Über den Ursprung des Corona-Virus (1)

Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 2021.

Über den Ursprung des Corona-Virus, das für die von der WHO 2020 ausgerufene Pandemie verantwortlich sein soll, gibt es zwei unterschiedliche Theorien. Beide sind bisher nicht bewiesen. Die erste Theorie besagt, es sei auf natürlichem Weg von Fledermäusen über Zwischenwirte auf den Menschen übergesprungen und die zweite, es sei zufällig aus einem Labor in Wuhan entwichen. Eine Variante dieser Theorie, nach der das Virus vom chinesischen Militär als Biowaffe entwickelt und mit Absicht freigesetzt worden sei, wird ebenfalls vertreten, stellt aber bisher eher eine Randerscheinung dar.[1] Die Frage, ob die Existenz des Virus gemäß den »Kochschen Postulaten« nachgewiesen wurde, spielt in der Diskussion über diese Theorien keine Rolle. (Quelle der folgenden Abbildung)[2].

Über den Ursprung des Coronavirus

Mögliche Übertragungswege von SARS-CoV-2s auf den Menschen. A. Direkte Infektion von Fledermäusen auf den Menschen, entweder auf natürlichem Wege oder durch Virusentnahme. B. Infektion des Menschen über einen Zwischenwirt wie Schuppentiere oder andere Säugetiere. C. Laborhypothese: Entnahme von Proben aus wildlebenden Fledermäusen, gefolgt von verschiedenen Laborschritten wie RNA-Extraktion und Sequenzierung, Virusisolierung oder -synthese aus einer gegebenen Sequenz, Wachstum in Zellkultur und Infektionstests, Gentechnik, Passage in humanisierten Mäusen oder anderen Tiermodellen. Die Infektion des Menschen kann durch versehentliches Entweichen des Virus aus der Laborumgebung verursacht werden.

Die Unfallvariante wurde frühzeitig (Mitte Februar 2020) als Verschwörungstheorie diskreditiert.[3] Tonangebend bei dieser Diskreditierung war Peter Daszak, ein amerikanischer Biologe, der auch jener WHO-Untersuchungskommission angehörte, die in China nach dem Ursprung des Corona-Virus fahndete. Der Untersuchungsbericht stellte fest, dass das Virus keinesfalls aus einem chinesischen Labor entsprungen sein könne. Inzwischen verdichten sich aber Hinweise, die für diese diskreditierte Theorie sprechen.

Den öffentlichen Brief zur Diskreditierung der These eines möglichen Laborunfalls, der in der Zeitschrift Lancet veröffentlicht wurde, verfasste Daszak höchstpersönlich, wie die amerikanische Transparenzinitiative US Right to Know herausgefunden hat.[4] Er wurde von 27 »Gesundheitswissenschaftlern« unterzeichnet – unter ihnen Christian Drosten. Der Brief konstatierte: »Der schnelle, offene und transparente Austausch von Daten über diesen Ausbruch wird … durch Gerüchte und Fehlinformationen über seine Herkunft bedroht. Wir stehen zusammen, um Verschwörungstheorien, die nahelegen, dass COVID-19 keinen natürlichen Ursprung hat, scharf zu verurteilen … Verschwörungstheorien bewirken nichts anderes als Angst, Gerüchte und Vorurteile, die unsere globale Zusammenarbeit im Kampf gegen dieses Virus gefährden.«

Peter Daszak ist unter anderem Präsident der EcoHealth Alliance, die sich auf ihrer Netzseite als »globale, gemeinnützige Umweltgesundheitsorganisation« anpreist, »die sich dem Schutz der Tierwelt und der öffentlichen Gesundheit vor dem Auftreten von Krankheiten verschrieben hat.«[5]

Journalisten der Independent Science News haben durch Anfragen nach dem Freedom of Information Act von der amerikanischen Regierung in Erfahrung gebracht, dass der Hauptgeldgeber der EcoHealth Alliance das amerikanische Verteidigungsministerium ist.[6] Weitere Regierungsagenturen, die sich an der Finanzierung beteilig(t)en, sind das National Institute of Health, die National Science Foundation, der US Fish and Wildlife Service und die US Agency for International Development.

Daszak hat als Präsident der EcoHealth Alliance seit Jahren – seit unter Barack Obama im Jahr 2014 ein Moratorium verhängt wurde – sogenannte Gain-of-Function-Forschung an Coronaviren mitfinanziert.[7] Bei dieser hoch umstrittenen Forschung geht es darum, Viren durch genetische Manipulation mit mehr Funktionen auszustatten, die sie beispielsweise ansteckender oder auf Menschen besser übertragbar machen, als sie es von Natur aus sind. Gerechtfertigt wird diese Forschung damit, sie entdecke potentielle Gefahrenquellen und könne Verteidigungsstrategien gegen künftige Mutationen entwickeln. Natürlich könnten diese im Labor herangezüchteten Varianten theoretisch immer auch einer militärischen Nutzung zugeführt werden.

Das folgende Video zeigt Daszak (rechts) im Gespräch mit dem Virologen Vincent Racaniello von der Columbia University über die Manipulation von Coronaviren im Rahmen der Gain-of-Function-Forschung.[8]

Das Interview fand am 9. Dezember 2019 während der Nipah Virus International Conference in Singapur statt, an der die beiden Interviewpartner teilnahmen.[9]

Daszak spricht in dem Video darüber, wie Forscher am Wuhan Institute of Virology das Spike-Protein umprogrammiert und chimäre Coronaviren erzeugt haben, die in der Lage sind, mit menschlichen Genen ausgestattete Mäuse zu infizieren.

Über den Ursprung des Corona-VirusDaszak: »Und wir haben jetzt, wissen Sie, nach 6 oder 7 Jahren, über 100 neue SARS-verwandte Coronaviren gefunden, die SARS sehr ähnlich sind … Einige von ihnen gelangen im Labor in menschliche Zellen, einige von ihnen können in humanisierten Mäusemodellen die SARS-Krankheit auslösen und sind mit therapeutischen Monoklonalen nicht behandelbar und man kann nicht mit einem Impfstoff gegen sie impfen. Sie sind also eine klare und gegenwärtige Gefahr …«

Racaniello: »Sie sagen, es handelt sich um verschiedene Coronaviren und man kann nicht gegen sie impfen, und es gibt keine antiviralen Mittel – was sollen wir also tun?«

Daszak: »Nun, ich denke … Coronaviren – man kann sie im Labor ziemlich leicht manipulieren. Das Spike-Protein steuert eine Menge von dem, was mit Coronaviren passiert, in Bezug auf das zoonotische Risiko. Man kann also die Sequenz bekommen, man kann das Protein bauen, und wir arbeiten viel mit Ralph Baric an der UNC zusammen, um das zu tun. Wir fügen es in das Rückgrat [backbone] eines anderen Virus ein und arbeiten im Labor daran. So können Sie mehr Vorhersagen treffen, wenn Sie eine Sequenz finden. Man hat diese Vielfalt. Nun ist die logische Folge für Impfstoffe: Wenn man einen Impfstoff gegen SARS entwickeln will, wird man das pandemische SARS verwenden, aber lasst uns ein paar dieser anderen Dinge einfügen und einen besseren Impfstoff bekommen.«

Daszak sprach andeutungsweise von auf dem Spike-Protein basierenden Impfstoffen gegen neuartige Coronaviren. Obwohl er über die Gain-of-Function-Forschung am Wuhan-Institut bestens informiert war, erklärte er im April 2020: »Die Idee, dass dieses Virus aus einem Labor entwichen ist, ist reiner Blödsinn. Es ist einfach nicht wahr«.[10]

Ende September 2020 schrieben die Umweltaktivisten von GMWatch über Daszak: »Daszak wird von Kritikern wie dem Mikrobiologen Richard Ebright von der Rutgers University, der ihn der Lüge ›in Trump’schem Ausmaß‹ bezichtigt hat, und dem Evolutionstheoretiker Bret Weinstein, der ihn als ›Patient Null für Fehlinformationen‹ über die Ursprünge von Covid-19 bezeichnete, als Super-Fake-News-Spreader betrachtet. […] Tatsächlich hat Daszaks EcoHealth Alliance sowohl die Fledermaus-Coronavirus-Überwachung des Wuhan Institute of Virology als auch dessen Forschung zur Erweiterung der Funktionen von Fledermaus-Coronaviren mit Hilfe von Multi-Millionen-Dollar-Zuschüssen der US-Regierung finanziert.«[11]

Bereits der Physiker Roland Wiesendanger hat im Februar dieses Jahres in einer umfangreichen Arbeit die hohe Wahrscheinlichkeit nachgewiesen (Download), dass das Virus tatsächlich einem chinesischen Labor entsprungen sein könnte. Er heimste sich mit seiner Arbeit die üblichen Beschimpfungen und Verdächtigungen ein. Inzwischen gesellte sich der britische Autor Nicholas Wade, ehemaliger Herausgeber von Nature, ehemaliger Mitarbeiter von Science sowie Wissenschaftskolumnist der New York Times und  Autor des Buches A Troublesome Inheritance: Genes, Race and Human History mit einem längeren Essay hinzu, der Wiesendangers These über den Ursprung des Corona-Virus stützt. Veröffentlicht wurde Wades Auseinandersetzung mit dem Thema auf der Plattform medium.com.[12]

Wade ergreift nicht von vornherein Partei für eine der beiden Theorien. Er setzt sich mit den von Befürwortern und Gegnern ins Feld geführten Argumenten auseinander und wägt deren Plausibilitäten ab, um am Ende die Leser selbst zu einem Urteil kommen zu lassen.

Über den im Lancet erschienenen Daszak-Brief bemerkt er, dieser sei zu einem Zeitpunkt veröffentlicht worden (am 19. Februar 1920), als noch keineswegs feststehen konnte, wo das Virus tatsächlich herkam. Er thematisiert auch die Verstrickung Daszaks in die Gain-of-Function-Forschung in Wuhan. Die ausdrückliche Verneinung von Interessenkonflikten durch die Verfasser und Unterzeichner des Briefes hält er jedenfalls für skandalös.

Wade kommentiert das Verhalten Daszaks wie folgt: »Für Virologen wie Daszak stand viel auf dem Spiel. 20 Jahre lang hatten sie, meist unter dem Radar der Öffentlichkeit, ein gefährliches Spiel gespielt. In ihren Labors schufen sie routinemäßig Viren, die gefährlicher waren als die in der Natur vorkommenden. Sie argumentierten, dass sie das Übergreifen von Viren von einem tierischen Wirt auf den Menschen vorhersagen und verhindern könnten. Sollte SARS-CoV-2 tatsächlich aus einem solchen Laborexperiment entkommen sein, wäre ein heftiger Rückschlag zu erwarten, und der Sturm der öffentlichen Empörung würde Virologen überall treffen, nicht nur in China. ›Es würde das wissenschaftliche Gebäude von oben bis unten erschüttern‹, sagte ein Redakteur der MIT Technology Review, Antonio Regalado, im März 2020.«

Wade geht auch auf einen weiteren Brief ein, der am 17. März 2020 in der Zeitschrift Nature Medecine erschien.[13] Dieser wurde von einer Gruppe von Virologen um Kristian G. Andersen vom Scripps Research Institute verfasst. Die Autoren erklärten bereits im zweiten Absatz ihres Schreibens: »Unsere Analysen zeigen eindeutig, dass SARS-CoV-2 kein Laborkonstrukt oder ein absichtlich manipuliertes Virus ist«. Im Gegensatz zum Daszakbrief, der keinerlei Argumente für die Diskreditierung der Theorie eines Laborursprungs vorbrachte, führten die Virologen um Andersen immerhin zwei Argumente ins Feld, warum das Virus natürlichen Ursprungs sein müsse, die Wade aber für wenig stichhaltig hält (Näheres dazu im englischen Original). Der Andersen-Brief erfuhr bereits im März 2020 von fachlicher Seite eine harsche Zurückweisung.[14]

Dass es sich bei den Briefen von Daszak und Andersen um politische Aktionen handelte, darüber besteht laut Wade kein Zweifel. Ebensowenig, dass sie ihre Wirkung entfalteten. Die »Mainstream-Presse« habe im Anschluss an diese Publikationen erklärt, »unter Experten bestehe Konsens«, dass ein Ausbruch des Virus aus einem Labor ausgeschlossen oder extrem unwahrscheinlich sei.

Die postulierte »extreme Unwahrscheinlichkeit« eines Laborunfalls machte im Umkehrschluss den natürlichen Ursprung des Corona-Virus »extrem wahrscheinlich«.

Die Kommission der Weltgesundheitsorganisation, die im Februar 2020 China besuchte, kam zu keinem anderen Ergebnis. Allerdings erbrachte ihre Untersuchung auch das Ergebnis, dass die chinesischen Behörden keinerlei Beweise für die Theorie des natürlichen Ursprungs vorzulegen vermochten.

Wade weist darauf hin, dass es bei früheren Coronaviren innerhalb kurzer Zeit gelungen sei, die Zwischenwirte, von welchen sie auf Menschen übersprangen, zu entdecken. Sowohl das SARS1-Virus von 2002/03 als auch das MERS-Virus von 2012/13 hätten zahlreiche Spuren in der Umwelt hinterlassen. Der Zwischenwirt von SARS1 (Larvenroller) sei innerhalb von vier Monaten nach Ausbruch der Epidemie identifiziert worden, jener von MERS (Kamele) 2012 innerhalb von neun Monaten. Doch noch 15 Monate nach Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie und einer vermutlich intensiven Suche hätten chinesische Forscher weder die ursprüngliche Fledermauspopulation noch den Zwischenwirt, auf den SARS-CoV-2 übergesprungen sein soll, noch irgendeinen serologischen Beweis dafür gefunden, dass die chinesische Bevölkerung jemals vor Dezember 2019 dem Virus ausgesetzt gewesen sei. Der natürliche Ursprung des Corona-Virus bleibe eine Vermutung, für die, wie plausibel sie auch sein möge, in über einem Jahr nicht der geringste Beweis erbracht worden sei.

Da die These des natürlichen Ursprungs weiterhin unbewiesen ist, stellt die alternative Vermutung, SARS-CoV-2 sei aus einem Labor entwichen, nach wie vor eine ernstzunehmende Alternative dar.

Die Fähigkeiten der Genetiker hätten sich in der jüngsten Zeit erheblich erweitert, so Wade. Es sei ihnen gelungen, das Grippevirus von 1918 nachzubauen, das fast ausgestorbene Polio-Virus aus seiner veröffentlichten DNA-Sequenz zu synthetisieren und ein Pocken-Gen in ein verwandtes Virus einzuführen. Bei all diesen Errungenschaften handle es sich um Experimente zur Funktionserweiterung (Gain-of-Function). Bei den Coronaviren gelte das Interesse den Spike-Proteinen, die aus dessen kugelförmiger Oberfläche herausragten und bestimmten, auf welche Tierart es überspringen könne. Im Jahr 2000 sei es holländischen Forschern gelungen, das Spike-Protein eines Maus-Coronavirus gentechnisch so zu verändern, dass es nur Katzen anstecken könne.

Seit den SARS1 und MERS-Epidemien und der Entdeckung, dass diese von Fledermaus-Coronaviren ausgegangen waren, seien diese Viren mit Hochdruck erforscht worden. Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology unter der Leitung der führenden chinesischen Expertin für Fledermausviren, Zhengli-Li Shi, hätten regelmäßig Expeditionen in die Fledermaushöhlen von Yunnan in Südchina unternommen, um dort etwa hundert verschiedene Fledermaus-Coronaviren einzusammeln. Zhengli-Li Shi habe sich mit Ralph S. Baric, einem Coronavirus-Forscher an der Universität von North Carolina zusammengetan. Ihre Arbeit habe sich darauf konzentriert, die Fähigkeiten von Fledermausviren zu verbessern, um »das Emergenzpotenzial (d. h. das Potenzial, Menschen zu infizieren) von zirkulierenden Fledermaus-Coronaviren zu untersuchen.«[15] Im November 2015 hätten Baric und Shi ein neuartiges Virus hergestellt, indem sie das Spike-Protein des SARS1-Virus durch ein anderes Fledermausvirus (bekannt als SHC014-CoV) ersetzten. Dieses neue Virus sei bei einem Labortest in der Lage gewesen, die Zellen der menschlichen Atemwege zu infizieren.

Die Erzeugung dieser Virus-Chimäre (einer Kombination zweier unterschiedlicher Virenstämme) – man könnte auch von einem »Frankenstein-Virus« sprechen – habe damals viele Beobachter beunruhigt und zu intensiven Diskussionen geführt.

»Wenn das Virus entkommen würde, könnte niemand seinen Ausbreitungsweg vorhersagen«, habe Simon Wain-Hobson, ein Virologe am Pasteur-Institut in Paris bemerkt.[16]

Auch Baric und Shi hätten in ihrem Papier auf die Risiken hingewiesen, jedoch gefordert, diese gegen den Nutzen der möglichen Vorhersage eines künftigen Übergreifens auf Menschen abzuwägen. Aus der Perspektive des Jahres 2021 lasse sich sagen, so Wade, dass der Wert der Funktionserweiterungs-Studien zur Verhinderung der SARS-CoV-2-Epidemie »gleich Null« gewesen sei. Ja, das Risiko würde sich sogar als katastrophal erweisen, wenn das SARS-2-Virus tatsächlich in einem Experiment zur Funktionserweiterung erzeugt worden sei.

Forschung und Sicherheit im Wuhan-Institut für Virologie

Im Folgenden untersucht Wade in seinem Artikel die von Shi in Wuhan betriebene Forschung und ihre Verbindungen in die USA. Baric habe eine Methode entwickelt, um Fledermaus-Coronaviren so zu verändern, dass sie die Fähigkeit gewannen auf andere Spezies überzugreifen. Die spezifischen Ziele seien in Kulturen gezüchtete menschliche Zellen und humanisierte Mäuse gewesen. Den Labormäusen sei die menschliche Version eines Proteins namens ACE2 eingepflanzt worden, das auf der Oberfläche von Zellen sitze, die die Atemwege auskleideten. Shi habe in ihrem Labor am Wuhan Institute of Virology diese Arbeit fortgeführt.

Sie sei dabei vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), einer Abteilung der U.S. National Institutes of Health (NIH) finanziert worden. Dies gehe aus öffentlich zugänglichen Förderanträgen hervor. Die staatlichen Gelder seien dem Hauptauftragnehmer, Peter Daszak zugewiesen worden, der sie an Shi weitergegeben habe. Wade zitiert Auszüge aus Förderanträgen Shis für die Geschäftsjahre 2018 und 2019. (In diesen steht »CoV« steht für Coronavirus und »S-Protein« für das Spike-Protein des Virus).

»Test von Vorhersagen zur CoV-Übertragung zwischen verschiedenen Spezies. Vorhersagemodelle der Wirtsreichweite (d. h. des Emergenzpotenzials) werden experimentell mit Hilfe von reverser Genetik, Pseudovirus- und Rezeptorbindungsassays sowie Virusinfektionsexperimenten in einer Reihe von Zellkulturen verschiedener Spezies und humanisierten Mäusen getestet.«[17]

»Wir werden S-Protein-Sequenzdaten, infektiöse Klontechnologie, In-vitro- und In-vivo-Infektionsexperimente und Analysen der Rezeptorbindung verwenden, um die Hypothese zu testen, dass %-Divergenzschwellen in S-Protein-Sequenzen das Spillover-Potenzial vorhersagen.«[18]

Shi versuchte also, neuartige Coronaviren mit höchstmöglicher Infektiosität für menschliche Zellen zu schaffen. Ob sie in ihrem Labor tatsächlich SARS-CoV-2 erzeugte oder nicht, ist laut Wade nicht nachweisbar, da ihre Forschungsunterlagen versiegelt worden seien, aber es scheine, dass sie auf jeden Fall auf dem richtigen Weg gewesen sei. Richard H. Ebright, der bereits zitierte Molekularbiologe von der Rutgers Universität, ein führender Experte für Biosicherheit, habe die Experimente Shis wie folgt kommentiert: »Es ist klar, dass das Wuhan Institute of Virology systematisch neuartige chimäre Coronaviren konstruierte und ihre Fähigkeit untersuchte, menschliche Zellen und human-ACE2-exprimierende Mäuse zu infizieren«.

»Es ist auch klar«, so Ebright weiter, »dass, abhängig von den konstanten genomischen Kontexten, die für die Analyse gewählt wurden, diese Arbeit SARS-CoV-2 oder einen proximalen Vorläufer von SARS-CoV-2 produziert haben könnte.«

Dass Shi ihr Projekt tatsächlich umgesetzt habe, davon zeuge das Interview vom 9. Dezember 2019 mit Daszak, auch wenn dieser in den letzten 15 Monaten immer wieder beteuert habe, ein Laborausbruch sei eine »lächerliche Verschwörungstheorie, die von China-Bashern« erfunden worden sei.[19]

Dass Laborunfälle, bei welchen Viren auf die beteiligten Wissenschaftler oder in die Umgebung gelangen, keine Seltenheit sind, ein entsprechender Unfall in Wuhan also durchaus möglich war, davon zeugt die lange Liste solcher Unfälle.[20] Das Pockenvirus entkam in den 1960er und 1970er Jahren dreimal aus Laboren in England und verursachte 80 Erkrankungen und 3 Todesfälle. Seitdem sind fast jedes Jahr gefährliche Viren aus Laboren entwichen. Auch das SARS-Virus entwich in den letzten Jahren regelmäßig aus Laboren in Singapur, Taiwan und nicht weniger als viermal aus dem chinesischen Nationalen Institut für Virologie in Peking.

Ein Grund dafür, dass das SARS1-Virus so schwer zu handhaben ist, liegt Wade zufolge darin, dass es keine Impfstoffe zum Schutz der Laborarbeiter gibt. Daszak wies in seinem Interview vom 9. Dezember darauf hin, dass auch die Forscher in Wuhan über keine derartigen Impfstoffe verfügten.

Hinzu kommt das Problem der Laborsicherheit. Für Biolabore gibt es vier unterschiedliche Sicherheitsstufen: von BSL1 bis BSL4 (Bio Security Level), wobei BSL4 die restriktivste ist und für tödliche Erreger wie das Ebola-Virus gilt.

Das Wuhan Institute of Virology verfügte zwar über ein neues BSL4-Labor, aber dessen Zustand erweckte nicht gerade das Vertrauen der Inspektoren des State Department, die es 2018 besuchten. »Das neue Labor leidet an einem ernsthaften Mangel an entsprechend ausgebildeten Technikern und Wissenschaftlern, die für den sicheren Betrieb dieses Hochkontaminationslabors erforderlich würden«, schrieben sie in einem Bericht am 19. Januar 2018.[21]

Über den Ursprung des Corona-Virus

Dr. Zheng-li Shi in einem Hochsicherheitslabor (Stufe BSL4). Ihre Coronavirus-Forschung wurde in den viel niedrigeren Sicherheitsstufen BSL2 und BSL3 durchgeführt. Screenshot medium.org.

Die Arbeit in einem Hochsicherheitslabor der Stufe 4 ist für die beteiligten Wissenschaftler äußerst unbequem. Sie müssen hermetisch abgeschlossene Raumanzüge mit autonomer Sauerstoffversorgung tragen und ihre Arbeit in Unterdruckkabinen durchführen.

Laut Wade fanden Experimente mit SARS1- und MERS-Viren vor 2020 weltweit unter BSL3-Bedingungen statt. Aber alle anderen Fledermaus-Coronaviren konnten in BSL2-Laboren untersucht werden. BSL2 erfordert nur minimale Sicherheitsvorkehrungen, wie das Tragen von Laborkitteln und Handschuhen, kein Aufsaugen von Flüssigkeiten mit einer Pipette oder das Aufstellen von Warnschildern für biologische Gefahren. Dennoch könnte ein in BSL2 durchgeführtes Experiment zur Funktionserweiterung einen Erreger hervorbringen, der infektiöser ist als SARS1 oder MERS. Ein Großteil der Arbeit von Shi zum Funktionsgewinn bei Coronaviren fand tatsächlich in Laboren der Sicherheitsstufe 2 statt. Dies geht laut Wade aus ihren Veröffentlichungen hervor. In einem Interview mit der Zeitschrift Science habe Shi bemerkt: »Die Coronavirus-Forschung in unserem Labor wird in BSL-2- oder BSL-3-Laboren durchgeführt.«[22] Auch diese Aussage wurde von Richard Ebright kritisch kommentiert: »Es ist klar, dass einige oder alle dieser Arbeiten unter einem Biosicherheitsstandard 2 – der Biosicherheitsstufe einer normalen US-Zahnarztpraxis – durchgeführt wurden, die ein inakzeptabel hohes Risiko einer Infektion des Laborpersonals bei Kontakt mit einem Virus mit den Übertragungseigenschaften von SARS-CoV-2 darstellen würde … Es ist auch klar, dass diese Arbeit niemals hätte finanziert und durchgeführt werden dürfen.«

Einem Informationsblatt des US-Außenministeriums vom 15. Januar 2021 zufolge hatte die US-Regierung zu dieser Zeit »Grund zur Annahme, dass mehrere Forscher innerhalb des Wuhan Institute of Virology im Herbst 2019, also vor dem ersten identifizierten Fall des Ausbruchs, krank wurden, mit Symptomen, die sowohl mit COVID-19 als auch mit gewöhnlichen saisonalen Krankheiten übereinstimmen.«[23]

David Asher, ein Mitarbeiter des Hudson-Instituts und ehemaliger Berater des Außenministeriums, steuerte Details über diesen Vorfall bei.[24] Drei Personen, die in einem BSL3-Labor des Instituts arbeiteten, erkrankten innerhalb einer Woche an schweren Symptomen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten. Dies war »das erste uns bekannte Cluster von vermutlichen Opfern von COVID-19.« Eine Influenza könne zwar nicht völlig ausgeschlossen werden, sei aber unter den gegebenen Umständen unwahrscheinlich.

Im zweiten Teil seiner Untersuchung vergleicht Wade die Plausibilität der unterschiedlichen Herkunftsszenarien des Virus miteinander. Wird demnächst veröffentlicht.


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Anmerkungen:


  1. Covid as biological war? China paper needs answers, The Australian, 10.5.2021, https://www.theaustralian.com.au/commentary/editorials/covid-as-biological-war-china-paper-needs-answers/news-story/fc878ba201bb5f070c5c3b60a254298f
  2. Should we discount the laboratory origin of COVID-19? Environ Chem Lett, 25.3.2021, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7993900/
  3. In einem offenen Brief, der unter dem Titel Statement in support of the scientists, public health professionals, and medical professionals of China combatting COVID-19 am 12.2.2020 in der Zeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30418-9/fulltext
  4. https://web.archive.org/web/20201216050434/https://usrtk.org/biohazards-blog/new-emails-show-scientists-deliberations-on-how-to-discuss-sars-cov-2-origins/
  5. https://www.ecohealthalliance.org
  6. https://www.independentsciencenews.org/news/peter-daszaks-ecohealth-alliance-has-hidden-almost-40-million-in-pentagon-funding/
  7. »Als im Oktober 2014 die umstrittene Gain-of-Function-Forschung in den USA verboten wurde, mussten Spitzenwissenschaftler der Regierung und des Privatsektors einundzwanzig Projekte zur Virusmanipulation und Impfstoffentwicklung für Influenzaviren und Coronaviren wie SARS und MERS sofort stoppen. Umstrittene Projekte in Harvard, Emory und der University of North Carolina Chapel Hill wurden ausgesetzt. Zu dieser Zeit waren Wissenschaftler dabei, Atemwegsviren genetisch zu verändern, um lukrative neue Impfstoffe für die Pharmaindustrie und den globalen Gesundheitsmarkt zu entwickeln. Anstatt sich an Ethik und Gesetze zu halten, stürzten sich Dr. Francis Collins, Direktor der National Institutes of Health (NIH) und Dr. Anthony Fauci, Direktor der National Institutes of Allergy and Infectious Disease (NIAID), auf die umstrittene Forschung an Coronaviren mit Funktionsgewinn. Anstatt die Forschung in den Vereinigten Staaten durchzuführen, wandte sich Dr. Fauci an seinen Freund Peter Daszak von der Eco Health Alliance. Daszak ist der berühmte Zoologe, der den Fledermaus-Ursprung des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) entdeckte. Daszak hatte Verbindungen zum Wuhan Institute of Virology im kommunistischen China und wollte diese unethische Forschung unbedingt im Ausland fortsetzen. Dr. Fauci genehmigte daraufhin 7,4 Millionen Dollar an Steuergeldern, um die Studien mit Hilfe der Eco Health Alliance abzuschließen.« Siehe: LJ Devon, The covid bio-terrorism trail leads back to CCP collaborators, Anthrony Fauci and Peter Daszak. – Die Verstrickung Faucis und anderer Verantwortlicher des US-amerikanischen Forschungs- und Gesundheitsestablishments in die Finanzierung der chinesischen Gain-of-Function-Forschung ist inzwischen Thema im amerikanischen Senat. Fauci hat unter der Befragung durch Senator Rand Paul zugestanden, das Virus könne aus einem Labor in Wuhan stammen. Siehe: Fauci admits COVID-19 could have come from Wuhan lab, butt heads with Rand Paul, New York Post, 11.5.2021, https://nypost.com/2021/05/11/fauci-admits-covid-19-could-have-come-from-wuhan-lab-butts-heads-with-rand-paul/ .
  8. Das Gespräch wurde von Racaniello am 19. Mai 2020 auf seiner Webseite Microbe.tv veröffentlicht.
  9. An dieser Konferenz nahm auch Zhengli-Li Shi vom Wuhan Institute of Virology teil. https://nipah2019.miceapps.com/client/sites/page/503/1389
  10. »Pure Baloney«: Zoologist Debunks Trump’s COVID-19 Origin Theory, Explains Animal-Human Transmission, https://www.democracynow.org/2020/4/16/peter_daszak_coronavirus
  11. https://www.gmwatch.org/en/news/latest-news/19538
  12. Nicholas Wade, Origin of Covid – Following the Clues, medium.com, 3.5.2021, https://nicholaswade.medium.com/origin-of-covid-following-the-clues-6f03564c038. Der Artikel erschien auch im Bulletin of the Atomic Scientists (am 5. Mai 2021).
  13. https://www.nature.com/articles/s41591-020-0820-9
  14. https://harvardtothebighouse.com/2020/03/19/china-owns-nature-magazines-ass-debunking-the-proximal-origin-of-sars-cov-2-claiming-covid-19-wasnt-from-a-lab/
  15. A SARS-like cluster of circulating bat coronaviruses shows potential for human emergence, https://www.nature.com/articles/nm.3985
  16. https://www.nature.com/news/engineered-bat-virus-stirs-debate-over-risky-research-1.18787
  17. https://reporter.nih.gov/search/xQW6UJmWfUuOV01ntGvLwQ/project-details/9491676
  18. https://reporter.nih.gov/search/xQW6UJmWfUuOV01ntGvLwQ/project-details/9819304
  19. Peter Daszak, Ignore the conspiracy theories: scientists know Covid-19 wasn’t created in a lab. The Guardian, 9.6.2020, https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/jun/09/conspiracies-covid-19-lab-false-pandemic
  20. https://armscontrolcenter.org/wp-content/uploads/2016/02/Escaped-Viruses-final-2-17-14-copy.pdf
  21. Josh Rogin, State Department cables warned of safety issues at Wuhan lab studying bat coronaviruses, The Washington Post, 14.4.2020, https://www.washingtonpost.com/opinions/2020/04/14/state-department-cables-warned-safety-issues-wuhan-lab-studying-bat-coronaviruses/
  22. https://www.sciencemag.org/sites/default/files/Shi%20Zhengli%20Q%26A.pdf
  23. https://2017-2021.state.gov/fact-sheet-activity-at-the-wuhan-institute-of-virology/index.html
  24. https://www.hudson.org/research/16762-transcript-the-origins-of-covid-19-policy-implications-and-lessons-for-the-future

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