Zombiestudien und Fake Science

Zuletzt aktualisiert am 23. Juli 2021.

Die veröffentlichte wissenschaftliche Forschungsliteratur hat ein Problem. Richard Smith, ehemaliger Herausgeber des British Medical Journal, veröffentlichte im Blog der Zeitschrift einen Beitrag, der darauf hinweist, dass ein Fünftel aller medizinischen Forschungsarbeiten auf Betrug beruhen könnten. Er schlägt vor, inskünftig davon auszugehen, dass Forschung Betrug ist, bevor das Gegenteil erwiesen wurde. Seine Ausführungen legen nahe, dass 20 Prozent oder mehr der medizinischen Forschungsberichte Zombiestudien[1] und Fake Science sein könnten.

Zombiestudien und Fake Science

Hieronymus Bosch, Garten der Lüste, Ausschnitt. Variation zum Thema Zombiestudien und Fake Science

Die Gesundheitsforschung, so Smith, basiere auf Vertrauen. Mediziner und Redakteure von Zeitschriften, die Berichte über klinische Studien läsen, gingen davon aus, dass sie tatsächlich stattgefunden hätten und ehrlich über sie berichtet werde.[2] Aber in etwa 20% der Fälle befänden sie sich im Irrtum. Von einem solchen Prozentsatz jedenfalls spreche Ben Mol, Professor für evidenzbasierte Geburtshilfe und Gynäkologie an der Monash Health in Australien.[3] Dass der Prozentsatz an Fake Science möglicherweise weit höher ist, ergibt sich aus den weiteren Ausführungen des Autors.

Smith war nicht nur bis 2004 Herausgeber des BMJ, sondern auch Mitbegründer des Committee on Publication Ethics (COPE), langjähriger Vorsitzender des Cochrane Library Oversight Committee[4] und Mitglied des Vorstands des UK Research Integrity Office, einer Organisation, zu deren Politik es ebenfalls gehört, Gelder aus der Pharmaindustrie abzulehnen. Er weiß also, worüber er spricht. Das Problem reicht tief und ist nicht neu. Im Juni letzten Jahres mussten drei Autoren ihre in The Lancet erschienene, berüchtigte Hydroxychloroquine-Studie zurückziehen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie auf fingierten Daten beruhte.[5] Der Rückzug der Studie entlarvte einmal mehr – nach der Sokal-Affäre im Jahr 1996 und der Sokal-im-Quadrat-Affäre im Jahr 2017[6] – das System der Fachgutachter (Peer Review) als Farce, das lange Zeit als Goldstandard der Prüfungsmethodologie vor einer Veröffentlichung galt.

Smith, der sich seit 40 Jahren mit Forschungsbetrug beschäftigt, ist von den vermuteten 20% nicht überrascht, aber die Zahl, schreibt er, habe ihn auf den Gedanken gebracht, dass es vielleicht an der Zeit sei, nicht mehr davon auszugehen, dass Publikationen über Forschung berichteten, die tatsächlich stattgefunden habe und dass sie ehrlich berichteten, sondern zunächst einmal zu unterstellen, dass es sich um Betrugsversuche handle, bis das Gegenteil bewiesen sei. Grundsätzlich sollte davon ausgegangen werden. Smith führt einige Beispiele an. Ian Roberts, Professor für Epidemiologie an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, wurde von einem Kollegen darauf hingewiesen, dass eine von ihm erstellte systematische Übersichtsarbeit zu den positiven Auswirkungen von Mannitol bei Kopfverletzungen auf Studien beruhe, die nie stattgefunden hätten. Roberts ging dem Hinweis nach und fand ihn bestätigt. Alle Studien, die er ausgewertet hatte, waren von einem Hauptautor verfasst worden, der vorgab, an einer Institution zu arbeiten, die in Wahrheit gar nicht existierte und der sich einige Jahre später umbrachte – aus was für Gründen auch immer. Mehr noch: die Studien waren alle in »angesehenen« Fachzeitschriften für Neurochirurgie veröffentlicht worden und hatten mehrere Koautoren. Roberts Nachprüfung ergab, dass keiner der angeblichen Koautoren Patientendaten zu den Studien beigesteuert hatte und dass einige erst nach der Veröffentlichung erfuhren, dass sie überhaupt Koautoren waren. Einer der Herausgeber, der die Fakestudien veröffentlicht hatte, erklärte auf Nachfrage, er »traue den Daten nicht«, was Roberts rückfragen ließ, warum er die Studie dann veröffentlicht habe. Keine der Fakestudien wurde jedoch zurückgezogen.

Roberts, der eine Cochrane-Arbeitsgruppe leitet, führte eine weitere systematische Übersichtsarbeit zu Kolloiden im Vergleich zu Kristalloiden durch, und musste erneut feststellen, dass viele Studien zu diesem Thema nicht vertrauenswürdig waren. Inzwischen stehe er, so Smith, »allen systematischen Übersichtsarbeiten skeptisch gegenüber, insbesondere jenen, die eine Vielzahl kleinerer Studien« auswerteten. Während er früher davon ausgegangen sei, systematische Übersichtsarbeiten glichen der Suche nach Diamanten, nach unentdecktem Wissen, das durch intensive Suche zutage gefördert werden könne, komme er sich jetzt eher vor, als würde er Müll durchwühlen.

Mol, der ebenfalls systematische Übersichtsarbeiten durchführte, machte ähnliche Erfahrungen: die meisten Studien, die er überprüfte, waren entweder »Zombie-Studien«, die fatale Fehler aufwiesen oder nicht vertrauenswürdig. Er fragte sich, welche Dimension das Problem hatte. Zwar nehme die Zahl der Rückrufe (Rectractions) zu, sie betrage bei biomedizinischen Studien jedoch lediglich rund 0,04%. Smith führt einige bemerkenswerte Befunde an: »Der Anästhesist John Carlisle analysierte 526 Studien, die bei Anaesthesia eingereicht wurden, und fand heraus, dass 73 (14 %) falsche Daten enthielten, und 43 (8 %) als Zombiestudien eingestuft werden mussten. Als er die individuellen Patientendaten in 153 Studien untersuchte, wiesen 67 (44 %) unzuverlässige Daten auf und 40 (26 %) erwiesen sich als Zombie-Studien. Viele der Studien stammten aus denselben Ländern (Ägypten, China, Indien, Iran, Japan, Südkorea und Türkei). Als John Ioannidis, Professor an der Stanford University, die individuellen Patientendaten von Studien untersuchte, die aus diesen Ländern innerhalb eines Jahres bei Anaesthesia eingereicht wurden, stellte er fest, dass viele davon falsch waren: 100% (7/7) aus Ägypten; 75% (3/4) aus dem Iran; 54% (7/13) aus Indien; 46% (22/48) aus China; 40% (2/5) aus der Türkei; 25% (5/20) aus Südkorea; und 18% (2/11) aus Japan. Bei den meisten Studien handelte es sich um Zombies. Ioannidis schloss daraus, dass allein aus diesen Ländern Hunderttausende von Zombie-Studien stammen.«

Aufgrund solcher Befunde und ähnlicher weiterer kam Mol zu seiner Schätzung, nach der »etwa 20% aller Studien falsch sind«. Die wenigsten dieser Studien werden aber zurückgezogen.

Auch Smith ist überzeugt, dass das System der Fachgutachter Betrug nicht zu verhindern vermag. Dies liege auch daran, dass die Gutachter zu gutgläubig seien. »Wir haben jetzt einen Punkt erreicht«, so Smith, »an dem diejenigen, die systematische Übersichtsarbeiten erstellen, zunächst davon ausgehen müssen, dass eine Studie betrügerisch ist, bis sie einen Beweis für das Gegenteil haben«. Die Wahrscheinlichkeit eines Betrugs werde durch die offizielle Registrierung von Studien und Genehmigungen von Ethikkommissionen verringert. Aber solche Kriterien reichten bei weitem nicht aus.

Andere, die ebenso wie Smith das »riesige Problem« sehen, mit dem die wissenschaftliche Publikationslandschaft konfrontiert ist bzw. das sie selbst herangezüchtet hat, bemühen sich inzwischen um Abhilfe. Eine Gruppe von Autoren um Andrew Grey, einen außerordentlichen Professor für Medizin an der Universität Auckland, hat eine Checkliste entwickelt, die als »Screening-Tool« für Betrug verwendet werden kann. Ein Blick in den dazugehörigen Artikel lohnt sich. Die Autoren versuchen, die Frage der Integrität einer Publikation von jener nach der Integrität ihrer Verfasser zu trennen – ein fragwürdiges Unterfangen. »Die Integrität einer Veröffentlichung kann auf viele Arten beeinträchtigt werden. Einige sind unbeabsichtigt: Tippfehler, Transkriptionsfehler oder falsche Analysen. Andere sind absichtlich: Bildmanipulation, Datenfälschung und Plagiat. Wie die Integrität der Veröffentlichung beeinträchtigt wurde, ist zweitrangig gegenüber der Frage, ob die Arbeit zuverlässig ist. Unzuverlässige Daten oder Schlussfolgerungen sind unabhängig von der Ursache ein Problem«, schreiben sie.

Die Checkliste, die das Akronym REAPPRAISED[7] trägt, deckt Bereiche ab wie »ethische Aufsicht und Finanzierung, Forschungsproduktivität und Arbeitsbelastung der Prüfer, Validität der Randomisierung, Plausibilität der Ergebnisse und doppelte Datenzählung«. Sie kann »von jedem verwendet werden, der mit der Beurteilung eines eingereichten oder veröffentlichten Artikels zu kämpfen hat, und enthält vernünftige Bewertungen, die über den Text selbst hinausgehen. Sie kann und sollte unabhängig davon angewendet werden, ob ein Fehlverhalten vermutet wird. Ihre Anwendung kann dazu beitragen, die Identifizierung und Korrektur fehlerhafter Arbeiten zu beschleunigen, was eine Verschwendung von Ressourcen verhindert und sogar Patienten vor Schaden bewahrt.« Eindrucksvoller als die Checkliste selbst, die lediglich aufzeigt, was bisher vielfach versäumt wurde, sind die Beispiele an Fehlleistungen von Wissenschaftlern und Publikationsorganen, die die Autoren anführen. Um nur eines zu zitieren: »Ab Anfang 2013 begannen drei von uns, Zeitschriften zu kontaktieren, um auf mehrere, schwerwiegende Probleme hinzuweisen, die wir in 33 Berichten über Studien unter der Leitung der Knochengesundheitsforscher Yoshihiro Sato und Jun Iwamoto identifiziert hatten. Der erste Rückruf erschien erst Ende 2015.

Diese Verzögerung ist umso bedauerlicher, als die Bedenken bereits mehr als ein Jahrzehnt zuvor geäußert wurden. Im Jahr 2003 bewertete eine Publikation von Sato eine sehr seltene Komplikation bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Innerhalb eines Jahres erschien ein Leserbrief, der feststellte, wie überraschend es sei, dass die Forschungsgruppe es geschafft habe, 40 Personen mit dieser Komplikation in sehr kurzer Zeit zu identifizieren, obwohl das Spezialinstitut des Verfassers nur zwei Fälle ›seit Menschengedenken‹ gesehen hatte. Andere brachten Bedenken wegen der ethischen Aspekte sowie wegen zweifelhafter Randomisierung, unplausibler Rekrutierung und Ergebnisse … vor, aber zu diesem Zeitpunkt erfolgte kein redaktioneller Kommentar oder eine Korrektur; 2015-18 wurden schließlich Rückrufe veröffentlicht.

Selbst nachdem Sato 2016 zugab, Daten gefälscht zu haben, ergriffen nur 2 der 34 von uns kontaktierten Zeitschriften die Initiative, um andere Arbeiten dieser Gruppe zu bewerten, die sie veröffentlicht hatten.

Die Untersuchungen, die an den vier Institutionen durchgeführt wurden, an denen Sato und Iwamoto arbeiteten, waren unserer Meinung nach ebenfalls fehlgeleitet und unvollständig. Sie konzentrierten sich auf die Identifizierung von Fehlverhalten von Forschern, nicht auf die Zuverlässigkeit von Publikationen.« Die Frage ist aber, ob das eine vom anderen getrennt werden kann. Was, wenn nicht das Fehlverhalten von Forschern, führt denn zur Unzuverlässigkeit von Publikationen? Die Institutionen, fahren die Autoren fort, »bewerteten nur 90 von 351 potenziell gefährdeten Publikationen, und das auch nur, nachdem wir sie 2017 mit Bedenken kontaktiert hatten. Zwei Institutionen kamen nicht zu einer Einschätzung der Zuverlässigkeit von 56 der 78 betrachteten Publikationen, weil sie nicht feststellen konnten, ob ein Fehlverhalten vorlag. Die anderen beiden haben keine Bewertungen zu einzelnen Papieren abgegeben. (Die Institutionen behaupten, dass ihre Untersuchungen angemessen waren, haben aber nicht direkt auf die Kritik reagiert, und zwei gaben an, dass es schwierig sei, die Integrität von Publikationen unabhängig von Fehlverhalten zu beurteilen).

Bislang wurden mindestens 90 Arbeiten von Sato oder Iwamoto zurückgezogen. Mehr als doppelt so viele verbleiben in der Literatur, darunter 5 der 33 klinischen Studienberichte. Die Leser haben keine Möglichkeit, zu erfahren, ob diese Berichte vertrauenswürdig sind. Sie haben auch keine Anleitung, um ihre eigene Einschätzung vorzunehmen.

Diese Papiere sind nach wie vor einflussreich. In den Jahren, seit wir unsere Bedenken an die Fachzeitschriften herangetragen haben, wurden diese 33 klinischen Studienberichte mehr als 600 Mal zitiert. Sie wurden von anderen Forschern als Beleg für die Rechtfertigung von mindestens acht klinischen Studien herangezogen. Andere, die später zurückgezogen wurden, wurden in einer von der US Agency for Healthcare Research and Quality durchgeführten Überprüfung der Wirksamkeit verwendet. Sie lieferten den einzigen Beweis dafür, dass Bisphosphonate, die üblicherweise bei Osteoporose eingesetzt werden, Frakturen bei Patienten mit hohem Sturzrisiko verhindern können.«[8]

Smith weist darauf hin, dass Roberts und andere bereits 2015 einen Artikel über das Problem der vielen Zombie-Studien im British Medical Journal veröffentlicht hätten.[9] Sie hätten damals die Cochrane Collaboration und andere, die systematische Reviews durchführen, aufgefordert, das Problem des Betrugs sehr ernst zu nehmen. Inzwischen habe die Cochrane Collaboration Richtlinien zur Überprüfung von Studien erstellt, bei denen es einen Rückruf oder eine Äußerung von Bedenken gab oder die Gutachter Bedenken bezüglich der Vertrauenswürdigkeit der Daten geäußert hätten.

Laut Mol sind Rückrufe am einfachsten zu handhaben, aber sie betreffen nur einen »winzigen Bruchteil der nicht vertrauenswürdigen oder Zombie-Studien«. Der Leitartikel in der Cochrane Library zu den neuen Richtlinien, räumt ein, »dass es keine Einigung darüber gibt, was eine nicht vertrauenswürdige Studie ausmacht«, dass Screening-Tools nicht zuverlässig sind und »falsche Klassifizierungen auch zu Reputationsschäden für die Autoren, zu rechtlichen Konsequenzen und zu ethischen Problemen führen können, die damit verbunden sind, dass Personen an Studien teilgenommen haben, die später verworfen werden.« Smith weist darauf hin, dass selbst die Cochrane Collaboration Eigeninteressen verfolge, weil sie ihre Glaubwürdigkeit– und damit auch Einnahmen – verlieren könnte, wenn die Öffentlichkeit aufhöre, auf ihre Überprüfungsarbeit zu vertrauen, weil sie annehme, diese stütze sich auf nicht vertrauenswürdige Studien.

Zombiestudien und Fake Science

Barbara K. Redman, Research misconduct policy in biomedicine. Beyond the bad-apple approach

Häufig, so Smith, werde Betrug in der Forschung mit dem Argument abgetan, es handle sich um Einzelfälle, sogenannte »faule Äpfel«. Dem widerspreche jedoch Barbara K. Redman, die Verfasserin des Buches Research Misconduct Policy in Biomedicine: Beyond the Bad-Apple Approach. Sie vertrete die Auffassung, Betrug sei keineswegs ein Einzelfall, sondern ein Systemproblem. Das System biete zu viele Anreize, betrügerische Forschung zu veröffentlichen; es verfüge über keine angemessenen Regulierungsprozesse. Wissenschaftler verbuchten Veröffentlichungen als Erfolge, die ihre Karriere förderten, und da das Publikationssystem auf Vertrauen aufgebaut und die Fachbegutachtung nicht imstande sei, Betrug aufzudecken, sei es leicht, betrügerische Forschung zu veröffentlichen. Das Geschäftsmodell von Zeitschriften und Verlagen wiederum hänge davon ab, möglichst viele Studien so billig wie möglich zu veröffentlichen. Sie hätten ebensowenig Anreize, nach Betrug zu suchen, und einen Negativanreiz, nämlich Rufschädigung – und möglicherweise rechtliche Risiken – die durch das Zurückziehen von Studien drohten. Geldgeber, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen wiederum hätten ebenfalls Anreize, Studien zu finanzieren und zu veröffentlichen, und negative Anreize, die sie daran hinderten, betrügerische Forschung aufzudecken, die sie möglicherweise finanziert hätten oder die in ihrer Einrichtung durchgeführt worden sei. Den Aufsichtsbehörden schließlich fehlten häufig die rechtliche Handhabe und die Ressourcen, um auf einen offensichtlich umfangreichen Betrug zu reagieren, da der Nachweis von Betrug (im Gegensatz zum bloßen Verdacht), ein schwieriger, komplexer und zeitaufwändiger Prozess sei. Ein weiteres Problem bestehe in der zunehmenden internationalen Vernetzung der Wissenschaft (man denke an Fauci, Baric [University of North Carolina at Chapel Hill], Daszak [EcoHealth Alliance] und Shi Zhengli [Wuhan]). Die Frage, wer die wenig beneidenswerte Aufgabe übernehme, Betrug zu untersuchen, sei ungeklärt.

Die geschilderte Situation veranlasst Smith zum bemerkenswerten Plädoyer für eine »globale Steuerung der Wissenschaft«, das auf die Schaffung einer höchsten Instanz hinausläuft, die darüber entscheidet, was Wissenschaft ist und was nicht. Das Plädoyer bildet jedoch lediglich eine Tendenz ab, die derzeit tatsächlich beobachtet werden kann, auch wenn es sich bei den inzwischen etablierten Instanzen nicht um solche der Wissenschaft handelt, sondern um politische wie die WHO oder um journalistische wie Faktenchecker oder um Monopolplattformen wie Google oder Facebook. Eine weitaus effizientere Lösung bestünde in der konsequenten Trennung von Wissenschaft, Staat und Ökonomie, wie sie von Steiner seinerzeit vorgeschlagen wurde. Über die Finanzierung der Wissenschaft müsste in selbständigen Wirtschaftsparlamenten debattiert und abgestimmt werden, die aus Vertretern der Produktion, Distribution und Konsumtion – aus einem repräsentativen Querschnitt der gesamten Bevölkerung – zusammengesetzt und deren Verhandlungen öffentlich sind. Die Korruption der Wissenschaft ist darauf zurückzuführen, dass die Suche nach der Wahrheit durch wirtschaftliche und politische Interessen konterkariert wird.

Zitieren wir den letzten Absatz aus dem Artikel von Smith wörtlich: »Stephen Lock, mein Vorgänger als Herausgeber des BMJ, machte sich in den 1980er Jahren Sorgen über Wissenschaftsbetrug, aber die Leute hielten seine Bedenken für exzentrisch. Die Forschungsbehörden beharrten darauf, dass Betrug selten sei, keine Rolle spiele, weil die Wissenschaft sich selbst korrigiere, und dass keine Patienten aufgrund von wissenschaftlichem Betrug gelitten hätten. All diese Gründe, Forschungsbetrug nicht ernst zu nehmen, haben sich als falsch erwiesen, und 40 Jahre nach Locks Bedenken erkennen wir, dass das Problem riesig ist, das System Betrug begünstigt und wir keine angemessene Möglichkeit haben, darauf zu reagieren [kursiv L.R.]. Es könnte an der Zeit sein, von der Annahme, dass die Forschung ehrlich durchgeführt und wahrheitsgetreu über sie berichtet wird, zu der Annahme überzugehen, dass sie nicht vertrauenswürdig ist, bis das Gegenteil bewiesen ist.«


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Anmerkungen:


  1. Nicht zu verwechseln mit Studien oder Forschungen über Zombies: https://guides.library.cornell.edu/c.php?g=31742&p=201032 sowie: https://www.newstatesman.com/politics/health/2017/08/zombie-studies-scientists-taking-living-dead-seriously . Der Begriff »Zombiestudien« bezieht sich auf wissenschaftliche Studien, die weiterleben, nachdem sie gestorben ist. Diese werden offiziell für tot erklärt, wenn sie am Ort ihrer Veröffentlichung zurückgezogen werden. Siehe: https://sciencebasedmedicine.org/zombie-science/
  2. Der Blogbeitrag wurde am 5. Juli 2021 veröffentlicht: Time to assume that health research is fraudulent until proven otherwise? (Ist es Zeit, davon auszugehen, dass Gesundheitsforschung bis zum Beweis des Gegenteils betrügerisch ist?)https://blogs.bmj.com/bmj/2021/07/05/time-to-assume-that-health-research-is-fraudulent-until-proved-otherwise/
  3. Monash Health, Victoria, Australien | https://www.monash.edu/medicine/scs/research/evidence-based-womens-health-care | https://www.youtube.com/watch?v=RVW4Tzo_Lbg&t=23s
  4. Zur Finanzierung und den Partnerschaften von Cochrane International: https://www.cochrane.org/about-us/our-funders-and-partners
  5. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31324-6/fulltext
  6. Meist als »Jammerstudien-Affäre« übersetzt. Siehe den Artikel von James A. Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose: Academic Grievance Studies and the Corruption of Scholaship | https://areomagazine.com/2018/10/02/academic-grievance-studies-and-the-corruption-of-scholarship/
  7. Für: »Research governance, Ethics, Authorship, Productivity, Plagiarism, Research conduct, Analyses and methods, Image manipulation, Statistics, Errors, Data manipulation and reporting« (Forschungsleitung, Ethik, Autorschaft, Produktivität, Plagiat, Forschungsdurchführung, Analysen und Methoden, Bildmanipulation, Statistik, Fehler, Datenmanipulation und Berichterstattung).
  8. Andrew Grey et al., Check für publication integrity before misconduct | https://www.nature.com/articles/d41586-019-03959-6
  9. Ian Roberts et al., Das Wissenssystem, das der Gesundheitsversorgung zugrunde liegt, ist nicht zweckmäßig und muss sich ändern | https://www.bmj.com/content/350/bmj.h2463

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