus Christus“ aufgeschrieben steht. Ich habe nie eine Antwort erhalten.

    • Lieber Herr Crempel,

      wenn Steiner von der esoterischen Auslegung der Evangelien spricht, meint er natürlich nicht die Volksreligion, sondern besondere religiöse Gemeinschaften, in welchen diese Auslegung lebte, wie z.B. Katharer, den Templerorden, Johannes-Christen usw., sowie einzelne Theologen, wie z.B. Dionysios Areopagita, Scotus Eriugena usf. Die Auffassung, die sogenannten Heiligen Schriften seien von Priestern verfasst worden, um Herrschaft zu legitimieren, verdankt sich der Aufklärung und ist anachronistisch. Diese politische Instrumentalisierung stand nicht am Anfang, sondern am Ende einer Entwicklung. Im Gegenteil: auch in den Evangelien ist der radikal demokratische Zug deutlich erkennbar, der mit dem ursprünglichen Christentum in das religiöse Leben eingezogen ist. Wenn jeder Mensch das Göttliche in sich trägt, wird alle Hierarchie auf Erden obsolet. Allerdings wurde die Botschaft des Christentums in Gesellschaften eingebaut, die alles andere als herrschaftsfrei waren. Was dabei herauskam, wissen wir. Das Gottesgnadentum des Absolutismus kann man natürlich nicht aus den Evangelien ableiten, ebensowenig wie das Papsttum.

      Für die sogenannten Widersprüche der Evangelien – keineswegs eine neue Erkenntnis – hat Steiner eine einfache Erklärung: sie sind keine historischen Chroniken, sondern wurden aus der Perspektive unterschiedlicher Mysterienschulen verfasst, die jeweils bestimmte Aspekte des Jesuslebens und Christuswesens betonten. Darüberhinaus gibt es, was allgemein bekannt ist, die unterschiedlichsten Redaktionen und Manuskripte. Aber selbst die widersprüchlichen Varianten der Kreuzesworte (Mein Gott, warum hast Du mich verlassen // wie hast Du mich verherrlicht) lassen sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Perspektive, aus der sie geschrieben sind, miteinander vereinbaren.

      Die Beschaffenheit unserer westlichen Gesellschaft ist kein »Beweis« für das, was sie die »Verbogenheit« der Bibel nennen, vielmehr ist sie ein Beweis dafür, wie wenig der Geist der Evangelien, der Heilige Geist, in sie eingedrungen ist.

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