Staatsmacht und Massenhysterie in Coronazeiten

Zuletzt aktualisiert am 22. Mai 2021.

Massenhysterie ist ein von verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen diskutiertes Phänomen. Welche Rolle spielt der Staat in der gegenwärtigen COVID-19-Massenhysterie? Eine Gruppe von Ökonomen und Soziologen aus Madrid und Chile hat diese Frage untersucht und dazu im Februar 2021 im International Journal of Environmental Research and Public Health ihre Ergebnisse publiziert. Den Autoren zufolge gibt es eine eindeutige Beziehung zwischen Staatsmacht und Massenhysterie: je mächtiger ein Staat, desto größer seine Zugriffsmöglichkeiten auf das öffentliche und private Leben, desto größer auch sein Effekt als Treiber einer Massenhysterie.

Staatsmacht und Massenwahn

Staatsmacht und Massenwahn. Hieronymus Bosch, Garten der Lüste, Hölle.

Die Autoren legen den Grund zu einer »politischen Ökonomie der Massenhysterie«.[1] Sie gehen davon aus, dass negative Informationen, die durch Massenmedien kontinuierlich verbreitet werden, die öffentliche Gesundheit durch Nocebo-Effekte und Massenhysterie negativ beeinflussen. Einen solchen Einfluss üben Massen- und digitale Medien zusammen mit dem Staat in der COVID-19-Krise aus. Die daraus resultierende kollektive Hysterie hat zu politischen Fehlentscheidungen beigetragen, die nicht im Einklang mit bis dahin geltenden Gesundheitsempfehlungen standen. Je größer der Einfluss des Staates auf das öffentliche Leben, so die Autoren, um so größer der mögliche angerichtete Schaden. In einem libertären Nachtwächter- oder Minimalstaat können zwar auch Massenhysterien entstehen; solche Gesellschaften verfügen aber über effektive Mechanismen der Selbstkorrektur, wie z. B. unantastbare private Eigentumsrechte und begrenzen daher den angerichteten Schaden. Die Massenhysterie wird verschärft und verstärkt sich selbst, wenn die negativen Informationen aus einer autoritativen Quelle kommen, wenn die Medien politisiert sind und soziale Netzwerke die negativen Informationen überall verbreiten.

Öffentliche Gesundheitssysteme sind ein wichtiger Teil des Sozial- oder Wohlfahrtsstaats. In der Tat wird allgemein angenommen, dass ein Hauptzweck des Sozial- oder Wohlfahrtsstaats die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit ist. Die Autoren hinterfragen dieses Narrativ in Bezug auf das Phänomen der Massenhysterie. Ich übersetze hier die wesentlichen Teile ihrer Untersuchung.

Geschichte und Begriff der Massenhysterie

Bei einer Massenhysterie beginnen Menschengruppen zu glauben, sie könnten etwas Gefährlichem ausgesetzt sein, z. B. einem Virus oder einem Gift. Sie glauben, dass eine Bedrohung real ist, weil jemand dies sagt oder weil es zu ihren Erfahrungen passt. Aufgrund des Bedrohungswahns gerät eine Gruppe von Menschen kollektiv in große Erregung. Die Bedrohung, ob real oder eingebildet, verursacht kollektive Angst. Die Gruppenmitglieder beginnen, sich krank zu fühlen oder zeigen Krankheitssymptome wie Schwäche, Kopfschmerzen oder Erstickungsgefühl, die sie auf andere übertragen. Wenn eine Massenhysterie körperliche Symptome verursacht, spricht man von einer »psychogenen Massenerkrankung« oder »epidemischen Hysterie«. Die Symptome werden durch Stress und Angst verursacht, die die Betroffenen aufgrund der wahrgenommenen Bedrohung erleben. Massenhysterie ist ansteckend und kann zu echten Epidemien beitragen oder sie verstärken.

Die empirische Evidenz zur Massenhysterie, d.h. kollektiver Angst aufgrund einer wahrgenommenen Bedrohung, reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück und setzt sich in der Neuzeit in zahlreichen Fällen fort.[2]

Einer der berühmtesten Fälle ist die Hysterie, die sich nach der Ausstrahlung eines von Orson Welles geschriebenen Hörspiels mit dem Titel »Krieg der Welten« im Jahr 1938 entwickelte. In dem Hörspiel kommt es zu einem Angriff von Marsmenschen auf die Erde. Einige der Zuhörer, die möglicherweise noch unter dem Eindruck des kurz zuvor geschlossenen Münchner Abkommens standen, verfielen angeblich in Panik und dachten, sie würden wirklich von Marsmenschen angegriffen.[3]

Ein anderer interessanter Fall betrifft die Auswirkungen einer Episode der portugiesischen TV-Serie »Erdbeeren mit Zucker«. In der Sendung wurden die Charaktere mit einem lebensbedrohlichen Virus infiziert. Nach der Ausstrahlung der Folge erkrankten mehr als dreihundert portugiesische Studenten. Sie berichteten von ähnlichen Symptomen, wie sie die Charaktere der TV-Serie erlebt hatten. Zu diesen Symptomen gehörten Hautausschläge und Schwierigkeiten beim Atmen. Als Folge dieser Symptome wurden mehrere Schulen in Portugal geschlossen. Eine Untersuchung des portugiesischen Nationalen Instituts für medizinische Notfälle kam jedoch zum Schluss, dass das Virus in Wirklichkeit nicht existierte und dass die Symptome durch die Angst verursacht wurden, die die TV-Serie in den Zuschauern hervorgerufen hatte.[4]

Ein weiterer aktueller Fall von Massenhysterie in Verbindung mit einem Virus trat in einem Flugzeug auf. Auf dem Emirates-Flug 203 im September 2018 zeigten einige Passagiere grippeähnliche Symptome. Als andere Passagiere diese Symptome beobachteten, begannen sie, sich ebenfalls krank zu fühlen, und eine Panik brach aus. Die Panik erreichte ein solches Ausmaß, dass der gesamte Flug nach der Ankunft in New York unter Quarantäne gestellt wurde. Die Untersuchung nach dem Vorfall ergab, dass nur wenige Passagiere tatsächlich eine saisonale Grippe oder eine Erkältung hatten.[5]

Nocebo-Effekte und die Entwicklung von Massenhysterie

Nocebo-Effekte

Es gibt nicht nur Placebo-, sondern auch Nocebo-Effekte. Durch den Placebo-Effekt erholt sich eine Person von einer Krankheit, weil sie erwartet, dass sie gesund wird. Bei einem Nocebo-Effekt hingegen wird eine Person krank, weil sie erwartet, krank zu werden.

Ein berühmter Fall eines Nocebo-Effekts ist der eines Mannes, der versuchte, Selbstmord zu begehen. Er nahm an einer klinischen Studie teil, in der er ein experimentelles Medikament einnahm. Um sich umzubringen, schluckte er neunundzwanzig Kapseln des Medikaments, im Glauben, er würde nicht überleben. Die Kapseln, die er einnahm, waren jedoch Placebos, da er Mitglied der Kontrollgruppe in der klinischen Studie war. Aufgrund des Glaubens, er würde sterben, entwickelte er ernsthafte Symptome und kam mit extrem niedrigem Blutdruck ins Krankenhaus. Als schließlich der Arzt, der die medizinische Studie leitete, eintraf, sagte er dem Patienten, dass er Placebos geschluckt hatte. In der Folge erholte sich der Mann innerhalb von fünfzehn Minuten.[6]

Durch den Nocebo-Effekt kann die Erwartung, krank zu werden, in einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung reale Symptome hervorrufen. Auf diese Weise kann eine Massenhysterie entstehen, wenn Menschen glauben, dass sie krank werden. Angst und Furcht tragen zu diesem Prozess bei. In der Tat trug die Panik während der Spanischen Grippe nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Massenhysterie und zu Todesfällen bei, die sonst nicht aufgetreten wären, da Panik negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Erkrankten haben kann. Wenn einige Menschen erst einmal eine Hysterie entwickelt haben, kann diese leicht auf andere Menschen übergreifen, da Furcht und Angst ansteckend sind.

Im Prinzip könnten pseudo-infizierte Menschen durch bloße Information »geheilt« werden. Auf diese Weise könnte verhindert werden, dass eine Massenhysterie zu einer Belastung für das Gesundheitssystem wird. Das Problem bei einer Massenhysterie besteht jedoch darin, dass sowohl die Medien als auch der Staat aktiv zur Ansteckung mit der Angst beitragen, indem sie verzerrte Informationen verbreiten. Mit anderen Worten: Der Arzt, der den Patienten sagt, sie hätten Placebos geschluckt, kommt nie an.

Massenhysterie, Irrationalität, Vorurteile und COVID-19

Hysterie kann nicht nur dazu führen, dass Menschen unter Symptomen leiden. Hysterie, ob kollektiv oder nicht, kann Menschen dazu bringen, sich auf eine Art und Weise zu verhalten, die andere Personen, die nicht von der Hysterie betroffen sind, als irrational ansehen würden. Aufgrund der Illusion einer nicht existierenden oder stark übertriebenen Bedrohung verhalten sie sich so, dass jedem, der nicht von der Illusion befallen ist, ihr Verhalten absurd erscheinen muss.

Alternativ erscheint das Verhalten in einer Massenhysterie auch als voreingenommen.

Die psychologische Forschung zur Risikowahrnehmung hat herausgefunden, dass einige mentale Regeln, die Menschen in einer unsicheren Welt anwenden, hartnäckige und wichtige Verzerrungen erzeugen. Voreingenommene Medienberichterstattung, unvollständige und asymmetrische Informationen, persönliche Erfahrungen, Ängste, die Unfähigkeit, Statistiken zu verstehen und zu interpretieren, und andere kognitive Verzerrungen führen zu verzerrten Risikobeurteilungen. Die Einschätzung von Risiken kann besonders verzerrt sein, wenn sie als unfair, unkontrollierbar, unbekannt, beängstigend oder potenziell katastrophal wahrgenommen werden und die Betroffenen mit Auswirkungen auf künftige Generationen rechnen.

Ob und in welchem Ausmaß die Welt während der COVID-19-Krise an einer Massenhysterie oder einer massenpsychogenen Erkrankung gelitten hat, wird die künftige Forschung zeigen. Klar ist jedenfalls, dass die Bevölkerung fast aller Länder während der COVID-19-Krise unter enormen psychischen Belastungen stand und teilweise weiterhin steht.

Insbesondere Massenquarantänen haben zu einem Anstieg von Angst und Stress geführt, die wichtige Faktoren für die Entwicklung einer Massenhysterie sind. In einer Umfrage, die vom 24. bis 30. Juni in den USA durchgeführt wurde, berichteten 40,9 % der Teilnehmer über mindestens einen negativen psychischen Gesundheitszustand, und 10,7 % gaben an, in den letzten 30 Tagen ernsthaft an Selbstmord gedacht zu haben. Außerdem stieg die Häufigkeit des Alkoholkonsums während Massenquarantänen in den USA um 14 %.

Zumindest einige anekdotische Hinweise deuten auf die Möglichkeit einer Massenhysterie hin, die sich im Horten von Toilettenpapier und anderer lebenswichtiger Dinge, im maskierten Fahren einzelner Personen in ihren Autos sowie darin äußert, dass die Menschen ihre Häuser praktisch nicht mehr verlassen, nicht einmal für einen Spaziergang, obwohl das Risiko, sich im Freien anzustecken, bei körperlicher Distanz verschwindend gering ist. [Erg. Red.: Oder in der Verhängung nächtlicher Ausgangssperren, als ob das Virus nachtaktiv wäre]. In ähnlicher Weise wurden einige Menschen durch SARS-CoV-2 in einem Ausmaß verängstigt, das nicht leicht durch ihr eigenes, winziges Risiko, daran zu sterben, zu erklären ist. Es scheint, dass viele Menschen an die Existenz eines Killervirus glaubten, das weitaus tödlicher ist als das reale Risiko, aufgrund von SARS-CoV-2 zu sterben, wie in Tabelle 1 zu sehen ist.

Tabelle 1. COVID-19-Überlebensraten nach Alter in den USA

Alter Überlebensrate
0-19 Jahre 99,997 %
20-49 Jahre 99,98%
50-69 Jahre 99,5%
70 + Jahre 94,6%

Quelle: Centers for Disease Control and Prevention

Ein weiterer Indikator für die Überschätzung der Bedrohung ist die Anzahl der Todesfälle. Bis zum 22. Januar 2021 wurden weltweit 2,1 Millionen Todesfälle als COVID-19-bedingt eingestuft. Andere Krankheiten sind jedoch ebenso tödlich oder sogar weitaus tödlicher und lösen keine Panik oder nie dagewesene staatliche Interventionen aus.

Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, ist nicht nur absolut gesehen sehr gering, sondern auch geringer als die Wahrscheinlichkeit, an anderen Krankheiten zu sterben. Es stimmt, dass die meisten dieser anderen Krankheiten nicht so infektiös sind wie SARS-CoV-2. Diese Tatsache hat zur Panik beigetragen und zu staatlichen Eingriffen geführt, die bei anderen Krankheiten, die noch tödlicher sind als COVID-19, nicht ergriffen werden. Die zehn führenden Todesursachen weltweit sind in Tabelle 2 zu sehen.

Krankheit Todesfälle 2019 in Mio.
Ischämische Herzkrankheit 8,9
Schlaganfall 6,1
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung 3,3
Infektionen der unteren Atemwege 2,6
Neonatale Erkrankungen 2,0
Krebserkrankungen der Luftröhre, Bronchien, Lunge 1,8
Alzheimer-Krankheit, andere Demenzerkrankungen 1,6
Durchfall-Erkrankungen 1,5
Diabetes mellitus 1,4
Nierenkrankheiten 1,3

Quelle: WHO’s Global Health Estimates

Auch in einer Privatrechtsgesellschaft oder einem Minimalstaat kann es eine Massenhysterie geben. Diese Möglichkeit besteht aufgrund der menschlichen Neigung, negativen Nachrichten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, die Menschen anfällig für Wahnvorstellungen macht. Aufgrund der biologischen Evolution fokussieren wir uns auf schlechte Nachrichten, da sie eine mögliche Bedrohung darstellen. Diese Fokussierung und das Gefühl des Kontrollverlusts können psychologischen Stress auslösen, der sich zu einer Hysterie entwickeln und auf größere Gruppen übertragen kann.

Aufgrund der negativen Nachrichten beginnen einige Menschen an eine Bedrohung zu glauben. Diese Bedrohung ruft Angst hervor und beginnt sich in der Gesellschaft zu verbreiten. Auch Symptome können sich ausbreiten. Le Bon bezeichnete die Ausbreitung von Emotionen durch Gruppen als »Ansteckung«.

Hat sich die Angst erst einmal ausgebreitet und verhält sich die Mehrheit einer Gruppe auf eine bestimmte Art und Weise, gibt es das Phänomen der Konformität, d. h., der soziale Druck veranlasst den Einzelnen, sich genauso zu verhalten wie die anderen Mitglieder der Gruppe.

Zuletzt kann es zu einem Phänomen kommen, das als »emergente Normen« bezeichnet wird: Wenn eine Gruppe eine Norm festlegt, befolgt am Ende jeder diese Norm. Wenn eine Gruppe zum Beispiel beschließt, Masken zu tragen, stimmen alle dieser Norm zu. Emergente Normen können die späteren Stadien der Ansteckung erklären. Ansteckung durch Angst kann dazu führen, dass Menschen in einer Situation stark überreagieren, selbst in einem Minimalstaat. Nichtsdestotrotz gibt es in einem Minimalstaat bestimmte selbstkorrigierende Mechanismen und Grenzen, die es weniger wahrscheinlich machen, dass eine Massenhysterie außer Kontrolle gerät.

Verstärker und Dämpfer von Massenhysterie: Minimalstaat vs. Sozialstaat

Es gibt mehrere Korrekturmechanismen und Grenzen für eine Massenhysterie. Es gibt bekannte Strategien zum Abbau von Angst, Stress und Furcht, die der Einzelne in einem Minimalstaat anwenden kann. Der Abbau von Körperspannungen durch Sport und andere Übungen hilft, psychischen Stress zu begrenzen. Darüber hinaus ist es wichtig, Ablenkungen von den negativen Nachrichten zu finden und soziale Kontakte zu pflegen. Ohne staatliche Freiheitseinschränkungen gibt es solche Ablenkungen im Überfluss.

Hysterie kann dazu führen, dass Menschen sich selbst und unschuldigen Umstehenden Schaden zufügen. In einem Minimalstaat gibt es eine wesentliche Begrenzung der aus der Massenhysterie resultierenden Zerstörung, nämlich die Durchsetzung privater Eigentumsrechte, die theoretisch die einzige Aufgabe eines Minimalstaates ist. Am wichtigsten ist, dass es in einem solchen gesellschaftlichen Umfeld keine Institution gibt, die mächtig genug wäre, um private Eigentumsrechte massiv zu verletzen.

Darüber hinaus kann in einem Minimalstaat niemand Zwang ausüben, um andere, die gesund sind und der Hysterie nicht erliegen, zu zwingen, ihre Geschäfte zu schließen, Masken zu tragen oder sich in Quarantäne zu begeben. Eine Minderheit kann die kollektive Panik einfach ignorieren und ihr normales Leben weiterführen, weil sie frei ist, dies zu tun. Eine solche Minderheit kann ein Beispiel und ein Weckruf für diejenigen sein, die der kollektiven Hysterie erliegen oder kurz davorstehen, dies zu tun. Diese Minderheit kann besonders attraktiv für Unentschiedene sein.

Angenommen, eine kleine Gruppe von Menschen geht während einer kollektiven Gesundheitshysterie weiterhin einkaufen, zur Arbeit, pflegt Kontakte, atmet frei und erkrankt nicht (massiv und tödlich). Aufgrund ihres Vorbilds kann die Angst der Beobachter sinken. Beobachter können dem Beispiel folgen, und die Gruppe der Hysteriker schrumpft.

Es ist eine der Kerneigenschaften dezentraler Systeme, dass sie Wettbewerb, Fehlererkennung und Korrektur ermöglichen.

Würden die Menschen, die durch ihre Interaktionen Vorbilder der anderen sind, krank werden und sterben, wäre dies eine Bestätigung der Panik. Wenn es sich aber wirklich um eine Hysterie handelt und die Bedrohung nur eingebildet oder übertrieben ist, wird es den Vorbildern im Durchschnitt viel besser gehen als denjenigen, die der Hysterie erlegen sind. Eine ausreichende Anzahl und Vielfalt von Vorbildern erlaubt es den Beobachtern, ihre Erwartungen zu korrigieren und anzupassen.

Es gibt also in einem Minimalstaat wichtige Grenzen für eine Massenhysterie, die verhindern, dass Leben und Freiheit geschädigt werden. Außerdem können natürliche Mechanismen, die Stress, Angst und Hysterie reduzieren, frei wirken. Ein dezentraler Wettbewerb um Lösungen mindert den Konformitätsdruck und erleichtert den Ausbruch aus der Hysterie. Der Wettbewerb ermöglicht die Wahrnehmung von Informationen über die tatsächliche Schwere der Bedrohung.

Während die Verwüstung durch kollektive Hysterie aufgrund des Schutzes privater Eigentumsrechte in einer privatrechtlichen Gesellschaft oder einem Minimalstaat begrenzt ist, können solche Grenzen durch einen Wohlfahrtsstaat leicht überwunden werden. In der Tat kann eine gut organisierte Gruppe, die von kollektiver Hysterie infiziert wurde, die Führung des Staates übernehmen oder die Kontrolle über den Staatsapparat erlangen. In einer solchen Position kann diese Gruppe dem Rest der Bevölkerung Maßnahmen auferlegen, die fast unbegrenzten Schaden anrichten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Sozialstaat auch ein Rechtsstaat sein kann, in dem repressive Eingriffe der Exekutive durch die Judikative aufgehoben werden können.

Es besteht jedoch die Gefahr, dass in einer kollektiven Panik der Schutz der verfassungsmäßig garantierten Grundfreiheiten durch Notstandsmaßnahmen außer Kraft gesetzt wird und die Justiz der Massenhysterie erliegt und die repressiven Eingriffe nicht aufhebt. Die empirische Evidenz während der COVID-19-Krise zeigt, dass die Grundfreiheiten in Wohlfahrtsstaaten nicht verteidigt wurden.[7]

Generell gilt: Je größer die Zwangsgewalt des Staates ist, desto mehr Schaden kann der Gesellschaft in einer Massenhysterie zugefügt werden. Man könnte argumentieren, dass die Ansteckung mit einem Virus eine negative technologische Außenwirkung darstellt. Die einzige Aufgabe eines Minimalstaats ist jedoch der Schutz der privaten Eigentumsrechte. Es ist nicht die Aufgabe des Minimalstaates, seine Bürger vor allen Lebensrisiken zu schützen, wie z. B. einer Erkältung oder der saisonalen Grippe. In einem Minimalstaat können die Bürger frei entscheiden, welche Risiken sie eingehen wollen, sei es beim Autofahren, beim Bungee-Springen oder in der sozialen Interaktion. Der Versuch des Staates, die Infektionsraten durch verpflichtende Gesichtsmasken, die Schließung von Geschäften oder die Anordnung häuslicher Quarantäne zu reduzieren, verstößt in der Tat gegen die privaten Eigentumsrechte, die der Minimalstaat verteidigen soll, und kann negative externe Effekte in Form von Depressionen, Alkoholismus oder Selbstmorden erzeugen.

Während es in einer privatrechtlichen Gesellschaft und in einem Minimalstaat Mechanismen gibt, die helfen, Massenpaniken zu begrenzen und zu reduzieren, kann kollektive Hysterie durch einen mächtigen Wohlfahrtsstaat aus mehreren Gründen verschärft werden.

Erstens: Der Staat hat die Macht, jene Aktivitäten einzuschränken und zu verbieten, die Furcht und Angst reduzieren, wie z.B. Sport, Ablenkung und Geselligkeit. Während der COVID-19-Krise nutzten die Staaten ihre Zwangsgewalt, um soziale Isolation zu erzwingen, und trugen damit zu Angst und psychischer Belastung bei, beides Zutaten, die eine Massenhysterie anfeuern. Um sich gegen biopsychologische Infektionen abzuschirmen, sollte sich die Bevölkerung regelmäßig bewegen, qualitativ hochwertigen Schlaf haben, regelmäßig Sport treiben, sich ausgewogen ernähren und eine starke Verbindung zu anderen Menschen pflegen. Regierungen auf der ganzen Welt verordneten während der COVID-19-Krise Massenquarantänen und Masken, was es den Bürgern erschwerte, all diese Dinge zu tun. Genauer gesagt, reduziert die von Regierungen auferlegte soziale Distanzierung starke soziale Verbindungen, und die vorgeschriebenen Masken verhindern das Ausdrücken von Freundlichkeit und Mitgefühl, wodurch die psychische Widerstandsfähigkeit verringert wird.

Zweitens: Der Staat verfolgt von Natur aus einen zentralistischen Ansatz zur Lösung von Problemen. Es stimmt, dass ein Wohlfahrtsstaat nicht unbedingt ein vollständig zentralisierter Staat ist. Die USA und die Bundesrepublik Deutschland – beides Wohlfahrtsstaaten – haben[8] erhebliche föderale Strukturen, und diese föderalen Strukturen können zu einem Wettbewerb bei der Regulierung und beim Umgang mit der Quelle einer Massenhysterie führen, was zu besseren Lösungen beiträgt. Außerdem erlaubt die Existenz konkurrierender Staaten auf internationaler Ebene das Experimentieren mit verschiedenen Lösungen. Während der COVID-19-Krise lieferte z. B. der Ansatz Schwedens den Beweis für die Ergebnisse alternativer Ansätze. Generell gilt: Je dezentraler die politische Struktur ist, desto intensiver ist der mögliche Wettbewerb.

In jedem Fall geht der Staat naturgemäß zentralisiert mit der Quelle einer Hysterie um, z. B. mit der wahrgenommenen Bedrohung durch ein tödliches Virus. Der Staat ist der Monopolist des Zwangs in einem bestimmten Gebiet. Da der Staat seine Lösung des Problems durchsetzt, gibt es kein oder nur sehr begrenztes Experimentieren mit alternativen Wegen zur Lösung des Problems. Menschen, die sich der staatlichen Herangehensweise an das Problem widersetzen, weil sie der Hysterie nicht erlegen sind, werden unterdrückt. Sie können keine alternativen Wege zur Lösung der »Krise« aufzeigen, da diese alternativen Wege vom Staat verboten werden. Wenn Alternativen ausgeschlossen sind, nimmt das Gruppendenken zu. Gruppendenken ist eine psychologische Kraft, die den Konsens fördert und Dissens sowie die Bewertung von Alternativen zum kollektiven Narrativ unterdrückt. Gruppendenken wurde von Irving Janis[9] für politische Fiaskos wie den Vietnamkrieg oder die Watergate-Vertuschung verantwortlich gemacht. Massenquarantänen während der COVID-19-Krise könnten ein weiterer Fiasko-Kandidat sein, da ihre Wirksamkeit umstritten ist. Gruppendruck kann Urteile modifizieren und verzerren, wie die Asch-Experimente gezeigt haben.[10] Der menschliche Hang zur Konformität fördert die Verbreitung von Hysterie. In der Tat hilft Gruppendenken, das Phänomen der Massenhysterie zu erklären. Die Massenhysterie kann als eine Form des Gruppendenkens betrachtet werden. Aufgrund von Gruppendruck und Gruppendenken nährt sich die Hysterie selbst, da den Menschen keine Alternativen aufgezeigt werden. Die zur Lösung des Problems notwendigen Informationen können nicht dezentral auf dem Markt generiert werden, was ein dem Sozialismus innewohnendes Problem ist.[11]

Drittens: In einem Wohlfahrtsstaat können die Medien politisiert werden. Diese Politisierung schränkt den bestehenden Wettbewerb zwischen ihnen ein. Es gibt mehrere Mechanismen, die den Medienwettbewerb kanalisieren und sogar einschränken.

Nachrichtenagenturen und Social-Media-Plattformen können enge Beziehungen zum Staat entwickeln. Der Staat reguliert die Medien und kann auch direkt Eigentümer von Medien sein, wie z. B. von öffentlichen Fernseh- oder Radiosendern. Der Staat verlangt in der Regel auch Lizenzen für den Betrieb bestimmter Medien. Im Allgemeinen können neue Medien und Plattformen das Wohlwollen staatlicher Stellen suchen. Außerdem werden Regierungsbeamte oft als Nachrichtenquelle genutzt, was zu einer statistischen Voreingenommenheit führt. Während Objektivität erfordern würde, beide Seiten einer Geschichte zu präsentieren, stellen Politiker in Krisenzeiten oft nur eine Seite der Geschichte dar. Eine weitere Form des indirekten staatlichen Einflusses auf die Medien ist, dass sie mit Menschen besetzt sind, die in staatlichen oder staatlich lizenzierten Schulen ausgebildet wurden, was die staatsgläubige Voreingenommenheit in den Medien noch verstärkt. Nachrichtenagenturen und Social-Media-Plattformen, die mit dem Staat verbunden sind, können sich an massiven negativen Nachrichtenkampagnen beteiligen und diese fördern. Negative Nachrichten verkaufen sich besser. Die Medien haben einen Anreiz, die Gefahr darzustellen. Die Geschichte vom Regierungschef als Held, der eine Lösung für Bedrohungen bietet, lässt sich sehr gut vermarkten.

Tatsächlich verbreiteten die Massenmedien Panik, indem sie SARS-CoV-2 als eine noch nie dagewesene Bedrohung darstellten.[12] Die Suche nach Symptomen im Internet war während der COVID-19-Krise deutlich erhöht. Das ständige Erinnern und Bewusstmachen der eigenen Sterblichkeit erzeugte Ängste. Emotionale Bilder von Särgen, Massengräbern und Patienten an Beatmungsgeräten trugen zur kollektiven Angst bei. Ein Übermaß an COVID-19-Nachrichten erzeugte Angst und Panik, auch »Headline Stress Disorder« (Schlagzeilen-Stressirritation) genannt. Negative Nachrichten in den sozialen Medien erzeugen psychischen Stress, der früher unbekannt war und geeignet ist, eine Massenhysterie auszulösen. Der Konsum »sozialer« Medien korreliert mit Angstzuständen und psychischem Stress. Die exzessive Diskussion über COVID-19 in sozialen Medien verschlechterte die psychische Gesundheit.

Die Nachrichtenberichterstattung über COVID-19 war fast ausschließlich negativ. Nachrichten über steigende COVID-19-Fälle übertrafen selbst in Zeiten sinkender Fallzahlen die Berichte über rückläufige Fälle um das 5,5-fache.[13] Es kann sein, dass Nachrichtenagenturen die Menschen tatsächlich absichtlich verängstigen und alternative Informationen unterdrücken. Kurzum, die von einem parteiischen Mediensektor geförderte Massenhysterie kann in einem modernen Wohlfahrtsstaat außer Kontrolle geraten.

Viertens: Negative Nachrichten aus einer autoritativen Quelle erzeugen Angst und sind besonders schädlich für die psychische Gesundheit. Experten, die die Glaubwürdigkeit einer Bedrohung bestätigen, verstärken die Verbreitung von Massenhysterie.[14] Viele Menschen suchen, besonders in Krisenzeiten, Hilfe beim Staat. Sie messen den Vertretern des Staates und den Warnungen staatlicher Institutionen große Autorität bei. Wenn Ärzte wie Anthony Fauci im Namen des Staates sprechen und den Menschen sagen, dass sie einer schrecklichen Bedrohung ausgesetzt sind, dass sie Masken tragen und zu Hause bleiben müssen, kann sich leichter eine kollektive Hysterie entwickeln, als dies in einer dezentraleren Gesellschaft der Fall wäre, in der keine so mächtige zentrale Autorität existiert.

In der Tat übertrieb Fauci die Gefahr von COVID-19 und verbreitete in der Öffentlichkeit Panik.[15] In einer Anhörung des US-Kongresses am 11. März 2020 wurde die Sterblichkeitsrate des Coronavirus übertrieben dargestellt. Informations- und Selektionsverzerrungen führten zu der Einschätzung, dass die Sterblichkeitsrate des Coronavirus zehnmal höher sei als die Sterblichkeitsrate der saisonalen Influenza. Es kam zu einer Verwechslung der Fallmortalitätsrate, die den Anteil der Todesfälle unter den bestätigten Fällen einer Krankheit angibt, und der Infektionsmortalitätsrate, die den Anteil der Todesfälle im Verhältnis zur Prävalenz der Infektionen innerhalb einer Bevölkerung angibt. Die Schätzungen der Infektionssterblichkeitsrate basieren auf Blutuntersuchungen. Die geschätzten Infektionen schließen nicht diagnostizierte, asymptomatische und leichte Infektionen ein. Die Infektionssterblichkeitsrate ist normalerweise viel niedriger als die Fallsterblichkeitsrate. In der Kongressanhörung am 11. März 2020 wurde die Infektionssterblichkeitsrate der saisonalen Grippe mit der geschätzten Fallsterblichkeitsrate des Coronavirus verwechselt, was zu der alarmierenden Aussage führte, dass das Coronavirus zehnmal tödlicher sei als die saisonale Grippe.[16] Diese Falschaussage, die aus dem Kongress der Vereinigten Staaten kam und mit seiner Autorität verbreitet wurde, trug stark dazu bei, Angst und Panik zu erzeugen.

Ein weiterer Faktor, der moderne Gesellschaften empfänglicher für Massenhysterien machen kann, ist die Reduktion der Rolle der Religion in der Gesellschaft. Die Angst vor dem Tod wird in der Regel durch Religion gemildert, weil Religionen typischerweise davon ausgehen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Der Staat und die Demokratie sind auf eine quasi-religiöse Ebene gehoben worden. Der Staat erscheint als Alternative zu Gott, ohne das Versprechen auf ein Leben nach dem Tod. Mit der Abkehr von der Religion steigt die Angst der Menschen vor dem Tod, und eine starke Angst vor dem Tod ist ein weiterer Faktor, der zu Panik, Unruhen und Massenhysterie beiträgt. Wie Erik von Kuehnelt-Leddihn es formuliert hat: »Es ist schwer, den Tod zu fürchten, wenn man sehr fromm ist. Es ist schwer, die Gesundheit nicht anzubeten, wenn man den Tod fürchtet. Es ist schwierig, allgemeine Gesundheit ohne groß angelegte staatliche Eingriffe durchzusetzen, und es ist ebenso schwierig, sich verstärkte staatliche Eingriffe ohne einen Verlust von Freiheiten vorzustellen.«[17] Das bedeutet nicht, dass sich starke Staaten niemals auf die Religion stützen. Die autoritären Regime der Zwischenkriegszeit, wie Österreich mit Dolfuß und Schuschnigg, Polen mit Pilsudski oder Francos Spanien, stützten sich auf die Religion und hatten Merkmale von Wohlfahrtsstaaten. Empirische Untersuchungen ergaben jedoch, dass in Ländern mit höheren Wohlfahrtsausgaben die Menschen weniger religiös sind, was darauf hindeutet, dass Individuen religiöse Leistungen durch staatliche Leistungen ersetzen. Religiöse Überzeugungen erhöhen jedoch nachweislich das psychologische Wohlbefinden.[18] Ohne einen spirituellen Rahmen, den die Religion und der Glaube an ein Leben nach dem Tod bieten, besteht die Tendenz, dass die Angst vor dem Tod zunimmt und die Bevölkerung eher zu psychischen Problemen und Massenhysterie neigt.

Fünftens: Es kann sein, dass der Staat der Bevölkerung aktiv Angst einflößen will und damit zur Entstehung von Massenhysterie beiträgt. Ein Beispiel dafür ist ein internes Papier des deutschen Innenministeriums aus den ersten Wochen der COVID-19-Krise.[19] In dem Papier empfahlen die staatlichen Experten, dass die Regierung der deutschen Bevölkerung Angst einflößen sollte. Um Angst zu verbreiten, befürwortete das Papier drei Kommunikationsstrategien.

Erstens sollten die staatlichen Behörden die Atemprobleme der COVID-19-Patienten betonen, da der Mensch eine Urangst vor dem Erstickungstod hat, die leicht Panik auslösen kann.

Zweitens betonten die Experten, dass auch Kindern Angst eingeflößt werden sollte, obwohl für die eigene Gesundheit der Kinder so gut wie keine Gefahr besteht. Allerdings könnten sich Kinder leicht anstecken, wenn sie andere Kinder treffen und mit ihnen spielen. Dem Bericht zufolge sollte den Kindern gesagt werden, dass sie ihre Eltern und Großeltern anstecken könnten und diese zu Hause einen qualvollen Tod erleiden müssten. Dieser Kommunikationshinweis sollte Ängste und Schuldgefühle hervorrufen. Das Einflößen von Schuldgefühlen ist eine weitere Maßnahme, die von Regierungen eingesetzt wird, um die Bevölkerung zu mehr Unterstützung zu bewegen. Die empfohlene Botschaft flößt Angst ein, für die Ansteckung anderer verantwortlich zu sein, die einen qualvollen Tod sterben.

Drittens wurde der deutschen Regierung empfohlen, die Möglichkeit unbekannter langfristiger irreversibler Gesundheitsschäden durch eine SARS-CoV-2-Infektion und die Möglichkeit eines plötzlichen und unerwarteten Todes von Infizierten zu betonen.

All diese Kommunikationsempfehlungen zielten darauf ab, die Angst in der Bevölkerung zu erhöhen. Angst ist schließlich eine wichtige Grundlage für die Macht einer Regierung. Wie Henry H. Mencken feststellte: »Das ganze Ziel praktischer Politik ist es, die Bevölkerung durch eine endlose Reihe von Schreckgespenstern, von denen die meisten imaginär sind, in Angst zu versetzen (und damit angeblich in Sicherheit zu bringen).«[20] Die Überreaktion der Regierung auf eine wahrgenommene Bedrohung fördert dann die Angst.

Es liegt im Interesse einer Regierung, die Verwundbarkeit der Bürger gegenüber äußeren und inneren Bedrohungen zu betonen, denn die Legitimität und Macht des Staates beruhen auf dem Narrativ, dass er seine Bürger vor solchen Gefahren schützt. Während die Bedrohungsstrategie im Allgemeinen für die Regierung von Vorteil ist, ist Angst ein zweischneidiges Schwert. Angst kann sich auch gegen den Staat wenden. Panik und Massenhysterie können sogar zur völligen Destabilisierung eines Regimes führen. Ein anekdotischer Beweis dafür ist die »Grande Peur« während der Französischen Revolution, als Gerüchte über Aristokraten, die planten, die Bevölkerung auszuhungern, zu allgemeiner Panik und Aufständen gegen das Regime führten.

Furcht und Angst waren ein wichtiger Faktor in der menschlichen Evolution und haben bis heute eine wichtige Funktion. Die Angst kann jedoch manipuliert werden, um Herrschaft und Kontrolle zu sichern. Angst verleiht Macht über die Ängstlichen. Die Beziehung zwischen Politik und Angst ist weithin untersucht worden.

Schon der griechische Historiker Polybius behauptete, Herrscher müssten Angst einflößen und mit Schreckensbildern arbeiten, um die Massen zu kontrollieren. Der römische Schriftsteller Sallust wies darauf hin, dass diejenigen, die Macht ausüben, sich entscheiden müssen, ob sie Angst erzeugen oder unter der Angst leiden wollen. In jüngster Zeit wird der Krieg gegen den Terror von einigen Autoren als Beispiel für die Verstärkung übermäßiger Ängste in der Bevölkerung angeführt, die die Macht der Regierung vergrößern. Brzezinski weist darauf hin: »Die ständige Bezugnahme auf einen ›Krieg gegen den Terror‹ hat ein wichtiges Ziel erreicht: Sie stimulierte die Entstehung einer Kultur der Angst.[21] Angst vernebelt die Vernunft, verstärkt die Emotionen und macht es demagogischen Politikern leichter, die Öffentlichkeit für die von ihnen gewünschte Politik zu mobilisieren.«[22] Eine Kultur der Angst entsteht dadurch, dass die Regierung der Öffentlichkeit Angst einflößt, um ihre politischen Ziele zu erreichen, indem sie die menschliche Neigung ausnutzt, negativen Nachrichten größere Aufmerksamkeit zu schenken.

Typischerweise werden Regierungen in ihrem Bedrohungsnarrativ von den Medien unterstützt. Robert Higgs bemerkt: »Die Nachrichtenmedien kaufen sich eine Versicherung gegen die Vergeltung der Regierung, indem sie bei dem Programm der Angstmacherei mitspielen, das die Regierung jeweils durchführt.«[23] Sensationslüsterne Medien unterstützen die Angststrategie der Regierung auch deshalb, weil sie ihr erlauben, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erhalten. Die Kombination aus einem Staat, der bereit ist, die Angststrategie zu nutzen, und Massenmedien, die willens sind, sie zu unterstützen, bietet einen fruchtbaren Boden für die Entwicklung einer Massenhysterie mit negativen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit.

Sechstens: Politiker haben einen Anreiz, bei ihren Reaktionen auf eine Bedrohung über das Ziel hinauszuschießen. Dies liegt daran, dass sie weitgehend vom Risiko möglicher Fehlentscheidungen und deren Kosten befreit sind. Politische Entscheidungsträger können die Kosten ihres Handelns weitgehend auf andere abwälzen. Zudem können die Kosten umso besser und umfassender auf andere abgewälzt werden, je mächtiger und zentralisierter ein Staat ist.

Politiker mit Eigeninteresse sind mit einem asymmetrischen Pay-Off konfrontiert. Eine Bedrohung zu unterschätzen und nicht zu handeln, verursacht große politische Kosten, da sie für die Katastrophe verantwortlich gemacht werden, die durch die von ihnen unterschätzte Bedrohung verursacht wurde. Im Gegensatz dazu ist die Übertreibung oder sogar die Erfindung einer Bedrohung und ein »mutiges« staatliches Eingreifen politisch attraktiver. Wenn sich die von den Politikern behauptete existenzielle Bedrohung tatsächlich als so große Gefahr herausstellt, werden sie als Helden gefeiert, falls sie mutige Maßnahmen ergriffen haben. Erweisen sich die Kosten dieser Maßnahmen letztlich als zu hoch im Vergleich zur tatsächlichen Gefahr, dann müssen die Politiker die Kosten der Fehlentscheidung nicht tragen, sondern können sie auf den Rest der Bevölkerung abwälzen. Politiker, die ein garantiertes Einkommen genießen, haben daher einen Anreiz, eine Gefahr zu übertreiben und übertriebene Maßnahmen zu ergreifen, was auch als politische Überreaktion bezeichnet wird, die wiederum der Entstehung und dem Wachstum einer Massenhysterie förderlich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eigentumsrechte tendenziell keine wirksamen Grenzen für die Eindämmung von Massenhysterie in einem Wohlfahrtsstaat darstellen. Außerdem kann der Staat die natürlichen Mechanismen hemmen, die Stress und Hysterie reduzieren. Die zentralisierte Natur des Staates erhöht den Gruppen- und Konformitätsdruck. Politisierte Massenmedien und negative Botschaften von offiziellen staatlichen Stellen können den psychologischen Druck weiter erhöhen. Schließlich kann der Staat absichtlich die Angst erhöhen, und Politiker haben den Anreiz, angeblich mutige Entscheidungen zu treffen und die Bedrohung zu übertreiben.

Tabelle 3 fasst die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammen.

Tabelle 3. Der Einfluss des Staates auf die Entwicklung der Massenhysterie.

Faktoren, die Massenhysterie begünstigen
Minimalstaat Moderner Wohlfahrtsstaat
Stress und Angst reduzierende Strategien Funktionieren uneingeschränkt können stark eingeschränkt werden
Grenzen für produzierten Schaden private Eigentumsrechte unsichere Eigentumsrechte
Möglichkeit des Experimentierens mit alternativen Lösungen erleichtert die Entdeckung realer Bedrohungen Zentralisierung und Gruppendenken hemmen alternative Ansätze
Politisierte Massenmedien gibt es nicht Medien tragen eher zur Hysterie bei
Negative Informationen aus autoritativen Quellen können dazu beitragen, aber der Staat wird nicht als verantwortlich für die öffentliche Gesundheit angesehen Staat wird als verantwortlich für die öffentliche Gesundheit angesehen, hohe Autorität
Angst als politischer Faktor kann eingesetzt werden, aber Staatsmacht ist streng begrenzt kann zur Ausweitung staatlicher Macht genutzt werden
Kosten von gesundheitlichen Fehlentscheidungen Begrenzte Möglichkeit, Kosten auf Dritte abzuwälzen Weitreichende Möglichkeit der Kostenabwälzung auf Dritte, Anreiz zur Übertreibung der Bedrohung

Schlussfolgerungen

Massenhysterie kann enorme Kosten für die öffentliche Gesundheit in Form von psychischem Stress, Angstzuständen und sogar körperlichen Symptomen verursachen. Zu diesen Kosten kommen indirekte Gesundheitsschäden durch Alkoholismus, Selbstmorde oder Schäden durch aufgeschobene Behandlung und verzögerte Erkennung von Krankheiten hinzu. Politisches Versagen bei Massenhysterie kann zu wirtschaftlichem Niedergang und Armut führen, was sich wiederum negativ auf die öffentliche Gesundheit und die Lebenserwartung auswirkt.

Bisherige Studien zur Massenhysterie haben sich meist auf Ausbrüche in lokalen Umgebungen wie Schulen oder Unternehmen konzentriert. Im Zeitalter der globalen Massen- und »sozialen« Medien besteht jedoch die Möglichkeit weltumfassender Massenhysterien. Es ist davon auszugehen, dass das politische System die Wahrscheinlichkeit und Ausbreitung von Massenhysterie in einer digitalisierten und globalisierten Welt auf der Grundlage wirtschaftlicher Prinzipien beeinflusst. Je mächtiger der Staat, um so größer die Wahrscheinlichkeit von Massenhysterie. Die durch Massenhysterie induzierten Politikversäumnisse sind potenziell katastrophal für die öffentliche Gesundheit.

Der Staat verstärkt und verschlimmert dank eines unscharfen öffentlichen Sektors und seiner »soft power« Massenpaniken und kann dadurch erhebliche Schäden anrichten. Er kann vorübergehende, lokal begrenzte, isolierte Ausbrüche von Massenhysterie über einen längeren Zeitraum in eine globale Massenhysterie umwandeln.

Die jüngsten Entwicklungen in der Informationstechnologie und insbesondere die Nutzung sozialer Medien sowie der Rückgang der Religion haben Gesellschaften anfälliger für die Entwicklung von Massenhysterien gemacht. Sobald eine Massenhysterie die Regierung ergreift, steigt leider das Ausmaß des Schadens, den sie an Leben und Freiheit anrichten kann, da die Achtung des Staates vor Privateigentum und grundlegenden Menschenrechten eingeschränkt ist. Die Verletzung grundlegender Menschenrechte in Form von Ausgangssperren, Quarantänen und erzwungenen Schließungen von Geschäften wurde während der COVID-19-Krise reichlich illustriert.

Demgegenüber vertritt eine Reihe von Autoren die Auffassung, invasive Eingriffe, wie z. B. Betriebsschließungen, seien aus Sicht der öffentlichen Gesundheit unnötig und der allgemeinen Gesundheit abträglich. Tatsächlich hatten frühere wissenschaftliche Untersuchungen über Maßnahmen zur Eindämmung einer möglichen Influenzapandemie vor solchen invasiven Eingriffen gewarnt und für die Aufrechterhaltung des Alltagslebens plädiert. Außerdem gab es als Reaktion auf vergangene Pandemien wie die asiatische Grippe von 1957–1958 keine Massenquarantänen, und die Forschung vor 2020 hat sich gegen sie ausgesprochen. Aus dieser Perspektive waren die Lockdowns ein politischer Fehler.

Wir haben gezeigt, dass dieser Fehler möglicherweise durch eine kollektive Hysterie hervorgerufen wurden. Um die Wiederholung von politischen Fehlentscheidungen, wie sie während der COVID-19-Krise getroffen wurden, zu verhindern, sollte man sich der in diesem Artikel entwickelten politischen Ökonomie der Massenhysterie und der Rolle des Staates bei ihrer Förderung bewusst sein. Es ist wahrscheinlich, dass die öffentliche Gesundheit durch staatliche Interventionen während einer Massenhysterie aufgrund von politischen Fehlern negativ beeinflusst wird. Der Zusammenhang von Staatsmacht und Massenhysterie ist nicht zu übersehen.


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Anmerkungen:


  1. Die Originalstudie mit dem Titel COVID-19 and the Political Economy of Mass Hysteria von Philipp Bagus, José Antonio Peña-Ramos und Antonio Sánchez-Bayón mit allen Nachweisen und Quellen ist online zugänglich: Int. J. Environ. Res. Public Health 2021, 18, 1376. https://doi.org/10.3390/ijerph18041376. Einige Nachweise werden von mir aufgeführt.
  2. Waller, J. The art of medicine: A forgotten plague: Making sense of dancing mania. The Lancet 2009, 373, 624–625. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(09)60386-X/fulltext. Starkey, M.L. The Devil in Massachusetts, a Modern Inquiry into the Salem Witch Trials; A. A. Knopf: New York, NY, USA, 1949.
  3. Lovgen, S. Behind the 1938 Radio Show Panic of “War of the Worlds”; National Geographic: Washington, DC, USA, 2005.
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  8. Oder hatten – bis zur Einführung des neuen Infektionsschutzgesetzes in Deutschland, das die Bundesregierung dazu ermächtigt, Grundrechte ohne Rücksicht auf Landesregierungen aufzuheben.
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  20. Mencken, H.L. Defense of Women; Garden City Publ. Co.: Garden City, NY, USA, 1922.
  21. Allerdings wäre es angemessener, von einer Unkultur der Angst zu sprechen.
  22. Terrorized by »War on Terror«. Online: https://www.cair.com/cair_in_the_news/zbigniew-brzezinski-terrorized-by-war-on-terror/ (Zugriff 20. Dezember 2020).
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Ein Kommentar

  1. Ulrich K. Warntjen

    Moin, dem Beitrag kann ich ohne Probleme weitestgehend zustimmen … , möchte aber den Focus gerne auf das richten, woran die gegenwärtige Situation gewissermaßen aufgehängt ist, nämlich auf das sogenannte Virus bzw. die damit verbundene Definition von Viren.
    Was spricht denn dagegen, den derzeit verwendeten Virus-Begriff grundsätzlich in Frage zu stellen (?!). Ich meine damit nicht, dass es etwas ‚Materielles‘ gibt, dass – wenn entsprechende Bedingungen vorliegen – zu Krankheiten und letztendlich auch zum Tod führen kann, sondern dass es sich um etwas ‚Materielles‘ handelt, dass eigenständig bzw. eine eigene biologische Lebensform ist …
    Denkt doch mal darüber nach, warum es bisher ‚keinerlei‘ wirklich – im ursprünglichen wissenschaftlichen Sinne – anerkannten ‚Beweis‘ für irgendein Virus gibt, sondern diese ‚Vorstellungen‘ einzig und allein n u r auf Theorien fußen, die seit geraumer Zeit n u r auf der Grundlage von ‚Konsens‘ von sogenannten ‚Wissenschaftlern‘ als ‚gültig‘ o.Ä. erklärt werden …
    Dann erübrigt sich auch jegliches ‚Mit- und Nachbeten‘, Befürworten, … von ‚Maßnahmen‘ etc. … – herzLichsT aus Ostfriesland ~

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